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Arthrose
Knie & Hüfte

Arthrose an Knie und Hüfte: Therapien im Vergleich, Weg zur Prothese, Erfahrungsberichte, Versorgung in der Schweiz, Deutschland und Österreich, Entlastungsrechner und Druckvorlagen.

Stand Oktober 2026

Therapien

Therapien im Überblick

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung überhaupt. Weltweit leben nach der Global-Burden-of-Disease-Auswertung (Lancet Rheumatology, 2023) etwa 595 Millionen Menschen mit Arthrose, am häufigsten betroffen sind Knie und Hüfte. In Deutschland gaben in der Gesundheitsbefragung des Robert Koch-Instituts (GEDA 2014/2015) rund 18 Prozent der Erwachsenen an, in den letzten zwölf Monaten eine ärztlich festgestellte Arthrose gehabt zu haben. Für die Schweiz und Österreich liegen die Zahlen in einer ähnlichen Grössenordnung. Ab etwa 60 Jahren ist sie eher die Regel als die Ausnahme, auch wenn längst nicht jede Veränderung im Röntgenbild Schmerzen macht.

Das Grundproblem: Gelenkknorpel hat keine eigenen Blutgefässe und kann sich beim Erwachsenen kaum erneuern. Was an Knorpelsubstanz verloren ist, lässt sich mit keinem Medikament, keiner Spritze und keinem Nahrungsergänzungsmittel wieder aufbauen. Arthrose betrifft aber das ganze Gelenk: Knochen unter dem Knorpel, Gelenkkapsel, Schleimhaut, Bänder und die umgebende Muskulatur. Genau dort setzt die Therapie an. Schmerzen und Funktion hängen viel stärker von Muskelkraft, Entzündungsaktivität, Gewicht, Schlaf und Stimmung ab als vom Röntgenbefund. Zwei Menschen mit gleichem Bild können völlig unterschiedlich beeinträchtigt sein.

Alle massgeblichen Leitlinien setzen deshalb bei denselben drei Grundpfeilern an: Information über die Erkrankung, Bewegung und gezielte Trainingstherapie, bei Übergewicht eine Gewichtsreduktion. Das gilt für die deutsche S2k-Leitlinie Gonarthrose der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU, AWMF-Register 033-004, Aktualisierung 2024), für die internationalen Empfehlungen der Osteoarthritis Research Society International (OARSI, 2019) und für die britische NICE-Leitlinie NG226 (2022). Für die Hüfte gilt in Deutschland die S2k-Leitlinie Koxarthrose (AWMF 033-001, Stand 2019). Medikamente und Spritzen sind Ergänzungen für Phasen mit stärkeren Schmerzen, keine Basis. Der Gelenkersatz kommt in Frage, wenn die konservative Behandlung über Monate ausgeschöpft ist und der Alltag trotzdem stark eingeschränkt bleibt.

Kernfakten in Zahlen: Strukturierte Trainingstherapie senkt Knieschmerzen in Studien im Mittel um etwa 25 bis 30 Prozent, im dänischen GLA:D-Programm um 27 Prozent nach drei Monaten. Bei Übergewicht bringt ein Gewichtsverlust ab etwa 5 Prozent eine spürbare Verbesserung, ab 10 Prozent eine deutliche. Jedes Kilogramm weniger entlastet das Kniegelenk beim Gehen um etwa 4 Kilogramm pro Schritt (Messier, Arthritis & Rheumatism 2005). Schmerzmittel und Spritzen wirken meist kleiner und kürzer, als viele erwarten. Eine Knie-Totalendoprothese hält nach 25 Jahren bei etwa 82 Prozent der Operierten noch, eine Hüftprothese bei etwa 58 Prozent (Evans, Lancet 2019). Die häufigsten Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie betreffen Magen, Darm, Nieren und Herz-Kreislauf (orale NSAR), bei Spritzen sind es vorübergehende Reizungen des Gelenks und selten Infektionen.

Therapien im Vergleich

Therapie
Trainingstherapie und Physiotherapie (z. B. GLA:D-Programm)
Ansatz
Kräftigung, neuromuskuläres Training, Gangschulung, Aufklärung; GLA:D: 2 Schulungseinheiten plus 12 betreute Trainingseinheiten über 6 Wochen, danach Heimprogramm
Indikation
Jede Knie- und Hüftarthrose, unabhängig von Alter, Stadium und Röntgenbefund; auch vor und nach Gelenkersatz
Erwarteter Nutzen
Schmerzreduktion etwa 25 bis 30 Prozent; GLA:D-Register Dänemark: minus 27 Prozent Schmerz nach 3 Monaten, weniger Schmerzmittel, weniger Krankheitstage; Effekt an der Hüfte etwas kleiner als am Knie
Status/Zugang
Erstlinientherapie in allen Leitlinien (stark empfohlen); Physiotherapie auf ärztliche Verordnung in CH, DE, AT kassenpflichtig; GLA:D in der Schweiz und Österreich über zertifizierte Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten
Risiken
Vorübergehender Muskelkater, leichte Schmerzzunahme in den ersten Wochen; ernsthafte Komplikationen sehr selten; Wirkung lässt nach, wenn das Training aufhört
Therapie
Gewichtsreduktion
Ansatz
Energiedefizit über Ernährung, kombiniert mit Bewegung; bei Adipositas ergänzend Medikamente oder bariatrische Chirurgie (siehe Hub Adipositas)
Indikation
Kniearthrose mit Übergewicht (BMI ab 25), bei Hüftarthrose als Teil der Gesamtbehandlung
Erwarteter Nutzen
Ab 5 Prozent Gewichtsverlust klinisch relevante Besserung; IDEA-Studie (JAMA 2013): Diät plus Training mit etwa 11 Prozent Gewichtsverlust senkte den Knieschmerz deutlicher als Training allein
Status/Zugang
Stark empfohlen für Knie (OARSI, NICE, S2k); Ernährungsberatung je nach Land teilweise kassenpflichtig
Risiken
Kaum Risiken; Hauptproblem ist die Wiederzunahme; bei sehr schnellem Abnehmen Muskelverlust und Gallensteine
Therapie
Topische NSAR (z. B. Diclofenac-Gel)
Ansatz
Entzündungshemmer als Gel oder Pflaster direkt auf die Haut über dem Gelenk, meist 2 bis 4 Mal täglich
Indikation
Kniearthrose, besonders bei Menschen über 75 oder mit Risiken für Magen, Niere oder Herz; an der Hüfte wenig wirksam, weil das Gelenk tief liegt
Erwarteter Nutzen
Etwa 1 von 10 Behandelten erreicht über 6 bis 12 Wochen eine Halbierung der Schmerzen zusätzlich zu Placebo (Cochrane 2016)
Status/Zugang
Rezeptfrei in Apotheken; NICE und OARSI: erste medikamentöse Wahl bei Kniearthrose
Risiken
Hautrötung, Juckreiz, Lichtempfindlichkeit; systemische Nebenwirkungen sehr selten
Therapie
Orale NSAR (z. B. Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac, Celecoxib)
Ansatz
Hemmung der Cyclooxygenase, schmerzlindernd und entzündungshemmend; niedrigste wirksame Dosis, möglichst kurz, mit Magenschutz (Protonenpumpenhemmer)
Indikation
Schubhafte Schmerzen, wenn Training und topische Mittel nicht reichen
Erwarteter Nutzen
Moderate Schmerzlinderung, im Mittel etwa 1 bis 1,5 Punkte auf einer 10-Punkte-Skala gegenüber Placebo; wirksamer als Paracetamol
Status/Zugang
Teils rezeptfrei, höhere Dosen und Coxibe rezeptpflichtig; in allen Leitlinien nur zeitlich begrenzt empfohlen
Risiken
Magengeschwüre und Blutungen, Nierenfunktionsverschlechterung, Blutdruckanstieg, erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko; Vorsicht über 65, bei Blutverdünnern, Herz- und Nierenerkrankungen
Therapie
Kortisoninjektion ins Gelenk
Ansatz
Einspritzung eines kristallinen Glukokortikoids (z. B. Triamcinolon), oft mit Lokalanästhetikum; an der Hüfte unter Ultraschall- oder Röntgenkontrolle
Indikation
Akuter Reizzustand mit Erguss und Entzündung, Überbrückung bis zum Training oder bis zur Operation
Erwarteter Nutzen
Kurzfristige Linderung über etwa 1 bis 6 Wochen; danach kein Vorteil gegenüber Placebo; wiederholte Gaben alle 3 Monate über 2 Jahre brachten keinen Schmerzvorteil, aber mehr Knorpelverlust (McAlindon, JAMA 2017)
Status/Zugang
Kassenleistung in CH, DE und AT; Leitlinien: bedingt empfohlen, in der Regel höchstens 3 bis 4 Injektionen pro Gelenk und Jahr; mindestens 3 Monate Abstand zu einer geplanten Prothese
Risiken
Selten Gelenkinfektion, vorübergehender Blutzuckeranstieg bei Diabetes, Gesichtsrötung, Hautveränderungen an der Einstichstelle; bei häufiger Anwendung mögliche Beschleunigung des Knorpelabbaus
Therapie
Hyaluronsäure-Injektion
Ansatz
Einspritzung von Hyaluronsäure als Medizinprodukt, meist 1 bis 5 Spritzen im Wochenabstand; soll die Gelenkflüssigkeit "schmieren"
Indikation
Leichte bis mittlere Kniearthrose, wenn andere Massnahmen nicht reichen; an der Hüfte nicht empfohlen
Erwarteter Nutzen
Gering: In grossen, sauber verblindeten Studien kaum Unterschied zu Placebo-Spritzen (Rutjes, Annals of Internal Medicine 2012); einzelne Betroffene berichten über monatelange Besserung
Status/Zugang
Meist Selbstzahlerleistung (CH: nicht über Grundversicherung, DE: IGeL, AT: privat); OARSI 2019 bedingt für Knie, NICE 2022: nicht anbieten; IGeL-Monitor: "tendenziell negativ"
Risiken
Vorübergehende Schmerz- und Schwellungsreaktion, selten Gelenkinfektion; Kosten ohne gesicherten Nutzen
Therapie
PRP (plättchenreiches Plasma, Eigenbluttherapie, auch ACP)
Ansatz
Eigenes Blut wird abgenommen, zentrifugiert und das konzentrierte Plasma mit Blutplättchen ins Gelenk gespritzt, meist 3 Injektionen
Indikation
Wird bei leichter bis mittlerer Kniearthrose angeboten
Erwarteter Nutzen
Uneinheitlich; die grosse australische RESTORE-Studie (Bennell, JAMA 2021, 288 Teilnehmende) fand nach 12 Monaten keinen Vorteil gegenüber Kochsalz bei Schmerz und Knorpeldicke; kleinere Studien positiver, oft mit Verzerrungsrisiko
Status/Zugang
Selbstzahlerleistung in CH, DE und AT; nicht standardisiert, Präparate unterscheiden sich stark; ACR 2019 und NICE: nicht empfohlen
Risiken
Vorübergehende Schmerzen und Schwellung, Bluterguss an der Entnahmestelle, selten Infektion; hohe Kosten
Therapie
Kniegelenksprothese (Knie-TEP oder Teilprothese)
Ansatz
Ersatz der Gelenkflächen am Ober- und Unterschenkel, eventuell auch der Kniescheibenrückfläche; bei isolierter Innen- oder Aussenseite Schlittenprothese (unikondylär)
Indikation
Fortgeschrittene Arthrose (Kellgren-Lawrence 3 bis 4), Schmerzen über mindestens 3 bis 6 Monate trotz konservativer Therapie, deutliche Einschränkung der Lebensqualität (S3-Leitlinie EKIT-Knie 2018)
Erwarteter Nutzen
Etwa 80 Prozent sind mit dem Ergebnis zufrieden, 10 bis 20 Prozent behalten relevante Beschwerden; Skou (NEJM 2015): nach 12 Monaten deutlich bessere Werte als mit Training allein; Haltbarkeit etwa 82 Prozent nach 25 Jahren
Status/Zugang
Kassenleistung in CH, DE, AT; DE: Zweitmeinungsverfahren, Mindestmenge 50 pro Klinikstandort und Jahr
Risiken
Infektion etwa 1 Prozent, Thrombose, Steifheit, anhaltende Schmerzen, Lockerung, Nervenschäden; Narkoserisiken; Revisionsoperation bei jüngeren Menschen häufiger
Therapie
Hüftgelenksprothese (Hüft-TEP)
Ansatz
Ersatz von Hüftkopf und Hüftpfanne, zementiert, zementfrei oder Kombination; minimalinvasive Zugänge möglich
Indikation
Fortgeschrittene Koxarthrose mit Ruhe- und Nachtschmerz, deutlich eingeschränkter Gehstrecke, Versagen der konservativen Therapie (S3-Leitlinie EKIT-Hüfte 2021)
Erwarteter Nutzen
Zufriedenheit über 90 Prozent, schnelle Erholung über 6 bis 12 Wochen; Haltbarkeit etwa 58 Prozent nach 25 Jahren, etwa 89 Prozent nach 15 Jahren (Evans, Lancet 2019)
Status/Zugang
Kassenleistung in CH, DE, AT; DE: kein Zweitmeinungsverfahren, Qualitätsdaten über EPRD und EndoCert
Risiken
Luxation (Ausrenken) etwa 1 bis 2 Prozent, Infektion etwa 1 Prozent, Beinlängendifferenz, Thrombose, Knochenbruch um die Prothese, Lockerung
Therapie
Kniegelenksarthroskopie (bei Arthrose nicht empfohlen)
Ansatz
Gelenkspiegelung mit Spülung (Lavage), Glättung des Knorpels (Débridement) oder Teilentfernung des Meniskus
Indikation
Bei Arthrose ohne mechanische Blockade keine Indikation; Ausnahmen: echte Gelenkblockade durch eingeklemmte Meniskus- oder Knorpelteile, akute Verletzung
Erwarteter Nutzen
Kein Vorteil gegenüber Scheinoperation (Moseley, NEJM 2002) oder Physiotherapie (Kirkley, NEJM 2008); BMJ-Empfehlung 2017: stark dagegen
Status/Zugang
DE: seit 2016 bei Gonarthrose keine GKV-Leistung mehr (G-BA), Ausnahmen wie oben; NICE 2022: nicht anbieten; in CH und AT ebenfalls nicht mehr empfohlen
Risiken
Thrombose, Infektion, Nachblutung, Ausfallzeit; mögliche Beschleunigung der Arthrose nach Meniskusteilentfernung

