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Migräne &
Kopfschmerz

Migräne und Kopfschmerz: Wirkstoffe und Prophylaxe im Vergleich, Erfahrungsberichte, Versorgung in der Schweiz, Deutschland und Österreich, MIDAS-Fragebogen, Einnahmetage-Zähler und Druckvorlagen.

Stand Oktober 2026

Wirkstoffe

Wirkstoffe im Überblick

Kopfschmerz ist einer der häufigsten Gründe für einen Arztbesuch, und hinter dem Wort stecken sehr verschiedene Erkrankungen. Wer weiss, welche Kopfschmerzform vorliegt, kann gezielter behandeln. Die internationale Klassifikation der Kopfschmerzerkrankungen (ICHD-3) unterscheidet über 300 Formen. Im Alltag sind drei primäre Kopfschmerzen entscheidend, also solche, die nicht Folge einer anderen Krankheit sind.

Migräne betrifft in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich etwa 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen, Frauen etwa zwei- bis dreimal häufiger als Männer. Am stärksten betroffen ist die Altersgruppe zwischen 20 und 50 Jahren. Typisch sind wiederkehrende Attacken von 4 bis 72 Stunden Dauer, oft einseitig und pulsierend, mittelstark bis stark, mit Verstärkung bei körperlicher Aktivität. Dazu kommen Übelkeit, manchmal Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit. Etwa jede vierte bis fünfte Person mit Migräne erlebt zumindest zeitweise eine Aura: Sehstörungen wie Flimmern oder Zickzacklinien, seltener Kribbeln oder Sprachstörungen, die sich über 5 bis 60 Minuten entwickeln und wieder zurückbilden. Von chronischer Migräne spricht man bei mindestens 15 Kopfschmerztagen pro Monat über mehr als drei Monate, davon mindestens 8 Tage mit Migränecharakter. Das betrifft etwa 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung.

Spannungskopfschmerz ist die häufigste Kopfschmerzform überhaupt. Die meisten Menschen haben ihn irgendwann im Leben. Er ist meist beidseitig, drückend bis ziehend, leicht bis mittelstark und wird durch Bewegung eher besser als schlechter. Übelkeit fehlt in der Regel. Episodischer Spannungskopfschmerz spricht gut auf einfache Schmerzmittel an. Die chronische Form (mindestens 15 Tage pro Monat) betrifft etwa 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung und wird vorbeugend vor allem mit Amitriptylin und nicht-medikamentösen Verfahren behandelt.

Clusterkopfschmerz ist selten (etwa 1 von 1000 Personen), betrifft Männer deutlich häufiger als Frauen und gehört zu den stärksten Schmerzen, die Menschen beschreiben. Die Attacken sind streng einseitig um das Auge und an der Schläfe, dauern 15 bis 180 Minuten und treten bis zu achtmal täglich auf, oft nachts zur gleichen Uhrzeit. Auf der Schmerzseite tränt das Auge, die Nase läuft, das Lid hängt. Betroffene sind unruhig und laufen umher, während Menschen mit Migräne eher Ruhe im Dunkeln suchen. Akut helfen 100 Prozent Sauerstoff über eine Gesichtsmaske (12 bis 15 Liter pro Minute) und Sumatriptan 6 mg als Spritze unter die Haut, vorbeugend wird meist Verapamil eingesetzt. Clusterkopfschmerz gehört in neurologische Hände, die übrigen Abschnitte dieser Seite beziehen sich vor allem auf Migräne.

