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Ist die Zukunft
rauchfrei?

Rauchstopp, Tabakschadensminderung und alternative Nikotinprodukte: Evidenz, Erfahrungsbeispiele und Beratung in der Schweiz, Deutschland und Österreich.

Stand: Oktober 2026.

Therapien

Therapien im Überblick

Eine rauchfreie Zukunft beginnt damit, weniger Menschen dem Rauch verbrannten Tabaks auszusetzen. Für Erwachsene, die rauchen, hat der vollständige Rauchstopp den grössten belegten gesundheitlichen Nutzen. Beratung und Medikamente können den Ausstieg unterstützen. Harm Reduction, auf Deutsch Schadensminderung, richtet sich an Menschen, die trotz Unterstützung weiterrauchen: Sie sollen weniger schädlichen Stoffen ausgesetzt werden. Wie gut ein Ersatzprodukt dieses Ziel erreicht, hängt vom Produkt, vom tatsächlichen Konsum und von der untersuchten gesundheitlichen Folge ab. Rauchfrei bedeutet deshalb weder automatisch nikotinfrei noch tabakfrei oder gesundheitlich unbedenklich. WHO: Tabak und Nikotin, FDA: Relative Risiken von Tabakprodukten

Philip Morris International, kurz PMI, erklärt den Ersatz von Zigaretten durch rauchfreie Produkte zu seiner Unternehmensstrategie. Dazu zählt das Unternehmen Tabakerhitzer, E-Zigaretten und orale Nikotinprodukte. PMI meldete für 2025 einen Anteil seines rauchfreien Geschäfts von 41,5 Prozent am gesamten Nettoumsatz. Gleichzeitig verkauft das Unternehmen weiterhin Zigaretten. Die erklärte Strategie beschreibt einen Umbau des Geschäfts, keine bereits erreichte Abschaffung der Zigarette. Gesundheitsversprechen aus einer Unternehmenskommunikation brauchen eine eigene Prüfung anhand unabhängiger Studien und behördlicher Bewertungen. PMI: Value Report 2025, PMI: Jahresergebnisse 2025

Dieser Hub erklärt die Behandlung der Nikotinabhängigkeit und die Grenzen der Schadensminderung. Er richtet sich an erwachsene Rauchende und Menschen, die sie begleiten. Nichtrauchende und Jugendliche sollten keine Nikotinprodukte beginnen. In Schwangerschaft und Stillzeit gehört die Unterstützung in fachliche Hände. Die Informationen ersetzen keine individuelle Behandlung; eine Arzneimitteldosis lässt sich daraus nicht ableiten. BAG: Gesundheitliche Folgen von E-Zigaretten, NICE: Tabakabhängigkeit in Schwangerschaft und nach der Geburt

Therapien im Vergleich

Die Tabelle trennt Entwöhnungsbehandlungen von Konsumprodukten. Bei zugelassenen Arzneimitteln stehen Rauchstopp und Behandlung des Entzugs im Vordergrund. Bei alternativen Konsumprodukten müssen drei Fragen getrennt beantwortet werden: Helfen sie beim vollständigen Zigarettenstopp? Verringern sie die Aufnahme von Schadstoffen? Senken sie langfristig Erkrankungen? Eine positive Antwort auf eine Frage beantwortet die anderen noch nicht.

Therapie
Rauchstoppberatung
Ansatz
Gewohnheiten bearbeiten, Ausstieg planen und Rückfälle auffangen
Indikation
Erwachsene mit Tabakabhängigkeit, auch ohne sofortigen Stopptermin
Erwarteter Nutzen bzw. Evidenz
Von der WHO empfohlen; als persönliche, telefonische oder Gruppenberatung verfügbar
Status/Zugang
Hausarztpraxis, spezialisierte Beratung und öffentliche Rauchstoppangebote
Risiken
Keine Arzneimittelnebenwirkungen; Entzug kann ohne weitere Unterstützung belastend bleiben
Therapie
Nikotinersatztherapie
Ansatz
Nikotin als Arzneimittel ohne Tabakverbrennung zuführen
Indikation
Rauchende mit Entzugsbeschwerden oder starkem Verlangen
Erwarteter Nutzen bzw. Evidenz
Wirksame Entwöhnungshilfe; Pflaster und kurz wirksame Form können fachlich kombiniert werden
Status/Zugang
Präparat, Zulassung und Erstattung im jeweiligen Land beachten
Risiken
Haut- oder Mundreizungen, Übelkeit; Auswahl bei Vorerkrankungen besprechen
Therapie
Vareniclin
Ansatz
Bestimmte Nikotinrezeptoren teilweise aktivieren und Nikotinwirkung abschwächen
Indikation
Rauchstopp bei Erwachsenen nach ärztlicher Abklärung
Erwarteter Nutzen bzw. Evidenz
Hohe Evidenzsicherheit für mehr Rauchstopps gegenüber Placebo
Status/Zugang
Verschreibungspflichtiges Arzneimittel; örtliche Lieferbarkeit gesondert klären
Risiken
Unter anderem Übelkeit, Schlafstörungen und veränderte Träume
Therapie
Bupropion
Ansatz
Entzug und Rauchverlangen über Botenstoffsysteme beeinflussen
Indikation
Ausgewählte Erwachsene, wenn keine Gegenanzeigen bestehen
Erwarteter Nutzen bzw. Evidenz
Von der WHO als wirksame Entwöhnungsoption empfohlen
Status/Zugang
Verschreibung und Eignung ärztlich klären
Risiken
Schlafstörungen, Mundtrockenheit; Krampfanfallrisiko und Gegenanzeigen beachten
Therapie
Beratung plus geeignetes Entwöhnungsmedikament
Ansatz
Verhalten und körperliche Abhängigkeit gemeinsam behandeln
Indikation
Erwachsene, die mit professioneller Unterstützung aufhören möchten
Erwarteter Nutzen bzw. Evidenz
WHO empfiehlt die Verbindung von Beratung und Pharmakotherapie
Status/Zugang
Behandlungsplan mit Praxis oder Entwöhnungsstelle
Risiken
Risiken hängen vom gewählten Medikament ab; die Kombination meint keine freie Mischung von Wirkstoffen
Therapie
Nikotinhaltige E-Zigarette
Ansatz
Nikotin durch erhitzte Flüssigkeit und Aerosol aufnehmen
Indikation
Als diskutierte Ausstiegsoption für bereits rauchende Erwachsene
Erwarteter Nutzen bzw. Evidenz
Cochrane findet höhere Rauchstoppraten als mit Nikotinersatz; Langzeitsicherheit bleibt eine andere Frage
Status/Zugang
Konsumprodukt; Marktregulierung ersetzt keine Arzneimittelzulassung
Risiken
Abhängigkeit, Reizungen, Schadstoffexposition; fortgesetztes Zigarettenrauchen bleibt problematisch
Therapie
Tabakerhitzer
Ansatz
Tabak erhitzen und entstehendes Aerosol inhalieren
Indikation
Keine etablierte Arzneimitteltherapie der Tabakabhängigkeit
Erwarteter Nutzen bzw. Evidenz
Für viele Stoffe niedrigere Exposition als beim Rauchen; Umfang eines klinischen Langzeitnutzens nicht verlässlich beziffert
Status/Zugang
Tabakprodukt, kein zugelassenes Entwöhnungsmedikament
Risiken
Nikotinabhängigkeit, toxische Emissionen, Exposition anderer Personen
Therapie
Tabakhaltiger Snus
Ansatz
Nikotin aus Tabak über die Mundschleimhaut aufnehmen
Indikation
Als Schadensminderung diskutiert, keine Standardtherapie zum Rauchstopp
Erwarteter Nutzen bzw. Evidenz
Für bestimmte schwedische Produkte liegen niedrigere Risiken einzelner Erkrankungen gegenüber Zigaretten vor
Status/Zugang
In der Schweiz tabakrechtlich geregelt; Inverkehrbringen in DE und AT verboten
Risiken
Abhängigkeit, Schadstoffe aus Tabak und Beschwerden im Mund
Therapie
Tabakfreie Nikotinbeutel
Ansatz
Nikotin aus Beuteln ohne Tabakblatt über die Mundschleimhaut aufnehmen
Indikation
Keine etablierte Entwöhnungsbehandlung
Erwarteter Nutzen bzw. Evidenz
Wenige Langzeitdaten; Entwöhnungsnutzen nicht mit Nikotinersatz gleichzusetzen
Status/Zugang
Eigene Produktkategorie; Rechtslage unterscheidet sich zwischen CH, DE und AT
Risiken
Hohe Nikotinaufnahme möglich, Übelkeit, Vergiftung und Abhängigkeit
Therapie
Vollständiger Rauchstopp mit weiterem Nikotinausstieg
Ansatz
Zigaretten beenden, danach verbleibenden Nikotinkonsum fachlich einordnen
Indikation
Ziel für Rauchende; Verlauf individuell planen
Erwarteter Nutzen bzw. Evidenz
Rauchstopp senkt belegte Gesundheitsrisiken; das bisherige Risiko verschwindet nicht sofort vollständig
Status/Zugang
Mit oder ohne vorübergehende Behandlung erreichbar
Risiken
Entzug und Rückfallrisiko verlangen Begleitung; verordnete Hilfen nicht übereilt absetzen

Grundlagen der Übersicht: WHO: Leitlinie zur Tabakentwöhnung, 2024, EMA: Vareniclin, NHS: Bupropion, Cochrane: E-Zigaretten zur Entwöhnung, CDC: Tabakerhitzer, FDA: Bestimmte Snus-Produkte, BfR: Nikotinbeutel. Die rechtlichen Unterschiede erläutert die Ländertabelle unter Versorgung und Kosten.

Beratung und Behandlung des Entzugs

Eine Beratung beginnt beim bisherigen Konsum. Wann kommt die erste Zigarette? Welche Situationen lösen Verlangen aus? Was half beim letzten Versuch, und wann kehrte das Rauchen zurück? Daraus entsteht ein Plan für konkrete Alltagssituationen. Wer nach dem Mittagessen raucht, braucht eine andere Vorbereitung als jemand, der im Nachtdienst bei jeder Pause zur Zigarette greift. Ein vereinbarter Rückruf oder Folgetermin schafft Gelegenheit, Schwierigkeiten früh anzusprechen. Die WHO empfiehlt kurze Beratung in der Gesundheitsversorgung und intensivere verhaltensbezogene Unterstützung für Menschen, die aufhören möchten. WHO: Empfehlungen zur Tabakentwöhnung

Nikotinersatz führt Nikotin ohne den Rauch einer Zigarette zu. Ein Pflaster gibt es über längere Zeit ab; kurz wirksame Arzneiformen können akutes Verlangen abfangen. Die Anwendung verlangt eine passende Produktauswahl und Erklärung. Wer ein Nikotinkaugummi wie gewöhnlichen Kaugummi verwendet oder das Pflaster wegen leichter Beschwerden sofort weglässt, sollte die Anwendung mit einer Fachperson besprechen. Beratung kann solche Probleme aufnehmen, bevor daraus ein weiterer Rauchversuch wird. Nikotinersatz ist ein Arzneimittel mit definiertem Verwendungszweck. Ein im Handel erhältlicher Nikotinbeutel wird durch denselben Wirkstoff nicht automatisch zu einem gleichwertigen Präparat. stopsmoking: Nikotinersatzprodukte und Medikamente, WHO: Leitlinie 2024

Vareniclin bindet an bestimmte nikotinische Acetylcholinrezeptoren. Es aktiviert diese teilweise und kann dadurch das Verlangen lindern; zugleich schwächt es die Wirkung einer gerauchten Zigarette an diesen Rezeptoren ab. Die EMA nennt unter anderem Übelkeit, Schlafstörungen, ungewöhnliche Träume und Kopfschmerzen als häufige Nebenwirkungen. Nierenfunktion und weitere Erkrankungen gehören in die ärztliche Auswahl. Eine EU-Zulassung belegt die zugelassene Anwendung, jedoch keine aktuelle Lagerverfügbarkeit in einer bestimmten Apotheke. EMA: Vareniclin und Produktinformation

Bupropion beeinflusst unter anderem die Signalübertragung durch Noradrenalin und Dopamin und kann Entzug und Rauchverlangen vermindern. Seine Eignung hängt von der Vorgeschichte ab. Bei Krampfanfällen, bestimmten Essstörungen oder weiteren Gegenanzeigen kommt es nicht als gewöhnliche Ausweichlösung infrage. Die verschreibende Praxis muss andere Medikamente und Risiken berücksichtigen. Mundtrockenheit und Schlafstörungen sind mögliche Beschwerden. Die WHO führt zusätzlich Cytisin als Entwöhnungsoption auf; daraus folgt keine pauschale Aussage über Zulassung oder Erstattung in den drei Ländern dieses Hubs. NHS: Bupropion, WHO: Empfehlungen

Beratung und ein geeignetes Medikament lassen sich aufeinander abstimmen. Wer körperlich weniger Entzug erlebt, kann sich etwa darauf konzentrieren, Pausen anders zu gestalten. Die Beratung bearbeitet wiederum Situationen, die ein Medikament allein nicht verändert. Die Auswahl erfolgt gemeinsam mit Fachpersonen. Die Tabellenzeile zur kombinierten Behandlung meint Beratung plus eine geeignete Arzneimittelstrategie. Sie ist keine Aufforderung, Vareniclin, Bupropion und verschiedene Nikotinprodukte selbst zu mischen. Für einzelne Wirkstoffkombinationen gelten zudem andere Erstattungsregeln als für die Verbindung von Beratung und Medikament. WHO: Tabakentwöhnung, G-BA: Arzneimittel zur Tabakentwöhnung

