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Schlafstörungen &
Insomnie

Schlafstörungen und Insomnie: Schlafmittel im Vergleich, KVT-I, Erfahrungsberichte, Versorgung in der Schweiz, Deutschland und Österreich, Schlaffenster-Rechner und Druckvorlagen.

Stand Oktober 2026

Wirkstoffe

Wirkstoffe im Überblick

Fast jede und jeder kennt Nächte, in denen der Schlaf nicht kommt: vor einer Prüfung, nach einem Streit, in einer Phase mit krankem Kind. Das ist normal und vergeht meist von selbst. Von einer chronischen Insomnie spricht die Medizin erst, wenn Einschlafen, Durchschlafen oder zu frühes Erwachen an mindestens drei Nächten pro Woche über mindestens drei Monate schwerfällt und sich das tagsüber bemerkbar macht, etwa durch Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Gereiztheit oder die ständige Sorge um den nächsten Abend. Diese Definition steht so in der internationalen Klassifikation ICD-11 und im amerikanischen DSM-5. Betroffen sind etwa 6 bis 10 Prozent der Erwachsenen, Frauen häufiger als Männer, ältere Menschen häufiger als jüngere.

Die Kernfakten zur Behandlung:

  • Therapie der ersten Wahl ist die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I). So empfiehlt es die S3-Leitlinie "Insomnie bei Erwachsenen" der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) von 2017 und ihre Aktualisierung, ebenso die Europäische Insomnie-Leitlinie von 2023. KVT-I wird für alle Altersgruppen empfohlen, auch bei Begleiterkrankungen wie Depression, chronischen Schmerzen oder Krebs.
  • Medikamente sind für die kurze Zeit gedacht. Benzodiazepine und die sogenannten Z-Substanzen (Zolpidem, Zopiclon) wirken zuverlässig, die Leitlinie empfiehlt sie aber nur für etwa drei bis vier Wochen, weil danach Gewöhnung und Abhängigkeit drohen. Für Daridorexant, einen neueren Orexin-Rezeptor-Antagonisten, gibt es Daten über bis zu zwölf Monate. Auch hier soll der Nutzen regelmässig überprüft werden.
  • Anwendungsform: Schlafmittel sind Tabletten, die etwa 15 bis 30 Minuten vor dem Zubettgehen genommen werden. KVT-I läuft über sechs bis acht Sitzungen einzeln oder in der Gruppe, zunehmend auch als Online-Programm.
  • Erwarteter Effekt: In einer Metaanalyse (Trauer und Kollegen, Annals of Internal Medicine 2015) verkürzte KVT-I die Einschlafzeit im Schnitt um etwa 19 Minuten, die Wachzeit in der Nacht um etwa 26 Minuten, die Schlafeffizienz stieg um etwa 10 Prozentpunkte. Etwa zwei Drittel der Behandelten sprechen an, und die Wirkung hält über Monate bis Jahre an. Schlafmittel wirken schneller, in der Regel schon in der ersten Nacht, der Effekt endet aber mit dem Absetzen.
  • Häufigste Nebenwirkungen: Bei Benzodiazepinen und Z-Substanzen Benommenheit am Morgen ("Hangover"), Sturzgefahr bei älteren Menschen, eingeschränkte Fahrtüchtigkeit, Gedächtnislücken, Gewöhnung und Rebound-Schlaflosigkeit beim Absetzen. Bei sedierenden Antidepressiva Mundtrockenheit, Schwindel und Gewichtszunahme. Bei rezeptfreien Antihistaminika Mundtrockenheit, Verwirrtheit bei Älteren und rasch nachlassende Wirkung. KVT-I macht in den ersten Wochen oft müder, weil die Bettzeit zunächst verkürzt wird.

Wie jemand auf eine Behandlung reagiert, unterscheidet sich stark. Manche schlafen nach drei Wochen Schlafrestriktion besser als seit Jahren, andere brauchen mehrere Anläufe und eine Kombination aus Therapie und vorübergehender Medikation.

Wirkstoffe im Vergleich

Medikament
Zolpidem (z. B. Stilnox, Generika)
Wirkstoff
Z-Substanz, Benzodiazepin-Rezeptor-Agonist
Indikation
Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen bei Erwachsenen
Dosierung
10 mg, bei älteren Menschen und Leberschwäche 5 mg, unmittelbar vor dem Zubettgehen; Behandlungsdauer möglichst nicht über vier Wochen
Status
Zugelassen in CH, DE, AT; S3-Leitlinie: wirksam, nur kurzfristig empfohlen
Nebenwirkungen
Benommenheit, Schwindel, Kopfschmerzen, Gedächtnislücken, selten komplexe Schlafverhaltensweisen (Schlafwandeln, Autofahren im Halbschlaf); Abhängigkeitsrisiko
Medikament
Zopiclon (z. B. Imovane, Ximovan, Generika)
Wirkstoff
Z-Substanz, Benzodiazepin-Rezeptor-Agonist
Indikation
Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen bei Erwachsenen
Dosierung
7,5 mg, bei älteren Menschen 3,75 mg, vor dem Zubettgehen; Behandlungsdauer möglichst nicht über vier Wochen
Status
Zugelassen in CH, DE, AT; S3-Leitlinie: wirksam, nur kurzfristig empfohlen
Nebenwirkungen
Bitterer Metallgeschmack am Morgen, Benommenheit, Schwindel, Gedächtnislücken; Abhängigkeitsrisiko, Rebound beim Absetzen
Medikament
Lorazepam (z. B. Temesta, Tavor), Temazepam (z. B. Normison, Remestan)
Wirkstoff
Benzodiazepine
Indikation
Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen, Lorazepam vor allem bei Angst und Unruhe
Dosierung
Lorazepam 0,5 bis 1 mg, Temazepam 10 bis 20 mg vor dem Zubettgehen; so kurz wie möglich
Status
Zugelassen in CH, DE, AT (Präparate je Land verschieden); S3-Leitlinie: nur kurzfristig; in der Schweiz Betäubungsmittel des Verzeichnisses b
Nebenwirkungen
Müdigkeit am Tag, Muskelschwäche, Sturzgefahr, Gedächtnisstörungen, Atemdämpfung zusammen mit Alkohol oder Opioiden; hohes Abhängigkeitsrisiko
Medikament
Daridorexant (Quviviq)
Wirkstoff
Dualer Orexin-Rezeptor-Antagonist (DORA)
Indikation
Erwachsene mit Insomnie seit mindestens drei Monaten und deutlicher Beeinträchtigung am Tag
Dosierung
50 mg etwa 30 Minuten vor dem Zubettgehen, bei mittelschwerer Leberschwäche oder bestimmten Begleitmedikamenten 25 mg; Nutzen nach spätestens drei Monaten überprüfen
Status
Zugelassen in der EU (EMA 2022) und in der Schweiz; Studiendaten über bis zu zwölf Monate
Nebenwirkungen
Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit; selten Schlaflähmung, Halluzinationen beim Einschlafen; kein relevantes Abhängigkeitssignal in Studien, nicht bei Narkolepsie
Medikament
Lemborexant (Dayvigo)
Wirkstoff
Dualer Orexin-Rezeptor-Antagonist (DORA)
Indikation
Insomnie bei Erwachsenen
Dosierung
5 mg, höchstens 10 mg vor dem Zubettgehen
Status
In CH, DE und AT nicht zugelassen, zugelassen unter anderem in den USA, Japan und Kanada
Nebenwirkungen
Müdigkeit am Folgetag, Kopfschmerzen, ungewöhnliche Träume; vergleichbares Profil wie Daridorexant
Medikament
Trazodon (z. B. Trittico)
Wirkstoff
Sedierendes Antidepressivum (Serotonin-Antagonist und Wiederaufnahmehemmer)
Indikation
Zugelassen für Depression, bei Insomnie Einsatz ausserhalb der Zulassung (Off-Label)
Dosierung
Bei Schlafstörungen meist 25 bis 100 mg am Abend, deutlich unter der antidepressiven Dosis
Status
Off-Label; S3-Leitlinie: kurzfristig wirksam, Langzeitgabe nicht generell empfohlen, sinnvoll vor allem bei Begleitdepression
Nebenwirkungen
Morgendliche Müdigkeit, Schwindel beim Aufstehen (Blutdruckabfall), Mundtrockenheit, selten Priapismus (Dauererektion), Herzrhythmusstörungen
Medikament
Mirtazapin niedrig dosiert (z. B. Remeron, Generika)
Wirkstoff
Sedierendes Antidepressivum (noradrenerg und spezifisch serotonerg)
Indikation
Zugelassen für Depression, bei Insomnie Off-Label
Dosierung
7,5 bis 15 mg am Abend
Status
Off-Label; S3-Leitlinie: wie Trazodon, nicht für die Langzeitbehandlung ohne Depression
Nebenwirkungen
Gewichtszunahme durch Heisshunger, Müdigkeit am Morgen, Mundtrockenheit; kann Restless Legs verstärken
Medikament
Melatonin retardiert (Circadin)
Wirkstoff
Hormon der inneren Uhr, Melatonin-Rezeptor-Agonist
Indikation
Primäre Insomnie ab 55 Jahren
Dosierung
2 mg ein bis zwei Stunden vor dem Zubettgehen nach dem Essen, bis 13 Wochen
Status
Rezeptpflichtig in CH, DE, AT; S3-Leitlinie: wegen geringer Wirksamkeit nicht generell empfohlen
Nebenwirkungen
Gut verträglich, gelegentlich Kopfschmerzen, Benommenheit, lebhafte Träume; kein Abhängigkeitsrisiko
Medikament
Doxylamin (z. B. Hoggar Night, Schlafsterne), Diphenhydramin (z. B. Benocten, Vivinox Sleep)
Wirkstoff
Antihistaminika der ersten Generation
Indikation
Gelegentliche Schlafstörungen bei Erwachsenen
Dosierung
Doxylamin 25 mg, Diphenhydramin 25 bis 50 mg vor dem Zubettgehen; höchstens etwa zwei Wochen
Status
Rezeptfrei in der Apotheke; S3-Leitlinie: nicht empfohlen; für ältere Menschen ungeeignet (PRISCUS-Liste)
Nebenwirkungen
Mundtrockenheit, Benommenheit am Morgen, Verstopfung, Harnverhalt, Verwirrtheit bei Älteren; Gewöhnung nach wenigen Tagen
Medikament
Baldrian und pflanzliche Mittel (z. B. Baldrianwurzel, Hopfen, Melisse, Passionsblume, Lavendelöl)
Wirkstoff
Pflanzliche Extrakte, Wirkmechanismus unklar
Indikation
Leichte Unruhe und Einschlafstörungen
Dosierung
Baldrian meist 400 bis 600 mg Extrakt ein bis zwei Stunden vor dem Zubettgehen, Wirkung wenn überhaupt nach zwei bis vier Wochen
Status
Rezeptfrei; S3-Leitlinie: wegen unzureichender Evidenz nicht empfohlen
Nebenwirkungen
Gut verträglich, selten Magen-Darm-Beschwerden; bei Lavendelöl Aufstossen; Wechselwirkungen selten

Benzodiazepine und Z-Substanzen. Beide Gruppen verstärken die Wirkung von GABA, dem wichtigsten hemmenden Botenstoff im Gehirn. Sie docken am GABA-A-Rezeptor an, die Z-Substanzen etwas gezielter an jenen Untereinheiten, die für die Schlafeinleitung zuständig sind. Die Wirkung tritt in der ersten Nacht ein, und für die kurzfristige Behandlung über drei bis vier Wochen ist sie gut belegt. Das Problem liegt in der Gewöhnung. Schon nach wenigen Wochen regelmässiger Einnahme lässt die Wirkung nach, und beim Absetzen schlafen viele für einige Nächte schlechter als vorher (Rebound-Insomnie). Das verleitet dazu, weiterzunehmen. Daraus entsteht häufig eine Niedrigdosis-Abhängigkeit: Betroffene steigern die Dosis nicht, kommen aber auch nicht mehr davon los. In Deutschland nehmen nach Schätzungen weit über eine Million Menschen dauerhaft Benzodiazepine oder Z-Substanzen, viele davon im höheren Alter. Bei älteren Menschen kommen Stürze, Hüftbrüche und Verwirrtheit dazu. Das Abhängigkeitsrisiko ist bei Benzodiazepinen hoch, bei Z-Substanzen etwas geringer, aber vorhanden. Stellenwert: Krisenmedikament für kurze Phasen, etwa nach einem Todesfall, bei akutem Stress oder zur Überbrückung, bis eine KVT-I greift. Eine Einnahme nur an einzelnen Nächten ("bei Bedarf") senkt das Risiko.