Die Behandlung der Migräne ruht auf zwei Säulen:

  • Akuttherapie behandelt die einzelne Attacke. Je früher sie eingenommen wird, solange der Kopfschmerz noch leicht ist, desto besser wirkt sie. Eingesetzt werden Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac oder Paracetamol, bei mittelstarken bis starken Attacken Triptane und bei Versagen oder Gegenanzeigen die neueren Substanzen Rimegepant und Lasmiditan. Gegen Übelkeit helfen Metoclopramid oder Domperidon, die auch die Aufnahme der Schmerzmittel verbessern.
  • Prophylaxe soll Häufigkeit, Dauer und Stärke der Attacken senken. Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) von 2022 empfiehlt sie unter anderem bei drei oder mehr Migräneattacken pro Monat mit Einschränkung der Lebensqualität, bei Attacken, die regelmässig länger als 72 Stunden dauern, bei unzureichender Wirkung oder schlechter Verträglichkeit der Akuttherapie und bei komplizierten Auren. Eine Prophylaxe gilt als wirksam, wenn die Migränetage um mindestens 50 Prozent abnehmen, bei chronischer Migräne um mindestens 30 Prozent. Die Wirkung setzt bei Tabletten oft erst nach 4 bis 8 Wochen ein, beurteilt wird nach etwa drei Monaten.

Ein Risiko ist bei allen Akutmitteln gleich: Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch. Wer an zu vielen Tagen im Monat Schmerz- oder Migränemittel nimmt, kann dadurch häufigere und dumpfere Kopfschmerzen entwickeln. Weltweit betrifft das etwa 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung, in Kopfschmerzsprechstunden ist es einer der häufigsten Befunde. Die Regeln dazu stehen im eigenen Abschnitt weiter unten.

Zu den Erwartungen: Ein Triptan macht etwa 30 bis 40 von 100 Menschen innerhalb von zwei Stunden schmerzfrei, bei etwa 60 bis 70 von 100 bessert sich der Schmerz deutlich. Klassische Prophylaktika und die neuen CGRP-Medikamente halbieren die Migränetage bei etwa 40 bis 60 von 100 Behandelten, wobei auch unter Placebo etwa 25 bis 30 von 100 eine solche Halbierung erleben. Niemand kann vorhersagen, welches Mittel bei wem wirkt. Oft braucht es zwei oder drei Versuche, bis das passende Mittel gefunden ist.

