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Wechseljahre &
Hormontherapie

Wechseljahre und Hormontherapie: Wirkstoffe im Vergleich, Risiken in absoluten Zahlen, Erfahrungsberichte, Versorgung in der Schweiz, Deutschland und Österreich und Druckvorlagen.

Stand Oktober 2026

Wirkstoffe

Wirkstoffe im Überblick

Die Wechseljahre verlaufen in drei Phasen. In der Perimenopause, oft ab Mitte vierzig, werden die Zyklen unregelmässig, die Hormonspiegel schwanken stark, und die ersten Hitzewallungen und Schlafprobleme tauchen auf. Die Menopause ist die letzte Regelblutung. Man erkennt sie erst im Rückblick, wenn zwölf Monate lang keine Blutung mehr kam. Im deutschsprachigen Raum liegt sie im Mittel bei etwa 51 bis 52 Jahren. Danach beginnt die Postmenopause. Tritt die Menopause vor dem 40. Geburtstag ein, sprechen Fachleute von einer vorzeitigen Ovarialinsuffizienz (POI). Diese Frauen brauchen in aller Regel eine Hormonbehandlung bis mindestens zum durchschnittlichen Menopausealter, weil sonst Knochen und Herz-Kreislauf-System leiden.

Etwa 70 bis 80 Prozent der Frauen haben Hitzewallungen und nächtliche Schweissausbrüche, die Fachsprache nennt sie vasomotorische Symptome. Bei etwa einem Viertel sind sie so stark, dass Schlaf, Arbeit oder Beziehung darunter leiden. In der amerikanischen SWAN-Studie dauerten sie im Mittel gut sieben Jahre, bei manchen Frauen deutlich länger. Dazu kommen Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsprobleme, Gelenkschmerzen und Herzklopfen. Später zeigen sich Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Sex, häufigere Blasenentzündungen und Harndrang. Diese Beschwerden fasst man als urogenitales Menopausesyndrom zusammen. Sie betreffen etwa die Hälfte der Frauen in der Postmenopause und bessern sich, anders als die Hitzewallungen, ohne Behandlung meist nicht.

Die Diagnose wird bei Frauen ab 45 Jahren in der Regel aus Alter, Zyklusverlauf und Beschwerden gestellt. Hormonbestimmungen sind dafür meist nicht nötig, weil die Werte in der Perimenopause von Woche zu Woche stark schwanken. Sinnvoll sind sie bei jüngeren Frauen, bei unklarem Bild oder wenn eine andere Ursache wie eine Schilddrüsenstörung im Raum steht.

Die Neubewertung nach der WHI-Studie. 2002 wurde der kombinierte Arm der amerikanischen Women's Health Initiative (WHI) mit 16 608 Frauen nach gut fünf Jahren vorzeitig gestoppt. Unter konjugierten equinen Östrogenen plus Medroxyprogesteronacetat traten mehr Brustkrebsfälle, Herzinfarkte, Schlaganfälle und Thrombosen auf als unter Placebo. In der Folge brachen die Verordnungen in Europa um die Hälfte und mehr ein. Viele Frauen setzten ihre Therapie von einem Tag auf den anderen ab. Spätere Auswertungen zeigten ein differenzierteres Bild. Die Teilnehmerinnen waren im Mittel 63 Jahre alt und lagen oft mehr als zehn Jahre hinter der Menopause. Untersucht wurden ausserdem Präparate, die heute in der D-A-CH-Region nur noch selten eingesetzt werden. Im Arm mit Östrogen allein (Frauen ohne Gebärmutter) stieg das Brustkrebsrisiko nicht, es lag sogar etwas tiefer als unter Placebo.

Die Zeitfenster-Hypothese. Aus diesen Daten und späteren Studien wie KEEPS und ELITE entstand die Annahme, dass der Zeitpunkt des Beginns entscheidend ist. Beginnt eine Frau die Hormontherapie vor dem 60. Geburtstag oder innerhalb von zehn Jahren nach der Menopause, ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis bei belastenden Beschwerden nach heutiger Einschätzung günstig. Ein späterer Beginn bringt mehr Herz-Kreislauf-Risiken mit sich. Ein Schutz des Herzens durch frühen Beginn ist plausibel, aber nicht bewiesen. Darum empfiehlt keine Leitlinie eine Hormontherapie zur Vorbeugung von Herzinfarkt oder Demenz.

Die Kernfakten im Überblick:

  • Die menopausale Hormontherapie (MHT, früher HRT) ist die wirksamste Behandlung gegen Hitzewallungen. Sie senkt deren Häufigkeit in Studien um etwa 75 Prozent, Placebo um etwa 30 bis 50 Prozent. Die Wirkung setzt nach zwei bis vier Wochen ein, das volle Ausmass zeigt sich nach etwa drei Monaten.
  • Frauen mit Gebärmutter brauchen zum Östrogen immer ein Gestagen, sonst steigt das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs deutlich. Frauen ohne Gebärmutter nehmen Östrogen allein.
  • Östrogen über die Haut (Gel, Pflaster, Spray) erhöht das Thromboserisiko nach Beobachtungsdaten nicht messbar, Östrogen als Tablette erhöht es etwa um das Anderthalb- bis Zweifache.
  • Neurokinin-3-Rezeptor-Antagonisten wie Fezolinetant (Veoza) sind eine hormonfreie Option. Sie wirken schwächer als Östrogen, aber deutlich besser als Placebo.
  • Vaginales Östrogen in niedriger Dosis behandelt Scheidentrockenheit und Blasenbeschwerden, wirkt praktisch nur lokal und kann meist unbegrenzt angewendet werden.
  • Häufigste Nebenwirkungen der Hormontherapie sind Brustspannen, Zwischenblutungen, Wassereinlagerungen und Kopfschmerzen in den ersten Monaten. Sie lassen sich oft durch eine Anpassung von Dosis, Präparat oder Anwendungsform beheben.

Grundlage dieser Übersicht ist die S3-Leitlinie "Peri- und Postmenopause: Diagnostik und Interventionen" (AWMF-Register 015-062) vom Januar 2020. Sie wurde von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) gemeinsam mit der Schweizerischen (SGGG) und der Österreichischen Gesellschaft (OEGGG) erarbeitet und gilt damit für alle drei Länder. Eine Aktualisierung ist nach unserem Stand in Arbeit, aber noch nicht veröffentlicht. Ergänzend dienen das Hormontherapie-Positionspapier der North American Menopause Society von 2022 (NAMS, seit 2023 The Menopause Society), deren Positionspapier zu nicht-hormonellen Therapien von 2023 sowie die Expertenbriefe der SGGG zur menopausalen Hormontherapie. In den USA hat die Arzneimittelbehörde FDA im November 2025 angekündigt, die seit 2003 geltenden Warnhinweise im schwarzen Kasten auf den meisten Hormonpräparaten zu streichen. Für die Zulassungen in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich hat das keine direkte Folge, es zeigt aber, wie sich die Bewertung verschoben hat.

Wirkstoffe im Vergleich

Medikament
Transdermales Estradiol als Gel, Pflaster oder Spray (z. B. Oestrogel, Estreva, Estradot, Lenzetto, Generika)
Wirkstoff
17-beta-Estradiol, körperidentisch, über die Haut
Indikation
Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsbeschwerden der Wechseljahre; Vorbeugung von Osteoporose; vorzeitige Ovarialinsuffizienz
Dosierung
Gel 0,5 bis 1,5 mg Estradiol täglich auf Arm oder Oberschenkel; Pflaster 25 bis 100 Mikrogramm pro 24 Stunden, Wechsel ein- bis zweimal pro Woche; niedrigste wirksame Dosis
Status
Bevorzugte Form laut S3-Leitlinie 2020, NAMS 2022 und SGGG, vor allem bei Übergewicht, Migräne, erhöhtem Thrombose- oder Herz-Kreislauf-Risiko; zugelassen in CH, DE, AT
Nebenwirkungen
Brustspannen, Zwischenblutungen, Hautreizung beim Pflaster. Thrombose: nach Beobachtungsdaten kein messbar erhöhtes Risiko. Brustkrebs: allein kaum, mit Gestagen leicht erhöht. Endometrium: bei Gebärmutter nur mit Gestagen
Medikament
Orales Estradiol (z. B. Estrofem, Progynova, Generika; in Kombination mit Gestagen z. B. Femoston)
Wirkstoff
Estradiol oder Estradiolvalerat, als Tablette
Indikation
Wie transdermales Estradiol
Dosierung
1 bis 2 mg täglich, niedrig dosiert 0,5 bis 1 mg
Status
Wirksam und gut untersucht, in den Leitlinien eine Option bei Frauen ohne erhöhtes Thromboserisiko; zugelassen in CH, DE, AT
Nebenwirkungen
Übelkeit, Brustspannen, Kopfschmerzen. Thrombose: etwa 1,5- bis 2-fach erhöht, im ersten Jahr am stärksten. Schlaganfall: leicht erhöht. Brustkrebs und Endometrium wie bei transdermaler Gabe
Medikament
Mikronisiertes Progesteron (z. B. Utrogestan, Utrogest, Generika)
Wirkstoff
Progesteron, körperidentisch, als Weichkapsel
Indikation
Endometriumschutz bei Östrogentherapie und vorhandener Gebärmutter
Dosierung
Kontinuierlich 100 mg täglich zur Nacht, oder 200 mg an 12 bis 14 Tagen pro Zyklus
Status
Bevorzugtes Gestagen in vielen Empfehlungen, auch SGGG; zugelassen in CH, DE, AT
Nebenwirkungen
Müdigkeit und Schwindel (darum abends), Blähungen, Brustspannen. Thrombose: nach Beobachtungsdaten kein Zusatzrisiko. Brustkrebs: in Kohortenstudien geringer als mit synthetischen Gestagenen, bei Anwendung über fünf Jahre leicht erhöht. Endometrium: schützt bei korrekter Dosis
Medikament
Dydrogesteron (z. B. Duphaston; kombiniert in Femoston)
Wirkstoff
Synthetisches Gestagen, dem Progesteron chemisch nahe
Indikation
Endometriumschutz bei Östrogentherapie, auch als Kombinationstablette
Dosierung
10 mg an 14 Tagen pro Zyklus oder kontinuierlich 5 mg täglich (Kombipräparate 1/5, 1/10, 2/10)
Status
Option in der S3-Leitlinie, in Europa breit eingesetzt, in den USA nicht erhältlich; zugelassen in CH, DE, AT
Nebenwirkungen
Brustspannen, Kopfschmerzen, Blutungsstörungen. Thrombose: nach Beobachtungsdaten neutral. Brustkrebs: geringer als mit Medroxyprogesteronacetat, in der Lancet-Metaanalyse 2019 dennoch leicht erhöht. Endometrium: schützt
Medikament
Levonorgestrel-Spirale 52 mg (z. B. Mirena)
Wirkstoff
Levonorgestrel, lokal in der Gebärmutter
Indikation
Endometriumschutz bei Östrogentherapie; zugleich Verhütung in der Perimenopause und Behandlung starker Blutungen
Dosierung
Einlage durch die Gynäkologin; Liegedauer für den Endometriumschutz laut Fachinformation je nach Land 4 bis 5 Jahre; kleinere Spiralen sind dafür nicht zugelassen
Status
In den Leitlinien als Endometriumschutz anerkannt, besonders praktisch in der Perimenopause; zugelassen in CH, DE, AT
Nebenwirkungen
Schmerzen bei der Einlage, Schmierblutungen in den ersten Monaten, danach oft keine Blutung mehr. Thrombose: kein Zusatzrisiko. Brustkrebs: in Beobachtungsstudien leicht erhöht, Ausmass unsicher. Endometrium: sehr guter Schutz
Medikament
Tibolon (z. B. Livial, Liviella, Generika)
Wirkstoff
Synthetisches Steroid mit östrogenen, gestagenen und androgenen Wirkungen
Indikation
Wechseljahrbeschwerden bei Frauen mindestens ein Jahr nach der Menopause; Vorbeugung von Osteoporose
Dosierung
2,5 mg täglich, ohne zusätzliches Gestagen
Status
Laut S3-Leitlinie Option zweiter Wahl, nicht für Frauen über 60 als Neubeginn, nicht nach Brustkrebs; zugelassen in CH, DE, AT, nicht in den USA
Nebenwirkungen
Gewichtszunahme, Schmierblutungen, Haarwuchs. Thrombose: geringer als orales Östrogen. Schlaganfall: in der LIFT-Studie bei Frauen ab 60 etwa verdoppelt. Brustkrebs: in Beobachtungsdaten erhöht, nach Brustkrebs mehr Rückfälle (LIBERATE). Endometrium: kein Gestagen nötig
Medikament
Vaginales Estriol oder Estradiol (z. B. Ovestin, Oekolp, Gynoflor, Vagifem, Estring, Generika)
Wirkstoff
Estriol oder Estradiol in niedriger Dosis, lokal
Indikation
Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Sex, wiederkehrende Blasenentzündungen, Harndrang (urogenitales Menopausesyndrom)
Dosierung
Estriol 0,5 mg als Creme oder Zäpfchen, anfangs täglich, nach zwei bis drei Wochen zwei- bis dreimal pro Woche; ultraniedrig 0,03 mg; Estradiol-Vaginaltablette 10 Mikrogramm zweimal pro Woche; Vaginalring alle drei Monate
Status
Erste Wahl bei urogenitalen Beschwerden laut S3-Leitlinie und NAMS 2022, auch als Langzeitbehandlung; zugelassen in CH, DE, AT
Nebenwirkungen
Brennen oder Ausfluss zu Beginn. Thrombose: kein messbares Risiko. Brustkrebs: kein erhöhtes Risiko nachgewiesen, nach Brustkrebs Absprache mit der Onkologie. Endometrium: in niedriger Dosis kein Gestagen nötig
Medikament
Neurokinin-Rezeptor-Antagonisten: Fezolinetant (Veoza), Elinzanetant (Lynkuet)
Wirkstoff
Fezolinetant blockiert den Neurokinin-3-Rezeptor, Elinzanetant den Neurokinin-1- und -3-Rezeptor, beide hormonfrei
Indikation
Mittelstarke bis starke Hitzewallungen der Wechseljahre
Dosierung
Fezolinetant 45 mg einmal täglich; Elinzanetant 120 mg einmal täglich vor dem Schlafengehen
Status
Fezolinetant: in der EU seit Dezember 2023 zugelassen, auch in der Schweiz verfügbar; Leberwerte vor Start und in den ersten Monaten kontrollieren. Elinzanetant: 2025 in Grossbritannien und den USA zugelassen, für EU, Schweiz und Österreich aktuellen Zulassungsstand bei Swissmedic, EMA oder BASG prüfen
Nebenwirkungen
Fezolinetant: Bauchschmerzen, Durchfall, Schlafstörungen, Anstieg der Leberwerte, selten Leberschäden. Elinzanetant: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schläfrigkeit. Thrombose, Brustkrebs, Endometrium: kein Signal, Langzeitdaten über ein Jahr fehlen noch
Medikament
Nicht-hormonelle Medikamente: Venlafaxin, Escitalopram, Paroxetin, Gabapentin (Generika)
Wirkstoff
Venlafaxin (SNRI), Escitalopram und Paroxetin (SSRI): Eingriff in den Serotonin- und Noradrenalinhaushalt; Gabapentin: dämpft Nervenerregung
Indikation
Hitzewallungen, wenn Hormone nicht erlaubt oder nicht gewünscht sind, etwa nach Brustkrebs
Dosierung
Venlafaxin 37,5 bis 75 mg; Escitalopram 10 bis 20 mg; Paroxetin 7,5 bis 10 mg; Gabapentin 300 bis 900 mg zur Nacht
Status
Off-label in CH, DE und AT, in S3-Leitlinie und NAMS 2023 als Alternative genannt; Paroxetin und Fluoxetin nicht zusammen mit Tamoxifen
Nebenwirkungen
Übelkeit, Mundtrockenheit, Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen (SSRI, SNRI); Schwindel und Müdigkeit (Gabapentin); Absetzsymptome. Thrombose, Brustkrebs, Endometrium: kein Zusatzrisiko