E-Zigaretten, Tabakerhitzer und orale Produkte

Eine E-Zigarette erhitzt Flüssigkeit. Eine tabakfreie Flüssigkeit enthält kein Tabakblatt, kann aber Nikotin und andere Stoffe enthalten. Ein Tabakerhitzer erhitzt dagegen Tabak. Beide erzeugen inhalierbare Aerosole mit unterschiedlicher Zusammensetzung. Die E-Zigarette bildet deshalb keine Untergruppe der Tabakerhitzer. Aus Studien zu einer nikotinhaltigen E-Zigarette lässt sich der Erfolg eines Tabakerhitzers nicht ableiten. Auch Gerät, Flüssigkeit, Nutzung und Produktgeneration können Ergebnisse verändern. Cochrane: E-Zigaretten, CDC: Tabakerhitzer

Cochrane bewertet die Evidenz dafür, dass nikotinhaltige E-Zigaretten bei Erwachsenen häufiger zu mindestens sechs Monaten Rauchabstinenz führen als Nikotinersatz, als hoch. Der Review von August 2026 schätzt den Unterschied auf etwa vier zusätzliche Rauchstopps pro hundert Personen, mit einem Unsicherheitsbereich von einem bis sieben. Dieser Endpunkt bedeutet, keine Zigaretten mehr zu rauchen. Er sagt nicht, dass alle Teilnehmenden nikotinfrei wurden. Die Studien beantworten auch nicht abschliessend, welche Folgen ein jahrzehntelanger E-Zigarettenkonsum hat. Das BAG lässt eine E-Zigarette als mögliche Alternative für bereits Rauchende gelten, die nicht aufhören können oder wollen, und fordert dann einen vollständigen Umstieg. Cochrane: Aktueller Review, 2026, BAG: E-Zigaretten

Tabakerhitzer liefern weiterhin Nikotin und Stoffe aus erhitztem Tabak. Niedrigere Werte bestimmter Schadstoffe sind als Expositionsbefund relevant. Eine präzise Aussage, um welchen Prozentsatz das Risiko für Herzinfarkt, COPD oder Krebs sinkt, ergibt sich daraus nicht. Der Cochrane-Review von 2022 fand in den damals eingeschlossenen Studien keine Ergebnisse zur Rauchentwöhnung; diese zeitliche Grenze gehört zur Einordnung. Das CDC verlangt weitere Forschung zum Krankheitsrisiko bei vollständigem Umstieg. Cochrane: Tabakerhitzer, 2022, CDC: Tabakerhitzer

Ein unabhängiger Review, 2025 online veröffentlicht und 2026 in der Druckausgabe erschienen, hebt zudem hervor, dass die untersuchten Biomarker einen späteren klinischen Krankheitsvorteil nicht zuverlässig vorhersagen. Kurze Beobachtungszeiten und uneinheitliche Messungen begrenzen die Schlussfolgerungen. Eine 2026 erneuerte US-Erlaubnis für bestimmte Tabakerhitzer-Produkte betrifft Aussagen zur geringeren Schadstoffaufnahme beim vollständigen Wechsel. Sie erlaubt keine pauschale Behauptung eines entsprechend verringerten Krankheitsrisikos aller Tabakerhitzer. Braznell und Kollegen: Tobacco Control, FDA: Expositionsbezogene Erlaubnis, April 2026

Snus enthält Tabak und wird im Mund verwendet. Für bestimmte schwedische Snus-Produkte erlaubte die US-amerikanische FDA Aussagen über niedrigere Risiken ausgewählter Erkrankungen gegenüber dem Zigarettenrauchen; die Erlaubnis wurde 2024 erneuert. Sie bezieht sich auf konkret bewertete Produkte und den Ersatz von Zigaretten. Sie erklärt weder beliebigen rauchlosen Tabak für gleichwertig noch Snus für sicher. Der Vergleich mit weiterem Rauchen unterscheidet sich vom Vergleich mit vollständiger Abstinenz. Für den Verkauf gelten in Europa eigene Regeln. FDA: Erneuerte Erlaubnis für bestimmte Snus-Produkte

Tabakfreie Nikotinbeutel, auch Pouches genannt, enthalten keinen Tabak als Grundmaterial. Die Bezeichnung «White Snus» kann diesen Unterschied verdecken. Das BfR beschreibt eine erhebliche Nikotinaufnahme; bei hoch konzentrierten Produkten können Blutspiegel höher liegen als nach einer Zigarette. Tabakfrei bedeutet deshalb nicht geringe Nikotinwirkung. Zu langfristigen Erkrankungen und zur Eignung für den Rauchstopp fehlen belastbare Daten in dem Umfang, der für etablierte Entwöhnungsmedikamente vorliegt. Beschwerden am Zahnfleisch, Übelkeit oder zunehmender Konsum gehören in ein Beratungsgespräch. BfR: Gesundheitliche Bewertung von Nikotinbeuteln

Für zwanzig konkret benannte Nikotinbeutel der Marke ZYN erlaubte die FDA am 30. Juni 2026 eine Aussage über niedrigere Risiken bestimmter Erkrankungen im Vergleich mit Zigaretten. Diese US-Entscheidung gilt für bewertete Produkte und verlangt weitere Überwachung. Sie ist keine Arzneimittelzulassung zur Entwöhnung und gilt nicht für sämtliche Nikotinbeutel oder für deren Vermarktung in CH, DE und AT. Ein Cochrane-Review zur Entwöhnung mit Beuteln von 2025 fand vier kleine Studien mit 284 Rauchenden und höchstens acht Wochen Beobachtung. Der Rauchstoppnutzen blieb ungeklärt. Produktspezifische Risikobewertung und therapeutischer Wirksamkeitsnachweis müssen deshalb getrennt gelesen werden. FDA: Produktspezifische Entscheidung, Juni 2026, Cochrane: Nikotinbeutel zur Entwöhnung, 2025

Warum die Verbrennung so viel Schaden verursacht

Beim Verbrennen einer Zigarette entsteht ein Gemisch aus Partikeln und Gasen. Krebserregende Stoffe, Kohlenmonoxid und weitere toxische Bestandteile tragen zu den gesundheitlichen Folgen bei. Nikotin hält die Abhängigkeit aufrecht und hat eigene Wirkungen auf den Körper. Die Schäden des Zigarettenrauchens lassen sich trotzdem nicht allein aus seinem Nikotingehalt erklären. Das erklärt, weshalb Nikotin als Arzneimittel beim Ausstieg eingesetzt werden kann, während das Ende der Rauchbelastung das Behandlungsziel bleibt. CDC: Biologie der Schäden durch Tabakrauch, WHO: Entwöhnungsleitlinie

Harm Reduction setzt an vermeidbaren Belastungen an. Ein erwachsener Raucher, der die Zigarette vollständig ersetzt, kann bestimmten Verbrennungsstoffen weniger ausgesetzt sein. Für eine medizinische Bewertung braucht es danach weitere Daten: Welche Stoffe bleiben? Wie verändert sich ihre Aufnahme bei üblicher Nutzung? Welche Erkrankungen treten nach längerer Zeit auf? Ein Produkt kann bei einem Schadstoff besser abschneiden und bei einem anderen weniger günstig. Eine einzige Kennzahl bildet dieses Gemisch kaum ab. Die FDA unterscheidet deshalb bei produktbezogenen Aussagen zwischen verringerter Exposition und verringerter Erkrankungsgefahr. FDA: Modified Risk Tobacco Products

Nikotin kann auch ohne Rauch eine Abhängigkeit erhalten. Ein Umstieg kann zunächst das Ende der Zigarette bedeuten und dennoch einen weiteren Ausstiegsplan verlangen. Das ist in der Verlaufskontrolle gut beschreibbar: Seit wann wurden keine Zigaretten mehr geraucht? Welche Produkte werden noch verwendet? Wie häufig und in welchen Situationen? Wer einen Nikotinstopp anstrebt, braucht Unterstützung passend zum verbleibenden Konsum. Für rauchlosen Tabak empfiehlt die WHO verhaltensbezogene Unterstützung und nennt bestimmte Arzneimitteloptionen; die Evidenz ist nicht in allen Punkten dieselbe wie bei Zigaretten. WHO: Empfehlungen für unterschiedliche Tabakprodukte

Vollständiger Ersatz und das Problem des Doppelkonsums

Dual Use bedeutet, neben einem Ersatzprodukt weiter Zigaretten zu rauchen. Das kann sich unbemerkt etablieren: Im Büro kommen Nikotinbeutel zum Einsatz, am Abend Zigaretten. Oder eine E-Zigarette ersetzt einige Rauchpausen, während die erste und die letzte Zigarette bleiben. Die Zahl der Zigaretten sinkt dann, der vollständige Rauchstopp ist aber noch nicht erreicht. Für die gemeinsame Planung sollten beide Konsumformen dokumentiert werden, statt nur die verbleibenden Zigaretten zu zählen.

Gerade bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen verläuft das Risiko nicht proportional zur Zigarettenzahl. Eine Metaanalyse mit 141 Kohortenstudien fand bereits bei ungefähr einer Zigarette täglich einen beträchtlichen Anteil des zusätzlichen Risikos von zwanzig Zigaretten. Die genaue Grössenordnung unterschied sich nach Geschlecht, Erkrankung und statistischer Anpassung. Daraus lässt sich keine persönliche Wahrscheinlichkeit berechnen. Es widerspricht aber der Annahme, eine Reduktion von zwanzig auf eine Zigarette nehme automatisch 95 Prozent des Herz-Kreislauf-Risikos weg. Hackshaw und Kollegen: BMJ, 2018

Eine Reduktion kann Teil eines vereinbarten Ausstiegswegs sein. Der nächste Termin sollte klären, ob daraus vollständiger Rauchstopp wird oder ein dauerhafter Doppelkonsum. Ein Plan braucht deshalb einen überprüfbaren Endpunkt, beispielsweise keine gerauchten Zigaretten, und eine Vereinbarung für Rückfälle. Die Selbstbeschreibung «Ich rauche viel weniger» reicht für die medizinische Bilanz nicht aus. Eine kurze Notiz zu Zeitpunkt und Anlass jeder Zigarette macht erkennbar, wo weiterhin Unterstützung fehlt. Das BAG warnt ausdrücklich vor Dual Use bei E-Zigaretten. BAG: Vollständiger Umstieg

Auch nach einem vollständigen Wechsel bleiben Symptome abklärungsbedürftig. Ein niedriger Kohlenmonoxidwert in der Ausatemluft kann zu weniger aktueller Verbrennungsbelastung passen, er schliesst jedoch weder sämtliche Schadstoffe noch Erkrankungen aus. Husten oder Luftnot sind kein verlässlicher Selbsttest für die Sicherheit des verwendeten Produkts. Blut im Auswurf verlangt zeitnahe ärztliche Abklärung. Bei mehr Blut, ausgeprägter Atemnot oder zusätzlichen Brustschmerzen braucht es sofortige Hilfe, in der Schweiz und Österreich unter 144, in Deutschland unter 112. NHS: Blut husten

Was Studienzahlen tatsächlich aussagen

Eine Laborstudie kann messen, welche Stoffe ein Gerät unter festgelegten Bedingungen abgibt. Eine Studie mit Menschen kann Veränderungen im Blut oder Urin nach einem Wechsel erfassen. Eine Entwöhnungsstudie zählt, wie viele Teilnehmende nach einem vereinbarten Zeitraum keine Zigaretten mehr rauchen. Eine Langzeitstudie untersucht Krankheiten oder Todesfälle. Diese Endpunkte beantworten verschiedene Fragen. Ein günstiger Laborwert ersetzt die letzte Studie nicht, und eine erfolgreiche Entwöhnungsstudie macht keine vollständige Aussage über die Langzeitsicherheit des Ersatzprodukts.

Bei Erfolgszahlen braucht es den Zeitraum und den Vergleich. «Mehr Rauchstopps» kann vier Wochen oder mindestens sechs Monate bedeuten. Die EMA beschreibt für die älteren Zulassungsstudien zu Vareniclin unterschiedliche Erfolgsanteile am Behandlungsende und nach längerer Nachbeobachtung. Ein Wert aus den letzten vier Behandlungswochen darf daher nicht als dauerhafter Ausstieg ausgegeben werden. Auch Beratung, Auswahl der Teilnehmenden und die Definition eines Rückfalls beeinflussen die Zahl. In der Praxis hilft die Frage, ob die zitierte Studie ungefähr zu den eigenen Bedingungen passt. EMA: Ergebnisse der Vareniclin-Studien

Relative und absolute Effekte sollten gemeinsam verständlich sein. Wenn eine Behandlung in einem rein rechnerischen Beispiel die Erfolgsquote von fünf auf zehn von hundert erhöht, verdoppelt sie den Erfolg relativ. Absolut erreichen fünf zusätzliche Personen von hundert das Ziel. Dieses Beispiel erklärt die Rechnung und ist keine Erfolgsprognose für ein bestimmtes Produkt. Der gleiche Unterschied gilt für Erkrankungsrisiken. Ohne Ausgangsrisiko und Beobachtungsdauer bleibt eine Prozentangabe unvollständig.

Beobachtungsdaten aus dem Alltag können viele Menschen und lange Zeiträume abbilden. Die Nutzer verschiedener Produkte unterscheiden sich aber häufig schon vor der Behandlung, etwa hinsichtlich Konsum, Motivation oder früherer Versuche. Forschende können bekannte Unterschiede statistisch berücksichtigen, ohne jede Verzerrung ausschliessen zu können. Randomisierte Studien verteilen eine Behandlung nach dem Zufallsprinzip und vermindern solche Unterschiede. Ihre Ergebnisse gelten dennoch für die untersuchten Bedingungen. Eine feste Rangliste sämtlicher Nikotinprodukte aus einer einzigen Alltagsstudie würde diesen Grenzen nicht gerecht.

