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Studio+

Adipositas &
Gewichtsmanagement

Studio+ Hub zu Adipositas und Gewichtsmanagement: Therapien im Vergleich, Erfahrungsberichte, Kostenübernahme in CH, DE und AT, Studien, Rechner und Druckvorlagen.

Stand September 2026

Therapien

Therapien im Überblick

Adipositas ist eine chronische, rückfallgefährdete Erkrankung mit komplexer Ursache aus Genetik, Umwelt, Verhalten, Schlaf, Medikamenten und hormoneller Regulation. Das ist die Grundlage aller aktuellen Leitlinien im DACH-Raum, von der S3-Leitlinie der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG, Version 2024) über die Empfehlungen der Swiss Society for the Study of Morbid Obesity and Metabolic Disorders (SMOB) bis zur Österreichischen Adipositas Gesellschaft (ÖAG). Wer Adipositas als Krankheit versteht, versteht auch, warum eine einzelne Diät selten reicht und warum die Therapie in Stufen gedacht wird.

Kernfakten in Zahlen: Ein multimodales Basisprogramm aus Ernährung, Bewegung und Verhaltenstherapie bringt im Mittel 3 bis 8 Prozent Gewichtsverlust nach einem Jahr, mit grosser individueller Streuung. Formula-Diäten unter ärztlicher Begleitung erreichen kurzfristig 10 bis 15 Kilogramm. Moderne Inkretin-Medikamente (Semaglutid 2,4 mg, Tirzepatid) erzielen in Studien 15 bis 21 Prozent nach 68 bis 72 Wochen. Die bariatrische Chirurgie liegt mit 25 bis 35 Prozent Gesamtgewichtsverlust nach ein bis zwei Jahren am oberen Ende und ist zugleich die Option mit der längsten Nachbeobachtung: Die schwedische SOS-Studie begleitet Operierte seit 1987.

Eine Gemeinsamkeit aller Therapien: Wird die Massnahme beendet, kommt ein grosser Teil des Gewichts zurück. Das gilt für Diäten ebenso wie für Medikamente, die abgesetzt werden. Adipositasbehandlung ist deshalb keine Kur mit Enddatum, sondern eine Begleitung über Jahre. Die häufigsten Nebenwirkungen unterscheiden sich stark nach Ansatz: gastrointestinale Beschwerden bei Inkretinen und Orlistat, Übelkeit und Schlafstörungen bei Naltrexon/Bupropion, Mangelerscheinungen und Dumping nach Operationen, Gallensteine bei jedem schnellen Gewichtsverlust.

Ein Hinweis zur Einordnung: Für die GLP-1-basierten Medikamente gibt es auf medizin.studio einen eigenen Hub (medizin.studio/community/glp-1) mit Wirkstoffvergleich, Erfahrungsberichten und Studienübersicht. Hier werden Semaglutid und Tirzepatid deshalb nur als eine Stufe unter mehreren eingeordnet.

Therapien im Vergleich

Therapie
Multimodales Basisprogramm (Ernährung, Bewegung, Verhalten)
Ansatz
Energiedefizit von etwa 500 kcal/Tag, 150 Minuten Bewegung pro Woche, verhaltenstherapeutische Begleitung, meist in Gruppen über 6 bis 12 Monate
Indikation
BMI ab 30, oder ab 25 mit Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Schlafapnoe
Erwarteter Gewichtsverlust
3 bis 8 Prozent nach 12 Monaten, in Look AHEAD 8,6 Prozent nach einem Jahr und 4,7 Prozent nach acht Jahren
Status/Zugang
Grundlage jeder Stufe; strukturierte Programme in CH, DE und AT verfügbar, Kostenübernahme länderabhängig
Risiken/Nebenwirkungen
Kaum medizinische Risiken; Hauptproblem ist die Wiederzunahme nach Programmende, Frustration bei ausbleibendem Erfolg
Therapie
Formula-Diät / Very Low Calorie Diet (VLCD)
Ansatz
Mahlzeitenersatz mit 800 bis 1200 kcal/Tag über 8 bis 16 Wochen, danach stufenweise Rückführung auf normale Kost
Indikation
BMI ab 30, insbesondere bei frischem Typ-2-Diabetes (Remissionsziel) oder vor Operationen
Erwarteter Gewichtsverlust
10 bis 15 kg in 12 Wochen; in DiRECT im Mittel 10 kg nach 12 Monaten
Status/Zugang
Rezeptfrei erhältlich, ärztliche Begleitung bei Dauer über 12 Wochen dringend empfohlen
Risiken/Nebenwirkungen
Gallensteine, Haarausfall, Kälteempfindlichkeit, Verstopfung, Müdigkeit, Hypoglykämie bei Diabetesmedikation, Wiederzunahme ohne Anschlussprogramm
Therapie
Semaglutid 2,4 mg (Wegovy), Details im GLP-1-Hub
Ansatz
GLP-1-Rezeptoragonist, wöchentliche Injektion, Aufdosierung über 16 Wochen
Indikation
BMI ab 30, oder ab 27 mit Begleiterkrankung, ergänzend zum Basisprogramm
Erwarteter Gewichtsverlust
Etwa 15 Prozent nach 68 Wochen (STEP 1: minus 14,9 Prozent vs. minus 2,4 Prozent unter Placebo)
Status/Zugang
Zugelassen in CH, DE, AT; Kostenübernahme in CH mit Limitatio, in DE und AT keine Erstattung
Risiken/Nebenwirkungen
Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Gallensteine, selten Pankreatitis; Verlust an Muskelmasse, Wiederzunahme nach Absetzen
Therapie
Tirzepatid (Mounjaro), Details im GLP-1-Hub
Ansatz
Dualer GIP/GLP-1-Rezeptoragonist, wöchentliche Injektion, Aufdosierung bis 15 mg
Indikation
BMI ab 30, oder ab 27 mit Begleiterkrankung, ergänzend zum Basisprogramm
Erwarteter Gewichtsverlust
Etwa 20 Prozent nach 72 Wochen (SURMOUNT-1: minus 20,9 Prozent unter 15 mg vs. minus 3,1 Prozent unter Placebo)
Status/Zugang
Zugelassen in CH, DE, AT; Erstattung länderabhängig, in DE und AT nicht
Risiken/Nebenwirkungen
Gastrointestinal wie Semaglutid, Reaktionen an der Einstichstelle, Gallensteine, Verlust an Muskelmasse
Therapie
Orlistat (Xenical, Alli)
Ansatz
Lipasehemmer im Darm, etwa 30 Prozent des Nahrungsfetts werden unverdaut ausgeschieden; 3 x 120 mg zu den Mahlzeiten
Indikation
BMI ab 30, oder ab 28 mit Risikofaktoren
Erwarteter Gewichtsverlust
Zusätzlich etwa 3 kg gegenüber Placebo; in XENDOS 5,8 kg vs. 3,0 kg nach vier Jahren
Status/Zugang
Rezeptpflichtig (120 mg), 60 mg rezeptfrei; in allen drei Ländern erhältlich, keine Kassenleistung
Risiken/Nebenwirkungen
Fettstühle, Stuhldrang, Blähungen, Inkontinenz bei fettreicher Kost, verminderte Aufnahme fettlöslicher Vitamine
Therapie
Naltrexon/Bupropion (Mysimba)
Ansatz
Kombination aus Opioidantagonist und Antidepressivum, wirkt auf Appetit- und Belohnungszentren; 2 x 2 Tabletten täglich nach vierwöchiger Aufdosierung
Indikation
BMI ab 30, oder ab 27 mit Begleiterkrankung
Erwarteter Gewichtsverlust
Etwa 5 bis 6 Prozent nach 56 Wochen (COR-I: minus 6,1 Prozent vs. minus 1,3 Prozent)
Status/Zugang
EU-Zulassung 2015 (DE, AT), in der Schweiz nicht im Handel; keine Kassenleistung
Risiken/Nebenwirkungen
Übelkeit, Verstopfung, Kopfschmerz, Schwindel, Schlafstörungen, Blutdruck- und Pulsanstieg; kontraindiziert bei Epilepsie, unkontrolliertem Bluthochdruck, Opioidtherapie
Therapie
Schlauchmagen (Sleeve-Gastrektomie)
Ansatz
Laparoskopische Entfernung von etwa 80 Prozent des Magens, verbleibender Schlauch mit 100 bis 150 ml Volumen; Sättigung früher, Ghrelinspiegel sinkt
Indikation
BMI ab 40, oder ab 35 mit Begleiterkrankung (DE, AT); in CH ab 35 nach SMOB-Kriterien
Erwarteter Gewichtsverlust
25 bis 30 Prozent Gesamtgewicht nach 1 bis 2 Jahren; 5-Jahres-Daten (SM-BOSS, SLEEVEPASS) etwa 60 Prozent des Übergewichts
Status/Zugang
Häufigste bariatrische Operation im DACH-Raum, nur an anerkannten Zentren, Kassenleistung nach Gutsprache
Risiken/Nebenwirkungen
Klammernahtleck (etwa 1 bis 2 Prozent), Reflux (neu oder verstärkt bei bis zu 30 Prozent), Vitamin-B12- und Eisenmangel, Wiederzunahme nach 5 bis 10 Jahren
Therapie
Roux-en-Y-Magenbypass
Ansatz
Kleiner Magenpouch (20 bis 30 ml) wird mit einer Dünndarmschlinge verbunden, Zwölffingerdarm wird umgangen; restriktiv und hormonell wirksam
Indikation
Wie Schlauchmagen; bevorzugt bei Reflux, Typ-2-Diabetes und sehr hohem BMI
Erwarteter Gewichtsverlust
30 bis 35 Prozent Gesamtgewicht nach 1 bis 2 Jahren; in SOS etwa 25 Prozent nach 10 Jahren
Status/Zugang
Standardverfahren an allen anerkannten Zentren, Kassenleistung nach Gutsprache
Risiken/Nebenwirkungen
Dumping-Syndrom, innere Hernien, Anastomosengeschwüre, Eisen-, B12-, Folsäure-, Vitamin-D- und Kalziummangel, Alkoholtoleranz sinkt, lebenslange Supplementierung
Therapie
Magenballon
Ansatz
Flüssigkeitsgefüllter Ballon im Magen, endoskopisch eingesetzt (6 bis 12 Monate) oder schluckbar (etwa 16 Wochen); Sättigung durch Volumen
Indikation
BMI 27 bis 40 als Überbrückung oder wenn Operation nicht möglich oder nicht gewünscht
Erwarteter Gewichtsverlust
7 bis 15 Prozent während der Liegedauer, danach häufig Wiederzunahme
Status/Zugang
In CH, DE und AT verfügbar, fast immer Selbstzahlerleistung (etwa 3000 bis 5000 CHF/EUR)
Risiken/Nebenwirkungen
Übelkeit und Erbrechen in den ersten Tagen (häufig), Magenschleimhautreizung, selten Magenperforation, Ballonleck mit Darmverschluss (sehr selten)

Multimodales Basisprogramm. Das Fundament jeder Adipositastherapie ist die Kombination aus Ernährungsumstellung, mehr Bewegung und Verhaltensänderung, idealerweise über mindestens sechs Monate angeleitet. Die Look-AHEAD-Studie ist die grösste Untersuchung dazu: 5145 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes und Übergewicht erhielten entweder eine intensive Lebensstilintervention (wöchentliche Gruppentreffen im ersten Jahr, Mahlzeitenersatz, Bewegungsziel 175 Minuten pro Woche) oder eine Standardberatung. Nach einem Jahr hatte die Interventionsgruppe 8,6 Prozent verloren, die Kontrollgruppe 0,7 Prozent. Nach acht Jahren waren es noch 4,7 gegenüber 2,1 Prozent. Das primäre Ziel, weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle, wurde nach 9,6 Jahren nicht erreicht, weshalb die Studie vorzeitig beendet wurde. Trotzdem gab es messbare Vorteile: bessere Blutzuckerwerte, weniger Schlafapnoe, weniger Medikamente, mehr Mobilität und in der Untergruppe mit über 10 Prozent Verlust deutlich weniger Herz-Kreislauf-Ereignisse. Die Botschaft für die Praxis: Das Basisprogramm wirkt, aber der durchschnittliche Effekt ist moderat, und rund ein Drittel der Teilnehmenden erreicht keine 5 Prozent. Genau für diese Menschen sind die weiteren Stufen gedacht.