Trainingstherapie und Physiotherapie. Training wirkt über mehrere Wege: Kräftigere Oberschenkel- und Hüftmuskeln stabilisieren das Gelenk und verteilen die Last, ein besseres Gleichgewicht reduziert Stürze und Fehlbelastung, und regelmässige Bewegung dämpft die Schmerzverarbeitung im Nervensystem. Der Knorpel selbst wird durch Bewegung ernährt, weil Gelenkflüssigkeit nur bei Be- und Entlastung in ihn hineingepresst wird. Das dänische GLA:D-Programm (Good Life with osteoArthritis in Denmark, entwickelt von Søren Skou und Ewa Roos ab 2013) hat dieses Wissen standardisiert: zwei Schulungseinheiten über Arthrose, Schmerz und Bewegung, danach zwölf betreute Einheiten neuromuskulären Trainings über sechs Wochen. Die Registerdaten von über 9000 Teilnehmenden zeigten 27 Prozent weniger Schmerz nach drei Monaten, die Wirkung hielt bei vielen nach zwölf Monaten an. Ob GLA:D, ein anderes strukturiertes Programm oder Training in einer Physiotherapiepraxis: Entscheidend ist, dass die Übungen über Monate weitergehen. Radfahren, Schwimmen, Aquafit, Nordic Walking und Krafttraining an Geräten sind gute Ergänzungen. Schmerz während des Trainings ist bis zu einem mittleren Wert erlaubt, wenn er bis zum nächsten Tag wieder abklingt.

Gewichtsreduktion. Am Knie wirkt das Gewicht fast eins zu eins auf das Gelenk, beim Treppensteigen ein Vielfaches davon. Fettgewebe setzt ausserdem entzündungsfördernde Botenstoffe frei, was erklärt, warum Übergewicht auch die Arthrose an der Hand begünstigt. Die IDEA-Studie (Messier, JAMA 2013) mit 454 Teilnehmenden über 18 Monate zeigte: Wer Diät und Training kombinierte und rund 11 Prozent abnahm, hatte die deutlichste Schmerzreduktion. Eine spätere Auswertung derselben Gruppe legte nahe, dass mehr Gewichtsverlust auch mehr hilft, ohne feste Obergrenze. An der Hüfte ist der Zusammenhang schwächer, das Abnehmen bleibt aber für Operationsrisiko, Herz-Kreislauf und Diabetes wichtig. Wer stark übergewichtig ist, findet die Optionen von der Ernährungsberatung bis zur Operation im Hub Adipositas & Gewichtsmanagement.

Topische und orale NSAR. Nichtsteroidale Antirheumatika hemmen die Bildung von Prostaglandinen, also Botenstoffen, die Schmerz und Entzündung vermitteln. Als Gel oder Pflaster (zum Beispiel Diclofenac als Voltaren Dolo Gel oder als Generikum) gelangt nur wenig Wirkstoff ins Blut, deshalb sind systemische Nebenwirkungen selten. Am Knie ist das die erste medikamentöse Wahl. Die Wirkung ist moderat, zeigt sich nach etwa einer Woche und lässt sich nach zwei bis vier Wochen beurteilen. Orale NSAR wirken etwas stärker, bringen aber die bekannten Risiken mit: Magenblutungen, Nierenschäden, Blutdruckanstieg und ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Leitlinien empfehlen sie deshalb in der niedrigsten wirksamen Dosis, so kurz wie möglich und mit einem Protonenpumpenhemmer als Magenschutz. Paracetamol wird kaum noch empfohlen, weil sein Effekt bei Arthrose klinisch kaum messbar ist (Machado, BMJ 2015). Für Menschen mit gleichzeitiger chronischer Schmerzverstärkung oder Depression nennen OARSI und die S2k-Leitlinie Duloxetin als mögliche Option, mit Übelkeit und Müdigkeit als häufigsten Nebenwirkungen.

Kortisoninjektion. Eine Spritze mit Kortison ins Gelenk ist sinnvoll, wenn das Knie geschwollen, warm und gereizt ist. Die Entzündung der Gelenkschleimhaut geht zurück, oft innerhalb weniger Tage. Nach etwa vier bis sechs Wochen ist der Effekt im Mittel verflogen. Wiederholte Injektionen in kurzen Abständen schaden eher: In der Studie von McAlindon (JAMA 2017) erhielten 140 Menschen über zwei Jahre alle drei Monate Triamcinolon oder Kochsalz. Bei den Schmerzen gab es keinen Unterschied, der Knorpel wurde unter Kortison etwas schneller dünner. Kortison ist deshalb ein Werkzeug für den akuten Reizzustand, nicht für die Dauerbehandlung. Wer eine Prothese plant, sollte in den drei Monaten davor keine Spritze mehr bekommen, weil das Infektionsrisiko der Operation steigen kann.

Hyaluronsäure und PRP. Beide Verfahren werden häufig angeboten und häufig selbst bezahlt. Die Idee bei der Hyaluronsäure: Sie ist ein natürlicher Bestandteil der Gelenkflüssigkeit, die Spritze soll das Gelenk wieder geschmeidiger machen. Eine Übersichtsarbeit über 89 Studien mit mehr als 12 000 Teilnehmenden (Rutjes, Annals of Internal Medicine 2012) fand einen kleinen, klinisch kaum relevanten Effekt, der in den grossen und gut verblindeten Studien fast verschwand. PRP beruht auf Wachstumsfaktoren aus Blutplättchen, die Entzündung dämpfen und Heilung anregen sollen. Laborbefunde sind vielversprechend, die klinischen Studien uneinheitlich, und die Präparate sind so verschieden, dass "PRP" kein einheitliches Produkt bezeichnet. Wer sich trotzdem dafür entscheidet, sollte die Kosten vorher schriftlich bekommen, nach der Herstellungsmethode fragen und realistische Erwartungen haben: Einzelne profitieren über Monate, im Durchschnitt ist der Unterschied zu einer Placebo-Spritze klein.

Gelenkersatz. Die Endoprothese ist bei fortgeschrittener Arthrose die wirksamste Therapie und gleichzeitig die einzige, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Die dänische Studie von Skou (NEJM 2015) mit 100 Teilnehmenden verglich Knie-TEP plus zwölf Wochen Training mit dem Training allein. Nach zwölf Monaten hatte sich die Gruppe mit Operation im Knie-Score KOOS um 32,5 Punkte verbessert, die Trainingsgruppe um 16,0 Punkte. Gleichzeitig hatte die operierte Gruppe deutlich mehr schwere Komplikationen (24 gegenüber 6 Ereignissen), und drei Viertel der Trainingsgruppe kamen ein Jahr lang ohne Operation aus. Die Prothese hilft also deutlich, und trotzdem kommt ein guter Teil der Menschen mit Operationsindikation kommt mit konsequentem Training erstaunlich weit.

Was nicht oder kaum hilft: Glucosamin, Chondroitin, Arthroskopie, Opioide

Bei Arthrose werden viele Mittel und Eingriffe angeboten, deren Nutzen in guten Studien nicht belegt ist. Das heisst nicht, dass niemand eine Besserung spürt: Arthroseschmerzen schwanken von Natur aus, und der Placeboeffekt ist bei Gelenkschmerzen gross. Gerade deshalb braucht es Vergleiche mit Scheinbehandlungen.

Glucosamin und Chondroitin. Beide sind Bausteine des Knorpels und werden als Nahrungsergänzung, in manchen Ländern auch als Arzneimittel verkauft. Die Hoffnung war, dass sie den Knorpelaufbau unterstützen. Die grosse amerikanische GAIT-Studie (Clegg, NEJM 2006) mit 1583 Teilnehmenden fand nach 24 Wochen weder für Glucosamin noch für Chondroitin noch für die Kombination einen signifikanten Unterschied zu Placebo, während das Schmerzmittel Celecoxib besser abschnitt. Eine Netzwerk-Metaanalyse mit 3803 Patientinnen und Patienten (Wandel, BMJ 2010) bestätigte: kein klinisch relevanter Effekt auf Schmerz oder Gelenkspalt. NICE 2022 empfiehlt, Glucosamin und Chondroitin nicht anzubieten, die amerikanische Rheumatologengesellschaft (ACR 2019) rät stark ab, OARSI 2019 spricht keine Empfehlung aus. Studien, die vom Hersteller finanziert wurden, fielen im Mittel günstiger aus als unabhängige. Schaden richten die Mittel selten an, es sei denn, jemand nimmt Blutverdünner wie Warfarin, deren Wirkung Glucosamin verstärken kann. Das grössere Problem sind die Kosten über Jahre und die Gefahr, wirksame Massnahmen wie Training aufzuschieben.

Arthroskopie bei Arthrose. Die Gelenkspiegelung mit Spülen und Glätten des Knorpels galt lange als Standard. Die Studie von Moseley (NEJM 2002) mit 180 Veteranen verglich sie mit einer Scheinoperation, bei der nur die Haut eingeschnitten wurde: Nach zwei Jahren gab es keinen Unterschied. Kirkley (NEJM 2008) bestätigte das mit 178 Teilnehmenden gegenüber Physiotherapie. Auch die Teilentfernung eines degenerativ eingerissenen Meniskus bringt bei Menschen mittleren Alters nicht mehr als eine Scheinoperation (FIDELITY-Studie, Sihvonen, NEJM 2013). Das BMJ veröffentlichte 2017 eine starke Empfehlung gegen arthroskopische Eingriffe bei degenerativen Kniebeschwerden. In Deutschland hat der Gemeinsame Bundesausschuss die Arthroskopie bei Gonarthrose seit 2016 aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gestrichen, mit Ausnahmen für Verletzungen, akute Blockaden und eindeutig mechanische Beschwerden. Wer eine Arthroskopie bei bekannter Arthrose angeboten bekommt, sollte eine Zweitmeinung einholen.