Finanzierung und Interessenkonflikte gehören ebenfalls zur Einordnung. Ein herstellerfinanziertes Ergebnis sollte anhand der Methode, der vollständigen Daten und unabhängiger Befunde bewertet werden. Der ältere Cochrane-Review zu Tabakerhitzern verwies auf den Bedarf an unabhängiger Forschung. Die Herkunft einer Studie allein entscheidet weder über jedes Ergebnis noch über dessen Übertragbarkeit. Herstellertexte belegen zuverlässig, was ein Unternehmen behauptet oder geschäftlich berichtet. Für den gesundheitlichen Nutzen braucht es zusätzliche Quellen. Cochrane: Tabakerhitzer

PMI, Gesundheitsbehörden und Lungenliga

PMI verbindet seine Unternehmensstrategie mit Tabakschadensminderung bei Erwachsenen, die sonst weiterrauchen würden. Der Konzern hat damit ein wirtschaftliches Interesse am Wechsel zu seinen Produkten. Der Umsatzanteil seines rauchfreien Geschäfts misst Verkäufe. Er gibt keine Auskunft über weniger Krebs oder weniger Herzinfarkte. Auch ein rückläufiger Zigarettenverkauf des Unternehmens würde allein nicht belegen, welche Menschen vollständig aufgehört haben und welche zusätzlich andere Nikotinprodukte verwenden. PMI: Unternehmensbericht 2025

Das BAG beurteilt Alternativen nach Produktgruppe. Es erkennt E-Zigaretten für bestimmte bereits Rauchende als mögliche Alternative an und nennt dabei vollständigen Ersatz sowie fortbestehende Abhängigkeit und offene Langzeitfolgen. Zu Tabakerhitzern formuliert es aktuell eine skeptische Gesundheitsbewertung und geht von wenig oder keinen gesundheitlichen Vorteilen gegenüber herkömmlichen Zigaretten aus. Diese Einschätzung unterscheidet sich vom Harm-Reduction-Anspruch der Hersteller. Ein klinischer Langzeitvorteil mit einem bestimmten Prozentsatz lässt sich für die gesamte Produktgruppe aus den genannten Quellen nicht ableiten. BAG: Gesundheitliche Folgen

Die Lungenliga unterstützt den Rauchstopp mit Angeboten der kantonalen Lungenligen. Ihre Rauchstoppseite nennt Gruppenkurse, individuelle Beratung und Unterstützung bei der Auswahl von Medikamenten durch Arztpraxis oder Apotheke. Sie verweist ausserdem auf stopsmoking. Menschen, die mit Zigaretten aufhören möchten, können sich dort nach einem passenden Angebot vor Ort erkundigen. Lungenliga: Rauchen und Rauchstopp

Die Lungenliga Schweiz unterstützt den gemeinsamen Schweizer Standpunkt zu Tabakerhitzern von September 2025. Die beteiligten Gesundheits- und Suchtpräventionsorganisationen geben dem Schutz vor einem Einstieg und dem vollständigen Aufhören Vorrang. Sie beurteilen Tabakerhitzer kritisch, verweisen auf fehlende unabhängige Nachweise geringerer Gefährlichkeit und fordern strengere Regulierung. Das Positionspapier empfiehlt wirksame Rauchstoppmethoden und lehnt Tabakerhitzer als Ausstiegshilfe ab. Gemeinsamer Standpunkt der Schweizer Organisationen, 2025

Für Angehörige und Fachpersonen ist eine sachliche Gesprächsfrage oft hilfreicher als ein Streit über das Etikett «rauchfrei». Wie sieht der gegenwärtige Konsum aus, und welche Unterstützung könnte die letzte Zigarette ersetzen? Dabei dürfen Erwachsene ihre bisherigen Schwierigkeiten benennen, ohne dass jeder gescheiterte Versuch als fehlender Wille behandelt wird. Zugleich braucht jede Aussage zum Nutzen den richtigen Vergleich. Ein möglicher Vorteil gegenüber weiterem Rauchen bedeutet keine Empfehlung für einen Menschen, der bislang kein Nikotin verwendet.

Jugendliche, Schwangerschaft und bestehende Erkrankungen

Bei Jugendlichen soll die Beratung einen Ausstieg ermöglichen und den Einstieg verhindern. Nikotin kann die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen und eine Abhängigkeit verursachen. Ein Produkt ohne Tabakblatt eignet sich deshalb nicht als unverfänglicher Einstieg. Erwachsene sollten ihre Produkte ausser Reichweite von Kindern aufbewahren. Nikotinbeutel und Flüssigkeiten können bei versehentlicher Aufnahme gefährlich sein; Symptome nach einer Aufnahme brauchen medizinische Hilfe. Die Einordnung als Schadensminderung bei erwachsenen Rauchenden lässt sich auf diese Situation nicht übertragen. WHO: Tabak und Nikotin, BfR: Nikotinbeutel

In Schwangerschaft und Stillzeit sollten Betroffene früh Unterstützung erhalten und den tatsächlichen Konsum offen ansprechen können. Ein selbst gewählter Wechsel zu Snus, Nikotinbeuteln oder einer E-Zigarette ersetzt keine fachliche Beurteilung. NICE sieht Nikotinersatz nach individueller Abwägung zusammen mit verhaltensbezogener Unterstützung vor und empfiehlt, Vareniclin, Bupropion und Cytisiniclin in Schwangerschaft und Stillzeit nicht anzubieten. Die Wahl einer Behandlung gehört zur Betreuung durch geeignete Fachpersonen. Partner und andere Haushaltsmitglieder können helfen, indem sie Wohnung und Auto rauchfrei halten. NICE: Empfehlungen für Schwangerschaft und Stillzeit

Menschen mit COPD, Asthma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen brauchen eine an ihre Erkrankung angepasste Behandlung. Ein Ersatzprodukt behandelt die bestehende Erkrankung nicht. Die Praxis sollte wissen, wenn Zigaretten beendet oder deutlich reduziert werden, auch wenn weiter Nikotin aufgenommen wird. Bestandteile des Tabakrauchs beeinflussen bestimmte Leberenzyme; bei einigen Medikamenten können sich nach dem Rauchstopp die Blutspiegel verändern. Das betrifft beispielsweise einzelne psychiatrische Arzneimittel. Die Behandlung selbst zu verändern ist keine sichere Lösung. NHS Specialist Pharmacy Service: Wechselwirkungen mit Rauchen

Erfahrungsberichte

Was Patienten erzählen

Die Erfahrungsberichte sind redaktionell verfasste, anonymisierte Beispiele auf Basis typischer Therapieverläufe. Sie ersetzen keine medizinische Beratung.

Sämtliche Personen, Zitate, Ereignisse und Zahlen sind frei erfunden. Es wurden keine Erfahrungsberichte oder Patientendaten erhoben. Die Beispiele erlauben keine Aussagen zu Erfolgswahrscheinlichkeiten oder zur vergleichenden Wirksamkeit und Sicherheit. «Erfolg» bezeichnet das jeweilige Ziel, etwa das Ende des Zigarettenrauchens, auch bei fortbestehender Nikotinabhängigkeit.

Wenn starke Verzweiflung oder Suizidgedanken hinzukommen, holen Sie bitte sofort Unterstützung. In der Schweiz erreichen Sie Die Dargebotene Hand unter 143, Jugendliche Pro Juventute unter 147; bei unmittelbarer Gefahr wählen Sie 144. In Deutschland hilft die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, bei unmittelbarer Gefahr der Notruf 112. In Österreich erreichen Sie die TelefonSeelsorge unter 142 und Rat auf Draht unter 147; bei unmittelbarer Gefahr wählen Sie 144. Dieser Hinweis betrifft akute seelische Krisen, die unabhängig von einer Nikotinabhängigkeit auftreten können. Schweiz, Deutschland, Österreich.

Bericht 1

Erfolg

"Ich brauchte einen Plan für die Pause um halb elf"

Sandra M., 43, Winterthur (CH)

Therapiedauer
neun Monate
Therapie
Rauchstoppberatung und zeitlich begrenzter Nikotinersatz nach fachlicher Begleitung

An der Kasse kann ich nicht aufstehen, sobald mich das Verlangen packt. Wir wechseln uns mit den Pausen ab, und meine fiel meistens auf halb elf. Bis dahin hatte ich bereits beim Kaffee und auf dem Weg zur Arbeit geraucht. Die Zigarette hinter dem Warenlager gehörte für mich zum Arbeitstag. Ich dachte lange, ich müsse diese Gewohnheit allein loswerden, weil ich sie ja auch allein angefangen hatte. Zu Hause warteten meine Tochter und manchmal ein Anruf meiner Mutter, die Unterstützung beim Einkaufen braucht. Für einen grossen Neustart fehlte mir die Kraft.

Zum Beratungsgespräch nahm ich einen zerknitterten Zettel mit. Darauf standen die Zigaretten einer Woche, mit Uhrzeit und dem, was davor passiert war. Es waren an gewöhnlichen Tagen ungefähr 18. Besonders häufig rauchte ich nach einem Streit oder zwischen zwei Erledigungen. Die Beraterin fragte, welche Situation zuerst anders werden könne. Ich war erleichtert, dass sie mich nicht aufforderte, mein ganzes Leben umzubauen. Wir besprachen Nikotinersatz, meine früheren Versuche und den Termin für den Rauchstopp. Welche Anwendung zu mir passte, klärte ich zusätzlich in der Apotheke.

Bericht 2

Erfolg

"Mit der Nachtschicht stand mein alter Vorsatz wieder auf der Kippe"

Thomas K., 57, Dortmund (DE)

Therapiedauer
sieben Monate
Therapie
ärztlich verordnetes Vareniclin und begleitende Rauchstoppgespräche

Ich arbeite in der Instandhaltung eines Betriebs, der selten stillsteht. Wenn etwas ausfällt, ist der Feierabend verschoben. Zigaretten waren für mich eine Möglichkeit, kurz aus der Halle zu kommen. Ich rauchte ungefähr 25 am Tag, an freien Tagen weniger. Vor meiner Frau sagte ich oft, bei dem Stress könne man jetzt wirklich keinen Rauchstopp erwarten. Sie hatte irgendwann keine Lust mehr auf diese Diskussion. Mich ärgerte das, denn ich hatte mehrfach aufgehört. Zwei Tage, einmal drei Wochen. Ich erwähnte diese Versuche gern, ohne viel über die Rückfälle zu erzählen.

Beim Hausarzt ging es zunächst um eine andere Untersuchung. Als er nach dem Rauchen fragte, antwortete ich mit der üblichen Zahl. Er fragte weiter, ob ich Hilfe beim Aufhören wolle. Ich sagte, dass Pflaster allein bei meinem letzten Versuch nicht gereicht hätten. Im folgenden Termin besprachen wir meine bisherigen Behandlungen, die anderen Medikamente und die Arbeitszeiten. Er schlug Vareniclin mit begleitenden Gesprächen vor. Ich wollte wissen, was ich bei Beschwerden tun sollte und wann wir uns wiedersehen. Ein Rezept allein hätte mir wenig gebracht. Die Entscheidung fiel nach diesem Gespräch, nicht nach einer Produktgeschichte aus dem Internet.

Bericht 3

Erfolg

"Beim Kartenspielen fehlte mir die Zigarette länger als morgens"

Eva R., 62, Graz (AT)

Therapiedauer
elf Monate
Therapie
strukturierte Rauchstoppberatung mit regelmässigen Folgegesprächen

Meine Freundinnen und ich spielen seit Jahren am Donnerstag Karten. Nach zwei Runden ging ich auf den Balkon. Meist kam jemand mit, und dort erzählten wir Dinge, für die es am Tisch keine Zeit gab. Ich rauchte an solchen Abenden mehr als sonst. Im Alltag waren es etwa zwölf Zigaretten, oft zwischen zwei Arbeiten. Seit ich weniger Stunden in der Bibliothek hatte, machte ich mir vor, nun sei der richtige Zeitpunkt gekommen. Tatsächlich rauchte ich zu Hause häufiger. Es gab niemanden, der mir sagte, wann eine Pause zu Ende war.

Ich rief bei einer Rauchstoppberatung an, nachdem ich einen weiteren Versuch nach vier Tagen beendet hatte. Bei diesem Versuch hatte ich nur beschlossen, keine Zigaretten mehr zu kaufen. Als meine Schwester zu Besuch kam, nahm ich ihre. In der Beratung besprachen wir auch mögliche Medikamente. Ich wollte diesmal mit strukturierten Gesprächen beginnen und eine Arzneimitteloption erneut prüfen, falls ich damit nicht zurechtkäme. Die Beraterin akzeptierte das, erklärte aber, dass mein Wunsch allein nichts über die Erfolgschancen anderer Behandlungen aussagte. Wir vereinbarten mehrere Termine, bevor ich wieder allein vor einer schwierigen Woche stand.

Bericht 4

Erfolg

"Im Kalender steht null Zigaretten, beim Nikotin bin ich noch nicht dort"

Nicolas B., 51, Lausanne (CH)

Therapiedauer
acht Monate Begleitung, seit sechs Monaten ohne Zigaretten
Therapie
Rauchstoppberatung und vollständiger Wechsel zu einer nikotinhaltigen E-Zigarette nach erfolglosen Ausstiegsversuchen

Ich bin Koch und arbeite dann, wenn andere Feierabend haben. Hinter der Küche geraucht zu haben war jahrelang mein normaler Abschluss eines Services. Meist waren es etwa 22 Zigaretten am Tag. Auch an freien Tagen kam ich auf ähnliche Zahlen, nur mit anderen Anlässen. Meine Partnerin raucht nicht. Sie mochte den Geruch an der Jacke nicht und fragte immer wieder, wann ich aufhören würde. Ich versprach es jeweils nach der nächsten Saison. Im Restaurant gibt es allerdings immer eine nächste Saison, eine neue Karte oder jemanden, der ausfällt.