Formula-Diät und Very Low Calorie Diet. Mahlzeitenersatzprodukte mit definiertem Nährstoffgehalt liefern 800 bis 1200 kcal pro Tag und ersetzen für 8 bis 16 Wochen alle Mahlzeiten. Die wichtigste Studie dazu ist DiRECT aus Grossbritannien (Lancet 2018): 298 Menschen mit Typ-2-Diabetes seit höchstens sechs Jahren wurden in Hausarztpraxen entweder mit einer Formula-Diät von 825 bis 853 kcal über 12 bis 20 Wochen plus strukturierter Rückführung und Gewichtserhaltung oder mit Standardversorgung behandelt. Nach einem Jahr waren 46 Prozent der Interventionsgruppe in Diabetesremission ohne Medikamente, in der Kontrollgruppe 4 Prozent. Nach zwei Jahren hielten 36 Prozent die Remission. Entscheidend war die Menge des Verlusts: Wer mehr als 15 Kilogramm verlor, erreichte zu 86 Prozent eine Remission. Die DAG-Leitlinie 2024 sieht die Formula-Diät als Option innerhalb des Basisprogramms, begrenzt auf 12 Wochen ohne engmaschige ärztliche Kontrolle. Wichtig: Wer Insulin, Sulfonylharnstoffe oder SGLT2-Hemmer nimmt, muss die Medikation vor Beginn anpassen lassen.

Semaglutid 2,4 mg und Tirzepatid. Die Inkretin-basierten Medikamente sind die dritte Stufe und werden ergänzend zum Basisprogramm eingesetzt, nicht als Ersatz. Semaglutid 2,4 mg erreichte in STEP 1 (NEJM 2021, 1961 Teilnehmende, 68 Wochen) einen Gewichtsverlust von 14,9 Prozent gegenüber 2,4 Prozent unter Placebo. Tirzepatid erreichte in SURMOUNT-1 (NEJM 2022, 2539 Teilnehmende, 72 Wochen) unter der höchsten Dosis 20,9 Prozent gegenüber 3,1 Prozent. Beide Studien zeigen zugleich, dass nach dem Absetzen innerhalb eines Jahres etwa zwei Drittel des verlorenen Gewichts zurückkommen (STEP 1 Extension, SURMOUNT-4). Wirkmechanismus, Dosierung, Nebenwirkungsmanagement, Lieferengpässe, Erfahrungsberichte und der vollständige Studienüberblick sind im GLP-1-Hub aufbereitet: medizin.studio/community/glp-1. In diesem Hub bleibt festzuhalten: Die Medikamente sind wirksam, teuer, langfristig einzunehmen und in DE und AT bei Adipositas ohne Diabetes fast immer selbst zu bezahlen.

Orlistat. Der Lipasehemmer ist das älteste noch zugelassene Adipositasmedikament und wirkt nicht im Gehirn, sondern im Darm. Etwa 30 Prozent des Nahrungsfetts werden nicht aufgenommen. In der XENDOS-Studie (2004, 3305 Teilnehmende, vier Jahre) lag der Gewichtsverlust bei 5,8 Kilogramm gegenüber 3,0 Kilogramm unter Placebo, und die Diabetesinzidenz sank von 9,0 auf 6,2 Prozent. Der Effekt ist also bescheiden, aber langfristig belegt. Die Nebenwirkungen sind der eigentliche Grund für hohe Abbruchraten: Fettstühle und Stuhldrang treten vor allem auf, wenn die Ernährung nicht fettarm ist. Wer Orlistat als Erziehungshilfe versteht, kommt oft besser zurecht. Fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) sollten mit zeitlichem Abstand ergänzt werden.

Naltrexon/Bupropion. Die Kombination aus einem Opioidantagonisten und einem Antidepressivum zielt auf Hunger und Belohnungsverhalten im Hypothalamus und im mesolimbischen System. In COR-I (Lancet 2010, 1742 Teilnehmende, 56 Wochen) verloren die Behandelten mit der Standarddosis 6,1 Prozent, Placebo 1,3 Prozent. Die Abbruchrate wegen Nebenwirkungen lag bei etwa 20 Prozent, hauptsächlich wegen Übelkeit. Die Substanz kann bei Patientinnen und Patienten mit ausgeprägtem emotionalem Essen oder Heisshunger eine Option sein, ist aber bei Bluthochdruck, Epilepsie und Opioidtherapie kontraindiziert. Die EMA hat sie 2015 zugelassen, in Deutschland und Österreich ist sie als Mysimba erhältlich. Für die Schweiz besteht keine Vermarktung. Die DAG-Leitlinie 2024 stuft sie hinter den Inkretinen ein, weil der Effekt kleiner und die Langzeitdaten zum Herz-Kreislauf-Risiko unvollständig sind.

Schlauchmagen (Sleeve). Bei der Sleeve-Gastrektomie werden etwa 80 Prozent des Magens entlang der grossen Kurvatur entfernt. Der Eingriff ist technisch einfacher als der Bypass und hat in den vergangenen 15 Jahren die grösste Verbreitung im DACH-Raum gefunden. In den Schweizer SM-BOSS- und den finnischen SLEEVEPASS-Studien (JAMA 2018) lagen die Ergebnisse nach fünf Jahren mit etwa 60 Prozent des Übergewichts nur wenig unter dem Bypass, mit weniger inneren Hernien und weniger Mangelerscheinungen. Das Hauptproblem des Schlauchmagens ist der Reflux: Bei einem Teil der Operierten entsteht neu eine Refluxkrankheit, und in SM-BOSS musste ein Anteil der Sleeve-Patienten später in einen Bypass umgewandelt werden. Wer bereits Reflux oder eine Hiatushernie hat, wird deshalb eher zum Bypass beraten.

Roux-en-Y-Magenbypass. Der Bypass ist das am längsten erforschte Verfahren. Die schwedische SOS-Studie begleitet seit 1987 rund 2000 Operierte und 2000 konventionell behandelte Vergleichspersonen. Nach zehn Jahren hatten Bypass-Operierte etwa 25 Prozent ihres Gewichts verloren, die Kontrollgruppe lag bei plus/minus null. Die Gesamtsterblichkeit war in der operierten Gruppe um 29 Prozent niedriger (NEJM 2007), Diabetes trat seltener neu auf, und bestehender Diabetes ging bei vielen in Remission. Der Bypass wirkt nicht nur durch Restriktion, sondern verändert die Hormonantwort des Darms auf Nahrung, was den Blutzucker teils schon Tage nach der Operation bessert. Der Preis dafür: Dumping bei zuckerreichen Mahlzeiten, lebenslange Supplementierung, veränderte Alkoholverträglichkeit und ein kleines, aber lebenslanges Risiko innerer Hernien.

Magenballon. Der Magenballon ist keine Dauerlösung, sondern eine zeitlich begrenzte Hilfe. Endoskopisch eingesetzte Ballons bleiben 6 bis 12 Monate, schluckbare Kapselballons etwa 16 Wochen. Während dieser Zeit sind 7 bis 15 Prozent Gewichtsverlust realistisch; nach Entfernung nimmt ein grosser Teil wieder zu, sofern kein Programm anschliesst. Der Ballon eignet sich als Überbrückung vor einer Operation bei sehr hohem BMI, für Menschen, die keine Operation wünschen, oder als Test, ob eine Volumenrestriktion überhaupt hilft. Die Kosten trägt fast immer die Person selbst.

Adipositas als chronische Krankheit: BMI, Bauchumfang, WHtR, Edmonton Obesity Staging

Der Body-Mass-Index (Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergrösse in Metern zum Quadrat) bleibt der Einstieg in jede Diagnose. Übergewicht beginnt bei 25, Adipositas Grad I bei 30, Grad II bei 35, Grad III bei 40. Der BMI ist einfach, vergleichbar und in allen Leitlinien verankert. Seine Grenzen sind bekannt: Er unterscheidet nicht zwischen Fett- und Muskelmasse, nicht zwischen Bauch- und Hüftfett, und er sagt bei Menschen mit hohem Muskelanteil, älteren Menschen oder Menschen asiatischer Herkunft wenig über das tatsächliche Risiko aus.

Der Bauchumfang ergänzt deshalb den BMI. Gemessen wird stehend, in der Mitte zwischen unterster Rippe und Beckenkamm, am Ende einer normalen Ausatmung. Ein erhöhtes Risiko gilt ab 80 Zentimetern bei Frauen und 94 Zentimetern bei Männern, ein deutlich erhöhtes Risiko ab 88 beziehungsweise 102 Zentimetern. Das Bauchfett um die Organe (viszerales Fett) ist stoffwechselaktiv und treibt Insulinresistenz, Fettleber und Entzündung.

Das Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergrösse (Waist-to-Height-Ratio, WHtR) ist eine noch einfachere Regel: Der Bauchumfang sollte weniger als die Hälfte der Körpergrösse betragen. Ein WHtR über 0,5 bedeutet ein erhöhtes, über 0,6 ein deutlich erhöhtes Risiko, unabhängig von Geschlecht und Herkunft. In grossen Kohortenstudien sagt der WHtR kardiometabolische Erkrankungen besser voraus als der BMI allein, und die britische NICE-Leitlinie empfiehlt ihn seit 2022 ausdrücklich.

Das Edmonton Obesity Staging System (EOSS) geht einen Schritt weiter und fragt nicht nach dem Gewicht, sondern nach den Folgen. Stufe 0: keine Risikofaktoren, keine Beschwerden, keine Einschränkung. Stufe 1: subklinische Risikofaktoren (Prädiabetes, grenzwertiger Blutdruck), leichte Beschwerden, geringe Einschränkung. Stufe 2: manifeste Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Schlafapnoe, Arthrose, Angststörung, mittlere Einschränkungen im Alltag. Stufe 3: Organschäden wie Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, diabetische Komplikationen, deutliche Einschränkungen. Stufe 4: schwere, potenziell terminale Behinderung. Das EOSS wurde in den kanadischen Leitlinien 2020 und in der DAG-Leitlinie 2024 übernommen, weil es erklärt, warum zwei Menschen mit demselben BMI völlig unterschiedlich dringlich behandelt werden sollten. Eine Person mit BMI 33 in Stufe 2 braucht mehr Intensität als eine mit BMI 37 in Stufe 0.

Was "chronisch" konkret bedeutet: Der Körper verteidigt sein höchstes erreichtes Gewicht. Nach Gewichtsverlust sinken Sättigungshormone wie Leptin und GLP-1, das Hungerhormon Ghrelin steigt, der Grundumsatz fällt stärker als es der Gewichtsverlust erklären würde (adaptive Thermogenese). Diese Anpassungen halten Jahre an. Sie sind der Grund, warum Wiederzunahme nicht Willensschwäche ist, sondern Biologie, und warum Leitlinien heute von langfristiger Begleitung und bei Bedarf Dauertherapie sprechen.

Wann welche Stufe: Stufenschema nach DAG-Leitlinie 2024 und SMOB-Kriterien CH

Die S3-Leitlinie "Prävention und Therapie der Adipositas" der DAG (Version 5.0, 2024) beschreibt ein Stufenschema, das im ganzen DACH-Raum als Orientierung dient.

Stufe 1, Basisprogramm: Für alle mit BMI ab 30, oder BMI ab 25 mit gewichtsbedingten Begleiterkrankungen. Bestandteile sind Ernährung (Energiedefizit von etwa 500 kcal pro Tag, keine bestimmte Diätform zwingend), Bewegung (150 bis 300 Minuten moderate Aktivität pro Woche plus Krafttraining) und Verhaltenstherapie (Selbstbeobachtung, Zielsetzung, Reizkontrolle, Rückfallprophylaxe). Realistisches Ziel sind 5 bis 10 Prozent in sechs bis zwölf Monaten bei BMI 25 bis 35, über 10 Prozent bei BMI über 35. Die Formula-Diät kann als Intensivphase eingebaut werden.

Stufe 2, medikamentöse Therapie: Bei BMI ab 30, oder ab 27 mit Begleiterkrankung, wenn das Basisprogramm nicht ausreicht. Neu in der Version 2024: Die Medikation kann bei hohem Risiko auch von Beginn an parallel zum Basisprogramm angeboten werden, statt erst nach einem gescheiterten halben Jahr. Als Erfolgskriterium gilt weiterhin ein Verlust von mindestens 5 Prozent nach 12 Wochen auf Erhaltungsdosis; sonst wird abgesetzt oder gewechselt. Die Leitlinie bevorzugt Semaglutid und Tirzepatid vor Naltrexon/Bupropion und Orlistat, weil die Wirksamkeit deutlich höher ist.