Opioide. Stark wirksame Opioide wie Oxycodon, Morphin oder Fentanyl-Pflaster sind bei Arthrose keine sinnvolle Dauertherapie. In der SPACE-Studie (Krebs, JAMA 2018) mit 240 Menschen mit chronischen Rücken-, Knie- oder Hüftschmerzen war eine Opioidtherapie über zwölf Monate bei der Funktion nicht besser als eine Behandlung ohne Opioide, die Schmerzintensität war in der Nicht-Opioid-Gruppe sogar etwas niedriger, und Nebenwirkungen traten häufiger auf. NICE 2022 rät von starken Opioiden bei Arthrose ab, OARSI 2019 ebenfalls. Schwache Opioide wie Tramadol oder Tilidin können kurzzeitig überbrücken, zum Beispiel bis zur Operation, wenn NSAR nicht in Frage kommen. Bei älteren Menschen erhöhen sie das Sturzrisiko, verursachen Verstopfung, Übelkeit und Benommenheit und können abhängig machen.

Weitere Verfahren mit schwacher Evidenz. Akupunktur, TENS (elektrische Nervenstimulation), Stosswellen, Magnetfeld- und Lasertherapie zeigen in Studien mit guter Scheinkontrolle keine oder nur kleine Effekte. NICE 2022 empfiehlt sie nicht. Die S2k-Leitlinie bewertet einzelne physikalische Verfahren zurückhaltender und überlässt sie der individuellen Entscheidung. Stammzellinjektionen sind ausserhalb von Studien nicht zu empfehlen, die Präparate sind meist nicht zugelassen und teuer. Orthesen und Einlagen können bei bestimmten Achsfehlstellungen helfen, ein Gehstock auf der Gegenseite entlastet das betroffene Gelenk messbar.

Der Weg zur Prothese: Zeitpunkt, Teil- vs. Totalendoprothese, Lebensdauer, Reha

Der richtige Zeitpunkt. Es gibt keinen Röntgenwert, ab dem operiert werden muss. Die deutschen S3-Leitlinien zur Indikation (EKIT-Knie 2018, EKIT-Hüfte 2021) nennen fünf Hauptkriterien: anhaltender Gelenkschmerz über mindestens drei bis sechs Monate, ein sichtbarer Strukturschaden im Röntgenbild (Kellgren-Lawrence Grad 3 oder 4), ausgeschöpfte konservative Therapie über mindestens drei bis sechs Monate, eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität und ein subjektiver Leidensdruck. Zu den Gegenanzeigen zählen eine aktive Infektion, nicht eingestellte schwere Begleiterkrankungen und ein Röntgenbild ohne fortgeschrittene Veränderung. Ein früher Zeitpunkt ist nicht automatisch besser. Wer mit 50 Jahren eine Knieprothese erhält, hat ein Lebenszeitrisiko für eine Wechseloperation von bis zu 35 Prozent bei Männern, wer mit über 70 operiert wird, nur etwa 5 Prozent (Bayliss, Lancet 2017). Wer aber zu lange wartet und Muskelkraft, Beweglichkeit und Fitness verliert, erholt sich nach der Operation oft schlechter. Gute Fragen für das Gespräch: Wie weit kann ich noch gehen? Schlafe ich nachts? Was gebe ich gerade auf, das mir wichtig ist?

Teil- oder Totalendoprothese am Knie. Ist nur die Innenseite (seltener die Aussenseite) des Kniegelenks betroffen und sind Kreuzbänder und die übrigen Gelenkanteile intakt, kommt eine Teilprothese in Frage, auch Schlittenprothese oder unikondyläre Prothese genannt. Sie ersetzt nur den verschlissenen Anteil, erhält mehr eigenes Gewebe und ermöglicht oft eine schnellere Erholung und ein natürlicheres Gefühl im Knie. Die britische TOPKAT-Studie (Beard, Lancet 2019) mit 528 Teilnehmenden fand nach fünf Jahren vergleichbare Ergebnisse bei Funktion und Zufriedenheit, die Teilprothese war kostengünstiger. Dafür muss sie häufiger gewechselt werden: Nach 25 Jahren halten etwa 70 Prozent der Teilprothesen, bei Totalendoprothesen sind es etwa 82 Prozent (Evans, Lancet 2019). Ein Wechsel von der Teil- auf eine Totalprothese ist meist gut machbar. Wie oft Teilprothesen eingesetzt werden, schwankt stark zwischen Kliniken. Zentren mit grosser Erfahrung erzielen bessere Standzeiten, deshalb lohnt die Frage nach der jährlichen Fallzahl.

Lebensdauer und Registerdaten. Die Haltbarkeit einer Prothese hängt vom Implantat, von der Erfahrung des Operationsteams, vom Alter, Gewicht und Aktivitätsniveau ab. Die grosse Auswertung von Registerdaten aus mehreren Ländern (Evans, Lancet 2019) ergab für Knie-TEP etwa 93 Prozent nach 15 und 82 Prozent nach 25 Jahren, für Hüft-TEP etwa 89 Prozent nach 15 und 58 Prozent nach 25 Jahren. Nationale Register helfen, auffällige Implantate früh zu erkennen. In Deutschland ist das das Endoprothesenregister Deutschland (EPRD), in der Schweiz das Implantatregister SIRIS, in Österreich das Österreichische Endoprothesenregister. Die häufigsten Gründe für einen Wechsel sind Lockerung, Infektion, Instabilität und Abrieb.

Ablauf und Reha. Vor der Operation stehen Abklärungen an: Röntgen, Blutwerte, Herz-Kreislauf-Check, Zahnstatus (Infektionsherde), Einstellung von Blutzucker und Blutdruck, Pausieren bestimmter Medikamente. Rauchstopp und ein vorbereitendes Training (Prähabilitation) verbessern das Ergebnis. Die Operation dauert etwa ein bis zwei Stunden, in Voll- oder Teilnarkose. Viele Kliniken arbeiten heute nach einem Fast-Track-Konzept: Aufstehen am Operationstag oder am ersten Tag danach, Vollbelastung in der Regel erlaubt, Spitalaufenthalt etwa drei bis sieben Tage. Dazu kommt eine Thromboseprophylaxe über mehrere Wochen. Die anschliessende Rehabilitation dauert stationär oder ambulant meist drei Wochen, danach folgt ambulante Physiotherapie über Wochen bis Monate. Nach einer Hüftprothese sind viele nach sechs bis zwölf Wochen wieder weitgehend selbständig, Autofahren ist häufig nach etwa sechs Wochen möglich. Am Knie dauert es länger: Schwellung und Bewegungsschmerz können sechs bis zwölf Monate anhalten, das Ziel ist eine Beugung von mindestens 100 bis 110 Grad. Sportarten wie Radfahren, Schwimmen, Wandern, Golf und Langlauf sind meist wieder möglich, bei Sprungsportarten und Kontaktsport raten die meisten Fachgesellschaften zur Zurückhaltung.

Hüfte vs. Knie: Unterschiede in Verlauf und Zufriedenheit

Beschwerden und Verlauf. Die Kniearthrose beginnt meist an der Innenseite des Gelenks, häufig begünstigt durch O-Beine, frühere Meniskus- oder Bandverletzungen und Übergewicht. Typisch sind Anlaufschmerz, Beschwerden beim Treppabgehen und wiederkehrende Schwellungen. Die Hüftarthrose macht sich oft als Leistenschmerz bemerkbar, der in den Oberschenkel bis zum Knie ausstrahlen kann, dazu eine zunehmende Einschränkung beim Drehen des Beines, etwa beim Schuhe- und Sockenanziehen. Angeborene Formvarianten wie eine Hüftdysplasie oder ein femoroacetabuläres Impingement sind wichtige Ursachen bei jüngeren Menschen. Der Verlauf ist bei beiden Gelenken individuell: Viele Kniearthrosen bleiben über Jahre stabil, manche Hüftarthrosen schreiten innerhalb weniger Jahre bis zur Operationsbedürftigkeit fort, selten sogar binnen Monaten (rasch destruierende Koxarthrose).

Konservative Therapie. Trainingstherapie hilft an beiden Gelenken, am Knie im Mittel etwas stärker. Die Cochrane-Übersichten ergaben eine mittlere Effektstärke von etwa 0,5 für das Knie (Fransen 2015) und etwa 0,4 für die Hüfte (Fransen 2014). Gewichtsreduktion wirkt am Knie deutlicher. Topische NSAR sind am Knie sinnvoll, an der tiefliegenden Hüfte kaum. Hyaluronsäure wird an der Hüfte von keiner der grossen Leitlinien empfohlen. Kortisonspritzen in die Hüfte sind möglich, sollten aber unter Bildkontrolle erfolgen, weil das Gelenk tief liegt.

Zufriedenheit nach Gelenkersatz. Hier ist der Unterschied am deutlichsten. Die Hüftprothese gilt seit einem vielzitierten Artikel im Lancet (Learmonth, 2007) als "Operation des Jahrhunderts": Mehr als 90 Prozent der Operierten sind zufrieden, Schmerzen bessern sich oft schon in den ersten Tagen. Nach einer Knie-TEP sind etwa 80 Prozent zufrieden (Bourne, Clinical Orthopaedics 2010), 10 bis 20 Prozent haben auch ein Jahr später noch relevante Schmerzen oder sind mit der Funktion unzufrieden. Risikofaktoren dafür sind starke Schmerzen vor der Operation an mehreren Stellen, depressive Verstimmung, unrealistische Erwartungen und eine nur leichte Arthrose im Röntgenbild. Das Knie ist ein komplexeres Gelenk mit Roll-Gleit-Bewegung und vielen Bändern, die Prothese bildet das nie ganz nach. Viele Operierte "spüren" ihr Knie, bei der Hüfte vergessen viele nach einem Jahr, dass sie eine Prothese tragen.

Erfahrungsberichte

Was Patienten erzählen

Die Erfahrungsberichte sind redaktionell verfasste, anonymisierte Beispiele auf Basis typischer Therapieverläufe. Sie ersetzen keine medizinische Beratung.

Bericht 1

Erfolg

"Nach sechs Wochen hab ich die Stöcke in den Keller gestellt. Im Sommer war ich wieder am Gaisberg."

Herbert M., 67, Salzburg (AT)

Therapiedauer
9 Monate seit der Operation
Therapie
Hüft-Totalendoprothese rechts (zementfrei), danach stationäre Reha und Physiotherapie

Ich war mein Leben lang am Berg. Mit 60 hat es angefangen, ein Ziehen in der Leiste, das ich für eine Zerrung gehalten hab. Zwei Jahre bin ich damit herumgelaufen, hab Salben geschmiert und gedacht, das gibt sich. Es hat sich nicht gegeben. Irgendwann konnte ich mir die Socken rechts nicht mehr anziehen, ohne dass meine Frau mir hilft. Das war der Moment, wo ich zum Orthopäden gegangen bin.

Das Röntgen war eindeutig: Gelenkspalt fast weg, Knochen auf Knochen. Der Arzt hat mir trotzdem nicht gleich die Operation angeboten. Zuerst ein Jahr Physio, Schmerzmittel bei Bedarf, Gewicht halten. Ich hab das gemacht, ehrlich gesagt mit wenig Begeisterung. Die Physio hat geholfen, die Beweglichkeit eine Zeit lang zu halten, aber der Schmerz in der Nacht wurde immer schlimmer. Wenn du dich im Bett nicht mehr umdrehen kannst, ohne aufzuwachen, dann ist die Lebensqualität halt beim Teufel.

Bericht 2

Erfolg

"Die Reha war die härteste Zeit meines Lebens. Nach einem Jahr kann ich sagen: Es hat sich gelohnt."