Orexin-Rezeptor-Antagonisten. Orexin ist ein Botenstoff, der das Gehirn wach hält. Daridorexant blockiert beide Orexin-Rezeptoren und dämpft so das Wachsystem, statt das Gehirn insgesamt zu sedieren. In den Zulassungsstudien (Mignot und Kollegen, Lancet Neurology 2022) mit rund 1850 Teilnehmenden verkürzte die 50-mg-Dosis die Wachzeit nach dem Einschlafen nach drei Monaten um etwa 29 Minuten gegenüber etwa 11 Minuten unter Placebo, die gesamte Schlafzeit verlängerte sich um etwa 20 Minuten mehr als unter Placebo. Die Teilnehmenden berichteten zudem weniger Müdigkeit am Tag. Ein relevantes Abhängigkeitspotenzial und eine Rebound-Insomnie zeigten sich in den Studien nicht, deshalb wird Daridorexant auch länger eingesetzt als die klassischen Schlafmittel. Abhängigkeitsrisiko: gering. Stellenwert: Option für Menschen mit chronischer Insomnie, bei denen KVT-I nicht ausreicht oder nicht verfügbar ist. Die Leitlinien sehen KVT-I weiterhin an erster Stelle. Lemborexant und Suvorexant aus derselben Klasse sind in den USA und Japan verfügbar, in der Schweiz, Deutschland und Österreich aber nicht zugelassen.

Sedierende Antidepressiva. Trazodon und Mirtazapin blockieren in niedriger Dosis vor allem Histamin- und bestimmte Serotonin-Rezeptoren (5-HT2A) und machen dadurch müde. Sie werden häufig verschrieben, weil sie nicht abhängig machen und bei gleichzeitiger Depression doppelt nützen. Für die reine Insomnie sind sie aber nicht zugelassen, die Studienlage für die Langzeitanwendung ist dünn, und die Nebenwirkungen (Gewichtszunahme, Schwindel, Herzrhythmus) sind nicht trivial. Auch Amitriptylin und Doxepin in niedriger Dosis gehören in diese Gruppe. Abhängigkeitsrisiko: kein klassisches, beim Absetzen nach langer Einnahme können aber Unruhe und schlechterer Schlaf auftreten. Stellenwert: kurzfristig vertretbar, sinnvoll vor allem bei Insomnie mit Depression oder Schmerzen, und dann in Absprache mit der behandelnden Ärztin.

Melatonin. Melatonin wird abends in der Zirbeldrüse ausgeschüttet und signalisiert dem Körper, dass Nacht ist. Mit dem Alter sinkt die körpereigene Produktion. Retardiertes Melatonin (Circadin) gibt den Wirkstoff über mehrere Stunden ab und ist für Menschen ab 55 Jahren mit primärer Insomnie zugelassen. Der Effekt ist klein: In Studien schliefen die Behandelten im Schnitt einige Minuten schneller ein und bewerteten die Schlafqualität etwas besser. Abhängigkeitsrisiko: keines. Stellenwert: einen Versuch wert bei älteren Menschen, die keine stärkeren Mittel wollen. Deutlich besser belegt ist Melatonin bei Störungen der inneren Uhr, etwa bei Jetlag oder beim verzögerten Schlafphasen-Syndrom, dort kommt es auf den richtigen Einnahmezeitpunkt an. In Deutschland und Österreich wird Melatonin auch als Nahrungsergänzungsmittel in niedriger Dosis verkauft, Gehalt und Qualität schwanken. In der Schweiz ist Melatonin ein Arzneimittel und rezeptpflichtig.

Rezeptfreie Antihistaminika. Doxylamin und Diphenhydramin sind ältere Allergiemittel, deren Hauptnebenwirkung, die Müdigkeit, zur Indikation geworden ist. Nach wenigen Nächten gewöhnt sich der Körper daran, die Wirkung lässt nach. Wegen ihrer anticholinergen Wirkung (Mundtrockenheit, Harnverhalt, Verstopfung, Verwirrtheit) stehen sie auf der PRISCUS-Liste der für ältere Menschen ungeeigneten Medikamente. Bei Männern mit vergrösserter Prostata, bei grünem Star (Engwinkelglaukom) und in Kombination mit Alkohol sind sie problematisch. Abhängigkeitsrisiko: körperlich gering, psychisch nicht zu unterschätzen, weil "rezeptfrei" harmlos klingt und viele sie über Monate nehmen. Stellenwert: allenfalls für einzelne Nächte, die Leitlinie empfiehlt sie nicht.

Baldrian und andere Pflanzen. Baldrian, Hopfen, Melisse, Passionsblume und Lavendel werden seit Jahrhunderten gegen Schlafprobleme genutzt. In Studien ist der Effekt von Baldrian kaum vom Placebo zu unterscheiden, die Studien sind zudem klein und uneinheitlich. Lavendelöl (Silexan) ist in Deutschland bei Unruhe mit ängstlicher Verstimmung zugelassen und kann den Schlaf indirekt verbessern, wenn Angst die Ursache ist. Abhängigkeitsrisiko: keines. Stellenwert: Wer gute Erfahrungen gemacht hat, kann pflanzliche Mittel weiter nehmen, sie schaden selten. Bei chronischer Insomnie ersetzen sie keine Behandlung, und Geld für teure Kombipräparate ist oft besser in einen KVT-I-Kurs investiert.

KVT-I: Schlafrestriktion, Stimuluskontrolle, kognitive Techniken

Die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie setzt an dem an, was die Schlaflosigkeit aufrechterhält. Am Anfang steht oft ein Auslöser, etwa Stress oder eine Krankheit. Chronisch wird die Insomnie durch das, was danach passiert: Man geht früher ins Bett, um "Schlaf nachzuholen", liegt stundenlang wach, schaut auf die Uhr, rechnet aus, wie wenig Schlaf noch bleibt, und das Bett wird zum Ort des Grübelns. KVT-I umfasst meist sechs bis acht Sitzungen und baut auf einem Schlaftagebuch auf, das während der ganzen Therapie weitergeführt wird.

Schlafrestriktion. Die wirksamste und anfangs härteste Komponente. Die Zeit im Bett wird auf die durchschnittliche tatsächliche Schlafzeit der letzten ein bis zwei Wochen begrenzt, meist nicht unter fünf Stunden. Wer im Schnitt sechs Stunden schläft, aber neun Stunden im Bett liegt, bekommt ein Schlaffenster von etwa sechs Stunden, zum Beispiel von 0.30 bis 6.30 Uhr. Dadurch steigt der Schlafdruck, der Schlaf wird tiefer und zusammenhängender. Liegt die Schlafeffizienz (geschlafene Zeit geteilt durch Bettzeit) über etwa 85 bis 90 Prozent, wird das Fenster wöchentlich um 15 Minuten erweitert. Die ersten zwei Wochen sind anstrengend, tagsüber ist man müder. Bei bipolarer Störung, Epilepsie, Schlafapnoe ohne Behandlung und bei Menschen, die beruflich fahren oder Maschinen bedienen, braucht Schlafrestriktion eine besonders enge Begleitung oder eine abgeschwächte Form (Schlafkompression).

Stimuluskontrolle. Ziel ist, dass das Bett wieder mit Schlaf verknüpft wird statt mit Wachliegen. Die Regeln: nur ins Bett gehen, wenn man schläfrig ist, das Bett nur zum Schlafen und für Sex nutzen, nach etwa 15 bis 20 Minuten Wachliegen aufstehen und erst zurückkehren, wenn die Müdigkeit wiederkommt, jeden Morgen zur gleichen Zeit aufstehen, auch am Wochenende, und tagsüber nicht schlafen. Wer nachts aufsteht, liest bei gedämpftem Licht etwas Ruhiges, statt aufs Handy zu schauen.

Kognitive Techniken. Viele Betroffene haben Gedanken wie "Wenn ich heute nicht schlafe, schaffe ich morgen nichts" oder "Ich brauche unbedingt acht Stunden". In der Therapie werden diese Annahmen überprüft, etwa mit dem Schlaftagebuch: Wie oft war der Tag nach einer schlechten Nacht wirklich so schlimm wie befürchtet? Dazu kommen Techniken gegen das Grübeln, etwa eine feste "Sorgenzeit" am frühen Abend, bei der Gedanken aufgeschrieben werden, oder der "Gedankenstuhl", auf dem man Probleme bewusst ausserhalb des Schlafzimmers wälzt. Die paradoxe Intention (sich vornehmen, wach zu bleiben) nimmt manchen den Druck. Ergänzt wird das durch Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Atemübungen oder achtsamkeitsbasierte Übungen sowie durch Informationen zur Schlafhygiene: Koffein ab dem frühen Nachmittag meiden, Alkohol nicht als Schlafmittel, regelmässige Bewegung, ein kühles und dunkles Schlafzimmer. Schlafhygiene allein reicht bei chronischer Insomnie aber selten aus.

Die Wirkung von KVT-I setzt langsamer ein als bei Tabletten, meist nach drei bis sechs Wochen. Dafür hält sie an. In Vergleichsstudien schnitten Schlafmittel nach Therapieende schlechter ab als KVT-I, weil der Effekt mit der letzten Tablette endet.

Digitale KVT-I (DiGA somnio, HelloBetter Schlafen)

Ein Engpass der KVT-I ist der Zugang: Es gibt zu wenige Therapeutinnen und Therapeuten mit Schlaf-Schwerpunkt. Digitale Programme vermitteln die gleichen Bausteine in Modulen über mehrere Wochen, mit elektronischem Schlaftagebuch und automatisch berechnetem Schlaffenster.

In Deutschland sind zwei Programme als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) dauerhaft im Verzeichnis des BfArM gelistet:

  • somnio: Online-Programm mit einem virtuellen Schlafexperten, das Psychoedukation, Schlafrestriktion, Stimuluskontrolle, Entspannung und kognitive Techniken in Modulen vermittelt. In einer randomisierten Studie verbesserte sich der Insomnie-Schweregrad deutlich stärker als in der Kontrollgruppe.
  • HelloBetter Schlafen ohne Grenzen: Online-Kurs mit KVT-I-Inhalten und begleitendem Feedback durch Psychologinnen und Psychologen. Das Programm wurde ursprünglich an der Universität Lüneburg und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg entwickelt und in Studien unter anderem bei Lehrkräften mit Schlafproblemen geprüft.

Eine DiGA wird von Ärztinnen, Ärzten und Psychotherapeutinnen verschrieben oder direkt bei der Krankenkasse beantragt, wenn die Diagnose Insomnie belegt ist. Die Nutzung läuft meist über 90 Tage und kann erneut verordnet werden. Für gesetzlich Versicherte ist sie kostenlos. In der Schweiz und in Österreich gibt es kein vergleichbares Erstattungsverfahren. Einzelne Programme sind dort als Selbstzahlerangebot nutzbar, manche Zusatzversicherungen beteiligen sich. Digitale KVT-I eignet sich gut für leichte bis mittelschwere Insomnie und zur Überbrückung von Wartezeiten. Wer nebenbei an einer schweren Depression leidet, im Schichtdienst arbeitet oder Hinweise auf eine andere Schlafstörung hat, braucht eine persönliche Abklärung.

Andere Schlafstörungen erkennen: Schlafapnoe, Restless Legs, zirkadiane Störungen, Narkolepsie

Hinter "Ich schlafe schlecht" steckt nicht immer eine Insomnie. Vier Störungen sollten bei der Abklärung mitgedacht werden, weil sie anders behandelt werden und manche Schlafmittel sie verschlechtern.