Stufe 3, bariatrisch-metabolische Chirurgie: Bei BMI ab 40, oder ab 35 mit mindestens einer Begleiterkrankung, wenn konservative Massnahmen über sechs Monate ausgeschöpft sind. Eine Primärindikation ohne vorherigen konservativen Versuch besteht laut S3-Leitlinie Chirurgie bei BMI ab 50, bei besonderer Schwere der Begleiterkrankungen oder wenn ein konservativer Versuch aussichtslos erscheint. Bei Typ-2-Diabetes kann eine metabolische Operation schon ab BMI 30 bis 35 erwogen werden, wenn der Diabetes trotz Therapie schlecht eingestellt ist.

Die Schweizer SMOB-Richtlinien setzen die Schwelle für die Kassenpflicht tiefer und sind seit 2011 in der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV, Anhang 1) verankert: Eine bariatrische Operation wird von der Grundversicherung übernommen ab BMI 35, wenn eine zweijährige adäquate Therapie zur Gewichtsreduktion erfolglos war, die Person zwischen 18 und 65 Jahre alt ist und der Eingriff an einem von der SMOB anerkannten Zentrum stattfindet. Die SMOB unterscheidet Primärzentren (Standardverfahren) und Referenzzentren (komplexe Fälle, Revisionsoperationen, BMI über 50, Jugendliche). Ausserdem gilt eine Pflicht zur lebenslangen Nachsorge, die ersten fünf Jahre strukturiert am Zentrum. Ausserhalb dieser Kriterien, etwa bei BMI 30 bis 35 mit Diabetes, ist die Operation in der Schweiz möglich, aber Selbstzahlerleistung oder Einzelfallentscheid des Versicherers.

Praktische Faustregel: Wer nach sechs Monaten ernsthaftem Basisprogramm weniger als 5 Prozent verloren hat, sollte mit der behandelnden Ärztin über die nächste Stufe sprechen, nicht das Programm einfach wiederholen. Wer BMI 40 oder mehr hat und schon mehrere Anläufe hinter sich, sollte ein Adipositaszentrum kontaktieren, auch wenn eine Operation noch nicht das Ziel ist. Und wer Gewicht verloren hat, egal mit welcher Stufe, braucht ein Konzept für die Erhaltung, denn das Halten ist schwieriger als das Abnehmen.

Bariatrische Chirurgie: Voraussetzungen, Ablauf, Nachsorge, Mangelerscheinungen

Voraussetzungen. Neben den BMI-Kriterien prüft jedes Zentrum: Alter (in der Regel 18 bis 65, Ausnahmen mit Begründung), dokumentierte konservative Versuche, psychische Stabilität (keine unbehandelte schwere Depression, Psychose, aktive Essstörung vom Typ Bulimie, aktive Sucht), Verständnis für die lebenslangen Konsequenzen, Bereitschaft zur Nachsorge und keine Schwangerschaft in den ersten 12 bis 18 Monaten nach der Operation. Obligatorisch sind eine ärztliche, eine ernährungstherapeutische und eine psychologische oder psychiatrische Beurteilung, dazu eine Magenspiegelung, Laborwerte, oft eine Schlafapnoe-Abklärung und bei Bedarf kardiologische Untersuchungen. In Deutschland wird zusätzlich meist ein sechsmonatiges multimodales Konzept mit dokumentierten Terminen verlangt, bevor die Krankenkasse den Antrag prüft.

Ablauf. Beide Standardverfahren werden laparoskopisch durchgeführt und dauern 60 bis 120 Minuten. Der Spitalaufenthalt beträgt zwei bis vier Tage. Die Kost wird in den ersten Wochen stufenweise aufgebaut: flüssig, dann püriert, dann weich, nach etwa vier bis sechs Wochen normale Konsistenz in kleinen Portionen. Wichtige Regeln von Anfang an: Trinken und Essen trennen (30 Minuten Abstand), langsam essen, gründlich kauen, Eiweiss zuerst (Ziel 60 bis 80 Gramm pro Tag), keine kohlensäurehaltigen Getränke, wenig Zucker und Alkohol. Arbeitsunfähigkeit dauert meist zwei bis vier Wochen. Bei Sleeve und Bypass entsteht der grösste Teil des Gewichtsverlusts in den ersten 12 bis 18 Monaten.

Nachsorge. Die Nachsorge ist kein optionales Extra, sondern Teil der Therapie und in der Schweiz Bedingung der Kostenübernahme. Üblich sind Kontrollen nach 1, 3, 6, 12 Monaten, dann jährlich, mit Laborkontrollen (Blutbild, Ferritin, Vitamin B12, Folsäure, Vitamin D, Kalzium, Parathormon, Zink, Vitamin A, Thiamin bei Erbrechen, Albumin, HbA1c, Leberwerte). Dazu kommen Ernährungsberatung, bei Bedarf psychologische Begleitung, Bewegungsprogramme und Selbsthilfegruppen. Etwa 20 bis 30 Prozent der Operierten nehmen nach fünf bis zehn Jahren wieder deutlich zu; frühzeitige Nachsorge erkennt das und kann mit Ernährungsintervention, Medikamenten (GLP-1-Analoga nach Operation sind mittlerweile gut untersucht) oder in Einzelfällen einer Revision reagieren.

Mangelerscheinungen. Nach einem Bypass sind Mangelzustände die Regel, nicht die Ausnahme, weil Zwölffingerdarm und oberer Dünndarm umgangen werden. Eisenmangel betrifft je nach Studie 20 bis 50 Prozent, vor allem menstruierende Frauen; Vitamin-B12-Mangel ohne Substitution bis zu 60 Prozent; Vitamin-D-Mangel ist häufig und führt über sekundären Hyperparathyreoidismus zu Knochenverlust. Nach Sleeve sind die Zahlen niedriger, aber Eisen, B12 und Vitamin D sind auch hier regelmässig betroffen. Ein Thiaminmangel (Vitamin B1) kann bei anhaltendem Erbrechen innerhalb von Wochen zur Wernicke-Enzephalopathie führen und ist ein Notfall. Seltener sind Zink-, Kupfer- und Vitamin-A-Mangel mit Haarausfall, Geschmacksstörungen und Nachtblindheit. Eiweissmangel tritt bei zu geringer Zufuhr oder nach malabsorptiven Verfahren auf. Konsequenz: Ein bariatrisches Multivitaminpräparat, Kalzium in Zitratform (1200 bis 1500 mg), Vitamin D (mindestens 3000 IE), Vitamin B12 (oral hochdosiert oder als Injektion) und Eisen nach Bedarf, lebenslang. Wer die Präparate absetzt, weil es "gut geht", riskiert Jahre später Anämie, Osteoporose oder Nervenschäden.

Typische Komplikationen und Umgang damit. Dumping nach Bypass (Herzklopfen, Schwitzen, Schwäche 15 bis 30 Minuten nach zuckerreichen Mahlzeiten, oder Unterzuckerung ein bis drei Stunden später) lässt sich fast immer über die Ernährung steuern. Gallensteine entstehen bei etwa einem Drittel der schnell Abnehmenden; manche Zentren geben vorbeugend Ursodeoxycholsäure. Überschüssige Haut ist bei grossem Gewichtsverlust normal; eine Straffungsoperation wird von den Kassen nur bei medizinischer Indikation (Entzündungen, Hygieneprobleme) übernommen. Alkohol wirkt nach Bypass schneller und stärker, das Risiko einer Alkoholerkrankung steigt in den Jahren nach der Operation messbar. Psychisch ist die Zeit nach der Operation nicht automatisch leichter: Depressionen und Beziehungskrisen kommen vor, weshalb psychologische Anbindung im Nachsorgeteam Standard ist.

Erfahrungsberichte

Was Patienten erzählen

Die Erfahrungsberichte sind redaktionell verfasste, anonymisierte Beispiele auf Basis typischer Therapieverläufe. Sie ersetzen keine medizinische Beratung.

Bericht 1

Erfolg

«Ich habe 58 Kilo verloren und nehme dafür jeden Tag sechs Tabletten. Das ist der Deal.»

Markus T., 47, Deutschland

Therapiedauer
3 Jahre seit der Operation
Therapie
Roux-en-Y-Magenbypass

Mit 44 Jahren wog ich 168 Kilo. Ich bin 1,80 Meter gross, das ergab einen BMI von knapp 52. Ich hatte Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, ein kaputtes Knie und eine Schlafapnoe mit Maske. Ich hatte in zwanzig Jahren jede Diät gemacht, die es gibt, und jedes Mal danach mehr gewogen als vorher. Mein Hausarzt sagte irgendwann sehr direkt: "Konservativ kriegen wir das nicht mehr hin." Er überwies mich an ein zertifiziertes Adipositaszentrum.

Der Weg bis zur Operation dauerte in Deutschland fast ein Jahr. Die Krankenkasse verlangte ein dokumentiertes multimodales Konzept: sechs Monate Ernährungsberatung, Bewegungstherapie, psychologische Abklärung, ein Gutachten. Bei meinem BMI und den Begleiterkrankungen wurde der Antrag beim ersten Mal genehmigt, das ist nicht bei allen so. Der Eingriff selbst war laparoskopisch, fünf Tage Klinik, danach zwei Wochen Flüssigkost, dann Brei, dann langsam feste Nahrung in sehr kleinen Portionen.

Bericht 2

Erfolg

«41 Kilo weniger, dafür schlafe ich mit erhöhtem Kopfteil. Ich würde es wieder tun.»

Sandra K., 39, Schweiz

Therapiedauer
14 Monate seit der Operation
Therapie
Schlauchmagen (Sleeve-Gastrektomie)

Ich bin Pflegefachfrau, ich kenne die Klinik von der anderen Seite. Trotzdem hat es Jahre gedauert, bis ich mir eingestanden habe, dass ich selbst Patientin bin. Mit 37 wog ich 128 Kilo bei 1,68 Meter, BMI 45. Ich hatte Knieschmerzen, einen erhöhten Nüchternblutzucker im Prädiabetes-Bereich und eine Fettleber. Der Schichtdienst hat das Essverhalten nicht besser gemacht.

In der Schweiz gelten für bariatrische Eingriffe die Richtlinien der SMOB. Voraussetzung ist ein BMI über 35 und der Nachweis, dass eine konservative Therapie über zwei Jahre nicht ausreichend gewirkt hat. Bei mir war das gut dokumentiert: Ernährungsberatung, ein Bewegungsprogramm, zwei Anläufe mit Formula-Diät. Die Grundversicherung übernahm den Eingriff nach dieser Abklärung. Das Zentrum empfahl mir den Schlauchmagen statt des Bypasses, weil ich keine schwere Refluxkrankheit hatte und die Operation weniger in den Darm eingreift. Ich habe beide Verfahren mit dem Chirurgen und der Ernährungsberaterin durchgesprochen, inklusive der Tatsache, dass Reflux nach dem Schlauchmagen häufiger auftritt. Ich habe das Risiko bewusst in Kauf genommen.

Bericht 3

Erfolg

«17 Kilo klingt nach wenig. Für mich ist es das erste Mal, dass etwas geblieben ist.»

Thomas B., 55, Österreich

Therapiedauer
12 Monate
Therapie
Multimodales konservatives Programm (Ernährung, Bewegung, Verhaltenstherapie)

Ich habe mein Leben lang zwischen 105 und 120 Kilo gependelt, bei 1,78 Meter. Jede Diät brachte mir zehn Kilo weniger und ein Jahr später zwölf mehr. Mit 54 kamen der Bluthochdruck und ein Prädiabetes dazu, und meine Hausärztin in Graz überwies mich an die Adipositas-Ambulanz einer Klinik. Ich ging hin mit der Erwartung, dass man mir ein Medikament oder eine Operation vorschlägt. Stattdessen sass ich in einem Erstgespräch mit einer Internistin, einer Diätologin und einer Psychologin, und die Psychologin stellte die meisten Fragen.