Gisela R., 71, Bochum (DE)

Therapiedauer
13 Monate seit der Operation
Therapie
Knie-Totalendoprothese links, drei Wochen Anschlussheilbehandlung, danach ambulante Physiotherapie

Ich will gleich sagen, wie es war, weil mir vorher alle erzählt haben, das Knie sei nach sechs Wochen wie neu. Bei mir nicht. Das Knie ist nach einem Jahr gut. Dazwischen lagen Monate, in denen ich geheult habe.

Die Arthrose im linken Knie hatte ich seit über zehn Jahren. Ich war Verkäuferin, immer auf den Beinen. Zuletzt kam ich mit dem Hund keine zwei Strassen mehr weit, und das Knie war morgens so steif, dass ich die ersten Schritte wie ein Storch gemacht habe. Ich habe Spritzen bekommen, Kortison zweimal, das hat jeweils ein paar Wochen geholfen. Mit 70 habe ich dann ja gesagt.

Bericht 3

Erfolg

"Der Orthopäde hatte schon das Formular für die Operation vor sich. Ich hab gesagt: Ich probiere zuerst das Training."

Ursula B., 63, St. Gallen (CH)

Therapiedauer
8 Wochen Programm, seither 5 Monate eigenständiges Training
Therapie
GLA:D-Programm (Schulung und angeleitetes Gruppentraining) bei Kniearthrose beidseits

Zuerst war ich skeptisch, das gebe ich zu. Ich hatte vorher schon Physio gehabt, Massage, Fango, ein bisschen Velo auf dem Gerät. Gebracht hat das wenig. Als mein Orthopäde im Frühling von einer Knieprothese rechts gesprochen hat, war ich fast erleichtert. Endlich eine Lösung, hab ich gedacht. Meine Tochter ist Physiotherapeutin in Zürich. Sie hat gesagt, ich soll vorher GLA:D machen. Ich hab nie davon gehört gehabt.

Das Programm kommt aus Dänemark. Am Anfang gibt es zwei Schulungen: was Arthrose ist, warum Bewegung den Knorpel nicht weiter kaputt macht, wie man mit Schmerz beim Training umgeht. Dann zweimal pro Woche eine Stunde Training in der Gruppe, zwölf Mal. Bei mir hat es wegen der Sommerferien acht Wochen gedauert statt sechs. Wir waren sieben Leute, die meisten älter als ich, einer kam mit dem Rollator.

Bericht 4

Erfolg

"Jedes Kilo weniger merke ich im Knie. Das hat mir niemand so deutlich gesagt."

Reto K., 48, Winterthur (CH)

Therapiedauer
14 Monate
Therapie
Gewichtsreduktion mit Ernährungsberatung, Krafttraining und Velofahren bei Kniearthrose beidseits

Ich bin Polier auf dem Bau. Mit 46 hatte ich Knieschmerzen, die nicht mehr weggingen, vor allem beim Knien und beim Treppensteigen auf der Baustelle. Ich hab gedacht, das ist Meniskus, wie bei meinem Bruder. Im MRI war es eine beginnende Arthrose auf beiden Seiten, innen mehr als aussen. Ich war 106 Kilo bei 1,79 Meter. Der Hausarzt hat das Gewicht angesprochen, und ich war zuerst hässig. Ich hab mir gedacht, jetzt kommt wieder die Diät-Predigt.

Er hat es dann anders erklärt. Beim Gehen trägt das Knie ein Mehrfaches vom Körpergewicht, bei der Treppe noch mehr. Jedes Kilo, das ich verliere, nimmt also bei jedem Schritt mehrere Kilo Last vom Knie. Das hat mich überzeugt, weil ich das rechnen kann.

Bericht 5

In Anpassung

"Knapp 900 Euro hab ich ausgegeben. Ob es was gebracht hat, kann ich bis heute nicht sagen."

Werner H., 79, Rosenheim (DE)

Therapiedauer
2 Jahre
Therapie
Hyaluronsäure-Injektionen ins rechte Knie, drei Serien zu je drei Spritzen, dazu Schmerzmittel bei Bedarf

Mein rechtes Knie ist seit gut 15 Jahren kaputt. Mit 79 will ich keine Operation mehr, das hab ich für mich entschieden, auch weil ich ein Herzproblem habe und blutverdünnende Medikamente nehme. Mein Orthopäde hat mir vor zwei Jahren die Hyaluronspritzen angeboten. Er hat erklärt, das sei wie Schmiere für das Gelenk. Die Kasse zahlt es nicht, es ist eine Selbstzahlerleistung. Ich hab unterschrieben, weil ich dachte, probieren kann man es ja.

Die erste Serie war drei Spritzen im Abstand von einer Woche. Nach der zweiten Spritze war das Knie zwei Tage dick und warm, das hat mich erschreckt. Der Arzt sagte, das komme vor. Danach ging es mir tatsächlich besser, etwa vier Monate lang. Ich bin wieder bis zum Bäcker und zurück gelaufen, ohne Pause auf der Bank.

Bericht 6

In Anpassung

"Alle sagen, das wird schon. Nach acht Monaten tut das Knie immer noch weh und biegt sich nicht."

Brigitte S., 59, Linz (AT)

Therapiedauer
8 Monate seit der Operation
Therapie
Knie-Totalendoprothese rechts, Mobilisation in Narkose nach 10 Wochen, intensive Physiotherapie

Ich hab mich auf die Operation gefreut, so blöd das klingt. Fünf Jahre Schmerzen, zuletzt konnte ich im Büro nicht mehr länger als eine halbe Stunde sitzen, ohne dass ich aufstehen musste. Ich war 58, und mein Orthopäde hat gesagt, für eine Prothese bin ich eher jung, aber das Gelenk ist fertig. Ich hab im Jänner operiert.

Die ersten zwei Wochen waren so, wie man es erwartet, schmerzhaft, aber es ging vorwärts. Dann ist es stehen geblieben. Bei der Reha hab ich die Beugung nicht über 70 Grad geschafft, und gestreckt ging das Knie auch nicht ganz durch. Die Therapeuten waren freundlich, haben aber immer mehr gedrückt. Ich hab vor jeder Einheit Schmerzmittel genommen und trotzdem geweint. Nach zehn Wochen hat der Operateur eine Mobilisation in Narkose gemacht, das heisst, sie haben das Knie in Vollnarkose durchbewegt und die Verklebungen gelöst. Danach war ich kurz bei 100 Grad. Innerhalb von einem Monat bin ich wieder auf 85 zurückgefallen.

Bericht 7

Frühe Phase

"Ich bin zwanzig Jahre Marathon gelaufen. Und dann sagt mir einer: Arthrose. Mit 52."

Andrea L., 52, Luzern (CH)

Therapiedauer
6 Wochen
Therapie
Umstieg vom Laufen auf Schwimmen und Krafttraining, Physiotherapie, bei Bedarf entzündungshemmendes Gel

Seit ich 30 bin, laufe ich. Zwölf Marathons, unzählige Halbe, der Swiss City Marathon in Luzern war jedes Jahr gesetzt. Letzten Winter hat das linke Knie bei längeren Läufen angefangen zu schmerzen, innen, ein dumpfer Schmerz nach etwa 15 Kilometern. Ich hab Schuhe gewechselt, Umfänge reduziert, einmal sechs Wochen Pause gemacht. Es kam immer wieder.

Die Sportärztin hat mich zum Röntgen und ins MRI geschickt. Diagnose: Gonarthrose medial, mittelgradig, dazu ein alter degenerativer Meniskusriss, an den ich mich nicht erinnere. Ich bin im Auto gesessen und hab geweint. Für mich war Arthrose etwas für meine Grosseltern.

Bericht 8

Abgesetzt

"Ich hab die Dinger genommen wie Gummibärchen, bis ich morgens im Bad umgekippt bin."

Jürgen W., 67, Bochum (DE)

Therapiedauer
6 Jahre Ibuprofen, seit 14 Monaten Gel und Training
Therapie
Ibuprofen oral, danach Diclofenac-Gel (Voltaren Schmerzgel) und Krafttraining im Rehasport

Angefangen hat das mit dem Ibuprofen ganz harmlos. Rechtes Knie, später auch das linke, Arthrose Grad 3 laut Röntgen. Der Hausarzt hat damals 400 mg bei Bedarf aufgeschrieben, und Bedarf hatte ich eigentlich immer. Ich war 33 Jahre unter Tage und danach Hausmeister in einer Schule, da läuft man den ganzen Tag. Also morgens eine, mittags eine, abends eine. Wenn wir mit dem Kegelclub unterwegs waren, auch mal vier. Rezept brauchte ich irgendwann keins mehr, die 400er gibt es ja in jeder Apotheke.

Sechs Jahre ging das so. Sodbrennen hatte ich öfter, das hab ich mit Kaiser Natron weggemacht und mir nichts dabei gedacht. Einen Magenschutz hat mir keiner verschrieben, und ich hab auch nicht gefragt. Das nehme ich mir heute selber übel.

Bericht 9

Abgesetzt

"Für 1'200 Franken habe ich vor allem gelernt, wie man mir etwas verkauft."

Claudia M., 54, Winterthur (CH)

Therapiedauer
3 Injektionen über 3 Wochen, 6 Monate Beobachtung
Therapie
Plättchenreiches Plasma (PRP) ins linke Knie

Mein linkes Knie macht seit etwa fünf Jahren Ärger. Innenseite, Arthrose mittleren Grades, so stand es im Bericht. Ich arbeite als Primarlehrerin und stehe viel, und abends hatte ich oft ein dumpfes Pochen, das bis in den Schlaf ging. Physiotherapie hatte ich zweimal gemacht, jeweils neun Sitzungen, und dann irgendwann aufgehört mit den Übungen. Das gebe ich zu.

Auf PRP bin ich über eine Freundin gekommen, die beim Golf eine Sehnengeschichte damit behandelt hatte. Die Praxis, die sie empfahl, hatte eine schöne Website: körpereigene Wachstumsfaktoren, Regeneration, "Knorpel unterstützen". Im Gespräch war der Arzt freundlich und sehr überzeugt. Er sprach von guten Erfahrungen bei vielen Patientinnen und meinte, drei Spritzen im Wochenabstand, dann sollte ich nach etwa sechs Wochen einen Unterschied merken. Von Studien war nicht die Rede, und ich habe nicht nachgehakt, weil ich es glauben wollte.

Bericht 10

Erfolg

"Im Stall merkt man schnell, ob ein Knie etwas taugt."

Ueli S., 63, Emmental (CH)

Therapiedauer
2 Operationen im Abstand von 9 Monaten, insgesamt 20 Monate seit der ersten
Therapie
Knietotalprothese rechts, 9 Monate später links, jeweils stationäre Reha

Ich habe einen Milchwirtschaftsbetrieb mit 26 Kühen, zusammen mit meinem Sohn. Die Knie sind bei mir schon lange nicht mehr gut gewesen, krumme Beine, O-Beine, wie der Vater. Mit 55 hat es angefangen, mit 60 bin ich am Morgen die Stalltreppe rückwärts runter, weil vorwärts gar nicht mehr ging. Melken in der Hocke, das hat irgendwann einfach aufgehört. Ich habe Tabletten genommen, Spritzen bekommen, ein Jahr lang Physio. Gebracht hat es immer ein paar Wochen.

Der Orthopäde in Burgdorf hat die Röntgenbilder angeschaut und gesagt, da sei innen kein Knorpel mehr, Knochen auf Knochen, beidseits. Er hat mir beide Varianten erklärt, beide Knie in einer Operation oder nacheinander. Gleichzeitig wäre schneller vorbei, aber das Risiko für Herz und Lunge sei etwas höher, und ich sei danach eine Zeit lang auf beiden Seiten wacklig. Mit meinem Blutdruck und weil ich auf dem Hof gebraucht werde, haben wir uns für nacheinander entschieden. Zuerst das rechte, das schlimmere.

Bericht 11

Erfolg

"Einzel spiele ich nicht mehr, das hab ich mir mit dem Operateur ausgehandelt."

