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Long COVID &
ME/CFS

Long COVID und ME/CFS: Therapien im Vergleich, Pacing, Erfahrungsberichte, Versorgung in der Schweiz, Deutschland und Österreich, Pulsgrenzen-Rechner und Druckvorlagen.

Stand Oktober 2026

Therapien

Therapien im Überblick

Die Weltgesundheitsorganisation definiert den Post-COVID-Zustand (Post COVID-19 Condition, Delphi-Konsens 2021) so: Beschwerden treten nach einer wahrscheinlichen oder gesicherten SARS-CoV-2-Infektion auf, meist innerhalb von drei Monaten nach Beginn der Infektion, sie halten mindestens zwei Monate an und lassen sich durch keine andere Diagnose erklären. Die Beschwerden können direkt nach der Infektion weiterbestehen oder nach einer Phase der Erholung neu auftreten, und sie schwanken oft stark. Im deutschsprachigen Raum hat sich eine zeitliche Einteilung durchgesetzt, die auch die deutsche S1-Leitlinie verwendet: Von Long COVID spricht man bei Beschwerden über vier Wochen nach der Infektion hinaus, vom Post-COVID-Syndrom bei Beschwerden, die länger als zwölf Wochen bestehen. Abrechnungscode ist in allen drei Ländern U09.9.

Wie häufig der Zustand ist, hängt stark davon ab, wer gezählt wird und wie. Frühe Schätzungen der WHO lagen bei 10 bis 20 Prozent der Infizierten. Seit der Omikron-Welle und mit breiter Immunität durch Impfung und frühere Infektionen ist das Risiko pro Infektion deutlich gesunken. Grosse Auswertungen kommen heute auf etwa 3 bis 6 Prozent der Erwachsenen, die drei Monate nach einer Infektion noch relevante Beschwerden haben, nach einer schweren Erkrankung mit Spitalaufenthalt deutlich mehr. Bei vielen bessern sich die Beschwerden im ersten Jahr spürbar. Ein Teil bleibt über Jahre krank. Am häufigsten berichten Betroffene von Erschöpfung (Fatigue), Konzentrations- und Gedächtnisproblemen ("Brain Fog"), Atemnot, Herzrasen, Schlafstörungen, Kopf- und Muskelschmerzen sowie Geruchs- und Geschmacksstörungen.

Eine Untergruppe erfüllt die Kriterien für die Myalgische Enzephalomyelitis / das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS, ICD-10 G93.3). ME/CFS war schon vor der Pandemie bekannt, meist ausgelöst durch Infektionen wie das Epstein-Barr-Virus oder Influenza. Wie gross der Anteil unter den Post-COVID-Betroffenen ist, ist unsicher. In einer Charité-Kohorte (Kedor, Nature Communications 2022) erfüllten nach sechs Monaten 19 von 42 Menschen mit anhaltender Fatigue die Kanadischen Konsensuskriterien. Die US-amerikanische RECOVER-Kohorte fand ME/CFS bei etwa 4,5 Prozent der Infizierten gegenüber etwa 0,6 Prozent der Nicht-Infizierten. Für Deutschland schätzte die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS die Zahl der Erkrankten vor der Pandemie auf etwa 250'000, heute je nach Quelle auf über 600'000. Für die Schweiz und Österreich gibt es nur grobe Hochrechnungen in der Grössenordnung von einigen zehntausend Betroffenen pro Land.

Gestellt wird die Diagnose ME/CFS klinisch, ein Labortest existiert bis heute nicht. In Europa sind die Kanadischen Konsensuskriterien (Carruthers 2003) am gebräuchlichsten, die Charité und viele Ambulanzen arbeiten damit. Verlangt werden über mindestens sechs Monate: eine deutliche, neu aufgetretene Erschöpfung, die die Aktivität stark einschränkt; eine Post-Exertionelle Malaise; nicht erholsamer Schlaf oder Schlafstörungen; Schmerzen in Muskeln, Gelenken oder Kopf; mindestens zwei neurokognitive Symptome (etwa Konzentrationsstörung, Wortfindungsstörung, Reizempfindlichkeit); und Symptome aus mindestens zwei der drei Bereiche autonomes Nervensystem (zum Beispiel Kreislaufprobleme beim Stehen), neuroendokrines System (zum Beispiel Temperaturregulation) und Immunsystem (zum Beispiel wiederkehrende Halsschmerzen, druckempfindliche Lymphknoten). In der Praxis helfen der Münchner-Berliner Symptom-Fragebogen (MBSQ) und der Bell-Score, der die Funktionsfähigkeit von 0 (bettlägerig) bis 100 (gesund) einordnet.

Das Leitsymptom ist die Post-Exertionelle Malaise (PEM). Gemeint ist eine Verschlechterung aller Beschwerden nach Belastungen, die vor der Erkrankung problemlos waren. Das kann ein Spaziergang sein, ein Telefongespräch, ein Einkauf mit vielen Geräuschen oder eine Stunde konzentrierte Bildschirmarbeit. Typisch ist die Verzögerung: Der "Crash" kommt oft erst 12 bis 48 Stunden später und dauert Tage, manchmal Wochen. Wer das nicht weiss, bringt Ursache und Wirkung kaum zusammen. PEM ist der wichtigste Grund, warum bei Long COVID nicht einfach "wieder aufbauen" gilt, und der Punkt, an dem sich entscheidet, welche Therapie hilft und welche schadet.

Kernfakten zur Behandlung: Für Long COVID und ME/CFS gibt es bis heute keine zugelassene ursächliche Therapie, weder in der Schweiz noch in Deutschland oder Österreich. Die Behandlung richtet sich nach den einzelnen Beschwerden. Am besten belegt sind Massnahmen, die Belastung steuern (Pacing), und die Behandlung klar fassbarer Teilprobleme wie Kreislaufregulationsstörungen (POTS), Atemmuster- oder Riechstörungen. Viele Medikamente werden off-label eingesetzt, also ausserhalb der Zulassung, auf der Grundlage kleiner Studien, Fallserien oder Expertenmeinung. Mehrere grosse Medikamentenstudien sind gescheitert. Wer Angebote mit Heilsversprechen sieht, sollte vorsichtig sein, besonders wenn sie teuer sind und nur gegen Vorkasse angeboten werden. Bei ME/CFS rät die britische Leitlinie NICE NG206 (2021) ausdrücklich von Aktivierungsprogrammen mit fest vorgegebener Steigerung (Graded Exercise Therapy, GET) ab. Die deutsche S1-Leitlinie Long/Post-COVID (AWMF-Register 020-027, Aktualisierung 2024) warnt ebenfalls vor Überlastung bei PEM.

Therapien im Vergleich

Therapie
Pacing / Energiemanagement
Ansatz
Aktivität so dosieren, dass sie unter der individuellen Belastungsgrenze bleibt; Energiebudget, Pausen vor der Erschöpfung, Herzfrequenz-Grenze, Aktivitätstagebuch
Indikation
Alle Betroffenen mit PEM, auch ohne gesicherte ME/CFS-Diagnose; bei schwerer Erkrankung im Bett oder Zimmer
Evidenz
Empfehlung in NICE NG206 und S1-Leitlinie; Daten vor allem aus Patientenbefragungen und Beobachtungsstudien, wenige kontrollierte Studien; viele berichten weniger Crashs und stabilere Tage, keine Heilung
Status/Zugang
Basis jeder Behandlung; Anleitung über Ergotherapie, Physiotherapie mit ME/CFS-Erfahrung, Post-COVID-Ambulanzen; Ergotherapie auf ärztliche Verordnung in CH, DE, AT kassenpflichtig
Risiken
Kaum körperliche Risiken; soziale Isolation, Frust und Dekonditionierung möglich, wenn die Grenze sehr niedrig liegt; konsequentes Pacing verlangt Unterstützung durch Umfeld und Arbeitgeber
Therapie
Angepasste Rehabilitation (PEM-sensibel)
Ansatz
Stationäre oder ambulante Reha mit Energiemanagement, Atemtherapie, kognitivem Training, psychologischer Begleitung und behutsamer, symptomgesteuerter Belastung
Indikation
Post-COVID mit Fatigue, Atemnot, kognitiven Störungen; bei PEM nur in Einrichtungen mit Erfahrung, Belastung unterhalb der Grenze
Evidenz
Für Long COVID ohne PEM Verbesserungen in Beobachtungsstudien; bei PEM nur mit angepasstem Konzept, Standard-Reha mit Steigerung kann verschlechtern
Status/Zugang
CH: Kostengutsprache der Krankenversicherung; DE: Antrag bei Deutscher Rentenversicherung oder Krankenkasse; AT: Antrag bei PVA oder ÖGK; Reha-Kliniken mit Post-COVID-Programmen in allen drei Ländern
Risiken
Crash durch zu dichtes Programm, lange Anreise, Reizüberflutung; vor Antritt nach PEM-Konzept fragen; bei sehr schwerer ME/CFS oft nicht geeignet
Therapie
Ivabradin oder niedrig dosierte Betablocker bei POTS
Ansatz
Senkung der Herzfrequenz beim Stehen; Ivabradin hemmt den If-Kanal im Sinusknoten ohne Blutdrucksenkung, Betablocker (zum Beispiel Propranolol 10 bis 20 mg) dämpfen die Adrenalinwirkung
Indikation
Gesichertes posturales Tachykardiesyndrom (POTS) mit belastendem Herzrasen, wenn nicht-medikamentöse Massnahmen nicht reichen
Evidenz
Ivabradin: kleine randomisierte Studie bei POTS (Taub, JACC 2021, 22 Teilnehmende) mit niedrigerer Herzfrequenz und besserer Lebensqualität; Propranolol niedrig dosiert in kleinen Studien wirksam auf Herzfrequenz und Symptome; für Post-COVID-POTS nur Fallserien
Status/Zugang
Beide off-label für POTS (zugelassen für Herzinsuffizienz, Angina pectoris, Bluthochdruck); günstig, als Generika verfügbar; Einstellung durch Kardiologie oder Innere Medizin
Risiken
Ivabradin: Lichtblitze im Sehfeld, zu langsamer Puls, Vorhofflimmern, nicht in Schwangerschaft (sichere Verhütung nötig); Betablocker: Müdigkeit, tiefer Blutdruck, kalte Hände, Verschlechterung von Asthma
Therapie
Kompression, Salz und Flüssigkeit bei POTS
Ansatz
Mehr Blutvolumen und weniger Versacken des Blutes in Beinen und Bauch: 2 bis 3 Liter Flüssigkeit täglich, mehr Kochsalz nach ärztlicher Absprache, Kompressionsstrümpfe bis zur Hüfte oder Bauchgurt, Gegenmanöver beim Stehen
Indikation
POTS und orthostatische Intoleranz, auch als Basis vor Medikamenten
Evidenz
Empfohlen in internationalen Konsenspapieren zu POTS (Heart Rhythm Society 2015); Wirkung physiologisch plausibel und in kleinen Studien belegt; viele Betroffene spüren rasch eine Besserung
Status/Zugang
Erstmassnahme; Kompressionsstrümpfe auf Rezept über MiGeL (CH), Hilfsmittelverordnung (DE) oder Heilbehelfe (AT) mit Selbstbehalt; Salztabletten und Elektrolytpulver meist selbst bezahlt
Risiken
Blutdruckanstieg, Wassereinlagerungen; nicht ohne Rücksprache bei Bluthochdruck, Herz- oder Nierenschwäche; Kompression ist im Sommer belastend
Therapie
Niedrig dosiertes Naltrexon (LDN, off-label)
Ansatz
Naltrexon in sehr niedriger Dosis (meist mit 0,5 bis 1 mg begonnen, langsam auf 3 bis 4,5 mg am Abend); vermutete Dämpfung von Entzündungsreaktionen über Gliazellen im Gehirn
Indikation
Fatigue, Schmerzen, Brain Fog bei Long COVID und ME/CFS, als individueller Behandlungsversuch
Evidenz
Fallserien und Beobachtungsdaten mit Besserung bei einem Teil der Behandelten; randomisierte, placebokontrollierte Studien bei Long COVID laufen, belastbare Ergebnisse fehlen bis heute
Status/Zugang
Off-label; muss als Magistralrezeptur in der Apotheke hergestellt werden, da keine Fertigpräparate in dieser Dosis; etwa 30 bis 60 CHF oder 20 bis 50 EUR pro Monat, Kostenübernahme unsicher
Risiken
Schlafstörungen, lebhafte Träume, Kopfschmerzen, Übelkeit, meist vorübergehend; nicht zusammen mit Opioiden (hebt deren Wirkung auf, Entzugsgefahr); Vorsicht bei Lebererkrankungen
Therapie
Antihistaminika bei Verdacht auf Mastzellaktivierung (MCAS, off-label)
Ansatz
Kombination eines H1-Blockers (zum Beispiel Cetirizin, Fexofenadin) mit einem H2-Blocker (zum Beispiel Famotidin), teils ergänzt durch Mastzellstabilisatoren
Indikation
Beschwerden, die zu einer Mastzellaktivierung passen: Hautrötung, Juckreiz, Nesselsucht, Unverträglichkeiten, Bauchbeschwerden, Herzrasen nach dem Essen
Evidenz
Kleine Beobachtungsstudien und Fallserien mit Besserung bei einem Teil der Behandelten; MCAS als eigene Diagnose bei Long COVID umstritten; keine grossen kontrollierten Studien
Status/Zugang
H1-Blocker teils rezeptfrei; Einsatz bei Long COVID off-label; Behandlungsversuch über einige Wochen mit klarer Erfolgskontrolle sinnvoll
Risiken
Müdigkeit (besonders ältere H1-Blocker), Mundtrockenheit, Kopfschmerzen; Famotidin meist gut verträglich; Wechselwirkungen prüfen; nicht dauerhaft ohne Nutzen weiterführen
Therapie
Riechtraining bei Geruchsverlust
Ansatz
Zweimal täglich je etwa 20 Sekunden an vier Düften riechen (klassisch Rose, Zitrone, Eukalyptus, Gewürznelke), über mindestens 12 Wochen, Düfte nach einigen Monaten wechseln
Indikation
Anhaltender Geruchsverlust oder verzerrte Gerüche (Parosmie) nach der Infektion
Evidenz
Für postvirale Riechstörungen in randomisierten Studien belegt (Hummel und Kollegen ab 2009); viele erholen sich auch spontan innert Monaten, ein Teil bleibt über Jahre beeinträchtigt
Status/Zugang
Kostengünstig, Sets in Apotheken oder selbst zusammengestellt; Abklärung in der HNO-Heilkunde bei Verlust über drei Monate
Risiken
Praktisch keine Risiken; Hauptproblem ist das Durchhalten; Rauchmelder und Gasmelder als Sicherheitsmassnahme, solange der Geruch fehlt
Therapie
Atemphysiotherapie
Ansatz
Behandlung dysfunktionaler Atmung (flache, schnelle Brustatmung, Überatmung), Zwerchfellatmung, Atemrhythmus, Entspannung der Atemhilfsmuskulatur
Indikation
Atemnot ohne passenden Lungen- oder Herzbefund, Druckgefühl in der Brust, Seufzeratmung; nach Ausschluss organischer Ursachen
Evidenz
Gut belegt für dysfunktionale Atmung; randomisierte Studie mit Online-Atemprogramm bei Long COVID (Philip, Lancet Respiratory Medicine 2022, 150 Teilnehmende) mit besserer Lebensqualität und weniger Atemnot
Status/Zugang
Physiotherapie auf ärztliche Verordnung in CH, DE, AT kassenpflichtig, mit den üblichen Selbstbehalten und Zuzahlungen
Risiken
Sehr geringe Risiken; bei PEM kurze Einheiten, im Liegen oder Sitzen, kein Ausdauertraining "nebenbei"
Therapie
Immunadsorption und Apherese (experimentell)
Ansatz
Blut wird ausserhalb des Körpers gefiltert; Immunadsorption entfernt Antikörper (unter anderem Autoantikörper gegen Rezeptoren des autonomen Nervensystems), andere Verfahren (zum Beispiel H.E.L.P.-Apherese) Blutfette und Gerinnungseiweisse
Indikation
Nur in klinischen Studien oder im eng begründeten Einzelfall, etwa bei ME/CFS mit nachgewiesenen Autoantikörpern
Evidenz
Kleine Pilotstudien an der Charité mit Besserung bei einem Teil der Teilnehmenden; kontrollierte Studien bei Post-COVID und ME/CFS mit uneinheitlichen Ergebnissen, Nutzen nicht belegt
Status/Zugang
Experimentell; keine Kassenleistung ausserhalb von Studien; private Angebote kosten je Sitzung oft über 1000 EUR, Behandlungsserien mehrere tausend bis über 20'000 EUR
Risiken
Kreislaufprobleme, Infektion oder Thrombose am Zugang, Blutungen, allergische Reaktionen; finanzielle Belastung; Fachgesellschaften warnen vor teuren Angeboten ohne Studienrahmen
Therapie
Antivirale Langzeittherapie (Nirmatrelvir/Ritonavir) und BC007 (Rovunaptabin)
Ansatz
Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid) über 15 bis 25 Tage soll mögliche Virusreste bekämpfen; BC007 ist ein Aptamer, das Autoantikörper gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren neutralisieren soll
Indikation
Studienteilnahme; keine Behandlung für den Alltag
Evidenz
Nirmatrelvir/Ritonavir: STOP-PASC (Geng, JAMA Internal Medicine 2024, 155 Teilnehmende, 15 Tage) und RECOVER-VITAL (25 Tage) ohne Vorteil gegenüber Placebo; BC007: Phase-2-Studie reCOVer erreichte 2024 den primären Endpunkt (Fatigue) nicht
Status/Zugang
Nirmatrelvir/Ritonavir nur für akute COVID-19 bei Risikopersonen zugelassen; BC007 nicht zugelassen und nicht verfügbar; weitere antivirale und immunologische Studien laufen
Risiken
Nirmatrelvir/Ritonavir: Geschmacksstörung, Durchfall, viele Wechselwirkungen über Ritonavir (zum Beispiel mit Blutverdünnern, Statinen, Herzmedikamenten); keine Behandlung ausserhalb von Studien