Das Programm lief zwölf Monate. Alle zwei Wochen Gruppentermine, dazu Einzelgespräche. Die Ernährungsschiene war unspektakulär: Kalorienreduktion um etwa 500 kcal am Tag, mehr Eiweiss, mehr Gemüse, feste Mahlzeiten, Ernährungsprotokoll per App. Die Bewegungsschiene startete mit dem, was ich konnte: zweimal wöchentlich 30 Minuten Gehen, später Krafttraining im Zentrum. Und dann die Verhaltenstherapie, die ich zuerst für Beiwerk hielt.

Bericht 4

Erfolg

«Zwölf Wochen Pulver, 22 Kilo weniger. Die eigentliche Prüfung kam danach.»

Petra M., 44, Deutschland

Therapiedauer
12 Wochen Formula-Phase plus 6 Monate Übergangsphase
Therapie
Ärztlich überwachte Formula-Diät, danach strukturierte Ernährungsumstellung

Ich wog 112 Kilo bei 1,66 Meter, BMI knapp 41, und hatte seit zwei Jahren einen Typ-2-Diabetes mit Metformin. Meine Diabetologin in Hannover schlug mir eine Formula-Diät unter ärztlicher Aufsicht vor. Ihr Argument: Bei Diabetes im frühen Stadium kann ein schneller, deutlicher Gewichtsverlust den Stoffwechsel manchmal so weit erholen, dass der Diabetes in Remission geht. Das wollte ich ausprobieren, bevor ich über Medikamente oder eine Operation nachdenke.

Das Programm lief über ein zertifiziertes Zentrum. Zwölf Wochen lang gab es ausschliesslich Formula-Produkte: fünf Portionen am Tag, etwa 800 bis 850 Kilokalorien, dazu mindestens zweieinhalb Liter Flüssigkeit. Wöchentliche Gruppentermine, alle zwei Wochen Blutabnahme, ärztliche Kontrolle von Blutzucker, Elektrolyten, Leber- und Nierenwerten. Das Metformin wurde in der zweiten Woche pausiert, weil der Blutzucker zu schnell sank. Das Gewicht fiel in den ersten zwei Wochen um fast sechs Kilo, viel davon Wasser, danach etwa ein bis anderthalb Kilo pro Woche.

Bericht 5

In Anpassung

«Ich habe 15 Jahre lang abgenommen und zugenommen. Niemand hat mich gefragt, ob ich Essanfälle habe.»

Lea F., 27, Schweiz

Therapiedauer
8 Monate
Therapie
Kognitive Verhaltenstherapie bei Binge-Eating-Störung, Gewichtsreduktion vorerst zurückgestellt

Ich bin 27 und habe seit meinem zwölften Lebensjahr Diäten gemacht. Low Carb, Intervallfasten, Shakes, Kalorienzählen. Jedes Mal ging es einige Wochen gut, dann kam ein Abend, an dem ich innerhalb einer Stunde eine Packung Guetzli, ein Brot und den Rest vom Käse gegessen habe, allein, schnell, mit dem Gefühl, nicht aufhören zu können. Danach Scham, dann die nächste Diät. Ich dachte, das sei Charakterschwäche. Mit 26 wog ich 96 Kilo bei 1,63 Meter, BMI 36, und meldete mich in einem Adipositaszentrum in Zürich für ein Abnehmprogramm an.

Im Erstgespräch füllte ich Fragebögen aus, unter anderem zum Essverhalten. Die Psychologin fragte dann sehr konkret: Wie oft solche Episoden, wie viel, wie schnell, welche Gefühle dabei. Die Antwort war: vier bis fünf Mal pro Woche. Die Diagnose lautete Binge-Eating-Störung. Ich hatte den Begriff nie gehört. Die Ärztin erklärte, dass eine Diät bei unbehandelter Binge-Eating-Störung die Anfälle oft verstärkt, weil Restriktion ein Auslöser ist. Deshalb die Empfehlung: zuerst Psychotherapie, kein Kalorienziel, kein Gewichtsziel. Ich war ehrlich gesagt enttäuscht. Ich wollte abnehmen, nicht reden.

Bericht 6

In Anpassung

«Die Krankenkasse hat Nein gesagt. Also mache ich es ohne Spritze, und es funktioniert, nur langsamer.»

Renate S., 63, Schweiz

Therapiedauer
5 Monate
Therapie
Ernährungsberatung und strukturiertes Bewegungsprogramm nach abgelehnter Kostengutsprache für Semaglutid (Wegovy)

Ich bin 63, pensionierte Lehrerin aus dem Kanton Bern, und hatte über Jahre langsam zugenommen: 91 Kilo bei 1,63 Meter, BMI 34. Kein Diabetes, der Blutdruck grenzwertig, das Cholesterin leicht erhöht, die Knie schmerzen beim Treppensteigen. Meine Hausärztin sprach das Thema Gewicht an, und ich fragte sie nach der Abnehmspritze, von der alle reden. Sie erklärte mir, dass Semaglutid (Wegovy) in der Schweiz seit 2024 in der Spezialitätenliste steht, aber unter Auflagen: ein BMI von mindestens 35, oder von mindestens 28 mit bestimmten Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Schlafapnoe, dazu ein begleitendes Programm und eine Kostengutsprache der Krankenkasse.

Wir stellten den Antrag. Nach drei Wochen kam die Ablehnung: BMI unter 35, Blutdruck und Cholesterin nicht als qualifizierende Begleiterkrankung anerkannt, weil unbehandelt und grenzwertig. Selbst zahlen hätte über 250 Franken im Monat bedeutet, über Jahre, weil das Gewicht nach dem Absetzen in Studien meist wieder ansteigt. Das wollte ich nicht. Ich war erst wütend, dann ratlos, dann habe ich mit meiner Ärztin einen Plan B gemacht.

Bericht 7

Frühe Phase

«Ich kam wegen des Gewichts. Gegangen bin ich mit einer Schlafmaske und einem Plan.»

Daniel W., 51, Österreich

Therapiedauer
8 Wochen seit dem Erstgespräch
Therapie
Diagnostikphase und Programmstart im Adipositaszentrum, CPAP-Therapie bei neu entdeckter Schlafapnoe

Ich bin 51, Lkw-Fahrer aus Oberösterreich, 1,84 Meter und 134 Kilo, BMI knapp 40. Der Anstoss kam nicht von mir, sondern vom Betriebsarzt, der bei der Fahrtauglichkeitsuntersuchung nachfragte, ob ich tagsüber müde sei. Ich bin es seit Jahren. Ich dachte, das gehöre zum Beruf. Er überwies mich an eine Adipositas-Ambulanz in Linz.

Das Erstgespräch dauerte fast zwei Stunden. Anamnese, Gewichtsverlauf seit der Jugend, bisherige Diäten (keine wirklich), Essverhalten, Schlaf, Stimmung, Familie. Dann ein Untersuchungsblock über zwei Wochen: grosses Labor, Blutdruck-Langzeitmessung, Leberultraschall, Blutzuckerbelastungstest, EKG, und ein Fragebogen zur Tagesschläfrigkeit, bei dem ich 16 von 24 Punkten hatte. Daraufhin ein Screening für zu Hause mit einem kleinen Gerät, und danach eine Nacht im Schlaflabor.

Bericht 8

Abgesetzt

«Drei Kilo in fünf Monaten, dafür habe ich in jedem Meeting auf die nächste Toilette geschielt.»

Markus H., 44, Deutschland

Therapiedauer
5 Monate
Therapie
Orlistat 120 mg dreimal täglich plus Ernährungsumstellung

Ich bin Aussendienstler, viel im Auto, viel in Restaurants, und mit 44 wog ich 112 kg bei 1,80 m, ein BMI von 34,6. Mein Hausarzt in Nürnberg hatte mir seit Jahren gesagt, ich müsse etwas tun. Blutdruck grenzwertig, Nüchternblutzucker knapp unter der Diabetesgrenze, Leberwerte leicht erhöht. Ein Medikament, das Fett aus der Nahrung bindet, klang für mich nach einer Lösung, die zu meinem Alltag passt: Ich müsste nichts spritzen, keine Termine einhalten, nur Kapseln zum Essen nehmen.

Orlistat (Xenical, in Deutschland in der 60-mg-Variante auch rezeptfrei) blockiert einen Teil der Fettverdauung im Darm. Rund 30 Prozent des Nahrungsfetts werden dann nicht aufgenommen, sondern ausgeschieden. Genau das ist der Mechanismus, und genau das war am Ende mein Problem. Mein Arzt hat mich vorgewarnt: Wenn ich weiter fettreich esse, kommen Fettstühle, Blähungen und im schlimmsten Fall unkontrollierter Stuhlabgang. Ich habe genickt und gedacht, so schlimm wird es nicht.

Bericht 9

Abgesetzt

«Der Ballon hat mir neun Kilo genommen und sie mir nach der Entfernung fast alle zurückgegeben.»

Sandra K., 38, Österreich

Therapiedauer
6 Monate plus 12 Monate Nachbeobachtung
Therapie
Magenballon (flüssigkeitsgefüllt), Ernährungsbegleitung

Ich wohne in Graz, arbeite in der Pflegeadministration und hatte mit 38 Jahren 98 kg bei 1,65 m, ein BMI von 36,0. Ich habe alles ausprobiert, was man ohne Arzt ausprobieren kann: Intervallfasten, Low Carb, eine Fitnessstudio-Mitgliedschaft, die ich nach drei Monaten nicht mehr genutzt habe. Für einen Magenbypass fühlte ich mich zu jung und zu wenig krank. Der Magenballon erschien mir als Mittelweg: kein Schnitt, umkehrbar, sechs Monate lang eine Art Trainingsrad für weniger Essen.

Der Eingriff dauerte etwa 20 Minuten in Sedierung. Ein Silikonballon wurde über den Mund in den Magen geführt und dort mit etwa 500 ml Kochsalzlösung gefüllt. Was mir vorher niemand so deutlich gesagt hatte: Die ersten Tage sind hart. Ich hatte drei Tage lang Übelkeit, die kein Antiemetikum wirklich in den Griff bekam, Krämpfe, Aufstossen und das Gefühl, dass ein Stein in mir liegt. Ich habe in dieser Zeit fast nichts gegessen und lag mehr, als ich sass. Nach etwa zehn Tagen wurde es erträglich.

Bericht 10

Erfolg

«Mein Erfolg ist, dass ich seit anderthalb Jahren nicht mehr abgenommen habe.»

Brigitte M., 56, Schweiz

Therapiedauer
25 Jahre Jojo, seit 18 Monaten Gewichtsstabilisierung
Therapie
Selbsthilfegruppe, Ernährungsberatung, Bewegung, kein Medikament

Ich bin 56, wohne in Winterthur, arbeite in einer Kita und habe in 25 Jahren wahrscheinlich 300 Kilo abgenommen. Nicht auf einmal, sondern in Etappen: 12 kg mit Pulverdiät, 15 kg mit Punktezählen, 9 kg mit Low Carb, 18 kg mit einem Programm, das mich 4'000 Franken gekostet hat. Und jedes Mal, mit Zinsen, wieder zurück. Mein Tiefstgewicht war 78 kg, mein Höchstgewicht 110 kg, bei 1,65 m ist das ein BMI zwischen 28,7 und 40,4. Meine Hausärztin hat einmal gesagt, mein Gewichtsverlauf sehe aus wie ein Aktienchart.

Vor zwei Jahren sass ich nach der fünften Wiederzunahme bei 104 kg in der Sprechstunde und war fertig. Nicht mit dem Körper, sondern mit mir. Ich hatte das Gefühl, versagt zu haben, obwohl ich mehr Disziplin aufgebracht hatte als die meisten Menschen, die ich kenne. Meine Ärztin hat mir dann etwas gesagt, das ich vorher nie gehört hatte: Wiederzunahme nach einer Diät ist nicht Charakterschwäche, sondern Physiologie. Der Körper senkt den Energieverbrauch, die Sättigungshormone fallen ab, der Hunger steigt, und das kann Jahre anhalten. Die Zahlen aus der Literatur sind ernüchternd: Nach Lebensstilprogrammen nehmen die meisten Menschen innerhalb von fünf Jahren den grössten Teil des Gewichts wieder zu.

Bericht 11

In Anpassung

«Jahrelang hiess es, ich solle einfach abnehmen. Meine Beine hatten eine eigene Diagnose.»

