Übersicht
Über diese Erkrankung
Hepatitis bezeichnet eine Entzündung der Leber, die durch eine Vielzahl von Ursachen ausgelöst werden kann. Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort 'hepar' (Leber) und der Endung '-itis' (Entzündung) ab. Als Sammelbegriff umfasst Hepatitis virale Formen (Hepatitis A, B, C, D und E), alkoholisch bedingte Leberentzündungen, toxische Schädigungen durch Medikamente oder Chemikalien sowie autoimmune Formen, bei denen das eigene Immunsystem das Lebergewebe angreift. Gemeinsam ist allen Formen, dass Leberzellen (Hepatozyten) geschädigt oder zerstört werden, was die Funktion dieses lebenswichtigen Organs beeinträchtigt. Die Leber übernimmt im Körper zentrale Aufgaben: Sie filtert Schadstoffe aus dem Blut, produziert Gerinnungsfaktoren und Gallensäuren, speichert Glykogen und reguliert den Stoffwechsel von Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten. Bei einer Hepatitis werden diese Funktionen je nach Schweregrad der Entzündung mehr oder weniger stark eingeschränkt. Pathophysiologisch kommt es zu einer Infiltration von Immunzellen in das Lebergewebe, zur Freisetzung von Entzündungsmediatoren und schließlich zum Untergang von Hepatozyten. Chronische Entzündungsprozesse können über Jahre hinweg zu einer Fibrose und letztlich zur Leberzirrhose führen. Die Häufigkeit der Hepatitis variiert stark je nach Form. Weltweit sind schätzungsweise 290 Millionen Menschen chronisch mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert, und etwa 58 Millionen Menschen leben mit einer chronischen Hepatitis-C-Infektion. In Deutschland sind Hepatitis B und C die klinisch bedeutsamsten Formen, während Hepatitis A vor allem als Reisekrankheit auftritt. Die alkoholische Hepatitis ist in westlichen Ländern ebenfalls weit verbreitet und eng mit dem Alkoholkonsum der Bevölkerung verknüpft. Autoimmunhepatitis ist seltener, betrifft aber häufig jüngere Frauen und erfordert eine lebenslange immunsuppressive Therapie. Klinisch unterscheidet man zwischen akuter und chronischer Hepatitis. Die akute Form entwickelt sich innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten und heilt in vielen Fällen folgenlos aus, kann aber in seltenen Fällen fulminant verlaufen und zu akutem Leberversagen führen. Eine Hepatitis gilt als chronisch, wenn die Entzündung länger als sechs Monate anhält. Chronische Verläufe sind besonders bei Hepatitis B, C und der Autoimmunhepatitis relevant, da sie das Risiko für Leberzirrhose und hepatozelluläres Karzinom (Leberkrebs) erheblich erhöhen. Die klinische Bedeutung der Hepatitis ist enorm: Lebererkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Gleichzeitig sind viele Formen der Hepatitis heute gut behandelbar oder sogar heilbar. Hepatitis C kann durch moderne antivirale Medikamente in über 95 Prozent der Fälle vollständig geheilt werden. Für Hepatitis A und B stehen wirksame Impfstoffe zur Verfügung. Frühzeitige Diagnose und konsequente Behandlung sind entscheidend, um Langzeitschäden zu verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten.