Pacing und Energiemanagement. Pacing ist eine Behandlung mit eigenem Ziel. Bei PEM verbraucht jede Belastung, die über die aktuelle Grenze geht, Energie, die der Körper nicht zurückgibt, und der Crash danach kostet mehr als die Aktivität gebracht hat. Ziel ist, diese Abstürze zu vermeiden und den Zustand zu stabilisieren. Bei manchen Betroffenen erweitert sich die Grenze mit der Zeit von selbst, bei anderen nicht. NICE NG206 sieht Energiemanagement als Kern der Versorgung und betont, dass es selbstbestimmt sein muss: Betroffene und Fachpersonen legen gemeinsam fest, was möglich ist, und passen es an gute und schlechte Phasen an. Eine Steigerung erfolgt höchstens dann, wenn der Zustand über Wochen stabil ist, und sie wird sofort zurückgenommen, wenn Symptome zunehmen. Wie Pacing konkret aussieht, steht weiter unten.

Angepasste Rehabilitation. Viele Menschen mit Long COVID ohne PEM profitieren von einer Reha, wie sie auch nach anderen schweren Infekten üblich ist: Atemtherapie, Kraft- und Ausdauertraining, kognitives Training, Unterstützung beim Wiedereinstieg in den Beruf. Für Menschen mit PEM kann genau dieses Programm schaden. Gute Kliniken prüfen deshalb vor der Aufnahme auf PEM, etwa mit dem DePaul-Fragebogen oder einem strukturierten Gespräch, und bieten ein eigenes Konzept mit kürzeren Einheiten, Ruhezeiten, reizarmen Zimmern und Belastung nur unterhalb der Symptomgrenze. Fragen Sie vor dem Antrag nach, ob die Klinik mit ME/CFS Erfahrung hat und wie sie auf einen Crash reagiert. Wenn die Antwort "Wir motivieren Sie, durchzuhalten" lautet, ist das bei PEM ein Warnsignal.

Medikamente bei POTS. Beim posturalen Tachykardiesyndrom steigt der Puls beim Aufstehen stark an, weil die Gefässe in Beinen und Bauch nicht ausreichend eng gestellt werden und das Herz den Blutdruck über die Frequenz halten muss. Zuerst kommen die nicht-medikamentösen Massnahmen. Reichen sie nicht, gibt es medikamentöse Optionen, die alle off-label sind. Ivabradin senkt die Herzfrequenz, ohne den Blutdruck zu drücken, was bei POTS ein Vorteil gegenüber Betablockern sein kann. Niedrig dosiertes Propranolol wurde bei POTS schon vor der Pandemie untersucht und verbesserte in kleinen Studien Herzfrequenz und Beschwerden, höhere Dosen wirkten schlechter. Weitere Möglichkeiten wie Midodrin (zieht Gefässe zusammen) oder Fludrocortison (hält Salz und Wasser zurück) gehören in die Hand von Kardiologie oder spezialisierter Innerer Medizin. Für alle gilt: niedrig beginnen, langsam steigern, Puls und Blutdruck im Liegen und Stehen kontrollieren.

Niedrig dosiertes Naltrexon. Naltrexon ist in hoher Dosis (50 mg) für die Behandlung von Alkohol- und Opioidabhängigkeit zugelassen. In einer Dosis von wenigen Milligramm soll es über eine kurzzeitige Blockade von Opioidrezeptoren und eine Dämpfung von Immunzellen im Nervensystem anders wirken. Diese Vorstellung stammt aus Studien zu Fibromyalgie und Multipler Sklerose. Bei Long COVID und ME/CFS gibt es Berichte von Kliniken über Besserungen bei Fatigue und Schmerzen, kontrollierte Daten fehlen aber. Wer LDN versucht, sollte das mit einer festen Testphase von etwa acht bis zwölf Wochen und einem Symptomtagebuch tun, um eine echte Wirkung von Zufall und spontaner Besserung unterscheiden zu können.

Antihistaminika bei Verdacht auf Mastzellaktivierung. Einige Betroffene haben Beschwerden, die nach überaktiven Mastzellen aussehen: Flush, Quaddeln, neue Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Herzrasen und Benommenheit nach dem Essen. Die Kombination aus H1- und H2-Blocker ist günstig und meist gut verträglich, deshalb wird sie in vielen Post-COVID-Ambulanzen versucht. Die Diagnose MCAS ist allerdings schwer zu sichern, die üblichen Laborwerte (Tryptase, Histamin im Urin) sind oft normal, und unter Fachleuten ist umstritten, wie häufig MCAS bei Long COVID tatsächlich vorkommt. Ein Versuch über vier bis acht Wochen mit klarer Bilanz ist vertretbar. Ohne spürbaren Nutzen sollte er beendet werden.

Riechtraining. Der Geruchsverlust war bei den frühen Virusvarianten sehr häufig, seit Omikron ist er seltener geworden. Die meisten erholen sich innert Wochen bis Monaten. Bleibt der Verlust bestehen, ist Riechtraining die einzige Massnahme mit guter Evidenz. Das Prinzip: Durch wiederholtes, bewusstes Riechen sollen sich die Riechnervenzellen in der Nasenschleimhaut und die Verarbeitung im Gehirn neu ordnen. Am Anfang riecht man oft gar nichts oder Verzerrungen, etwa Kaffee wie verbranntes Gummi (Parosmie). Das ist häufig ein Zeichen der Erholung, kein Rückschritt. Die HNO-Heilkunde kann den Verlauf mit standardisierten Riechtests (Sniffin' Sticks) messen.

Atemphysiotherapie. Atemnot bei Long COVID hat nicht immer eine Ursache in Lunge oder Herz. Häufig ist das Atemmuster gestört: zu schnell, zu flach, über die Brust statt den Bauch, mit vielen Seufzern. Das erzeugt Luftnot, Schwindel und Kribbeln, obwohl Lungenfunktion und Sauerstoffsättigung normal sind. Atemphysiotherapie trainiert ein ruhigeres Atemmuster und ist eine der wenigen Massnahmen mit randomisierter Evidenz bei Long COVID: In der britischen Studie mit dem Online-Programm der English National Opera (Philip 2022) verbesserten sich Atemnot und psychische Lebensqualität nach sechs Wochen. Organische Ursachen wie Lungenembolie, Lungenschäden oder Herzmuskelentzündung müssen vorher ausgeschlossen sein.

Immunadsorption und Apherese. Bei einem Teil der Menschen mit ME/CFS und Post-COVID finden sich erhöhte Autoantikörper gegen Rezeptoren des autonomen Nervensystems, etwa gegen Beta-2-adrenerge und muskarinerge Rezeptoren. Daraus entstand die Idee, diese Antikörper aus dem Blut zu filtern. Pilotstudien an der Charité zeigten bei einem Teil der Teilnehmenden eine Besserung, ohne Kontrollgruppe ist das aber schwer zu deuten. Kontrollierte Studien mit Scheinbehandlung liefen in Deutschland und anderswo, die bisher verfügbaren Ergebnisse sind uneinheitlich. Private Kliniken bieten Aphereseverfahren gegen Vorkasse an, teils mit Versprechen, das Blut zu "reinigen" oder Mikrogerinnsel zu entfernen. Diese Angebote haben keine gesicherte Grundlage. Wer an einem solchen Verfahren interessiert ist, sollte nach einer laufenden Studie fragen.

Antivirale Langzeitstudien und BC007. Zwei Ansätze, auf die viele Betroffene gehofft hatten, sind in Studien gescheitert. Die Hypothese, dass Virusreste im Körper Long COVID unterhalten, ist weiterhin Gegenstand der Forschung. Die Behandlung mit Nirmatrelvir/Ritonavir über 15 Tage (STOP-PASC, Stanford) oder 25 Tage (RECOVER-VITAL) brachte gegenüber Placebo aber keine Besserung. BC007 (Rovunaptabin) des Berliner Unternehmens Berlin Cures wurde nach drei Einzelfällen 2021 breit in den Medien gefeiert. Die placebokontrollierte Phase-2-Studie des Herstellers zeigte 2024 keinen Vorteil bei der Fatigue. Weitere Studien laufen, unter anderem zu anderen antiviralen Wirkstoffen, zu Immunmodulatoren und zu Medikamenten, die auf das Gefässsystem wirken. Das Bild ändert sich, aber Stand heute gibt es keinen Wirkstoff, der die Erkrankung nachweislich beendet.

Pacing richtig umsetzen: Energiebudget, Herzfrequenz-Grenze, Crash vermeiden

Pacing beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Führen Sie zwei bis vier Wochen ein Tagebuch: Was haben Sie gemacht, wie lange, wie ging es Ihnen danach, am nächsten und am übernächsten Tag? Wegen der Verzögerung der PEM sieht man Zusammenhänge oft erst im Rückblick. Viele merken dabei, dass nicht der Sport das Problem war, sondern die Kombination aus Duschen, Einkaufen und einem langen Telefongespräch am selben Tag. Zählen Sie geistige und emotionale Belastung mit: Ein schwieriges Gespräch mit dem Arbeitgeber, ein Behördenformular oder ein lautes Restaurant verbrauchen ebenfalls Energie.

Das Energiebudget ist die Menge an Aktivität, die Sie an einem Tag bewältigen können, ohne in den nächsten Tagen einen Crash zu bekommen. Im englischen Sprachraum spricht man vom "Energy Envelope", im Alltag hat sich auch die Löffeltheorie verbreitet: Jeder Tag hat eine begrenzte Anzahl Löffel, jede Tätigkeit kostet welche. Eine verbreitete Faustregel lautet, nur etwa 50 bis 70 Prozent dessen zu tun, was man an einem guten Tag zu schaffen glaubt. An guten Tagen nicht alles nachholen ist der schwierigste Teil, und genau dort entstehen die meisten Crashs ("Push and Crash").

