Bericht 1
Erfolg"Nach sechs Wochen hab ich die Stöcke in den Keller gestellt. Im Sommer war ich wieder am Gaisberg."
Herbert M., 67, Salzburg (AT)
- Therapiedauer
- 9 Monate seit der Operation
- Therapie
- Hüft-Totalendoprothese rechts (zementfrei), danach stationäre Reha und Physiotherapie
Ich war mein Leben lang am Berg. Mit 60 hat es angefangen, ein Ziehen in der Leiste, das ich für eine Zerrung gehalten hab. Zwei Jahre bin ich damit herumgelaufen, hab Salben geschmiert und gedacht, das gibt sich. Es hat sich nicht gegeben. Irgendwann konnte ich mir die Socken rechts nicht mehr anziehen, ohne dass meine Frau mir hilft. Das war der Moment, wo ich zum Orthopäden gegangen bin.
Das Röntgen war eindeutig: Gelenkspalt fast weg, Knochen auf Knochen. Der Arzt hat mir trotzdem nicht gleich die Operation angeboten. Zuerst ein Jahr Physio, Schmerzmittel bei Bedarf, Gewicht halten. Ich hab das gemacht, ehrlich gesagt mit wenig Begeisterung. Die Physio hat geholfen, die Beweglichkeit eine Zeit lang zu halten, aber der Schmerz in der Nacht wurde immer schlimmer. Wenn du dich im Bett nicht mehr umdrehen kannst, ohne aufzuwachen, dann ist die Lebensqualität halt beim Teufel.
Auf den OP-Termin hab ich gut fünf Monate gewartet. Das hat mich geärgert, weil ich in der Zeit kaum mehr aus dem Haus gegangen bin. Am Tag nach der Operation bin ich mit dem Physiotherapeuten schon am Gang gestanden, mit zwei Unterarmstützen. Das hat mich überrascht. Nach fünf Tagen bin ich heim und eine Woche später in die Reha, drei Wochen stationär. Dort war jeden Tag Programm: Gangschule, Wassergymnastik, Kraft für die Hüftmuskulatur. Ich war der Älteste in meiner Gruppe, aber nicht der Langsamste.
Nach sechs Wochen hat mir der Orthopäde bei der Kontrolle gesagt, ich kann die Stöcke weglassen, wenn ich mich sicher fühle. Ich hab sie am selben Abend in den Keller gestellt. In der Wohnung war das kein Problem. Draussen hab ich auf unebenem Boden noch einen Stock mitgenommen, ungefähr bis zur zehnten Woche. Was mich lange gestört hat: das Bein hat sich ein paar Wochen lang länger angefühlt als das andere. Gemessen war es nur ein halber Zentimeter, und das Gefühl ist nach etwa drei Monaten verschwunden.
Im Juni, also fünf Monate nach der Operation, bin ich zum ersten Mal wieder auf den Gaisberg, mit meinem Sohn, ganz gemütlich, Stöcke zum Wandern dabei. Runter war anstrengender als rauf. Heute mach ich Touren mit 600 bis 800 Höhenmetern ohne Schmerzen. Grosse Klettersteige hat mir der Arzt nicht verboten, aber er hat gesagt, ich soll Stürze vermeiden, so gut es geht. Das nehm ich ernst. Skifahren lass ich heuer noch aus, nächstes Jahr schau ich weiter.
Mein Rat an andere: Wartet nicht zu lange, aber lasst euch auch nicht drängen. Bei mir war nach dem Physiojahr klar, dass es nicht mehr geht. Ohne dieses Jahr hätte ich mich wahrscheinlich immer gefragt, ob die Operation nötig war.
Meine Werte
- Schmerz (NRS 0 bis 10): 7 bis 8 vor der Operation, nachts oft 8; heute 0 bis 1, nach langen Abstiegen 2
- WOMAC-Gesamtwert (0 bis 96, höher ist schlechter): 58 vorher, 9 nach 9 Monaten
- Gehstrecke: etwa 400 Meter am Stück vorher; heute Wanderungen von 4 bis 5 Stunden
- Treppen: vorher nur mit Geländer, Stufe für Stufe; heute normal im Wechselschritt, ohne Geländer
- Socken anziehen rechts: vorher nur mit Hilfe; heute selbständig
Nebenwirkungen
- Wundschmerz und Bluterguss am Oberschenkel in den ersten zwei Wochen
- Gefühl einer Beinlängendifferenz für etwa drei Monate (gemessen 0,5 cm)
- Taubheitsgefühl neben der Narbe, langsam rückläufig
- Thromboseprophylaxe mit Spritzen für vier Wochen, ohne Komplikationen
Kosten
Operation und Reha hat die ÖGK übernommen. Ich hab den täglichen Kostenbeitrag im Spital und eine einkommensabhängige Zuzahlung für die Reha gezahlt, zusammen ein paar hundert Euro. Die Wanderstöcke und eine Greifzange waren privat.
Studienbezug
Eine Übersichtsarbeit im Lancet (Learmonth und Kollegen, 2007) nannte den Hüftgelenkersatz "die Operation des Jahrhunderts", weil er Schmerz und Funktion bei fortgeschrittener Arthrose so verlässlich verbessert. Die Mehrheit der Prothesen hält heute 20 Jahre und länger. Ein Teil der Patientinnen und Patienten bleibt trotzdem mit Restbeschwerden.