Nadine R., 33, Deutschland

Therapiedauer
8 Monate
Therapie
Kompression, manuelle Lymphdrainage, Gewichtsmanagement, Physiotherapie

Ich bin 33, lebe in Köln, arbeite als Erzieherin und wog zu Beginn 104 kg bei 1,65 m, ein BMI von 38,2. Adipositas hatte ich seit der Pubertät. Was ich aber nie verstanden habe: Mein Oberkörper reagierte auf jede Diät, meine Beine nicht. Bei 88 kg, meinem besten Gewicht mit Mitte 20, trug ich oben Grösse 40 und unten Grösse 46. Die Beine schmerzten bei Druck, ich hatte blaue Flecken, von denen ich nicht wusste, woher sie kamen, und abends fühlten sie sich an, als wären sie mit Sand gefüllt.

Ich habe das dreimal bei verschiedenen Ärzten angesprochen. Die Antwort war jedes Mal dieselbe, mal freundlich, mal nicht: Wenn Sie abnehmen, geht das weg. Einmal hat ein Orthopäde gesagt, er behandle keine Beine, die man selbst verursacht habe. Ich habe danach zwei Jahre lang keinen Arzt mehr wegen der Beine aufgesucht.

Bericht 12

Erfolg

«Mit 68 wollte ich nicht einfach leichter werden. Ich wollte nicht schwächer werden.»

Walter F., 68, Österreich

Therapiedauer
14 Monate
Therapie
Krafttraining, eiweissbetonte Ernährung, moderates Kaloriendefizit, kein Medikament

Ich bin pensionierter Maschinenschlosser aus Linz und wog mit 68 Jahren 102 kg bei 1,75 m, BMI 33,3. Mein Problem war weniger das Gewicht als das, was es mit mir machte: Knieschmerzen beim Treppensteigen, Atemnot beim Rasenmähen, und im Frühjahr ein Sturz im Garten, bei dem ich mich nicht mehr aus eigener Kraft aufrichten konnte. Das hat mich mehr erschreckt als jeder Blutwert.

Mein Hausarzt hat mir zunächst eine Diät vorgeschlagen, 1'200 Kalorien, viel Gemüse. Meine Tochter, die Physiotherapeutin ist, hat sich quergestellt. Sie hat mir erklärt, dass Menschen in meinem Alter beim schnellen Abnehmen einen grossen Teil des Gewichts als Muskel verlieren, und dass das genau der Weg in die Sarkopenie ist: weniger Muskel, weniger Kraft, mehr Stürze, mehr Abhängigkeit. Adipositas und Sarkopenie zusammen, das nennt man sarkopene Adipositas, und es ist bei über 65-Jährigen häufiger, als ich dachte.

Bericht 13

Frühe Phase

«Das Erste, was sich verändert hat, war nicht mein Gewicht. Es war unser Kühlschrank.»

Leon B., 17, Schweiz

Therapiedauer
10 Wochen
Therapie
Multiprofessionelles Gruppenprogramm für Jugendliche mit Elternbeteiligung

Ich bin 17, gehe in Bern ins Gymnasium und wiege 114 kg bei 1,78 m, BMI 36,0. Vor zehn Wochen waren es 118 kg, BMI 37,2. Ich schreibe das hier, weil meine Mutter meinte, es sei gut, das aufzuschreiben, und weil ich in Foren immer nur Erwachsene lese.

Dick war ich schon in der Primarschule. Mit 14 wurde es schlimmer, als ich mit Fussball aufgehört habe, weil ich der Langsamste war und das jeder gesehen hat. Seither: Schule, Zimmer, Bildschirm, Essen, das ich mir selbst nach Hause holte. Meine Eltern haben es versucht, mit Verboten, mit Belohnungen, mit einem Ernährungsplan, den ich nach vier Tagen ignoriert habe. Meistens endete es mit Streit, und danach habe ich heimlich gegessen.

Bericht 14

Frühe Phase

«Ich wollte abnehmen, ohne dass meine Tochter etwas davon merkt.»

Anna-Lena S., 31, Deutschland

Therapiedauer
7 Wochen
Therapie
Ernährungsberatung in der Stillzeit, Bewegung, kein Medikament

Ich bin 31, lebe in Hamburg, und meine Tochter ist fünf Monate alt. Vor der Schwangerschaft wog ich 74 kg bei 1,65 m, BMI 27,2, also übergewichtig, aber im Alltag unauffällig. Während der Schwangerschaft habe ich 24 kg zugenommen, weit mehr als die 7 bis 11 kg, die bei meinem Ausgangs-BMI empfohlen werden. Ein Teil davon war Schwangerschaftsdiabetes, ein Teil Bettruhe in den letzten Wochen, und ein grosser Teil war schlicht: Ich habe für zwei gegessen und niemand hat mich gebremst. Sechs Wochen nach der Geburt wog ich 98 kg, BMI 36,0. Adipositas Grad 2. Das Wort hat mich getroffen.

Ich stille voll, und das hat den Rahmen gesetzt. Meine Gynäkologin hat mir klar gesagt, was nicht geht: keine Crashdiät, keine Diätpulver, keine Medikamente. Für die GLP-1-Präparate, nach denen ich gefragt hatte, gibt es in der Stillzeit keine ausreichenden Daten, sie sind dafür nicht zugelassen. Die Frage war also, was in der Stillzeit überhaupt sicher ist, ohne dass die Milchmenge einbricht oder meine Tochter etwas davon abbekommt.

Versorgung & Kosten

Vom ersten Gespräch zur Begleitung

1

Ersteinschätzung in der Hausarztpraxis

Der Weg beginnt bei Hausärztin oder Hausarzt: Gewicht, Grösse, Bauchumfang, Blutdruck, Nüchternblutzucker oder HbA1c, Blutfette, Leberwerte, Schilddrüse. Dazu gehören die Gewichtsgeschichte, bisherige Versuche, Medikamente, die zunehmen lassen (etwa manche Antidepressiva, Antipsychotika, Insulin, Kortison), Schlaf, Essverhalten und psychische Belastung. Ziel ist nicht ein Vorwurf, sondern eine Einordnung: Welche Stufe passt, welche Begleiterkrankungen sind schon da, wie dringend ist es.

2

Basisprogramm und Ernährungsberatung

Auf Basis der Ersteinschätzung wird das Basisprogramm gestartet: ärztlich verordnete Ernährungsberatung, ein Bewegungsprogramm (Physiotherapie, Reha-Sport, Kursangebote) und je nach Bedarf verhaltenstherapeutische Unterstützung. Realistisch ist ein Zeitraum von sechs Monaten mit klarem Zwischenziel. Wer bereits eine Diabetesdiagnose hat, wird parallel in ein Chronic-Care- oder DMP-Programm eingeschrieben.

3

Eskalation an ein Adipositaszentrum

Wenn das Basisprogramm nicht reicht, wenn der BMI über 35 liegt oder wenn Begleiterkrankungen drängen, folgt die Überweisung an eine Adipositassprechstunde oder ein anerkanntes Zentrum. Dort werden Medikamente mit den nötigen Kostengutsprachen beantragt oder die Abklärungen für eine Operation begonnen. In der Schweiz ist die Zentrumsanbindung für die Kostenübernahme der Operation zwingend, in Deutschland für den Kassenantrag faktisch ebenso.

4

Langfristige Begleitung

Egal ob Basisprogramm, Medikament oder Operation: Nach der Gewichtsabnahme beginnt die Phase, in der die meisten Therapien scheitern. Regelmässige Kontrollen, Laborwerte, Anpassung der Medikation bei Begleiterkrankungen (Blutdruck- und Diabetesmittel müssen oft reduziert werden), Selbsthilfegruppen und ein Plan für Rückfälle gehören dazu. Die Hausarztpraxis bleibt Drehscheibe, das Zentrum bleibt Ansprechpartner.

Kostenübernahme im Ländervergleich

Wer verschreibt und überweist
Schweiz (CH)
Hausärztin/Hausarzt, Endokrinologie, Adipositassprechstunde; für Operationen SMOB-anerkanntes Zentrum
Deutschland (DE)
Hausärztin/Hausarzt, Diabetologie, Ernährungsmedizin, zertifiziertes Adipositaszentrum
Österreich (AT)
Hausärztin/Hausarzt, Innere Medizin, Adipositasambulanz an Spitälern
Ernährungsberatung
Schweiz (CH)
Grundversicherung übernimmt bei ärztlicher Verordnung 6 Sitzungen (verlängerbar) durch anerkannte Ernährungsberatende, bei Adipositas oder Begleiterkrankung; Franchise und 10 Prozent Selbstbehalt
Deutschland (DE)
Keine Regelleistung; GKV bezuschusst nach § 43 SGB V bei ärztlicher Notwendigkeitsbescheinigung meist 80 bis 100 Prozent von 5 bis 6 Sitzungen, Präventionskurse nach § 20 SGB V mit Zuschuss
Österreich (AT)
Diätologische Beratung in Spitalsambulanzen und ÖGK-Gesundheitszentren kostenfrei; freiberufliche Diätologen meist privat mit Teilrückerstattung
Strukturierte Programme
Schweiz (CH)
Multimodale Programme an Spitälern und Zentren, Kostenübernahme im Einzelfall; für Kinder und Jugendliche seit 2014 anerkannte Gruppenprogramme (KLV)
Deutschland (DE)
DMP Adipositas vom G-BA 2023 beschlossen, Verträge seit 2024/2025 in Umsetzung; Präventionskurse, Reha-Sport auf Verordnung
Österreich (AT)
Kein flächendeckendes DMP für Adipositas; Therapie Aktiv gilt für Diabetes Typ 2; regionale Programme der ÖGK und Spitäler
Medikamente
Schweiz (CH)
Semaglutid 2,4 mg (Wegovy) seit März 2024 auf der Spezialitätenliste mit Limitatio: BMI ab 35, oder ab 28 mit Begleiterkrankung (Prädiabetes, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Dyslipidämie), vorheriges Lebensstilprogramm, Kostengutsprache des Vertrauensarztes, Fortsetzung nur bei mindestens 5 Prozent Verlust, Kombination mit Ernährungsberatung, Höchstdauer 3 Jahre; Tirzepatid analog gemäss aktueller Spezialitätenliste prüfen; Orlistat keine Kassenleistung; Naltrexon/Bupropion nicht im Handel
Deutschland (DE)
Alle Adipositasmedikamente sind nach § 34 Abs. 1 SGB V als "Lifestyle-Arzneimittel" von der GKV-Erstattung ausgeschlossen, auch bei Adipositas Grad III; Privatrezept, Wegovy etwa 170 bis 300 EUR pro Monat je nach Dosis, Mounjaro ähnlich, Mysimba etwa 100 bis 150 EUR, Orlistat etwa 50 bis 80 EUR; private Krankenversicherungen erstatten teils
Österreich (AT)
Keine Erstattung durch ÖGK, BVAEB oder SVS für Wegovy, Mounjaro, Mysimba oder Orlistat bei Adipositas ohne Diabetes; Privatrezept, Preise vergleichbar mit DE; bei Typ-2-Diabetes Semaglutid (Ozempic) und Tirzepatid mit chefärztlicher Bewilligung erstattungsfähig
Selbstbehalt und typische Monatskosten
Schweiz (CH)
Franchise (300 bis 2500 CHF pro Jahr) plus 10 Prozent Selbstbehalt bis 700 CHF; Wegovy ohne Limitatio-Erfüllung etwa 200 bis 300 CHF pro Monat privat
Deutschland (DE)
GKV: 5 bis 10 EUR Zuzahlung pro Rezept bei erstattungsfähigen Mitteln (hier nicht zutreffend); Adipositasmedikation komplett privat, 100 bis 300 EUR pro Monat
Österreich (AT)
Rezeptgebühr 7,55 EUR (2025) bei erstatteten Mitteln; Adipositasmedikation komplett privat, 150 bis 350 EUR pro Monat
Bariatrische Chirurgie: Voraussetzungen und Übernahme
Schweiz (CH)
Grundversicherung ab BMI 35 nach zwei Jahren erfolgloser adäquater Therapie, Alter 18 bis 65, Operation an SMOB-anerkanntem Zentrum, lebenslange Nachsorge (KLV Anhang 1); keine Kostengutsprache im Einzelfall nötig, wenn Kriterien erfüllt
Deutschland (DE)
GKV nach Einzelantrag mit MD-Begutachtung: BMI ab 40, oder ab 35 mit Begleiterkrankung, dokumentiertes multimodales Konzept über meist 6 Monate; Primärindikation ab BMI 50 oder bei Aussichtslosigkeit konservativer Therapie
Österreich (AT)
Kostenübernahme in öffentlichen Spitälern bei BMI ab 40, oder ab 35 mit Begleiterkrankung, nach interdisziplinärer Abklärung und dokumentierter konservativer Therapie; chefärztliche Bewilligung nicht für die Operation selbst, aber für Vorabklärungen möglich
Reha und Hilfsmittel
Schweiz (CH)
Stationäre Reha bei Adipositas mit Begleiterkrankungen möglich, Kostengutsprache nötig; Hautstraffung nur bei medizinischer Indikation
Deutschland (DE)
Adipositas-Reha über Deutsche Rentenversicherung oder GKV (3 bis 4 Wochen); Reha-Sport 50 bis 120 Einheiten; Hautstraffung nach Antrag bei medizinischer Indikation
Österreich (AT)
Kur und Reha über Sozialversicherungsträger bei metabolischen Erkrankungen; Hautstraffung nach Gutachten
Adipositaszentren
Schweiz (CH)
SMOB-Liste der anerkannten Primär- und Referenzzentren (smob.ch), an Universitäts- und Kantonsspitälern sowie Privatkliniken
Deutschland (DE)
DAG- und DGAV-zertifizierte Adipositaszentren (Kompetenz-, Referenz-, Exzellenzzentren), Liste über DGAV und DAG
Österreich (AT)
Adipositasambulanzen und -zentren an Universitätskliniken (Wien, Graz, Innsbruck, Salzburg) und Landesspitälern; Übersicht bei der Österreichischen Adipositas Gesellschaft
Regulierungsbehörde
Schweiz (CH)
Swissmedic (Zulassung), BAG (Spezialitätenliste, Limitatio)
Deutschland (DE)
BfArM (Zulassung), G-BA (Leistungskatalog, DMP), Medizinischer Dienst (Begutachtung)
Österreich (AT)
BASG/AGES (Zulassung), Dachverband der Sozialversicherungsträger (Erstattungskodex)