Konkrete Werkzeuge, die sich in der Praxis bewährt haben:

  • Planen Sie Ruhepausen vor der Erschöpfung ein, nicht erst danach. Echte Ruhe heisst liegen, Augen zu, wenig Reize, kein Handy.
  • Teilen Sie Aufgaben auf: Küche nicht in einem Zug aufräumen, sondern in drei Etappen mit Pausen dazwischen. Duschen im Sitzen, Haare danach im Liegen trocknen lassen.
  • Wechseln Sie die Art der Belastung ab, körperlich, geistig, sozial, und vermeiden Sie mehrere anstrengende Termine am selben Tag.
  • Setzen Sie Hilfsmittel ein, sobald sie Energie sparen: Duschhocker, Lieferdienst, Rollstuhl für längere Wege, Gehörschutz, Sonnenbrille. Sie sind kein Zeichen von Aufgeben.
  • Planen Sie nach absehbar anstrengenden Ereignissen wie einem Arzttermin oder einem Familienfest bewusst ein bis zwei ruhige Tage ein.

Viele Betroffene nutzen eine Herzfrequenz-Grenze als objektives Warnsignal, weil sich die Belastungsgrenze subjektiv schlecht spüren lässt. Gebräuchlich sind zwei Faustformeln: Ruhepuls am Morgen plus etwa 15 Schläge pro Minute, oder etwa 55 bis 60 Prozent der altersbezogenen Maximalfrequenz (220 minus Alter, mal 0,55 bis 0,6). Für eine 40-jährige Person mit einem Ruhepuls von 70 läge die Grenze damit bei etwa 85 bis 108 Schlägen pro Minute. Eine Pulsuhr oder ein Brustgurt mit Alarmfunktion meldet, wenn die Grenze überschritten ist. Diese Formeln stammen aus der Praxis von Spezialistinnen und Patientenorganisationen, nicht aus grossen Studien. Sie ersetzen nicht das eigene Tagebuch. Bei POTS steigt der Puls schon im Stehen über die Grenze, dann hilft es eher, Tätigkeiten im Sitzen oder Liegen zu erledigen, als den Alarm zu ignorieren. Betablocker verfälschen die Messung.

Wenn ein Crash trotzdem kommt: Sofort Aktivität reduzieren, so weit es geht liegen, Reize abschirmen, ausreichend trinken. Nicht versuchen, "durchzuziehen". Termine absagen, auch wenn es unangenehm ist. Ein Crash zeigt, dass die Grenze diesmal tiefer lag, und hat nichts mit Willensschwäche zu tun. Wichtig ist, im Tagebuch festzuhalten, was davor war, um das nächste Mal früher zu bremsen. Dauert der Zustand länger als üblich an oder kommen neue Symptome dazu, etwa Brustschmerzen, Lähmungen oder hohes Fieber, gehört das ärztlich abgeklärt.

Pacing klappt selten allein. Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten mit Erfahrung in Fatigue-Management helfen, Alltag, Haushalt und Arbeit umzuplanen. Angehörige müssen das Prinzip verstehen, sonst kommt gut gemeinter Druck. Und Arbeitgeber brauchen klare Informationen über Belastbarkeit statt Prognosen, die niemand halten kann.

POTS erkennen: Schellong- bzw. Stehtest

Das posturale Tachykardiesyndrom (POTS) ist eine der häufigsten und am besten behandelbaren Begleiterkrankungen bei Long COVID und ME/CFS. Typische Beschwerden sind Herzrasen, Schwindel, Benommenheit, Zittern, Sehstörungen, Konzentrationsprobleme und Übelkeit beim Stehen, besonders nach dem Aufstehen, in warmer Umgebung, nach dem Essen und nach dem Duschen. Im Liegen bessern sie sich. Viele Betroffene haben monatelang nur gehört, ihr EKG sei normal.

Die Diagnosekriterien: Der Puls steigt innert zehn Minuten nach dem Aufstehen um mindestens 30 Schläge pro Minute an (bei Jugendlichen von 12 bis 19 Jahren um mindestens 40), ohne dass der Blutdruck relevant abfällt. Ein Abfall des oberen Werts um mehr als 20 mmHg oder des unteren um mehr als 10 mmHg spricht eher für eine orthostatische Hypotonie, die anders behandelt wird. Die Beschwerden müssen wiederholt beim Stehen auftreten und über längere Zeit bestehen, nach den gängigen Konsenskriterien mindestens drei Monate.

Ein erster Hinweis lässt sich mit einem einfachen Stehtest gewinnen, den viele Hausarztpraxen als Schellong-Test durchführen. Eine Variante ist der in der ME/CFS-Versorgung verbreitete NASA-Lean-Test. Das Vorgehen:

  1. Am Morgen, vor Koffein und nach dem Wasserlassen, zehn Minuten ruhig liegen. Puls und Blutdruck am Ende messen.
  2. Aufstehen und zehn Minuten ruhig stehen, beim NASA-Lean-Test mit den Schultern an die Wand gelehnt, die Fersen etwa 15 Zentimeter von der Wand entfernt. Nicht herumgehen, nicht die Beine anspannen.
  3. Puls und Blutdruck nach 1, 2, 3, 5, 7 und 10 Minuten messen, dazu Beschwerden notieren, auch Verfärbungen der Beine.
  4. Den höchsten Puls im Stehen mit dem Liegewert vergleichen.

Wichtig für die Sicherheit: Machen Sie den Test nie allein, ein Stuhl muss bereitstehen, und brechen Sie bei Ohnmachtsgefühl sofort ab und legen Sie sich hin. Beta-Blocker, Ivabradin und andere Herzmedikamente verfälschen das Ergebnis. Ein unauffälliger Test an einem guten Tag schliesst POTS nicht aus, eine Wiederholung zu einer anderen Tageszeit kann sinnvoll sein. Der Test löst bei manchen eine PEM aus, gerade bei schwerer ME/CFS. Planen Sie danach Ruhe ein.

Bestätigt wird die Diagnose durch die Kardiologie, Neurologie oder ein autonomes Labor, oft mit einer Kipptischuntersuchung und einem Langzeit-EKG. Ausgeschlossen werden sollten Blutarmut, Schilddrüsenüberfunktion, Flüssigkeitsmangel, Herzrhythmusstörungen und Nebenwirkungen von Medikamenten. Die Behandlung beginnt fast immer mit Flüssigkeit, Salz, Kompression, Hochstellen des Kopfendes des Bettes und Gegenmanövern wie Beine überkreuzen und Wadenmuskeln anspannen. Medikamente kommen dazu, wenn das nicht reicht.

Warum Aktivierungstherapie bei PEM schaden kann

Über Jahrzehnte galt bei Erschöpfungszuständen die Regel, dass Bewegung hilft und Schonung schadet. Für viele Erkrankungen stimmt das. Bei PEM trifft es nicht zu. Die Graded Exercise Therapy (GET) beruht auf der Annahme, dass ME/CFS vor allem durch Schonverhalten und Dekonditionierung aufrechterhalten wird und mit schrittweise steigender Belastung überwunden werden kann. Die grosse britische PACE-Studie (Lancet 2011) schien das zu stützen. Später zeigte eine Nachanalyse der Daten, dass die Effekte nach den ursprünglich geplanten Kriterien deutlich kleiner ausfielen, und die Studie wurde methodisch breit kritisiert, unter anderem weil sie sich auf Selbstauskünfte in einer unverblindeten Studie stützte und objektive Messungen kaum Verbesserungen zeigten.

NICE hat die ME/CFS-Leitlinie deshalb 2021 grundlegend überarbeitet. NG206 hält fest: Keine Therapie anbieten, die auf körperlicher Aktivität oder Training als Behandlung oder Heilung von ME/CFS beruht. Keine GET anbieten. Keine Programme mit fest vorgegebener, schrittweiser Steigerung empfehlen, auch nicht unbeaufsichtigt. Ein Bewegungsprogramm kommt nur in Frage, wenn die Betroffenen das wünschen, es von Fachpersonen mit ME/CFS-Erfahrung begleitet wird und unterhalb der Belastungsgrenze beginnt. Kognitive Verhaltenstherapie darf unterstützend angeboten werden, um mit der Krankheit umzugehen, nicht als Heilbehandlung. Patientenorganisationen hatten jahrelang Berichte über Verschlechterungen durch GET gesammelt, teils bis zur Bettlägerigkeit.

Auch biologisch gibt es Erklärungen. Bei ME/CFS zeigt ein Belastungstest auf dem Fahrradergometer an zwei aufeinanderfolgenden Tagen (2-Tages-CPET) oft einen deutlichen Leistungsabfall am zweiten Tag, bei Gesunden und bei rein dekonditionierten Menschen nicht. Eine niederländische Studie (Appelman, Nature Communications 2024) untersuchte Muskelbiopsien von Menschen mit Long COVID und PEM vor und nach einer Belastung. Sie fand eine gestörte Funktion der Mitochondrien, Zeichen von Muskelschäden nach der Belastung und Ablagerungen in der Muskulatur. Die Ursachen sind nicht abschliessend geklärt, die Befunde passen aber nicht zur Vorstellung einer reinen Dekonditionierung.

Die Konsequenz für den Alltag: Wer PEM hat, sollte sich nicht durch Reha, Physiotherapie, Arbeitgeber oder Familie zu Steigerungsplänen drängen lassen. Das heisst nicht, dass jede Bewegung verboten ist. Sanfte Dehnung, Bewegung im Liegen, kurze Spaziergänge innerhalb der eigenen Grenze sind möglich und für Kreislauf und Gelenke wichtig, wenn sie keinen Crash auslösen. Entscheidend ist, dass die Symptome das Tempo bestimmen und nicht ein Trainingsplan. Bei Long COVID ohne PEM sieht es anders aus: Dort kann eine vorsichtig gesteigerte Reha helfen. Deshalb ist die Frage nach PEM vor jeder aktivierenden Massnahme so wichtig.

Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche erkranken seltener an Long COVID als Erwachsene, und die meisten erholen sich gut. Die WHO hat 2023 eine eigene Definition für Kinder und Jugendliche vorgelegt, mit ähnlichen Zeitkriterien wie bei Erwachsenen. Ein Teil entwickelt aber ein schweres Krankheitsbild bis hin zu ME/CFS, und gerade bei Jugendlichen kommt POTS häufig vor. Für die Diagnose gilt bei 12- bis 19-Jährigen eine höhere Pulsschwelle im Stehtest (mindestens 40 Schläge pro Minute Anstieg), weil der Puls in diesem Alter beim Aufstehen auch normal stärker steigt. Bei Kindern und Jugendlichen genügen für die Diagnose ME/CFS nach den pädiatrischen Kriterien kürzere Zeiträume als bei Erwachsenen, oft drei Monate.

Für Kinder gelten dieselben Grundregeln: Pacing statt Durchhalten, Behandlung von POTS, Schlaf- und Schmerztherapie. Die Umsetzung ist schwieriger, weil Schule, Freundschaften und Entwicklung auf dem Spiel stehen. Häufige Fehlzeiten führen schnell zum Verdacht auf Schulvermeidung oder eine psychische Ursache. Eine sorgfältige Diagnostik schützt vor Fehlbehandlungen und vor Konflikten mit Schule und Behörden. Psychische Begleiterkrankungen wie Ängste oder depressive Verstimmungen kommen vor und sollen behandelt werden, sie sind aber oft Folge und nicht Ursache der Erkrankung.

Was in der Schule hilft: ein Nachteilsausgleich (in allen drei Ländern möglich, Bezeichnungen und Zuständigkeiten unterscheiden sich nach Kanton und Bundesland), verkürzte Stundenpläne, Pausen in einem ruhigen Raum, Prüfungen in Etappen, Hausunterricht oder digitale Teilnahme, wenn der Schulbesuch nicht möglich ist. Ein ärztliches Attest mit konkreten Empfehlungen zur Belastbarkeit macht die Gespräche mit der Schule leichter. Für Eltern bedeutet die Erkrankung oft eine eigene Belastung bis zur Reduktion der Arbeitszeit, die Möglichkeiten zur Freistellung und Unterstützung stehen bei Versorgung & Kosten.

Spezialisierte Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche sind rar. In Deutschland ist das MRI Chronische Fatigue Centrum für junge Menschen (MCFC) am Klinikum rechts der Isar der TU München eine bekannte Anlaufstelle, dazu kommen Post-COVID-Ambulanzen an mehreren Kinderkliniken, die teils über Modellprojekte des Bundesgesundheitsministeriums gefördert wurden. In der Schweiz und in Österreich bieten Universitäts-Kinderkliniken Sprechstunden an, die Wartezeiten sind lang. Erste Anlaufstelle bleibt die Kinder- und Jugendmedizin.

Quellen für diesen Abschnitt. NICE NG206: Myalgic encephalomyelitis (or encephalopathy)/chronic fatigue syndrome: diagnosis and management (Oktober 2021). S1-Leitlinie Long/Post-COVID, AWMF-Register 020-027, federführend Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, Aktualisierung 2024. WHO: A clinical case definition of post COVID-19 condition by a Delphi consensus (2021) sowie die Definition für Kinder und Jugendliche (2023). Carruthers und Kollegen: Kanadische Konsensuskriterien für ME/CFS (2003). Stellungnahmen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Informationen der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS. Initiativen des Bundesministeriums für Gesundheit (Initiative Long COVID ab 2023, Modellprojekte zur Versorgung) und Forschungsförderung des Bundesforschungsministeriums (früher BMBF, heute BMFTR) zu Long COVID und postinfektiösen Erkrankungen.

Erfahrungsberichte

Was Patienten erzählen

Die Erfahrungsberichte sind redaktionell verfasste, anonymisierte Beispiele auf Basis typischer Therapieverläufe. Sie ersetzen keine medizinische Beratung.