Wirkstoffe im Vergleich

Medikament
Ibuprofen, ASS, Paracetamol, Kombination ASS/Paracetamol/Coffein (z. B. Brufen, Aspirin, Dafalgan, Thomapyrin, Generika)
Wirkstoff
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Paracetamol, Fixkombination
Indikation
Leichte bis mittelstarke Migräneattacken, Spannungskopfschmerz
Dosierung
Ibuprofen 400 bis 600 mg, ASS 900 bis 1000 mg, Paracetamol 1000 mg, Kombination 2 Tabletten (ASS 500 mg, Paracetamol 400 mg, Coffein 100 mg)
Status
Akut, Erstlinie (DGN/DMKG 2022, SKG); Paracetamol schwächer wirksam, Mittel der Wahl in der Schwangerschaft
Nebenwirkungen
Magenbeschwerden, Magenblutung (NSAR, ASS), Nierenbelastung, Leberschäden bei Überdosierung (Paracetamol); Übergebrauchskopfschmerz ab 15 Tagen pro Monat, bei Kombinationspräparaten ab 10 Tagen
Medikament
Sumatriptan (z. B. Imigran, Generika)
Wirkstoff
Triptan (Serotonin-5-HT1B/1D-Agonist)
Indikation
Mittelstarke bis starke Migräneattacken, Clusterkopfschmerz (Spritze)
Dosierung
50 bis 100 mg Tablette, 10 bis 20 mg Nasenspray, 6 mg Spritze unter die Haut; höchstens 300 mg oral bzw. 12 mg subkutan pro Tag
Status
Akut, Erstlinie bei mittelstarken bis starken Attacken; Spritze schnellste Wirkung
Nebenwirkungen
Engegefühl in Brust und Hals, Kribbeln, Wärmegefühl, Müdigkeit, Schwindel; kontraindiziert bei koronarer Herzkrankheit, nach Schlaganfall, bei peripherer Verschlusskrankheit und unkontrolliertem Bluthochdruck
Medikament
Rizatriptan (z. B. Maxalt, Generika)
Wirkstoff
Triptan
Indikation
Mittelstarke bis starke Migräneattacken
Dosierung
10 mg als Tablette oder Schmelztablette, 5 mg bei gleichzeitiger Einnahme von Propranolol; höchstens 20 mg pro Tag
Status
Akut, Erstlinie; schneller Wirkeintritt
Nebenwirkungen
Wie Sumatriptan, häufig Müdigkeit und Schwindel; Wiederkehrkopfschmerz bei etwa 30 bis 40 Prozent
Medikament
Eletriptan (z. B. Relpax, Generika)
Wirkstoff
Triptan
Indikation
Mittelstarke bis starke Migräneattacken, oft bei ungenügender Wirkung anderer Triptane
Dosierung
20 bis 40 mg, bei Bedarf 80 mg; höchstens 80 mg pro Tag
Status
Akut, Erstlinie; in Vergleichsanalysen eines der wirksamsten oralen Triptane
Nebenwirkungen
Wie Sumatriptan; Wechselwirkungen mit starken CYP3A4-Hemmern (z. B. bestimmte Antibiotika und Antimykotika)
Medikament
Rimegepant (Vydura)
Wirkstoff
Gepant (CGRP-Rezeptor-Antagonist)
Indikation
Akuttherapie, zusätzlich Prophylaxe der episodischen Migräne
Dosierung
Akut 75 mg Schmelztablette, höchstens 75 mg pro Tag; Prophylaxe 75 mg jeden zweiten Tag
Status
Akut, Reserve bei Triptanversagen oder Gegenanzeigen gegen Triptane (DGN/DMKG 2022); EU-Zulassung 2022, Erstattung je nach Land eingeschränkt
Nebenwirkungen
Übelkeit (etwa 2 Prozent), selten Überempfindlichkeitsreaktionen; keine Gefässverengung, daher bei Herz-Kreislauf-Erkrankung möglich; kein Übergebrauchskopfschmerz in Studien beobachtet
Medikament
Lasmiditan (Rayvow)
Wirkstoff
Ditan (Serotonin-5-HT1F-Agonist)
Indikation
Akuttherapie bei Triptanversagen oder Gegenanzeigen
