Bericht 1
Erfolg"Ich habe nachts das Leintuch gewechselt, nicht das Nachthemd. So schlimm war es."
Regula B., 53, Winterthur (CH)
- Therapiedauer
- 9 Monate
- Therapie
- Estradiol-Pflaster 50 µg/24 h (Estradot), zweimal pro Woche gewechselt, plus mikronisiertes Progesteron 100 mg täglich zur Nacht (Utrogestan)
Angefangen hat es harmlos. Ein bisschen warm im Sitzungszimmer, ein roter Hals beim Elternabend meiner Jüngsten. Ein Jahr später kam die Hitze zwölf Mal am Tag, ich habe es gezählt, weil meine Hausärztin das so wollte. Dazu kamen die Nächte. Zwei, drei Mal pro Nacht wach, klatschnass, dann Fenster auf, dann frieren, dann liegen und an die Arbeit denken. Ich leite ein Team in der Pflege, da kann man nicht um zehn Uhr im Stationszimmer einnicken.
Ich wollte lange keine Hormone. Meine Mutter hatte in den Neunzigern welche genommen und dann nach den Schlagzeilen sofort abgesetzt, und bei uns zuhause galt das als gefährlich. Also habe ich zuerst alles andere probiert: Salbei-Tabletten, Traubensilberkerze, weniger Kaffee, keinen Wein mehr am Abend. Der Verzicht auf den Wein hat ein wenig geholfen. Der Rest kaum.
Meine Gynäkologin hat sich dann eine halbe Stunde Zeit genommen, was ich ihr hoch anrechne. Sie hat mir erklärt, dass die alte WHI-Studie vor allem ältere Frauen mit Tabletten und einem anderen Gestagen untersucht hat, und dass das Risiko stark davon abhängt, wie alt man ist, wann man beginnt und was man nimmt. Bei mir sprachen Alter, Blutdruck und Familiengeschichte nicht dagegen. Wir haben das Brustkrebsrisiko trotzdem offen besprochen, auch mit Zahlen. Das wollte ich so.
Sie hat mir das Pflaster vorgeschlagen, weil Östrogen über die Haut das Thromboserisiko nach heutigem Wissen nicht erhöht, anders als Tabletten. Und weil ich noch eine Gebärmutter habe, braucht es zusätzlich ein Gestagen, damit die Schleimhaut geschützt ist. Das Progesteron nehme ich abends als Kapsel. Es macht ein wenig schläfrig, was mir ehrlich gesagt gelegen kommt.
Die ersten zwei Wochen habe ich kaum etwas gemerkt und war schon enttäuscht. Nach etwa drei Wochen waren die Wallungen spürbar seltener, nach zwei Monaten noch eine am Tag, manchmal keine. Was mich mehr überrascht hat, war der Schlaf. Ich schlafe wieder durch, meistens jedenfalls. Mein Mann sagt, ich sei weniger gereizt. Ich sage, ich bin einfach ausgeschlafen.
Ganz ohne Ärger lief es nicht. Das Pflaster hat im Sommer zweimal nicht gehalten, nach dem Schwimmen im See. Und an einer Stelle am Bauch hatte ich einen roten, juckenden Fleck. Seit ich die Stelle wechsle und das Pflaster ans Gesäss klebe, geht es. Die Brüste waren am Anfang gespannt, wie früher vor der Periode. Das hat sich nach etwa sechs Wochen gelegt.
Ich gehe jährlich zur Kontrolle, wir schauen dann jedes Mal, ob es noch passt. Ich habe nicht vor, das ewig zu nehmen, aber ich habe mir auch kein Enddatum in den Kalender geschrieben. Das entscheide ich, wenn es so weit ist.
Meine Werte
- Hitzewallungen pro Tag: vorher 12, nach 2 Monaten 1, nach 9 Monaten 0 bis 1
- Nächtliches Erwachen wegen Schweiss: vorher 2 bis 3 Mal pro Nacht, nach 9 Monaten etwa 1 Mal pro Woche
- Schlaf am Stück: vorher etwa 3 Stunden, jetzt meist 6 bis 7 Stunden
- MRS-Score: vorher 24 (schwer), nach 3 Monaten 9, nach 9 Monaten 6
- Blutdruck: vorher 128/82 mmHg, nach 9 Monaten 126/80 mmHg
Nebenwirkungen
- Brustspannen in den ersten 6 Wochen
- Hautreizung an einer Klebestelle am Bauch, nach Stellenwechsel weg
- Leichte Müdigkeit nach der Progesteron-Kapsel, für mich eher ein Vorteil
Kosten
Pflaster und Progesteron übernimmt die Grundversicherung, ich zahle Franchise und Selbstbehalt. Die Salbei-Präparate vom Anfang habe ich selbst bezahlt, etwa 30 Franken im Monat, und das hätte ich mir sparen können.
Studienbezug
In der französischen ESTHER-Studie (Circulation, 2007) war orales Östrogen mit einem höheren Thromboserisiko verbunden, transdermales nicht. Die WHI-Studie (JAMA, 2002) untersuchte Frauen mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren unter oralen konjugierten Östrogenen plus Medroxyprogesteronacetat.