Bericht 1

Erfolg

"Ich habe gelernt, früher aufzuhören, als ich wollte"

Lukas B., 34, Bern (CH)

Therapiedauer
14 Monate
Therapie
Pacing mit Pulsuhr, stufenweise Rückkehr in den Beruf, hausärztliche Begleitung

Vor der Infektion bin ich jeden Sonntag mit dem Velo auf den Gurten und zweimal in der Woche ins Klettern. Ich arbeite als Bauingenieur, viel Büro, ab und zu auf der Baustelle. Die Covid-Infektion im Februar war eigentlich harmlos: drei Tage Fieber, Halsweh, dann ging es. Zehn Tage später habe ich wieder angefangen zu arbeiten. Und drei Wochen später bin ich nach einem normalen Arbeitstag zu Hause auf dem Gang sitzen geblieben, weil ich nicht mehr bis ins Schlafzimmer kam.

Das Muster habe ich erst Monate später verstanden. Ein guter Tag, ich mache zu viel, und am übernächsten Tag liege ich flach. Kopf wie in Watte, Muskeln, die brennen, als hätte ich einen Marathon gemacht. Mein Hausarzt hat das Wort PEM benutzt, Post-Exertional Malaise, also die Verschlechterung nach Belastung, die oft erst verzögert kommt. Er hat mir ehrlich gesagt, dass es kein Medikament dagegen gibt, aber dass Überlastung den Verlauf verschlechtern kann.

Bericht 2

Erfolg

"Beim Zähneputzen bin ich am Waschbecken in die Knie gegangen"

Sarah K., 27, Graz (AT)

Therapiedauer
8 Monate
Therapie
Ivabradin (Procoralan) 2 x 5 mg off-label, Kompressionsstrümpfe Klasse 2, Flüssigkeit und Salz

Ich bin Pflegefachkraft, also jemand, der eigentlich weiss, wie man Puls misst. Trotzdem hat es fast ein Jahr gedauert, bis mir jemand gesagt hat, was mit mir los ist.

Nach meiner zweiten Covid-Infektion im Herbst hatte ich Herzrasen, sobald ich aufgestanden bin. Beim Duschen wurde mir schwarz vor den Augen. In der Küche musste ich mich hinhocken, sonst wäre ich umgekippt. Mein Puls ging beim Aufstehen von 75 auf über 130. Das EKG war normal, das Herzecho auch. Ein Arzt im Notdienst hat mir gesagt, das sei wahrscheinlich die Angst. Ich hatte keine Angst. Ich hatte einen Puls von 130 beim Zähneputzen.

Bericht 3

Erfolg

"Mein Kaffee hat nach nassem Hund und verbranntem Gummi gerochen"

Thomas R., 41, Leipzig (DE)

Therapiedauer
9 Monate
Therapie
Riechtraining mit vier Düften, zweimal täglich, HNO-Begleitung

Ich bin Koch. Na ja, ich war Küchenchef in einem Restaurant in der Südvorstadt und bin es inzwischen wieder. Dazwischen lagen Monate, in denen ich nicht wusste, ob ich das je wieder kann.

Nach Covid im Frühling war der Geruch einfach weg. Von einem Tag auf den anderen. Zuerst dachte ich, das ist der Schnupfen. Nach drei Wochen war der Schnupfen weg und der Geruch immer noch. Ich habe gekocht nach Erinnerung und nach Gramm. Abschmecken ging nur mit salzig, süss, sauer, bitter. Alles andere, was man so Geschmack nennt, kommt eigentlich über die Nase. Das weiss man als Koch, aber man spürt es erst, wenn es fehlt.

Bericht 4

Erfolg

"Fünfzig Prozent ist nicht halb gescheitert, das ist mein Leben jetzt"

Birgit H., 52, Freiburg im Breisgau (DE)

Therapiedauer
2 Jahre
Therapie
Pacing, stufenweise Wiedereingliederung (Hamburger Modell), begrenzte Dienstfähigkeit mit 50 Prozent

Ich unterrichte Deutsch und Geschichte an einem Gymnasium, seit 24 Jahren, verbeamtet. Ich habe drei Klassenfahrten im Jahr gemacht, die Theater-AG geleitet und nebenbei meine Mutter gepflegt. Ich war die, die immer Ja sagt. Das hat mir im Nachhinein nicht gutgetan.

Die Infektion war im Dezember, zur Weihnachtszeit, wie so viele. Im Januar bin ich wieder hin, weil Abiturvorbereitung war. Ich habe mich durch den Februar geschleppt und im März vor der Klasse den Faden verloren. Mitten im Satz. Ich wusste nicht mehr, worüber ich spreche. Das war der Tag, an dem ich nach Hause gefahren bin und dann sieben Monate nicht mehr kam.

Bericht 5

In Anpassung

"Ich bezahle jeden Monat für eine Besserung, die ich nicht beweisen kann"

Monika S., 45, Luzern (CH)

Therapiedauer
5 Monate
Therapie
Low-Dose-Naltrexon (LDN) 1,5 bis 3 mg off-label als Magistralrezeptur, Pacing

Ich war Primarlehrerin, bin aber seit zwei Jahren krankgeschrieben, nach einer Covid-Infektion im Herbst. Erschöpfung, Muskelschmerzen, schlechter Schlaf, Brain Fog. Seit gut einem Jahr habe ich die Diagnose ME/CFS. Ich pace, so gut ich kann, und lebe auf einem Niveau, das stabil, aber eng ist.

In den Facebookgruppen wird LDN fast wie ein Geheimtipp gehandelt. Naltrexon wird normalerweise in viel höherer Dosis bei Alkohol- und Opioidabhängigkeit eingesetzt. In tiefer Dosis soll es entzündungshemmend auf das Immunsystem im Gehirn wirken. So ganz genau weiss man das aber nicht. Ich habe meine Hausärztin darauf angesprochen, mit ziemlich vielen Ausdrucken. Sie war skeptisch und hat mir gesagt, dass es dazu keine grossen randomisierten Studien bei Long COVID gibt, nur kleine Beobachtungen. Sie hat es mir trotzdem verschrieben, weil sie es für vertretbar sicher hält und wir klar abgemacht haben, wann wir aufhören.

Bericht 6

In Anpassung

"Die haben mich auf das Ergometer gesetzt und gesagt, das wird schon"

Werner P., 58, Kassel (DE)

Therapiedauer
20 Monate
Therapie
erste Reha mit aktivierender Trainingstherapie, danach zweite Reha mit PEM-sensiblem Konzept und Pacing

Ich bin Elektromeister, eigener Betrieb mit vier Angestellten. Sechs Monate nach Covid war ich immer noch bei der Hälfte meiner Kraft. Meine Hausärztin hat eine Reha bei der Rentenversicherung beantragt, wurde auch zügig bewilligt. Ich habe mich gefreut. Drei Wochen, endlich mal jemand, der sich kümmert.

In der Klinik war der Plan: Ergometer, Nordic Walking, Gruppengymnastik, Bewegungsbad. Jeden Tag ein bisschen mehr. Als ich gesagt habe, dass ich nach dem Training am nächsten Tag kaum aus dem Bett komme, hiess es, das sei normal, der Körper müsse sich wieder gewöhnen. Ich solle mich durchbeissen. Und ich bin ein Mensch, der sich durchbeisst. Das war das Problem.

Bericht 7

Frühe Phase

"Ich dachte, ich bin einfach faul geworden"

Lea G., 19, St. Gallen (CH)

Therapiedauer
10 Wochen seit Infekt
Therapie
Abklärung beim Hausarzt, Aufklärung über PEM, Schonung und Pacing, Teilkrankschreibung

Ich bin im dritten Lehrjahr als Polygrafin. Vor zehn Wochen hatte ich einen Infekt, Fieber, Husten, der Schnelltest war positiv. Nach einer Woche wieder im Geschäft, ganz normal. Und seither bin ich müde. Nicht so, wie wenn man spät ins Bett geht. Sondern so, dass ich nach der Arbeit in den Bus steige und hoffe, dass ich nicht einschlafe und meine Haltestelle verpasse.

Am Anfang habe ich gedacht, ich bin halt faul geworden. Meine Mutter hat gesagt, ich solle mehr raus und Sport machen, dann komme die Energie zurück. Also bin ich mit einer Kollegin joggen gegangen. Zwanzig Minuten, langsam. Zwei Tage später hatte ich Muskelschmerzen, Halsweh und konnte mich in der Berufsschule nicht konzentrieren. Ich habe in der Prüfung eine Frage dreimal gelesen und nicht verstanden.

Bericht 8

Abgesetzt

"Ich habe 15'000 Euro bezahlt, um am Ende genau da zu stehen, wo ich angefangen habe."

Thomas R., 47, Bielefeld (DE)

Therapiedauer
6 Wochen (6 Sitzungen), Krankheit seit 2 Jahren
Therapie
H.E.L.P.-Apherese in einer Privatklinik, Selbstzahler

Ich schreibe das hier auf, weil ich vor zwei Jahren genau so einen Bericht gesucht und nicht gefunden habe. Gefunden habe ich damals Erfolgsgeschichten in Facebook-Gruppen und eine Klinik-Website mit sehr vielen Ausrufezeichen.

Die Infektion war im Frühjahr 2022, eher harmlos, drei Tage Fieber. Sechs Wochen später konnte ich keine Treppe mehr hoch, ohne dass mir das Herz bis zum Hals schlug. Dazu Brain Fog, ich habe als Vertriebsleiter in Meetings mitten im Satz vergessen, was ich sagen wollte. Nach einem Jahr hatte ich die Diagnose Post-COVID mit Fatigue und Belastungsintoleranz, die Kriterien für ME/CFS waren laut Neurologin erfüllt. Krankengeld lief, die Rente noch nicht.

Bericht 9

Abgesetzt

"Man hat mir gesagt, ich soll mich langsam steigern. Ich bin dabei im Bett gelandet."

Martina K., 39, Linz (AT)

Therapiedauer
8 Wochen Physiotherapie, Krankheit seit 3 Jahren
Therapie
Graded Exercise (stufenweise Belastungssteigerung) in der Physiotherapie

Vor Corona war ich Volksschullehrerin und bin jedes Wochenende auf irgendeinen Berg gegangen. Nach der Infektion im Herbst 2021 kam ich nicht mehr richtig auf die Beine, aber ich konnte noch halbtags unterrichten, wenn ich nachmittags lag. Bell-Score 50, würde ich heute sagen. Damals kannte ich das Wort gar nicht.

Mein Hausarzt hat mir Physiotherapie verschrieben, Diagnose "Dekonditionierung nach COVID". Die Physiotherapeutin war wirklich nett und motiviert. Plan: Ergometer, jede Woche zwei Minuten mehr, dazu Kraftübungen. Ich hab mir gedacht, passt, ich war ja immer sportlich, das krieg ich hin.

Bericht 10

Erfolg

"Erfolg heisst bei uns, dass Jonas seit einem Jahr nicht weiter abgerutscht ist."

Sabine W., 54, Kassel (DE)

Therapiedauer
2 Jahre Pflege, Sohn seit 3 Jahren krank
Therapie
Angehörigenbericht: Sohn Jonas, 23, schwere ME/CFS nach COVID, Reizabschirmung, häusliche Pflege, Hausbesuche

Ich bin die Mutter. Jonas kann diesen Text nicht selber schreiben, ein Bildschirm ist für ihn zu viel. Ich habe ihm vorgelesen, was ich aufschreibe, in drei Etappen, und er hat genickt.

Jonas hat Maschinenbau studiert, als er sich Ende 2021 angesteckt hat. Ein halbes Jahr hat er versucht weiterzumachen, mit Pausen, mit Vorlesungen von zu Hause. Dann ging es innerhalb von Wochen bergab. Seit Herbst 2022 liegt er fast durchgehend. Licht tut ihm weh, Geräusche auch, Gespräche schafft er manchmal fünf Minuten. Er wird über eine Schnabeltasse und an schlechten Tagen mit pürierter Kost ernährt, weil Kauen ihn erschöpft.

Bericht 11

Erfolg

"Die IV-Rente war am Schluss wichtiger für meine Gesundheit als jedes Medikament."

Reto B., 44, Winterthur (CH)

Therapiedauer
3 Jahre seit Erkrankung, 2 Jahre IV-Verfahren
Therapie
Pacing, Homeoffice mit reduziertem Pensum, Begleitung Long-COVID-Sprechstunde, IV-Teilrente

Ich bin Systemengineer bei einem Versicherer, seit fünfzehn Jahren im gleichen Team. Infektion im Januar 2022, danach drei Monate Gefühl wie nach einem Marathon, jeden Tag. Ich bin trotzdem wieder ins Büro, 100 Prozent, Zug von Winterthur nach Zürich. Nach jedem Arbeitstag lag ich um halb sieben im Bett. Nach einem Bürotag mit Workshop war ich zwei Tage weg. Irgendwann hat mich meine Chefin gefragt, ob alles in Ordnung sei, weil ich im Daily dreimal die gleiche Frage gestellt hatte.

Die Long-COVID-Sprechstunde am Kantonsspital hat mir dann zwei Sachen gegeben: die Diagnose Post-COVID-Zustand mit Belastungsintoleranz und die klare Ansage, dass ich mich nicht weiter durchbeissen soll. Ich habe gelernt, mit Pulsuhr und Aktivitätstagebuch zu planen. Die Arbeit ging dann nur noch im Homeoffice, in Blöcken von 45 Minuten, dazwischen liegen. Mit 40 Prozent bin ich stabil. Bei 60 Prozent habe ich es probiert, nach drei Wochen kam der Crash.

Bericht 12

In Anpassung

"Ich gehe jetzt drei Vormittage in die Schule, und das ist der Plan, nicht das Versagen."

Lea M., 16, Wien (AT)

Therapiedauer
10 Monate seit Erstvorstellung, krank seit 18 Monaten
Therapie
Kinder-Post-COVID-Ambulanz, Pacing mit Herzfrequenz, reduzierter Schulstundenplan

Ich bin in der sechsten Klasse am Gymnasium. Nach Corona im Frühling letzten Jahres war ich so müde, dass ich am Nachmittag eingeschlafen bin, bei den Hausübungen. Im Sportunterricht bin ich zweimal fast umgekippt. Mein Turnlehrer hat gesagt, ich soll mehr trinken. Meine Eltern dachten zuerst an Pubertät oder Stress, ehrlich gesagt ich auch.