Brigitte H., 58, Salzburg (AT)

Therapiedauer
14 Monate seit der Operation
Therapie
Hüfttotalprothese rechts, 3 Wochen stationäre Reha, danach ambulante Physiotherapie

Tennis spiele ich seit ich zwölf bin, Mannschaft im Verein, und mit Anfang fünfzig hab ich gemerkt, dass ich auf der Rückhandseite nicht mehr hinkomme. Die Leiste hat gezogen, dann auch nachts. Socken anziehen am rechten Fuss wurde zum Turnen. Die Diagnose war eindeutig: fortgeschrittene Hüftarthrose rechts, links noch ganz ordentlich.

Ich hab mich lange gewehrt. Eine Prothese mit 58, das klang für mich nach Endstation, nach Rollator und Sitztanz. Mein Orthopäde hat das anders gesehen. Er meinte, bei Hüftarthrose im Endstadium sei die Prothese eine der verlässlichsten Operationen überhaupt, und wenn ich noch zehn Jahre warte, verliere ich Muskulatur, die ich nachher nicht mehr so leicht zurückbekomme.

Bericht 12

In Anpassung

"Der Orthopäde hat mir eine Zahl genannt, und die stand dann zehn Monate an meinem Kühlschrank."

Esther B., 61, Biel (CH)

Therapiedauer
10 Monate
Therapie
Ernährungsberatung, Wassergymnastik, Semaglutid (Wegovy) und Metformin, Knieprothese rechts geplant

Wenn man dick ist und Knieschmerzen hat, hört man ständig, man solle halt abnehmen. Das wusste ich selbst. Nur ist es schwierig, abzunehmen, wenn man nach 200 Metern stehen bleiben muss. Ich habe seit 15 Jahren Diabetes Typ 2, seit acht Jahren Arthrose in beiden Knien, rechts schlimmer. Vor einem Jahr wog ich 118 Kilo bei 1,66 Meter, BMI fast 43, und mein Langzeitzucker lag bei 8,4 Prozent.

Beim Orthopäden im Spital war ich mit einer klaren Erwartung: Ich will das neue Knie. Er hat die Bilder angeschaut, gesagt, dass eine Prothese medizinisch angebracht wäre, und dann den Satz, der mich zuerst richtig verletzt hat. Unter einem BMI von 40 und mit einem HbA1c unter 8 operieren sie. Darüber sei das Risiko für Wundinfekte, Thrombosen und eine Lockerung zu hoch. Ich bin im Auto gesessen und habe geheult. Es kam mir vor wie eine Strafe.

Bericht 13

Frühe Phase

"Sieben Monate Warten, hab ich mir gedacht, sind sieben Monate verloren. Da hab ich mich geirrt."

Franz G., 71, Wiener Neustadt (AT)

Therapiedauer
3 Monate von 7 Monaten Wartezeit
Therapie
Prähabilitation mit Physiotherapie, Heimübungen und Ergometer vor geplanter Knietotalprothese links

Im Juni hat mir der Primar im Landesklinikum gesagt, dass mein linkes Knie eine Prothese braucht. Im selben Gespräch hat die Sekretärin den Termin gesucht: Jänner. Sieben Monate. Ich war ehrlich gesagt grantig. Wer zahlt, kommt schneller dran, hat mein Schwager gemeint, und ich hab überlegt, ob ich die Ersparnisse dafür hernehme. Meine Frau war dagegen, und mein Hausarzt auch, aus einem anderen Grund.

Er hat gesagt: Franz, nutzen Sie die Zeit. Je kräftiger der Oberschenkel vor der Operation ist, desto leichter wird es nachher. Das nennt sich Prähabilitation, ein Wort, das ich vorher nie gehört hatte. Wie viel es wirklich für das Ergebnis nach der OP bringt, sei nicht ganz geklärt, aber für die Wartezeit selbst bringe es meistens etwas.

Bericht 14

Frühe Phase

"Der erste Arzt hatte den OP-Termin schon im Kalender. Der zweite hat gefragt, was ich eigentlich alles probiert habe."

Heike R., 59, Freiburg im Breisgau (DE)

Therapiedauer
8 Wochen
Therapie
Strukturiertes Trainingsprogramm mit Physiotherapie, Gewichtsreduktion, bei Bedarf Diclofenac-Gel, nach Zweitmeinung Knieprothese vorerst zurückgestellt

Mein rechtes Knie schmerzt seit gut drei Jahren, am meisten beim Treppab und nach langen Tagen im Laden. Ich führe eine Buchhandlung, da bin ich viel auf den Beinen und auf der Leiter. Im Frühling war ich bei einem Orthopäden, Röntgen, kurzes Gespräch, und am Ende lag ein Zettel für eine Knieprothese auf dem Tisch. Vorher Physiotherapie? Er meinte, bei dem Bild bringe das nicht mehr viel.

Mir ging das zu schnell. Eine Kundin, die selbst ein neues Knie hat, hat mir dann erzählt, dass man in Deutschland vor bestimmten geplanten Eingriffen eine Zweitmeinung einholen darf und die Kasse das bezahlt. Ich wusste das nicht. Meine Kasse hat mir eine Liste mit Ärzten geschickt, die dafür zugelassen sind, und ich bekam nach fünf Wochen einen Termin an der Uniklinik.

Versorgung & Kosten

Vom ersten Gespräch zur Begleitung

1

Diagnose in der Hausarztpraxis

Ab etwa 45 Jahren lässt sich eine Arthrose meist allein aus Beschwerden und Untersuchung erkennen: belastungsabhängiger Schmerz, Morgensteifigkeit unter 30 Minuten, eingeschränkte Beweglichkeit. NICE 2022 rät in dieser Situation, auf Röntgen oder MRT zu verzichten. Ein Röntgenbild wird sinnvoll bei untypischen Beschwerden, vor einer Operationsplanung oder bei raschem Verlauf; eine MRT ist bei Arthrose fast nie nötig. Wichtig ist der Ausschluss anderer Ursachen, etwa entzündlicher Gelenkerkrankungen, Gicht oder bei der Hüfte von Rückenproblemen.

2

Basisbehandlung mit Training, Gewicht und Schmerzplan

Hausärztin oder Hausarzt verordnen Physiotherapie oder vermitteln ein strukturiertes Programm wie GLA:D, ergänzt um Ernährungsberatung bei Übergewicht und einen Plan für Schmerzspitzen (zuerst topische NSAR, bei Bedarf kurzzeitig orale NSAR). Realistisch ist ein Zeitraum von drei bis sechs Monaten mit klaren Zielen, zum Beispiel einer längeren Gehstrecke oder Treppen ohne Geländer. Danach wird gemeinsam Bilanz gezogen.

3

Abklärung bei Orthopädie oder Rheumatologie

Wenn die Beschwerden trotz konsequenter Basisbehandlung den Alltag stark einschränken, folgt die Überweisung an die Orthopädie, bei Verdacht auf entzündliche Ursachen an die Rheumatologie. Dort werden Röntgenbefund, Achsstellung und die Optionen von der Kortisonspritze bis zur Prothese besprochen. Vor einer geplanten Knie-TEP lohnt sich eine Zweitmeinung, in Deutschland ist sie gesetzlich geregelt.

4

Operation, Reha und langfristige Begleitung

Nach einer Operation folgen Rehabilitation, Physiotherapie und Kontrollen, in der Regel nach sechs Wochen, einem Jahr und dann alle paar Jahre mit Röntgen. Wer nicht operiert wird, bleibt in der Begleitung: Das Training wird angepasst, Schübe werden behandelt, und die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für den Gelenkersatz wird regelmässig neu gestellt. Rheumaliga, Selbsthilfegruppen und Bewegungsgruppen helfen, über Jahre dranzubleiben.

Kostenübernahme im Ländervergleich

Wer verschreibt und überweist
Schweiz (CH)
Hausärztin/Hausarzt, Orthopädie, Rheumatologie; im Hausarzt- oder HMO-Modell zuerst die Hausarztpraxis
Deutschland (DE)
Hausärztin/Hausarzt, Orthopädie und Unfallchirurgie, Rheumatologie; Facharzt auch direkt ohne Überweisung möglich
Österreich (AT)
Allgemeinmedizin, Orthopädie und Traumatologie, Rheumatologie; Kassenärztin oder Wahlärztin mit Teilrückerstattung
Physiotherapie
Schweiz (CH)
Grundversicherung bei ärztlicher Verordnung, je 9 Sitzungen, weitere Serien auf erneute Verordnung, längerfristig mit Rücksprache Vertrauensarzt; Franchise und 10 Prozent Selbstbehalt; GLA:D-Programm über zertifizierte Praxen, Abrechnung als Physiotherapie
Deutschland (DE)
Heilmittel auf Verordnung, Arthrose ist Diagnosegruppe im Heilmittelkatalog (meist 6 Einheiten pro Verordnung); Zuzahlung 10 Prozent plus 10 EUR pro Verordnung; Reha-Sport und Funktionstraining auf Verordnung
Österreich (AT)
ÖGK übernimmt Physiotherapie bei Vertragspartnern nach chefärztlicher Bewilligung (je nach Bundesland), bei Wahlphysiotherapeutinnen Teilrückerstattung; lange Wartezeiten auf Kassenplätze üblich
Medikamente und Kortisonspritze
Schweiz (CH)
NSAR und Kortisoninjektion über Grundversicherung, sofern auf der Spezialitätenliste; Diclofenac-Gel teils Selbstzahlung, wenn rezeptfrei gekauft
Deutschland (DE)
Verschreibungspflichtige NSAR und Kortisoninjektion GKV-Leistung, 5 bis 10 EUR Zuzahlung pro Medikament; rezeptfreie Gels meist selbst bezahlt (Ausnahmen unter 12 Jahren)
Österreich (AT)
Erstattung nach Erstattungskodex, Rezeptgebühr pro Packung (2025: 7,55 EUR); Kortisoninjektion Kassenleistung
Hyaluronsäure-Injektion
Schweiz (CH)
Meist Selbstzahler, nicht über die Grundversicherung; einzelne Zusatzversicherungen beteiligen sich; etwa 100 bis 350 CHF pro Injektion, Serie von 3 bis 5 Spritzen etwa 300 bis 1200 CHF
Deutschland (DE)
IGeL (Individuelle Gesundheitsleistung), etwa 50 bis 150 EUR pro Injektion, Serie etwa 150 bis 600 EUR; IGeL-Monitor: "tendenziell negativ"
Österreich (AT)
Privatleistung, etwa 80 bis 250 EUR pro Injektion, Serie etwa 250 bis 900 EUR; Wahlarzthonorar kommt teils dazu
PRP / Eigenbluttherapie
Schweiz (CH)
Selbstzahler, etwa 250 bis 600 CHF pro Injektion, Serie von 3 Injektionen etwa 750 bis 1800 CHF
Deutschland (DE)
IGeL, etwa 150 bis 400 EUR pro Injektion, Serie etwa 450 bis 1200 EUR
Österreich (AT)
Privatleistung, etwa 150 bis 450 EUR pro Injektion, Serie etwa 450 bis 1350 EUR
Gelenkersatz (Knie- und Hüftprothese)
Schweiz (CH)
Stationäre Leistung über Grundversicherung (SwissDRG) in einem Listenspital, Kanton zahlt mindestens 55 Prozent; Spitalbeitrag 15 CHF pro Tag; halbprivate oder private Zusatzversicherung für freie Arzt- und Spitalwahl schweizweit und Zimmerkomfort; Qualitätsdaten im Implantatregister SIRIS
Deutschland (DE)
GKV-Leistung im Krankenhaus, Zuzahlung 10 EUR pro Tag, höchstens 28 Tage pro Jahr; Zweitmeinungsverfahren bei Knie-TEP (G-BA-Richtlinie, Anspruch auf unabhängige Zweitmeinung, Aufklärung mindestens 10 Tage vor dem Eingriff); Mindestmenge 50 Knie-TEP pro Klinikstandort und Jahr; Endoprothesenregister EPRD, Zertifizierung EndoCert
Österreich (AT)
Kassenleistung in öffentlichen Spitälern; Spitalskostenbeitrag je nach Bundesland etwa 20 bis 30 EUR pro Tag (höchstens 28 Tage); Wartezeiten je nach Bundesland und Spital etwa 3 bis 12 Monate, öffentliche Spitäler müssen Wartelisten für Endoprothetik transparent führen; Sonderklasse-Zusatzversicherung verkürzt Wartezeit oft und ermöglicht Arztwahl
Reha nach Gelenkersatz
Schweiz (CH)
Stationäre Reha nur mit Kostengutsprache bei medizinischer Begründung (Alter, Begleiterkrankungen, Wohnsituation), sonst ambulante Physiotherapie; Zusatzversicherung übernimmt teils Kurhaus oder Komfort
Deutschland (DE)
Anschlussheilbehandlung (AHB) stationär oder ambulant, Beginn innerhalb von 14 Tagen nach Entlassung, meist 3 Wochen; Kostenträger Deutsche Rentenversicherung (Erwerbstätige) oder Krankenkasse (Rentnerinnen und Rentner); Zuzahlung 10 EUR pro Tag
Österreich (AT)
Stationäre Reha über Pensionsversicherungsanstalt oder ÖGK, meist 3 Wochen; einkommensabhängige Zuzahlung etwa 10 bis 25 EUR pro Tag, Befreiung bei geringem Einkommen; ambulante Reha (Phase II) zunehmend verfügbar
Hilfsmittel
Schweiz (CH)
Gehstöcke, Einlagen, Orthesen über die Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL) mit Höchstvergütungsbeträgen
Deutschland (DE)
Hilfsmittel auf Verordnung, Zuzahlung 10 Prozent (5 bis 10 EUR); Pflegehilfsmittel nach Antrag
Österreich (AT)
Heilbehelfe und Hilfsmittel über die Kasse mit Selbstbehalt (meist 10 Prozent, Mindestbetrag)
Selbstbehalt und typische Jahreskosten (konservativ)
Schweiz (CH)
Franchise 300 bis 2500 CHF pro Jahr, danach 10 Prozent Selbstbehalt bis 700 CHF; mit Selbstzahlerspritzen realistisch einige hundert bis über 2000 CHF pro Jahr
Deutschland (DE)
Zuzahlungen bis zur Belastungsgrenze von 2 Prozent des Bruttoeinkommens (1 Prozent bei chronisch Kranken); IGeL zusätzlich
Österreich (AT)
Rezeptgebühren mit Obergrenze von 2 Prozent des Nettoeinkommens; Wahlarzt- und Privatleistungen zusätzlich
Regulierungs- und Fachbehörden
Schweiz (CH)
Swissmedic (Arzneimittel und Medizinprodukte), BAG (Leistungskatalog, Spezialitätenliste, MiGeL), Swiss Orthopaedics, ANQ (Qualitätsmessung)
Deutschland (DE)
BfArM (Arzneimittel, Medizinprodukte), G-BA (Leistungen, Zweitmeinung, Mindestmengen), IQWiG (Bewertung), Medizinischer Dienst
Österreich (AT)
BASG/AGES (Arzneimittel, Medizinprodukte), Dachverband der Sozialversicherungsträger (Erstattungskodex), ÖGK