Östrogene über die Haut. Estradiol ist das Hormon, das die Eierstöcke bis zur Menopause selbst bilden. Es stabilisiert das Temperaturzentrum im Hypothalamus, das bei sinkenden Spiegeln überempfindlich reagiert und schon bei kleinen Temperaturänderungen eine Hitzewelle auslöst. Über die Haut aufgenommen gelangt Estradiol direkt ins Blut und umgeht die erste Passage durch die Leber. Die Leber bildet dann nicht mehr Gerinnungsfaktoren als sonst. Darum zeigen grosse Beobachtungsstudien, darunter die französische ESTHER-Studie und eine britische Auswertung im BMJ von 2019, kein messbar erhöhtes Thromboserisiko. Die S3-Leitlinie, die NAMS und die SGGG bevorzugen die transdermale Gabe bei Übergewicht, bei Migräne, bei erhöhtem Thromboserisiko, bei Bluthochdruck und bei Raucherinnen. Für viele Frauen ist sie inzwischen der Standard. Die Dosis wird an die Beschwerden angepasst. Jüngere Frauen mit vorzeitiger Ovarialinsuffizienz brauchen oft mehr.

Östrogene als Tablette. Orales Estradiol wirkt gegen Hitzewallungen genauso gut, ist einfach in der Anwendung und oft günstiger. Die Leberpassage erhöht aber Gerinnungsfaktoren und das Bindungseiweiss SHBG. Das Thromboserisiko steigt etwa auf das Anderthalb- bis Zweifache, am stärksten im ersten Jahr. Das Schlaganfallrisiko steigt leicht. Für gesunde, normalgewichtige Frauen unter 60 ohne Thrombose in der Vorgeschichte bleibt die Tablette eine gute Wahl. Nach einer Thrombose, bei bekannter Gerinnungsstörung oder starkem Übergewicht raten die Leitlinien davon ab.

Mikronisiertes Progesteron. Gestagene schützen die Gebärmutterschleimhaut, die unter Östrogen allein wuchern und entarten kann. Mikronisiertes Progesteron ist chemisch identisch mit dem körpereigenen Hormon. Es wird nachts eingenommen, weil es leicht müde macht, was viele Frauen mit Schlafproblemen eher als Vorteil empfinden. In der französischen E3N-Kohorte war das Brustkrebsrisiko unter Östrogen plus Progesteron in den ersten fünf Jahren nicht messbar erhöht, anders als unter synthetischen Gestagenen. Bei längerer Anwendung zeigte sich auch hier ein leichter Anstieg. Für den Endometriumschutz zählt die richtige Dosis. Einige Studien deuten darauf hin, dass ein zyklisches Schema mit Progesteron über viele Jahre weniger zuverlässig schützt. Bei Langzeitanwendung bevorzugen manche Fachleute darum das kontinuierliche Schema oder die Spirale.

Dydrogesteron. Dydrogesteron ist ein synthetisches Gestagen, das dem Progesteron sehr ähnlich ist und kaum androgene oder glukokortikoide Wirkungen hat. Es gibt dieses Gestagen allein oder fertig kombiniert mit Estradiol in einer Tablette, was die Einnahme vereinfacht. Die Daten zur Brust sind etwas weniger günstig als bei Progesteron. In der Metaanalyse der Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer (Lancet 2019) war das Risiko mit Dydrogesteron leicht erhöht, jedoch geringer als mit Medroxyprogesteronacetat oder Norethisteronacetat. In der S3-Leitlinie gilt es als gleichwertige Option.

Levonorgestrel-Spirale. Die Hormonspirale mit 52 mg Levonorgestrel gibt das Gestagen direkt in der Gebärmutter ab. Die Schleimhaut bleibt dünn, die Blutungen werden schwächer oder bleiben aus, und der Hormonspiegel im Blut ist niedrig. In der Perimenopause bringt sie drei Dinge zusammen: Verhütung (die bis etwa 50 bis 55 Jahre noch nötig sein kann), Kontrolle starker Blutungen und Endometriumschutz für eine Östrogentherapie. Kleinere Spiralen mit 13,5 oder 19,5 mg sind für den Endometriumschutz nicht zugelassen. Nach Beobachtungsdaten aus Skandinavien ist das Brustkrebsrisiko leicht erhöht. Wie stark, lässt sich aus diesen Daten nicht sicher sagen.

Tibolon. Tibolon wird im Körper in drei Stoffe umgewandelt, die östrogen, gestagen und androgen wirken. Es lindert Hitzewallungen, schützt die Knochen und kann die Libido etwas verbessern. Die Gebärmutterschleimhaut wird meist nicht stimuliert, darum braucht es kein zusätzliches Gestagen. In der LIFT-Studie (NEJM 2008) mit über 4500 Frauen zwischen 60 und 85 Jahren senkte Tibolon Wirbelbrüche und Brustkrebsfälle, verdoppelte aber das Schlaganfallrisiko. Bei Frauen nach Brustkrebs stieg in der LIBERATE-Studie die Rückfallrate um etwa 40 Prozent. Die S3-Leitlinie sieht Tibolon daher als zweite Wahl für jüngere postmenopausale Frauen und rät nach Brustkrebs und bei erhöhtem Schlaganfallrisiko ab.

Vaginale Östrogene. Bei Scheidentrockenheit und Blasenbeschwerden reicht oft eine lokale Behandlung. Estriol wirkt schwächer als Estradiol und kaum auf die Gebärmutterschleimhaut. Niedrig dosiertes Estradiol als Vaginaltablette oder Ring wird nur in Spuren ins Blut aufgenommen. Die Schleimhaut wird nach zwei bis drei Monaten dicker, feuchter und weniger empfindlich, Blasenentzündungen werden seltener. Die S3-Leitlinie und die NAMS sehen keinen Grund für eine zeitliche Begrenzung und kein zusätzliches Gestagen nötig. Nach Brustkrebs, vor allem unter Aromatasehemmern, sollte die Entscheidung mit der Onkologie abgesprochen werden. Alternativen sind Gleitmittel und Feuchtigkeitsgele, Prasteron als Vaginalzäpfchen (Intrarosa) und Ospemifen als Tablette (Senshio).

Neurokinin-Rezeptor-Antagonisten. Im Hypothalamus gibt es Nervenzellen, die sogenannten KNDy-Neurone, die das Wärmezentrum steuern. Normalerweise bremst Östrogen sie. Fällt es weg, werden sie über den Botenstoff Neurokinin B überaktiv, und es kommt zu Hitzewallungen. Fezolinetant blockiert den Neurokinin-3-Rezeptor und dämpft diese Überaktivität, ohne Hormone zu ersetzen. In den Zulassungsstudien SKYLIGHT 1 und 2 mit zusammen über 1000 Frauen sank die Zahl der mittelstarken bis starken Hitzewallungen nach zwölf Wochen um etwa 60 Prozent, unter Placebo um etwa 40 bis 45 Prozent. Das sind im Mittel zwei bis drei Hitzewallungen weniger pro Tag als unter Placebo. Die Wirkung setzt schon in der ersten Woche ein. Wegen seltener Leberschäden haben EMA und FDA 2024 die Warnhinweise verschärft: Leberwerte werden vor dem Start und in den ersten Monaten regelmässig kontrolliert. Gleichzeitig eingenommene starke CYP1A2-Hemmer wie Fluvoxamin oder Ciprofloxacin sind nicht erlaubt.

Elinzanetant blockiert zusätzlich den Neurokinin-1-Rezeptor. In den OASIS-Studien 1 bis 3 verringerte es Hitzewallungen in ähnlichem Ausmass wie Fezolinetant und verbesserte zusätzlich den Schlaf. OASIS 4 untersuchte Frauen mit Hitzewallungen unter einer antihormonellen Brustkrebstherapie, eine Gruppe, für die es bisher wenige Optionen gab. Elinzanetant wurde 2025 in Grossbritannien und in den USA zugelassen. Für die EU, die Schweiz und Österreich lohnt sich vor einer Verordnung der Blick in die Arzneimittelinformation, weil sich der Stand hier laufend ändert. Beide Wirkstoffe helfen gegen Hitzewallungen und Schweissausbrüche, nicht gegen Scheidentrockenheit und nicht gegen Knochenabbau.

Nicht-hormonelle Medikamente. Antidepressiva aus den Gruppen der SSRI und SNRI sowie das Antiepileptikum Gabapentin wirken gegen Hitzewallungen schwächer als Östrogen. Sie senken die Häufigkeit gegenüber Placebo um etwa 10 bis 30 Prozentpunkte. Sie wirken innerhalb von ein bis zwei Wochen und sind eine Option nach Brustkrebs, nach Thrombose oder wenn eine Frau keine Hormone möchte. Venlafaxin ist bei Frauen unter Tamoxifen das bevorzugte Mittel, weil Paroxetin und Fluoxetin den Abbau von Tamoxifen zu seiner aktiven Form hemmen. Gabapentin eignet sich besonders bei nächtlichen Schweissausbrüchen, weil es auch müde macht. In der D-A-CH-Region ist keiner dieser Wirkstoffe für Hitzewallungen zugelassen, die Verordnung erfolgt off-label. Die NAMS empfiehlt 2023 ausserdem kognitive Verhaltenstherapie und klinische Hypnose. Pflanzliche Mittel wie Traubensilberkerze oder Soja-Isoflavone zeigen in Studien uneinheitliche, meist kleine Effekte.