Meine Mama hat irgendwann einen Termin in der Post-COVID-Ambulanz für Kinder und Jugendliche bekommen, Wartezeit vier Monate. Dort haben sie einen Stehtest gemacht, mein Puls ist beim Stehen von 75 auf 125 gegangen. POTS, also ein Kreislaufproblem beim Aufrechtsein, und dazu Belastungsintoleranz mit Crashs. Die Ärztin hat mit mir geredet und nicht nur mit meinen Eltern, das fand ich gut.

Bericht 13

Frühe Phase

"Zwölf Jahre lang war ich ein Einzelfall. Seit Long COVID bin ich plötzlich Teil einer Gruppe."

Claudia F., 41, Bern (CH)

Therapiedauer
12 Jahre ME/CFS, neue Behandlung seit 5 Wochen
Therapie
Abklärung in einer ME/CFS-Sprechstunde, Behandlung der orthostatischen Intoleranz, Pacing

Ich hatte mit 29 das Pfeiffersche Drüsenfieber, Epstein-Barr-Virus, ganz klassisch, geschwollene Lymphknoten, sechs Wochen krank. Nur bin ich danach nie mehr richtig gesund geworden. Ich war Pflegefachfrau im Inselspital, Schichtdienst, und habe noch zwei Jahre gearbeitet, mit immer mehr Krankheitstagen. Nach einer Grippe 2015 kam der Absturz.

Die Diagnose ME/CFS habe ich erst 2017 bekommen, nach vier Jahren mit "Burnout", "Erschöpfungsdepression" und einem Psychiater, der irgendwann selber sagte, das passe nicht zu einer Depression. Er war ehrlich gesagt der erste, der mir geglaubt hat. Behandelt hat mich danach niemand richtig. Ich habe Pacing aus englischen Foren gelernt, nicht von einer Ärztin.

Bericht 14

Frühe Phase

"Meine Uhr piept jetzt, bevor ich merke, dass ich zu weit gegangen bin."

Nadine S., 36, Leipzig (DE)

Therapiedauer
6 Wochen seit Diagnose, Symptome seit 7 Monaten
Therapie
Post-COVID-Sprechstunde, Pacing mit Herzfrequenz-Uhr, Aktivitätstagebuch

Vor sechs Wochen hatte ich den Termin in der Post-COVID-Sprechstunde, auf den ich vier Monate gewartet hatte. Ich bin Grundschullehrerin, zwei Kinder, fünf und acht, und vor der Infektion im Februar war ich die, die beim Elternabend die Liste fürs Sommerfest macht. Seit dem Frühling bin ich krankgeschrieben, zuerst immer wieder zwei Wochen, jetzt durchgehend.

In der Sprechstunde lief es anders, als ich dachte. Ich hatte mir Infusionen oder irgendein Medikament erhofft. Bekommen habe ich eine Stunde Gespräch, Blut abnehmen, einen Stehtest, einen Fragebogen zu Belastungsintoleranz und dann die Ansage: Sie haben ein Post-COVID-Syndrom mit Post-Exertional Malaise, die wichtigste Behandlung ist im Moment Pacing. Ich war ehrlich enttäuscht. Auf der Heimfahrt habe ich im Auto geweint, und mein Mann wusste nicht, ob er was sagen soll.

Versorgung & Kosten

Vom ersten Gespräch zur Begleitung

1

Abklärung in der Hausarztpraxis

Die Hausärztin oder der Hausarzt klärt, ob die Beschwerden zur Infektion passen und andere Ursachen ausgeschlossen sind: Blutbild, Entzündungswerte, Schilddrüse, Eisen, Vitamin B12, Blutzucker, Nieren- und Leberwerte, EKG, je nach Beschwerden Lungenfunktion oder Herzultraschall. Ein unauffälliges Labor ist bei Long COVID häufig und kein Beweis, dass "nichts" ist. Bitten Sie ausdrücklich um eine Frage nach PEM und um einen Stehtest, und bringen Sie ein Symptomtagebuch mit.

2

Pacing früh beginnen und absichern

Schon vor einer gesicherten Diagnose ist es sinnvoll, Belastung zu reduzieren und Crashs zu vermeiden, weil Überlastung in den ersten Monaten den Verlauf verschlechtern kann. Dazu gehört eine Krankschreibung oder ein reduziertes Pensum, wenn die Arbeit nicht mehr innerhalb der Grenze geht. Eine Verordnung für Ergotherapie hilft, Pacing konkret zu planen.

3

Fachärztliche und spezialisierte Abklärung

Je nach Leitsymptom folgt die Überweisung: Kardiologie bei Herzrasen und Verdacht auf POTS, Pneumologie bei Atemnot, Neurologie bei kognitiven Störungen, Nervenschmerzen oder Kopfschmerzen, HNO-Heilkunde bei Riechstörung, Immunologie oder eine Post-COVID-Ambulanz bei Verdacht auf ME/CFS. Die Wartezeiten bei spezialisierten Ambulanzen sind in allen drei Ländern lang, deshalb lohnt es sich, früh auf die Liste zu kommen und die Basisbehandlung parallel weiterzuführen.

4

Soziale Absicherung und langfristige Begleitung

Wenn die Erkrankung Monate dauert, werden Lohnersatz, Invaliditäts- oder Erwerbsminderungsleistungen, Pflege und Hilfsmittel wichtig. Melden Sie sich rechtzeitig bei den zuständigen Stellen und lassen Sie sich von Sozialdiensten, Patientenorganisationen oder Rechtsberatung unterstützen. Gutachten und Formulare fallen oft an schlechten Tagen an. Halten Sie Ihre Einschränkungen deshalb laufend schriftlich fest, mit Tagebuch, Bell-Score und Berichten von Angehörigen.

Kostenübernahme im Ländervergleich

Post-COVID-Sprechstunden
Schweiz (CH)
An Universitäts- und Kantonsspitälern (unter anderem Zürich, Bern, Basel, Lausanne, Genf, St. Gallen), teils interdisziplinär, teils nach Ende der Pandemiefinanzierung reduziert; Überweisung durch Hausarztpraxis; das Altea-Netzwerk informiert über Angebote
Deutschland (DE)
Post-COVID-Ambulanzen an Universitätskliniken und grösseren Häusern, spezialisierte Zentren wie das Charité Fatigue Centrum (Erwachsene) und das MCFC München (Kinder und junge Erwachsene); seit 2024 G-BA-Richtlinie zur koordinierten Versorgung (LongCOV-RL) mit hausärztlicher Koordination und Überweisung an spezialisierte Ambulanzen
Österreich (AT)
Post-COVID-Ambulanzen an einzelnen Spitälern und Universitätskliniken, Kapazitäten begrenzt; Nationales Referenzzentrum für postvirale Syndrome an der Medizinischen Universität Wien (Information und Fortbildung für Fachpersonen, seit 2024); erste Anlaufstelle Allgemeinmedizin
Wer koordiniert und verordnet
Schweiz (CH)
Hausärztin/Hausarzt, im Hausarzt- oder HMO-Modell zwingend zuerst; Spezialistinnen auf Überweisung
Deutschland (DE)
Hausärztin/Hausarzt als Koordination nach LongCOV-RL; Fachärztinnen auch direkt ohne Überweisung erreichbar, Termine über die Terminservicestellen (116117)
Österreich (AT)
Allgemeinmedizin, Kassen- oder Wahlärztin (Wahlarzt mit Teilrückerstattung von 80 Prozent des Kassentarifs)
Ergotherapie und Physiotherapie
Schweiz (CH)
Grundversicherung auf ärztliche Verordnung (je 9 Sitzungen pro Verordnung); Franchise und 10 Prozent Selbstbehalt
Deutschland (DE)
Heilmittel auf Verordnung, Zuzahlung 10 Prozent plus 10 EUR je Verordnung; für Post-COVID und ME/CFS gelten je nach Konstellation erleichterte Regeln für längerfristigen Verordnungsbedarf
Österreich (AT)
Über ÖGK bei Vertragspartnern, teils mit chefärztlicher Bewilligung, bei Wahltherapeutinnen Teilrückerstattung; Wartezeiten auf Kassenplätze
Reha-Zugang
Schweiz (CH)
Stationäre Reha nur mit Kostengutsprache der Krankenversicherung, Antrag durch Ärztin oder Arzt mit medizinischer Begründung; ambulante Reha-Programme an einzelnen Kliniken; Spitalbeitrag 15 CHF pro Tag
Deutschland (DE)
Medizinische Reha über die Deutsche Rentenversicherung (Erwerbstätige) oder die Krankenkasse (Rentner, Nichterwerbstätige); Zuzahlung bis 10 EUR pro Tag; mehrere Reha-Kliniken mit Post-COVID- und Fatigue-Konzepten; Achtung: Eine Aufforderung der Krankenkasse zum Reha-Antrag nach § 51 SGB V kann später als Rentenantrag gewertet werden, vorher beraten lassen
Österreich (AT)
Reha über die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) oder ÖGK, meist drei bis vier Wochen stationär, einkommensabhängige Zuzahlung, Befreiung bei geringem Einkommen; Post-COVID-Reha in mehreren Zentren; ambulante Reha (Phase II) zunehmend verfügbar
Off-Label-Kostenübernahme (zum Beispiel LDN, Ivabradin bei POTS)
Schweiz (CH)
Vergütung im Einzelfall nach Art. 71a bis 71d KVV: Gesuch der Ärztin oder des Arztes an die Krankenversicherung, Prüfung durch den Vertrauensarzt, Voraussetzung ist ein hoher therapeutischer Nutzen bei einer schweren Erkrankung ohne Alternative; Entscheid innert zwei Wochen vorgesehen; bei Ablehnung Einsprache möglich
Deutschland (DE)
Grundsätzlich nur in engen Grenzen: Nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts bei schwerwiegender Erkrankung, fehlender Alternative und begründeter Aussicht auf Erfolg; § 2 Abs. 1a SGB V gilt für lebensbedrohliche oder vergleichbar schwere Erkrankungen, was bei ME/CFS im Einzelfall geprüft wird und umstritten ist; Antrag mit Begründung vor Behandlungsbeginn bei der Krankenkasse; seit 2023 prüft eine Expertengruppe beim BfArM Off-Label-Empfehlungen für Long COVID
Österreich (AT)
Keine eigene gesetzliche Regelung; Antrag auf Einzelfallbewilligung beim chef- und kontrollärztlichen Dienst der Kasse, Bewertung nach Notwendigkeit, Zweckmässigkeit und wissenschaftlicher Vertretbarkeit (Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs); Ausgang offen
Typische Selbstkosten
Schweiz (CH)
Franchise 300 bis 2500 CHF pro Jahr, danach 10 Prozent Selbstbehalt bis 700 CHF; LDN als Magistralrezeptur etwa 30 bis 60 CHF pro Monat, wenn nicht übernommen; Salztabletten, Elektrolyte, Pulsuhr selbst bezahlt
Deutschland (DE)
Zuzahlungen bis zur Belastungsgrenze von 2 Prozent des Bruttoeinkommens, bei chronischer Erkrankung 1 Prozent; nicht erstattete Off-Label-Medikamente, LDN etwa 20 bis 50 EUR pro Monat; private Apherese mehrere tausend EUR
Österreich (AT)
Rezeptgebühr pro Packung mit Obergrenze von 2 Prozent des Nettoeinkommens; Wahlarzt- und Privatleistungen zusätzlich; LDN etwa 20 bis 50 EUR pro Monat
Arbeitsunfähigkeit und Lohnersatz
Schweiz (CH)
Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber nach OR (Berner, Zürcher oder Basler Skala) oder Krankentaggeldversicherung, meist 80 Prozent des Lohns für bis zu 720 Tage innert 900 Tagen; Arztzeugnis mit Arbeitsfähigkeit in Prozent; Teilarbeitsfähigkeit möglich
Deutschland (DE)
Entgeltfortzahlung 6 Wochen, danach Krankengeld der Krankenkasse (70 Prozent des Bruttolohns, höchstens 90 Prozent des Nettolohns) bis 78 Wochen innert drei Jahren für dieselbe Krankheit; danach Arbeitslosengeld nach der Nahtlosigkeitsregelung (§ 145 SGB III) möglich; stufenweise Wiedereingliederung (Hamburger Modell)
Österreich (AT)
Entgeltfortzahlung je nach Dienstjahren, danach Krankengeld der ÖGK, in der Regel bis 52 Wochen, unter Voraussetzungen bis 78 Wochen; Wiedereingliederungsteilzeit über 1 bis 6 Monate mit Wiedereingliederungsgeld
IV-Anmeldung CH, Erwerbsminderungsrente DE, Pension AT
Schweiz (CH)
IV-Stelle des Wohnkantons: Früherfassung ab 30 Tagen Arbeitsunfähigkeit möglich, Anmeldung spätestens 6 Monate nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit, weil eine Rente frühestens 6 Monate nach der Anmeldung beginnt; Wartejahr mit durchschnittlich mindestens 40 Prozent Arbeitsunfähigkeit; Eingliederung vor Rente; Rentenanspruch ab IV-Grad 40 Prozent, volle Rente ab 70 Prozent
Deutschland (DE)
Erwerbsminderungsrente der Deutschen Rentenversicherung: volle Rente bei weniger als 3 Stunden täglicher Leistungsfähigkeit, teilweise bei 3 bis unter 6 Stunden; Voraussetzung 5 Jahre Versicherungszeit, davon 3 Jahre Pflichtbeiträge in den letzten 5 Jahren; Grundsatz Reha vor Rente; meist befristet bewilligt
Österreich (AT)
Rehabilitationsgeld (ÖGK) oder Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspension über die PVA, Grundsatz Reha vor Pension; für ab 1964 Geborene bei vorübergehender Invalidität meist Rehabilitationsgeld mit Case Management statt befristeter Pension
Pflege
Schweiz (CH)
Kein Pflegegrad-System; Hilflosenentschädigung der IV (leicht, mittel, schwer) nach einem Wartejahr, Assistenzbeitrag möglich; Spitex auf ärztliche Verordnung über die Grundversicherung; Ergänzungsleistungen bei knappen Mitteln
Deutschland (DE)
Pflegegrad 1 bis 5 auf Antrag bei der Pflegekasse, Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (6 Module, Punktwert); Pflegetagebuch über mindestens zwei Wochen führen, auf PEM und Folgetage hinweisen; Begutachtung auf Wunsch zu Hause oder per Telefon, Begleitperson mitnehmen
Österreich (AT)
Pflegegeld in 7 Stufen ab einem Pflegebedarf von mehr als 65 Stunden pro Monat, Antrag bei der PVA, Begutachtung durch Ärztin oder Pflegefachperson
Behinderungsausweis
Schweiz (CH)
Kein allgemeiner Schwerbehindertenausweis; je nach Einschränkung Ausweis für Reisende mit einer Behinderung (Begleitperson im öffentlichen Verkehr), Parkierungskarte für behinderte Personen über das kantonale Strassenverkehrsamt
Deutschland (DE)
Schwerbehindertenausweis beim Versorgungsamt ab Grad der Behinderung (GdB) 50; Gleichstellung bei der Agentur für Arbeit ab GdB 30; Merkzeichen (zum Beispiel G, B, aG) für Mobilität und Begleitung
Österreich (AT)
Behindertenpass beim Sozialministeriumservice ab Grad der Behinderung von 50 Prozent; Zusatzeintragungen (zum Beispiel Unzumutbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel)
Behörden und Fachstellen
Schweiz (CH)
BAG (Information, Leistungskatalog), Swissmedic (Arzneimittelzulassung), IV-Stellen und BSV (Invalidenversicherung), Krankenversicherer mit Vertrauensärztlichem Dienst
Deutschland (DE)
BMG (Initiative Long COVID), BfArM (Arzneimittel, Off-Label-Expertengruppe), G-BA (LongCOV-RL, Arzneimittel-Richtlinie), Deutsche Rentenversicherung, Medizinischer Dienst, Versorgungsämter
Österreich (AT)
Sozialministerium (Aktionsplan zu postakuten Infektionssyndromen, 2024), BASG (Arzneimittel), ÖGK und PVA, Sozialministeriumservice