Obstruktive Schlafapnoe. Typisch sind lautes, unregelmässiges Schnarchen, von der Partnerin oder dem Partner beobachtete Atemaussetzer, morgendliche Kopfschmerzen und ausgeprägte Tagesmüdigkeit bis zum Einnicken am Steuer. Übergewicht, Bluthochdruck und höheres Alter erhöhen das Risiko, Frauen nach den Wechseljahren sind häufiger betroffen als oft angenommen. Benzodiazepine können die Atemaussetzer verstärken. Die Diagnose läuft über eine Polygraphie zu Hause oder eine Polysomnographie im Schlaflabor, behandelt wird meist mit einer Atemmaske (CPAP). Mehr dazu im eigenen Hub Schlafapnoe.

Restless-Legs-Syndrom. Ein kaum beschreibbarer Bewegungsdrang in den Beinen, oft mit Kribbeln oder Ziehen, der abends und in Ruhe auftritt und sich durch Bewegung bessert. Das hält wach. Ein Eisenmangel kann die Beschwerden auslösen oder verstärken, deshalb gehört die Ferritin-Bestimmung zur Abklärung. Mirtazapin, manche Antidepressiva und Antihistaminika können Restless Legs verschlechtern. Mehr dazu im eigenen Hub Restless Legs.

Zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen. Beim verzögerten Schlafphasen-Syndrom, häufig bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, kommt der Schlaf erst spät in der Nacht, ist dann aber normal, wenn man ausschlafen darf. Ältere Menschen erleben oft das Gegenteil: früh müde, früh wach. Auch Schichtarbeit gehört hierher. Behandelt wird mit Lichttherapie, gut getimtem Melatonin und festen Zeiten, nicht mit klassischen Schlafmitteln. Mehr dazu im eigenen Hub Schlaf und innere Uhr.

Narkolepsie. Eine seltene neurologische Erkrankung mit übermässiger Tagesschläfrigkeit, plötzlichen Einschlafattacken und oft Kataplexie, einem kurzen Verlust der Muskelspannung bei starken Gefühlen wie Lachen. Paradoxerweise ist der Nachtschlaf häufig unruhig und zerstückelt. Bis zur Diagnose vergehen oft viele Jahre. Abgeklärt wird im Schlaflabor mit Polysomnographie und einem Test zur Einschlafneigung am Tag (Multipler Schlaflatenztest). Orexin-Rezeptor-Antagonisten sind bei Narkolepsie kontraindiziert. Mehr dazu im eigenen Hub Narkolepsie.

Weitere Warnzeichen für eine gezielte Abklärung: Schreien, Schlagen oder Treten im Schlaf (möglicher Hinweis auf eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung), nächtliches Herzrasen oder Atemnot, Schlafstörungen zusammen mit Gewichtsverlust oder Fieber und Schlafprobleme, die erstmals im höheren Alter zusammen mit Gedächtnisstörungen auftreten.

Schlafmittel absetzen

Viele Menschen nehmen Schlafmittel länger, als sie wollten. Gewöhnung und Rebound machen das Aufhören schwer, mit Willensschwäche hat das wenig zu tun. Ein Absetzen lohnt sich vor allem für Ältere: Das Sturzrisiko sinkt, das Denken wird oft klarer, und viele schlafen nach einigen Monaten ohne Tablette nicht schlechter als mit.

Nie abrupt absetzen. Nach längerer täglicher Einnahme von Benzodiazepinen oder Z-Substanzen kann ein plötzlicher Stopp zu starker Schlaflosigkeit, Unruhe, Angst, Zittern und Schwitzen führen, in seltenen Fällen nach hohen Dosen zu Krampfanfällen. Deshalb wird schrittweise reduziert.

Langsam ausschleichen. Bewährt hat sich, die Dosis alle ein bis zwei Wochen um etwa 10 bis 25 Prozent zu senken. Die letzten Schritte sind oft die schwierigsten und dürfen langsamer gehen. Bei sehr langer Einnahme oder mehreren Präparaten wird manchmal zuerst auf ein Benzodiazepin mit langer Halbwertszeit (etwa Diazepam) umgestellt, das gleichmässiger wirkt und sich leichter reduzieren lässt. Der Plan gehört mit der Ärztin oder dem Arzt abgesprochen. Hilfreich ist ein schriftlicher Ausschleichplan mit Datum und Dosis.

KVT-I parallel. Studien zeigen, dass das Absetzen deutlich häufiger gelingt, wenn gleichzeitig eine KVT-I läuft. Die Therapie gibt Werkzeuge für die Nächte, in denen der Schlaf beim Reduzieren schlechter wird. Auch die DiGA in Deutschland lassen sich dafür nutzen.

Mit schlechten Nächten rechnen. In den ersten Tagen nach jedem Reduktionsschritt ist der Schlaf oft schlechter. Das ist Rebound. Es heisst nicht, dass es ohne Tablette nicht geht. Meist pendelt sich der Schlaf nach ein bis zwei Wochen ein. Alkohol als Ersatz verschlechtert den Schlaf und verstärkt die Entzugssymptome.

Hilfe bei Abhängigkeit. Bei hoher Dosis, Mischkonsum mit Alkohol oder anderen Substanzen, früheren gescheiterten Versuchen oder starker Angst ist eine Begleitung durch eine Suchtberatung, eine psychiatrische Praxis oder eine Spezialklinik sinnvoll. Ein stationärer Entzug über einige Wochen ist bei schweren Verläufen eine gute Option.

Erfahrungsberichte

Was Patienten erzählen

Die Erfahrungsberichte sind redaktionell verfasste, anonymisierte Beispiele auf Basis typischer Therapieverläufe. Sie ersetzen keine medizinische Beratung.

Bericht 1

Erfolg

"Die ersten drei Wochen habe ich meine Therapeutin gehasst. Heute schlafe ich wieder durch."

Claudia R., 47, Winterthur (CH)

Therapiedauer
8 Sitzungen über 10 Wochen, seither 7 Monate ohne Therapie
Therapie
Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) mit Schlafrestriktion, bei einer psychologischen Psychotherapeutin auf ärztliche Anordnung

Angefangen hat es, als mein Vater krank wurde. Ich bin damals jede zweite Nacht wach gelegen und habe gerechnet, wer am Wochenende zu ihm fährt. Er ist wieder gesund geworden, aber mein Schlaf nicht. Vier Jahre lang. Ich bin Sekundarlehrerin, und wer schon einmal mit vier Stunden Schlaf vor einer dritten Klasse gestanden ist, weiss, wie sich das anfühlt.

Ich habe alles probiert, was man so probiert. Baldrian, Lavendelkissen, kein Handy im Schlafzimmer, Magnesium. Abends bin ich immer früher ins Bett, um wenigstens zu liegen, wenn ich schon nicht schlafe. Das war, wie ich später gelernt habe, genau das Falsche. Mein Hausarzt hat mir irgendwann eine Tablette angeboten. Ich wollte nicht, weil meine Mutter jahrelang von Schlafmitteln abhängig war. Er hat mich dann an eine Schlafsprechstunde überwiesen, und von dort kam die Anordnung für die KVT-I.

Bericht 2

Erfolg

"Ich hab mir ehrlich gesagt nicht vorstellen können, dass eine App mehr bringt als eine Tablette."

Tobias H., 38, Köln (DE)

Therapiedauer
90 Tage Programm, seither 5 Monate
Therapie
Digitale Gesundheitsanwendung mit KVT-I-Inhalten (somnio), auf Rezept vom Hausarzt

Ich bin Projektleiter bei einem Anlagenbauer. Das heisst: Termine, Telefonkonferenzen mit Indien am frühen Morgen, und abends noch die Mails, die tagsüber liegen geblieben sind. Irgendwann lag ich um zwei Uhr nachts wach und hab im Kopf Gantt-Diagramme sortiert. Am Anfang dachte ich, das ist Stress, geht vorbei. Nach einem Jahr war es nicht vorbei.

Mein Hausarzt hat mich gründlich durchgecheckt, Schilddrüse, Blutbild, auch gefragt, ob ich schnarche. Meine Frau sagt nein, und sie würde es wissen. Dann hat er gesagt, er könne mir für ein paar Wochen etwas zum Schlafen geben, aber eigentlich sei das Mittel der Wahl eine Verhaltenstherapie. Auf einen Therapieplatz hätte ich in Köln Monate gewartet. Er hat mir dann somnio verschrieben, eine DiGA, das kannte ich bis dahin gar nicht. Mit dem Rezept bin ich zur Krankenkasse, die hat mir einen Freischaltcode geschickt, fertig.

Bericht 3

Erfolg

"Sechs Jahre lang habe ich jeden Abend die halbe Tablette genommen wie andere ihren Tee."

Margrit S., 69, Luzern (CH)

Therapiedauer
14 Wochen Ausschleichen mit begleitender KVT-I, seither 8 Monate ohne Schlafmittel
Therapie
Schrittweises Absetzen von Zolpidem (Stilnox) nach 6 Jahren Einnahme, begleitet durch KVT-I bei einer Psychologin

Nach dem Tod meines Mannes konnte ich nicht mehr schlafen. Der Hausarzt hat mir Zolpidem verschrieben, für ein paar Wochen, hat er gesagt. Daraus wurden sechs Jahre. Ich habe nie mehr als die verschriebene Menge genommen, das war mir wichtig. Aber ohne die Tablette bin ich gar nicht erst ins Bett. Wenn ich bei meiner Tochter in Zug übernachtet habe und die Packung vergessen hatte, bin ich nachts zurückgefahren. Das sagt eigentlich alles.

Vor gut einem Jahr bin ich nachts auf dem Weg ins Bad gestürzt. Nichts gebrochen, aber ein grosser Bluterguss an der Hüfte und ein gehöriger Schrecken. Ich weiss nicht mehr genau, wie es passiert ist. Mein neuer Hausarzt, der alte war in Pension gegangen, hat mich dann sehr direkt gefragt, wie lange ich die Tablette schon nehme. Er hat mir erklärt, dass Zolpidem für eine kurze Behandlung gedacht ist und dass im Alter das Sturzrisiko steigt. Mir war das peinlich. Ich hatte das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, obwohl ich ja nur gemacht habe, was man mir gesagt hat.

Bericht 4

Erfolg

"Ich hab zwölf Jahre gedacht, ich hab Schlafstörungen. In Wahrheit hab ich nachts zu wenig Luft bekommen."

Brigitte P., 56, Linz (AT)

Therapiedauer
10 Monate CPAP
Therapie
Abklärung im Schlaflabor (Polygraphie, dann Polysomnographie), Diagnose obstruktive Schlafapnoe, nächtliche CPAP-Therapie

Ich war immer die, die schlecht schläft. Das war so etwas wie mein Etikett. Ich bin drei-, viermal pro Nacht aufgewacht, manchmal mit Herzrasen, manchmal einfach so. Morgens war ich wie gerädert, und am Nachmittag im Büro hab ich mit dem Kopf über der Tastatur gekämpft. Zwei Hausärzte haben mir Schlafhygiene erklärt, eine hat mir Baldrian empfohlen, einer ein Antidepressivum für die Nacht. Ich hab das eine Weile genommen, hat nichts geändert, ausser dass ich zugenommen hab.

Dass es um die Atmung gehen könnte, darauf ist niemand gekommen. Ich auch nicht. Schnarchen ist doch etwas für dicke Männer mit Bierbauch, hab ich gedacht. Ich bin eine Frau, ein bisschen übergewichtig, ja, aber nicht stark. Und ich hab ja allein geschlafen, seit der Scheidung.

Bericht 5

In Anpassung

"Das Mittel wirkt. Die Frage ist, ob ich es mir leisten will, und ob ich morgens wach genug bin."

