Bericht 1
Erfolg"Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass der halbe Monat einfach weg ist."
Claudia M., 44, Basel (CH)
- Therapiedauer
- 10 Monate
- Therapie
- Erenumab (Aimovig) 70 mg, ab Monat 4 140 mg, einmal monatlich subkutan
Migräne habe ich seit der Lehre. Mit zwanzig waren es zwei, drei Attacken im Monat, mit vierzig fast jeden zweiten Tag irgendetwas. Ich arbeite als Treuhänderin, und in der Abschlusszeit im Frühling war es am schlimmsten. Mein Kalender bestand aus zwei Farben: Tage, an denen ich funktioniert habe, und Tage, an denen ich im abgedunkelten Büro sass und gehofft habe, dass es niemand merkt.
Prophylaxen hatte ich drei hinter mir. Metoprolol hat meinen Puls so weit gedrückt, dass ich beim Treppensteigen schnaufte wie eine Achtzigjährige, und an der Migräne hat sich wenig geändert. Amitriptylin hat mich zwar schlafen lassen, aber ich war morgens wie in Watte und habe in vier Monaten sieben Kilo zugenommen. Topiramat habe ich nach sechs Wochen abgebrochen, weil ich mitten im Kundengespräch nicht mehr auf einfache Wörter kam. Danach war ich ehrlich gesagt ziemlich zynisch, was Medikamente angeht.
Meine Neurologin am Unispital hat mir dann die CGRP-Antikörper erklärt. Dass da ein Eiweiss blockiert wird, das bei der Migräneattacke eine zentrale Rolle spielt, und dass das Medikament eigens für die Migräne entwickelt wurde und nicht von einer anderen Krankheit ausgeliehen ist. Das hat mich neugierig gemacht. Bevor die Krankenkasse zahlt, braucht es in der Schweiz eine Kostengutsprache. Ich musste drei Monate lang ein Kopfschmerztagebuch führen und den MIDAS- und den HIT-6-Fragebogen ausfüllen. Das Tagebuch war ernüchternd: 14 Migränetage im Schnitt, an 12 Tagen Schmerzmittel.
Die erste Spritze habe ich in der Praxis bekommen, danach mache ich es selbst, mit einem Pen in den Oberschenkel. Das tut weniger weh als befürchtet. Im ersten Monat hat sich kaum etwas getan, und ich dachte schon, das wird Prophylaxe Nummer vier, die nicht funktioniert. Im zweiten Monat hatte ich neun Migränetage, im dritten sieben. Die Neurologin hat dann auf 140 mg erhöht. Seit etwa Monat sechs liege ich bei vier, manchmal fünf Migränetagen. Die Attacken, die noch kommen, sind kürzer und sprechen besser auf das Triptan an.
Was mir niemand vorher gesagt hatte: Die Verstopfung ist kein Witz. In den ersten Wochen war das richtig unangenehm. Ich trinke jetzt mehr, esse Leinsamen und nehme bei Bedarf ein mildes Abführmittel, damit geht es. Die Neurologin misst bei jeder Kontrolle den Blutdruck, weil unter Erenumab bei manchen Leuten der Blutdruck ansteigt. Bei mir ist er bisher stabil.
Ich bin vorsichtig mit dem Wort Wunder. Ich habe immer noch Migräne. Aber ich habe meinen letzten Jahresabschluss gemacht, ohne mich krankzumelden, und das war seit Jahren nicht mehr so. Im Herbst steht die Frage an, ob wir eine Pause machen und schauen, wie es ohne Spritze läuft. Davor habe ich Respekt.
Meine Werte
- Migränetage pro Monat: vorher 14, nach 10 Monaten 4
- Schmerzmitteltage pro Monat: vorher 12, nach 10 Monaten 4
- MIDAS: vorher 62 (schwere Beeinträchtigung), nach 6 Monaten 14
- HIT-6: vorher 68, nach 6 Monaten 54
- Blutdruck: vor Beginn 124/78 mmHg, nach 10 Monaten 126/80 mmHg
Nebenwirkungen
- Verstopfung in den ersten 6 Wochen, deutlich, danach mit Ernährung gut im Griff
- Rötung und leichtes Brennen an der Einstichstelle, jeweils einen Tag
- Keine Müdigkeit, keine Gewichtszunahme
Kosten
Die Grundversicherung übernimmt nach Kostengutsprache, Voraussetzung sind unter anderem mehrere erfolglose Prophylaxen und eine dokumentierte Zahl an Migränetagen. Ich zahle Franchise und 10 Prozent Selbstbehalt. Der Listenpreis liegt bei mehreren hundert Franken pro Monat, ohne Gutsprache wäre das für mich nicht machbar.
Studienbezug
In der LIBERTY-Studie (Lancet, 2018) mit Menschen, bei denen zwei bis vier Prophylaxen versagt hatten, halbierte sich unter Erenumab bei etwa 30 Prozent der Teilnehmenden die Zahl der Migränetage, unter Placebo bei etwa 14 Prozent.