Einige Punkte verdienen eine Erläuterung. In der Schweiz ist die Off-Label-Vergütung im Einzelfall seit der Revision per 1. Januar 2024 genauer geregelt. Die Krankenversicherung muss das Gesuch innert zwei Wochen beurteilen, und der Preis wird zwischen Versicherer und Zulassungsinhaberin festgelegt. Bei günstigen Medikamenten wie Ivabradin oder Propranolol stellt sich die Frage oft praktisch nicht, weil die Kosten tief sind. LDN wird als Magistralrezeptur in der Apotheke hergestellt, hier hängt die Übernahme vom Versicherer und von der Rezeptur ab. Ein schriftliches Gesuch der behandelnden Ärztin mit Begründung und Literatur erhöht die Chancen. Bei der IV sind Long COVID und ME/CFS nicht ausgeschlossen. Weil objektive Befunde oft fehlen, prüfen Gutachten die tatsächliche Leistungsfähigkeit anhand von Indikatoren aus dem Alltag. Eine gute Dokumentation über Monate, Berichte von Spezialistinnen und eine ehrliche Beschreibung der schlechten Tage sind deshalb entscheidend. Wer die Anmeldung über sechs Monate hinausschiebt, verliert im Fall einer Rente Monate an Leistungen.

In Deutschland regelt seit 2024 die Long-COVID-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (LongCOV-RL) die Versorgung: Hausärztliche Praxen koordinieren, bei komplexen Verläufen überweisen sie an spezialisierte Ambulanzen, und die Behandlung soll strukturiert und interdisziplinär erfolgen. In der Praxis sind Plätze knapp. Für Off-Label-Medikamente gilt der Antrag vor Behandlungsbeginn, eine nachträgliche Erstattung lehnen Kassen fast immer ab. Bei einer Ablehnung kann man Widerspruch einlegen, bei Bedarf mit Unterstützung von Sozialverbänden wie VdK oder SoVD. Bei der Pflegebegutachtung ist der Hinweis auf PEM wichtig: Viele Betroffene schaffen an einem Tag Dinge, die sie danach drei Tage ins Bett zwingen. Das Pflegetagebuch sollte die Folgetage zeigen, nicht nur die Tätigkeit. Für den GdB gibt es in den Versorgungsmedizinischen Grundsätzen keine eigene Zeile für ME/CFS, die Bewertung erfolgt in Analogie zu vergleichbaren Funktionsbeeinträchtigungen.

In Österreich hat das Sozialministerium 2024 einen Aktionsplan zu postakuten Infektionssyndromen vorgelegt, der Versorgung, Wissen der Fachpersonen und Forschung verbessern soll. Das Nationale Referenzzentrum für postvirale Syndrome an der Medizinischen Universität Wien bündelt Wissen und bietet Fortbildungen und Informationsmaterial an, behandelt aber keine Patientinnen und Patienten im Regelbetrieb. Bei Pflegegeld, Rehabilitationsgeld und Pension berichten Betroffene und Patientenorganisationen häufig von Ablehnungen in der ersten Instanz. Eine Klage beim Arbeits- und Sozialgericht ist kostenfrei, Arbeiterkammer, Behindertenverbände und Patientenorganisationen beraten dazu.

Die Beträge in der Tabelle sind Orientierungswerte. Franchisen, Zuzahlungen, Rezeptgebühren und Höchstbeträge ändern sich jährlich, und Versicherungsmodelle sowie Arbeitsverträge können abweichen. Bei Fragen zu Taggeld, Rente und Pflege lohnt sich eine unabhängige Sozialberatung, bevor Fristen ablaufen.

Spezialisten finden

Erste Anlaufstelle ist in allen drei Ländern die Hausarztpraxis, für Kinder die Kinder- und Jugendmedizin. Sie koordiniert, schreibt krank, stellt Verordnungen aus und überweist. Gute Erfahrungen machen Betroffene mit Praxen, die sich in die Erkrankung einarbeiten und nicht bei jedem Termin von vorne anfangen. Fragen Sie offen, ob die Praxis Erfahrung mit Long COVID und ME/CFS hat.

Post-COVID-Ambulanzen. In der Schweiz bieten unter anderem das Universitätsspital Zürich, das Inselspital Bern, das Universitätsspital Basel, das CHUV in Lausanne, die HUG in Genf und das Kantonsspital St. Gallen Post-COVID-Sprechstunden an, das Angebot hat sich seit der Pandemie aber teils verändert. Das Altea-Netzwerk (altea-network.com) sammelt Informationen zu Anlaufstellen. In Deutschland gibt es Post-COVID-Ambulanzen an vielen Universitätskliniken, bekannte spezialisierte Zentren sind das Charité Fatigue Centrum in Berlin für Erwachsene mit ME/CFS und das MRI Chronische Fatigue Centrum für junge Menschen (MCFC) in München. In Österreich bestehen Ambulanzen an einzelnen Spitälern, das Nationale Referenzzentrum in Wien vermittelt Wissen und Ansprechpersonen. In allen drei Ländern sind die Wartelisten lang, und einzelne Ambulanzen haben nach Auslaufen der Finanzierung geschlossen.

Fachrichtungen. Für POTS und Herzrasen sind die Kardiologie oder spezialisierte Neurologie mit autonomer Diagnostik (Kipptisch) zuständig. Die Neurologie klärt kognitive Störungen, Kopfschmerzen und Nervenschmerzen (zum Beispiel Small-Fiber-Neuropathie) ab. Die Immunologie und Rheumatologie prüfen Hinweise auf Autoimmunprozesse und Immundefekte, an einigen Zentren auch Autoantikörper. Die Pneumologie ist bei Atemnot zuständig, die HNO-Heilkunde bei Riechstörungen, die Schlafmedizin bei schweren Schlafstörungen. Psychiatrie und Psychotherapie begleiten bei Depression, Angst oder Belastungsreaktionen, die bei einer so einschneidenden Erkrankung häufig sind. Das ersetzt nicht die körperliche Abklärung. Ergotherapie und Physiotherapie mit Erfahrung in Fatigue und PEM sind für den Alltag oft wichtiger als jeder Facharzttermin.

Selbsthilfe und Patientenorganisationen. Long Covid Schweiz (longcovidch.info) vernetzt Betroffene, informiert und setzt sich politisch für bessere Versorgung ein, der ME/CFS Verein Schweiz ergänzt das für ME/CFS. In Deutschland bietet die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS (mecfs.de) umfangreiche Informationen für Betroffene, Angehörige und Fachpersonen, auch zu Pflegegrad und Anträgen; die Initiative Long COVID Deutschland und Fatigatio sind weitere Anlaufstellen. Die Lost Voices Stiftung macht vor allem auf schwer erkrankte Menschen mit ME/CFS aufmerksam, die das Haus nicht mehr verlassen können. In Österreich engagiert sich die WE&ME Foundation (weandme.org) für Forschung, Aufklärung und Unterstützung bei ME/CFS, ergänzt durch die Österreichische Gesellschaft für ME/CFS. Online-Gruppen und Selbsthilfetreffen helfen vielen, sich weniger allein zu fühlen und praktische Tipps zu tauschen. Achten Sie dabei auf Angebote, die Heilung gegen Bezahlung versprechen: Seriöse Gruppen verweisen auf Studien und warnen selbst vor teuren Wundermitteln.

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Studien & Updates

Aktuelle Evidenz

Aktuelle Evidenz

Zu Long COVID erscheinen jede Woche neue Arbeiten, viele davon klein, vorläufig oder nur als Preprint. Die folgenden acht Einträge sind die, auf die sich Leitlinien, Fachgesellschaften und Patientenorganisationen im deutschsprachigen Raum immer wieder beziehen: zwei Definitionen, eine britische Leitlinie zu ME/CFS, ein grosser Übersichtsartikel, die Daten aus der US-Veteranenversorgung zu Risiko und Verlauf, eine Muskelstudie zur Belastungsintoleranz, die bisher enttäuschenden Medikamentenstudien und die deutsche Leitlinie. Eine Therapie, die Long COVID oder ME/CFS ursächlich heilt, gibt es nach heutigem Stand nicht. Wer etwas anderes verspricht, kann sich auf keine dieser Studien stützen.

StudieNICE, 2021-10

Leitlinie NG206 zu ME/CFS (Diagnose und Behandlung)

Das britische National Institute for Health and Care Excellence hat seine Empfehlungen zu ME/CFS grundlegend überarbeitet. Zentrales Merkmal der Diagnose ist die Post-Exertional Malaise (PEM), also die verzögerte Verschlechterung nach Belastung. Ein Verdacht besteht bei Erwachsenen nach mindestens sechs Wochen typischer Beschwerden, die Diagnose wird nach drei Monaten gestellt. Die abgestufte Aktivierungstherapie (Graded Exercise Therapy) mit festen Steigerungen soll nicht mehr angeboten werden. Kognitive Verhaltenstherapie kann beim Umgang mit der Krankheit unterstützen, gilt aber ausdrücklich nicht als Heilbehandlung. Im Mittelpunkt steht das Energiemanagement. Die Leitlinie betrifft ME/CFS unabhängig vom Auslöser und wird auch für ME/CFS nach COVID-19 herangezogen.

StudieLancet Infect Dis, 2022-04

WHO-Definition der Post-COVID-19-Erkrankung (Soriano et al., Delphi-Konsens)

Die Weltgesundheitsorganisation hat mit Patientinnen, Ärzten, Forschenden und WHO-Fachleuten in einem mehrstufigen Delphi-Verfahren eine klinische Falldefinition erarbeitet (von der WHO im Oktober 2021 vorgestellt, als Artikel online im Dezember 2021). Eine Post-COVID-19-Erkrankung liegt danach vor, wenn nach einer wahrscheinlichen oder bestätigten SARS-CoV-2-Infektion, meist drei Monate nach Beginn, Symptome bestehen, die mindestens zwei Monate anhalten und sich nicht anders erklären lassen. Häufig sind Erschöpfung, Atemnot und kognitive Störungen. Die Beschwerden können neu auftreten oder von der akuten Erkrankung an bestehen bleiben, sie können schwanken und wiederkehren. Die Definition ist bewusst breit. Sie erklärt nicht, was die Ursache ist.

StudieNat Rev Microbiol, 2023-01

Davis et al., Long COVID, Hauptbefunde, Mechanismen und Empfehlungen

Hannah Davis, Lisa McCorkell, Julia Moore Vogel und Eric Topol fassten den damaligen Forschungsstand zusammen. Sie schätzten, dass weltweit mindestens 65 Millionen Menschen betroffen sind, ausgehend von grob geschätzten 10 Prozent aller Infektionen. Beschrieben sind über 200 Symptome in fast allen Organsystemen. Als mögliche Mechanismen diskutiert der Artikel unter anderem fortbestehende Virusbestandteile, eine fehlgesteuerte Immunreaktion, Autoantikörper, die Reaktivierung von Epstein-Barr-Viren, Veränderungen der Darmflora sowie Störungen in kleinen Blutgefässen und der Blutgerinnung. Ein erheblicher Teil der Betroffenen erfüllt die Kriterien für ME/CFS. Der Artikel ist ein Review, keine eigene Studie, und viele der genannten Mechanismen sind noch nicht gesichert.