Ich hatte mit Beratung und Nikotinersatz zwei Ausstiegsversuche unternommen. Einmal blieb ich einige Wochen ohne Zigaretten. Beim anderen Versuch rauchte ich schon während der ersten Woche wieder. Warum das so verlief, liess sich für mich nicht auf einen einzigen Grund zurückführen. Beim zweiten Mal war ich schlecht vorbereitet und liess einen Folgetermin ausfallen. Als ich erneut zur Beratung ging, wollte ich die Versuche nicht als Beweis anführen, dass ich grundsätzlich nicht aufhören könne. Ich wollte aber auch nicht so tun, als würde der nächste Vorsatz automatisch reichen.

Bericht 5

In Anpassung

"Ich hatte die Zigarette am Abend von meiner Rechnung ausgenommen"

Miriam S., 36, Hannover (DE)

Therapiedauer
vier Monate
Therapie
Beratung bei gleichzeitigem Konsum von Zigaretten und nikotinhaltiger E-Zigarette

Ich habe einen sechsjährigen Sohn und arbeite im Kundendienst, oft von zu Hause aus. Das Rauchen war in der Wohnung schon vorher tabu. Während längerer Telefonate dachte ich trotzdem ständig daran, wann ich kurz hinausgehen könnte. Pro Tag kamen etwa 15 Zigaretten zusammen. Dann begann ich mit einer E-Zigarette und erzählte mir, das Problem sei damit fast erledigt. Es roch anders, und ich musste keine Schachtel in der Hand halten. Mein Freund fragte nach einigen Wochen, warum ich weiterhin Zigaretten kaufe. Ich sagte, das seien nur die besonderen am Abend.

Diese besonderen Zigaretten wurden zur festen Ausnahme. Morgens verwendete ich die E-Zigarette, zwischen zwei Terminen manchmal auch. Nach dem Abendessen ging ich mit einer Zigarette hinaus. Wenn mein Sohn schlecht einschlief, kam später eine weitere dazu. In meinem Kopf zählte nur, dass ich tagsüber weniger rauchte. Insgesamt waren es noch fünf bis sieben Zigaretten pro Tag, während ich zusätzlich Nikotin über die E-Zigarette aufnahm. Wie viel insgesamt, wusste ich nicht. Die Verwendungszeiten schrieb ich anfangs nicht auf. Ich hatte angenommen, ein Wechsel zwischen Produkten müsse automatisch eine gute Entwicklung sein.

Bericht 6

In Anpassung

"Die Firmenpräsentation beantwortete meine persönlichen Fragen nicht"

Daniel F., 48, Zug (CH)

Therapiedauer
fünf Monate
Therapie
Beratung nach Wechsel zu einem Tabakerhitzer und erneutem Zigarettenkonsum

Ich betreue Kunden an verschiedenen Standorten und sitze viel im Auto. Früher rauchte ich etwa 20 Zigaretten am Tag. Bei längeren Fahrten hielt ich an Raststätten, auch wenn ich sonst keine Pause gebraucht hätte. Ein Bekannter erzählte mir von einem Tabakerhitzer. Er sprach davon, die Zukunft werde rauchfrei, und schickte mir Material von Philip Morris International. Mich interessierte der Gedanke, Tabak nicht mehr zu verbrennen. Ich nahm daraus vorschnell mit, dass sich für mich gesundheitlich schon ausreichend viel ändern würde. Welche Fragen tatsächlich untersucht worden waren, las ich damals kaum.

Nach dem Wechsel rauchte ich mehrere Wochen keine Zigaretten. Den Tabakerhitzer benutzte ich täglich. Ich freute mich darüber und erzählte beim Familientreffen, nun sei ich rauchfrei. Meine Schwester fragte, ob ich auch mit Nikotin aufgehört hätte. Das hatte ich nicht. Es wurde ein unangenehmes Gespräch, weil ich ihre Frage als Kritik verstand. Später stellte ich fest, dass ich selbst den Begriff nicht genauer erklärt hatte. Mein Ziel war zunächst das Ende des Zigarettenrauchens gewesen. Ich hatte dieses Ziel erreicht und gleichzeitig die Abhängigkeit mitgenommen.

Bericht 7

Frühe Phase

"Ich hatte mich auf den fehlenden Rauch verlassen"

Markus W., 44, Linz (AT)

Therapiedauer
sechs Wochen Beratung
Therapie
Beratung bei Wechsel von Zigaretten zu tabakhaltigem Snus, Planung einer begleiteten Entwöhnung

Ich arbeite als Techniker und war früher längere Zeit im Ausland. Dort lernte ich Snus kennen. Zuletzt rauchte ich ungefähr 17 Zigaretten täglich und verwendete daneben gelegentlich tabakhaltigen Snus. Vor zwei Monaten begann ich, die Zigaretten damit zu ersetzen. Ich dachte vor allem daran, dass ich nicht mehr vor die Werkstatt gehen müsste. Das machte den Arbeitstag scheinbar einfacher. Wenn jemand fragte, ob ich noch rauche, sagte ich zunehmend nein, obwohl am Wochenende manchmal Zigaretten dazukamen. Über Nikotin sprach ich dabei selten. Es war weiter da, nur im Gespräch kaum sichtbar.

In den ersten Wochen erzählte ich meinem Bruder, ich hätte nun eine saubere Lösung gefunden. Er fragte, ob in den Beuteln Tabak stecke. Ich zeigte ihm die Packung. Bis dahin hatte ich die Wörter Snus und Nikotinbeutel fast gleich verwendet. Bei meinem Produkt war Tabak enthalten. Andere Beutel enthalten Nikotin ohne Tabak, und Nikotinersatz-Arzneimittel sind wiederum eine eigene Kategorie. Diese Begriffe habe ich in der Beratung genauer besprochen. Sie machen aus keinem Konsumprodukt eine zugelassene Entwöhnungsbehandlung. Mein Bruder hatte mit seiner einfachen Frage einen Punkt getroffen, den ich vorher übergangen hatte.

Bericht 8

Abgesetzt

"Am Abend hatte ich trotzdem die Zigaretten in der Hand"

Markus B., 49, Winterthur (CH)

Therapiedauer
acht Wochen Umstiegsversuch, seit zwei Wochen neue Rauchstoppberatung
Therapie
Tabakerhitzer beendet, hausärztliche Beratung zum vollständigen Rauchstopp

Im Servicewagen lag das Ladegerät, in der Jacke die Zigarettenpackung. Das war nach ein paar Wochen mein Alltag. Ich hatte mir den Tabakerhitzer zugelegt, weil ich von den Zigaretten wegwollte. Ein Kollege benutzte einen, und die Vorstellung, weniger Rauchgeruch mit nach Hause zu nehmen, gefiel mir. Bei der Arbeit konnte ich damit einige Zigaretten ersetzen. Nach Feierabend vor der Garage rauchte ich weiterhin. Dort musste nichts geladen werden, und ich kannte jeden Handgriff.

Vor dem Versuch waren es ungefähr zwanzig Zigaretten täglich. Als ich meiner Frau erzählte, ich sei auf neun herunter, klang das für mich schon nach einem ziemlich guten Ergebnis. Sie fragte, ob die neun denn jetzt unschädlich seien. Ich hatte darauf keine Antwort. In der Sprechstunde zeigte ich mein Protokoll. Meine Ärztin anerkannte, dass ich mich mit meinem Konsum beschäftigte. Sie erklärte aber auch, dass die verbliebenen Zigaretten weiter Rauchbelastung verursachen. Aus halb so vielen Zigaretten lässt sich kein halbiertes Krankheitsrisiko berechnen.

Bericht 9

Abgesetzt

"Tabakfrei stand auf der Dose, abhängig blieb ich trotzdem"

Deniz K., 28, Dortmund (DE)

Therapiedauer
sechs Wochen Produktversuch, seit drei Wochen begleiteter Ausstieg
Therapie
Nikotinbeutel beendet, Rauchstoppberatung und ärztliche Behandlungsplanung

Ich arbeite an einer Hotelrezeption. Während der Spätschicht kann ich nicht beliebig vor die Tür. Als ich Nikotinbeutel ausprobierte, erschien mir das zunächst praktisch. Ich wollte weniger rauchen und hatte mir kaum Gedanken darüber gemacht, ob ein Produkt ohne Tabak etwas anderes mit mir macht als eine Zigarette. In meinem Kopf war «tabakfrei» ungefähr dasselbe wie «kein grosses Problem». Heute würde ich den Nikotingehalt und die Behandlung meiner Abhängigkeit viel früher zum Thema machen.

Ich hatte vor dem Versuch an den meisten Tagen zwölf Zigaretten geraucht. Mit den Beuteln waren es ungefähr fünf. Die fünf blieben vor allem nach Dienstschluss und beim Warten auf den Nachtbus. Dazu benutzte ich tagsüber die Beutel. Ich kann aus der Anzahl nicht ausrechnen, wie viel Nikotin ich insgesamt aufnahm. Ich merkte aber, dass mich die nächste Gelegenheit oft schon beschäftigte, während ich noch am Empfang stand. Der Wunsch aufzuhören war damit nicht verschwunden.

Bericht 10

Erfolg

"Ich brauchte jemanden, der auch nach dem ersten rauchfreien Montag fragte"

Eva S., 46, Graz (AT)

Therapiedauer
vier Monate seit Behandlungsbeginn
Therapie
ärztlich ausgewähltes Bupropion und regelmässige Rauchstoppberatung

Meine schwierigste Zigarette war die nach der Besprechung am Montag. Ich verwalte Wohnungen, und nach einer Stunde mit Beschwerden von Mieterinnen und Mietern stand ich meistens im Hof. Auf diese Pause hatte ich mich schon während der Sitzung gefreut. Ein paar Mal hatte ich die Packung am Wochenende weggeworfen und mir am Montag eine neue gekauft. Danach wollte ich für eine Weile mit niemandem über das Aufhören reden. Ich konnte den nächsten enttäuschten Blick schon vor mir sehen.

Beim neuen Versuch erzählte ich der Ärztin zuerst von diesen Montagen. Wir sprachen auch über meine bisherigen Behandlungen und Medikamente. Sie fragte nach Vorerkrankungen und möglichen Gründen, die gegen einzelne Rauchstoppmedikamente sprechen. Für meinen Fall wählte sie Bupropion aus. Ich bekam einen vereinbarten Behandlungsplan und Kontrolltermine. Meine Geschichte ist keine Anleitung, dieses Medikament selbst zu beginnen oder es an jemanden weiterzugeben. Andere Menschen können aus medizinischen Gründen eine andere Behandlung benötigen.

Bericht 11

Erfolg

"Die COPD blieb, die Zigaretten habe ich weggelassen"

René M., 63, Biel (CH)

Therapiedauer
fünf Monate seit Beginn der Rauchstoppbehandlung
Therapie
kombinierter Nikotinersatz mit Pflaster und kurz wirksamem Präparat, ärztliche Begleitung und Rauchstoppberatung

Ich habe COPD und wusste lange, dass Rauchen dazu nicht passt. Trotzdem stand ich nach dem Termin beim Lungenarzt oft zuerst draussen mit einer Zigarette. Wenn jemand sagte, ich solle aufhören, nickte ich. Was hätte ich sonst sagen sollen? Zu Hause brauchte ich beim Hinauftragen der Einkäufe Pausen. Das machte mir Sorgen, und manchmal rauchte ich gerade danach. Ich erzähle das, weil dieser Widerspruch in meinem Alltag vorkam. Eine Diagnose nimmt einem die Abhängigkeit nicht automatisch ab.

Beim letzten Versuch fragte der Arzt genauer, wann ich rauche und was bei den früheren Versuchen passiert war. Ich war zweimal ohne Unterstützung gestartet und hatte jeweils nach wenigen Tagen wieder geraucht. Wir besprachen einen Nikotinersatz aus einem Pflaster und einem kurz wirksamen Präparat für stärkere Verlangensphasen. Anwendung und Verlauf wurden mit Fachpersonen abgestimmt. Ich musste aus den Packungen und meinen Zigaretten keine eigene Dosisberechnung machen.

Bericht 12

In Anpassung

"Meine Stimmung und die Zigaretten stehen jetzt im selben Kalender"

Sabine W., 39, Leipzig (DE)

Therapiedauer
sieben Wochen begleiteter Rauchstoppversuch
Therapie
gemeinsame Planung mit Hausarztpraxis, psychiatrischer Behandlung und Rauchstoppberatung

Ich bin wegen einer wiederkehrenden Depression in Behandlung. Es gibt Monate, in denen ich normal arbeite und meinen Alltag gut organisiere. In anderen Wochen brauche ich dafür viel Hilfe. Die Zigaretten gehörten in beiden Phasen dazu. Ich hatte oft gedacht, ich müsste erst lange genug stabil sein, bevor ich ans Aufhören denken darf. Gleichzeitig störte mich, wie fest die erste Zigarette den Morgen bestimmte. Ich wollte das bei meinem nächsten Termin wenigstens ansprechen.

Die Psychiaterin nahm die Frage auf und fragte nach meinem bisherigen Konsum. Ich rauchte ungefähr fünfzehn Zigaretten täglich, an freien Tagen manchmal mehr. Ich sagte auch, dass ein früherer Versuch mit schlechtem Schlaf und Streit zu Hause zusammengefallen war. Wir vereinbarten, beim neuen Versuch die Stimmung und den Schlaf mit zu beobachten. Meine Hausarztpraxis und die Rauchstoppberatung wurden mit meinem Einverständnis einbezogen. Ich musste nicht selbst widersprüchliche Empfehlungen zwischen den Terminen sortieren.