Risiken richtig einordnen: Brustkrebs, Thrombose, Schlaganfall in absoluten Zahlen

Relative Risiken wie "26 Prozent mehr Brustkrebs" klingen dramatisch. Für eine Entscheidung braucht man aber die absoluten Zahlen: Wie viele von 1000 Frauen sind betroffen, mit und ohne Therapie? Die folgenden Angaben stammen aus WHI, der Lancet-Metaanalyse 2019 und grossen Beobachtungsstudien. Sie gelten für Frauen um 50 bis 59 Jahre und sind gerundet.

Brustkrebs. Von 1000 Frauen, die mit 50 Jahren beginnen und keine Hormone nehmen, erkranken zwischen 50 und 69 Jahren etwa 63 an Brustkrebs. Nehmen sie fünf Jahre lang täglich Östrogen plus Gestagen, sind es nach der Lancet-Metaanalyse etwa 83, also rund 20 zusätzliche Fälle oder eine zusätzliche Erkrankung auf etwa 50 Anwenderinnen. Mit zyklischem Gestagen sind es etwa 14 zusätzliche Fälle, mit Östrogen allein etwa 5. Die Metaanalyse zeigte auch, dass ein Teil des erhöhten Risikos über zehn Jahre nach dem Absetzen bestehen bleibt. Mit mikronisiertem Progesteron fallen die Zahlen nach Beobachtungsdaten tiefer aus, belastbare Vergleichsstudien fehlen aber. Zum Vergleich: Übergewicht nach der Menopause, zwei Gläser Alkohol am Tag oder Bewegungsmangel erhöhen das Brustkrebsrisiko in ähnlicher Grössenordnung.

Thrombose und Lungenembolie. Ohne Hormone erleiden etwa 1 bis 2 von 1000 Frauen zwischen 50 und 59 Jahren pro Jahr eine venöse Thrombose. Unter oralem Östrogen kommen etwa 1 bis 2 Fälle pro 1000 Frauen und Jahr dazu, unter transdermalem Estradiol in niedriger bis mittlerer Dosis nach Beobachtungsdaten keine. Das Risiko ist im ersten Behandlungsjahr am höchsten und steigt mit Alter, Übergewicht und Thrombose in der Familie.

Schlaganfall. In der WHI kamen unter oraler Therapie bei Frauen von 50 bis 59 Jahren etwa 1 bis 2 Schlaganfälle pro 1000 Frauen über fünf Jahre hinzu. Bei älteren Frauen ist der Zuwachs grösser, weil das Grundrisiko höher ist. Transdermales Estradiol bis 50 Mikrogramm pro Tag war in Beobachtungsstudien nicht mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko verbunden.

Herzinfarkt, Knochenbrüche, Darmkrebs. Bei Frauen unter 60 zeigte die WHI keinen Anstieg der Herzinfarkte, bei Östrogen allein eher weniger. Die Hormontherapie senkte Hüftbrüche um etwa ein Drittel und Darmkrebs leicht. Die Gesamtsterblichkeit war bei Frauen unter 60 in der Langzeitauswertung nicht erhöht.

Diese Zahlen sind Durchschnittswerte. Eine schlanke Nichtraucherin mit 52 Jahren ohne Thrombose in der Familie hat ein anderes Ausgangsrisiko als eine Frau mit 64 Jahren, Diabetes und starkem Übergewicht. Kontraindikationen sind Brustkrebs oder ein anderer hormonabhängiger Krebs, eine frühere Thrombose ohne klare Ursache, Herzinfarkt oder Schlaganfall, eine aktive Lebererkrankung und unklare Blutungen aus der Scheide.

Bioidentische Hormone und Compounding: was dahinter steckt

Der Begriff "bioidentisch" wird sehr unterschiedlich verwendet. Medizinisch meint er Hormone, die chemisch genau den körpereigenen entsprechen: 17-beta-Estradiol und Progesteron. Solche Hormone gibt es als zugelassene Fertigarzneimittel, etwa als Estradiol-Gel, Pflaster und mikronisiertes Progesteron. Sie sind auf Wirkstoffgehalt, Reinheit und gleichmässige Aufnahme geprüft, und ihre Risiken sind in grossen Studien untersucht. Wer "bioidentisch" behandelt werden möchte, kann das mit diesen Präparaten tun.

In Kliniken und Praxen mit Selbstzahlerangeboten steht der Begriff oft für etwas anderes: individuell in Apotheken angemischte Cremes, Kapseln oder Hormonpellets, deren Dosis nach Speichel- oder Bluttests "massgeschneidert" wird. Fachleute sprechen von Compounding oder compoundierten bioidentischen Hormonen. Die NAMS, die S3-Leitlinie und ein Bericht der US-amerikanischen National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine von 2020 sehen keine Belege dafür, dass diese Zubereitungen wirksamer oder sicherer sind. Die Probleme sind konkret. Der Wirkstoffgehalt kann zwischen Chargen schwanken. Progesteron-Cremes über die Haut erreichen meist keine Spiegel, die die Gebärmutterschleimhaut sicher schützen. Pellets geben Hormone über Monate unkontrolliert ab, und Hormonwerte im Speichel schwanken so stark, dass sie für die Dosierung nicht taugen. Dazu kommen die Kosten, die oft mehrere hundert Franken oder Euro im Jahr betragen und von der Grundversicherung oder Krankenkasse nicht übernommen werden. Wer bereits ein solches Präparat nimmt und eine Gebärmutter hat, sollte die Schleimhaut bei Blutungen oder im Zweifel gynäkologisch per Ultraschall prüfen lassen.

Lebensstil, Beckenboden, Knochen und Herz in der Postmenopause

Mit dem Wegfall des Östrogens verändern sich Stoffwechsel und Gewebe, unabhängig davon, ob eine Frau Hitzewallungen hat. Das LDL-Cholesterin steigt in den Jahren um die Menopause im Mittel um etwa 10 bis 20 Prozent, Fett verlagert sich an den Bauch, der Blutdruck steigt. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bei Frauen nach der Menopause die häufigste Todesursache. Blutdruck, Blutfette, Blutzucker und Gewicht sollten darum spätestens ab 50 regelmässig kontrolliert werden. Rauchstopp bringt für Herz und Knochen den grössten Einzeleffekt.

Knochen. In den ersten fünf bis sieben Jahren nach der Menopause verlieren Frauen pro Jahr etwa 1 bis 2 Prozent ihrer Knochendichte, an der Wirbelsäule teils mehr. Etwa jede dritte Frau über 50 erleidet im weiteren Leben einen osteoporotischen Knochenbruch. Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche, Gleichgewichtstraining, ausreichend Eiweiss, etwa 1000 mg Kalzium täglich (am besten über die Nahrung) und 800 bis 1000 Einheiten Vitamin D bei Mangel sind die Grundlage. Das Frakturrisiko wird mit dem FRAX-Rechner oder in Deutschland nach den Kriterien des Dachverbands Osteologie (DVO) abgeschätzt, eine Knochendichtemessung mit DXA folgt bei erhöhtem Risiko. Die Hormontherapie schützt die Knochen, solange sie eingenommen wird. Für die alleinige Behandlung einer Osteoporose ohne Wechseljahrbeschwerden stehen meist andere Medikamente im Vordergrund, etwa Bisphosphonate oder Denosumab.

Beckenboden und Blase. Der Beckenboden verliert nach der Menopause an Spannkraft, vor allem nach vaginalen Geburten. Belastungsinkontinenz beim Husten, Lachen oder Joggen ist häufig und gut behandelbar. Gezieltes Beckenbodentraining unter Anleitung einer Physiotherapeutin bessert die Beschwerden bei etwa zwei Dritteln der Frauen deutlich, wenn es mindestens drei Monate konsequent gemacht wird. Vaginales Östrogen ergänzt das Training bei Dranginkontinenz und wiederkehrenden Blasenentzündungen. Pessare helfen bei Senkungsbeschwerden, operative Verfahren kommen erst danach.

Bewegung, Schlaf, Gewicht. Ausdauertraining verbessert Schlaf und Stimmung, reduziert Hitzewallungen in Studien aber nur wenig. Bei Übergewicht kann eine Gewichtsabnahme die Hitzewallungen verringern. Alkohol, scharfes Essen, Hitze und Stress lösen bei vielen Frauen Hitzewallungen aus, ein Tagebuch hilft, die eigenen Auslöser zu finden. Bei Schlafstörungen ist die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) besser belegt als Schlafmittel.

Testosteron bei Frauen: Evidenz bei Libidoverlust

Auch Frauen bilden Testosteron, in den Eierstöcken und Nebennieren. Die Spiegel sinken schon ab dem 30. Lebensjahr langsam, nach operativer Entfernung der Eierstöcke abrupt. Testosteron wird in sozialen Medien als Mittel gegen Müdigkeit, Gehirnnebel und Stimmungstiefs beworben. Die Studienlage trägt nur eine einzige Indikation.

Das internationale Konsenspapier von 2019 (Global Consensus Position Statement on the Use of Testosterone Therapy for Women, getragen unter anderem von der International Menopause Society und der Endocrine Society) empfiehlt Testosteron ausschliesslich bei postmenopausalen Frauen mit einer Störung des sexuellen Verlangens, die Leidensdruck verursacht (hypoactive sexual desire disorder, HSDD). Vorher sollen andere Ursachen abgeklärt sein: Beziehungsprobleme, Depression, Medikamente wie Antidepressiva, Schmerzen beim Sex durch Scheidentrockenheit. Eine Metaanalyse in Lancet Diabetes & Endocrinology (2019) mit 36 Studien und über 8000 Frauen zeigte im Mittel etwa ein zusätzliches befriedigendes sexuelles Erlebnis pro Monat gegenüber Placebo, dazu mehr Verlangen und Erregung. Für Stimmung, Energie, Kognition oder Knochen gibt es keine ausreichenden Belege.

In der Schweiz, in Deutschland und in Österreich ist derzeit kein Testosteronpräparat für Frauen zugelassen. Das Pflaster Intrinsa wurde 2012 vom europäischen Markt genommen. Ärztinnen verschreiben deshalb off-label Testosterongel für Männer in etwa einem Zehntel der Männerdosis. Der Testosteronspiegel im Blut sollte vor Beginn, nach drei bis sechs Wochen und dann regelmässig gemessen werden und im Normbereich für Frauen bleiben. Bei korrekter Dosis sind Akne und vermehrter Haarwuchs die häufigsten Nebenwirkungen, Stimmveränderungen oder Haarausfall kommen bei Überdosierung vor. Zeigt sich nach sechs Monaten kein Nutzen, wird die Behandlung beendet. Langzeitdaten zur Sicherheit über zwei Jahre hinaus fehlen.

Erfahrungsberichte

Was Erfahrene erzählen

Die Erfahrungsberichte sind redaktionell verfasste, anonymisierte Beispiele auf Basis typischer Therapieverläufe. Sie ersetzen keine medizinische Beratung.

Bericht 1

Erfolg

"Ich habe nachts das Leintuch gewechselt, nicht das Nachthemd. So schlimm war es."

Regula B., 53, Winterthur (CH)

Therapiedauer
9 Monate
Therapie
Estradiol-Pflaster 50 µg/24 h (Estradot), zweimal pro Woche gewechselt, plus mikronisiertes Progesteron 100 mg täglich zur Nacht (Utrogestan)

Angefangen hat es harmlos. Ein bisschen warm im Sitzungszimmer, ein roter Hals beim Elternabend meiner Jüngsten. Ein Jahr später kam die Hitze zwölf Mal am Tag, ich habe es gezählt, weil meine Hausärztin das so wollte. Dazu kamen die Nächte. Zwei, drei Mal pro Nacht wach, klatschnass, dann Fenster auf, dann frieren, dann liegen und an die Arbeit denken. Ich leite ein Team in der Pflege, da kann man nicht um zehn Uhr im Stationszimmer einnicken.

Ich wollte lange keine Hormone. Meine Mutter hatte in den Neunzigern welche genommen und dann nach den Schlagzeilen sofort abgesetzt, und bei uns zuhause galt das als gefährlich. Also habe ich zuerst alles andere probiert: Salbei-Tabletten, Traubensilberkerze, weniger Kaffee, keinen Wein mehr am Abend. Der Verzicht auf den Wein hat ein wenig geholfen. Der Rest kaum.

Bericht 2

Erfolg

"Zwei Jahre lang hiess es Depression. Keiner hat gefragt, wann meine letzte Periode war."

