Übersicht
Über diese Erkrankung
Arthrose, medizinisch als Osteoarthritis bezeichnet, ist die häufigste Gelenkerkrankung weltweit und eine der bedeutendsten Ursachen für chronische Schmerzen und körperliche Beeinträchtigung im Erwachsenenalter. Sie ist durch den fortschreitenden Abbau des Gelenkknorpels gekennzeichnet, betrifft aber das gesamte Gelenk als Organ – einschließlich des subchondralen Knochens, der Gelenkkapsel, der Synovialmembran und der umgebenden Muskulatur. Entgegen früherer Vorstellung handelt es sich nicht um einen rein passiven Verschleißprozess, sondern um eine aktive, biologisch gesteuerte Erkrankung mit entzündlichen Komponenten. Pathophysiologisch kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen Auf- und Abbauprozessen im Knorpelgewebe. Chondrozyten, die knorpelbildenden Zellen, reagieren auf mechanische Überlastung, Verletzungen oder metabolische Störungen mit der Freisetzung von Enzymen, die die Knorpelmatrix abbauen. Gleichzeitig werden entzündliche Botenstoffe wie Interleukin-1 und TNF-alpha ausgeschüttet, die den Prozess weiter beschleunigen. Im Verlauf kommt es zur Verschmälerung des Gelenkspalts, zur Bildung von Knochenwucherungen (Osteophyten) an den Gelenkrändern sowie zu Veränderungen im subchondralen Knochen. Die Synovialmembran kann sich entzünden und zu Gelenkergüssen führen, was die Schmerzsymptomatik verstärkt. Arthrose betrifft in Deutschland schätzungsweise fünf bis sechs Millionen Menschen, wobei die Prävalenz mit dem Alter deutlich zunimmt. Unter den 65- bis 74-Jährigen zeigen bildgebende Befunde bei mehr als der Hälfte der Bevölkerung arthrotische Veränderungen, wenngleich nicht alle Betroffenen klinische Beschwerden entwickeln. Am häufigsten betroffen sind das Kniegelenk (Gonarthrose), das Hüftgelenk (Coxarthrose) sowie die kleinen Fingergelenke. Auch Wirbelsäule, Schulter, Sprunggelenk und Daumengrundgelenk können erkranken. Frauen sind insgesamt häufiger betroffen als Männer, besonders nach der Menopause. Klinisch äußert sich die Arthrose typischerweise durch belastungsabhängige Schmerzen, die sich in frühen Stadien nach Ruhe bessern, im fortgeschrittenen Stadium aber auch in Ruhe auftreten können. Charakteristisch ist der sogenannte Anlaufschmerz – ein Schmerz zu Beginn einer Bewegung nach längerer Ruheposition –, der sich nach kurzer Aktivität wieder legt. Mit zunehmender Erkrankungsschwere nehmen Bewegungseinschränkung, Gelenksteifigkeit und funktionelle Behinderung zu. Die Lebensqualität der Betroffenen kann erheblich beeinträchtigt sein, mit Auswirkungen auf Mobilität, Schlaf, Berufsfähigkeit und psychisches Wohlbefinden. Die klinische Bedeutung der Arthrose ist enorm: Sie ist eine der häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung in Deutschland und verursacht erhebliche direkte und indirekte Kosten im Gesundheitssystem. Trotz intensiver Forschung gibt es bislang keine krankheitsmodifizierende Therapie, die den Knorpelabbau nachweislich aufhält. Die Behandlung zielt daher auf Schmerzlinderung, Funktionserhalt und Verbesserung der Lebensqualität ab. Ein frühzeitiger, multimodaler Therapieansatz – bestehend aus Bewegungstherapie, Gewichtsmanagement, Schmerzmedikation und bei Bedarf operativen Maßnahmen – gilt als Goldstandard der Versorgung.