StudieNat Med, 2022-11, und NEJM, 2024-07

Al-Aly et al., Risiko nach Reinfektion und Rückgang über die Varianten

Die Arbeitsgruppe um Ziyad Al-Aly wertet Daten der US-Veteranenversorgung aus. Bei 40'947 Personen mit zwei oder mehr Infektionen war das Risiko für Folgeerkrankungen in Lunge, Herz, Nervensystem und weiteren Organen höher als bei 443'588 Personen mit einer einzigen Infektion, das Sterberisiko etwa doppelt so hoch (Hazard Ratio 2,17), das Risiko einer Spitaleinweisung gut dreimal so hoch (3,32), unabhängig vom Impfstatus. Die NEJM-Arbeit von 2024 mit 441'583 infizierten Veteranen und 4,7 Millionen Kontrollen zeigt einen Rückgang: Ungeimpfte hatten ein Jahr nach Infektion 10,4 Ereignisse pro 100 Personen in der Zeit vor Delta, 7,8 unter Omikron. Geimpfte kamen unter Omikron auf 3,5. Etwa 72 Prozent des Rückgangs liessen sich der Impfung zuschreiben, 28 Prozent der Virusvariante und anderen Faktoren. Die Veteranen sind überwiegend ältere Männer, was die Übertragbarkeit einschränkt.

StudieNat Commun, 2024-01

Appelman et al., Muskelveränderungen verschlechtern sich nach Belastung

Die Amsterdamer Gruppe untersuchte 25 Menschen mit Long COVID und PEM sowie 21 Personen, die sich von COVID-19 vollständig erholt hatten. Alle absolvierten einen maximalen Belastungstest auf dem Fahrradergometer, vorher und am Tag danach wurden Muskelproben entnommen. Die Betroffenen hatten eine geringere Sauerstoffaufnahme, eine schwächere Funktion der Mitochondrien und mehr schnell ermüdende Muskelfasern. Nach der Belastung nahmen Muskelschäden, abgestorbene Fasern und Ablagerungen mit amyloidhaltigem Material zu. Die Beschwerden verschlechterten sich bei allen Betroffenen, bei manchen bis zu einer Woche lang. Die Studie ist klein und erklärt PEM nicht vollständig. Sie zeigt aber messbare körperliche Veränderungen und ist ein gewichtiges Argument gegen die Annahme, PEM sei Einbildung oder Dekonditionierung.

StudieJAMA Intern Med, 2024-06, und Berlin Cures, 2024-11

Zwei Medikamentenstudien ohne Nutzen gegenüber Placebo

In STOP-PASC (Stanford) erhielten 155 Erwachsene mit mittelschweren bis schweren Long-COVID-Beschwerden 15 Tage lang Nirmatrelvir mit Ritonavir (Paxlovid) oder Placebo mit Ritonavir. Nach zehn Wochen gab es keinen Unterschied bei Erschöpfung, Brain Fog, Atemnot, Schmerzen, Herz-Kreislauf- und Magen-Darm-Beschwerden. Das Medikament war gut verträglich. Die Firma Berlin Cures meldete im November 2024, dass ihr Wirkstoff BC007 (Rovunaptabin), der bestimmte Autoantikörper neutralisieren soll, in einer placebokontrollierten Phase-2-Studie keine Überlegenheit gegenüber Placebo zeigte. Die Firma stellte danach ihre Tätigkeit ein. Davon zu unterscheiden ist die akademische reCOVer-Studie der Universitätsklinik Erlangen mit 30 Betroffenen, die bestimmte Autoantikörper aufwiesen (eClinicalMedicine, 2025-08). Primärer Endpunkt war die Sicherheit. Bei Fatigue-Skalen und Bell-Score ergaben sich statistisch signifikante Verbesserungen, bei objektiven Tests wie der Gehstrecke kein klarer Vorteil. Das ist ein Signal für eine Untergruppe, kein Wirksamkeitsnachweis.

StudieJAMA, 2023-05, und laufend

RECOVER-Initiative der US-Gesundheitsbehörde NIH

RECOVER ist das grösste staatliche Forschungsprogramm zu Long COVID, finanziert seit Ende 2020 mit rund 1,15 Milliarden US-Dollar. In der Erwachsenenkohorte (Thaweethai et al., 9764 Teilnehmende) entwickelte das Team eine Definition auf Basis von zwölf Symptomen, an erster Stelle PEM, gefolgt von Erschöpfung, Brain Fog, Schwindel, Magen-Darm-Beschwerden und Herzklopfen. Von den Personen, die unter Omikron früh nach der Infektion eingeschlossen wurden, erfüllten nach sechs Monaten etwa 10 Prozent diese Definition. Die Initiative betreibt auch Therapiestudien, Patientenorganisationen und Forschende kritisierten sie aber als zu langsam und zu wenig auf Behandlungen ausgerichtet. Die bisher veröffentlichten Medikamentenstudien aus dem Programm haben keinen klaren Durchbruch gebracht.

StudieAWMF, 2024-05

S1-Leitlinie Long/Post-COVID (Register-Nr. 020-027), mit Patientenleitlinie 2024-09

Die interdisziplinäre deutsche Leitlinie unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin beschreibt Diagnostik und Behandlung nach Symptomen und Organsystemen. Eine ursächliche Therapie gibt es nach der Leitlinie nicht. Empfohlen werden eine sorgfältige Abklärung anderer Ursachen, die gezielte Behandlung einzelner Beschwerden und bei PEM das Pacing. Ein Aufbautraining soll nur erfolgen, wenn keine PEM vorliegt, und dann vorsichtig und symptomorientiert. Als S1-Leitlinie beruht sie auf Expertenkonsens und nicht auf einer systematischen Evidenzbewertung. Die Patientenversion erschien im September 2024. Die Gültigkeitsdauer der Fassung von 2024 ist im AWMF-Register inzwischen abgelaufen, den aktuellen Stand prüfen Sie am besten dort. In der Schweiz und in Österreich orientieren sich viele Fachpersonen ebenfalls an dieser Leitlinie.

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FAQ, Glossar & Downloads

Häufige Fragen

Was tue ich, wenn ich nicht mehr weiterleben möchte?+

Sprechen Sie heute mit jemandem, nicht erst beim nächsten Termin. Die Nummern im Kasten oben sind rund um die Uhr erreichbar, anonym und kostenlos, und Sie können auch liegend und mit wenig Kraft anrufen. Bei akuter Gefahr wählen Sie 144 (Schweiz, Österreich) oder 112 (Deutschland). Viele Menschen mit Long COVID oder ME/CFS erleben über Monate Verlust: von Arbeit, Kontakten, Selbständigkeit, oft auch von Anerkennung. Dass dabei dunkle Gedanken kommen, ist kein Versagen. Sagen Sie Ihrer Hausärztin offen, dass diese Gedanken da sind. Eine depressive Begleiterkrankung lässt sich behandeln, auch wenn die Grunderkrankung bleibt.

Geht Long COVID wieder weg?+

Bei vielen ja, zumindest teilweise. Ein grosser Teil der Betroffenen bessert sich im ersten Jahr deutlich, vor allem bei leichteren Verläufen. Bei einem kleineren Teil halten die Beschwerden über Jahre an. Wer die Kriterien für ME/CFS erfüllt, hat nach bisherigen Daten seltener eine vollständige Erholung, Besserungen gibt es aber auch hier. Verlässliche Prozentzahlen für den Einzelfall gibt es nicht, weil Studien unterschiedliche Definitionen, Zeiträume und Gruppen verwenden. Was den Verlauf nach heutigem Wissen günstig beeinflussen kann: Crashs vermeiden, früh Pacing lernen, Begleiterkrankungen wie POTS behandeln lassen und sich nicht unter Druck setzen, zu einem bestimmten Datum wieder voll zu funktionieren.

Ist das psychisch?+

Nein, Long COVID ist eine körperliche Folgeerkrankung einer Virusinfektion. Studien zeigen messbare Veränderungen, etwa im Muskelgewebe nach Belastung (Appelman 2024), im Immunsystem und in der Regulation von Kreislauf und Herzfrequenz. In der Klassifikation der WHO steht ME/CFS seit Jahrzehnten bei den neurologischen Erkrankungen (G93.3), für den Post-COVID-Zustand gibt es einen eigenen Code (U09.9). Dass Routinewerte im Blut oft normal sind, heisst nicht, dass nichts ist. Es heisst, dass die üblichen Tests das Problem nicht erfassen. Psychische Belastungen wie Angst oder Depression können dazukommen, sie sind bei einer so einschneidenden Krankheit häufig und verdienen eine eigene Behandlung. Psychotherapie kann beim Umgang helfen, sie heilt Long COVID aber nicht.

Was ist PEM und warum ist das so wichtig?+

PEM steht für Post-Exertional Malaise, auf Deutsch Belastungsintoleranz. Nach körperlicher, geistiger oder emotionaler Anstrengung verschlechtern sich die Beschwerden, typischerweise mit Verzögerung von 12 bis 72 Stunden, und die Erholung dauert Tage bis Wochen. Auslöser kann schon ein Arzttermin, ein Telefonat oder Duschen sein. PEM ist das Leitsymptom von ME/CFS und laut RECOVER auch das häufigste Merkmal von Long COVID. Wichtig ist es, weil es die Behandlung grundlegend verändert: Wer PEM hat, darf sich nicht nach dem Motto "mehr bewegen hilft" fordern. Wiederholte Crashs können den Zustand verschlechtern. Deshalb gehört die Frage nach PEM an den Anfang jeder Abklärung.

Soll ich mich wieder fit trainieren?+

Das hängt davon ab, ob Sie PEM haben. Ohne PEM, etwa bei Atemnot oder nachlassender Kondition nach schwerer Akuterkrankung, kann ein vorsichtiges, begleitetes Aufbautraining sinnvoll sein. Mit PEM raten NICE und die deutsche S1-Leitlinie von Trainingsprogrammen mit festen Steigerungen ab. Hier steht Pacing im Vordergrund: Aktivität so dosieren, dass keine Verschlechterung folgt. Manche Betroffene können innerhalb ihrer Grenzen sanfte Bewegung im Liegen oder Sitzen machen, etwa Dehnen. Wenn die Belastbarkeit über Wochen stabil zunimmt, lässt sich der Rahmen langsam erweitern, gesteuert von den Symptomen und nicht vom Trainingsplan. Fragen Sie in der Reha gezielt, ob das Konzept PEM berücksichtigt.

Schützt Impfung vor Long COVID?+

Teilweise. Mehrere Übersichtsarbeiten kommen übereinstimmend zum Ergebnis, dass eine Impfung vor der Infektion das Risiko senkt. Die Metaanalyse von Marra und Kollegen (2023, 24 Studien) schätzt die Schutzwirkung bei vollständig Geimpften auf etwa 30 Prozent, die NEJM-Arbeit von Al-Aly (2024) fand unter Omikron bei Geimpften weniger als halb so viele Long-COVID-Fälle wie bei Ungeimpften. Alle Daten stammen aus Beobachtungsstudien, Verzerrungen sind möglich. Einen vollständigen Schutz bietet die Impfung nicht. Ob eine Impfung bestehendes Long COVID bessert, ist unklar: Manche Betroffene berichten Besserung, andere eine vorübergehende Verschlechterung. Besprechen Sie Zeitpunkt und Nutzen mit Ihrer Ärztin.

Bekomme ich eine IV-Rente oder Erwerbsminderungsrente?+

Möglich, aber der Weg ist lang. In der Schweiz gilt bei der IV der Grundsatz "Eingliederung vor Rente". Melden Sie sich früh an, spätestens nach sechs Monaten Arbeitsunfähigkeit. Eine Rente setzt einen Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent und ein Jahr durchschnittlicher Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 Prozent voraus. In Deutschland gibt es die volle Erwerbsminderungsrente, wenn Sie weniger als drei Stunden täglich arbeiten können, die teilweise bei drei bis unter sechs Stunden. Vorher prüft die Rentenversicherung meist eine Reha. In Österreich entscheidet die Pensionsversicherungsanstalt, bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit oft über Rehabilitationsgeld statt Pension. In allen drei Ländern hilft eine gute Dokumentation von PEM, Bell-Score und Alltagseinschränkungen.

Was kostet eine Apherese und lohnt sie sich?+

Apherese-Verfahren wie die H.E.L.P.-Apherese oder die Immunadsorption filtern Bestandteile aus dem Blut, etwa Gerinnungsfaktoren oder Antikörper. Bei Long COVID werden sie fast nur privat angeboten. Betroffene und Medien nennen meist vierstellige Beträge pro Sitzung, bei mehreren Sitzungen kommen schnell fünfstellige Summen zusammen. Krankenkassen in der Schweiz, Deutschland und Österreich übernehmen das für diese Indikation in der Regel nicht. Ein Nutzen ist nicht belegt: In der randomisierten IAMPOCO-Studie mit 40 Betroffenen wirkte Immunadsorption nicht besser als eine Scheinbehandlung, obwohl die Autoantikörper sanken. Dazu kommen Risiken durch Zugänge, Kreislaufbelastung und die Anstrengung der Behandlung selbst, die einen Crash auslösen kann.

Gibt es einen Test, der Long COVID nachweist?+

Nein, einen einzelnen Labortest gibt es nicht. Die Diagnose ergibt sich aus dem Verlauf: eine vorangegangene Infektion, typische Beschwerden über mindestens drei Monate und der Ausschluss anderer Ursachen. Dazu gehören Blutuntersuchungen (zum Beispiel Blutbild, Entzündungswerte, Schilddrüse, Eisen, Vitamin B12), je nach Beschwerden Herz- und Lungenuntersuchungen. Bei Schwindel und Herzrasen im Stehen hilft ein Steh-Test über zehn Minuten (passiver Stehtest oder Schellong-Test) zur Abklärung von POTS. Für PEM gibt es Fragebögen wie den DSQ-PEM. Belastungstests mit maximaler Anstrengung können PEM auslösen und sollten nur bei klarer Fragestellung gemacht werden.

Welche Behandlung hilft mir heute?+

Eine Heilung gibt es nicht, Linderung aber oft schon. Am meisten bewirkt bei vielen Betroffenen konsequentes Pacing. Begleiterkrankungen lassen sich gezielt behandeln: POTS mit mehr Flüssigkeit und Salz, Kompressionsstrümpfen und je nach Fall Medikamenten wie Ivabradin oder Betablockern, Schlafstörungen, Schmerzen, Riech- und Schmeckstörungen mit Riechtraining, Atemprobleme mit Atemphysiotherapie. Manche Medikamente werden off-label versucht, etwa niedrig dosiertes Naltrexon oder Antihistaminika bei Verdacht auf MCAS. Dafür gibt es bisher keine soliden Studien, die Wirkung ist individuell. Vorsicht bei teuren Angeboten, die Heilung versprechen. Fragen Sie nach Studienlage, Kosten und Risiken, bevor Sie zusagen.

