Bericht 1
Erfolg«Ich habe die Diagnose als Weckruf genommen, nicht als Urteil»
Markus H., 52, Winterthur (CH)
- Therapiedauer
- 9 Monate
- Therapie
- Metformin 2 x 1000 mg, Ernährungsumstellung, Bewegungsprogramm
Die Diagnose kam bei einem Check-up, den ich eigentlich nur wegen meiner Rückenschmerzen gemacht hatte. Mein Hausarzt sah den Nüchternwert im Labor und liess gleich noch den HbA1c bestimmen: 8,4 Prozent. Ich wusste damals nicht einmal genau, was dieser Wert bedeutet. Er erklärte mir, dass mein Blutzucker über die letzten drei Monate im Schnitt deutlich zu hoch gewesen war und dass wir mit Medikamenten und Lebensstil beides gleichzeitig angehen müssten. Ich war 98 Kilo schwer bei 1,80 Meter, sass den ganzen Tag im Büro und ass abends oft erst um neun Uhr, dann aber viel.
Wir haben mit Metformin begonnen, zuerst 500 mg abends, dann über vier Wochen hoch auf zweimal 1000 mg. Der Magen hat in den ersten zwei Wochen rebelliert, weicher Stuhl und ein Gefühl, als hätte ich ständig zu viel gegessen. Mein Arzt hatte mich vorgewarnt und gesagt, ich solle die Tabletten immer mit dem Essen nehmen und nicht zu schnell steigern. Nach etwa drei Wochen war das weitgehend vorbei.
Parallel dazu hatte ich zwei Termine bei einer Ernährungsberaterin, die von der Grundversicherung übernommen wurden, weil sie ärztlich verordnet waren. Sie hat mir keine Verbotsliste gegeben, sondern mit mir meinen Alltag durchgesprochen. Das Wichtigste, was ich mitgenommen habe: Das Abendessen früher und kleiner, das Frühstück mit Eiweiss statt nur Brot und Konfitüre, und die Süssgetränke komplett weg. Ich trank vorher fast einen Liter Eistee am Tag, das war mir gar nicht bewusst.
Bewegung war mein grösserer Widerstand. Ich habe mit Spaziergängen von 30 Minuten nach dem Mittagessen angefangen, weil ich gelesen hatte, dass das den Blutzucker nach der Mahlzeit senkt. Später kam zweimal pro Woche Velofahren zur Arbeit dazu, 12 Kilometer pro Strecke. Seit dem Frühling gehe ich zusätzlich einmal pro Woche ins Krafttraining. Ich merke, dass die Kombination aus Ausdauer und Kraft bei mir am meisten bringt.
Nach drei Monaten lag der HbA1c bei 7,1 Prozent, nach sechs Monaten bei 6,5, und beim letzten Termin nach neun Monaten bei 6,3 Prozent. Mein Arzt hat mir gesagt, dass er in dieser Phase nicht weiter mit Medikamenten aufstocken will, weil der Wert unter 6,5 liegt und ich keine Hypoglykämien haben kann, solange ich nur Metformin nehme. Das gibt mir Sicherheit.
Kosten: Mit meiner Franchise von 2500 Franken zahle ich das Metformin und die Laborkontrollen zunächst selbst. Metformin kostet mich unter 20 Franken pro Monat, die Quartalslabore je nach Umfang zwischen 60 und 120 Franken. Das ist für mich tragbar, aber ich habe für nächstes Jahr überlegt, die Franchise zu senken, weil die Kontrollen jetzt dauerhaft anfallen.
Was ich gelernt habe: Die Diagnose fühlt sich am Anfang an wie eine Strafe. Nach neun Monaten sehe ich es anders. Ich schlafe besser, habe mehr Energie und meine Rückenschmerzen sind mit dem Gewicht ebenfalls weniger geworden. Mein Arzt hat mir die UKPDS-Studie erklärt, in der Metformin bei übergewichtigen Patienten mit Typ-2-Diabetes über Jahre das Risiko für Herzinfarkte und Todesfälle gesenkt hat. Das hat mir geholfen, die Tabletten nicht als Krücke zu sehen, sondern als Teil eines langfristigen Plans.
Nebenwirkungen
- Durchfall und Blähungen in den ersten drei Wochen der Metformin-Aufdosierung
- Leichter metallischer Geschmack, nach etwa einem Monat verschwunden
- Vitamin B12 wird nun jährlich kontrolliert, bisher im Normbereich
Messwerte
- HbA1c: 8,4 Prozent vorher, 6,3 Prozent nach 9 Monaten
- Nüchternglukose: 9,8 mmol/l vorher, 6,1 mmol/l nachher
- Gewicht: 98 kg vorher, 89 kg nachher (BMI 30,2 auf 27,5)
- Blutdruck: 142/88 mmHg vorher, 131/82 mmHg nachher
- eGFR: 92 ml/min/1,73 m², unverändert