Anja K., 49, Leipzig (DE)

Therapiedauer
14 Monate
Therapie
Estradiol-Gel 1,5 mg täglich (Gynokadin), mikronisiertes Progesteron 200 mg an den Tagen 1 bis 12 des Monats (Utrogestan), Escitalopram mit Psychiaterin ausgeschlichen

Mit 45 ging es los, im Nachhinein gesehen. Ich war damals überzeugt, ich bin ausgebrannt. Ich habe nachts wachgelegen, mir war die Arbeit plötzlich zu viel, ich habe wegen Kleinigkeiten geheult, an der Kasse, im Auto. Ich bin Lehrerin, und auf einmal konnte ich mir die Namen der neuen Fünftklässler nicht mehr merken. Das hat mir richtig Angst gemacht.

Mein Hausarzt hat einen Fragebogen mit mir gemacht und dann Escitalopram verschrieben. Ich will das nicht schlechtreden, das Weinen wurde etwas weniger. Aber geschlafen habe ich trotzdem nicht, und die Gelenke taten weh, morgens vor allem die Finger. Nach einem Jahr hat er die Dosis erhöht. Ich habe dann noch eine Verhaltenstherapie angefangen, auf die ich fünf Monate gewartet habe. Die Therapeutin war gut, wirklich. Nur hat sie irgendwann gesagt: Frau K., Sie machen alles richtig, und es wird trotzdem nicht besser, haben Sie das mal gynäkologisch anschauen lassen?

Bericht 3

Erfolg

"Ich hatte sieben Blasenentzündungen in einem Jahr und dachte, das ist halt so im Alter."

Margrit H., 61, St. Gallen (CH)

Therapiedauer
11 Monate
Therapie
Estriol-Vaginalcreme 0,5 mg (Ovestin), 3 Wochen täglich, danach zweimal pro Woche

Hitzewallungen hatte ich mit 51, 52, das ging vorbei, ich habe nie etwas dagegen genommen. Mit dem Thema Wechseljahre war ich eigentlich durch. Dass zehn Jahre später noch etwas nachkommt, hat mir niemand gesagt.

Zuerst war es nur trocken. Beim Velofahren hat es gescheuert, und beim Wasserlösen hat es gebrannt, ohne dass etwas im Urin war. Dann kamen die echten Blasenentzündungen. Ich war im Sommer vor zwei Jahren dreimal beim Hausarzt, jedes Mal Antibiotika, jedes Mal nach ein paar Wochen wieder dasselbe. Ich habe Cranberry-Saft getrunken, bis ich ihn nicht mehr sehen konnte. Beim fünften Mal hat mein Hausarzt eine Urinkultur gemacht, weil das Antibiotikum nicht mehr richtig gewirkt hat. Da war ich schon ziemlich mürbe.

Bericht 4

Erfolg

"Hormone waren für mich gestrichen. Die Hitze war es nicht."

Brigitte S., 63, Linz (AT)

Therapiedauer
7 Monate
Therapie
Fezolinetant 45 mg täglich (Veoza), nach Brustkrebs, unter Aromatasehemmer Letrozol

Vor fünf Jahren hatte ich Brustkrebs, hormonempfindlich, operiert, bestrahlt. Seither nehme ich Letrozol, eine Tablette am Tag, die das restliche Östrogen im Körper fast auf null drückt. Das ist gewollt. Die Kehrseite: Ich hatte wieder Hitzewallungen wie mit fünfzig, eher stärker. Zehn, elf am Tag, und nachts sowieso.

Dass eine Hormontherapie bei mir nicht in Frage kommt, war von Anfang an klar. Mein Onkologe hat das auch nie zur Diskussion gestellt, und ich hätte es nicht gewollt. Wir haben stattdessen Venlafaxin probiert, ein Antidepressivum, das bei Hitzewallungen auch hilft. Es hat ein wenig geholfen, vielleicht ein Drittel weniger. Aber mir war dauernd übel und ich hatte einen trockenen Mund, als würde ich Sand kauen. Nach vier Monaten habe ich aufgehört. Gabapentin hat mich so müde gemacht, dass ich beim Fernsehen um acht eingeschlafen bin. Auch das nicht.

Bericht 5

In Anpassung

"Die Wallungen waren weg. Dafür habe ich geblutet, wann es ihm gepasst hat."

Sabine F., 50, Graz (AT)

Therapiedauer
10 Monate
Therapie
Estradiol-Gel 1,5 mg täglich (Oestrogel), zuerst mikronisiertes Progesteron, dann Dydrogesteron (Duphaston), seit 2 Monaten Levonorgestrel-Spirale 52 mg (Mirena) als Gebärmutterschutz

Für die Hitzewallungen war die Hormontherapie bei mir ein Volltreffer, das vorweg. Nach sechs Wochen war Ruhe. Das Problem war ein ganz anderes, und darüber liest man wenig.

Ich habe mit Gel und Progesteron-Kapseln angefangen, durchgehend jeden Tag, weil meine letzte Periode da schon fast ein Jahr her war. Die Idee bei dieser Variante ist, dass nach einer Anfangszeit gar keine Blutung mehr kommt. Bei mir kam sie. Nicht regelmässig, sondern einfach so. Schmierblutungen, dann drei Tage richtig, dann zehn Tage nichts, dann wieder. Ich bin Physiotherapeutin, ich arbeite in hellen Hosen. Ich habe mir angewöhnt, immer Ersatz im Spind zu haben.

Bericht 6

In Anpassung

"Ich war überzeugt, ich brauche einen Blutwert. Meine Ärztin war sich da nicht so sicher."

Doris W., 55, Bern (CH)

Therapiedauer
2 Jahre
Therapie
Estradiol-Gel (Oestrogel), zuerst 1 Hub (0,75 mg), nach Rückfall der Beschwerden 2 Hübe (1,5 mg), plus mikronisiertes Progesteron 100 mg täglich (Utrogestan)

Das erste Jahr mit dem Gel war gut. Ich hatte vorher etwa acht Wallungen am Tag, danach eine oder zwei, und ich konnte wieder schlafen. Ich dachte, Thema erledigt.

Im zweiten Winter ging es langsam wieder los. Zuerst nur nachts, dann auch am Tag. Ich bin Musiklehrerin, und wenn ich mitten im Geigenunterricht rot anlaufe und mir der Schweiss den Rücken runterläuft, merken das auch die Kinder. Ich habe mich gefragt, ob das Gel nicht mehr wirkt, ob ich mich daran gewöhnt habe oder ob das einfach der natürliche Verlauf ist. Im Internet stand dazu alles und das Gegenteil.

Bericht 7

Frühe Phase

"Mit 44 dachte ich an alles Mögliche, aber nicht an die Wechseljahre."

Nicole R., 44, Köln (DE)

Therapiedauer
5 Wochen seit Beginn der Abklärung
Therapie
noch keine, Abklärung von Herzrasen und Zyklusstörungen, Hormonbestimmung, EKG und Langzeit-EKG

Es fing mit dem Herz an. Abends auf dem Sofa, aus dem Nichts, ein Klopfen bis in den Hals, so schnell, dass ich die Schläge nicht mehr zählen konnte. Ein paar Minuten, dann war es vorbei. Das ist im Sommer zuerst einmal passiert, im September dann dreimal in einer Woche. Einmal bin ich nachts aufgewacht, nass geschwitzt und mit Herzrasen, und habe meinen Mann geweckt, weil ich dachte, das ist jetzt ein Infarkt.

Wir sind in die Notaufnahme gefahren. EKG, Blutabnahme, Troponin, alles unauffällig. Der Arzt war freundlich, aber man hat gemerkt, dass er mich für eine gestresste Mutter mit Panikattacke hielt. Ich habe zwei Kinder im Grundschulalter und arbeite Vollzeit im Controlling, ganz falsch lag er damit vielleicht nicht. Trotzdem war das nicht die Erklärung, die ich wollte.

Bericht 8

Abgesetzt

"Die Wade war dick und warm, und ich dachte an einen Muskelkater vom Wandern."

Birgit S., 55, Kassel (DE)

Therapiedauer
2 Jahre Hormontherapie, seit 7 Monaten nicht-hormonell
Therapie
zuerst Estradiol oral plus Dydrogesteron, nach Thrombose Fezolinetant

Ich war zwei Jahre lang sehr zufrieden mit meinen Hormonen. Das muss ich vorweg sagen, weil diese Geschichte sonst falsch klingt. Mit 52 hatte ich bis zu zwölf Hitzewallungen am Tag, nachts bin ich drei-, viermal klatschnass aufgewacht, und meine Frauenärztin hat mir eine Kombination als Tablette verschrieben: Estradiol mit Dydrogesteron. Nach sechs Wochen war ich ein anderer Mensch. Ich habe wieder durchgeschlafen, und meine Kolleginnen im Steuerbüro haben gefragt, ob ich im Urlaub war.

Im Frühling letzten Jahres bin ich nach einem langen Flug von einer Familienfeier in Kanada zurückgekommen. Zwei Tage später war meine linke Wade geschwollen, warm, und beim Auftreten hat es gezogen. Ich habe es auf die Wanderung geschoben, die wir drüben gemacht hatten. Mein Mann hat mich nach einer Woche fast in die Praxis getragen. Ultraschall, Diagnose: tiefe Beinvenenthrombose bis in die Kniekehle. Zum Glück keine Lungenembolie.

Bericht 9

Abgesetzt

"Ich wollte selber bestimmen, wann Schluss ist, und nicht warten, bis mir jemand Angst macht."

Ruth A., 59, Winterthur (CH)

Therapiedauer
6 Jahre, seit 8 Monaten ohne Hormone
Therapie
Estradiol-Gel plus mikronisiertes Progesteron, über 5 Monate ausgeschlichen

Mit 53 habe ich angefangen, mit 59 aufgehört. Dazwischen lagen sechs gute Jahre, und das sage ich als jemand, der Hormonen zuerst sehr misstrauisch gegenüberstand. Ich bin Primarlehrerin, Mittelstufe, und die Hitzewallungen vor der Klasse waren damals das Schlimmste. Zehn Mal am Tag knallrot vor 24 Kindern, die das natürlich sofort kommentieren.

Meine Gynäkologin hat mir ein Estradiol-Gel für die Haut verschrieben, dazu Progesteron als Kapsel am Abend, weil ich die Gebärmutter noch habe. Das Gel hat gewirkt, nach einem Monat war ich praktisch beschwerdefrei. Einmal im Jahr haben wir die Therapie besprochen, Mammografie, Blutdruck, und jedes Jahr hat sie gefragt: Wollen Sie weitermachen? Ich wollte.

Bericht 10

Erfolg

"Mit 38 hat mir eine Laborzahl erklärt, warum ich nicht schwanger werde."

Katharina W., 44, Graz (AT)

Therapiedauer
6 Jahre
Therapie
Estradiol-Pflaster plus mikronisiertes Progesteron, geplant bis etwa 51

Mein Partner und ich haben zwei Jahre probiert. Ich war 37, als wir zum Kinderwunschzentrum gegangen sind, eher so, um sicherzugehen. Meine Periode war in dem Jahr unregelmässig geworden, mal 25 Tage, mal 60. Ich habe das auf den Stress im Spital geschoben, ich bin Physiotherapeutin auf der Orthopädie und hatte gerade die Teamleitung übernommen.

Die Ärztin hat Blut abgenommen und zwei Wochen später noch einmal. FSH 68, dann 74, das Anti-Müller-Hormon praktisch nicht messbar. Sie hat das Wort prämature Ovarialinsuffizienz gesagt, also vorzeitiges Versagen der Eierstöcke. Ich habe das ganze Gespräch über nur die Hälfte verstanden. Im Auto habe ich gegoogelt und bin auf "spontane Schwangerschaft in etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle" gestossen. Das war die Zahl, an die ich mich die nächsten Monate geklammert habe.

Bericht 11

Erfolg

"Ich bin auf dem Trottoir ausgerutscht und habe mir das Handgelenk gebrochen, bei einem ganz normalen Sturz."

Monika F., 57, Bern (CH)

Therapiedauer
2 Jahre
Therapie
Estradiol-Gel plus mikronisiertes Progesteron, Krafttraining, Vitamin D und Kalzium über die Ernährung

Es war ein nasser Novembermorgen, ich bin auf dem Weg zum Bus auf einem Laubhaufen weggerutscht und habe mich mit der rechten Hand abgefangen. Distale Radiusfraktur, sagte der Arzt im Notfall. Ich war 55. Er hat mir den Gips angelegt und gefragt, ob ich je eine Knochendichtemessung gemacht hätte. Hatte ich nicht. Warum auch, ich fühlte mich nicht alt.