Dieter W., 72, Hamburg (DE)

Therapiedauer
4 Monate
Therapie
Daridorexant (Quviviq) 50 mg am Abend, seit 3 Wochen Versuch mit 25 mg

Ich schlafe seit meiner Pensionierung schlecht. Vierzig Jahre als Schiffbauingenieur, immer um halb sechs raus, und dann auf einmal nichts mehr, wofür man aufstehen muss. Am Anfang hab ich das genossen. Dann lag ich nachts wach, um drei, um vier, und hab an die Decke geguckt. Meine Frau schläft wie ein Stein, das hat mich zusätzlich geärgert.

Bei der Hausärztin haben wir zuerst das ganze Programm gemacht. Schlaftagebuch, Blutwerte, Prostata, weil ich nachts raus musste. Sie hat mir eine Online-Therapie gegen Schlafstörungen vorgeschlagen. Ich hab es versucht, wirklich. Aber ich bin 72, ich lese nicht gern lange am Tablet, und dieses Schlaffenster, also später ins Bett und trotzdem früh raus, das hab ich nach zwei Wochen aufgegeben. Einen Therapeuten in der Nähe, der so etwas anbietet, haben wir nicht gefunden, jedenfalls nicht ohne monatelange Wartezeit. Das muss man ehrlich sagen, ich hab es mir auch nicht leicht gemacht.

Bericht 6

In Anpassung

"Nach dem dritten Nachtdienst bin ich um neun im Bett gelegen und um zwölf war ich wieder hellwach."

Lukas F., 26, Innsbruck (AT)

Therapiedauer
5 Monate
Therapie
Melatonin in niedriger Dosis vor dem Tagschlaf nach Nachtdiensten, Lichtmanagement (helles Licht in der ersten Nachthälfte, Blaulichtfilterbrille auf dem Heimweg, Verdunkelung), Anpassung des Dienstplans

Ich bin diplomierter Pflegefachmann auf einer internistischen Station, seit drei Jahren im Wechseldienst. Früh, Spät, Nacht, oft auch zwei Nächte, dann ein freier Tag, dann wieder Früh. Am Anfang hab ich gedacht, ich bin jung, das steck ich weg. Im zweiten Jahr hat mein Körper mir gezeigt, dass das nicht stimmt.

Das Problem war vor allem der Schlaf nach den Nachtdiensten. Ich komm um halb acht heim, bin todmüde, leg mich hin, und nach drei Stunden bin ich wach und kann nicht mehr einschlafen. Draussen fährt die Müllabfuhr, die Nachbarn bohren, die Sonne kommt durch die Ritzen. Am Nachmittag hab ich mich dann durchgeschleppt, und vor dem nächsten Dienst wieder ins Bett, wieder nichts. Vor der zweiten Nacht war ich manchmal seit über 24 Stunden praktisch wach. Einmal hab ich bei der Medikamentenvorbereitung einen Fehler gemacht, den die Kollegin zum Glück gesehen hat. Da hab ich mir gedacht, so geht es nicht weiter.

Bericht 7

Frühe Phase

"Ich hatte mir nie Gedanken über den Schlaf gemacht. Bis ich allein in der neuen Wohnung lag."

Reto B., 41, Bern (CH)

Therapiedauer
4 Wochen
Therapie
Begleitung beim Hausarzt, Schlaftagebuch, Stimuluskontrolle und feste Aufstehzeit, Abklärung der Stimmung, Termin bei einer Psychologin vereinbart

Im Juni haben meine Frau und ich uns getrennt. Nach vierzehn Jahren. Es war keine Schlammschlacht, eher ein langsames Auseinanderleben, und irgendwann hat sie es ausgesprochen. Ich bin in eine Zweizimmerwohnung in Bümpliz gezogen. Die Kinder, neun und zwölf, sind jedes zweite Wochenende bei mir und am Mittwoch.

Die ersten Nächte habe ich auf der Matratze am Boden geschlafen, weil das Bett noch nicht geliefert war. Schlecht geschlafen habe ich damals schon, aber das hat mich nicht gewundert. Nach sechs Wochen war es nicht besser, eher schlechter. Ich bin um elf ins Bett, habe bis eins wach gelegen und den ganzen Film noch einmal abgespielt. Um vier war ich wieder wach. Bei der Arbeit, ich bin Logistiker bei einem Grossverteiler, habe ich Fehler gemacht, die mir sonst nie passieren. Mein Teamleiter hat mich gefragt, ob alles in Ordnung sei. Da habe ich gemerkt, dass man es mir ansieht.

Bericht 8

Abgesetzt

"Ich bin um drei Uhr in der Nacht auf dem Badezimmerboden aufgewacht und wusste nicht, wie ich dahin gekommen bin."

Hedwig S., 78, Thun (CH)

Therapiedauer
7 Jahre Zopiclon, Ausschleichen über 12 Wochen, seither 5 Monate ohne Schlafmittel
Therapie
Zopiclon (Imovane) 7,5 mg, danach schrittweises Absetzen und Schlafregeln nach KVT-I

Das Zopiclon hat mir der frühere Hausarzt verschrieben, als mein Mann gestorben ist. Das war vor sieben Jahren. Eine Tablette am Abend, und ich habe wieder geschlafen. Niemand hat danach gefragt, ob ich sie noch brauche, und ich habe auch nicht gefragt. Das Rezept kam einfach jedes Quartal.

Im Februar bin ich nachts aufgestanden, weil ich musste. Ich weiss noch, dass ich das Licht nicht angemacht habe, um die Katze nicht zu wecken. Dann weiss ich nichts mehr. Aufgewacht bin ich auf den Fliesen, die linke Hüfte hat furchtbar weh getan. Ich habe es irgendwie zum Telefon geschafft und meine Tochter angerufen, die wohnt zum Glück in Steffisburg. Im Spital Thun haben sie geröntgt: kein Bruch, eine grosse Prellung, ein Bluterguss so gross wie ein Teller. Der Arzt auf der Notfallstation hat mich gefragt, was ich am Abend genommen habe. Als ich Zopiclon gesagt habe, hat er nur genickt.

Bericht 9

Abgesetzt

"Ich hab mich morgens gefühlt, als hätte ich die halbe Nacht in der Kneipe gestanden, nur ohne den Spass davor."

Thomas R., 49, Hannover (DE)

Therapiedauer
4 Monate Trazodon, danach 9 Wochen KVT-I digital
Therapie
Trazodon (Trittico) 50 bis 100 mg off-label, abgesetzt, danach digitale kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (DiGA)

Ich bin Schichtleiter in einem Logistikzentrum, Frühschicht ab sechs. Schlafprobleme hatte ich schon länger, richtig schlimm wurde es nach einem Umbau bei uns im Betrieb, als ich drei Monate lang jeden Abend Dienstpläne neu gebastelt habe. Einschlafen ging irgendwann gar nicht mehr, und wenn ich um zwei aufgewacht bin, war die Nacht gelaufen.

Mein Hausarzt wollte mir keine klassischen Schlaftabletten geben, wegen Gewöhnung. Er hat mir Trazodon vorgeschlagen, eigentlich ein Antidepressivum, das in niedriger Dosis müde macht. Er hat gleich dazugesagt, dass es für Schlafstörungen nicht offiziell zugelassen ist. Mir war das egal, Hauptsache schlafen.

Bericht 10

Erfolg

"Jahrelang hab ich geglaubt, ich schlaf schlecht. In Wahrheit haben mich meine eigenen Haxen nicht schlafen lassen."

Brigitte H., 61, Linz (AT)

Therapiedauer
5 Monate seit Eiseninfusion
Therapie
Eisencarboxymaltose (Ferinject) 1'000 mg als Infusion, kein Dopaminagonist

Wenn mich früher jemand gefragt hat, was mit mir los ist, hab ich gesagt: Schlafstörung. Ich lag am Abend im Bett, und kaum war ich ruhig, hat es in den Waden angefangen. Ein Kribbeln, ein Ziehen, als würden Ameisen unter der Haut marschieren. Aufstehen und herumgehen hat geholfen, für zehn Minuten. Dann wieder hinlegen, wieder das Gleiche. Mein Mann hat irgendwann im Gästezimmer geschlafen, weil ich so herumgestrampelt hab.

Der Hausarzt hat mir zuerst ein pflanzliches Beruhigungsmittel empfohlen und gemeint, das sind die Wechseljahre und der Stress mit meiner Mutter, die damals ins Pflegeheim gekommen ist. Hat nichts gebracht. Erst eine Vertretungsärztin im Sommer hat genau nachgefragt: Wird es abends schlimmer? Hilft Bewegung? Ist es im Sitzen auch so, zum Beispiel im Kino? Dreimal ja. Sie hat gesagt, das klingt nach Restless Legs, und Blut abgenommen.

Bericht 11

Erfolg

"Ich bin jede Nacht um zwei klatschnass aufgewacht und hab dann bis fünf an die Decke gestarrt."

Claudia M., 52, Winterthur (CH)

Therapiedauer
7 Monate
Therapie
Estradiol transdermal (Oestrogel) plus mikronisiertes Progesteron (Utrogestan) am Abend, dazu Schlafhygiene

Mit 50 hat es angefangen. Die Hitzewallungen am Tag konnte ich noch irgendwie wegstecken, ich arbeite als Primarlehrerin, und die Kinder fanden es lustig, wenn Frau M. plötzlich rot wurde und das Fenster aufgerissen hat. Die Nächte waren das eigentliche Problem. Ich bin aufgewacht, Pyjama durchgeschwitzt, Decke weg, und dann hat der Kopf angefangen. Elterngespräche, Zeugnisse, meine Tochter in der Lehre. Wenn ich mich endlich beruhigt hatte, kam die nächste Wallung.

Ein Jahr lang habe ich es mit Salbei-Tabletten, Traubensilberkerze und einem kühleren Schlafzimmer versucht. Ein bisschen besser, nicht genug. Ich hatte Bedenken gegen Hormone, weil ich mich an die Schlagzeilen von früher erinnert habe, Brustkrebs und so. Meine Mutter hat damals sofort aufgehört, als das in der Zeitung kam.

Bericht 12

In Anpassung

"Ich bin kein fauler Student, mein Körper denkt einfach, es ist zwei Stunden früher als bei allen anderen."

Jonas B., 22, Leipzig (DE)

Therapiedauer
10 Wochen
Therapie
Melatonin 0,5 mg am frühen Abend, Lichttherapie morgens (10'000 Lux), feste Aufstehzeit

Ich studiere Informatik im fünften Semester. Seit der Oberstufe werde ich vor zwei oder drei Uhr nachts nicht müde. Im Studium ging das lange gut, Vorlesungen kann man sich aufzeichnen lassen, und Seminare habe ich, wo es ging, auf den Nachmittag gelegt. Wenn ich ausschlafen durfte, also bis elf, hab ich eigentlich ganz normal geschlafen. Mein Problem waren immer die Tage, an denen ich früh raus musste.

Dann kamen die Prüfungen. Drei Klausuren in zwei Wochen, alle um acht Uhr morgens. Ich hab eine Woche vorher versucht, um elf ins Bett zu gehen. Lag dann bis halb drei wach und hab mich gehasst. Die erste Klausur hab ich mit vier Stunden Schlaf geschrieben und eine glatte Vier bekommen in einem Fach, das ich eigentlich kann.

Bericht 13

Frühe Phase

"Alle haben gesagt, das ist halt so mit einem Baby. Aber die Kleine hat geschlafen, und ich bin daneben gelegen und war hellwach."

Lisa P., 31, Graz (AT)

Therapiedauer
6 Wochen
Therapie
Begleitung durch Wochenbett-Hebamme und Hausarzt, Entlastung in der Nacht, Schlafregeln nach KVT-I in angepasster Form

Die Geburt von meiner Tochter war Anfang August, eigentlich problemlos. Die ersten Wochen waren so, wie man es erzählt bekommt. Stillen alle zwei bis drei Stunden, dazwischen Windeln, ich war fertig. Das hab ich erwartet. Was ich nicht erwartet hab: Als sie mit sieben Wochen angefangen hat, mal vier Stunden am Stück zu schlafen, konnte ich nicht schlafen. Ich bin neben dem Beistellbett gelegen, hab auf ihren Atem gehorcht und bin bei jedem Geräusch hochgeschreckt. Wenn sie wach wurde, war ich schon längst wach.