Glossar

Long COVID
Sammelbegriff für gesundheitliche Beschwerden, die über die akute Infektion hinaus anhalten oder neu auftreten. Im deutschen Sprachgebrauch meist für Beschwerden ab vier Wochen nach der Infektion verwendet, auch von Betroffenen selbst.
Post-COVID-Syndrom
Beschwerden, die drei Monate nach der Infektion noch bestehen oder neu aufgetreten sind, mindestens zwei Monate anhalten und sich nicht anders erklären lassen (WHO-Definition). Der Begriff ist enger als Long COVID und wird für Diagnosen und Versicherungsfragen verwendet.
ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom)
Schwere, oft chronische Erkrankung mit Belastungsintoleranz (PEM) als Leitsymptom, dazu Erschöpfung, nicht erholsamer Schlaf und kognitive Störungen. Sie kann nach verschiedenen Infektionen entstehen, ein Teil der Long-COVID-Betroffenen entwickelt ME/CFS.
PEM (Post-Exertional Malaise, Belastungsintoleranz)
Verzögerte Verschlechterung aller Beschwerden nach körperlicher, geistiger oder emotionaler Anstrengung, meist 12 bis 72 Stunden später. Die Erholung dauert Tage bis Wochen, manchmal länger.
Crash
Umgangssprachlich für eine ausgeprägte PEM-Phase, in der Betroffene oft deutlich weniger können als sonst, manchmal nur noch liegen. Ein Crash, der Wochen oder Monate anhält, wird auch als Rückfall oder Relapse bezeichnet.
Pacing
Strategie, die eigene Energie so einzuteilen, dass keine PEM ausgelöst wird. Dazu gehören Pausen vor der Erschöpfung, das Aufteilen von Aufgaben, Prioritäten und oft eine Pulskontrolle.
POTS (Posturales Tachykardiesyndrom)
Störung der Kreislaufregulation, bei der der Puls im Stehen innerhalb von zehn Minuten um mindestens 30 Schläge pro Minute steigt (bei Jugendlichen um mindestens 40), ohne dass der Blutdruck abfällt. Typisch sind Herzrasen, Schwindel, Benommenheit und Erschöpfung im Stehen.
Bell-Score (Bell Disability Scale)
Skala von 0 bis 100 zur Einschätzung der Funktionsfähigkeit bei ME/CFS, entwickelt vom US-Arzt David Bell. 100 bedeutet keine Einschränkung, 0 ständige Bettlägerigkeit, 30 etwa, dass man meist ans Haus gebunden ist und nur wenige Stunden am Tag leichte Tätigkeiten schafft.
Fatigue
Krankhafte Erschöpfung, die sich durch Schlaf oder Ruhe nicht ausreichend bessert und weit über normale Müdigkeit hinausgeht. Sie ist das häufigste Symptom bei Long COVID, aber nicht mit PEM gleichzusetzen.
Brain Fog
Umgangssprachlich für kognitive Störungen wie Konzentrationsprobleme, Wortfindungsstörungen, langsames Denken und Vergesslichkeit. Fachlich spricht man von kognitiver Dysfunktion.
MCAS (Mastzellaktivierungssyndrom)
Zustand, bei dem Mastzellen des Immunsystems übermässig Botenstoffe wie Histamin freisetzen, mit Beschwerden wie Hautrötung, Juckreiz, Magen-Darm-Problemen oder Herzrasen. Bei Long COVID wird MCAS diskutiert, die Diagnosekriterien sind aber umstritten und die Datenlage ist dünn.
Off-Label
Einsatz eines zugelassenen Medikaments ausserhalb seiner zugelassenen Indikation. Bei Long COVID ist das häufig, weil kein Medikament dafür zugelassen ist. Die Kostenübernahme ist in der Schweiz nur mit Kostengutsprache der Krankenkasse möglich, in Deutschland und Österreich nur unter engen Voraussetzungen.

Downloads & Tools

Rechner 1: PEM-Fragebogen nach dem DePaul Symptom Questionnaire (DSQ-PEM, sinngemässe Fassung)

Textfassung, noch kein Rechner

Name: PEM-Selbsteinschätzung in fünf Fragen

Quelle und Lizenzhinweis: Der DSQ-PEM wurde von Leonard Jason und Kolleginnen an der DePaul University in Chicago entwickelt (Cotler et al., Diagnostics 2018) und wird in der Forschung breit eingesetzt. Der Fragebogen ist urheberrechtlich geschützt. Die folgenden Items sind eine sinngemässe deutsche Wiedergabe, kein validierter Originalwortlaut. Vor der Veröffentlichung klärt die Redaktion die Nutzungsrechte bei der DePaul University und prüft, ob eine autorisierte deutsche Fassung verwendet werden kann. Im Tool steht der Hinweis: "Sinngemässe Fassung nach dem DePaul Symptom Questionnaire, nicht validiert."

Zeitraum: Die letzten sechs Monate.

Für jedes Item gibt es zwei Fragen.

Häufigkeit: "Wie oft hatten Sie diese Beschwerde?" Nie (0), Selten (1), Etwa die Hälfte der Zeit (2), Meistens (3), Immer (4).

Schwere: "Wie stark war die Beschwerde?" Nicht vorhanden (0), Leicht (1), Mittel (2), Stark (3), Sehr stark (4).

Items:

  1. Ein Gefühl von Schwere oder völliger Kraftlosigkeit, kurz nachdem Sie mit einer körperlichen Aktivität begonnen haben
  2. Muskelschmerzen oder Erschöpfung am nächsten Tag nach gewöhnlichen, nicht anstrengenden Alltagstätigkeiten
  3. Geistige Erschöpfung schon nach geringer Anstrengung
  4. Körperliche Erschöpfung schon nach minimaler Bewegung
  5. Sich körperlich ausgelaugt oder krank fühlen nach leichter Aktivität

Zusatzfrage (wird nicht gewertet, erscheint im Ausdruck): "Wenn es Ihnen nach Anstrengung schlechter geht: Wie lange dauert es, bis Sie wieder auf Ihrem vorherigen Stand sind?" Optionen: Unter einer Stunde, 1 bis 3 Stunden, 4 bis 10 Stunden, 11 bis 23 Stunden, 1 bis 3 Tage, länger als 3 Tage, Ich erhole mich nicht vollständig.

Formel:

  • Pro Item gilt die Beschwerde als relevant, wenn Häufigkeit mindestens 2 und Schwere mindestens 2 ist (Schwellenwert der DePaul-Gruppe).
  • Zusätzlich wird pro Item ein Wert von 0 bis 100 berechnet: (Häufigkeit × 25 + Schwere × 25) / 2.
  • Gesamtwert: Mittelwert der fünf Itemwerte, 0 bis 100.
  • Ein Ergebnis erscheint nur, wenn alle zehn Antworten vorliegen.

Ausgabe: Anzahl der relevanten Items (0 bis 5), Itemwerte als Balken, Gesamtwert, Antwort auf die Zusatzfrage, Hinweistext, Druckversion für den Arzttermin, Links zur Fragenliste und zum Energie- und Symptomtagebuch.

Interpretationsgrenzen:

  • Kein Item relevant: Die Antworten sprechen nicht für eine ausgeprägte Belastungsintoleranz. Wenn Sie trotzdem merken, dass es Ihnen nach Anstrengung verzögert schlechter geht, führen Sie zwei Wochen lang das Tagebuch und sprechen Sie es an.
  • Mindestens ein Item relevant: Die Antworten passen zu einer Belastungsintoleranz (PEM). Das ist keine Diagnose, aber ein Grund, PEM ärztlich abklären zu lassen, bevor Sie ein Trainings- oder Reha-Programm beginnen.
  • Hinweistext bei jedem Ergebnis: Der Fragebogen ersetzt keine Untersuchung. PEM kann im Verlauf schwanken. Andere Erkrankungen wie Blutarmut, Schilddrüsenstörungen, Herz- und Lungenerkrankungen oder eine Depression können ähnliche Antworten erzeugen. Wiederholen Sie den Test frühestens nach einigen Wochen, wenn Sie Veränderungen sehen wollen.
  • Eingaben werden nicht gespeichert und nicht übertragen.

Rechner 2: Herzfrequenz-Grenze für das Pacing (Spezifikation)

Rechner 2

Pulsgrenzen-Rechner für Pacing

Dieser Rechner hilft beim Einteilen von Energie. Er ist nicht für Training gedacht.

Methode A: Ruhepuls morgens im Liegen vor dem Aufstehen, Schläge pro Minute, an drei Tagen

Nehmen Sie ein Medikament, das den Puls senkt, zum Beispiel einen Betablocker oder Ivabradin?

Auswertung

Bitte beantworten Sie zuerst die Frage zur Pulsmedikation.

Interpretationsgrenzen: Beide Formeln sind Faustregeln und für ME/CFS oder Long COVID nicht in Studien validiert. Die Pulsgrenze erfasst vor allem körperliche Belastung. Geistige und emotionale Anstrengung können PEM auslösen, ohne dass der Puls stark steigt. Massgeblich bleibt, was Sie 24 bis 72 Stunden später spüren: Wenn Sie trotz eingehaltener Grenze Crashs haben, ist die Grenze zu hoch oder andere Belastungen sind entscheidend. Ein maximaler Belastungstest, um die Schwelle zu messen, kann selbst einen Crash auslösen und gehört nicht in Eigenregie.

Eingaben, Formeln, Interpretationsgrenzen

Name: Pulsgrenzen-Rechner für Pacing

Zweck: Das Tool schätzt eine obere Pulsgrenze, unter der Alltagsaktivitäten bei PEM möglichst keine Verschlechterung auslösen sollen. Es ist eine Orientierungshilfe zum Schonen, kein Trainingsrechner. Trainingszonen, Fettverbrennungsbereiche oder Steigerungspläne werden nicht ausgegeben. Dieser Satz steht über dem Formular: "Dieser Rechner hilft beim Einteilen von Energie. Er ist nicht für Training gedacht."

Eingaben:

  • Methode A: Ruhepuls in Schlägen pro Minute, gemessen morgens im Liegen vor dem Aufstehen, als Durchschnitt von mindestens drei Tagen (das Tool bietet drei Eingabefelder an und bildet den Mittelwert)
  • Methode B: Alter in Jahren
  • Optional: Puls an der anaeroben Schwelle aus einem ärztlich durchgeführten Belastungstest, wenn vorhanden
  • Pflichtfrage: "Nehmen Sie ein Medikament, das den Puls senkt, zum Beispiel einen Betablocker oder Ivabradin?" (ja/nein/weiss nicht)

Formeln:

  • Methode A (Faustregel aus der Pacing-Praxis): Pulsgrenze = Ruhepuls + 15.
  • Methode B (Schätzung nach der Workwell-Methode): Pulsgrenze = (220 minus Alter) × 0,6, gerundet auf ganze Schläge.
  • Wenn ein gemessener Schwellenpuls aus einem Belastungstest eingegeben wird, zeigt das Tool diesen Wert an und den Hinweis, dass die Workwell Foundation empfiehlt, im Alltag unterhalb dieses Werts zu bleiben. Ein zusätzlicher Abzug wird nicht berechnet.
  • Werden Methode A und B ausgefüllt, zeigt das Tool beide Werte und hebt den niedrigeren hervor.

Ausgabe: Pulsgrenze in Schlägen pro Minute, Hinweis zur Methode, Kurzanleitung zur Anwendung (Pulsuhr oder Brustgurt mit Alarm bei Überschreiten, bei Alarm hinsetzen oder hinlegen und warten, bis der Puls gesunken ist), Link zum Tagebuch.

Sicherheitsregeln:

  • Bei "ja" oder "weiss nicht" zur Pulsmedikation erscheint vor dem Ergebnis: "Betablocker, Ivabradin und einige andere Medikamente senken den Puls. Die berechnete Grenze kann dann zu hoch angesetzt sein, weil der Puls Ihre Belastung nicht mehr verlässlich anzeigt. Achten Sie stärker auf Symptome und besprechen Sie eine passende Grenze mit Ihrer Ärztin."
  • Liegt der eingegebene Ruhepuls über 100 oder unter 40, erscheint der Hinweis, dies ärztlich abklären zu lassen. Das Ergebnis wird trotzdem angezeigt.
  • Bei POTS steigt der Puls schon im Stehen stark an. Das Tool weist darauf hin, dass die Grenze dann im Alltag oft überschritten wird und zusätzliche Massnahmen nötig sind, die ärztlich besprochen werden sollten.
  • Kein Hinweis darf so formuliert sein, dass er zu Steigerung oder Training auffordert.

Interpretationsgrenzen: Beide Formeln sind Faustregeln und für ME/CFS oder Long COVID nicht in Studien validiert. Die Pulsgrenze erfasst vor allem körperliche Belastung. Geistige und emotionale Anstrengung können PEM auslösen, ohne dass der Puls stark steigt. Massgeblich bleibt, was Sie 24 bis 72 Stunden später spüren: Wenn Sie trotz eingehaltener Grenze Crashs haben, ist die Grenze zu hoch oder andere Belastungen sind entscheidend. Ein maximaler Belastungstest, um die Schwelle zu messen, kann selbst einen Crash auslösen und gehört nicht in Eigenregie.

Newsletter

Einmal im Monat fassen wir neue Studien, Leitlinien und Änderungen bei Versorgung und Versicherung zu Long COVID und ME/CFS in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich zusammen, kurz und ohne Heilsversprechen, damit Sie ihn auch an schlechten Tagen lesen können. Mit der Anmeldung erhalten Sie die Fragenliste für den Arztbesuch und das Energie- und Symptomtagebuch als PDF.

Diese Inhalte ersetzen keine medizinische Beratung.

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