Die Messung kam ein paar Wochen später. T-Wert an der Lendenwirbelsäule minus 2,7, am Schenkelhals minus 2,2. Osteoporose. Ich habe das Blatt mehrmals gelesen, weil ich dachte, das sei ein Fehler. Meine Mutter hatte mit 78 einen Oberschenkelhalsbruch, aber ich habe das nie mit mir in Verbindung gebracht. Zu den Risikofaktoren gehörten bei mir auch eine frühe Menopause mit 47 und jahrelanges Rauchen, mit dem ich zum Glück mit 40 aufgehört habe.

Bericht 12

In Anpassung

"Am dritten Tag nach der Operation bin ich im Krankenhausbett aufgewacht und habe gedacht, die Heizung ist kaputt."

Sabine L., 47, Köln (DE)

Therapiedauer
11 Monate
Therapie
Estradiol-Pflaster, Dosis bereits zweimal angepasst

Fünfzehn Jahre Endometriose. Drei Bauchspiegelungen, unzählige Schmerzmittel, zwei Jahre Gestagen-Tabletten, die mich depressiv gemacht haben. Mit 46 war ich durch. Die Schmerzen waren an zwanzig Tagen im Monat da, ich konnte meine Arbeit als Disponentin bei einer Spedition nur noch mit Homeoffice-Tagen halten. Die Gynäkologin im Endometriosezentrum hat mit mir lange über die Gebärmutterentfernung gesprochen und auch darüber, ob die Eierstöcke drinbleiben sollen. Bei mir waren beide Eierstöcke von grossen Endometriose-Zysten befallen. Wir haben uns gemeinsam für die komplette Entfernung entschieden. Ich wusste, was das bedeutet. Zumindest dachte ich das.

Was niemand so richtig beschrieben hatte, war die Geschwindigkeit. Bei einer natürlichen Menopause sinken die Hormone über Jahre. Bei mir war es ein Schnitt. Am dritten Tag die erste Hitzewallung, am fünften Tag habe ich aufgehört zu zählen. Nachts lag ich in nassen Laken. Dazu Herzrasen, Gelenkschmerzen in beiden Händen und eine Reizbarkeit, die meine Tochter mit "Mama, du bist wie ein Teenager" kommentiert hat.

Bericht 13

Frühe Phase

"Ich habe in einer Verhandlung den Namen unseres wichtigsten Kunden vergessen, und es war nicht das erste Mal."

Daniela R., 51, Luzern (CH)

Therapiedauer
6 Wochen
Therapie
Estradiol-Gel plus mikronisiertes Progesteron

Ich führe zusammen mit meinem Geschäftspartner eine Agentur für Industriedesign, 18 Leute. Seit fünfzehn Jahren bin ich die, die alles im Kopf hat: Termine, Zahlen, wer im Team gerade was braucht. Vor etwa einem Jahr hat das angefangen zu bröckeln. Ich stand in Sitzungen und habe ein Wort gesucht, das ich hundertmal benutzt hatte. Ich habe E-Mails zweimal geschrieben, weil ich vergessen hatte, dass ich sie schon geschickt hatte. Und ich war um vier Uhr nachmittags so leer, dass ich nur noch Mails sortiert habe.

Zuerst dachte ich an Burnout. Dann, ehrlich gesagt, an Demenz. Meine Grossmutter hatte Alzheimer, und ich habe nachts Symptome gegoogelt, statt zu schlafen. Was ich übersehen habe: Ich hatte auch nachts Schweissausbrüche, drei bis vier Mal, und meine Periode kam nur noch alle zwei, drei Monate. Für mich waren das getrennte Baustellen.

Bericht 14

Frühe Phase

"Meine Mutter hat ihren Brustkrebs überlebt, und trotzdem stand sie bei jedem Gespräch über Hormone im Raum."

Elisabeth G., 53, Linz (AT)

Therapiedauer
4 Wochen
Therapie
Estradiol-Gel niedrig dosiert plus mikronisiertes Progesteron

Meine Mutter war 61, als sie die Diagnose bekam. Hormonsensibler Brustkrebs, Operation, Bestrahlung, fünf Jahre Tabletten danach. Sie lebt heute noch, mit 84, und geht jeden Tag mit dem Hund an der Donau spazieren. Aber ich war damals 30, habe sie zu jeder Bestrahlung gefahren, und der Satz der Onkologin hat sich mir eingebrannt: Die Hormone, die sie in den Wechseljahren genommen hat, könnten eine Rolle gespielt haben. Meine Mutter hatte zehn Jahre eine Kombitablette genommen.

Als bei mir mit 50 die Wallungen anfingen, war für mich klar: keine Hormone. Ich habe Salbeitabletten probiert, Traubensilberkerze, Yoga, ein Kühlkissen. Ehrlich, einiges davon hat ein bisschen geholfen, oder ich habe es mir eingebildet. Nach drei Jahren war ich bei acht bis zehn Wallungen am Tag, schlief selten mehr als vier Stunden und bin bei der Arbeit in der Gemeindeverwaltung zweimal am Schreibtisch eingenickt. Mein Mann hat irgendwann gesagt, ich sei nicht mehr ich selbst. Er hatte recht, und ich war sauer auf ihn, weil er recht hatte.

Versorgung & Kosten

Vom ersten Gespräch zur Begleitung

1

Beschwerden ernst nehmen und dokumentieren

Ein Beschwerdetagebuch über zwei bis vier Wochen hilft beim ersten Termin: Wie viele Hitzewallungen pro Tag und Nacht, wie ist der Schlaf, wann kam die letzte Blutung? Fragebögen wie die Menopause Rating Scale (MRS) machen den Schweregrad vergleichbar. Erste Anlaufstelle ist meist die Gynäkologin oder der Gynäkologe, in der Schweiz und in Österreich häufig auch die Hausarztpraxis.

2

Abklärung und Risikoprofil

In der gynäkologischen Praxis werden Vorgeschichte, Blutdruck, Gewicht, Familienanamnese für Brustkrebs, Thrombose und Herzinfarkt sowie Medikamente erfasst. Dazu kommen eine gynäkologische Untersuchung, bei Bedarf ein Ultraschall der Gebärmutter und die Frage, ob die Mammografie aktuell ist. Hormonwerte werden nur bei jüngeren Frauen oder unklarer Situation bestimmt, Schilddrüsenwerte bei passendem Verdacht.

3

Gemeinsame Entscheidung

Gemeinsam wird abgewogen, ob eine Hormontherapie, eine hormonfreie Behandlung, eine lokale Therapie oder zunächst Lebensstil und Verhaltenstherapie passen. Die S3-Leitlinie verlangt eine individuelle Aufklärung über Nutzen und Risiken in absoluten Zahlen. Gewählt werden Wirkstoff, Anwendungsform und die niedrigste wirksame Dosis, bei vorhandener Gebärmutter immer mit Gestagen.

4

Kontrolle und jährliche Neubewertung

Nach etwa drei Monaten folgt eine Kontrolle zu Wirkung, Blutungen und Nebenwirkungen, danach mindestens jährlich ein Gespräch. Eine feste Höchstdauer gibt es laut S3-Leitlinie und NAMS 2022 nicht. Entscheidend ist, ob die Beschwerden weiter bestehen und sich das Risikoprofil verändert hat. Zum Beenden kann die Therapie langsam ausgeschlichen oder direkt abgesetzt werden, die Rückfallrate der Hitzewallungen unterscheidet sich zwischen beiden Wegen kaum. Blutungen nach mehr als zwölf Monaten Blutungsfreiheit werden immer abgeklärt.

Die Kosten einer klassischen Hormontherapie sind in allen drei Ländern überschaubar, weil die meisten Präparate als Generika oder seit langem bekannte Arzneimittel erstattet werden. Komplizierter wird es bei den neuen hormonfreien Wirkstoffen, bei der Knochendichtemessung und bei Angeboten ausserhalb des Leistungskatalogs.

Wer verschreibt
CH
Gynäkologin oder Gynäkologe als Zentrum der Behandlung; Hausärztin oder Hausarzt; Fachärztinnen mit Schwerpunkt Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin bei komplexen Fällen
DE
Fachärztin oder Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe als Zentrum; Hausarztpraxis möglich; Schwerpunkt Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin bei vorzeitiger Ovarialinsuffizienz und komplexen Fällen
AT
Fachärztin oder Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe als Zentrum; Allgemeinmedizin; gynäkologische Endokrinologie an Universitätskliniken
Kostenübernahme Grundversicherung/GKV/ÖGK
CH
OKP übernimmt Hormonpräparate auf der Spezialitätenliste (SL), darunter Estradiol-Gel und Pflaster, orales Estradiol, mikronisiertes Progesteron, Dydrogesteron, Kombipräparate und vaginales Estriol; Hormonspirale je nach Präparat und Indikation, vorab klären; compoundierte Hormone und Testosteron für Frauen in der Regel nicht
DE
GKV übernimmt verschreibungspflichtige Hormonpräparate, vaginale Östrogene und die Hormonspirale zum Endometriumschutz; Zuzahlung 10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro pro Packung; Off-label-Verordnungen wie Testosteron für Frauen in der Regel nicht
AT
ÖGK und andere Kassen übernehmen die meisten Hormonpräparate aus dem Erstattungskodex (grüner Bereich) gegen Rezeptgebühr; liegt der Packungspreis unter der Rezeptgebühr, zahlt man den Preis selbst
Selbstbehalt und typische Monatskosten
CH
Franchise (300 bis 2500 Franken pro Jahr) plus 10 Prozent Selbstbehalt bis 700 Franken pro Jahr, 40 Prozent bei Originalen mit günstigerem Generikum; Estradiol plus Progesteron etwa 20 bis 50 Franken pro Monat vor Abzug der Kasse
DE
Pro Packung 5 bis 10 Euro Zuzahlung, bei Dreimonatspackungen also wenige Euro pro Monat; Befreiung ab Belastungsgrenze von 2 Prozent des Bruttoeinkommens (1 Prozent bei chronischer Krankheit)
AT
Rezeptgebühr pro Packung (2026 etwa 7,55 Euro), Obergrenze 2 Prozent des Nettoeinkommens pro Jahr; Befreiung bei geringem Einkommen möglich
Fezolinetant: Kosten und Erstattung
CH
Zugelassen; ob und mit welcher Limitatio das Präparat auf der SL steht, vor Verordnung prüfen; ohne SL Selbstzahlung, Grössenordnung nach unserem Stand etwa 70 bis 120 Franken pro Monat
DE
Verschreibungsfähig zulasten der GKV mit üblicher Zuzahlung; der G-BA hat in der Nutzenbewertung 2024 keinen Zusatznutzen gegenüber der Vergleichstherapie festgestellt, der Erstattungsbetrag wurde verhandelt; Privatpreis etwa 60 bis 100 Euro pro Monat
AT
Nach unserem Stand nicht im grünen Bereich des Erstattungskodex; Kostenübernahme im Einzelfall über chefärztliche Bewilligung anfragen, sonst Selbstzahlung im Bereich von etwa 60 bis 100 Euro pro Monat
Menopause-Sprechstunden
CH
Spezialsprechstunden an Universitäts- und Kantonsspitälern, etwa in Zürich, Bern, Basel, Lausanne und Genf, meist mit Zuweisung; Kosten über OKP
DE
Menopause- und Hormonsprechstunden an Universitätsfrauenkliniken und in spezialisierten Praxen; Kassenleistung mit Überweisung, zusätzliche Beratungsangebote teils als Selbstzahlerleistung (IGeL)
AT
Ambulanzen für gynäkologische Endokrinologie an Universitätskliniken, etwa in Wien, Graz und Innsbruck; mit Zuweisung über die Kasse
Knochendichtemessung
CH
DXA zulasten der OKP nur bei Indikation, etwa nach Knochenbruch ohne grösseres Trauma, unter Kortisontherapie, bei Hypogonadismus; Kontrolle frühestens nach zwei Jahren; ohne Indikation Selbstzahlung, etwa 100 bis 200 Franken
DE
DXA als Kassenleistung bei Verdacht auf Osteoporose mit Konsequenz für die Behandlung, etwa nach Fraktur oder bei Risikofaktoren nach DVO; als reine Vorsorge Selbstzahlerleistung, etwa 30 bis 80 Euro
AT
DXA mit Zuweisung und Indikation über die Kasse; als Vorsorge ohne Indikation Selbstzahlung, etwa 50 bis 100 Euro
Programme, Reha und Hilfsmittel
CH
Kein nationales Programm; Beckenbodenphysiotherapie auf ärztliche Verordnung über OKP (in der Regel neun Sitzungen pro Verordnung); Pessare teils über die Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL)
DE
Kein DMP für Wechseljahre; Beckenbodenphysiotherapie als Heilmittel auf Rezept mit Zuzahlung; Pessare und Inkontinenzhilfen als Hilfsmittel; Rehabilitation bei schweren Begleiterkrankungen über die Rentenversicherung
AT
Kein spezifisches Programm; Physiotherapie auf Zuweisung mit Kostenzuschuss bei Wahltherapeutinnen; Inkontinenzhilfen über die Kasse nach Bewilligung
Regulierungsbehörde
CH
Swissmedic (Zulassung, Sicherheitsinformationen), BAG (Spezialitätenliste, Preise, Leistungskatalog)
DE
BfArM (Zulassung, Rote-Hand-Briefe), G-BA (Nutzenbewertung, Richtlinien), EMA für zentral zugelassene Wirkstoffe wie Fezolinetant
AT
BASG mit AGES Medizinmarktaufsicht (Zulassung, Sicherheitsinformationen), Dachverband der Sozialversicherungsträger (Erstattungskodex), EMA

Bei Fezolinetant und Elinzanetant ändern sich Erstattung und Verfügbarkeit derzeit am schnellsten. Wer eine Verordnung erwägt, lässt sich in der Schweiz von der Praxis oder Apotheke den aktuellen SL-Status zeigen, in Deutschland bei der Krankenkasse bestätigen, dass keine Einschränkung besteht, und in Österreich vorab die chefärztliche Bewilligung beantragen. Bei Fezolinetant kommen die Kosten der Leberwertkontrollen hinzu, die als ärztliche Leistung von der Kasse getragen werden.