Ein paar Erläuterungen zur Tabelle. In der Schweiz ist der Gelenkersatz eine stationäre Leistung. Hüft- und Knieprothesen gehören nicht zu den Eingriffen, die nach dem Grundsatz "ambulant vor stationär" ambulant erfolgen müssen, im Gegensatz etwa zur Kniearthroskopie. Wer nur grundversichert ist, wird im Listenspital des Wohnkantons oder zu dessen Tarif behandelt, die Operateurin oder den Operateur kann man nicht frei wählen. Eine halbprivate oder private Zusatzversicherung erlaubt die freie Wahl, kann aber für bestehende Arthrose Vorbehalte enthalten, wenn sie erst nach der Diagnose abgeschlossen wurde. Hyaluronsäure ist in der Schweiz ein Medizinprodukt und nicht auf der Spezialitätenliste, daher Selbstzahlung.

In Deutschland gibt es drei Mechanismen, die die Qualität beim Kniegelenkersatz sichern sollen. Das Zweitmeinungsverfahren nach der G-BA-Richtlinie gibt Versicherten das Recht, vor einer geplanten Knie-TEP eine unabhängige zweite Ärztin oder einen zweiten Arzt zu konsultieren, die Krankenkasse übernimmt die Kosten. Die behandelnde Praxis muss darauf mindestens zehn Tage vor dem Eingriff hinweisen. Die Mindestmenge von 50 Knie-TEP pro Klinikstandort und Jahr soll verhindern, dass Kliniken mit wenig Routine operieren. Für Hüftprothesen gibt es keine Mindestmenge. Das Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) erfasst Implantationen und Wechsel und veröffentlicht jährlich Standzeiten nach Implantat und Klinik. Zertifizierte Endoprothetikzentren (EndoProthetikZentrum und EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung nach EndoCert) müssen Fallzahlen und Qualitätskriterien nachweisen. IGeL-Leistungen wie Hyaluronsäure oder PRP müssen vorab schriftlich vereinbart werden, mit Angabe der voraussichtlichen Kosten nach der Gebührenordnung für Ärzte.

In Österreich ist der Zugang zum Gelenkersatz grundsätzlich gut, das Hauptproblem sind die Wartezeiten. Seit 2011 müssen öffentliche Spitäler für bestimmte planbare Operationen, darunter Hüft- und Knieendoprothetik, Wartelisten nach transparenten Kriterien führen, wenn die Wartezeit vier Wochen überschreitet. Patientinnen und Patienten haben das Recht, ihren Platz auf der Liste zu erfragen. Wartezeiten von einem halben Jahr und mehr sind in manchen Regionen üblich, zwischen Bundesländern und Spitälern gibt es grosse Unterschiede. Eine Anfrage bei mehreren Spitälern lohnt sich. Wer eine Sonderklasse-Zusatzversicherung hat, wird oft schneller operiert, was immer wieder kritisch diskutiert wird.

Preise für Hyaluronsäure und PRP sind Orientierungswerte. Sie hängen vom Produkt, von der Anzahl der Spritzen, von Ultraschallkontrolle und Arzthonorar ab. Ein schriftlicher Kostenvoranschlag vor Behandlungsbeginn ist in allen drei Ländern sinnvoll. Leistungen, Franchisen, Zuzahlungen und Tarife ändern sich jährlich, und individuelle Versicherungsmodelle können abweichen.

Spezialisten finden

Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis: Dort wird die Diagnose gestellt, das Basisprogramm verordnet und koordiniert. Für die Trainingstherapie sind Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten zuständig, idealerweise mit Erfahrung in Arthroseprogrammen; in der Schweiz und Österreich listen die GLA:D-Länderorganisationen zertifizierte Praxen, in Deutschland bieten viele Praxen vergleichbare Programme unter anderem Namen an. Für die Abklärung fortgeschrittener Arthrose und die Operationsplanung sind Fachärztinnen und Fachärzte für Orthopädie und Traumatologie (CH, AT) beziehungsweise Orthopädie und Unfallchirurgie (DE) zuständig, bei Verdacht auf entzündliche Gelenkerkrankungen die Rheumatologie. Für den Gelenkersatz lohnt sich der Blick auf die Erfahrung des Zentrums: In Deutschland zeigen EndoCert-Zertifizierung und EPRD-Teilnahme die Qualitätsarbeit, in der Schweiz veröffentlichen ANQ und SIRIS Daten zu Revisionsraten der Spitäler, in Österreich geben die Wartelisten der Spitäler und das Österreichische Endoprothesenregister Hinweise. Fragen Sie nach der Zahl der jährlich eingesetzten Prothesen, nach der Infektions- und Revisionsrate und nach dem Reha-Konzept. Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberater (CH: SVDE, DE: VDD oder VDOE, AT: Diätologinnen und Diätologen) unterstützen bei der Gewichtsreduktion. Die Rheumaliga Schweiz, die Deutsche Rheuma-Liga und die Österreichische Rheumaliga bieten Bewegungskurse wie Aquawell oder Funktionstraining, Beratung und Selbsthilfegruppen an. Wer in einer Gruppe trainiert, hält das Programm nach Erfahrung der Physiotherapie häufiger über Monate durch.

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Studien & Updates

Aktuelle Evidenz

Aktuelle Evidenz

Die Einträge fassen Leitlinien und Landmark-Studien zu Knie- und Hüftarthrose zusammen, die die Behandlung in der Schweiz, in Deutschland und Österreich bis heute prägen. Die Zahlen stammen aus den Originalpublikationen. Wo eine Studie nur das Knie untersucht hat, steht das dabei.

StudieOsteoarthritis and Cartilage, 2019-11

OARSI-Leitlinie zur nicht-operativen Behandlung von Knie-, Hüft- und polyartikulärer Arthrose

Die Osteoarthritis Research Society International hat ihre Empfehlungen auf Basis systematischer Übersichtsarbeiten neu bewertet und erstmals nach Begleiterkrankungen (Magen-Darm, Herz-Kreislauf, Gebrechlichkeit, verbreitete Schmerzen) aufgeschlüsselt. Kernbehandlung für alle sind Information über die Erkrankung und strukturiertes Training (Kraft, Ausdauer, Gleichgewicht oder Tai-Chi und Yoga), beim Knie ergänzt durch Gewichtsreduktion bei Übergewicht. Beim Knie erhielten NSAR-Gele zum Auftragen die stärkste Medikamentenempfehlung; Tabletten-NSAR, Kortison- und Hyaluronsäurespritzen gelten als bedingte Optionen, und von Opioiden rät die Leitlinie ab. Die Handarthrose ist in dieser Ausgabe nicht enthalten.

StudieNEJM, 2015-10

Skou et al., Knieprothese gegenüber nicht-operativer Behandlung

In Dänemark wurden 100 Personen mit fortgeschrittener Kniearthrose, die für eine Prothese in Frage kamen, auf zwei Gruppen verteilt: Knieprothese plus zwölf Wochen nicht-operatives Programm oder nur das zwölfwöchige Programm aus Training, Schulung, Ernährungsberatung, Einlagen und Schmerzmitteln. Nach zwölf Monaten verbesserte sich der KOOS-Wert (Schmerz, Symptome, Alltag, Lebensqualität) mit Prothese um 32,5 Punkte, ohne Operation um 16,0 Punkte. Dafür traten in der Prothesengruppe 24 schwere Komplikationen auf, in der Vergleichsgruppe 6, darunter Gelenksteife mit Narkosemobilisation und tiefe Venenthrombosen. 13 der 50 Personen im Programm (26 Prozent) liessen sich innerhalb des Jahres doch operieren, die übrigen kamen vorerst ohne Prothese aus.

StudieBMC Musculoskeletal Disorders, 2017

Skou und Roos, GLA:D-Programm und Registerdaten aus Dänemark

GLA:D (Good Life with osteoArthritis in Denmark) besteht aus zwei Schulungseinheiten und zwölf angeleiteten neuromuskulären Trainingseinheiten über sechs Wochen, durchgeführt von zertifizierten Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten. Die Auswertung von knapp 10'000 Teilnehmenden mit Knie- oder Hüftarthrose zeigte nach drei Monaten im Mittel etwa ein Viertel weniger Schmerz, eine schnellere Gehgeschwindigkeit, weniger Schmerzmittel und weniger Krankheitstage; die Effekte hielten in der Zwölf-Monats-Erhebung weitgehend an. Es handelt sich um Registerdaten ohne Kontrollgruppe, ein Teil der Verbesserung kann also auf den natürlichen Verlauf zurückgehen. Das Programm wird inzwischen auch in der Schweiz, in Deutschland und Österreich angeboten.

StudieNEJM, 2002-07 und NEJM, 2008-09

Moseley et al. und Kirkley et al., Arthroskopie bei Kniearthrose; dazu BMJ Rapid Recommendation, 2017-05

Moseley randomisierte 180 Patienten auf arthroskopische Spülung, Spülung mit Glättung des Knorpels (Débridement) oder einen Scheineingriff mit Hautschnitten ohne Eingriff im Gelenk. Über zwei Jahre ging es allen drei Gruppen gleich gut oder gleich schlecht. Kirkley verglich bei 178 Personen Arthroskopie plus Physiotherapie und Medikamente mit Physiotherapie und Medikamenten allein und fand nach zwei Jahren keinen Unterschied im WOMAC-Wert. Die BMJ Rapid Recommendation (Siemieniuk et al.) sprach auf Basis aller verfügbaren randomisierten Studien eine starke Empfehlung gegen die Arthroskopie bei degenerativen Kniebeschwerden aus, ausdrücklich auch bei Meniskusrissen und Blockierungsgefühl.