Dosierung
50 bis 200 mg, höchstens eine Dosis pro 24 Stunden
Status
Akut, Reserve (DGN/DMKG 2022); EU-Zulassung 2022, Marktverfügbarkeit in DACH eingeschränkt
Nebenwirkungen
Schwindel (bis etwa 15 bis 20 Prozent), Müdigkeit, Kribbeln; nach Einnahme mindestens 8 Stunden kein Autofahren; keine Gefässverengung
Medikament
Metoprolol, Propranolol (z. B. Beloc, Inderal, Generika)
Wirkstoff
Betablocker
Indikation
Prophylaxe der episodischen Migräne, besonders bei Bluthochdruck oder Herzrasen
Dosierung
Metoprolol 50 bis 200 mg, Propranolol 40 bis 240 mg pro Tag, langsam steigern
Status
Prophylaxe, Erstlinie (DGN/DMKG 2022, SKG); in der Schwangerschaft möglich
Nebenwirkungen
Müdigkeit, langsamer Puls, tiefer Blutdruck, kalte Hände, Schlafstörungen, depressive Verstimmung, Verschlechterung von Asthma
Medikament
Topiramat (z. B. Topamax, Generika)
Wirkstoff
Antiepileptikum
Indikation
Prophylaxe der episodischen und chronischen Migräne
Dosierung
Start 25 mg, wöchentlich um 25 mg steigern, Zieldosis 50 bis 100 mg pro Tag
Status
Prophylaxe, Erstlinie, auch bei chronischer Migräne; seit 2023 Schwangerschaftsverhütungsprogramm (EMA)
Nebenwirkungen
Kribbeln in Händen und Füssen, Konzentrations- und Wortfindungsstörungen, Appetit- und Gewichtsabnahme, Nierensteine, Stimmungsveränderungen, selten akutes Engwinkelglaukom; erhöhtes Fehlbildungsrisiko
Medikament
Amitriptylin (z. B. Saroten, Generika)
Wirkstoff
Trizyklisches Antidepressivum
Indikation
Prophylaxe der Migräne, besonders bei Kombination mit Spannungskopfschmerz, Schlafstörung oder Depression; chronischer Spannungskopfschmerz
Dosierung
10 mg am Abend, langsam steigern auf 25 bis 75 mg
Status
Prophylaxe, Erstlinie (DGN/DMKG 2022, SKG)
Nebenwirkungen
Müdigkeit, Mundtrockenheit, Gewichtszunahme, Verstopfung, Schwindel, Herzrhythmusstörungen bei höherer Dosis
Medikament
Erenumab (Aimovig), Fremanezumab (Ajovy), Galcanezumab (Emgality), Eptinezumab (Vyepti), Atogepant (Aquipta); Onabotulinumtoxin A (Botox)
Wirkstoff
Monoklonale Antikörper gegen CGRP oder dessen Rezeptor; Gepant als Tablette; Botulinumtoxin
Indikation
Prophylaxe der episodischen und chronischen Migräne; Botulinumtoxin nur bei chronischer Migräne
Dosierung
Erenumab 70 oder 140 mg monatlich, Fremanezumab 225 mg monatlich oder 675 mg vierteljährlich, Galcanezumab 240 mg Startdosis, danach 120 mg monatlich (alle als Fertigpen unter die Haut), Eptinezumab 100 mg als Infusion alle 12 Wochen, Atogepant 60 mg täglich; Botulinumtoxin 155 bis 195 Einheiten an 31 bis 39 Stellen alle 12 Wochen
Status
Prophylaxe, nach Versagen, Unverträglichkeit oder Gegenanzeigen der Standardprophylaxe (Erstattungsregeln CH, DE, AT); Botulinumtoxin Zweitlinie bei chronischer Migräne
Nebenwirkungen
Antikörper: Reaktionen an der Einstichstelle, Verstopfung (vor allem Erenumab), Blutdruckanstieg unter Erenumab; Atogepant: Verstopfung, Übelkeit, Müdigkeit; Botulinumtoxin: Nackenschmerz, vorübergehende Muskelschwäche, hängendes Lid

