Bericht 1
Erfolg«Ich habe 58 Kilo verloren und nehme dafür jeden Tag sechs Tabletten. Das ist der Deal.»
Markus T., 47, Deutschland
- Therapiedauer
- 3 Jahre seit der Operation
- Therapie
- Roux-en-Y-Magenbypass
Mit 44 Jahren wog ich 168 Kilo. Ich bin 1,80 Meter gross, das ergab einen BMI von knapp 52. Ich hatte Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, ein kaputtes Knie und eine Schlafapnoe mit Maske. Ich hatte in zwanzig Jahren jede Diät gemacht, die es gibt, und jedes Mal danach mehr gewogen als vorher. Mein Hausarzt sagte irgendwann sehr direkt: "Konservativ kriegen wir das nicht mehr hin." Er überwies mich an ein zertifiziertes Adipositaszentrum.
Der Weg bis zur Operation dauerte in Deutschland fast ein Jahr. Die Krankenkasse verlangte ein dokumentiertes multimodales Konzept: sechs Monate Ernährungsberatung, Bewegungstherapie, psychologische Abklärung, ein Gutachten. Bei meinem BMI und den Begleiterkrankungen wurde der Antrag beim ersten Mal genehmigt, das ist nicht bei allen so. Der Eingriff selbst war laparoskopisch, fünf Tage Klinik, danach zwei Wochen Flüssigkost, dann Brei, dann langsam feste Nahrung in sehr kleinen Portionen.
Die ersten zwölf Monate war der Gewichtsverlust rasant: fast 45 Kilo. Der Diabetes war nach drei Monaten ohne Medikamente im Zielbereich, die Blutdrucktabletten konnte ich nach einem halben Jahr absetzen, die Schlafmaske nach neun Monaten. Heute, drei Jahre später, wiege ich 110 Kilo, BMI 34. Ich bin damit immer noch adipös, das ist mir bewusst. Aber ich gehe Treppen, ich spiele mit meinen Kindern Fussball, ich passe in einen normalen Flugzeugsitz. Das Gewicht ist seit anderthalb Jahren stabil, mit Schwankungen von zwei bis drei Kilo.
Was ich vor der Operation unterschätzt habe, ist der Alltag danach. Zwei Dinge bestimmen ihn. Erstens das Dumping-Syndrom: Wenn ich etwas Süsses oder sehr Fettiges esse, oder zu schnell, oder zum Essen trinke, bekomme ich nach zwanzig Minuten Herzrasen, Schweissausbrüche, Übelkeit, manchmal Durchfall. Ich muss mich dann hinlegen. Am Anfang passierte das mehrmals pro Woche, heute vielleicht einmal im Monat, weil ich gelernt habe, was ich vertrage. Ein Stück Geburtstagskuchen ist trotzdem ein Risiko. Zweitens die Vitamine. Durch den Bypass wird ein Teil des Dünndarms umgangen, ich nehme Eisen, Vitamin B12, Vitamin D, Kalzium und Folsäure schlechter auf. Im zweiten Jahr hatte ich trotz Supplementen einen deutlichen Eisenmangel mit Hämoglobin von 10,8 g/dl und war ständig müde. Seither bekomme ich zweimal im Jahr Eiseninfusionen, dazu B12 als Spritze alle drei Monate. Die Blutkontrollen laufen alle sechs Monate, lebenslang.
Ich sage jedem, der mich fragt: Die Operation ist kein Abschluss, sondern der Beginn einer chronischen Betreuung. Wer nicht bereit ist, jeden Tag Tabletten zu nehmen und regelmässig zur Kontrolle zu gehen, sollte sie nicht machen. Für mich war es trotzdem die richtige Entscheidung. Ich hätte mit 168 Kilo nicht mehr lange gesund gelebt.
Nebenwirkungen
- Dumping-Syndrom nach zuckerreichen oder fettigen Mahlzeiten (anfangs mehrmals wöchentlich, heute selten)
- Eisenmangelanämie im zweiten Jahr, seither Eiseninfusionen
- Vitamin-B12-Mangel, Substitution per Injektion
- Haarausfall in den Monaten 3 bis 8 nach der Operation, vollständig zurückgegangen
- Überschüssige Haut an Bauch und Oberarmen, Bauchdeckenstraffung beantragt
Messwerte
- Gewicht: 168 kg vorher, 110 kg heute (minus 58 kg)
- BMI: 51,9 vorher, 34,0 heute
- Bauchumfang: 152 cm vorher, 112 cm heute
- HbA1c: 8,4 % vorher, 5,7 % heute ohne Diabetesmedikamente
- Blutdruck: 158/96 mmHg vorher, 128/82 mmHg heute ohne Medikamente
Kosten
Operation und Klinikaufenthalt wurden nach Genehmigung von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Die Supplemente kosten mich etwa 40 bis 60 Euro im Monat, ein Teil davon wird nicht erstattet. Die Eiseninfusionen trägt die Kasse.
Studienhinweis
Die schwedische SOS-Studie (Swedish Obese Subjects, Langzeitdaten im NEJM 2007 und JAMA 2012) verglich über mehr als zehn Jahre bariatrisch operierte Patienten mit konservativ behandelten. Der Magenbypass führte zu einem anhaltenden Gewichtsverlust von etwa 25 bis 30 Prozent des Ausgangsgewichts, die Sterblichkeit war in der Operationsgruppe niedriger. Mikronährstoffmängel gehörten zu den häufigsten Langzeitproblemen.