StudieJAMA, 2021-11

Bennell et al., RESTORE-Studie zu plättchenreichem Plasma (PRP) beim Knie

288 Personen ab 50 Jahren mit Arthrose im inneren Kniegelenk erhielten in Australien drei wöchentliche Spritzen mit PRP oder mit Kochsalzlösung. Nach zwölf Monaten sank der Schmerz auf der Skala von 0 bis 10 um 2,1 Punkte unter PRP und um 1,8 Punkte unter Placebo, ein Unterschied ohne statistische Bedeutung. Auch der Knorpelverlust im MRI unterschied sich nicht (minus 1,4 gegenüber minus 1,2 Prozent). Die Studie spricht gegen PRP als Routinebehandlung; sie zeigt aber auch, wie stark Spritzen allein durch den Placeboeffekt wirken.

StudieJAMA, 2013-09

Messier et al., IDEA-Studie zu Gewichtsreduktion und Bewegung

454 übergewichtige Personen ab 55 Jahren mit Kniearthrose (BMI 27 bis 41) machten 18 Monate lang Diät plus Training, nur Diät oder nur Training. Mit Diät plus Training verloren sie im Mittel 11,4 Prozent Körpergewicht, mit Diät allein 9,5 Prozent, mit Training allein 2,0 Prozent. Die kombinierte Gruppe hatte am Ende weniger Schmerzen und eine bessere Funktion als die Trainingsgruppe, und in beiden Diätgruppen war die gemessene Druckkraft im Kniegelenk geringer. IDEA gilt als Grundlage für das Ziel von etwa 10 Prozent Gewichtsverlust bei übergewichtigen Menschen mit Kniearthrose.

StudieNEJM, 2006-02

Clegg et al., GAIT-Studie zu Glucosamin und Chondroitin

1583 Personen mit Kniearthrose nahmen 24 Wochen lang Glucosaminhydrochlorid (1500 mg), Chondroitinsulfat (1200 mg), beides kombiniert, den Entzündungshemmer Celecoxib oder Placebo. Eine Schmerzlinderung um mindestens 20 Prozent erreichten 60,1 Prozent unter Placebo, 66,6 Prozent mit der Kombination und 70,1 Prozent mit Celecoxib; die Präparate waren Placebo nicht signifikant überlegen. Nur in einer kleinen Untergruppe mit mittelstarken bis starken Schmerzen schnitt die Kombination besser ab (79,2 gegenüber 54,3 Prozent), ein Ergebnis, das die Autoren selbst als vorläufig einstufen. Kritiker wenden ein, dass Glucosaminsulfat statt -hydrochlorid anders wirken könnte; überzeugende Belege dafür fehlen bisher.

StudieLancet, 2019-02

Evans et al., Wie lange halten Knie- und Hüftprothesen?

Zwei Auswertungen von Fallserien und nationalen Registern mit zusammen mehreren hunderttausend Eingriffen schätzten die Standzeit bis zur Wechseloperation. Etwa 82 Prozent der Knie-Totalprothesen und etwa 70 Prozent der Schlittenprothesen waren nach 25 Jahren noch im Körper. Bei Hüft-Totalprothesen lag der Anteil nach 25 Jahren bei etwa 58 Prozent, nach 15 Jahren bei etwa 89 Prozent. Die Zahlen beruhen auf Implantaten aus den 1980er- und 1990er-Jahren; ob heutige Modelle länger halten, wird sich erst noch zeigen.

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Häufige Fragen

Ist Arthrose heilbar?+

Nein, verlorener Knorpel wächst bei Erwachsenen nicht nennenswert nach, und kein Medikament, keine Spritze und kein Nahrungsergänzungsmittel hat das in guten Studien geändert. Der Verlauf ist allerdings sehr unterschiedlich: Viele Menschen haben über Jahre stabile oder sogar abnehmende Beschwerden, und Röntgenbild und Schmerz passen oft schlecht zusammen. Training, Gewichtsreduktion bei Übergewicht und gezielte Schmerztherapie lindern die Beschwerden messbar, im GLA:D-Programm im Mittel um etwa ein Viertel. Wenn alles ausgeschöpft ist, ersetzt eine Prothese das Gelenk. Arthrose ist also behandelbar, auch wenn sie bleibt.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Prothese?+

Einen festen Zeitpunkt gibt es nicht, und das Röntgenbild allein entscheidet nicht. Die deutsche S2k-Leitlinie zur Indikation der Knieprothese (2018) nennt als Hauptkriterien: Schmerzen seit mindestens drei bis sechs Monaten, deutliche Gelenkschäden im Röntgen (Kellgren-Lawrence-Stadium 3 oder 4), eine konservative Therapie, die über mindestens drei bis sechs Monate nicht ausreichend geholfen hat, und eine spürbar eingeschränkte Lebensqualität. Entscheidend ist Ihr Leidensdruck. Die Skou-Studie zeigt, dass eine Prothese mehr Besserung bringt als ein Programm allein, aber auch mehr Komplikationen. Etwa 10 bis 20 Prozent der Menschen sind nach einer Knieprothese nicht zufrieden. Lassen Sie sich Zeit und holen Sie bei Unsicherheit eine Zweitmeinung ein.

Wie lange hält ein künstliches Gelenk?+

Länger, als viele befürchten. Nach der Auswertung von Evans und Kollegen (Lancet 2019) sind etwa 82 Prozent der Knie-Totalprothesen nach 25 Jahren noch funktionsfähig, bei Schlittenprothesen etwa 70 Prozent und bei Hüft-Totalprothesen etwa 58 Prozent. Nach 15 Jahren liegen die Werte bei rund neun von zehn. Häufige Gründe für einen Wechsel sind Lockerung, Abrieb, Infektion und Instabilität. Wer jünger operiert wird und körperlich sehr aktiv ist, braucht eher eine Wechseloperation, einfach weil das Implantat mehr Jahre und mehr Belastung erlebt. Ein stabiles Körpergewicht, regelmässige Kontrollen und die rasche Behandlung bakterieller Infekte im Körper (zum Beispiel an Zähnen) schützen die Prothese.

Darf ich mit Arthrose joggen?+

Für viele ja. Freizeitlaufen verursacht bei gesunden Gelenken keine Arthrose: In einer Meta-Analyse (Alentorn-Geli et al., 2017) hatten Freizeitläuferinnen und -läufer mit etwa 3,5 Prozent sogar seltener Knie- oder Hüftarthrose als Menschen ohne Sport (etwa 10,2 Prozent); nur bei Leistungssport lag der Anteil höher. Bei bestehender Arthrose gilt eine einfache Regel: Leichter Schmerz während des Laufens (bis etwa 3 von 10) ist akzeptabel, solange er am nächsten Morgen nicht stärker ist und das Gelenk nicht anschwillt. Steigen Sie langsam ein, mit Gehpausen, weichem Untergrund und gutem Schuhwerk. Bei fortgeschrittener Hüftarthrose oder deutlicher Fehlstellung sind Velofahren, Schwimmen oder Nordic Walking oft die bessere Wahl. Besprechen Sie das mit Ihrer Physiotherapeutin.

Bringen Nahrungsergänzungsmittel etwas?+

Nach heutigem Wissen wenig. Die grosse GAIT-Studie (NEJM 2006) fand mit Glucosamin, Chondroitin oder der Kombination keine Schmerzlinderung, die über Placebo hinausging; auch Vitamin D zeigte in einer randomisierten Studie (JAMA 2016) keinen Effekt auf Schmerz oder Knorpelverlust. Für Kurkuma, Weihrauch, Kollagen oder Grünlippmuschel gibt es nur kleine Studien von wechselnder Qualität. Die OARSI-Leitlinie empfiehlt keines dieser Präparate. Manche Menschen berichten trotzdem eine Besserung, was zum Teil am Placeboeffekt und am schwankenden Verlauf der Arthrose liegt. Wer ein Präparat ausprobieren möchte, sollte nach drei Monaten ehrlich Bilanz ziehen und Wechselwirkungen mit Blutverdünnern ansprechen.

Wetterfühligkeit: Einbildung?+

Nicht unbedingt, aber der Effekt ist kleiner, als viele empfinden. Die Studienlage ist uneinheitlich. Die britische Smartphone-Studie "Cloudy with a Chance of Pain" (npj Digital Medicine, 2019) mit über 2000 Teilnehmenden mit chronischen Schmerzen fand an Tagen mit hoher Luftfeuchtigkeit, tiefem Luftdruck und stärkerem Wind etwas mehr Schmerztage. Andere Studien fanden keinen Zusammenhang. Wahrscheinlich spielen mehrere Dinge zusammen: Bei Kälte und Nässe bewegen wir uns weniger, die Muskulatur ist angespannter, und schlechte Tage bleiben besser im Gedächtnis. Ein Schmerztagebuch mit Wetterspalte hilft, das eigene Muster zu erkennen.

Was zahlt die Kasse bei Spritzen?+

Kortisonspritzen ins Gelenk übernimmt die Grundversicherung in der Schweiz, die GKV in Deutschland und die ÖGK in Österreich, wenn sie ärztlich angezeigt sind (in der Schweiz nach Abzug von Franchise und Selbstbehalt). Hyaluronsäurespritzen werden in allen drei Ländern in der Regel nicht übernommen; in Deutschland sind sie eine Selbstzahlerleistung (IGeL). Eine Serie von drei bis fünf Spritzen kostet je nach Präparat und Praxis etwa 150 bis 500 Franken oder Euro. PRP-Spritzen sind ebenfalls Selbstzahlerleistungen, typischerweise etwa 150 bis 400 pro Injektion. Einzelne Zusatzversicherungen beteiligen sich. Lassen Sie sich die Kosten vorher schriftlich geben und fragen Sie, welche Studien den Nutzen für Ihr Gelenk belegen.

Welche Schmerzmittel sind sinnvoll?+

Bei Kniearthrose sind Gele mit Entzündungshemmern wie Diclofenac (Voltaren) die erste Wahl: Sie wirken lokal, und der Wirkstoff gelangt kaum ins Blut. Tabletten mit Entzündungshemmern wie Ibuprofen oder Naproxen helfen stärker, sollten aber möglichst kurz und niedrig dosiert eingenommen werden, bei Magen-, Nieren- oder Herzproblemen nur nach Rücksprache. Paracetamol lindert Arthroseschmerzen nur gering. Opioide waren in einer randomisierten Studie (SPACE, JAMA 2018) bei Knie- und Hüftarthrose über zwölf Monate nicht besser als Nicht-Opioide, hatten aber mehr Nebenwirkungen; die Leitlinien raten davon ab. Eine Kortisonspritze kann einen akuten Schub für einige Wochen dämpfen. Schmerzmittel sollen Bewegung möglich machen, ersetzen sie aber nicht.

Hilft eine Gelenkspiegelung bei Arthrose?+

Bei Kniearthrose in aller Regel nicht. In der Studie von Moseley (NEJM 2002) ging es Patienten nach einem Scheineingriff genauso gut wie nach Spülung oder Knorpelglättung. Kirkley (NEJM 2008) fand nach zwei Jahren keinen Vorteil der Arthroskopie gegenüber Physiotherapie und Medikamenten. Die BMJ Rapid Recommendation von 2017 rät deshalb stark davon ab, auch bei degenerativen Meniskusrissen. Ausnahmen sind selten, etwa ein eingeklemmtes freies Gelenkstück, das das Knie tatsächlich blockiert. Wird Ihnen eine Arthroskopie vorgeschlagen, fragen Sie konkret, welches Problem damit gelöst werden soll und welche Studie den Nutzen in Ihrer Situation belegt. Bei der Hüfte ist die Arthroskopie bei fortgeschrittener Arthrose ebenfalls nicht angezeigt.