Ein paar Erläuterungen zur Tabelle. In der Schweiz ist die Limitatio für Semaglutid 2,4 mg der entscheidende Hebel: Wer die Kriterien erfüllt und die Kostengutsprache erhält, zahlt nur Franchise und Selbstbehalt; wer sie nicht erfüllt, zahlt den vollen Preis. Die Limitatio verlangt ausserdem, dass die Behandlung in ein Programm mit Ernährungsberatung eingebettet ist, und sie ist auf drei Jahre begrenzt. Was danach geschieht, ist offen und Gegenstand laufender Diskussion zwischen BAG, Herstellern und Fachgesellschaften.

In Deutschland ist der Lifestyle-Ausschluss nach § 34 SGB V die grösste Hürde. Die DAG, die Deutsche Diabetes Gesellschaft und Patientenorganisationen fordern seit Jahren die Streichung; der Gesetzgeber hat bis Redaktionsschluss nicht reagiert. Gleichzeitig wird das DMP Adipositas eingeführt, das strukturierte Versorgung ohne Medikamente vorsieht. Für viele Betroffene bedeutet das: Beratung und Programm über die Kasse, Medikament aus eigener Tasche.

In Österreich ist die Situation für Medikamente am restriktivsten, die Chirurgie hingegen an öffentlichen Spitälern gut zugänglich, wenn die BMI-Kriterien erfüllt sind. Wartezeiten von mehreren Monaten sind üblich. Wer privat versichert ist, sollte prüfen, ob die Zusatzversicherung Adipositasmedikamente ausdrücklich ausschliesst, was häufig der Fall ist.

Für alle drei Länder gilt: Die Angaben sind Orientierungswerte. Preise, Limitationen und Programme ändern sich, und individuelle Verträge oder Versicherungsmodelle (Hausarztmodell, HMO, Zusatzversicherung) können abweichen. Vor Therapiebeginn lohnt sich ein Blick in die aktuelle Spezialitätenliste (CH), den Erstattungskodex (AT) oder eine direkte Anfrage bei der Krankenkasse (DE).

Spezialisten finden

Die erste Adresse bleibt die Hausarztpraxis, weil dort die Gesamtsituation bekannt ist und Überweisungen sowie Kostengutsprachen ausgestellt werden. Für die medikamentöse Therapie sind Fachpersonen der Endokrinologie und Diabetologie, der Ernährungsmedizin (in DE Zusatzbezeichnung, in CH und AT Schwerpunkt der Inneren Medizin) sowie spezialisierte Adipositassprechstunden zuständig. Für die Chirurgie führen die Wege zu Viszeralchirurginnen und Viszeralchirurgen mit bariatrischem Schwerpunkt an anerkannten Zentren; in der Schweiz ist die SMOB-Anerkennung des Zentrums Bedingung für die Kassenleistung, in Deutschland sind Zertifizierungen der DGAV (Kompetenz-, Referenz- und Exzellenzzentrum) ein guter Qualitätshinweis. Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberater mit Fachhochschulabschluss (CH: SVDE-Mitgliedschaft; DE: VDD, VDOE oder DGE-zertifiziert; AT: Diätologinnen und Diätologen mit Berufsberechtigung) sowie Psychologinnen und Psychologen mit Erfahrung in Essverhalten und Adipositas gehören zu jedem guten Behandlungsteam. Selbsthilfegruppen, etwa das Adipositas Netzwerk Schweiz, die Adipositas Selbsthilfe Deutschland oder die Adipositas Selbsthilfe Österreich, sind für die langfristige Begleitung oft der Faktor, der den Unterschied macht.

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Studien & Updates

Aktuelle Evidenz

Aktuelle Evidenz

Die folgenden Einträge fassen die wichtigsten Langzeitstudien, Leitlinien und Versorgungsentscheide zu Adipositas zusammen. Alle Zahlen stammen aus den Originalpublikationen oder den offiziellen Leitlinientexten. Studien zu GLP-1-Rezeptoragonisten sind hier bewusst nur mit einem Eintrag vertreten: Die vollständige Evidenz zu Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid finden Sie im separaten Hub GLP-1.

StudieNEJM, 2013-07

Look AHEAD, intensive Lebensstilintervention bei Typ-2-Diabetes und Übergewicht

5145 Teilnehmende mit Typ-2-Diabetes und einem BMI ab 25 wurden über median 9,6 Jahre begleitet. Die Gruppe mit intensiver Lebensstilintervention (Kalorienreduktion, mindestens 175 Minuten Bewegung pro Woche, regelmässige Gruppentreffen) verlor im ersten Jahr 8,6 Prozent ihres Körpergewichts gegenüber 0,7 Prozent in der Kontrollgruppe; nach knapp zehn Jahren lag der Unterschied noch bei 6,0 gegenüber 3,5 Prozent. Die Zahl schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse sank nicht signifikant (Hazard Ratio 0,95), die Studie wurde deshalb vorzeitig beendet. Deutliche Vorteile zeigten sich aber bei Schlafapnoe, Mobilität, Nierenfunktion, Diabetesremission und Medikamentenbedarf. Look AHEAD ist damit die wichtigste Studie zur Frage, was Lebensstil allein leisten kann und wo seine Grenzen liegen.

StudieNEJM, 2007-08 und JAMA, 2012-01

Swedish Obese Subjects (SOS), Langzeitverlauf nach bariatrischer Chirurgie

Die SOS-Studie verglich 2010 operierte Personen mit 2037 konventionell behandelten Kontrollpersonen (BMI ab 34 bei Männern, ab 38 bei Frauen) über bis zu 20 Jahre. Nach zehn Jahren lag das Gewicht in der Bypass-Gruppe um etwa 25 Prozent, nach Magenband um etwa 14 Prozent unter dem Ausgangswert, während die Kontrollgruppe praktisch unverändert blieb. Die Gesamtsterblichkeit war in der operierten Gruppe über median 10,9 Jahre um 24 Prozent niedriger (Hazard Ratio 0,71). Die Auswertung von 2012 (median 14,7 Jahre) zeigte zudem 33 Prozent weniger Herz-Kreislauf-Ereignisse und deutlich weniger tödliche Herzinfarkte und Schlaganfälle. Bemerkenswert: Der Nutzen hing nicht vom Ausmass des Gewichtsverlusts ab, sondern stärker vom Ausgangs-Insulinspiegel.

StudieNEJM, 2017-02

STAMPEDE, Chirurgie gegenüber intensiver medikamentöser Therapie bei Typ-2-Diabetes

150 Personen mit Typ-2-Diabetes und einem BMI zwischen 27 und 43 wurden auf intensive medikamentöse Therapie allein, Magenbypass oder Schlauchmagen randomisiert. Nach fünf Jahren erreichten 29 Prozent der Bypass-Gruppe und 23 Prozent der Schlauchmagen-Gruppe einen HbA1c von 6,0 Prozent oder darunter, gegenüber 5 Prozent unter medikamentöser Therapie. Der Gewichtsverlust betrug im Mittel etwa 23 Prozent (Bypass), 19 Prozent (Schlauchmagen) und 5 Prozent (Medikamente). Die operierten Gruppen brauchten weniger Diabetes-, Blutdruck- und Lipidmedikamente und berichteten eine bessere Lebensqualität. Die Studie wurde vor der Einführung von Semaglutid und Tirzepatid durchgeführt; ein direkter Vergleich mit den neuen Wirkstoffen steht aus.

StudieLancet, 2018-02

DiRECT, Diabetesremission durch strukturierte Gewichtsreduktion in der Hausarztpraxis

306 Personen mit Typ-2-Diabetes (Diagnose seit höchstens sechs Jahren, BMI 27 bis 45) aus 49 britischen Hausarztpraxen erhielten entweder Standardversorgung oder ein Programm mit Formula-Diät (etwa 825 bis 853 kcal pro Tag über drei bis fünf Monate), schrittweiser Wiedereinführung normaler Mahlzeiten und langfristiger Begleitung. Nach zwölf Monaten waren 46 Prozent der Interventionsgruppe ohne Diabetesmedikamente in Remission, gegenüber 4 Prozent in der Kontrollgruppe. Bei einem Gewichtsverlust von 15 kg oder mehr lag die Remissionsrate bei 86 Prozent. Nach zwei Jahren waren noch 36 Prozent in Remission. DiRECT zeigt, dass Typ-2-Diabetes in frühen Stadien durch Gewichtsreduktion umkehrbar sein kann, und dass die Begleitung nach der Diätphase entscheidend ist.

StudieLancet Diabetes & Endocrinology, 2025-01

Kommission zur Definition und Diagnose der klinischen Adipositas

Eine internationale Kommission von 56 Fachleuten, unterstützt von über 75 Fachgesellschaften und Patientenorganisationen, hat eine neue Systematik vorgeschlagen. Der BMI allein soll nicht mehr zur Diagnose genügen; er muss durch mindestens ein weiteres Mass (Bauchumfang, Waist-to-Height-Ratio, direkte Fettmessung) bestätigt werden. Die Kommission unterscheidet präklinische Adipositas (erhöhtes Körperfett ohne aktuelle Organschäden, aber mit erhöhtem Risiko) von klinischer Adipositas, einer chronischen Erkrankung mit nachweisbarer Funktionsstörung von Organen oder deutlicher Einschränkung im Alltag. Dafür wurden 18 Kriterien für Erwachsene und 13 für Kinder und Jugendliche definiert. Ziel ist, Über- und Unterversorgung zu vermeiden: Wer klinisch krank ist, soll zeitnah behandelt werden; wer präklinisch betroffen ist, soll Prävention und Monitoring erhalten.

StudieObesity Reviews (systematische Übersicht mit Meta-Analyse), 2019-04

Formula-Diäten und Mahlzeitenersatz im Vergleich zu anderen Diätformen

Die Analyse von 23 randomisierten Studien mit insgesamt über 7000 Teilnehmenden verglich Programme mit Mahlzeitenersatz (Formula-Produkte für eine oder mehrere Mahlzeiten pro Tag) mit konventionellen Diäten. Nach einem Jahr lag der Gewichtsverlust mit Mahlzeitenersatz um etwa 1,4 kg höher als mit anderen Diäten; in Kombination mit strukturierter Begleitung stieg der Vorteil auf etwa 2,2 kg. Vollständiger Mahlzeitenersatz (Total Diet Replacement) über acht bis zwölf Wochen brachte kurzfristig deutlich grössere Verluste, bei ähnlicher Wiederzunahme im Anschluss. Die Evidenz ist von moderater Qualität; die aktuellen deutschen und schweizerischen Leitlinien empfehlen Formula-Diäten nur zeitlich begrenzt und unter ärztlicher Begleitung.

