Bericht 1
Erfolg"Ich kann wieder eine Schicht planen, ohne den ganzen Tag danach abzuschreiben"
Sabine B., 58, Bern (CH)
- Therapiedauer
- 12 Monate
- Therapie
- vier Medikamentenklassen bei HFrEF nach Verträglichkeit, kardiale Rehabilitation
Im Laden stehe ich seit fast dreissig Jahren. Schuhe verkaufen, Kartons holen, kurz ins Lager, wieder zurück. Dass ich dabei immer öfter stehen bleiben musste, erklärte ich mir mit dem Alter und den unregelmässigen Pausen. Zuhause setzte ich mich schon nach dem Ausziehen der Jacke hin. Mein Mann übernahm den Einkauf. Ich fand für alles eine Erklärung, bis ich beim Bettenbeziehen so ausser Atem kam, dass ich am Nachmittag einen Termin in der Hausarztpraxis vereinbarte.
Nach den Untersuchungen schickte mich meine Ärztin zur Kardiologie. Dort wurde eine Herzinsuffizienz mit eingeschränkter Pumpfunktion festgestellt. HFrEF stand im Brief. Ich las die Abkürzung mehrfach, als könnte ich dadurch besser verstehen, was mit mir passiert war. Die Kardiologin erklärte mir die Befunde am Ultraschallbild und besprach mit mir, welche Ursachen noch abgeklärt werden mussten. Am meisten beschäftigte mich die Arbeit. Meine erste Frage war, ob ich im nächsten Monat überhaupt wieder hinter die Verkaufstheke könnte.
Die Medikamente wurden über mehrere Termine eingeführt und angepasst. Auf meiner Liste stehen inzwischen Sacubitril/Valsartan, ein Betablocker, ein Mineralokortikoidrezeptor-Antagonist und Dapagliflozin. Meine Kardiologin nennt diese Klassen die vier Säulen meiner Behandlung. Ob und wie ich sie vertrage, wurde jeweils mit Beschwerden, Blutdruck und Labor besprochen. Anfangs brachte ich sämtliche Schachteln mit. Ich traute meiner eigenen Liste noch nicht und wollte verhindern, dass ich etwas vergesse, das die Ärztin wissen sollte.
Mit Dapagliflozin hatte ich zuerst Mühe. Ich habe keinen Diabetes und verstand deshalb den Zweck nicht. In der Sprechstunde bekam ich die Erklärung, dass das Medikament auch bei Herzinsuffizienz eingesetzt wird. Ich fragte trotzdem zweimal nach. Bei neuen Medikamenten brauche ich Zeit, besonders wenn mich die Packungsbeilage auf etwas hinweist, das ich bisher nie mit meinem Herzen verbunden hatte. Inzwischen steht neben jedem Namen auf meinem Blatt, weshalb ich ihn bekomme und wen ich bei Beschwerden anrufen kann.
Die Rehabilitation half mir, meine Belastung realistischer einzuschätzen. Ich hatte erwartet, dort müsse ich möglichst schnell wieder leistungsfähig werden. Tatsächlich begann ich mit kurzen Einheiten unter Begleitung. Wir sprachen auch über die langen Stehzeiten im Laden und darüber, wie ich Pausen organisieren könnte. Für mich war es unangenehm, eine Sitzmöglichkeit neben der Kasse zu verlangen. Meine Chefin reagierte weniger kompliziert als ich: Wir stellten einen Hocker hin und änderten die Verteilung der Aufgaben.
Für die Spaziergänge benutze ich dieselbe flache Strecke am Quartierpark. Vor der Behandlung schaffte ich gewöhnlich einen zehnminütigen Spaziergang in einer Woche und liess die restlichen Tage aus. Im letzten Monat waren es meistens vier solcher Spaziergänge pro Woche. Ich halte damit weder meine Herzleistung noch die Wirkung einer einzelnen Tablette fest. Es ist eine praktische Angabe für unser Gespräch. Regen, eine schlechte Nacht oder ein voller Arbeitstag beeinflussen ebenfalls, ob ich hinausgehe.
Zwei halbe Arbeitstage nacheinander gehen inzwischen oft. Einen langen Samstag traue ich mir noch nicht regelmässig zu. Nach Ladenschluss nehme ich mir mehr Zeit für den Heimweg und habe aufgehört, jede Pause zu entschuldigen. Meine Kollegin weiss, dass ich bei mehr Atemnot mit der Praxis Kontakt aufnehme. Im Handy habe ich den Kontakt gespeichert, den wir für solche Veränderungen vereinbart haben. Schweres neues Luftproblem oder Brustschmerz gehört nicht auf die Liste für die nächste Sprechstunde.
Zu Hause bespreche ich mit meinem Mann wieder konkrete Dinge: Wer fährt am Freitag zum Markt, wie lange bleiben wir bei meiner Schwester, brauche ich am nächsten Tag frei? Die Diagnose ist dabei weniger oft das Hauptthema. Für die nächste Kontrolle möchte ich klären, ob ich eine weitere kurze Schicht übernehmen kann und wie wir das mit dem Rehaplan abstimmen.
Meine Werte
Im Monat vor Behandlungsbeginn durchschnittlich 1 zehnminütiger Spaziergang pro Woche; im zwölften Behandlungsmonat durchschnittlich 4 zehnminütige Spaziergänge pro Woche. Gemeint sind absolvierte Spaziergänge auf derselben flachen Strecke, keine gemessene Verbesserung der Pumpfunktion.
Nebenwirkungen
Zu Beginn häufiger Harndrang und Schwindel beim Aufstehen. Beides wurde in der Sprechstunde besprochen; notwendige Medikamentenänderungen entscheidet mein Behandlungsteam.
Kosten
Meine eigene Aufstellung enthält Rechnungen im Rahmen der Versicherungsbeteiligung und Fahrten zur Rehabilitation. Ich lasse Leistungsfragen bei Praxis und Versicherung für meinen Vertrag beantworten.
Studienbezug
In DAPA-HF wurde Dapagliflozin zusätzlich zur empfohlenen Behandlung bei Erwachsenen mit symptomatischer Herzinsuffizienz und einer damaligen EF-Grenze bis 40 Prozent untersucht, mit und ohne Diabetes. Meine Spaziergänge sind eine erfundene Alltagsbeobachtung und kein Nachweis dieser Studienwirkung.
