Bericht 1
Erfolg"Am Samstag gehe ich wieder selber zum Markt"
Beat B., 62, Bern (CH)
- Therapiedauer
- 12 Monate
- Therapie
- LABA/LAMA und begleiteter Rauchstopp
Ich habe lange Böden verlegt. Auf einer Baustelle trägt man Material, kniet, steht auf und geht wieder zum Wagen. Dass ich langsamer wurde, fiel mir zuerst beim dritten Gang mit Werkzeug auf. Ich schob es aufs Alter. Wenn ich morgens hustete, machte ich einen Spruch und trank Kaffee. Meine Frau hörte den Husten auch am Wochenende und bat mich, einen Termin zu machen. Ich fand ihre Sorge lästig. Heute verstehe ich, warum sie drangeblieben ist.
Die Untersuchung in der Praxis war unangenehm, weil ich beim kräftigen Ausatmen merkte, wie wenig selbstverständlich das geworden war. Nach weiteren Messungen erklärte mir der Arzt die COPD. Ich wollte als Erstes wissen, ob die Lunge wieder normal würde. Er sagte, dass die Erkrankung bestehen bleibt, und sprach mit mir über die Beschwerden, die Arbeit und die nächste Kontrolle. Mit dieser Antwort konnte ich mehr anfangen als mit einer langen Liste fremder Wörter.
Ich bekam einen Inhalator mit zwei bronchienerweiternden Wirkstoffklassen, LABA und LAMA. Bei der ersten Vorführung nickte ich zu schnell. In der Apotheke sollte ich die Anwendung selbst zeigen. Dabei stellte sich heraus, dass ich einen Teil des Ablaufs falsch verstanden hatte. Wir übten mit meinem Gerät. Den kleinen Zettel dazu legte ich neben die Kaffeedose, wo ich ihn morgens sehe. Bei der nächsten Kontrolle nahm ich den Inhalator wieder mit.
Mit dem Rauchstopp war ich wesentlich weniger ordentlich. Ich rauchte seit meiner Lehrzeit, vor allem in Pausen und im Wagen. Beim Beratungstermin sagte ich offen, dass ich den Gedanken an die Zigarette nach dem Essen vermissen würde. Wir besprachen Unterstützung und ob ein Medikament zur Entwöhnung zu meiner übrigen Behandlung passen könnte. Ich wollte keinen Einkaufsplan aus dem Internet. Die Ärztin erklärte mir die Möglichkeiten und vereinbarte einen weiteren Termin.
Nach einigen rauchfreien Wochen nahm ich bei einer Feier wieder eine Zigarette. Am nächsten Tag hätte ich den Termin am liebsten abgesagt. Ich ging trotzdem hin. Niemand hielt mir eine Predigt. Wir schauten auf die Situation am Abend und darauf, wie ich bei der nächsten Einladung reagieren wollte. Ich bat meinen Kollegen, mir auf gemeinsamen Fahrten keine Zigarette mehr anzubieten. Er stellte zunächst dumme Fragen, hielt sich danach aber daran.
Meine freiwilligen Spaziergänge waren anfangs selten. Nach einem Arbeitstag hatte ich keine Lust, auch noch über meine Atmung nachzudenken. Wir legten bei der Kontrolle eine Aktivität fest, die zu meiner Belastbarkeit passte. Ich begann mit der Runde zum Briefkasten und ging später ein Stück weiter. Meine Frau läuft manchmal mit, manchmal gehe ich allein. Wenn ich eine Pause brauche, setze ich mich hin. Ich mache aus einem guten Tag keinen Anlass, am nächsten Tag die doppelte Strecke zu erzwingen.
Im vergangenen Monat bin ich meist viermal pro Woche spazieren gegangen. Vor dem Behandlungsbeginn war es meist einmal. Der Weg zum Markt gehört inzwischen dazu. Ich kaufe weniger auf einmal, damit ich die Taschen tragen kann. Das klingt nach einer Kleinigkeit, aber ich suche den Käse gern selbst aus. Auf der Baustelle überlasse ich schwere Transporte häufiger einem Kollegen. Ich arbeite noch, nur mit mehr Absprachen.
Morgens bin ich gelegentlich weiter kurzatmig. Bei einer deutlichen Veränderung halte ich mich an den schriftlichen Plan aus der Praxis und nehme Kontakt auf. Meine Behandlung ändere ich deshalb nicht selbst. Nächste Woche bringe ich meine Aufzeichnungen und das Gerät zur Kontrolle mit. Der Arzt soll auch sehen, welche Wege mir noch Mühe machen.
Meine Werte
Im Vierwochenprotokoll vor Behandlungsbeginn durchschnittlich 1 freiwilliger Spaziergang pro Woche, im Vierwochenprotokoll nach 12 Monaten durchschnittlich 4. Die Strecken waren nicht jedes Mal gleich lang. Diese Alltagseinträge messen weder Lungenfunktion noch das Risiko einer Verschlechterung.
Nebenwirkungen
Gelegentlich trockener Mund nach dem Inhalieren. Ich habe es beim Kontrolltermin angesprochen. Weitere auffällige Beschwerden habe ich in meinem Protokoll nicht vermerkt.
Kosten
Ich habe Fahrten zur Praxis und zur Beratung selbst bezahlt. Meine Medikamentenabrechnung besprach ich mit Apotheke und Versicherung; daraus lässt sich kein Anspruch für andere Versicherte ableiten.
Studienbezug
In der Lung Health Study war anhaltender Rauchstopp bei Menschen mit leichter bis mittelgradiger Obstruktion mit langsamerem weiteren Verlust der Lungenfunktion verbunden. Die fünfjährige Auswertung beschreibt Gruppen. Sie sagt nicht voraus, wie sich meine Spaziergänge oder meine Lunge entwickeln.