Bericht 13

Frühe Phase

"Beim ersten Termin habe ich gesagt, wie viel ich wirklich rauche"

Nora F., 32, Luzern (CH)

Therapiedauer
zwei Wochen seit dem ersten Beratungsgespräch
Therapie
Rauchstoppbegleitung in der Schwangerschaft, Abstimmung mit Hebamme und Ärztin

Als ich von der Schwangerschaft erfuhr, wollte ich die Zigaretten sofort weglegen. Ich stellte die Packung in eine Schublade und hielt bis zum nächsten Morgen durch. Dann rauchte ich und schämte mich so sehr, dass ich meinem Partner zunächst sagte, ich hätte aufgehört. Er war erleichtert. Bei mir wurde dadurch jeder weitere Griff nach der Packung noch schwerer zu erklären. Ich merkte bald, dass ich beim nächsten Termin ehrlich sein musste, wenn ich Hilfe bekommen wollte.

Ich rauchte ungefähr zehn Zigaretten täglich. Der Hebamme hatte ich anfangs nur von «ein paar» erzählt. Im Gespräch mit der Ärztin nannte ich dann die ungefähre Zahl und auch die Situationen, in denen es besonders schwierig war. Vor dem Frühstück, nach dem Mittagessen und nach einem angespannten Telefonat mit meiner Mutter. Die Ärztin fragte sachlich nach. Ich hatte eine Standpauke erwartet und war deshalb schon mit einer vorbereiteten Entschuldigung gekommen. Die brauchte ich nicht.

Bericht 14

Frühe Phase

"Wir haben das Rauchen aus der Wohnung geholt und einen Termin gemacht"

Andreas P., 54, Salzburg (AT)

Therapiedauer
drei Wochen seit dem ersten Beratungskontakt
Therapie
Rauchstoppberatung, gemeinsamer Haushaltsplan und ärztlicher Termin zur Behandlungswahl

Meine Partnerin raucht nicht. Sie hatte jahrelang darüber gesprochen, dass sie den Geruch in der Wohnung nicht möchte. Ich sagte dann, ich würde am geöffneten Küchenfenster rauchen. Mir erschien das wie ein Kompromiss. Sie konnte in der Küche trotzdem nicht sitzen, solange ich dort rauchte. Erst als wir den Raum umräumten, fiel mir auf, wie viele Entscheidungen wir um diese Gewohnheit herum getroffen hatten. Der Frühstückstisch stand weit vom Fenster weg, weil dort mein Aschenbecher stand.

Ich rauchte meistens siebzehn Zigaretten täglich. Für einen vollständigen Stopp hatte ich immer auf ruhigere Wochen gewartet. Im Betrieb wurde aber ständig irgendetwas umgestellt, und die ruhigere Woche kam selten. Vor drei Wochen haben wir an einem Sonntag über eine neue Regel gesprochen. Die Wohnung und das Auto bleiben rauch- und aerosolfrei. Wenn Besuch raucht, gilt das ebenfalls. Meine Partnerin wollte keine Diskussion darüber führen, welches Gerät drinnen weniger riecht.

Versorgung & Kosten

Vom ersten Gespräch zur Begleitung

1

Den gesamten Konsum aufschreiben

Notieren Sie vor dem Gespräch die gerauchten Zigaretten und alle weiteren Tabak- oder Nikotinprodukte, einschliesslich Nikotinersatz. Halten Sie frühere Ausstiegsversuche und aktuelle Medikamente fest, damit die Fachperson die Abhängigkeit und mögliche Wechselwirkungen einordnen kann. Eine Woche mit typischen Arbeitstagen und einem Wochenende kann als Gesprächsgrundlage dienen; sie ist kein diagnostischer Test.

2

Ein erreichbares Ziel und eine Behandlung vereinbaren

Besprechen Sie einen vollständigen Rauchstopp, die passende Beratung und gegebenenfalls ein Entwöhnungsmedikament. Wenn Sie derzeit weiterrauchen, sprechen Sie offen darüber und vereinbaren Sie, woran eine Verringerung der Belastung gemessen wird und wie der Weg zur letzten Zigarette aussieht. Klären Sie Schwangerschaft, Vorerkrankungen, Nebenwirkungen und Kosten vor dem Bezug einer Behandlung.

3

Den Alltag vorbereiten und Kontakt halten

Legen Sie fest, was in bisherigen Rauchpausen geschieht und wer bei starkem Verlangen erreichbar ist. Vereinbaren Sie einen Folgetermin oder Rückruf, statt erst bei einem Rückfall wieder Kontakt aufzunehmen. Bei Medikamentenproblemen sollte die betreuende Fachperson die Anwendung und weitere Behandlung besprechen.

4

Verlauf und weitere Nikotinabhängigkeit gemeinsam beurteilen

Besprechen Sie beim nächsten Kontakt rauchfreie Tage, verbliebene Zigaretten, alle anderen Produkte und Beschwerden. Ein Rückfall ist ein Anlass, den Auslöser und die Behandlung anzupassen. Wenn keine Zigaretten mehr geraucht werden, kann anschliessend der verbleibende Nikotinkonsum samt weiterem Ausstiegsziel beurteilt werden.

Dieser Ablauf beschreibt eine Gesprächshilfe. Die Auswahl von Arzneimitteln und die individuelle Behandlung folgen der ärztlichen Beurteilung. WHO: Tabakentwöhnung bei Erwachsenen

Zugang, Kosten und Zuständigkeiten in CH, DE und AT

Kosten hängen von Präparat, Beratung, Versicherung und konkreten Voraussetzungen ab. Eine Monatszahl ohne Behandlungsplan würde verschiedene Arzneiformen und Konsumprodukte vermischen. Die Tabelle nennt deshalb nachprüfbare Zugänge und Grenzen der Erstattung. Sie enthält keine Preiszusage und keine Aussage, ein bestimmtes Medikament sei überall sofort lieferbar. Stand der rechtlichen und versorgungsbezogenen Angaben: Oktober 2026.

Frage
Wer berät und wer verschreibt?
Schweiz (CH)
Hausarztpraxis, Apotheke, kantonale Lungenliga und stopsmoking beraten; verschreibungspflichtige Arzneimittel benötigen ärztliche Verordnung. stopsmoking stellt keine Rezepte aus.
Deutschland (DE)
Hausarztpraxis und qualifizierte Entwöhnungsstellen; die ärztliche Praxis beurteilt die Eignung für verschreibungspflichtige Arzneimittel und den GKV-Anspruch.
Österreich (AT)
Hausarztpraxis, qualifizierte Rauchstoppberatung und Rauchfrei Telefon; spezielle rezeptpflichtige Medikamente werden ärztlich verordnet.
Frage
Kostenübernahme durch Grundversicherung, GKV oder ÖGK
Schweiz (CH)
Für ein konkretes Medikament sind Spezialitätenliste, allfällige Limitationen und Versicherung massgebend. Ein Anspruch für beliebige Nikotinprodukte lässt sich daraus nicht ableiten.
Deutschland (DE)
Bei schwerer Tabakabhängigkeit innerhalb eines evidenzbasierten Programms können Nikotin- oder Vareniclin-Arzneimittel zulasten der GKV verordnet werden. Es gelten definierte Voraussetzungen.
Österreich (AT)
Die Abdeckung hängt vom Angebot und Versicherungsträger ab. Das öffentliche Gesundheitsportal beschreibt medikamentöse Entwöhnung als im Regelfall nicht erstattet; die persönliche Auskunft des Trägers klärt aktuelle Ausnahmen.
Frage
Selbstbehalt und laufende Kosten
Schweiz (CH)
Kostenbeteiligung hängt von Versicherung und Leistung ab. Für selbst bezahlte Produkte und Kurse einen aktuellen Gesamtbetrag bei Apotheke oder Anbieter einholen.
Deutschland (DE)
Innerhalb der Leistung gelten die jeweiligen Versicherungs- und Zuzahlungsregeln. Bei fehlendem Anspruch entstehen private Kosten; Programm und Arzneimittel getrennt erfragen.
Österreich (AT)
Je nach Beratungsangebot kann ein Selbstbehalt anfallen. Arzneimittelkosten sowie allfällige Bewilligungen vorab mit Apotheke und Träger klären.
Frage
Öffentliche Programme und kostenlose Erstberatung
Schweiz (CH)
stopsmoking: 0848 000 181, kostenlose anonyme Telefon-, Online- und Videoberatung; kantonale Lungenligen bieten individuelle Beratung und Gruppen an.
Deutschland (DE)
BIÖG: 0800 8 31 31 31, kostenlos; geeignete Präventionskurse und bestimmte digitale Programme können über die Krankenkasse gefunden werden.
Österreich (AT)
Rauchfrei Telefon: 0800 810 013, kostenlos; Beratung und Entwöhnungsangebote über Sozialversicherung und regionale Stellen.
Frage
Reha und weitere Hilfen
Schweiz (CH)
Bei Lungenerkrankung oder anderer behandlungsbedürftiger Erkrankung ist die passende Versorgung gesondert abzuklären. Ein Konsumprodukt begründet keine Reha-Leistung.
Deutschland (DE)
Bei bestehenden Erkrankungen kann Entwöhnung in deren Behandlung eingebunden werden. Eine zusätzliche Reha-Indikation und die zuständige Finanzierung benötigen eigene Beurteilung.
Österreich (AT)
Bei starker Abhängigkeit kann unter bestimmten Voraussetzungen eine stationäre Entwöhnung bewilligt werden. Überweisung und Bewilligung werden individuell geklärt.
Frage
Wer beurteilt Arzneimittel?
Schweiz (CH)
Swissmedic ist für Arzneimittelzulassung zuständig; das BAG für die Spezialitätenliste und weitere Vergütungsfragen.
Deutschland (DE)
Arzneimittelzulassung je nach Verfahren über nationale Stellen oder EU-Verfahren; der G-BA regelt die genannten Voraussetzungen der GKV-Verordnung.
Österreich (AT)
Das BASG ist die nationale Arzneimittelbehörde; EU-Verfahren können ebenfalls relevant sein. Versicherungsträger entscheiden über individuelle Leistungsfragen.
Frage
Wer regelt Konsumprodukte?
Schweiz (CH)
Tabakproduktegesetz und Vollzug durch zuständige Behörden; Abgabe von Tabak- und erfassten Nikotinprodukten an unter 18-Jährige verboten.
Deutschland (DE)
Tabakrecht und zuständige Vollzugsbehörden; tabakhaltiger Snus darf nicht in Verkehr gebracht werden. Tabakfreie Nikotinbeutel werden gesondert lebensmittelrechtlich beurteilt.
Österreich (AT)
TNRSG und Vollzugsbehörden; tabakhaltiger Snus darf nicht in Verkehr gebracht werden. Die 2026 geänderten Regeln erfassen tabakfreie Nikotinerzeugnisse ausdrücklich, mit Übergangsbestimmungen.

Quellen für Versorgung und Erstattung: stopsmoking: Beratungsangebot, Lungenliga: Rauchstopp, BAG: Leistungen und Tarife, BAG: Arzneimittel und Kostenbeteiligung, G-BA: Entwöhnungsmedikamente, Österreichisches Gesundheitsportal: Angebote und Kostenabdeckung. Das österreichische Gesundheitsportal weist für seinen Kostenabschnitt eine Aktualisierung von 2020 aus; verbindliche aktuelle Zusagen erteilt der zuständige Träger.

Quellen für Produktrecht und Zuständigkeiten: BAG: Umsetzung des Tabakproduktegesetzes, Deutschland: Tabakerzeugnisgesetz, Paragraf 11, Bayerisches LGL: Nikotinbeutel, Österreich: Aktuelle Fassung des TNRSG, Swissmedic, BASG.

Was die deutsche Erstattungsregel konkret bedeutet

Der G-BA ermöglicht eine GKV-Verordnung von Nikotin oder Vareniclin bei schwerer Tabakabhängigkeit, wenn ein evidenzbasiertes Entwöhnungsprogramm dazugehört. Eine ärztlich festgestellte schwere Abhängigkeit ist Voraussetzung. Der G-BA nennt dazu unter anderem eine ausgeprägte Zigarettenabhängigkeit oder einen trotz entsprechender Risikokonstellation nicht gelungenen Tabakverzicht. G-BA: Anspruchsvoraussetzungen

Die Regel ist keine allgemeine Kostenübernahme für E-Zigaretten, Tabakerhitzer, Snus oder Nikotinbeutel. Auch die gleichzeitige Verordnung von Nikotin und Vareniclin ist nach dieser Regel ausgeschlossen. Drei Monate nach Beginn beurteilt die Praxis die weitere Notwendigkeit. Nach einem späteren Rückfall entsteht frühestens nach drei Jahren erneut ein Anspruch. Betroffene sollten deshalb schon vor dem Kursstart mit der Praxis und Krankenkasse klären, ob Programm und Behandlung die Voraussetzungen erfüllen. G-BA: Verordnung und Programme

Warum das Herkunftsland bei Snus und Nikotinbeuteln zählt

In der Schweiz fallen Snus und tabakfreie orale Nikotinprodukte unter die einschlägigen Produktregeln. Verkaufsmöglichkeit und Warnhinweise sind kein Wirksamkeitsnachweis als Medikament. In Deutschland und Österreich ist das Inverkehrbringen von Tabak zum oralen Gebrauch verboten. Das betrifft den Verkauf beziehungsweise das Inverkehrbringen; Besitz und privater Konsum sind gesonderte Rechtsfragen. Tabakfreie Nikotinbeutel fallen nicht allein deshalb unter dieselbe Regel, weil sie ähnlich aussehen. BAG: Tabakproduktegesetz, Deutschland: Paragraf 11 TabakerzG, Österreich: TNRSG

Das Bayerische LGL beurteilt tabakfreie Nikotinbeutel lebensmittelrechtlich und berichtet, dass die von ihm geprüften Produkte nicht verkehrsfähig waren. Ein sichtbares Onlineangebot belegt deshalb keine zulässige Vermarktung. In Österreich hat eine Änderung von 2026 tabakfreie Nikotinerzeugnisse ausdrücklich in das TNRSG aufgenommen; wesentliche Bestimmungen gelten seit August 2026, mit Übergangsregeln. Eine ältere Beschreibung als ungeregelte Produktkategorie trifft diese Entwicklung nicht. Für die persönliche Entwöhnung helfen reguläre Beratungs- und Arzneimittelwege, statt aus dem Angebot eines ausländischen Shops rechtliche oder medizinische Schlüsse zu ziehen. LGL: Untersuchung von Nikotinbeuteln, Österreichisches Ministerium: Nationale Rechtsgrundlagen