Wie lange dauert die Erholung nach einer Prothese?+

Länger, als die Entlassung aus dem Spital vermuten lässt. Die meisten stehen am Tag der Operation oder am Tag danach auf und gehen einige Wochen an Stöcken. Danach folgt eine Rehabilitation von meist etwa drei Wochen, stationär oder ambulant: in Deutschland als Anschlussheilbehandlung, in Österreich über Pensionsversicherung oder ÖGK, in der Schweiz mit Kostengutsprache der Krankenkasse oder als ambulante Physiotherapie. Autofahren ist meist nach etwa sechs Wochen wieder möglich, sobald Sie sicher bremsen können. Nach einer Hüftprothese fühlen sich viele nach drei Monaten weitgehend wiederhergestellt. Beim Knie dauert es oft sechs bis zwölf Monate, bis Schwellung und Steifigkeit ganz abgeklungen sind. Ein Training vor der Operation (Prähabilitation) erleichtert den Weg.

Glossar

Gonarthrose
Arthrose des Kniegelenks, die häufigste Form der Arthrose. Sie betrifft meist den inneren Gelenkanteil oder das Gelenk hinter der Kniescheibe und zeigt sich durch Belastungsschmerz, Anlaufschmerz und Steifigkeit.
Coxarthrose
Arthrose des Hüftgelenks. Typisch sind Schmerzen in der Leiste, die ins Gesäss oder bis zum Knie ausstrahlen können, und eine zunehmend eingeschränkte Beweglichkeit, etwa beim Schuhebinden.
Knorpel
Glatte, elastische Schicht ohne Nerven und Blutgefässe, die die Knochenenden im Gelenk überzieht und Druck verteilt. Er wird über die Gelenkflüssigkeit ernährt, die durch Bewegung in den Knorpel gepresst wird; deshalb braucht Knorpel Belastung.
Osteophyten
Knöcherne Randanbauten am Gelenk, die sich bei Arthrose bilden und im Röntgenbild sichtbar sind. Sie sind ein Versuch des Körpers, die Gelenkfläche zu vergrössern, und können die Beweglichkeit einschränken.
Kellgren-Lawrence-Stadien
Röntgen-Einteilung der Arthrose von 0 (keine Zeichen) über 1 (fraglich), 2 (eindeutige Osteophyten), 3 (deutliche Gelenkspaltverschmälerung) bis 4 (ausgeprägte Verschmälerung, Knochenverhärtung, Fehlform). Das Stadium sagt wenig darüber aus, wie stark jemand Schmerzen hat.
Hyaluronsäure
Bestandteil der Gelenkflüssigkeit, der für Gleitfähigkeit und Pufferung sorgt. Als Spritze ins Gelenk ist der Nutzen bei Kniearthrose umstritten und im Mittel klein; die Kosten tragen meist die Betroffenen selbst.
PRP (plättchenreiches Plasma)
Aus dem eigenen Blut aufbereitetes Konzentrat von Blutplättchen, das ins Gelenk gespritzt wird. In der RESTORE-Studie (JAMA 2021) war es bei Kniearthrose nach zwölf Monaten nicht wirksamer als Kochsalzlösung.
TEP (Totalendoprothese)
Vollständiger künstlicher Ersatz eines Gelenks, beim Knie (Knie-TEP) beider Gelenkflächen, bei der Hüfte (Hüft-TEP) von Pfanne und Hüftkopf. Etwa 82 Prozent der Knie-TEP und etwa 58 Prozent der Hüft-TEP halten 25 Jahre.
Schlittenprothese
Teilprothese des Knies (unikondyläre Prothese), die nur den abgenutzten Gelenkanteil ersetzt, meist den inneren. Sie eignet sich, wenn die übrigen Gelenkanteile und die Bänder intakt sind, und ermöglicht oft eine schnellere Erholung.
Prähabilitation
Gezieltes Training von Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer in den Wochen vor einer geplanten Operation. Ziel ist, mit besserer Ausgangslage in die Operation zu gehen und nachher schneller wieder selbständig zu sein.
Anschlussheilbehandlung (AHB)
In Deutschland eine Rehabilitation, die unmittelbar oder innerhalb von etwa zwei Wochen nach dem Spitalaufenthalt beginnt, meist für etwa drei Wochen. In der Schweiz und Österreich spricht man von Rehabilitation; Antrag und Kostenträger unterscheiden sich je nach Land.
WOMAC
Fragebogen (Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index) mit 24 Fragen zu Schmerz, Steifigkeit und Alltagsfunktion bei Knie- und Hüftarthrose. Er ist ein Standardmass in Studien, um den Nutzen einer Behandlung zu vergleichen.

Downloads & Tools

Rechner 1: Oxford Knee Score und Oxford Hip Score

Textfassung, noch kein Rechner

Name: Gelenk-Selbsttest nach Oxford (Knie oder Hüfte)

Eingaben: Auswahl Knie oder Hüfte, Seite (rechts oder links), dann 12 Fragen zu den vergangenen vier Wochen. Jede Frage hat fünf Antwortstufen, die mit 4 (keine Beschwerden) bis 0 (stärkste Beschwerden) bewertet werden.

Inhalte der 12 Fragen beim Knie (Oxford Knee Score): üblicher Knieschmerz; Waschen und Abtrocknen; Ein- und Aussteigen ins Auto oder in öffentliche Verkehrsmittel; Gehdauer, bis der Schmerz stark wird; Aufstehen vom Stuhl nach dem Essen; Hinken beim Gehen; Hinknien und wieder Aufstehen; Knieschmerz nachts im Bett; Beeinträchtigung bei der Arbeit oder im Haushalt; Gefühl, dass das Knie plötzlich nachgibt; Einkaufen ohne Hilfe; eine Treppe hinuntergehen.

Inhalte der 12 Fragen bei der Hüfte (Oxford Hip Score): üblicher Hüftschmerz; Waschen und Abtrocknen; Ein- und Aussteigen ins Auto oder in öffentliche Verkehrsmittel; Socken oder Strümpfe anziehen; Einkaufen ohne Hilfe; Gehdauer, bis der Schmerz stark wird; eine Treppe hinaufsteigen; Aufstehen vom Stuhl nach dem Essen; Hinken beim Gehen; plötzlicher, einschiessender Schmerz in der Hüfte; Beeinträchtigung bei der Arbeit oder im Haushalt; Hüftschmerz nachts im Bett.

Formel: Gesamtwert = Summe der 12 Antwortwerte. Wertebereich 0 bis 48, höhere Werte bedeuten bessere Gelenkfunktion. Fehlen mehr als zwei Antworten, wird kein Wert berechnet.

Ausgabe: Gesamtwert, Interpretationsband, Verlaufsgrafik bei wiederholter Nutzung, Hinweistext.

Interpretationsbänder (nach Kalairajah et al., 2005):

0 bis 19: schwere Beeinträchtigung, eine operative Abklärung kann angezeigt sein

20 bis 29: mittlere bis schwere Beeinträchtigung

30 bis 39: leichte bis mittlere Beeinträchtigung

40 bis 48: zufriedenstellende Gelenkfunktion

Interpretationsgrenzen: Der Score beschreibt, wie stark Sie sich im Alltag eingeschränkt fühlen, nicht den Zustand des Knorpels. Er ersetzt weder Untersuchung noch Röntgenbild, und ein tiefer Wert ist allein kein Grund für eine Operation. Am aussagekräftigsten ist der Verlauf: Eine Veränderung um etwa 5 Punkte oder mehr gilt als spürbar. Wiederholen Sie den Test frühestens nach vier Wochen. Hinweis für die Umsetzung: Die Fragebögen sind urheberrechtlich geschützt (Oxford University Innovation); für den Rechner sind eine Lizenz und die validierte deutsche Fassung zu verwenden, die obigen Inhalte sind sinngemässe Zusammenfassungen.

Rechner 2: Gelenkbelastung beim Abnehmen

Rechner 2

Knie-Entlastungsrechner

Ziel angeben als

Auswertung

Geben Sie Ihr aktuelles Gewicht und Ihr Ziel ein.

Grundlage: In einer biomechanischen Untersuchung bei übergewichtigen älteren Erwachsenen mit Kniearthrose (Messier et al., Arthritis & Rheumatism 2005) senkte jedes Kilogramm Gewichtsverlust die Druckkraft im Knie um etwa 4 kg pro Schritt beim Gehen auf ebenem Boden.

Interpretationsgrenzen: Der Faktor 4 ist ein Mittelwert aus einer einzelnen Studie mit Kniearthrose beim Gehen in selbst gewähltem Tempo; beim Treppensteigen, Bergabgehen oder Laufen ist die Belastung pro Kilogramm höher, im Sitzen oder beim Velofahren geringer. Jeder Schritt belastet nur das Standbein, auf jedes einzelne Knie entfällt also etwa die Hälfte des Tageswerts. Für die Hüfte gilt der Faktor nicht. Die Rechnung ist linear und wird bei sehr grossem Gewichtsverlust ungenauer; der Rechner akzeptiert deshalb höchstens 30 Prozent des Ausgangsgewichts und zeigt bei einem Zielgewicht mit BMI unter 20 einen Warnhinweis. Weniger Belastung bedeutet nicht automatisch weniger Schmerz und heilt keinen Knorpel. Wer abnehmen will, sollte gleichzeitig Kraft trainieren, damit die Muskulatur um das Knie erhalten bleibt.

Eingaben, Formeln, Interpretationsgrenzen

Name: Knie-Entlastungsrechner

Eingaben: aktuelles Körpergewicht in kg, Zielgewicht in kg (oder geplanter Gewichtsverlust in kg), durchschnittliche Schritte pro Tag (Vorgabe 6000, anpassbar zwischen 1000 und 20'000).

Grundlage: In einer biomechanischen Untersuchung bei übergewichtigen älteren Erwachsenen mit Kniearthrose (Messier et al., Arthritis & Rheumatism 2005) senkte jedes Kilogramm Gewichtsverlust die Druckkraft im Knie um etwa 4 kg pro Schritt beim Gehen auf ebenem Boden.

Formeln:

Gewichtsverlust = aktuelles Gewicht minus Zielgewicht

Entlastung pro Schritt in kg = Gewichtsverlust × 4

Entlastung pro Tag in Tonnen = Entlastung pro Schritt × Schritte pro Tag / 1000

Prozentualer Gewichtsverlust = Gewichtsverlust / aktuelles Gewicht × 100

Ausgabe: Entlastung pro Schritt in kg, Entlastung pro Tag in Tonnen, prozentualer Gewichtsverlust mit Einordnung. Beispiel: 6 kg weniger bei 6000 Schritten ergeben etwa 24 kg weniger pro Schritt und etwa 144 Tonnen weniger pro Tag, verteilt auf beide Knie. Liegt der Gewichtsverlust bei 10 Prozent oder mehr, erscheint der Hinweis auf die IDEA-Studie, in der diese Grössenordnung mit weniger Schmerz und besserer Funktion verbunden war.

Interpretationsgrenzen: Der Faktor 4 ist ein Mittelwert aus einer einzelnen Studie mit Kniearthrose beim Gehen in selbst gewähltem Tempo; beim Treppensteigen, Bergabgehen oder Laufen ist die Belastung pro Kilogramm höher, im Sitzen oder beim Velofahren geringer. Jeder Schritt belastet nur das Standbein, auf jedes einzelne Knie entfällt also etwa die Hälfte des Tageswerts. Für die Hüfte gilt der Faktor nicht. Die Rechnung ist linear und wird bei sehr grossem Gewichtsverlust ungenauer; der Rechner akzeptiert deshalb höchstens 30 Prozent des Ausgangsgewichts und zeigt bei einem Zielgewicht mit BMI unter 20 einen Warnhinweis. Weniger Belastung bedeutet nicht automatisch weniger Schmerz und heilt keinen Knorpel. Wer abnehmen will, sollte gleichzeitig Kraft trainieren, damit die Muskulatur um das Knie erhalten bleibt.

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Diese Inhalte ersetzen keine medizinische Beratung.

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