Meiner Mama hab ich das erzählt, die hat gelacht und gesagt, das legt sich. Meine Schwägerin hat gemeint, ich soll halt tagsüber schlafen, wenn das Kind schläft. Den Spruch kann ich nicht mehr hören. Ich lag am Nachmittag auf der Couch, Baby schläft, und ich hab an die Decke geschaut.

Bericht 14

Frühe Phase

"Vier Monate hab ich auf diese eine Nacht gewartet, und dann lag ich da verkabelt wie ein Testpilot und hab gedacht: Heute schlaf ich sicher gar nicht."

Peter G., 56, Aarau (CH)

Therapiedauer
4 Monate Wartezeit, erste Polysomnographie vor 3 Wochen
Therapie
Abklärung im Schlaflabor, bis dahin Schlaftagebuch und Schlafregeln

Seit gut zwei Jahren schlafe ich schlecht. Ich wache drei, vier Mal pro Nacht auf, manchmal mit Herzklopfen, und am Morgen fühle ich mich, als hätte ich gar nicht geschlafen. Meine Frau sagt, ich schnarche, aber nicht dramatisch. Ich bin Bauführer, da muss ich am Morgen auf der Baustelle klar im Kopf sein. Zweimal bin ich auf der Autobahn bei Rothrist so müde geworden, dass ich auf einen Rastplatz rausfahren musste. Das hat mir Angst gemacht.

Mein Hausarzt hat zuerst die üblichen Sachen gemacht. Blutdruck, Blutwerte, Schilddrüse, alles im Rahmen. Dann ein Fragebogen zur Tagesschläfrigkeit, die Epworth-Skala, und zwei Wochen Schlaftagebuch. Weil Schnarchen, Herzklopfen und die Müdigkeit beim Fahren zusammenkamen, wollte er eine Schlafapnoe ausschliessen, bevor man das einfach als Insomnie behandelt. Er hat mich an ein Schlafzentrum überwiesen. Termin: vier Monate später. Ich habe zweimal angerufen, ob nicht etwas frei wird. Nichts zu machen. Immerhin hat der Hausarzt mir für die Zwischenzeit ein paar Regeln mitgegeben, feste Aufstehzeit, kein Bier mehr am Abend, kein Handy im Bett. Das Bier hat mich mehr gekostet als das Handy.

Versorgung & Kosten

Vom ersten Gespräch zur Begleitung

1

Hausarztpraxis

Erste Anlaufstelle ist die Hausärztin oder der Hausarzt. Im Gespräch geht es um die Art der Beschwerden, ihre Dauer, die Folgen am Tag, Stress, Schichtarbeit, Alkohol, Koffein und Medikamente, die den Schlaf stören können (zum Beispiel Kortison, manche Antidepressiva, Betablocker oder Schilddrüsenhormone). Dazu kommen eine körperliche Untersuchung und je nach Befund Blutwerte wie Schilddrüse, Blutbild und Ferritin. Auch Depression, Angst und Schmerzen werden abgefragt, weil sie häufig mit Insomnie zusammenhängen.

2

Schlaftagebuch

Über zwei Wochen werden morgens Zubettgehzeit, geschätzte Einschlafzeit, Wachphasen, Aufstehzeit, Mittagsschlaf, Koffein, Alkohol und Befinden notiert. Das Tagebuch zeigt oft Muster, die im Gespräch untergehen, etwa sehr lange Bettzeiten oder grosse Unterschiede zwischen Werktagen und Wochenende. Ergänzend werden Fragebögen eingesetzt, zum Beispiel der Insomnia Severity Index (ISI) oder die Epworth-Schläfrigkeitsskala, die nach der Neigung fragt, tagsüber einzunicken.

3

Schlafmedizin und Schlaflabor bei Verdacht

Für eine typische Insomnie braucht es in der Regel kein Schlaflabor. Bei Hinweisen auf eine Schlafapnoe, Restless Legs mit Bewegungen im Schlaf, Narkolepsie, auffälliges Verhalten im Schlaf, bei ausgeprägter Tagesschläfrigkeit oder wenn eine Behandlung nicht anspricht, folgt die Überweisung an eine schlafmedizinische Praxis oder ein Schlafzentrum. Dort kommen ambulante Polygraphie, Aktigraphie (ein Bewegungsmesser am Handgelenk über mehrere Wochen) oder eine Polysomnographie im Schlaflabor über eine bis zwei Nächte zum Einsatz.

4

Therapie und Begleitung

Bei chronischer Insomnie steht KVT-I am Anfang, als Einzel- oder Gruppentherapie, in Deutschland auch als DiGA. Wenn nötig, kommt vorübergehend ein Medikament dazu, mit einem klaren Plan, wie lange es genommen und wann es überprüft wird. Kontrolltermine nach etwa vier bis acht Wochen helfen, den Verlauf zu beurteilen und das Schlaffenster anzupassen. Rückfälle in Stressphasen sind häufig. Wer die KVT-I-Werkzeuge kennt, kann sie dann selbständig wieder anwenden.

Schweiz. Schlafmedizinische Abklärungen und die Polysomnographie sind Pflichtleistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP), wenn sie ärztlich veranlasst und medizinisch begründet sind. Die Zuweisung erfolgt in der Regel über die Hausarztpraxis oder eine Fachärztin für Neurologie, Pneumologie oder Psychiatrie, in Hausarzt- und Telmed-Modellen ist die Überweisung zwingend. KVT-I bieten Schlafzentren in Gruppenprogrammen an, ausserdem psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die seit Juli 2022 auf ärztliche Anordnung über die Grundversicherung abrechnen (15 Sitzungen pro Anordnung, eine zweite Anordnung ist möglich). Benzodiazepine unterstehen in der Schweiz als Betäubungsmittel des Verzeichnisses b strengeren Abgaberegeln: Ein Rezept reicht in der Regel für höchstens einen Monat Behandlung, mit ärztlicher Begründung für bis zu sechs Monate. Daridorexant ist von Swissmedic zugelassen. Ob es auf der Spezialitätenliste (SL) steht und welche Limitation gilt, ändert sich und sollte in der aktuellen SL des BAG nachgeschaut werden. Ohne SL-Listung oder ausserhalb der Limitation ist es Selbstzahlung.

Deutschland. Für eine Polysomnographie im Schlaflabor gilt in der gesetzlichen Krankenversicherung ein Stufenschema: Bei Verdacht auf schlafbezogene Atmungsstörung kommt zuerst eine ambulante Polygraphie durch eine Ärztin mit schlafmedizinischer Qualifikation, erst danach bei Bedarf das Schlaflabor. Bei anderen Schlafstörungen erfolgt die Überweisung an ein Schlaflabor nach fachärztlicher Abklärung. Die Kosten trägt die GKV. Für Schlafmittel gilt eine Besonderheit: Nach der Arzneimittel-Richtlinie des G-BA (Anlage III) sind Hypnotika und Sedativa zulasten der GKV nur für die Kurzzeittherapie bis zu vier Wochen verordnungsfähig, länger nur in medizinisch begründeten Einzelfällen. Für Daridorexant hat der G-BA eine Ausnahme beschlossen, sodass es auch über vier Wochen hinaus verordnet werden kann, wenn die Voraussetzungen der Zulassung erfüllt sind und der Nutzen nach spätestens drei Monaten überprüft wird. KVT-I ist als Psychotherapie über die Richtlinienpsychotherapie zugänglich, die DiGA somnio und HelloBetter Schlafen ohne Grenzen sind kostenlos auf Rezept.

Österreich. Die Zuweisung ins Schlaflabor läuft über die Hausarztpraxis oder eine Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie, Innere Medizin oder HNO. Die Untersuchung in Schlaflaboren mit Kassenvertrag, meist an Spitälern, wird von ÖGK, BVAEB und SVS übernommen, Wartezeiten von mehreren Wochen bis Monaten sind verbreitet. Psychotherapie für KVT-I ist auf Kassenplätzen voll finanziert, bei Wahltherapeutinnen gibt es einen Kostenzuschuss pro Sitzung. Medikamente werden erstattet, wenn sie im Erstattungskodex stehen. Für nicht gelistete oder eingeschränkt gelistete Präparate ist eine chefärztliche Bewilligung nötig, sonst zahlt man selbst. Gesundheits-Apps werden nicht erstattet.

Schlaflabor-Zuweisung und Kosten
CH
Zuweisung über Hausarztpraxis oder Fachärztin (Neurologie, Pneumologie, Psychiatrie, ORL); Polysomnographie OKP-Pflichtleistung bei medizinischer Indikation; Franchise (300 bis 2500 Franken pro Jahr) und 10 Prozent Selbstbehalt bis 700 Franken
DE
Überweisung durch Hausarzt oder Facharzt; bei Verdacht auf Schlafapnoe zuerst ambulante Polygraphie, dann Schlaflabor; Kosten trägt die GKV ohne Zuzahlung
AT
Zuweisung über Hausarzt oder Fachärztin; Schlaflabore mit Kassenvertrag meist an Spitälern, Kosten tragen ÖGK, BVAEB und SVS; teils lange Wartezeiten
DiGA
CH
Kein Erstattungsverfahren; digitale KVT-I-Programme als Selbstzahlung, manche Zusatzversicherungen beteiligen sich
DE
somnio und HelloBetter Schlafen ohne Grenzen dauerhaft im DiGA-Verzeichnis, kostenlos auf Rezept oder Antrag bei der Krankenkasse, meist 90 Tage
AT
Kein Erstattungsverfahren; Apps als Selbstzahlung
KVT-I-Zugang
CH
Gruppenprogramme in Schlafzentren; psychologische Psychotherapie auf ärztliche Anordnung über die OKP (15 plus 15 Sitzungen); ärztliche Psychotherapie
DE
Richtlinienpsychotherapie (Sprechstunde ohne Überweisung, Terminservice 116117), KVT-I-Gruppen in Schlafzentren, DiGA
AT
Psychotherapie auf Kassenplatz oder mit Kostenzuschuss bei Wahltherapeutinnen; KVT-I-Angebote einzelner Schlafzentren und klinischer Psychologinnen
Kostenübernahme Daridorexant
CH
Swissmedic-zugelassen; Vergütung nur bei Listung auf der SL im Rahmen der Limitation, den aktuellen Stand zeigt die Spezialitätenliste des BAG; sonst Selbstzahlung
DE
Verschreibungspflichtig und zulasten der GKV verordnungsfähig; laut G-BA-Beschluss ausnahmsweise auch über vier Wochen, mit Überprüfung nach spätestens drei Monaten; Zuzahlung 5 bis 10 Euro pro Packung
AT
Verschreibungspflichtig; Kostenübernahme nur, wenn im Erstattungskodex oder mit chefärztlicher Bewilligung, sonst Selbstzahlung
Rezeptfreie Mittel
CH
Diphenhydramin, Doxylamin, Baldrian und pflanzliche Kombipräparate in Apotheke und Drogerie, Selbstzahlung; Melatonin nur als rezeptpflichtiges Arzneimittel
DE
Doxylamin, Diphenhydramin, Baldrian, Lavendelöl in der Apotheke, keine GKV-Erstattung für Erwachsene; Melatonin in niedriger Dosis auch als Nahrungsergänzung
AT
Doxylamin, Diphenhydramin und pflanzliche Mittel in der Apotheke, Selbstzahlung; Melatonin-Nahrungsergänzung im Handel
Behörden
CH
Swissmedic (Zulassung, Sicherheitsmeldungen), BAG (Spezialitätenliste, Preise), Swissmedic und Kantone (Betäubungsmittelkontrolle)
DE
BfArM (Zulassung, DiGA-Verzeichnis, Bundesopiumstelle), G-BA (Arzneimittel-Richtlinie, Psychotherapie-Richtlinie)
AT
BASG mit AGES Medizinmarktaufsicht (Zulassung, Sicherheit), Dachverband der Sozialversicherungsträger (Erstattungskodex)

Bei den Kosten zeigt sich ein klares Muster. Ältere Schlafmittel wie Zolpidem, Zopiclon und Lorazepam sind als Generika günstig, oft wenige Franken oder Euro pro Monat. Daridorexant kostet ein Vielfaches davon, als Selbstzahlung je nach Land und Packung etwa 60 bis 100 Franken oder Euro pro Monat. Die rezeptfreien Mittel wirken billig, summieren sich bei täglicher Einnahme aber ebenfalls. KVT-I ist in Deutschland über Psychotherapie und DiGA für Versicherte kostenlos. In der Schweiz fallen Franchise und Selbstbehalt an, und wer eine hohe Franchise gewählt hat, zahlt eine Therapie im ersten Jahr oft weitgehend selbst. In Österreich hängen die Kosten davon ab, ob man einen Kassenplatz bekommt. Preise, Zuschüsse und Listungen werden regelmässig angepasst, aktuelle Werte stehen bei den Krankenkassen und Behörden.