Spezialisten finden

Für einen ersten Rauchstoppversuch kann die Hausarztpraxis den Konsum, die Erkrankungen und geeignete Unterstützung besprechen. Bei anhaltenden Schwierigkeiten kommt eine spezialisierte Tabakentwöhnungs- oder suchtmedizinische Beratung infrage. Menschen mit Lungenerkrankungen können die Pneumologie einbeziehen. Bei psychischen Erkrankungen sollte die Entwöhnung mit der bestehenden psychiatrischen Behandlung abgestimmt werden, insbesondere wenn der Rauchstopp Arzneimittelspiegel verändern kann. WHO: Entwöhnungsleitlinie, NHS SPS: Rauchen und Medikamente

In der Schweiz bietet stopsmoking einen unmittelbaren Einstieg unter 0848 000 181. Die Beratung ist kostenlos und anonym; telefonische Gespräche sind Montag bis Freitag von 11 bis 19 Uhr möglich. Online- und Videoberatung ergänzen das Angebot. Die kantonale Lungenliga kann über Angebote vor Ort informieren. Fragen zum Ausstieg sind auch dann möglich, wenn bereits E-Zigaretten, Snus oder andere Nikotinprodukte verwendet werden. stopsmoking: Telefonberatung, stopsmoking: Häufige Fragen, Lungenliga: Angebote

In Deutschland berät das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit kostenlos unter 0800 8 31 31 31. Die Telefonberatung begleitet die Ausstiegsphase und bietet unter anderem Rückrufe an. Über die Krankenkasse lässt sich nach einem geeigneten Kurs oder digitalen Programm fragen. Ein allgemeines Rauchstoppangebot und ein Programm, das die Voraussetzungen für eine Arzneimittelerstattung erfüllt, können unterschiedliche Anforderungen haben. BIÖG: Telefonberatung, G-BA: Programme

In Österreich ist das Rauchfrei Telefon unter 0800 810 013 kostenlos erreichbar. Das Angebot hilft beim Planen und Durchhalten des Rauchstopps und kann auf weitere Stellen verweisen. Die Sozialversicherung informiert über ambulante Angebote; bei Bedarf kann die Hausarztpraxis die zusätzliche medizinische Behandlung koordinieren. Kosten und Teilnahmebedingungen sollten beim ausgewählten Angebot konkret erfragt werden. Österreichische Sozialversicherung: Rauchfrei Telefon, Rauchfrei Telefon: Schritte zum Rauchstopp

Das Gespräch und das Budget vorbereiten

Bringen Sie eine Liste Ihrer Medikamente und der bisherigen Entwöhnungsversuche mit. Verpackung oder Produktbezeichnung helfen, wenn unklar ist, ob ein Beutel Tabak enthält oder welche Art von Nikotinprodukt verwendet wird. Ein ehrliches Protokoll mit sämtlichen Produkten verhindert, dass gelegentliche Zigaretten oder zusätzliche Beutel im Gespräch untergehen. Fragen Sie, wie Beschwerden nach dem Stopp eingeordnet werden sollen und wie die Praxis bei einer Anpassung erreichbar ist.

Für die Kostenplanung lassen sich Beratung, Arzneimittel und weiterlaufende Konsumausgaben getrennt notieren. Fragen Sie nach dem Gesamtpreis für den vereinbarten Zeitraum und nach Bedingungen der Kostenübernahme. Bei einem Gruppenangebot können zusätzlich Fahrtkosten oder Zeit für Termine anfallen. Ein Preis pro Packung erklärt noch nicht, was der gesamte Ausstiegsversuch kostet. Der Ausgabenrechner im Abschnitt Downloads kann tatsächliche Ausgaben darstellen; er bewertet weder die gesundheitliche Sicherheit eines Produkts noch den erwarteten Behandlungserfolg.

Legen Sie für den ersten Kontakt eine konkrete Frage fest, beispielsweise: «Ich rauche weiterhin neben Nikotinbeuteln. Wie kann ich die verbleibenden Zigaretten beenden?» Oder: «Beim letzten Versuch habe ich wegen Übelkeit abgebrochen. Welche Behandlung passt diesmal?» Mit einer solchen Ausgangslage kann die Beratung direkt an den bisherigen Verlauf anknüpfen. Die öffentlichen Telefonnummern oben sind auch für diesen ersten Schritt gedacht.

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Studien & Updates

Aktuelle Evidenz

Aktuelle Evidenz

Bei einer Untersuchung zum Rauchstopp zählt, ob Menschen über längere Zeit keine Zigaretten mehr rauchen. Bei einer Untersuchung zur Schadstoffaufnahme zählt, was sich beispielsweise im Blut oder Urin verändert. Eine Unternehmensbilanz beschreibt wiederum Umsätze.

Die sechs Studien beziehungsweise systematischen Übersichten und zwei Updates entsprechen dem Wissensstand vom 5. Oktober 2026. Ein relativer Vorteil gegenüber Zigaretten ist kein Sicherheitsversprechen gegenüber Nichtkonsum.

Studie 1: Nikotinhaltige E-Zigaretten und Rauchstopp

Cochrane, 2026-08-26. Lindson und Mitarbeitende, «Electronic cigarettes for smoking cessation», Version pub11.

Die Übersicht enthält 80 abgeschlossene randomisierte Studien mit 29'861 Personen; im direkten Vergleich von nikotinhaltigen E-Zigaretten mit Nikotinersatz waren elf Studien mit 4114 Personen auswertbar und ergaben für mindestens sechsmonatige Rauchabstinenz ein relatives Risiko von 1,61 (95%-Konfidenzintervall 1,23 bis 2,12). Das entspricht modelliert etwa vier zusätzlichen Rauchstopps je 100 Personen, mit einem Unsicherheitsbereich von einem bis sieben zusätzlichen Rauchstopps und hoher Evidenzsicherheit für diesen Vergleich. Schwere unerwünschte Ereignisse waren selten und gegenüber Nikotinersatz wahrscheinlich ähnlich häufig, doch grössere und längere Studien sind für die langfristige Sicherheit erforderlich. Aktueller Review im Volltext.

Studie 2: Schweizer ESTxENDS-Studie

NEJM, 2024-02-14. Auer und Mitarbeitende, «Electronic Nicotine-Delivery Systems for Smoking Cessation».

1246 Erwachsene mit Aufhörwunsch wurden zufällig einer Gruppe mit kostenlosen E-Zigaretten und Beratung oder einer Kontrollgruppe mit Beratung und Gutschein zugeteilt; nach sechs Monaten waren 180 von 622 Personen (28,9%) gegenüber 102 von 624 (16,3%) kontinuierlich und biochemisch bestätigt rauchabstinent. Die absolute Differenz betrug 12,6 Prozentpunkte, während die selbst berichtete Abstinenz von jeglichem Nikotin in der E-Zigaretten-Gruppe seltener war (20,1% gegenüber 33,7%). Die offene Durchführung, kostenlose Produkte und sechs Monate Beobachtung begrenzen die Übertragung auf andere Versorgungssituationen und Aussagen zu späteren Erkrankungen. Originalstudie.

Studie 3: Aufhörversuche im englischen Alltag

JAMA Network Open, 2025-01-17. Jackson und Mitarbeitende, Auswertung des Smoking Toolkit Study.

Unter 25'094 Befragten mit einem Aufhörversuch im Vorjahr waren E-Zigaretten (adjustierte Odds Ratio 1,95), Vareniclin (1,80) und Tabakerhitzer (2,37) mit häufiger berichteter Rauchabstinenz verbunden; die Tabakerhitzer-Schätzung beruhte jedoch auf nur 72 Personen und hatte ein breites 95%-Konfidenzintervall von 1,24 bis 4,51. Für Nikotinbeutel, genutzt von 84 Personen, ergab sich keine klare positive Assoziation (Odds Ratio 1,21, Intervall 0,70 bis 2,07). Selbstbericht, unterschiedliche Abstinenzdauer und fehlende zufällige Zuteilung erlauben keine Rangliste, nach der Tabakerhitzer wirksamer als Vareniclin wären. Originalstudie.

Studie 4: Was Tabakerhitzer-Messungen belegen

Cochrane, 2022-01-06. Tattan-Birch und Mitarbeitende, «Heated tobacco products for smoking cessation and reducing smoking prevalence».

Die damalige Übersicht fand keine eingeschlossene Studie, die einen Rauchstopperfolg untersuchte; beim Wechsel von Zigaretten auf Tabakerhitzer fiel die Aufnahme bestimmter Schadstoffe niedriger aus, gegenüber angestrebter Tabakabstinenz teilweise höher. Die randomisierten Untersuchungen waren tabakindustriefinanziert und lieferten keine belastbare Entscheidung über gesundheitliche Sicherheit. Ein späterer unabhängiger systematischer Review von Braznell und Mitarbeitenden, online am 29. April 2025 und in der Druckausgabe vom 31. Mai 2026, beschreibt weiterhin kurze Beobachtungszeiten, uneinheitliche Messgrössen und fehlende validierte Biomarker zur Vorhersage späterer Tabakerkrankungen. Cochrane-Review 2022, Review in Tobacco Control.

Studie 5: Medikamente im Vergleich

Cochrane, 2023-09-12. Lindson und Mitarbeitende, «Pharmacological and electronic cigarette interventions for smoking cessation in adults: component network meta-analyses».

Die Netzwerkmetaanalyse wertete 319 randomisierte Studien mit 157'179 Personen aus und fand gegenüber Kontrolle hohe Evidenzsicherheit für Rauchstoppeffekte von Vareniclin, Cytisin, Nikotinpflaster, kurz wirksamem Nikotinersatz, Bupropion und nikotinhaltigen E-Zigaretten. Modelliert ergaben sich für Vareniclin etwa acht zusätzliche Rauchstopps je 100 Personen; kombinierter Nikotinersatz aus Pflaster und kurz wirksamer Form lag im Bereich der wirksameren Optionen, wobei dessen Effekt im Modell additiv berechnet wurde. Die Recherche endete am 29. April 2022, Schwangere waren ausgeschlossen und indirekte Vergleiche ersetzen weder individuelle Arzneimittelwahl noch aktuelle Prüfung von Zulassung und Verfügbarkeit. Cochrane-Netzwerkmetaanalyse.

Studie 6: Nikotinbeutel als Ausstiegshilfe

Cochrane, 2025-10-24. Hartmann-Boyce und Mitarbeitende, «Oral nicotine pouches for cessation or reduction of use of other tobacco or nicotine products».

Vier Studien umfassten 284 Personen, die anfangs rauchten, und die längste Beobachtung dauerte acht Wochen; drei Studien waren unabhängig finanziert, eine durch einen Tabakhersteller. Ob tabakfreie Nikotinbeutel gegenüber keiner Unterstützung oder fortgesetztem Rauchen mehr Rauchstopps ermöglichen, blieb offen. In drei Studien mit entsprechender Erfassung traten keine schweren unerwünschten Ereignisse auf, doch kleine Stichproben und kurze Beobachtung erlauben weder eine Langzeitsicherheitszusage noch die Einstufung als bewiesene Rauchstopptherapie. Cochrane-Review.

Behördenupdate 7: US-Entscheidungen gelten für benannte Produkte

FDA, 2024-11-07, 2026-04-17 und 2026-06-30.

Die US-Behörde verlängerte für fünf konkret benannte IQOS-Produkte Aussagen über geringere Schadstoffexposition bei vollständigem Wechsel und für acht General-Snus-Produkte Aussagen zu niedrigeren Risiken bestimmter Erkrankungen gegenüber Zigaretten. Im Juni 2026 erhielten auch 20 benannte ZYN-Nikotinbeutel mit 3 oder 6 mg eine produktspezifische Erlaubnis für Aussagen zu niedrigeren Risiken der genannten Erkrankungen gegenüber Zigaretten, befristet auf fünf Jahre und verbunden mit Nachbeobachtung. Diese Entscheidungen sind keine Rauchstopp-Arzneimittelzulassungen, keine allgemeine Freigabe sämtlicher Tabakerhitzer oder Beutel und keine Entscheidung über deren Vertrieb in CH, DE oder AT. IQOS-Entscheidung, General-Snus-Entscheidung, ZYN-Entscheidung.

Unternehmensupdate 8: PMI wächst mit rauchfreien Produkten und verkauft weiter Zigaretten

Philip Morris International, Geschäftsjahr 2025, Bericht veröffentlicht 2026.

PMI weist für 2025 einen Anteil seines als rauchfrei bezeichneten Geschäfts am Nettoumsatz von 41,5% aus, entsprechend knapp USD 17 Milliarden bei mehr als USD 40 Milliarden Gesamtumsatz. Laut Jahresbericht sank das Zigaretten-Liefervolumen um 1,5%, während die rauchfreien Liefervolumina um 12,8% stiegen. Die Zahlen beschreiben die Unternehmensentwicklung, sie belegen weder das Ende des Zigarettengeschäfts noch einen bestimmten gesundheitlichen Nutzen der verkauften Produkte. PMI-Jahresergebnis 2025, PMI-Jahresbericht.

Die Schweizer Übersicht von Liakoni, Christen und Benowitz vom 4. November 2024 ergänzt diese Befunde um die klinische Beratung. Die Autoren empfehlen zunächst zugelassene Entwöhnungsbehandlungen, differenzierte Kommunikation über alternative Nikotinprodukte und die Vermeidung anhaltenden Parallelkonsums; sie beschreiben eine mögliche zusätzliche Rolle von E-Zigaretten, deutlich weniger klinische Evidenz für Tabakerhitzer und Beutel sowie fehlende lange Sicherheitsbeobachtung. Die narrative Übersicht enthält keinen eigenen randomisierten Produktvergleich und legt Tätigkeiten ihrer Autoren in Forschung, Beratung und Begutachtung offen. Swiss Medical Weekly, Originalübersicht.