Einfache Schmerzmittel und Kombinationen. ASS, Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac hemmen die Cyclooxygenase und damit die Bildung von Prostaglandinen, die bei der Migräne die Entzündung an den Blutgefässen der Hirnhäute verstärken. Paracetamol wirkt vor allem zentral und ist schwächer. Die DGN/DMKG-Leitlinie 2022 und die Therapieempfehlungen der Schweizerischen Kopfwehgesellschaft (SKG) nennen diese Mittel als erste Wahl bei leichten bis mittelstarken Attacken. Die Fixkombination aus ASS, Paracetamol und Coffein ist in Studien etwas wirksamer als die Einzelsubstanzen, hat aber ein höheres Risiko für Übergebrauchskopfschmerz. Bei Übelkeit verbessert die Kombination mit Metoclopramid (10 mg) oder Domperidon (10 mg) die Wirkung. Opioide und Tramadol sind zur Migränebehandlung nicht empfohlen: Sie wirken schlecht und begünstigen Übergebrauchskopfschmerz besonders stark.

Triptane (Sumatriptan, Rizatriptan, Eletriptan). Triptane docken an Serotoninrezeptoren (5-HT1B und 5-HT1D) an. Sie verengen die erweiterten Gefässe der Hirnhäute und hemmen die Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe wie CGRP aus den Nervenendigungen des Trigeminusnervs. Seit der Einführung von Sumatriptan Anfang der 1990er-Jahre sind sie das Standardmittel für mittelstarke und starke Migräneattacken. In der Schweiz, in Deutschland und in Österreich sind sieben Triptane verfügbar, neben den drei genannten auch Zolmitriptan, Naratriptan, Almotriptan und Frovatriptan. Naratriptan und Frovatriptan wirken langsamer, aber länger und eignen sich bei langen Attacken und bei menstrueller Migräne. Wirkt ein Triptan nicht, lohnt sich laut Leitlinie der Versuch mit einem anderen: Viele Menschen sprechen auf das zweite oder dritte Triptan an. Kehrt der Kopfschmerz zurück, darf nach frühestens zwei Stunden eine zweite Dosis genommen werden, bei fehlender Wirkung der ersten Dosis bringt eine zweite in derselben Attacke dagegen meist nichts. Die Kombination eines Triptans mit einem NSAR, zum Beispiel Sumatriptan plus Naproxen, ist wirksamer als jede Substanz allein und senkt die Rate an Wiederkehrkopfschmerz. Triptane sind gefässverengend und deshalb bei koronarer Herzkrankheit, nach Herzinfarkt oder Schlaganfall, bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit und unkontrolliertem Bluthochdruck kontraindiziert. Triptane wirken nicht, wenn sie während der Aura genommen werden. Empfohlen wird die Einnahme mit Beginn des Kopfschmerzes.

Gepante als Akutmittel (Rimegepant). Gepante blockieren den Rezeptor für CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide), einen Botenstoff, der während der Migräneattacke vermehrt ausgeschüttet wird und Gefässerweiterung und Schmerzweiterleitung fördert. Rimegepant (Vydura) hat in den Zulassungsstudien (Lipton, NEJM 2019; Croop, Lancet 2019) etwa 20 von 100 Behandelten nach zwei Stunden schmerzfrei gemacht, unter Placebo etwa 11 bis 14 von 100. Das ist weniger als bei Triptanen im Durchschnitt, doch Rimegepant verengt keine Gefässe und kommt deshalb für Menschen infrage, die wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen keine Triptane nehmen dürfen. Die DGN/DMKG-Leitlinie 2022 empfiehlt Gepante für Patientinnen und Patienten, die auf mindestens zwei Triptane nicht ansprechen oder sie nicht vertragen. Rimegepant ist in der EU seit 2022 auch zur Prophylaxe der episodischen Migräne zugelassen (75 mg jeden zweiten Tag). Ob und unter welchen Bedingungen die Kosten übernommen werden, unterscheidet sich zwischen den Ländern erheblich und sollte vor der Verordnung geklärt werden.

Ditane (Lasmiditan). Lasmiditan wirkt an einem anderen Serotoninrezeptor (5-HT1F), der auf Nervenzellen, aber kaum auf Gefässen sitzt. Es hemmt die Schmerzweiterleitung im Trigeminussystem, ohne die Gefässe zu verengen. In den Studien SAMURAI und SPARTAN waren nach zwei Stunden je nach Dosis etwa 28 bis 39 von 100 schmerzfrei, unter Placebo etwa 15 bis 21 von 100. Lasmiditan wirkt im Gehirn und macht häufig schwindlig und müde. Nach der Einnahme darf mindestens acht Stunden lang kein Fahrzeug gelenkt werden. Die Leitlinie 2022 sieht Lasmiditan als Reserve bei Triptanversagen oder Gegenanzeigen gegen Triptane. Die Verfügbarkeit im deutschsprachigen Raum ist eingeschränkt, weil der Hersteller das Präparat nicht in allen Ländern dauerhaft vertreibt.

Betablocker (Metoprolol, Propranolol). Wie Betablocker Migräne vorbeugen, ist nicht abschliessend geklärt. Diskutiert werden eine Dämpfung der Erregbarkeit der Hirnrinde und eine Wirkung auf zentrale Noradrenalin- und Serotoninsysteme. Metoprolol und Propranolol sind seit Jahrzehnten Erstlinienprophylaktika in der DGN/DMKG-Leitlinie und in den SKG-Empfehlungen. Sie eignen sich besonders für Menschen mit gleichzeitigem Bluthochdruck, Herzrasen oder Angst und können auch in der Schwangerschaft weitergegeben werden. Bei Asthma, sehr tiefem Blutdruck, langsamem Puls und Depression sind sie weniger geeignet. Bisoprolol wird ebenfalls eingesetzt, ist aber weniger gut untersucht. Eine Alternative mit ähnlichem Wirkprofil ist das Sartan Candesartan (16 mg pro Tag), das in der Leitlinie 2022 als Mittel der zweiten Wahl geführt wird. Flunarizin (5 bis 10 mg abends) ist in Deutschland und Österreich ein weiteres Erstlinienmittel, kann aber müde machen, das Gewicht steigern und bei Depression oder Parkinson-Symptomen ungeeignet sein.