Die Hormonspirale wird in Deutschland zur Verhütung nur bis zum 22. Geburtstag von der GKV bezahlt. Dient sie dem Endometriumschutz oder der Behandlung starker Blutungen, ist sie eine medizinische Verordnung, was die Kostenübernahme in der Regel ermöglicht. In der Schweiz und in Österreich hängt die Übernahme von Präparat und Indikation ab, eine Nachfrage bei der Kasse vor der Einlage erspart Überraschungen. Mit Einlage kostet sie je nach Land und Praxis etwa 250 bis 450 Franken oder Euro.

Spezialisten finden. Für die meisten Frauen reicht die eigene Gynäkologin oder der eigene Gynäkologe, die Hormontherapie gehört zu ihrem Kerngebiet. In komplexen Situationen lohnt sich eine Spezialsprechstunde: bei vorzeitiger Ovarialinsuffizienz, nach Brustkrebs oder einem anderen hormonabhängigen Tumor, nach Thrombose oder Schlaganfall, bei Migräne mit Aura, bei anhaltenden Blutungsstörungen unter Therapie oder wenn mehrere Versuche nicht geholfen haben. Zuständig ist die Fachrichtung Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, ein Schwerpunkt der Frauenheilkunde in allen drei Ländern. In der Schweiz führen die Universitätsspitäler und mehrere Kantonsspitäler Menopause-Sprechstunden, Adressen vermitteln die SGGG und die Schweizerische Menopausegesellschaft. In Deutschland nennen die Deutsche Menopause Gesellschaft und die Universitätsfrauenkliniken Ansprechpartnerinnen. In Österreich sind die Ambulanzen für gynäkologische Endokrinologie an den Universitätskliniken die erste Adresse, Hinweise gibt die OEGGG. Für Knochen und Osteoporose sind Fachärztinnen für Endokrinologie, Rheumatologie oder Osteologie zuständig, für Beckenboden und Inkontinenz Urogynäkologie und spezialisierte Beckenbodenphysiotherapie. Nach Brustkrebs gehört die Onkologie immer mit an den Tisch.

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Studien & Updates

Aktuelle Evidenz

Aktuelle Evidenz

Kaum ein Medikament ist so oft neu bewertet worden wie die Hormontherapie in den Wechseljahren. 2002 stoppte die Women's Health Initiative ihre grosse Studie vorzeitig, und die Verordnungen brachen in vielen Ländern innert eines Jahres um mehr als die Hälfte ein. Seither haben Nachauswertungen und neue Studien gezeigt, dass Alter, Zeitpunkt des Beginns, Wirkstoff und Anwendungsform viel ausmachen. Dazu kommen seit 2023 Medikamente ohne Hormone, die direkt im Wärmezentrum des Gehirns ansetzen. Die Zahlen unten stammen aus den Originalpublikationen. Sie beschreiben Gruppen, nicht einzelne Frauen: Wie stark eine Frau profitiert und welches Risiko sie trägt, hängt von ihrem Alter, ihrem Gewicht, ihrer Familiengeschichte und ihren Begleiterkrankungen ab.

StudieJAMA, 2002-07

WHI: Östrogen plus Gestagen bei 50- bis 79-Jährigen

16'608 Frauen nach der Menopause mit Gebärmutter erhielten täglich konjugierte equine Östrogene 0,625 mg plus Medroxyprogesteronacetat 2,5 mg oder Placebo. Das Durchschnittsalter lag bei 63 Jahren, die meisten Frauen hatten keine Wechseljahresbeschwerden mehr. Nach im Mittel 5,2 Jahren wurde die Studie abgebrochen: Auf 10'000 Frauen pro Behandlungsjahr kamen unter der Therapie 8 Fälle von invasivem Brustkrebs, 7 koronare Ereignisse, 8 Schlaganfälle und 8 Lungenembolien mehr, dafür 6 Darmkrebsfälle und 5 Hüftbrüche weniger. Der Östrogen-allein-Arm mit 10'739 Frauen ohne Gebärmutter (JAMA, 2004-04) zeigte ein erhöhtes Schlaganfallrisiko, aber keine Zunahme von Brustkrebs. Die WHI hat die Vorstellung beendet, Hormone schützten ältere Frauen allgemein vor Herzkrankheiten.

StudieJAMA, 2017-09

WHI-Langzeitauswertung: keine erhöhte Sterblichkeit nach 18 Jahren

Manson und Kolleginnen werteten beide WHI-Studien mit zusammen 27'347 Frauen über eine kumulative Nachbeobachtung von 18 Jahren aus, also weit über das Ende der Behandlung hinaus. Gestorben waren 27,1 Prozent der Frauen aus den Hormongruppen und 27,6 Prozent aus den Placebogruppen (Hazard Ratio 0,99). Auch bei Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und durch Krebs gab es keinen Unterschied. Bei den 50- bis 59-Jährigen lag die Sterblichkeit während der Behandlungszeit tendenziell tiefer als unter Placebo, bei den 70- bis 79-Jährigen nicht. Die Auswertung beantwortet nicht, ob Hormone das Leben verlängern, wohl aber, dass eine Behandlung über fünf bis sieben Jahre die Gesamtsterblichkeit nicht erhöht.

StudieAnn Intern Med, 2014-08 und PLoS Med, 2015-06

KEEPS: Hormone kurz nach der Menopause und die Gefässe

727 gesunde Frauen zwischen 42 und 58 Jahren, deren letzte Menstruation sechs Monate bis drei Jahre zurücklag, erhielten vier Jahre lang konjugierte Östrogene 0,45 mg als Tablette, Estradiol 50 Mikrogramm pro Tag als Pflaster oder Placebo, Frauen mit Gebärmutter zusätzlich an zwölf Tagen pro Monat mikronisiertes Progesteron 200 mg. Die Wanddicke der Halsschlagader nahm in allen drei Gruppen gleich zu, ein Schutz der Gefässe liess sich also nicht nachweisen, ein Schaden aber auch nicht. Hitzewallungen, Schlaf und Knochendichte besserten sich unter beiden Hormonformen. In der Auswertung zu Denken und Stimmung (PLoS Med 2015) blieb die geistige Leistung unverändert, die Tablettenform besserte depressive und ängstliche Symptome leicht.

StudieNEJM, 2016-03

ELITE: Das Zeitfenster für den Therapiebeginn

643 gesunde Frauen nach der Menopause wurden nach dem Abstand zur letzten Menstruation in zwei Gruppen geteilt: weniger als sechs Jahre oder mindestens zehn Jahre. Sie erhielten täglich Estradiol 1 mg als Tablette oder Placebo, Frauen mit Gebärmutter zusätzlich an zehn Tagen pro Zyklus Progesteron als Vaginalgel. Nach im Median fünf Jahren verdickte sich die Wand der Halsschlagader in der frühen Gruppe unter Estradiol langsamer als unter Placebo (0,0044 gegenüber 0,0078 mm pro Jahr), in der späten Gruppe gab es keinen Unterschied. Bei den Messungen der Herzkranzgefässe mittels Computertomografie zeigte sich in keiner Gruppe ein Effekt. ELITE ist die wichtigste Studie hinter der Zeitfenster-Hypothese, misst aber Gefässveränderungen und keine Herzinfarkte.

StudieLancet, 2019-08

Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer: Brustkrebsrisiko nach Art und Dauer

Die Auswertung fasst 58 Beobachtungsstudien mit 108'647 Frauen zusammen, die nach der Menopause an Brustkrebs erkrankt waren. Alle systemischen Hormontherapien waren mit einem erhöhten Risiko verbunden, Östrogen plus Gestagen stärker als Östrogen allein, Vaginalpräparate mit niedriger Dosis kaum. Das Risiko stieg mit der Dauer der Einnahme und blieb nach dem Absetzen über Jahre etwas erhöht. Für Frauen, die mit 50 Jahren fünf Jahre lang Hormone nehmen, schätzten die Autorinnen und Autoren bis zum 70. Lebensjahr 63 Brustkrebsfälle pro 1000 Frauen ohne Therapie, 68 unter Östrogen allein, 77 unter Östrogen mit zyklischem Gestagen und 83 unter Östrogen mit täglichem Gestagen. Nach zehn Jahren Einnahme ist der Zusatzfall etwa doppelt so gross. Fachgesellschaften kritisieren, dass Beobachtungsdaten Ursache und Zusammenhang nicht sicher trennen.

StudieBMJ, 2019-01

Vinogradova und Kollegen: Thromboserisiko bei Tablette, Pflaster und Gel

Die Fall-Kontroll-Studie nutzte zwei grosse britische Hausarztdatenbanken mit 80'396 Frauen zwischen 40 und 79 Jahren, die eine venöse Thrombose oder Lungenembolie erlitten hatten, und 391'494 Vergleichsfrauen. Hormontabletten waren mit einem um etwa 58 Prozent erhöhten Thromboserisiko verbunden (Odds Ratio 1,58). Bei Östrogen über die Haut, als Pflaster oder Gel, war kein erhöhtes Risiko nachweisbar (Odds Ratio 0,93). Unter den Tabletten hatte Estradiol mit Dydrogesteron das geringste, konjugierte Östrogene mit Medroxyprogesteronacetat das höchste Risiko. Die Studie ist die Grundlage für die Empfehlung, bei Übergewicht, früherer Thrombose oder anderen Risikofaktoren die transdermale Form zu wählen.

StudieLancet, 2023-03 und J Clin Endocrinol Metab, 2023-08

SKYLIGHT 1 und 2: Fezolinetant gegen Hitzewallungen ohne Hormone

In zwei gleich aufgebauten Studien mit 527 und 501 Frauen zwischen 40 und 65 Jahren und mindestens sieben mittelstarken bis starken Hitzewallungen pro Tag wurde zwölf Wochen lang Fezolinetant (Veoza) 30 oder 45 mg täglich mit Placebo verglichen, danach erhielten alle Frauen bis Woche 52 den Wirkstoff. Fezolinetant blockiert den Neurokinin-3-Rezeptor im Wärmezentrum des Gehirns. In SKYLIGHT 1 gingen die Hitzewallungen bis Woche 12 unter 45 mg um etwa 2,5 pro Tag stärker zurück als unter Placebo, in SKYLIGHT 2 ähnlich, ausgehend von rund zehn bis elf pro Tag. Auch die Stärke nahm ab. Bei einem kleinen Teil der Frauen stiegen die Leberwerte an.

StudieJAMA, 2024-08

OASIS 1 und 2: Elinzanetant mit Wirkung auf den Schlaf

396 und 400 Frauen zwischen 40 und 65 Jahren mit mittelstarken bis starken Hitzewallungen erhielten zwölf Wochen lang täglich Elinzanetant (Lynkuet) 120 mg oder Placebo, danach bis Woche 26 alle den Wirkstoff. Elinzanetant blockiert zwei Rezeptoren, Neurokinin 1 und Neurokinin 3. In Woche 12 hatten die Frauen etwa 3,2 Hitzewallungen pro Tag weniger als unter Placebo, die Wirkung setzte bereits in der ersten Woche ein. Schlafstörungen und wechseljahresbedingte Lebensqualität besserten sich ebenfalls messbar. Häufigste Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen und Müdigkeit. Ein direkter Vergleich mit Fezolinetant oder mit einer Hormontherapie fehlt.

