Bericht 1
Erfolg"Mein Cholesterin war mir egal, bis ich auf der Notfallstation lag."
Thomas R., 54, Winterthur (CH)
- Therapiedauer
- 14 Monate
- Therapie
- Atorvastatin 80 mg plus Ezetimib 10 mg
Es war ein Dienstagmorgen im Februar, ich war auf dem Weg zur Arbeit und musste beim Bahnhof stehen bleiben, weil es mir die Brust zugeschnürt hat. Ich dachte zuerst an einen verspannten Rücken. Ein Mann neben mir hat die Sanität gerufen, und eine Stunde später lag ich im Katheterlabor. Vorderwandinfarkt, ein Stent in die grosse Herzkranzarterie. Ich war 54, habe nie geraucht, war etwas zu schwer und hatte seit Jahren keinen Hausarzt mehr gesehen.
Im Spital hat man mir die Blutwerte gezeigt. LDL 4,1 mmol/l. Die Kardiologin hat gesagt, für jemanden nach einem Infarkt liege das Ziel unter 1,4 mmol/l, und zwar möglichst schnell. Ich habe nachgerechnet und gefragt, ob das überhaupt geht. Sie hat gelacht und gesagt, mit einer Tablette allein meistens nicht.
Ich bekam Atorvastatin 80 mg, die höchste Dosis, gleich ab dem ersten Tag. Dazu Aspirin, ein zweites Blutverdünnungsmittel für zwölf Monate, einen Betablocker und einen ACE-Hemmer. Fünf Packungen auf dem Küchentisch, das war am Anfang schwer zu schlucken, im übertragenen Sinn. Meine Frau hat eine Wochenbox gekauft, und die hat mehr geholfen als jedes Merkblatt.
Nach sechs Wochen in der Reha in Gais war mein LDL bei 1,9 mmol/l. Gut, aber nicht im Ziel. Mein Kardiologe in Winterthur hat dann Ezetimib dazugenommen. Er hat mir die IMPROVE-IT-Studie erklärt, in der Ezetimib zusätzlich zu einem Statin bei Patienten nach akutem Koronarsyndrom die Ereignisse leicht, aber messbar gesenkt hat. Ich habe die Zahl nicht mehr im Kopf, nur dass es ein kleiner Effekt über viele Jahre war. Mir hat gereicht, dass es sicher ist und die Werte runterbringt.
Drei Monate später: 1,2 mmol/l. Ich habe den Laborzettel fotografiert und meinem Bruder geschickt, der hat nämlich auch hohe Werte und schiebt den Arzttermin seit zwei Jahren vor sich her. Inzwischen war er.
Was die Nebenwirkungen angeht: In den ersten Wochen hatte ich Wadenkrämpfe in der Nacht. Ich war überzeugt, das sei das Statin. Die CK, also der Muskelwert, war normal. Der Arzt hat mir geraten, mehr zu trinken und abends die Waden zu dehnen, und nach etwa einem Monat war es weg. Ob es am Statin lag oder an der ungewohnten Bewegung in der Reha, weiss ich bis heute nicht.
Ich esse anders, nicht perfekt. Weniger Wurst, mehr Linsen, am Sonntag trotzdem Zopf mit Butter. Ich gehe jeden Tag 40 Minuten zu Fuss, auch bei Regen, und habe 7 kg verloren. Die Tabletten nehme ich abends, die Box steht neben der Zahnbürste.
Manchmal frage ich mich, wie es gelaufen wäre, wenn ich mit 45 einen Check-up gemacht hätte. Die Antwort kenne ich nicht. Ich gehe jetzt zweimal im Jahr zur Kontrolle, und im Mai war die Belastungsuntersuchung unauffällig.
Meine Werte
- LDL: 4,1 mmol/l (159 mg/dl) beim Infarkt, 1,9 mmol/l (73 mg/dl) nach 6 Wochen Atorvastatin, 1,2 mmol/l (46 mg/dl) nach zusätzlich 3 Monaten Ezetimib
- Gesamtcholesterin: 6,3 mmol/l (244 mg/dl) vorher, 3,1 mmol/l (120 mg/dl) nachher
- CK: 142 U/l bei den Wadenkrämpfen (Norm bis etwa 190 U/l)
- Gewicht: 91 kg auf 84 kg
Nebenwirkungen
- Nächtliche Wadenkrämpfe in den ersten 4 Wochen, CK normal, danach verschwunden
- Leberwerte nach 3 Monaten leicht erhöht, bei der nächsten Kontrolle wieder normal
Kosten
Atorvastatin und Ezetimib sind als Generika auf der Spezialitätenliste und werden von der Grundversicherung übernommen. Ich zahle nach Franchise 10 Prozent Selbstbehalt, für beide zusammen etwa 5 bis 10 Franken im Monat.
Studienbezug
IMPROVE-IT (NEJM, 2015): Ezetimib zusätzlich zu Simvastatin bei über 18'000 Patienten nach akutem Koronarsyndrom, tieferes LDL und etwas weniger kardiovaskuläre Ereignisse über rund 7 Jahre.