Topiramat und Valproat. Topiramat ist ein Antiepileptikum, das unter anderem Natriumkanäle und erregende Glutamat-Rezeptoren hemmt und die Wirkung des hemmenden Botenstoffs GABA verstärkt. Es ist für die episodische und als eine der wenigen Tabletten auch für die chronische Migräne gut belegt und gehört laut DGN/DMKG 2022 und SKG zur ersten Wahl. Viele Menschen setzen es wegen Nebenwirkungen ab, vor allem wegen Konzentrations- und Wortfindungsstörungen. Langsame Aufdosierung verbessert die Verträglichkeit. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat 2023 nach Auswertung neuer Studien Massnahmen beschlossen: Topiramat erhöht in der Schwangerschaft das Risiko für schwere Fehlbildungen und für ein niedriges Geburtsgewicht, und Daten weisen auf ein etwa zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für Entwicklungsstörungen wie Autismus-Spektrum-Störungen, Intelligenzminderung und ADHS bei Kindern hin, die im Mutterleib Topiramat ausgesetzt waren. Seither gilt ein Schwangerschaftsverhütungsprogramm. Zur Migräneprophylaxe ist Topiramat in der Schwangerschaft kontraindiziert und bei Frauen im gebärfähigen Alter nur mit hochwirksamer Verhütung erlaubt. Vor Beginn muss ein Schwangerschaftstest gemacht werden, und die Verordnung wird mindestens jährlich überprüft. Topiramat kann die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel abschwächen, deshalb ist zusätzlich eine Barrieremethode oder eine nicht-hormonelle Methode nötig. Für Valproat gelten noch strengere Regeln: Wegen eines Fehlbildungsrisikos von etwa 10 Prozent und eines Risikos für Entwicklungsstörungen von etwa 30 bis 40 Prozent darf es bei Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter nicht zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden. Seit 2024 empfiehlt die EMA zudem Vorsichtsmassnahmen bei Männern, die in den drei Monaten vor einer Zeugung Valproat einnehmen. In Deutschland ist Valproat für Migräne ohnehin nicht zugelassen und wird nur ausnahmsweise im Off-Label-Gebrauch verordnet.

Amitriptylin. Das trizyklische Antidepressivum hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin und verstärkt so körpereigene schmerzhemmende Bahnen im Rückenmark und Hirnstamm. Für die Migräneprophylaxe reichen Dosen weit unter der antidepressiven Dosis. Amitriptylin ist Erstlinienmittel in der DGN/DMKG-Leitlinie und in den SKG-Empfehlungen, besonders wenn Migräne und Spannungskopfschmerz gemeinsam auftreten, wenn der Schlaf gestört ist oder eine depressive Verstimmung besteht. Beim chronischen Spannungskopfschmerz ist es das Mittel der ersten Wahl. Die Einnahme erfolgt am Abend, die Müdigkeit kann deshalb erwünscht sein. Gewichtszunahme und Mundtrockenheit sind die häufigsten Gründe für einen Abbruch.