Eine absolute Differenz von 12,6 Prozentpunkten bedeutet im genannten Schweizer Versuch rund 13 zusätzliche rauchabstinente Personen je 100 Behandelte. Sie bedeutet weder 13% weniger Krebs noch eine persönliche Erfolgswahrscheinlichkeit von 13%. Das relative Risiko von 1,77 beschreibt das Verhältnis der beiden Rauchstoppquoten, 28,9 geteilt durch 16,3. Beide Angaben beziehen sich auf denselben Versuch, machen aber unterschiedliche Teile des Ergebnisses sichtbar.

Auch eine Odds Ratio von 2,37 bedeutet nicht, dass 237% der Befragten aufhören oder dass sich eine persönliche Chance exakt verdoppelt. Odds vergleichen das Verhältnis von Ereignissen zu Nicht-Ereignissen. Bei einer Befragung können ausserdem Motivation, frühere Versuche oder Unterschiede in der Betreuung mitbestimmen, wer welches Hilfsmittel nutzt. Statistische Anpassung verringert manche Verzerrungen, beseitigt aber nicht jede unbekannte Ursache.

Für das Gespräch zählt, ob Personengruppe und Behandlung zu Ihrer Situation passen. Für Rauchende und Menschen, die nach dem Rauchstopp nur noch Beutel verwenden, stellen sich unterschiedliche Fragen.

Vertiefende Fachbeiträge auf medizinonline behandeln die englischen Alltagsdaten, die Schweizer Übersicht und die hausärztliche Beratung. Die Fachtexte können eine Anmeldung als medizinische Fachperson voraussetzen.

Services

FAQ, Glossar & Downloads

Häufige Fragen

Ist ein Tabakerhitzer wirklich gesünder als Rauchen?+

Beim vollständigen Wechsel können einzelne Schadstoffbelastungen sinken. Daraus lässt sich bisher kein verlässlicher persönlicher Prozentsatz weniger Krebs, COPD oder Herzinfarkte berechnen. Tabakerhitzer enthalten Tabak, geben Nikotin ab und erzeugen ein inhalierbares Aerosol. Wer sie mit weitergerauchten Zigaretten kombiniert, behält die Rauchbelastung. Eine geringere Exposition ist daher ein engeres Ergebnis als nachgewiesen weniger Erkrankungen. Besprechen Sie Ihren Aufhörwunsch und mögliche Behandlungen mit einer Fachperson, insbesondere bei bestehenden Atemwegs- oder Herzerkrankungen. Cochrane zu Tabakerhitzern, WHO zu Tabakerhitzern.

Sind Snus und Nikotinbeutel dasselbe?+

Snus enthält Tabak. Tabakfreie Nikotinbeutel enthalten Nikotin ohne Tabakblatt und werden ähnlich im Mund verwendet. Verkaufsbegriffe wie «White Snus» können die Unterscheidung verdecken. Lesen Sie deshalb die Zutaten und besprechen Sie das tatsächlich verwendete Produkt, statt allein seinen Namen zu nennen. Beide Kategorien können eine Nikotinabhängigkeit aufrechterhalten. Nikotinbeutel können auch ohne Tabak erhebliche Nikotinmengen liefern. Zugelassene Nikotinersatz-Arzneimittel wie Pflaster oder Kaugummi gehören zu einer weiteren Kategorie mit eigenem therapeutischem Nachweis. Die Kategorien unterscheiden sich zudem rechtlich. BfR-Bewertung von Nikotinbeuteln, BAG-Produktregeln.

Bringt der Umstieg etwas, wenn ich trotzdem ein paar Zigaretten rauche?+

Weniger Zigaretten können ein Schritt zu Ihrem Rauchstopp sein. Ein dauerhaftes Nebeneinander ersetzt den vollständigen Ausstieg aus Zigaretten aber nicht. Gerade das Herz-Kreislauf-Risiko sinkt nicht im gleichen Verhältnis wie die Zigarettenzahl; wenige Zigaretten bleiben relevant. Schreiben Sie eine Woche lang auf, welche Zigaretten noch vorkommen und in welcher Situation. Daraus lässt sich ein Plan für diese verbleibenden Situationen entwickeln, beispielsweise mit Beratung und passender Behandlung. Rechnen Sie aus einer Halbierung der Zigarettenzahl keine Halbierung Ihres Krankheitsrisikos. BMJ-Metaanalyse zum geringen Zigarettenkonsum, WHO-Behandlungsleitlinie.

Was ist schlimmer, Nikotin oder der Rauch?+

Zigarettenrauch enthält zahlreiche schädliche Verbrennungsprodukte. Nikotin trägt zur Abhängigkeit bei und hat eigene Wirkungen auf den Körper. Das erklärt, warum Nikotinersatz-Arzneimittel beim Rauchstopp helfen können, ohne die Rauchbelastung einer Zigarette zu erzeugen. Es macht Nikotinprodukte jedoch nicht gesundheitlich unbedenklich. Schwangerschaft, jugendliches Alter und bestehende Erkrankungen verändern die Abwägung. Bei Beuteln kann die aufgenommene Nikotinmenge hoch sein. Ein Produktwechsel sollte deshalb mit einem konkreten Ziel und einer Verlaufskontrolle verbunden werden. WHO zur Entwöhnungsbehandlung, BfR zur Nikotinaufnahme aus Beuteln.

Will Philip Morris die Zigarette wirklich abschaffen?+

Philip Morris International erklärt, sein Geschäft auf rauchfreie Produkte umzustellen. Der Bericht für 2025 zeigt bereits 41,5% des Nettoumsatzes in dieser Kategorie, zugleich besteht ein umfangreiches Zigarettengeschäft weiter. «Rauchfrei» bezeichnet dabei auch fortgesetzten Konsum von Tabak oder Nikotin ohne Zigarettenrauch. PMI hat ein wirtschaftliches Interesse am Verkauf seiner Produkte. Für persönliche Entscheidungen sollten deshalb unabhängige Studien, Behördenbewertungen und die Grenzen der jeweiligen Daten mitberücksichtigt werden. Eine Konzernstrategie kann einen gesundheitlichen Nachweis für ein bestimmtes Produkt nicht ersetzen. PMI-Jahresergebnis.

Was sagt die Lungenliga dazu, und hilft sie mir beim Aufhören?+

Die kantonalen Lungenligen bieten individuelle Rauchstoppberatung und Gruppenangebote. Die Lungenliga Schweiz gehört zu den Organisationen, die im gemeinsamen Standpunkt vom September 2025 den vollständigen Ausstieg und die Verhinderung des Einstiegs betonen sowie eine strenge Regulierung von Tabakerhitzern fordern. Das ist keine Empfehlung, auf ein bestimmtes PMI-Produkt zu wechseln. Beratung kann Ihnen helfen, bisherige Versuche auszuwerten und die nächsten Schritte zu planen. Sie müssen vor dem Kontakt noch keine Methode ausgewählt haben. Rauchstoppangebote der Lungenliga, Gemeinsamer Schweizer Standpunkt 2025.

Darf ich in der Schwangerschaft auf Beutel oder E-Zigaretten wechseln, und was gilt für Jugendliche?+

Schwangere sollten früh professionelle Rauchstoppunterstützung erhalten. Ein Konsumprodukt lässt sich nicht als sichere Ausweichlösung empfehlen. Nikotinersatz kann nach individueller fachlicher Abwägung infrage kommen; die Auswahl gehört in die betreuende Praxis. Jugendliche und Menschen, die bisher nicht rauchen, sollten keine alternativen Nikotinprodukte beginnen. Besteht bereits eine Abhängigkeit, sind Unterstützung und eine passende Behandlung sinnvoll, ohne Vorwürfe oder Produktwerbung. Medikamente für Erwachsene dürfen nicht eigenständig auf Jugendliche übertragen werden. NICE zu Schwangerschaft und Stillzeit, BAG zu Jugendlichen und E-Zigaretten.

Wie unterscheiden sich Verkauf und Behandlung in CH, DE und AT?+

Eine Verkaufsregel besagt nicht, dass ein Produkt als Entwöhnungsmedikament zugelassen ist. In der Schweiz erfasst das Tabakproduktegesetz auch orale Nikotinprodukte und verbietet die Abgabe an unter 18-Jährige. In Deutschland und Österreich ist das Inverkehrbringen von tabakhaltigem Oraltabak wie Snus verboten. Tabakfreie Beutel haben eigene Regeln: Deutschland beurteilt sie lebensmittelrechtlich, Österreich hat sie 2026 ausdrücklich ins Tabak- und Nichtraucherinnen- beziehungsweise Nichtraucherschutzgesetz aufgenommen. Ein Onlineangebot beweist keine rechtmässige Vertriebsfähigkeit. Fragen zu Arzneimitteln und deren Erstattung klären Sie separat mit Praxis, Apotheke und Versicherung. BAG, Deutsches Gesetz, LGL zu Beuteln, Österreichisches TNRSG.

Wie gehe ich nach einem Rückfall weiter vor?+

Notieren Sie, wann Sie wieder geraucht haben, was davor geschah und welche Unterstützung gefehlt hat. Ein erneuter Versuch kann mit einem angepassten Plan beginnen. Vereinbaren Sie möglichst zeitnah einen Beratungstermin und sprechen Sie offen über Ihre bisherigen Hilfsmittel, unerwünschte Wirkungen und Alltagshürden. Wurde eine Behandlung beendet, setzen Sie Arzneimittel nicht eigenständig neu oder anders dosiert ein. Für den nächsten Termin genügt eine konkrete Frage, etwa wie Sie die Zigaretten am Feierabend ersetzen können. Unterstützung gibt es auch telefonisch. Schweiz: stopsmoking, Deutschland: BIÖG, Österreich: Rauchfrei Telefon.

Wo finde ich Hilfe, wenn die Belastung zur Krise wird?+

Bei Suizidgedanken holen Sie sofort Unterstützung. Schweiz: Die Dargebotene Hand 143, für Jugendliche Pro Juventute 147, bei unmittelbarer Gefahr Notruf 144. Deutschland: TelefonSeelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, bei unmittelbarer Gefahr 112. Österreich: TelefonSeelsorge 142, für Jugendliche Rat auf Draht 147, bei unmittelbarer medizinischer Gefahr 144. Bleiben Sie bei akuter Gefahr möglichst in Kontakt mit einer vertrauten Person, bis Hilfe eintrifft. Auch schwere neue Atemnot, starke Brustschmerzen oder Bewusstlosigkeit verlangen sofortige Notfallhilfe. CH-Krisenhilfe, DE-TelefonSeelsorge, AT-TelefonSeelsorge.

Glossar

Harm Reduction
Schadensminderung bei fortgesetztem Konsum. Beim Tabak bezieht sich die Abwägung für bereits rauchende Erwachsene auf die Schäden des Weiterrauchens.
Rauchabstinenz
Verzicht auf das Rauchen von Zigaretten. Nikotin kann dabei weiterhin über andere Produkte aufgenommen werden.
Nikotinabstinenz
Verzicht auf Nikotin aus allen Quellen. Sie ist ein anderes Ergebnis als Rauchabstinenz.
Tabakerhitzer
Gerät, das Tabak erhitzt und ein inhalierbares Aerosol erzeugt. Die englische Abkürzung HTP steht für Heated Tobacco Product.
E-Zigarette
Gerät, das ein Liquid zu einem Aerosol erhitzt. Es enthält kein Tabakblatt und kann Nikotin enthalten.
Snus
Tabakhaltiges Produkt zum oralen Gebrauch. Es wird von tabakfreien Nikotinbeuteln unterschieden.
Nikotinbeutel
Portion mit Nikotin ohne Tabakblatt, die im Mund verwendet wird. «Tabakfrei» beschreibt die Zusammensetzung, keine gesundheitliche Unbedenklichkeit.
Nikotinersatz
Arzneimittel, die beim Aufhören Nikotin ohne Zigarettenrauch bereitstellen, beispielsweise als Pflaster. Konsum-Nikotinbeutel sind damit nicht gleichzusetzen.
Dual Use
Parallelkonsum, etwa von Zigaretten und E-Zigaretten. Für die Beratung zählt, welche Produkte tatsächlich wie häufig verwendet werden.
Biomarker
Messbarer biologischer Wert, beispielsweise ein Schadstoff-Abbauprodukt im Urin. Seine Veränderung belegt nicht automatisch eine bestimmte Veränderung des Krankheitsrisikos.
Randomisierte Studie
Untersuchung mit zufälliger Zuteilung zu Vergleichsgruppen. Sie verringert den Einfluss systematischer Gruppenunterschiede auf einen Behandlungsvergleich.
Konfidenzintervall
Statistischer Unsicherheitsbereich um eine Schätzung. Ein breites Intervall, beispielsweise in einer kleinen Produktgruppe, lässt mehr Spielraum für den tatsächlichen Effekt.

Downloads & Tools

Die Fragenliste und das Tagebuch können Sie aus diesem Text kopieren oder ausdrucken. Die zwei Rechner sind vollständig beschriebene Vorschläge für eine spätere Umsetzung; auf dieser Seite stehen keine bereits freigeschalteten interaktiven Rechner bereit. Sie rechnen ausschliesslich mit selbst eingegebenen Konsum- und Kostendaten.

Fragenliste für das Beratungsgespräch

Wählen Sie die Fragen, die zu Ihrer Situation passen. Bringen Sie nach Möglichkeit eine Liste Ihrer Medikamente und die Verpackung oder ein Foto der Produkte mit, die Sie verwenden. Die folgenden Fragen sind eigene Gesprächshilfen, kein validierter Abhängigkeitstest und keine Wiedergabe eines lizenzierten Fragebogens.