Leitlinien

UpdateMenopause, 2022-07

Position Statement der North American Menopause Society (NAMS)

Die Fachgesellschaft, die sich 2023 in The Menopause Society umbenannt hat, fasst die Evidenz nach der WHI zusammen. Für Frauen unter 60 Jahren oder innerhalb von zehn Jahren nach der Menopause ohne Gegenanzeigen überwiegt der Nutzen einer Hormontherapie die Risiken, wenn sie belastende Hitzewallungen behandelt oder Knochenschwund vorbeugt. Bei späterem Beginn steigen die absoluten Risiken für koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Thrombose und Demenz. Eine feste Altersgrenze für das Absetzen gibt es nicht, auch über 65 Jahre kann die Therapie nach individueller Abwägung weiterlaufen. Für Scheidentrockenheit und Beschwerden beim Wasserlösen empfiehlt die Stellungnahme niedrig dosierte vaginale Östrogene.

UpdateAWMF, 2020-01

S3-Leitlinie "Peri- und Postmenopause: Diagnostik und Interventionen"

Die Leitlinie der Deutschen, Schweizerischen und Österreichischen Gesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG, SGGG, OEGGG) ist die Referenz für alle drei Länder. Ab 45 Jahren sollen Perimenopause und Menopause anhand der Beschwerden und des Zyklus festgestellt werden, Hormonbestimmungen im Blut sind dafür in der Regel nicht nötig. Die Hormontherapie gilt als wirksamste Behandlung von Hitzewallungen und soll individuell begonnen und regelmässig überprüft werden, ohne starre Zeitbegrenzung. Frauen mit Gebärmutter brauchen zum Östrogen ein Gestagen. Bei erhöhtem Thromboserisiko wird Östrogen über die Haut bevorzugt. Als Alternativen nennt die Leitlinie unter anderem kognitive Verhaltenstherapie, Isoflavone, Traubensilberkerze und bestimmte Antidepressiva, jeweils mit schwächerer Wirkung als Hormone.

Behörden-Update

UpdateEMA/PRAC, 2024

Fezolinetant: Kontrolle der Leberwerte

Nach Berichten über Leberschäden unter Fezolinetant (Veoza) empfahl der Pharmakovigilanzausschuss der Europäischen Arzneimittelagentur 2024, die Produktinformation zu ergänzen. Vor Beginn der Behandlung sollen die Leberwerte bestimmt werden, danach während der ersten drei Behandlungsmonate monatlich und später bei Beschwerden. Frauen sollen das Medikament absetzen und ärztlichen Rat suchen, wenn Zeichen einer Leberschädigung auftreten: Müdigkeit, Juckreiz, Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunkler Urin, heller Stuhl oder Schmerzen im rechten Oberbauch. Bei bekannter Lebererkrankung wird Fezolinetant nicht eingesetzt.

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FAQ, Glossar & Downloads

Häufige Fragen

Erhöht Hormontherapie das Brustkrebsrisiko?+

Ja, leicht, und wie stark, hängt von der Art und der Dauer ab. Nach der grossen Auswertung im Lancet 2019 erkranken von 1000 Frauen, die mit 50 Jahren fünf Jahre lang Östrogen plus tägliches Gestagen nehmen, bis zum 70. Lebensjahr etwa 83 an Brustkrebs, ohne Hormone etwa 63. Unter Östrogen allein, das nur Frauen ohne Gebärmutter bekommen, sind es etwa 68, unter niedrig dosierten Vaginalpräparaten praktisch nicht mehr als ohne Therapie. Übergewicht nach der Menopause und regelmässiger Alkoholkonsum erhöhen das Risiko nach Schätzungen ähnlich stark. Wer schon Brustkrebs hatte, bekommt in der Regel keine systemische Hormontherapie. Der Risiko-Rechner unten zeigt die Zahlen als Bild.

Bis zu welchem Alter darf ich Hormone nehmen?+

Eine feste Altersgrenze gibt es nicht, entscheidend ist vor allem der Beginn. Am günstigsten ist das Verhältnis von Nutzen und Risiko, wenn die Therapie vor dem 60. Geburtstag oder innerhalb von zehn Jahren nach der letzten Menstruation startet. Ein Neubeginn mit über 60 Jahren oder lange nach der Menopause wird zurückhaltender gesehen, weil Schlaganfall-, Thrombose- und Herzrisiken dann stärker ins Gewicht fallen. Wer die Therapie gut verträgt und weiter davon profitiert, muss sie nicht mit 60 oder 65 absetzen. Sinnvoll ist ein jährliches Gespräch, in dem Beschwerden, Dosis, Anwendungsform und neue Risikofaktoren überprüft werden. Ein Absetzversuch kann ausschleichend erfolgen.

Wie merke ich, dass die Wechseljahre beginnen?+

Meist zuerst am Zyklus. In der frühen Perimenopause werden die Abstände zwischen den Blutungen oft kürzer oder unregelmässig, später bleiben Blutungen für zwei Monate oder länger aus. Viele Frauen bemerken in dieser Zeit Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen, Durchschlafstörungen, Reizbarkeit, gedrückte Stimmung, Gelenkschmerzen oder Konzentrationsprobleme, manche gar nichts. Die Perimenopause beginnt bei den meisten Mitte bis Ende 40, die letzte Menstruation liegt im Mittel bei etwa 51 Jahren. Die Menopause steht erst im Rückblick fest, nach zwölf Monaten ohne Blutung. Hören die Blutungen vor 40 auf, sollte das ärztlich abgeklärt werden, ebenso jede Blutung nach einem Jahr Pause.

Hilft ein Hormontest im Blut?+

Ab 45 Jahren meistens nicht. In der Perimenopause schwanken FSH und Estradiol von Woche zu Woche stark, ein einzelner Wert kann normal ausfallen, obwohl die Wechseljahre längst begonnen haben, oder umgekehrt. Die S3-Leitlinie empfiehlt deshalb, die Diagnose ab 45 Jahren anhand des Zyklus und der Beschwerden zu stellen. Unter der Pille oder einer Hormonspirale sind die Werte ohnehin kaum zu deuten. Sinnvoll ist eine Blutuntersuchung bei Frauen unter 40 Jahren mit Zyklusstörungen, bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung oder wenn die Beschwerden untypisch sind. Auch der AMH-Wert sagt im Einzelfall nicht verlässlich voraus, wann die letzte Menstruation kommt. Speicheltests sind dafür nicht geeignet.

Was bringen pflanzliche Mittel (Traubensilberkerze, Soja)?+

Etwas, bei manchen Frauen, deutlich weniger als Hormone. Für Extrakte aus Traubensilberkerze (Cimicifuga) gibt es Studien mit leichter Besserung der Hitzewallungen, eine Cochrane-Übersicht von 2012 fand insgesamt aber keinen sicheren Nutzen gegenüber Placebo. Die S3-Leitlinie nennt sie als mögliche Option. Selten wurden Leberschäden berichtet, bei Lebererkrankungen ist Vorsicht geboten. Isoflavone aus Soja oder Rotklee senken Häufigkeit und Stärke der Hitzewallungen in Metaanalysen gering, die Wirkung setzt erst nach einigen Wochen ein. Nach Brustkrebs sollten pflanzliche Präparate nur nach Rücksprache genommen werden. Johanniskraut, oft beigemischt, beeinflusst viele Medikamente und macht die Pille unwirksam.

Nehme ich durch die Wechseljahre zu?+

Ein wenig, und vor allem an einer anderen Stelle. In der US-amerikanischen Langzeitstudie SWAN nahmen Frauen in der Lebensmitte im Durchschnitt etwa ein halbes Kilo pro Jahr zu, das lag aber eher am Älterwerden, an weniger Bewegung und an der sinkenden Muskelmasse als an der Menopause selbst. Was sich durch den Östrogenabfall ändert, ist die Fettverteilung: Mehr Fett lagert sich am Bauch und um die Organe an, was das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes erhöht. Eine Hormontherapie macht nicht dick, sie verhindert die Zunahme aber auch nicht. Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche erhält Muskeln und Knochen und hilft am meisten.

Wie lange dauern Hitzewallungen?+

Länger, als viele erwarten. In der SWAN-Studie (JAMA Intern Med 2015) dauerten häufige Hitzewallungen im Median etwa siebeneinhalb Jahre, nach der letzten Menstruation noch rund viereinhalb Jahre. Frauen, bei denen sie schon früh in der Perimenopause begannen, hatten sie oft mehr als zehn Jahre. Bei einem Teil der Frauen halten sie bis über das 60. Lebensjahr hinaus an, andere haben nur wenige Monate leichte Beschwerden. Die Unterschiede sind gross, auch zwischen Ländern und Bevölkerungsgruppen. Wer stark leidet, muss nicht abwarten, bis die Hitzewallungen von allein aufhören: Hormone, Fezolinetant, Elinzanetant und andere Mittel wirken bereits in den ersten Wochen.

Sind bioidentische Hormone sicherer?+

Das Wort wird für zwei verschiedene Dinge benutzt. Estradiol und mikronisiertes Progesteron sind körperidentisch, also chemisch gleich wie die eigenen Hormone, und als geprüfte Arzneimittel zugelassen. Für Progesteron gibt es Hinweise aus Beobachtungsstudien, dass es das Brustkrebsrisiko in den ersten Jahren weniger erhöht als synthetische Gestagene, sicher belegt ist das nicht. Anders sieht es bei individuell gemischten Cremes und Kapseln aus Apotheken oder Kliniken aus, die oft nach Speichel- oder Bluttests dosiert werden: Ihr Gehalt und ihre Sicherheit sind nicht in Studien geprüft. Progesteroncreme schützt die Gebärmutterschleimhaut nicht zuverlässig, dafür reicht die Aufnahme über die Haut nicht aus.

Was hilft gegen Scheidentrockenheit und Brennen beim Wasserlösen?+

Diese Beschwerden betreffen etwa die Hälfte der Frauen nach der Menopause, und anders als Hitzewallungen gehen sie meist nicht von allein weg, sondern nehmen über die Jahre zu. Gleitmittel beim Sex und Feuchtigkeitsgels für die Scheide helfen bei leichten Beschwerden. Sehr wirksam sind niedrig dosierte Östrogene direkt in die Scheide, als Creme, Zäpfchen, Tablette oder Ring mit Estriol oder Estradiol. Sie gelangen kaum ins Blut, brauchen in der Regel kein zusätzliches Gestagen und dürfen langfristig angewendet werden. Wiederkehrende Blasenentzündungen werden damit oft seltener. Nach Brustkrebs ist eine vaginale Behandlung nach Rücksprache mit der Onkologin oder dem Onkologen häufig trotzdem möglich.

Was hilft ohne Hormone gegen Hitzewallungen?+

Am stärksten wirken die neuen Neurokinin-Rezeptor-Blocker Fezolinetant (Veoza) und Elinzanetant (Lynkuet), die gezielt für Hitzewallungen entwickelt wurden. Daneben verringern bestimmte Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI und SNRI, etwa Venlafaxin, Escitalopram oder niedrig dosiertes Paroxetin, Hitzewallungen um etwa ein Viertel bis ein Drittel stärker als Placebo; Gabapentin und Clonidin sind weitere Möglichkeiten mit mehr Nebenwirkungen. Kognitive Verhaltenstherapie verringert in Studien weniger die Zahl als die Belastung durch die Hitzewallungen und bessert den Schlaf. Hilfreich sind auch Abnehmen bei Übergewicht, Rauchstopp, leichte Kleidung in Schichten und ein kühles Schlafzimmer. Nach Brustkrebs sind manche Antidepressiva wegen Wechselwirkungen mit Tamoxifen ungeeignet.