CGRP-Antikörper, Atogepant und Botulinumtoxin. Die CGRP-Antikörper waren 2018 die ersten Medikamente, die gezielt zur Migräneprophylaxe entwickelt wurden. Erenumab bindet den CGRP-Rezeptor, Fremanezumab, Galcanezumab und Eptinezumab binden den Botenstoff selbst. In den Zulassungsstudien sanken die monatlichen Migränetage um etwa 1 bis 2,5 Tage stärker als unter Placebo. Etwa 40 bis 60 von 100 Behandelten erreichten eine Halbierung, und ein Teil davon sprach ausgezeichnet an. Die Antikörper wirken oft schon im ersten Monat, haben wenige Wechselwirkungen und werden selten wegen Nebenwirkungen abgesetzt. In der HER-MES-Studie (Cephalalgia, 2022, 777 Teilnehmende) brachen unter Erenumab deutlich weniger Menschen die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab als unter Topiramat (etwa 11 gegenüber 39 Prozent), und mehr erreichten eine Halbierung der Migränetage. Unter Erenumab wurden nach der Zulassung Fälle von Blutdruckanstieg und starker Verstopfung gemeldet, weshalb Blutdruck und Verdauung kontrolliert werden. In der Schwangerschaft und Stillzeit fehlen ausreichende Daten, eine Behandlung wird dann in der Regel beendet. Wegen der langen Halbwertszeit raten Fachleute, die Antikörper einige Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abzusetzen. Atogepant (Aquipta) ist ein Gepant als tägliche Tablette, in der EU seit 2023 zur Prophylaxe der episodischen und chronischen Migräne zugelassen. In der ADVANCE-Studie (NEJM, 2021) sanken die monatlichen Migränetage um etwa 3,7 bis 4,2 Tage gegenüber 2,5 Tagen unter Placebo. Onabotulinumtoxin A ist nur bei chronischer Migräne wirksam, nicht bei episodischer. Es hemmt die Freisetzung von Schmerzbotenstoffen aus den Nervenendigungen. In den PREEMPT-Studien sanken die Kopfschmerztage um etwa 8 bis 9 Tage pro Monat gegenüber etwa 6 bis 7 Tagen unter Placebo. Behandelt wird alle 12 Wochen mit Injektionen in Stirn, Schläfen, Hinterkopf, Nacken und Schultern. Die DGN/DMKG-Leitlinie 2022 und die SKG-Empfehlungen sehen CGRP-Antikörper als wirksame Option. Die Erstattungsregeln in allen drei Ländern verlangen aber, dass vorher klassische Prophylaktika versucht wurden (Details in der Ländertabelle).

Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch: 10/15-Tage-Regel

Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch (englisch Medication Overuse Headache, MOH) entsteht bei Menschen, die bereits eine Kopfschmerzerkrankung haben, meist Migräne, und über Monate an zu vielen Tagen Akutmittel einnehmen. Das Gehirn wird schmerzempfindlicher, die Kopfschmerztage nehmen zu, die Mittel wirken schlechter. Viele nehmen dann noch mehr Tabletten, und so entsteht ein Kreislauf. Die Diagnose nach ICHD-3 setzt mindestens 15 Kopfschmerztage pro Monat voraus und einen regelmässigen Übergebrauch über mehr als drei Monate. Die Grenzen hängen vom Mittel ab:

  • 10 oder mehr Tage pro Monat bei Triptanen, Ergotaminen, Opioiden, Kombinationsschmerzmitteln (zum Beispiel ASS plus Paracetamol plus Coffein) und wenn verschiedene Akutmittel kombiniert werden, auch wenn keines allein die Grenze überschreitet.
  • 15 oder mehr Tage pro Monat bei einfachen Schmerzmitteln wie Ibuprofen, ASS, Diclofenac, Naproxen, Metamizol oder Paracetamol.

Entscheidend ist die Zahl der Einnahmetage, nicht die Zahl der Tabletten. Drei Tabletten an einem Tag zählen als ein Tag. Für den Alltag empfehlen DMKG und SKG eine einfache Faustregel: an höchstens 10 Tagen im Monat Akutmittel, an mindestens 20 Tagen keine. Ein Kopfschmerztagebuch oder eine App macht das sichtbar. Viele Menschen sind überrascht, wie schnell sie über der Grenze liegen.