Spezialisten finden

Die meisten Menschen mit Insomnie werden in der Hausarztpraxis gut betreut. Eine Überweisung an die Schlafmedizin ist sinnvoll, wenn der Verdacht auf eine andere Schlafstörung besteht, wenn KVT-I und eine erste Behandlung nach einigen Monaten nicht helfen, wenn ausgeprägte Tagesschläfrigkeit dazukommt oder wenn ein langjähriger Schlafmittelgebrauch beendet werden soll. Schlafmedizin ist eine Zusatzqualifikation, die Fachärztinnen und Fachärzte für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Pneumologie, Innere Medizin und HNO erwerben. In Deutschland heisst sie Zusatz-Weiterbildung Schlafmedizin, in der Schweiz gibt es den Fähigkeitsausweis Schlafmedizin. Für die KVT-I sind psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit verhaltenstherapeutischem Schwerpunkt zuständig, idealerweise mit Erfahrung in der Behandlung von Schlafstörungen.

In der Schweiz führt die Schweizerische Gesellschaft für Schlafforschung, Schlafmedizin und Chronobiologie (SGSSC) eine Liste der von ihr zertifizierten Schlafzentren und Schlaflabore, darunter universitäre Zentren in Zürich, Bern, Basel, Lausanne und Genf sowie Kliniken in mehreren Kantonen. In Deutschland akkreditiert die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) Schlaflabore nach einheitlichen Qualitätskriterien und bietet auf ihrer Website eine Suche nach Postleitzahl. Ausserdem vermittelt die Terminservicestelle 116117 Facharzt- und Psychotherapietermine. In Österreich hilft die Österreichische Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung (ÖSG) bei der Suche nach Schlaflaboren, die meisten befinden sich an Spitälern in Wien, Graz, Innsbruck, Linz und Salzburg. Für die Psychotherapie gibt es in allen drei Ländern die Suchdienste der Berufsverbände und, in Österreich, die Psychotherapeutenliste des Gesundheitsministeriums.

Wer lange Wartezeiten vor sich hat, muss nicht untätig bleiben: Ein Schlaftagebuch, feste Aufstehzeiten und ein Selbsthilfebuch auf KVT-I-Basis bereiten die Behandlung vor und bringen oft schon eine erste Besserung.

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Studien & Updates

Aktuelle Evidenz

Aktuelle Evidenz

Bei der chronischen Insomnie ist die Forschungslage ungewöhnlich eindeutig: Die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) steht in allen grossen Leitlinien an erster Stelle, Schlafmittel kommen danach und meist nur für kurze Zeit. Die Einträge unten fassen die beiden Leitlinien für den deutschsprachigen Raum und Europa, die wichtigsten Metaanalysen zur KVT-I, die Zulassungsstudien des ersten Orexin-Rezeptorantagonisten in Europa und eine Auswertung zu Schlafmitteln im Alter zusammen. Die Zahlen stammen aus den Originalpublikationen und beschreiben Durchschnitte. Wer nach einer KVT-I im Mittel 19 Minuten schneller einschläft, kann im Einzelfall eine Stunde gewonnen haben oder gar nichts.

StudieSomnologie, 2017

S3-Leitlinie "Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen", Kapitel "Insomnie bei Erwachsenen" (DGSM)

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin hat das Insomnie-Kapitel ihrer S3-Leitlinie (AWMF-Register 063-003) 2017 in der Fachzeitschrift Somnologie veröffentlicht; in der Schweiz und in Österreich dient es ebenfalls als Referenz. Erste Wahl für Erwachsene jeden Alters ist die KVT-I. Benzodiazepine und Z-Substanzen sind nur für eine Kurzzeitbehandlung von drei bis vier Wochen empfohlen, eine Langzeitbehandlung generell nicht; niedrig dosierte sedierende Antidepressiva sind kurzfristig eine Alternative, wenn keine Gegenanzeigen bestehen. Antipsychotika, Melatonin und pflanzliche Mittel empfiehlt die Leitlinie zur Insomniebehandlung nicht. Eine Polysomnographie im Schlaflabor gehört nicht zur Routine, sondern ist bei Verdacht auf eine organische Schlafstörung wie Schlafapnoe oder bei Therapieresistenz vorgesehen.

StudieJ Sleep Res, 2017-12 und 2023-12

Europäische Insomnie-Leitlinie und ihr Update (Riemann et al.)

Die European Sleep Research Society hat 2017 eine europäische Leitlinie vorgelegt, deren Empfehlungen weitgehend mit der deutschen S3-Leitlinie übereinstimmen. Das Update von 2023 bestätigt die KVT-I als erste Wahl für Erwachsene jeden Alters, auch bei Begleiterkrankungen, und nennt dabei ausdrücklich auch die digitale KVT-I. Medikamente sollen angeboten werden, wenn die KVT-I nicht ausreichend wirkt oder nicht verfügbar ist: Benzodiazepine, Z-Substanzen, Daridorexant und niedrig dosierte sedierende Antidepressiva für bis zu vier Wochen, Orexin-Rezeptorantagonisten für bis zu drei Monate und im Einzelfall länger, retardiertes Melatonin bei Menschen ab 55 Jahren für bis zu drei Monate. Nicht empfohlen sind Antihistaminika, Antipsychotika, schnell freisetzendes Melatonin, Ramelteon und pflanzliche Mittel. Lichttherapie und Bewegungsprogramme gelten als mögliche Ergänzung.

StudieLancet Neurol, 2022-02

Daridorexant: zwei Phase-3-Studien (Mignot et al.)

In der ersten Studie erhielten 930 Erwachsene mit Insomnie, rund 40 Prozent davon 65 Jahre oder älter, drei Monate lang jeden Abend Daridorexant (Quviviq) 25 mg, 50 mg oder Placebo; die Parallelstudie mit 924 Teilnehmenden prüfte 10 und 25 mg. Unter 50 mg war die nächtliche Wachzeit nach dem Einschlafen, im Schlaflabor gemessen, im ersten Monat um knapp 23 Minuten und im dritten Monat um gut 18 Minuten kürzer als unter Placebo. Die Einschlafdauer verkürzte sich um etwa 11 bis 12 Minuten zusätzlich, die selbst eingeschätzte Schlafdauer stieg um etwa 20 Minuten mehr als unter Placebo, und die Tagesbeeinträchtigung besserte sich. 10 mg wirkte nicht sicher, 25 mg schwächer als 50 mg. Häufigste Nebenwirkungen waren Nasen-Rachen-Entzündung und Kopfschmerzen; Hinweise auf Absetzeffekte oder eine Rebound-Insomnie nach dem Stopp fanden sich nicht. Daridorexant ist seit 2022 in der EU und in der Schweiz zugelassen.

StudieAnn Intern Med, 2015-08

KVT-I bei chronischer Insomnie: Metaanalyse (Trauer et al.)

Die Auswertung fasste 20 randomisierte Studien mit 1162 Teilnehmenden zusammen, die eine KVT-I mit mehreren Bausteinen (Schlafrestriktion, Stimuluskontrolle, kognitive Techniken, Schlafhygiene) erhalten hatten. Nach dem Schlaftagebuch schliefen die Behandelten im Mittel 19 Minuten schneller ein und lagen nachts 26 Minuten weniger wach; die Schlafeffizienz stieg um knapp 10 Prozentpunkte. Die Gesamtschlafzeit nahm kurzfristig nur um knapp 8 Minuten zu, weil die Bettzeit am Anfang bewusst verkürzt wird. Die Effekte hielten bei den späteren Nachbefragungen an, was die KVT-I von Schlafmitteln unterscheidet, deren Wirkung mit dem Absetzen endet.

StudieBMJ, 2005-11

Schlafmittel bei älteren Menschen: Nutzen und Risiken (Glass et al.)

Die Metaanalyse umfasste 24 Studien mit 2417 Teilnehmenden ab 60 Jahren, die Benzodiazepine, Z-Substanzen oder verwandte Schlafmittel gegen Insomnie erhalten hatten. Die Schlafdauer stieg im Mittel um etwa 25 Minuten, nächtliche Aufwachphasen nahmen leicht ab, die Schlafqualität besserte sich nur wenig. Dem standen deutlich mehr unerwünschte Wirkungen gegenüber: Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen traten etwa 4,8-mal so häufig auf, psychomotorische Ereignisse wie Stürze und Unfälle etwa 2,6-mal, Tagesmüdigkeit etwa 3,8-mal. Rechnerisch profitierte einer von 13 Behandelten spürbar, bei einem von sechs trat eine Nebenwirkung auf. Die Autorinnen und Autoren hielten den Nutzen bei Menschen über 60 deshalb in vielen Fällen für zu klein, um das Risiko zu rechtfertigen.

StudieLancet Psychiatry, 2017-10 und JAMA Psychiatry, 2019-01

Digitale KVT-I: OASIS-Studie und Folgestudie (Freeman et al., Espie et al.)

In der OASIS-Studie erhielten 3755 Studierende an 26 britischen Universitäten mit Schlafproblemen entweder ein sechswöchiges digitales KVT-I-Programm (Sleepio) oder die übliche Versorgung. Nach zehn Wochen lag der Insomnie-Schweregrad nach dem ISI im Mittel knapp 5 Punkte tiefer als in der Kontrollgruppe, ein grosser Effekt; Paranoia, Halluzinationserleben, depressive Symptome und Ängstlichkeit nahmen leicht ab. Die Folgestudie von Espie et al. mit 1711 Erwachsenen verglich das gleiche Programm mit einer Online-Schlafhygieneschulung: Nach 24 Wochen waren Schlaf, Alltagsfunktion, psychisches Wohlbefinden und schlafbezogene Lebensqualität besser, die Effekte auf die Alltagsfunktion klein bis mittel. Digitale Programme ersetzen bei schweren Begleiterkrankungen keine Behandlung vor Ort, machen die KVT-I aber für viele Menschen ohne Wartezeit zugänglich. In Deutschland sind solche Programme als digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) verordnungsfähig.

StudieSleep Med Rev, 2018-04

Kognitive und verhaltenstherapeutische Verfahren: grosse Metaanalyse (van Straten et al.)

Die Arbeitsgruppe wertete 87 randomisierte Studien zur KVT-I und zu ihren einzelnen Bausteinen aus. Am stärksten verbesserte sich der Insomnie-Schweregrad (standardisierte Effektstärke g = 0,98), gefolgt von Schlafeffizienz (0,71), nächtlicher Wachzeit (0,63) und Einschlafdauer (0,57), alles nach Schlaftagebuch. Die Gesamtschlafzeit nahm kaum zu (0,16). Im Schlaflabor gemessen fielen die Effekte kleiner aus als im Tagebuch. Menschen mit Begleiterkrankungen wie Depression oder chronischen Schmerzen profitierten in ähnlichem Ausmass wie Menschen mit reiner Insomnie. Die KVT-I verändert demnach vor allem, wie zusammenhängend und verlässlich jemand schläft und wie sehr der Schlaf belastet, weniger die Zahl der Stunden.