Glossar

Perimenopause
Übergangszeit vor und um die letzte Menstruation, in der die Eierstockfunktion nachlässt und die Hormonspiegel stark schwanken. Sie beginnt meist Mitte bis Ende 40 mit Zyklusveränderungen und endet ein Jahr nach der letzten Blutung.
Menopause
Zeitpunkt der letzten Menstruation, der erst im Rückblick feststeht, wenn zwölf Monate lang keine Blutung mehr aufgetreten ist. Im deutschsprachigen Raum liegt sie im Mittel bei etwa 51 Jahren.
Postmenopause
Lebensphase ab der Menopause. Die Östrogenspiegel bleiben dauerhaft tief, was langfristig Knochen, Gefässe, Haut und Schleimhäute von Scheide und Harnwegen betrifft.
Hitzewallung
Plötzliches Wärmegefühl, meist an Brust, Hals und Gesicht, oft mit Rötung, Schwitzen und Herzklopfen, gefolgt von Frösteln. Eine Hitzewallung dauert typischerweise wenige Minuten und tritt bei manchen Frauen mehrmals pro Stunde auf, nachts als Nachtschweiss.
Vasomotorische Symptome
Sammelbegriff für Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen. Sie entstehen, weil das Wärmezentrum im Hypothalamus bei sinkendem Östrogen empfindlicher reagiert und schon bei kleinen Temperaturschwankungen Abkühlung auslöst.
HRT / MHT
Hormone Replacement Therapy beziehungsweise Menopausal Hormone Therapy, die Hormontherapie in den Wechseljahren. Sie besteht aus einem Östrogen, bei Frauen mit Gebärmutter kombiniert mit einem Gestagen; der Begriff MHT wird international zunehmend bevorzugt, weil kein Mangel im Sinne einer Krankheit ersetzt wird.
Estradiol
Das wichtigste Östrogen des Körpers vor der Menopause. Als Arzneimittel ist es körperidentisch und wird als Tablette, Pflaster, Gel oder Spray angewendet.
Gestagen
Hormon mit der Wirkung des Gelbkörperhormons, etwa mikronisiertes Progesteron, Dydrogesteron oder synthetische Varianten. In der Hormontherapie schützt es die Gebärmutterschleimhaut vor dem Wachstumsreiz des Östrogens.
Endometriumschutz
Schutz der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) vor übermässigem Wachstum und Krebs. Östrogen allein erhöht das Risiko für Gebärmutterkrebs, deshalb brauchen Frauen mit Gebärmutter ein Gestagen in ausreichender Dosis und Dauer, zyklisch oder täglich.
Transdermal
Über die Haut aufgenommen, etwa als Pflaster, Gel oder Spray. Transdermales Estradiol umgeht den ersten Durchgang durch die Leber und erhöht nach heutigem Wissen das Thromboserisiko nicht.
POI
Prämature Ovarialinsuffizienz, das Nachlassen der Eierstockfunktion vor dem 40. Lebensjahr, bei etwa einem Prozent der Frauen. Betroffenen wird eine Hormontherapie mindestens bis zum durchschnittlichen Menopausenalter empfohlen, um Knochen und Herz zu schützen.
Urogenitales Menopausensyndrom
Beschwerden an Scheide, Vulva und Harnwegen durch den Östrogenmangel, im Englischen Genitourinary Syndrome of Menopause (GSM). Dazu gehören Trockenheit, Brennen, Schmerzen beim Sex, häufiger Harndrang und wiederkehrende Blasenentzündungen.

Downloads & Tools

Rechner 1: Menopause Rating Scale (MRS)

Textfassung, noch kein Rechner

Name: Wechseljahres-Beschwerden nach der Menopause Rating Scale (MRS, nach Heinemann und Kolleginnen und Kollegen)

Lizenz: Die MRS wurde in Deutschland entwickelt und ist nach Angaben der Entwicklergruppe um Heinemann frei verfügbar und ohne Lizenzgebühr nutzbar, auch die validierte deutsche Originalfassung. Vor der Veröffentlichung sind die aktuellen Nutzungsbedingungen bei der Rechteinhaberin zu bestätigen und die Quelle im Rechner zu nennen. Der Rechner verwendet den Wortlaut der deutschen Originalfassung; die Kurzbeschreibungen unten dienen der Spezifikation.

Eingaben: Elf Beschwerden, jeweils bezogen auf den aktuellen Zeitraum, mit fünf Stufen: 0 keine, 1 leicht, 2 mittel, 3 stark, 4 sehr stark.

  1. Wallungen, Schwitzen (Hitzewallungen, Schweissausbrüche)
  2. Herzbeschwerden (Herzklopfen, Herzrasen, Herzstolpern, Herzbeklemmung)
  3. Schlafstörungen (Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, zu frühes Aufwachen)
  4. Depressive Verstimmung (Mutlosigkeit, Traurigkeit, Weinerlichkeit, Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen)
  5. Reizbarkeit (Nervosität, innere Anspannung, Aggressivität)
  6. Ängstlichkeit (innere Unruhe, Panik)
  7. Körperliche und geistige Erschöpfung (allgemeine Leistungsminderung, Gedächtnisminderung, Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit)
  8. Sexualprobleme (Veränderung des sexuellen Verlangens, der sexuellen Betätigung und Befriedigung)
  9. Harnwegsbeschwerden (Beschwerden beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, unwillkürlicher Harnabgang)
  10. Trockenheit der Scheide (Trockenheitsgefühl, Brennen, Beschwerden beim Geschlechtsverkehr)
  11. Gelenk- und Muskelbeschwerden (Schmerzen im Bereich der Gelenke, rheumaähnliche Beschwerden)

Formel:

  • Somatische Subskala = Items 1, 2, 3 und 11 (0 bis 16 Punkte)
  • Psychische Subskala = Items 4, 5, 6 und 7 (0 bis 16 Punkte)
  • Urogenitale Subskala = Items 8, 9 und 10 (0 bis 12 Punkte)
  • Gesamtwert = Summe aller elf Items (0 bis 44 Punkte)

Der Rechner verlangt eine Antwort auf alle elf Items, bevor er auswertet.

Ausgabe: Gesamtwert und die drei Subskalen als Balken, jeweils mit Einstufung nach den Referenzbereichen der Entwicklergruppe.

  • Gesamtwert: 0 bis 4 keine oder kaum Beschwerden, 5 bis 8 leicht, 9 bis 15 mittel, ab 16 schwer
  • Somatisch: 0 bis 2 keine oder kaum, 3 bis 4 leicht, 5 bis 8 mittel, ab 9 schwer
  • Psychisch: 0 bis 1 keine oder kaum, 2 bis 3 leicht, 4 bis 6 mittel, ab 7 schwer
  • Urogenital: 0 keine, 1 leicht, 2 bis 3 mittel, ab 4 schwer

Dazu eine Einordnung: Bei mittleren oder schweren Werten erscheint der Hinweis, das Ergebnis mit der Gynäkologin, dem Gynäkologen oder der Hausarztpraxis zu besprechen. Ist die urogenitale Subskala erhöht, verweist der Rechner auf die FAQ zur Scheidentrockenheit, weil diese Beschwerden eigens behandelt werden können. Auf Wunsch speichert der Rechner frühere Ergebnisse lokal auf dem Gerät, damit sich die Werte vor und unter einer Behandlung vergleichen lassen; die Entwicklergruppe beschreibt die MRS ausdrücklich auch als Verlaufsmass.

Interpretationsgrenzen: Die MRS misst die Stärke von Beschwerden, sie stellt weder die Diagnose Wechseljahre noch schliesst sie andere Ursachen aus. Herzbeschwerden, Erschöpfung und depressive Verstimmung können auch von Schilddrüse, Blutarmut, Herzkrankheiten oder einer Depression kommen. Bei Brustschmerz, Atemnot oder Herzrasen mit Schwindel gilt der Notruf (CH 144, DE 112, AT 144), nicht der Rechner. Wer sich anhaltend hoffnungslos fühlt oder an Suizid denkt, soll sofort Hilfe holen (CH Die Dargebotene Hand 143, DE TelefonSeelsorge 0800 111 0 111, AT TelefonSeelsorge 142). Die Referenzbereiche beruhen auf Bevölkerungsstichproben und sind keine Behandlungsschwellen.

Rechner 2: Brustkrebsrisiko mit und ohne Hormontherapie (Spezifikation)

Textfassung, noch kein Rechner

Name: Brustkrebsrisiko pro 1000 Frauen, absolute Darstellung

Zweck: Der Rechner übersetzt relative Risiken in absolute Zahlen. Er zeigt, wie viele von 1000 Frauen zwischen dem 50. und dem 70. Lebensjahr an Brustkrebs erkranken, mit und ohne Hormontherapie.

Eingaben:

  • Art der Hormontherapie: keine; Östrogen allein (nur für Frauen ohne Gebärmutter); Östrogen mit zyklischem Gestagen (Gestagen an einem Teil der Tage pro Monat); Östrogen mit täglichem Gestagen; niedrig dosiertes vaginales Östrogen
  • Dauer: fünf Jahre (Standard) oder zehn Jahre

Datengrundlage: Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer, Lancet 2019. Die Zahlen gelten für Frauen in Ländern mit hohem Einkommen und durchschnittlichem Gewicht, die mit 50 Jahren beginnen; gezählt werden Brustkrebsfälle vom 50. bis zum 70. Lebensjahr.

Therapie, Beginn mit 50, Dauer fünf Jahre
Keine Hormontherapie
Brustkrebsfälle pro 1000 Frauen (50 bis 69 Jahre)
63
Zusätzliche Fälle
0
Therapie, Beginn mit 50, Dauer fünf Jahre
Östrogen allein
Brustkrebsfälle pro 1000 Frauen (50 bis 69 Jahre)
68
Zusätzliche Fälle
5
Therapie, Beginn mit 50, Dauer fünf Jahre
Östrogen mit zyklischem Gestagen
Brustkrebsfälle pro 1000 Frauen (50 bis 69 Jahre)
77
Zusätzliche Fälle
14
Therapie, Beginn mit 50, Dauer fünf Jahre
Östrogen mit täglichem Gestagen
Brustkrebsfälle pro 1000 Frauen (50 bis 69 Jahre)
83
Zusätzliche Fälle
20
Therapie, Beginn mit 50, Dauer fünf Jahre
Niedrig dosiertes vaginales Östrogen
Brustkrebsfälle pro 1000 Frauen (50 bis 69 Jahre)
kein erkennbarer Zusatz
Zusätzliche Fälle
keine verlässliche Zahl

Formel und Logik:

  • Basiswert: 63 Fälle pro 1000 Frauen.
  • Bei fünf Jahren addiert der Rechner die zusätzlichen Fälle aus der Tabelle.
  • Bei zehn Jahren verdoppelt er die zusätzlichen Fälle (10, 28, 40) und kennzeichnet das Ergebnis als Näherung, weil die Autorinnen und Autoren für zehn Jahre einen etwa doppelt so grossen Zusatz angeben und keine exakten Werte je Therapieart.
  • Für vaginales Östrogen zeigt der Rechner kein eigenes Bild, sondern den Satz: "In der Auswertung war bei niedrig dosierten Vaginalpräparaten kein nennenswert erhöhtes Risiko erkennbar."

Ausgabe: Icon-Array mit 1000 Figuren in einem Raster von 25 mal 40. Graue Figuren stehen für Frauen ohne Brustkrebs, dunkle Figuren für Brustkrebsfälle, die auch ohne Hormontherapie auftreten würden (63), farbig markierte Figuren für die zusätzlichen Fälle unter der gewählten Therapie. Darunter steht der Satz in Worten, etwa: "Von 1000 Frauen, die mit 50 Jahren fünf Jahre lang Östrogen mit täglichem Gestagen nehmen, erkranken bis 70 etwa 83 an Brustkrebs. Ohne Hormontherapie wären es etwa 63. Etwa 917 erkranken in beiden Fällen nicht." Daneben lässt sich zum Vergleich ein zweites Raster ohne Therapie einblenden. Die Farben müssen auch bei Farbsehschwäche unterscheidbar sein, die Zahlen stehen zusätzlich als Text da.

Ergänzender Hinweis im Rechner: In der randomisierten WHI-Studie (JAMA 2002) traten unter Östrogen plus Medroxyprogesteronacetat 8 zusätzliche Fälle von invasivem Brustkrebs pro 10'000 Frauen und Behandlungsjahr auf; im Östrogen-allein-Arm war das Risiko nicht erhöht.

Interpretationsgrenzen und Disclaimer: Die Zahlen sind Durchschnittswerte aus Beobachtungsstudien und beschreiben kein persönliches Risiko. Sie gelten nicht für Frauen mit Brustkrebs in der Vorgeschichte, mit bekannter erblicher Belastung (etwa BRCA-Mutation) oder mit einer vorzeitigen Menopause vor 45; bei ihnen ersetzt eine Hormontherapie bis zum durchschnittlichen Menopausenalter Hormone, die der Körper sonst noch bilden würde, und die Zahlen der Tabelle sind nicht übertragbar. Bei Übergewicht ist das Grundrisiko höher und der Zusatz durch Hormone kleiner. Die Daten unterscheiden kaum zwischen einzelnen Gestagenen, für mikronisiertes Progesteron und Dydrogesteron fehlen belastbare Langzeitzahlen. Das Risiko für andere Erkrankungen wie Thrombose, Schlaganfall, Knochenbrüche oder Darmkrebs zeigt der Rechner nicht. Er ersetzt nicht das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt, in dem Nutzen, Beschwerden und Risiken gemeinsam abgewogen werden.

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Einmal im Monat fassen wir zusammen, was sich bei Studien zur Hormontherapie, zu neuen Mitteln gegen Hitzewallungen, bei Leitlinien und bei der Kostenübernahme in der Schweiz, Deutschland und Österreich getan hat, ohne Werbung. Dazu erhalten Sie das Symptom-Tagebuch und die Fragenliste als Druckvorlage und eine Nachricht, wenn wir einen der Rechner aktualisieren.

Diese Inhalte ersetzen keine medizinische Beratung.

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