StudieNEJM, 2023-11

SELECT, Semaglutid und Herz-Kreislauf-Ereignisse bei Übergewicht ohne Diabetes (Verweis auf den Hub GLP-1)

17'604 Personen mit bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung, BMI ab 27 und ohne Diabetes erhielten wöchentlich Semaglutid 2,4 mg oder Placebo. Über median rund 40 Monate traten schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse bei 6,5 Prozent unter Semaglutid und 8,0 Prozent unter Placebo auf, eine relative Reduktion um 20 Prozent (Hazard Ratio 0,80). Der Gewichtsverlust lag bei etwa 9,4 gegenüber 0,9 Prozent. SELECT ist die erste grosse Studie, die für ein Adipositasmedikament einen Nutzen bei harten Endpunkten zeigt. Details zu Wirkung, Nebenwirkungen, Absetzen und Kosten aller GLP-1-Wirkstoffe finden Sie im Hub GLP-1.

StudieAWMF / Deutsche Adipositas-Gesellschaft, 2024-10

S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas, Version 5.0

Die vollständig überarbeitete Leitlinie definiert Adipositas ausdrücklich als chronische Erkrankung und beschreibt ein Stufenkonzept. Basis ist immer ein multimodales Programm aus Ernährung, Bewegung und Verhaltenstherapie mit dem Ziel eines Gewichtsverlusts von mindestens 5 Prozent bei BMI 25 bis 35 und mindestens 10 Prozent bei BMI über 35. Formula-Diäten werden als Option unter ärztlicher Begleitung genannt. Medikamente sind als Ergänzung bei BMI ab 30 oder ab 27 mit Begleiterkrankungen vorgesehen, eine bariatrische Operation ab BMI 40 oder ab 35 mit Begleiterkrankungen, jeweils nach Ausschöpfung der konservativen Therapie. Neu betont wird die Langzeitbegleitung nach jeder Form der Gewichtsreduktion, weil eine Wiederzunahme ohne Nachsorge die Regel ist.

Versorgungs-Updates

UpdateSchweiz, Bundesamt für Gesundheit, 2024-03

Aufnahme von Semaglutid 2,4 mg (Wegovy) in die Spezialitätenliste mit Limitatio

Seit dem 1. März 2024 übernimmt die Grundversicherung die Kosten von Semaglutid zur Gewichtsreduktion, allerdings nur unter engen Bedingungen. Die Limitatio verlangt unter anderem einen BMI ab 35 oder einen BMI ab 28 mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung, ein vorgängiges Ernährungs- und Bewegungsprogramm, eine Kostengutsprache des Vertrauensarztes und den Abbruch bei ungenügendem Ansprechen nach den ersten Monaten. Die Behandlungsdauer ist zeitlich begrenzt. Liraglutid (Saxenda) war bereits seit 2020 mit ähnlicher Limitatio gelistet. Praktisch bedeutet dies: Wer die Kriterien nicht erfüllt, zahlt die Therapie selbst, aktuell etwa 200 bis 300 Franken pro Monat je nach Dosis.

UpdateDeutschland, Gesetzgeber und Gemeinsamer Bundesausschuss

Ausschluss von Arzneimitteln zur Gewichtsreduktion aus der GKV (Lifestyle-Regelung)

Nach Paragraf 34 Absatz 1 SGB V sind Arzneimittel, bei denen die Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht, seit der Gesundheitsreform 2004 von der Verordnung zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen. Dazu zählen ausdrücklich Mittel zur Abmagerung oder Regulierung des Körpergewichts. Der Gemeinsame Bundesausschuss führt diese Präparate in Anlage II der Arzneimittel-Richtlinie und hat sie in den vergangenen Jahren um die neuen GLP-1-Wirkstoffe ergänzt. Eine Aufhebung dieses Ausschlusses wird gesundheitspolitisch seit 2023 diskutiert; ein rechtskräftiger Beschluss dazu lag zum Redaktionsstand nicht vor. Ernährungsberatung, Bewegungsprogramme und bariatrische Chirurgie sind von der Regelung nicht betroffen und können bei medizinischer Indikation übernommen werden.

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FAQ, Glossar & Downloads

Häufige Fragen

Ist Adipositas eine Krankheit oder Willensschwäche?+

Adipositas ist eine chronische Erkrankung. Die WHO führt sie seit 1948 als Diagnose, die Europäische Kommission seit 2021, und die deutsche S3-Leitlinie 2024 sowie die Lancet-Kommission 2025 bestätigen dies ausdrücklich. Das Körpergewicht wird zu einem erheblichen Teil durch Gene, Hormone, Schlaf, Medikamente, psychische Belastung und die Umgebung gesteuert. Der Körper verteidigt ein einmal erreichtes Gewicht aktiv (Set-Point), was Abnehmen physiologisch erschwert. Willenskraft spielt bei der Umsetzung von Veränderungen eine Rolle, erklärt aber weder die Entstehung noch das Scheitern vieler Diäten. Wer Adipositas als Krankheit versteht, sucht eher Hilfe und erhält eher eine Therapie, die zum eigenen Verlauf passt.

Wie viel muss ich abnehmen, damit sich gesundheitlich etwas ändert?+

Weniger, als viele denken. Ab einem Gewichtsverlust von etwa 5 Prozent verbessern sich Blutzucker, Blutdruck und Blutfette messbar; ab etwa 10 Prozent sinkt das Risiko für Schlafapnoe, Fettleber und Gelenkbeschwerden deutlich, und ein Typ-2-Diabetes kann in frühen Stadien in Remission gehen. In der DiRECT-Studie erreichten 86 Prozent der Teilnehmenden mit mindestens 15 kg Verlust eine Diabetesremission. Bei 100 kg Ausgangsgewicht sind 5 Prozent also 5 kg. Realistische Ziele nach der S3-Leitlinie: 5 bis 10 Prozent in sechs bis zwölf Monaten, danach Gewicht halten. Ein Verlust, der gehalten wird, ist wertvoller als ein grosser Verlust mit Wiederzunahme.

Was bringen Diäten langfristig?+

Fast jede Diät führt kurzfristig zu Gewichtsverlust; nach einem Jahr liegen die Unterschiede zwischen Low-Carb, Low-Fat, mediterran oder Intervallfasten meist bei wenigen Kilogramm. Nach zwei bis fünf Jahren haben die meisten Menschen einen Grossteil wieder zugenommen, sofern die Begleitung endet. Entscheidend ist deshalb nicht die Diätform, sondern ob sie langfristig durchhaltbar ist, ob sie in ein strukturiertes Programm mit Bewegung und Verhaltensänderung eingebettet ist und ob Nachsorge stattfindet. In Look AHEAD hielt die Interventionsgruppe nach knapp zehn Jahren noch etwa 6 Prozent Verlust, weil die Betreuung weiterlief. Radikale Diäten ohne Begleitung sind langfristig am wenigsten wirksam.

Was ist mit dem Jojo-Effekt?+

Der Jojo-Effekt ist keine Charakterschwäche, sondern eine biologische Reaktion. Nach Gewichtsverlust sinkt der Grundumsatz stärker, als es die geringere Körpermasse erklärt, das Sättigungshormon Leptin fällt ab, das Hungerhormon Ghrelin steigt, und diese Veränderungen bleiben teils über Jahre bestehen. Der Körper versucht so, zum alten Gewicht zurückzukehren. Gegenmassnahmen mit Evidenz: langsame Reduktion mit moderatem Defizit statt Crash-Diät, ausreichend Eiweiss, Krafttraining zum Erhalt der Muskelmasse, regelmässiges Wiegen, langfristige Begleitung und bei Bedarf medikamentöse Unterstützung. Wiederholte grosse Gewichtsschwankungen sind gesundheitlich ungünstiger als ein stabiles, leicht erhöhtes Gewicht.

Kann ich mit Sport allein abnehmen?+

Sport allein führt meist nur zu einem geringen Gewichtsverlust, typischerweise 1 bis 3 kg über mehrere Monate, weil der Energieverbrauch durch Bewegung kleiner ist als oft angenommen und der Appetit häufig mitsteigt. Für die Gewichtsabnahme ist die Ernährung der stärkere Hebel. Bewegung ist trotzdem unverzichtbar: Sie erhält die Muskelmasse während der Reduktion, verbessert Insulinempfindlichkeit, Blutdruck, Schlaf und Stimmung unabhängig vom Gewicht, und sie ist der wichtigste Faktor, um ein reduziertes Gewicht zu halten. Empfohlen sind 150 bis 300 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche plus zweimal Krafttraining. Bei starkem Übergewicht eignen sich gelenkschonende Formen wie Schwimmen, Velofahren oder Wassergymnastik zum Einstieg.

Zahlt die Kasse Ernährungsberatung?+

In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung bei ärztlicher Verordnung sechs Sitzungen bei einer anerkannten Ernährungsberaterin oder einem Ernährungsberater (Franchise und Selbstbehalt abgezogen); bei Adipositas mit BMI ab 30 oder mit Begleiterkrankungen kann die Ärztin weitere Sitzungen verordnen. In Deutschland ist Ernährungsberatung eine Kann-Leistung nach Paragraf 43 SGB V: Viele Kassen bezuschussen 80 bis 100 Prozent von bis zu fünf Sitzungen bei zertifizierten Fachkräften, Antrag vorher stellen. In Österreich übernimmt die ÖGK die Beratung durch Diätologinnen bei ärztlicher Zuweisung, meist in Ambulatorien oder im Programm Therapie Aktiv. In allen drei Ländern lohnt sich ein Anruf bei der Kasse vor dem ersten Termin.

Ab wann ist eine Operation sinnvoll?+

Nach den Leitlinien in DACH kommt eine bariatrische Operation in Frage ab einem BMI von 40, oder ab 35 mit Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Schlafapnoe oder Bluthochdruck, wenn ein strukturiertes konservatives Programm über sechs bis zwölf Monate nicht ausgereicht hat. In der Schweiz sind die SMOB-Richtlinien massgebend: BMI ab 35, zweijährige erfolglose konservative Therapie, Operation nur in einem zertifizierten Zentrum. Die SOS-Studie zeigt über 20 Jahre einen Verlust von 15 bis 25 Prozent, weniger Diabetes und Herz-Kreislauf-Ereignisse und eine geringere Sterblichkeit. Dem stehen Operationsrisiken, lebenslange Vitaminsubstitution und mögliche Folgeeingriffe gegenüber. Die Entscheidung gehört in ein interdisziplinäres Team.

Wo finde ich ein Adipositaszentrum?+

In der Schweiz sind Zentren durch die SMOB (Swiss Society for the Study of Morbid Obesity) zertifiziert; die Liste der Referenz- und Primärzentren ist auf smob.ch abrufbar, meist an Kantonsspitälern und Universitätskliniken. In Deutschland zertifiziert die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie Adipositaszentren in drei Stufen; die Suche läuft über die DGAV oder die Deutsche Adipositas-Gesellschaft. In Österreich sind Adipositas-Ambulanzen an den Universitätskliniken Wien, Graz, Innsbruck und Salzburg sowie an grösseren Landeskliniken angesiedelt; die Österreichische Adipositas Gesellschaft führt eine Übersicht. Für den Einstieg reicht meist die Zuweisung durch die Hausärztin, auch ohne Operationswunsch.

Welche Medikamente gibt es, und wo finde ich Details?+

Zugelassen zur Gewichtsreduktion sind in DACH Orlistat, Liraglutid (Saxenda), Semaglutid 2,4 mg (Wegovy) und Tirzepatid (Mounjaro), in Deutschland zusätzlich die Kombination Naltrexon/Bupropion (Mysimba). Die GLP-1- und GIP/GLP-1-Rezeptoragonisten erreichen in Studien 10 bis 20 Prozent Gewichtsverlust, Orlistat etwa 3 Prozent zusätzlich zur Diät. Medikamente sind eine Ergänzung zum Basisprogramm, kein Ersatz; nach dem Absetzen kommt ein Grossteil des Gewichts zurück. Kostenübernahme, Nebenwirkungen, Erfahrungsberichte und die vollständige Studienlage finden Sie im Hub GLP-1. Fragen Sie Ihre Ärztin, ob Sie die Kriterien der Limitatio (CH) oder einer privaten Kostenübernahme erfüllen.