Behörden-Update

UpdateFDA, 2019-04

Z-Substanzen: Boxed Warning wegen komplexer Schlafverhaltensweisen

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat im April 2019 für Eszopiclon, Zaleplon und Zolpidem eine Boxed Warning angeordnet, die strengste Warnstufe in der Produktinformation. Grundlage waren 66 gemeldete Fälle von komplexen Schlafverhaltensweisen wie Schlafwandeln, Autofahren oder Kochen im Schlaf, darunter 20 Todesfälle durch Stürze, Unfälle, Unterkühlung oder Ertrinken. Die Ereignisse traten auch bei der ersten Einnahme und in empfohlener Dosis auf, teils ohne Alkohol oder andere dämpfende Mittel. Wer ein solches Ereignis unter einer Z-Substanz erlebt hat, darf sie nicht mehr einnehmen. In der Schweiz, Deutschland und Österreich, wo vor allem Zolpidem und Zopiclon verschrieben werden, steht das Risiko in den Produktinformationen; auffällige nächtliche Ereignisse gehören sofort in die ärztliche Sprechstunde.

Services

FAQ, Glossar & Downloads

Häufige Fragen

Wie viel Schlaf brauche ich wirklich?+

Fachgesellschaften empfehlen für Erwachsene sieben bis neun Stunden, für Menschen ab 65 Jahren sieben bis acht Stunden. Das sind Bevölkerungswerte. Manche Menschen sind mit sechs Stunden ausgeruht, andere brauchen neun. Ein besserer Massstab als die Uhr ist der Tag: Wer tagsüber leistungsfähig ist, nicht beim Lesen oder als Beifahrer einnickt und am Wochenende nicht stundenlang nachschläft, schläft vermutlich genug. Mit dem Alter wird der Schlaf leichter und häufiger unterbrochen, kurze Wachphasen in der Nacht sind normal. Wer sich auf eine feste Stundenzahl fixiert und nachts nachrechnet, wie viel Schlaf noch bleibt, verstärkt oft genau die Anspannung, die das Einschlafen verhindert.

Ab wann ist schlechter Schlaf eine Insomnie?+

Von einer chronischen Insomnie sprechen Fachleute, wenn das Einschlafen, das Durchschlafen oder zu frühes Erwachen an mindestens drei Nächten pro Woche über mindestens drei Monate schwerfällt, obwohl genug Zeit für Schlaf da ist, und wenn der Tag darunter leidet: Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Gereiztheit, Sorgen um den Schlaf. Etwa 6 bis 10 Prozent der Erwachsenen erfüllen diese Kriterien, Frauen und ältere Menschen häufiger. Kürzere Phasen schlechten Schlafs nach Stress, Krankheit oder einem Umzug sind häufig und vergehen meist von selbst. Wer laut schnarcht, Atemaussetzer hat, nachts unruhige Beine spürt oder tagsüber ungewollt einschläft, hat womöglich eine andere Schlafstörung, die abgeklärt werden sollte.

Machen Schlaftabletten abhängig?+

Benzodiazepine und Z-Substanzen wie Zolpidem und Zopiclon können es. Schon nach einigen Wochen täglicher Einnahme lässt bei manchen Menschen die Wirkung nach, und beim Absetzen schläft man einige Nächte schlechter als vorher (Rebound-Insomnie). Das verleitet dazu, weiterzunehmen. Die Leitlinien begrenzen diese Mittel deshalb auf drei bis vier Wochen, bei Bedarf auch nur an einzelnen Abenden. Wer sie seit Monaten oder Jahren nimmt, sollte nicht abrupt aufhören, sondern mit der Ärztin oder dem Arzt über Wochen schrittweise reduzieren, am besten begleitet von einer KVT-I. Sedierende Antidepressiva in niedriger Dosis und Daridorexant machen nach heutigem Wissen nicht körperlich abhängig, haben aber eigene Nebenwirkungen.

Hilft Melatonin?+

Bei der gewöhnlichen chronischen Insomnie wenig. Eine Metaanalyse von 2013 mit 19 Studien und 1683 Teilnehmenden fand, dass Melatonin das Einschlafen im Mittel um etwa sieben Minuten verkürzt und die Schlafdauer um etwa acht Minuten verlängert. Die europäische Leitlinie lässt retardiertes Melatonin 2 mg (Circadin) für Menschen ab 55 Jahren für bis zu drei Monate zu; dafür ist es auch zugelassen. Besser belegt ist Melatonin bei Jetlag und bei einer verschobenen inneren Uhr, wenn jemand erst sehr spät müde wird; dann kommt es auf den richtigen Einnahmezeitpunkt an. In der Schweiz ist Melatonin rezeptpflichtig. Frei verkaufte Produkte enthalten teils deutlich mehr oder weniger Wirkstoff als angegeben.

Ist Schlafrestriktion nicht gefährlich?+

Sie ist anstrengend, und das sollte man vorher wissen. Bei der Schlafrestriktion wird die Bettzeit vorübergehend auf die tatsächlich geschlafene Zeit verkürzt, nie unter fünf Stunden. In den ersten ein bis drei Wochen sind die meisten Menschen tagsüber müder, Reaktionszeit und Aufmerksamkeit können messbar nachlassen. Autofahren und gefährliche Arbeiten brauchen in dieser Phase besondere Vorsicht; Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer sollten die Methode nur in angepasster Form und mit ärztlicher Begleitung anwenden. Nicht geeignet ist sie bei Epilepsie, bipolarer Störung, unbehandelter Schlafapnoe und Parasomnien, weil Schlafentzug Anfälle, manische Phasen oder Episoden auslösen kann. Mit Begleitung gehört sie zu den wirksamsten Bausteinen der KVT-I.

Handy im Bett: wie schlimm?+

Das Licht allein ist weniger dramatisch als oft behauptet. In einer Laborstudie (Chang et al., PNAS 2015) verschob das Lesen auf einem leuchtenden E-Reader über vier Stunden vor dem Schlafen die Melatoninausschüttung um rund 1,5 Stunden, das Einschlafen dauerte im Mittel etwa zehn Minuten länger. Im Alltag stört eher, was auf dem Bildschirm passiert: Nachrichten, Arbeitsmails, Streit im Chat und Videos, bei denen man "nur noch eine" schaut, halten das Gehirn wach und schieben die Bettzeit nach hinten. Bei einer Insomnie kommt hinzu, dass das Bett zum Ort für Wachsein wird. Die Stimuluskontrolle empfiehlt deshalb: Handy ausserhalb des Schlafzimmers laden, Wecker statt Telefon.

Alkohol als Einschlafhilfe?+

Eher nicht. Alkohol macht müde und verkürzt das Einschlafen, deshalb greifen viele Menschen mit Schlafproblemen zu einem Glas Wein am Abend. In der zweiten Nachthälfte, wenn der Alkohol abgebaut wird, wird der Schlaf aber unruhiger: mehr Aufwachen, weniger Traumschlaf (REM), häufiger Harndrang, Schwitzen und Herzklopfen. Alkohol entspannt ausserdem die Rachenmuskulatur und verstärkt Schnarchen und Atemaussetzer. Die einschlaffördernde Wirkung lässt nach wenigen Nächten nach, die Menge steigt leicht an. Zusammen mit Schlafmitteln, vor allem Benzodiazepinen und Z-Substanzen, ist Alkohol gefährlich, weil sich die dämpfende Wirkung auf Atmung und Bewusstsein verstärkt. Wer abends trinkt, sollte mindestens drei bis vier Stunden vor dem Schlafen aufhören.

Wann ins Schlaflabor?+

Für die Diagnose einer Insomnie braucht es kein Schlaflabor: Gespräch, körperliche Untersuchung und ein Schlaftagebuch über zwei Wochen reichen meist. Eine Untersuchung im Schlaflabor (Polysomnographie) ist sinnvoll bei Verdacht auf eine Schlafapnoe, also bei lautem Schnarchen, beobachteten Atemaussetzern und starker Tagesmüdigkeit, bei ungewöhnlichem Verhalten im Schlaf mit Verletzungsgefahr, bei Verdacht auf Narkolepsie oder nächtliche Beinbewegungen und wenn eine fachgerecht durchgeführte Behandlung nicht wirkt. Bei Verdacht auf Schlafapnoe steht oft zuerst eine Polygraphie zu Hause. Überweisen kann die Hausärztin oder der Hausarzt; zertifizierte Schlafzentren gibt es in der Schweiz über die SGSSC, in Deutschland über die DGSM und in Österreich über die ÖGSM.

Was bringen die neuen Orexin-Blocker?+

Daridorexant (Quviviq) dämpft das Wachsystem des Gehirns, statt das ganze Gehirn zu sedieren wie Benzodiazepine und Z-Substanzen. In den Zulassungsstudien lagen Menschen unter 50 mg nachts etwa 18 bis 23 Minuten weniger wach als unter Placebo und schliefen etwa 11 Minuten schneller ein. Das ist ein moderater Effekt. Absetzeffekte und Rebound-Insomnie traten in den Studien nicht auf, die europäische Leitlinie lässt eine Behandlung für bis zu drei Monate und im Einzelfall länger zu. Mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Müdigkeit am Morgen und selten Schlaflähmung oder lebhafte Träume. Bei Narkolepsie ist Daridorexant nicht erlaubt. Die Leitlinien sehen es für Menschen vor, denen die KVT-I nicht ausreichend hilft oder die keinen Zugang dazu haben.

Zahlt die Krankenkasse eine KVT-I?+

In allen drei Ländern grundsätzlich ja, mit Unterschieden im Weg dorthin. In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung seit Juli 2022 psychologische Psychotherapie auf ärztliche Anordnung, also auch eine KVT-I bei einer psychologischen Psychotherapeutin oder einem psychologischen Psychotherapeuten; ärztliche Psychotherapie und Behandlungen in Schlafzentren sind ebenfalls gedeckt, Franchise und Selbstbehalt gelten. In Deutschland ist die KVT-I Teil der kassenfinanzierten Psychotherapie, dazu können Ärztinnen und Ärzte digitale KVT-I-Programme als DiGA verordnen. In Österreich sind Kassenplätze für Psychotherapie knapp; bei Wahltherapeutinnen und Wahltherapeuten gibt es einen Kostenzuschuss. Spezialisierte KVT-I-Angebote haben vielerorts Wartezeiten, fragen Sie früh nach.