  1. Wie können wir meinen heutigen Zigarettenkonsum und meinen zusätzlichen Konsum von Tabakerhitzern, E-Zigaretten, Snus oder Beuteln getrennt erfassen?
  2. Welches Ziel vereinbaren wir zuerst: keine Zigaretten mehr, kein Tabak mehr oder kein Nikotin mehr, und wann besprechen wir den nächsten Schritt?
  3. Welche meiner bisherigen Aufhörversuche geben Hinweise darauf, welche Begleitung diesmal besser zu meinem Alltag passt?
  4. Welche zugelassenen Entwöhnungsbehandlungen kommen angesichts meiner Erkrankungen und meiner aktuellen Medikamente für mich infrage?
  5. Welche Vorteile und häufigen unerwünschten Wirkungen sind bei diesen Behandlungen für meine Situation zu erwarten?
  6. Muss meine bisherige Medikation nach dem Rauchstopp kontrolliert werden, und welche Praxis übernimmt diese Kontrolle?
  7. Wie können wir starkes Rauchverlangen am Morgen, bei der Arbeit oder nach dem Essen konkret auffangen?
  8. Falls ich bereits ein alternatives Konsumprodukt verwende: Welche Belege gelten für genau diese Produktkategorie und welche Aussagen lassen sich darauf nicht übertragen?
  9. Wie vermeiden wir, dass der Wechsel in einen dauerhaften Parallelkonsum mit Zigaretten mündet?
  10. Woran erkennen wir im Verlauf, ob der vereinbarte Plan funktioniert, und wann vereinbaren wir die erste Rückmeldung?
  11. Welche Beschwerden sollte ich zeitnah melden und welche verlangen sofortige medizinische Hilfe?
  12. Wie berücksichtigen wir Schwangerschaft, Stillzeit oder meinen Kinderwunsch bei der Behandlung?
  13. Wie kann ich meine Wohnung, mein Auto und den Kontakt zu Kindern rauch- und aerosolfrei gestalten?
  14. Wie bewahre ich Nikotinprodukte auf, damit Kinder oder andere Personen sie nicht versehentlich verwenden oder verschlucken?
  15. Welche individuellen, telefonischen oder Gruppenangebote sind an meinem Wohnort erreichbar?
  16. Welche Kosten übernimmt meine Versicherung tatsächlich und welche Behandlungskosten bleiben bei mir?
  17. Wie gehen wir vor, wenn ich wieder eine Zigarette rauche oder die Behandlung wegen Beschwerden beende?
  18. Wenn ich stabil keine Zigaretten mehr rauche: Wann und wie besprechen wir eine spätere Verringerung oder Beendigung des verbleibenden Nikotinkonsums?

Notieren Sie nach dem Termin den nächsten Schritt, die Kontaktstelle und das Datum der Rückmeldung. Beschreiben Sie, welche Produkte Sie heute einzeln oder nebeneinander verwenden.

Tagebuch für Zigaretten, andere Produkte und Rauchverlangen

Führen Sie zunächst sieben Tage lang pro Konsumsituation oder starkem Verlangen eine Zeile. Wenn Sie sich gegen eine Zigarette entschieden haben, gehört auch das ins Tagebuch. Verwenden Sie bei jedem Produkt dieselbe Einheit und zählen Sie am Abend die Zigaretten zusammen. E-Zigaretten-Sitzungen, Milliliter Liquid, Beutel und Tabaksticks werden in getrennten Spalten dokumentiert. Ihre Mengen sind keine austauschbaren Nikotindosen.

Datum und Uhrzeit
05.10.2026, 07:15
Situation und Auslöser
Kaffee vor der Arbeit
Verlangen 0 bis 10
7
Gerauchte Zigaretten
1
Anderes Produkt und Einheit
Kein anderes Produkt
Was ich versucht habe
Konsum direkt notiert
Verlangen nach etwa 10 Minuten
4
Beschwerden und Frage für die Beratung
Frage: Wie ändere ich meine Morgenroutine?
Datum und Uhrzeit
05.10.2026, 12:40
Situation und Auslöser
Pause mit rauchenden Kollegen
Verlangen 0 bis 10
6
Gerauchte Zigaretten
0
Anderes Produkt und Einheit
Kein anderes Produkt
Was ich versucht habe
Anderen Pausenort gewählt
Verlangen nach etwa 10 Minuten
3
Beschwerden und Frage für die Beratung
Keine Beschwerden
Datum und Uhrzeit
05.10.2026, 19:10
Situation und Auslöser
Ärger nach einem Telefonat
Verlangen 0 bis 10
8
Gerauchte Zigaretten
1
Anderes Produkt und Einheit
Kein anderes Produkt
Was ich versucht habe
Später eine Vertrauensperson angerufen
Verlangen nach etwa 10 Minuten
5
Beschwerden und Frage für die Beratung
Frage: Welche Hilfe passt zu dieser Situation?

Die ausgefüllten Zeilen sind ein erfundenes Anwendungsbeispiel, kein dokumentierter Verlauf. Die Skala 0 bis 10 ist eine persönliche Notizhilfe: 0 steht für kein Verlangen, 10 für das stärkste von Ihnen erlebte Verlangen. Sie liefert keine Diagnose und keinen Grenzwert für eine Medikamentendosis. Der Wert nach zehn Minuten belegt keine Ursache für eine Veränderung.

Für eine eigene Druckseite schreiben Sie die Spaltenüberschriften an den oberen Rand und lassen darunter zwölf freie Zeilen. Auf die Rückseite kommen Tagesdatum, Zigarettenzahl, andere Produkte je Einheit, Ausgaben in CHF oder EUR und Ihre Frage. Falls Sie Liquid nicht pro Situation messen können, erfassen Sie die Milliliter einmal täglich und tragen bei den Situationen nur die Anzahl der Sitzungen ein. Addieren Sie diese beiden Angaben nicht.

Nach einer Woche markieren Sie wiederkehrende Situationen. Eine Pause mit Kolleginnen oder Kollegen kann andere Unterstützung verlangen als das Verlangen kurz nach dem Aufstehen. Besprechen Sie ein oder zwei besonders häufige Situationen zuerst. Die Einträge müssen nicht lückenlos sein, um ein Gespräch zu beginnen. Schreiben Sie fehlende Tage als «nicht erfasst» auf, statt sie nachträglich mit geschätzten Nullen zu füllen.

Rechner-Vorschlag 1: Konsumkosten mit getrennten Produktzeilen

Name: «Was gebe ich derzeit aus?»

Eingaben: Währung CHF oder EUR; Zahl der betrachteten Tage; Zigaretten pro Tag; Zigaretten pro Packung; Preis einer Packung. Für jedes zusätzlich verwendete Produkt folgen eine getrennte Zeile, tägliche Menge und Preis pro dazu passender Verkaufseinheit. Beispiele sind Tabaksticks pro Packung, Beutel pro Dose oder Milliliter Liquid pro Flasche. Dazu kommen freiwillig Geräteausgaben, Beratungskosten und Arzneimittelkosten für denselben Zeitraum.

Formel: Zigarettenkosten pro Tag = Zigaretten pro Tag geteilt durch Zigaretten pro Packung mal Packungspreis. Für jede andere Produktzeile gilt dieselbe Einheitenregel: tägliche Menge geteilt durch Menge je Verkaufseinheit mal deren Preis. Gesamtkosten = Summe aller Tageskosten mal betrachtete Tage plus einmalige Ausgaben. Wenn zwei Zeiträume verglichen werden, zeigt die Differenz die rechnerische Veränderung ihrer Gesamtkosten.

Ausgabe: Betrag pro Produkt im betrachteten Zeitraum und Gesamtbetrag. Bei Parallelkonsum stehen Zigaretten und weitere Produkte gleichzeitig in der Rechnung. Ein Kostenvergleich zeigt beide Szenarien und ihre Differenz.

Rechenbeispiel: Die folgenden Preise sind frei gewählte Annahmen. Bei 15 Zigaretten täglich, 20 pro Packung und CHF 9 pro Packung entstehen CHF 6.75 pro Tag, für 30 Tage CHF 202.50. Werden im Vergleich weiterhin fünf Zigaretten täglich geraucht und acht Beutel täglich verwendet, mit 20 Beuteln je Dose zu angenommenen CHF 6, entstehen CHF 2.25 plus CHF 2.40 pro Tag, für 30 Tage CHF 139.50. Die Differenz beträgt CHF 63, bevor zusätzliche Geräte- oder Behandlungskosten berücksichtigt werden.

Interpretationsgrenzen: Die Rechnung beschreibt Ausgaben, keine gesundheitliche Gleichwertigkeit. Beutelzahl, Milliliter und Tabaksticks dürfen weder zu einer gemeinsamen Konsummenge noch zu Zigarettenäquivalenten addiert werden. Leer gelassene Kosten müssen als «nicht enthalten» erscheinen. Ein fehlender Packungspreis darf nicht stillschweigend mit null gerechnet werden. Null als bewusst eingegebene tägliche Menge ist dagegen zulässig. Packungsgrösse und Zeitraum müssen grösser als null sein, negative Eingaben werden zurückgewiesen. Währungen werden nicht ohne einen ausdrücklich angegebenen Wechselkurs gemischt.

Die anteilige Rechnung kann von den tatsächlichen Zahlungen abweichen: Eine Packung wird vollständig bezahlt, während die Formel nur die im Zeitraum verwendeten Stücke berücksichtigt. Der Ergebnistext nennt deshalb «verbrauchsbezogene Kosten». Wer Kassenbons vergleichen möchte, erfasst stattdessen die tatsächlich bezahlten Beträge für beide Zeiträume und kennzeichnet diese zweite Rechnung entsprechend.

Rechner-Vorschlag 2: Zigaretten- und Geldkonto seit dem Rauchstopp

Name: «Meine erfassten Tage ohne Zigaretten»

Eingaben: Zeitpunkt des vollständigen Zigarettenstopps; Zeitpunkt der Auswertung in derselben Zeitzone; durchschnittliche tägliche Zigarettenzahl davor; Packungsgrösse und Packungspreis. Für jeden vollständig vergangenen 24-Stunden-Zeitraum nach dem Stopp werden tatsächlich gerauchte Zigaretten eingetragen. Weitere Ausgaben für Nikotinprodukte, Behandlung oder Geräte können für denselben Zeitraum angegeben werden. Die Nutzung anderer Produkte wird separat dokumentiert und verändert die Bezeichnung «ohne Zigaretten» nicht zu «nikotinfrei».

Formel: Ganze vergangene Tage = auf die nächste ganze Zahl nach unten gerundeter Quotient aus vergangenen Stunden und 24. Vergleichsmenge = vorherige durchschnittliche Zigarettenzahl pro Tag mal ganze vergangene Tage. Rechnerische Differenz = Vergleichsmenge minus tatsächlich gerauchte Zigaretten in genau diesen Tagen. Vermiedene Zigarettenausgaben = Differenz geteilt durch Packungsgrösse mal Packungspreis. Nettodifferenz der Ausgaben = vermiedene Zigarettenausgaben minus erfasste weitere Ausgaben.

Ausgabe: Anzahl vollständig erfasster Tage ohne Zigaretten, Zahl der dokumentierten Zigaretten und rechnerische Differenz zum früheren Konsum. Zusätzlich erscheinen vermiedene Zigarettenausgaben und, bei vollständig angegebenen Zusatzkosten, die Nettodifferenz. Ein positiver Geldbetrag wird als «weniger Ausgaben» bezeichnet, ein negativer als «mehr Ausgaben».

Rechenbeispiel: Stopp am 1. Oktober um 08:00 Uhr, Auswertung am 5. Oktober um 07:59 Uhr: Drei volle 24-Stunden-Zeiträume sind vergangen. Bei zuvor 20 Zigaretten täglich ergeben sich 60 rechnerische Vergleichszigaretten. Wurden zwei Zigaretten dokumentiert, beträgt die Differenz 58. Mit den erfundenen Annahmen 20 Stück pro Packung und CHF 9 pro Packung ergibt das CHF 26.10 vermiedene Zigarettenausgaben. Nach erfassten Zusatzkosten von CHF 12 bleiben CHF 14.10 weniger Ausgaben. Ohne die zwei Zigaretten bestimmten Tagen zuzuordnen, lässt sich daraus keine Zahl vollständig rauchfreier Tage ableiten.

Interpretationsgrenzen: Das Konto stellt tatsächliche Einträge einer vereinfachten Fortschreibung des früheren Konsums gegenüber. Es berechnet weder vermiedene Erkrankungen noch zusätzliche Lebenszeit, Lungenfunktion oder Nikotindosis. Bei fehlenden Tagen erscheint «Erfassung unvollständig», nicht eine Abstinenzbestätigung. Liegt der Stoppzeitpunkt in der Zukunft, gibt es noch kein Ergebnis. Liegt der tatsächliche Konsum über der Vergleichsmenge, darf die Differenz negativ sein und wird ohne wertende Erfolgs- oder Misserfolgsmarke ausgegeben.

Ein Ausrutscher bleibt im Protokoll sichtbar. Für eine neue zusammenhängende Zeit ohne Zigaretten kann zusätzlich der Zeitpunkt der letzten Zigarette erfasst werden. Die bisherigen Einträge bleiben für das Beratungsgespräch erhalten. Alle Einträge sollten auf Wunsch einzeln korrigiert und vollständig gelöscht werden können.

Newsletter-Teaser

Neue Studien zum Rauchstopp, nachvollziehbare Produktvergleiche und Hinweise zu Beratungsangeboten werden hier mit ihren Quellen eingeordnet. Der vorgesehene Newsletter würde solche Aktualisierungen bündeln; eine Anmeldung ist in diesem Hub noch nicht verfügbar.

Diese Inhalte ersetzen keine medizinische Beratung.

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