Hilft Intervallfasten besser als andere Methoden?+

Intervallfasten (zum Beispiel 16:8 oder 5:2) ist in randomisierten Studien über ein Jahr etwa gleich wirksam wie eine klassische Kalorienreduktion, meist 3 bis 8 Prozent Gewichtsverlust. Es ist also kein Wundermittel, für manche Menschen aber einfacher durchzuhalten, weil sie nicht zählen müssen. Ungeeignet ist es bei Essstörungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei insulinpflichtigem Diabetes ohne ärztliche Abstimmung. Wer Intervallfasten wählt, sollte in den Essphasen auf Eiweiss, Gemüse und Vollkorn achten, sonst bleibt der Effekt aus. Die beste Methode ist die, die zum eigenen Alltag passt und langfristig bleibt.

Welche Rolle spielen Schlaf und Stress?+

Eine grosse. Wer regelmässig weniger als sechs Stunden schläft, hat ein etwa 30 bis 50 Prozent höheres Risiko für Gewichtszunahme; Schlafmangel steigert Ghrelin, senkt Leptin und erhöht den Appetit auf energiedichte Nahrung. Unbehandelte Schlafapnoe, bei Adipositas häufig, verstärkt diesen Kreislauf und sollte abgeklärt werden. Chronischer Stress erhöht Cortisol und fördert viszerales Fett sowie emotionales Essen. Praktische Ansatzpunkte: feste Schlafzeiten, sieben bis neun Stunden, Bildschirme vor dem Schlafen reduzieren, Bewegung am Tag, bei Stress strukturierte Verfahren wie kognitive Verhaltenstherapie oder Achtsamkeitstraining. Schlaf und Stress gehören in jedes Gewichtsprogramm, nicht nur Kalorien.

Glossar

BMI (Body-Mass-Index)
Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergrösse in Metern im Quadrat. Ab 25 gilt Übergewicht, ab 30 Adipositas (Grad I bis 34,9, Grad II bis 39,9, Grad III ab 40); der BMI sagt nichts über Fettverteilung oder Muskelmasse aus.
WHtR (Waist-to-Height-Ratio)
Bauchumfang geteilt durch Körpergrösse, beide in Zentimetern. Werte ab 0,5 zeigen ein erhöhtes, ab 0,6 ein deutlich erhöhtes Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ergänzen den BMI.
Bauchumfang
Umfang auf Höhe zwischen unterem Rippenbogen und Beckenkamm, im Stehen und nach dem Ausatmen gemessen. Ab 94 cm bei Männern und 80 cm bei Frauen steigt das Risiko, ab 102 beziehungsweise 88 cm ist es deutlich erhöht.
Viszerales Fett
Fettgewebe im Bauchraum um die inneren Organe, im Gegensatz zum Unterhautfett. Es ist hormonell aktiv, fördert Entzündung und Insulinresistenz und ist der Hauptgrund, warum Bauchumfang und WHtR das Risiko besser abbilden als der BMI.
Set-Point
Das Gewicht, das der Körper hormonell und über den Stoffwechsel aktiv verteidigt. Nach Gewichtsverlust sinkt der Energieverbrauch und der Hunger steigt, bis das alte Gewicht wieder erreicht ist; der Set-Point kann sich nach oben verschieben, lässt sich aber nur langsam senken.
Edmonton Obesity Staging System (EOSS)
Einteilung der Adipositas in fünf Stadien (0 bis 4) nach körperlichen, psychischen und funktionellen Folgen statt nach BMI. Stadium 0 bedeutet keine Folgeerkrankungen, Stadium 4 schwere Organschäden; das EOSS sagt Sterblichkeit und Therapiebedarf besser voraus als der BMI.
Metabolisches Syndrom
Kombination aus erhöhtem Bauchumfang, erhöhten Triglyceriden, niedrigem HDL-Cholesterin, erhöhtem Blutdruck und erhöhtem Nüchternblutzucker. Liegen drei der fünf Kriterien vor, ist das Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen etwa verdoppelt.
Binge-Eating-Störung
Essstörung mit wiederkehrenden Essanfällen, bei denen in kurzer Zeit grosse Mengen mit Kontrollverlust gegessen werden, ohne anschliessendes Erbrechen. Sie betrifft etwa jede vierte bis fünfte Person, die wegen Adipositas Hilfe sucht, und sollte vor einer Diät oder Operation abgeklärt und behandelt werden.
Bariatrische Chirurgie
Operationen am Magen-Darm-Trakt zur Gewichtsreduktion, in DACH vor allem Magenbypass (Roux-en-Y) und Schlauchmagen. Sie wirken über kleineres Magenvolumen, veränderte Darmhormone und Sättigung; der Gewichtsverlust liegt langfristig bei 20 bis 30 Prozent.
Dumping-Syndrom
Beschwerden nach Magenbypass oder Schlauchmagen, wenn Nahrung zu schnell in den Dünndarm gelangt: Schwindel, Herzklopfen, Schwitzen, Durchfall (Frühdumping) oder Unterzuckerung ein bis drei Stunden nach dem Essen (Spätdumping). Vermeidbar durch kleine, eiweissreiche Mahlzeiten ohne schnelle Zucker.
Formula-Diät
Nährstoffdefinierte Pulver oder Fertigdrinks, die eine oder alle Mahlzeiten ersetzen, meist 800 bis 1200 kcal pro Tag. Unter ärztlicher Begleitung über 8 bis 12 Wochen ermöglicht sie einen raschen Gewichtsverlust von 10 bis 15 Prozent; entscheidend ist die Phase danach.
Grundumsatz
Energie, die der Körper in völliger Ruhe für Atmung, Kreislauf, Organfunktion und Körpertemperatur verbraucht, bei Erwachsenen etwa 1200 bis 2000 kcal pro Tag. Er hängt von Geschlecht, Alter, Grösse und vor allem Muskelmasse ab und sinkt nach Gewichtsverlust.

Downloads & Tools

Rechner 1: BMI und Waist-to-Height-Ratio

Rechner 1

Körpermass-Rechner (BMI und WHtR)

Geschlecht

Auswertung

Geben Sie Gewicht, Grösse, Bauchumfang und Alter ein.

Bei sehr muskulösen Personen und ab etwa 65 Jahren ist der BMI weniger aussagekräftig. Der Rechner ersetzt keine Diagnose.

Über diesen Rechner: Eingaben, Formeln, Interpretationsgrenzen+

Name: Körpermass-Rechner (BMI und WHtR)

Eingaben: Körpergewicht in kg, Körpergrösse in cm, Bauchumfang in cm (gemessen im Stehen, nach dem Ausatmen, auf halber Höhe zwischen Rippenbogen und Beckenkamm), Alter in Jahren, Geschlecht.

Formeln:

BMI = Gewicht in kg / (Grösse in m)²

WHtR = Bauchumfang in cm / Körpergrösse in cm

Ausgabe: BMI mit Einstufung, WHtR mit altersabhängiger Einstufung, Bauchumfang mit geschlechtsspezifischer Einstufung, kurzer Hinweistext.

Interpretationsgrenzen BMI (WHO, Erwachsene): unter 18,5 Untergewicht; 18,5 bis 24,9 Normalgewicht; 25 bis 29,9 Übergewicht; 30 bis 34,9 Adipositas Grad I; 35 bis 39,9 Adipositas Grad II; ab 40 Adipositas Grad III. Bei sehr muskulösen Personen und ab etwa 65 Jahren ist der BMI weniger aussagekräftig.

Interpretationsgrenzen WHtR: unter 0,4 niedrig (bei sehr tiefen Werten Untergewicht ausschliessen); 0,4 bis 0,49 unauffällig; 0,5 bis 0,59 erhöhtes Risiko; ab 0,6 deutlich erhöhtes Risiko. Altersanpassung: Bis 40 Jahre gilt der Grenzwert 0,5. Zwischen 41 und 50 Jahren steigt der tolerierbare Grenzwert gleitend von 0,5 auf 0,6 (Rechner interpoliert linear: Grenzwert = 0,5 + (Alter minus 40) × 0,01). Ab 51 Jahren gilt der Grenzwert 0,6. Werte über 0,6 sind in jedem Alter auffällig.

Interpretationsgrenzen Bauchumfang: Männer unter 94 cm unauffällig, 94 bis 101 cm erhöht, ab 102 cm deutlich erhöht; Frauen unter 80 cm unauffällig, 80 bis 87 cm erhöht, ab 88 cm deutlich erhöht.

Hinweistext: Liegt der BMI im Übergewichtsbereich, der WHtR aber unter dem altersabhängigen Grenzwert, ist das Risiko meist geringer als der BMI vermuten lässt. Liegt der WHtR über dem Grenzwert, ist auch bei normalem BMI eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Der Rechner ersetzt keine Diagnose.

Rechner 2: Grundumsatz und Energiebedarf (Mifflin-St Jeor)

Rechner 2

Energiebedarfs-Rechner

Geschlecht
Ziel

Auswertung

Geben Sie Alter, Gewicht und Grösse ein (ab 18 Jahren).

Die Formel hat bei Adipositas eine Abweichung von etwa plus/minus 10 Prozent. Alle 5 kg Gewichtsverlust sollte neu gerechnet werden. Bei Diabetes mit Insulin, Schwangerschaft oder Essstörungen ist der Rechner nicht geeignet.

Über diesen Rechner: Eingaben, Formeln, Interpretationsgrenzen+

Name: Energiebedarfs-Rechner

Eingaben: Geschlecht, Alter in Jahren, Körpergewicht in kg, Körpergrösse in cm, Aktivitätsniveau (Auswahl aus fünf Stufen), gewünschtes Ziel (Gewicht halten oder moderat abnehmen).

Formel Grundumsatz (Mifflin-St Jeor, 1990):

Männer: Grundumsatz in kcal = 10 × Gewicht in kg + 6,25 × Grösse in cm minus 5 × Alter in Jahren + 5

Frauen: Grundumsatz in kcal = 10 × Gewicht in kg + 6,25 × Grösse in cm minus 5 × Alter in Jahren minus 161

Formel Gesamtenergiebedarf: Gesamtbedarf = Grundumsatz × PAL-Faktor

PAL-Faktoren (Physical Activity Level):

1,2 überwiegend sitzend, kaum Bewegung (Büro, wenig Wege zu Fuss)

1,375 leicht aktiv, 1 bis 3 Tage pro Woche leichte Bewegung

1,55 moderat aktiv, 3 bis 5 Tage pro Woche Sport oder körperliche Arbeit

1,725 sehr aktiv, 6 bis 7 Tage pro Woche intensiver Sport

1,9 extrem aktiv, harte körperliche Arbeit oder tägliches Training über eine Stunde

Ausgabe: Grundumsatz in kcal pro Tag, Gesamtenergiebedarf in kcal pro Tag, empfohlene Zufuhr für moderates Abnehmen (Gesamtbedarf minus 500 kcal), erwarteter Gewichtsverlust (etwa 0,3 bis 0,5 kg pro Woche bei 500 kcal Defizit, mit der Zeit abnehmend), Beispielverteilung auf drei Mahlzeiten.

Interpretationsgrenzen und Sicherheitsregeln: Die empfohlene Zufuhr wird nicht unter 1200 kcal (Frauen) beziehungsweise 1500 kcal (Männer) angezeigt; wer tiefer gehen will, braucht ärztliche Begleitung. Die Formel hat bei Adipositas eine Abweichung von etwa plus/minus 10 Prozent, bei sehr hoher Muskelmasse unterschätzt sie den Verbrauch. Ein Defizit von 500 kcal ist bewusst moderat gewählt: Es erhält Muskelmasse, ist im Alltag durchhaltbar und reduziert den Jojo-Effekt. Der Rechner passt die Empfehlung nicht automatisch an den sinkenden Grundumsatz an; alle 5 kg Gewichtsverlust sollte neu gerechnet werden. Bei Diabetes mit Insulin, Schwangerschaft, Essstörungen oder unter 18 Jahren ist der Rechner nicht geeignet.

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