Glossar

Insomnie
Anhaltende Schwierigkeit, ein- oder durchzuschlafen, oder zu frühes Erwachen trotz ausreichender Gelegenheit zum Schlafen, mit Beeinträchtigung am Tag. Chronisch ist sie, wenn die Beschwerden an mindestens drei Nächten pro Woche über mindestens drei Monate bestehen.
Schlaflatenz
Zeit vom Lichtlöschen mit Schlafabsicht bis zum Einschlafen. Werte bis etwa 20 bis 30 Minuten gelten als unauffällig; Menschen mit Insomnie überschätzen die Dauer oft, was ihre Belastung aber nicht kleiner macht.
Schlafeffizienz
Anteil der tatsächlich geschlafenen Zeit an der im Bett verbrachten Zeit, in Prozent. Werte ab etwa 85 Prozent gelten als gut; die Schlafeffizienz ist die Steuergrösse der Schlafrestriktion.
KVT-I
Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie, ein strukturiertes Programm über meist vier bis acht Sitzungen aus Schlafrestriktion, Stimuluskontrolle, kognitiven Techniken gegen Grübeln und sorgenvolle Gedanken über den Schlaf, Entspannung und Schlafhygiene. Sie ist in den Leitlinien die Behandlung erster Wahl, vor Ort, in Gruppen oder digital.
Schlafrestriktion
Baustein der KVT-I, bei dem die Bettzeit vorübergehend auf die durchschnittlich geschlafene Zeit begrenzt wird, nie unter fünf Stunden. Der so aufgebaute Schlafdruck festigt den Schlaf, danach wird das Schlaffenster schrittweise wieder verlängert.
Stimuluskontrolle
Regeln, die das Bett wieder mit Schlafen statt mit Wachliegen verknüpfen: nur bei Müdigkeit ins Bett, Bett nur für Schlaf und Sexualität, nach etwa 15 bis 20 Minuten Wachliegen aufstehen und erst bei Müdigkeit zurückkehren, jeden Tag zur gleichen Zeit aufstehen, tagsüber kein Nickerchen.
Z-Substanzen
Schlafmittel wie Zolpidem (Stilnox) und Zopiclon (Imovane), die am gleichen Rezeptor wirken wie Benzodiazepine, aber chemisch anders aufgebaut sind. Sie wirken kurz, können aber ebenfalls zu Gewöhnung, Abhängigkeit, Stürzen und komplexen Schlafverhaltensweisen führen.
Orexin-Rezeptorantagonist
Wirkstoffgruppe, die die Rezeptoren für Orexin blockiert, einen Botenstoff, der das Gehirn wach hält. In der Schweiz, Deutschland und Österreich ist bisher Daridorexant (Quviviq) zur Behandlung der chronischen Insomnie zugelassen.
Zirkadianer Rhythmus
Die innere Uhr mit einem Takt von etwa 24 Stunden, die Schlaf, Körpertemperatur und Hormone wie Melatonin steuert und vor allem über Tageslicht gestellt wird. Ist sie verschoben, etwa bei Schichtarbeit, Jetlag oder ausgeprägten Nachtmenschen, entstehen Schlafprobleme, die anders behandelt werden als eine Insomnie.
Polysomnographie
Untersuchung im Schlaflabor, bei der während einer oder mehrerer Nächte Hirnströme, Augen- und Muskelbewegungen, Atmung, Sauerstoffsättigung, Herzschlag und Beinbewegungen aufgezeichnet werden. Sie dient vor allem dazu, andere Schlafstörungen wie Schlafapnoe zu erkennen oder auszuschliessen.
Schlafapnoe
Wiederholte Atemaussetzer im Schlaf, meist weil die oberen Atemwege zufallen (obstruktive Schlafapnoe). Typisch sind lautes Schnarchen, beobachtete Atempausen und Tagesmüdigkeit; sie kann zusammen mit einer Insomnie auftreten und muss vor einer Schlafrestriktion oder Schlafmitteln behandelt werden.
ISI
Insomnia Severity Index, ein Fragebogen mit sieben Fragen, der den Schweregrad einer Insomnie in den letzten zwei Wochen auf einer Skala von 0 bis 28 Punkten erfasst. Er wird in Studien und in der Praxis eingesetzt, um den Verlauf einer Behandlung zu messen.

Downloads & Tools

Rechner 1: Insomnie-Schweregrad nach dem Insomnia Severity Index (ISI)

Textfassung, noch kein Rechner

Name: Insomnie-Schweregrad (nach dem Insomnia Severity Index von Charles M. Morin)

Lizenzhinweis: Der ISI ist urheberrechtlich geschützt (Charles M. Morin) und wird über das Mapi Research Trust lizenziert; die Verwendung in einem öffentlich zugänglichen Online-Tool und die Nutzung einer validierten deutschen Fassung setzen eine Lizenz voraus. Bis eine Lizenz vorliegt, gibt der Rechner die sieben Fragen nur sinngemäss wieder, nicht im Originalwortlaut, und zeigt den Hinweis: "Sinngemässe Wiedergabe des Insomnia Severity Index. Das Ergebnis ist eine Orientierung und ersetzt nicht den validierten Originalfragebogen."

Eingaben: Sieben Fragen zu den letzten zwei Wochen, jeweils mit fünf Antwortstufen von 0 bis 4.

  1. Wie stark sind Ihre Schwierigkeiten beim Einschlafen? (0 keine, 1 leicht, 2 mässig, 3 stark, 4 sehr stark)
  2. Wie stark sind Ihre Schwierigkeiten beim Durchschlafen? (gleiche Stufen)
  3. Wie stark ist das Problem, zu früh aufzuwachen? (gleiche Stufen)
  4. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem derzeitigen Schlaf? (0 sehr zufrieden bis 4 sehr unzufrieden)
  5. Wie stark beeinträchtigt Ihr Schlafproblem Ihren Alltag, etwa Müdigkeit, Konzentration, Stimmung oder Leistungsfähigkeit? (0 gar nicht bis 4 sehr stark)
  6. Wie sehr fällt anderen auf, dass Ihr Schlafproblem Ihre Lebensqualität einschränkt? (0 gar nicht bis 4 sehr stark)
  7. Wie sehr belastet oder beunruhigt Sie Ihr Schlafproblem? (0 gar nicht bis 4 sehr stark)

Formel: Gesamtpunktwert = Summe der sieben Antworten, Bereich 0 bis 28.

Ausgabe: Punktwert und Einordnung.

  • 0 bis 7 Punkte: keine klinisch bedeutsame Insomnie
  • 8 bis 14 Punkte: unterschwellige Insomnie
  • 15 bis 21 Punkte: mittelschwere klinische Insomnie
  • 22 bis 28 Punkte: schwere klinische Insomnie

Dazu eine Einordnung: Ab 15 Punkten lohnt sich ein ärztliches Gespräch über eine KVT-I. Bei 8 bis 14 Punkten helfen oft schon ein Schlaftagebuch und die Regeln der Stimuluskontrolle; halten die Beschwerden über drei Monate an, ist ebenfalls ein Gespräch sinnvoll. Der Rechner speichert auf Wunsch frühere Ergebnisse, damit sich der Verlauf vor, während und nach einer Behandlung vergleichen lässt. Eine Abnahme um etwa 8 Punkte oder mehr gilt in Studien als deutliche Besserung.

Interpretationsgrenzen: Der Fragebogen misst, wie belastend die Schlafprobleme erlebt werden, er stellt keine Diagnose und unterscheidet nicht zwischen Insomnie, Schlafapnoe, Restless-Legs-Syndrom oder einer verschobenen inneren Uhr. Ein hoher Wert bei lautem Schnarchen, Atemaussetzern oder ungewolltem Einschlafen tagsüber spricht eher für eine andere Schlafstörung. Die Grenzwerte stammen aus der englischen Originalfassung; für die sinngemässe Wiedergabe sind sie nicht eigens validiert. Bei Schlafproblemen zusammen mit gedrückter Stimmung, Hoffnungslosigkeit oder Suizidgedanken ist unabhängig vom Punktwert rasche Hilfe nötig (CH 143 oder 144, DE 0800 111 0 111 oder 112, AT 142 oder 144).

Rechner 2: Schlafeffizienz und Schlaffenster für die KVT-I

Rechner 2

Schlafeffizienz- und Schlaffenster-Rechner

Die Schlafrestriktion ist eine wirksame, aber anstrengende Methode. Wenden Sie sie nur mit ärztlicher oder psychotherapeutischer Begleitung an. Nicht anwenden bei Epilepsie, bipolarer Störung, unbehandelter Schlafapnoe, Parasomnien wie Schlafwandeln, in der Schwangerschaft ohne Rücksprache und bei Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrern oder anderen Tätigkeiten, bei denen Müdigkeit andere gefährdet, ausser in angepasster Form mit ärztlicher Freigabe.

Übertragen Sie für jede Nacht der letzten ein bis zwei Wochen die Zeiten aus Ihrem Schlaftagebuch. Für das Wochenergebnis braucht es mindestens 7 vollständige Nächte.

Auswertung

Tragen Sie Zubettgeh- und Aufstehzeit sowie die geschätzte Schlafzeit jeder Nacht ein.

Die Rechnung beruht auf geschätzten Zeiten aus dem Tagebuch, nicht auf Messungen; das ist für die Methode so vorgesehen. In den ersten Wochen nimmt die Tagesmüdigkeit meist zu, das Risiko für Unfälle beim Autofahren und an Maschinen steigt. Kein Nickerchen tagsüber, sonst stimmt die Rechnung nicht. Für ältere Menschen setzen manche Programme die Schwelle tiefer an, etwa bei 80 Prozent; das legt die begleitende Fachperson fest. Er bildet nur einen Baustein der KVT-I ab.

Eingaben, Formeln, Interpretationsgrenzen

Name: Schlafeffizienz- und Schlaffenster-Rechner

Disclaimer, gut sichtbar vor der Eingabe: Die Schlafrestriktion ist eine wirksame, aber anstrengende Methode. Wenden Sie sie nur mit ärztlicher oder psychotherapeutischer Begleitung an. Nicht anwenden bei Epilepsie, bipolarer Störung, unbehandelter Schlafapnoe, Parasomnien wie Schlafwandeln, in der Schwangerschaft ohne Rücksprache und bei Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrern oder anderen Tätigkeiten, bei denen Müdigkeit andere gefährdet, ausser in angepasster Form mit ärztlicher Freigabe.

Eingaben: Für jede Nacht der letzten ein bis zwei Wochen aus dem Schlaftagebuch:

  • Uhrzeit "Ins Bett gegangen" und "Aufgestanden"
  • Geschätzte Schlafzeit in Stunden und Minuten
  • Gewünschte feste Aufstehzeit (gilt an allen sieben Tagen)

Formel und Logik:

  • Bettzeit pro Nacht = Aufstehzeit minus Zubettgehzeit.
  • Schlafeffizienz pro Nacht (Prozent) = Schlafzeit geteilt durch Bettzeit mal 100.
  • Wöchentliche Schlafeffizienz = Summe der Schlafzeiten geteilt durch Summe der Bettzeiten mal 100.
  • Start-Schlaffenster = durchschnittliche Schlafzeit der Woche, mindestens aber 5 Stunden. Die früheste Zubettgehzeit ergibt sich aus der festen Aufstehzeit minus Schlaffenster.
  • Anpassungsregel einmal pro Woche, berechnet aus der wöchentlichen Schlafeffizienz der vergangenen sieben Nächte:
  • 90 Prozent und mehr: Schlaffenster um 15 Minuten verlängern (Zubettgehzeit früher).
  • 85 bis unter 90 Prozent: Schlaffenster unverändert lassen.
  • Unter 85 Prozent: Schlaffenster um 15 Minuten verkürzen, aber nie unter 5 Stunden.
  • Die Aufstehzeit bleibt fest, verschoben wird nur die Zubettgehzeit.

Ausgabe: Schlafeffizienz pro Nacht und pro Woche als Balken, das empfohlene Schlaffenster für die kommende Woche mit Zubettgeh- und Aufstehzeit, dazu der Verlauf der vergangenen Wochen. Erreicht die Schlafeffizienz über mehrere Wochen 85 bis 90 Prozent und fühlt sich die Person tagsüber ausgeruht, zeigt der Rechner an, dass das passende Schlaffenster vermutlich gefunden ist. Liegt das Schlaffenster bei 5 Stunden und die Effizienz trotzdem unter 85 Prozent, verkürzt der Rechner nicht weiter und empfiehlt das Gespräch mit der begleitenden Fachperson.

Interpretationsgrenzen: Die Rechnung beruht auf geschätzten Zeiten aus dem Tagebuch, nicht auf Messungen; das ist für die Methode so vorgesehen. In den ersten Wochen nimmt die Tagesmüdigkeit meist zu, das Risiko für Unfälle beim Autofahren und an Maschinen steigt. Kein Nickerchen tagsüber, sonst stimmt die Rechnung nicht. Für ältere Menschen setzen manche Programme die Schwelle tiefer an, etwa bei 80 Prozent; das legt die begleitende Fachperson fest. Er bildet nur einen Baustein der KVT-I ab.

Newsletter

Einmal im Monat fassen wir zusammen, was sich bei Studien, Leitlinien, Zulassungen und der Kostenübernahme für Insomnie-Behandlungen in der Schweiz, Deutschland und Österreich getan hat, ohne Werbung. Dazu bekommen Sie das Schlaftagebuch und die Fragenliste als Druckvorlage und einen Hinweis, wenn wir einen der Rechner anpassen.

Diese Inhalte ersetzen keine medizinische Beratung.

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