Die Behandlung hat drei Teile. Erstens Aufklärung: Bei einem Teil der Betroffenen reicht es bereits, die Zusammenhänge zu kennen und die Einnahmetage bewusst zu begrenzen. Zweitens eine Prophylaxe, die laut Leitlinie 2022 sofort beginnen kann. Topiramat, Onabotulinumtoxin A und CGRP-Antikörper wirken bei chronischer Migräne mit Übergebrauch auch ohne vorherigen Entzug. Drittens die Medikamentenpause: Einfache Schmerzmittel und Triptane können ambulant abrupt abgesetzt werden, Opioide und Barbiturate (in der Schweiz teils noch in älteren Kombinationspräparaten) werden schrittweise und oft stationär oder tagesklinisch reduziert. In den ersten zwei bis zehn Tagen der Pause nimmt der Kopfschmerz oft zu, begleitet von Übelkeit, Unruhe und Schlafstörungen. Diese Phase ist anstrengend und lässt sich mit Naproxen, Antiemetika oder kurzzeitig Kortison abfedern. Nach zwei bis drei Monaten haben sich bei etwa der Hälfte bis zwei Dritteln die Kopfschmerztage deutlich verringert. Rückfälle sind häufig, vor allem im ersten Jahr, weshalb eine Begleitung über mindestens zwölf Monate empfohlen wird. Gepante haben in Studien bisher keinen Übergebrauchskopfschmerz ausgelöst, die Datenlage ist aber noch begrenzt.

Nicht-medikamentös: Ausdauersport, Entspannung (PMR), Schlafrhythmus, Neuromodulation (Cefaly, Nerivio)

Nicht-medikamentöse Verfahren sind laut DGN/DMKG-Leitlinie und SKG ein fester Bestandteil der Prophylaxe und in Studien teilweise ähnlich wirksam wie Tabletten. Sie haben kaum Nebenwirkungen, brauchen aber Geduld: Messbare Effekte zeigen sich meist nach 8 bis 12 Wochen regelmässiger Übung.

Ausdauersport. Regelmässiges aerobes Training, etwa drei Einheiten zu 30 bis 45 Minuten pro Woche mit Joggen, Velofahren, Schwimmen oder zügigem Walking, senkt die Migränehäufigkeit. In einer schwedischen Studie (Varkey, Cephalalgia, 2011, 91 Teilnehmende, drei Monate) war ein Ausdauerprogramm ähnlich wirksam wie Topiramat und wie Entspannungstraining, mit einer Reduktion von etwa 0,9 Attacken pro Monat. Wer bisher wenig Sport treibt, beginnt langsam: Plötzliche, sehr intensive Belastung kann bei manchen Menschen eine Attacke auslösen. Ausreichend trinken und vorher etwas essen hilft.

Entspannung. Die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR) ist das am besten untersuchte Entspannungsverfahren bei Migräne. Dabei werden Muskelgruppen nacheinander angespannt und wieder gelöst. Täglich 15 bis 20 Minuten Übung über mehrere Monate reduziert die Attackenhäufigkeit in Studien um etwa 30 bis 40 Prozent. Biofeedback (etwa Vasokonstriktions- oder Muskelspannungs-Biofeedback) und kognitive Verhaltenstherapie zur Stress- und Schmerzbewältigung sind ähnlich wirksam. Kurse werden von Krankenkassen, Volkshochschulen und Physiotherapiepraxen angeboten, in Deutschland bezuschussen die Kassen zertifizierte Präventionskurse nach Paragraf 20 SGB V. Auch Akupunktur ist bei episodischer Migräne als prophylaktische Option belegt, mit Effekten in ähnlicher Grössenordnung wie bei einer medikamentösen Prophylaxe.

Schlafrhythmus und Regelmässigkeit. Das Migränegehirn reagiert empfindlich auf Veränderungen. Häufig berichtete Auslöser sind unregelmässiger Schlaf, ausgelassene Mahlzeiten, Flüssigkeitsmangel, Alkohol (vor allem Rotwein), Stress und besonders der Abfall von Stress am Wochenende oder zu Ferienbeginn. Feste Schlafens- und Aufstehzeiten auch am Wochenende, regelmässige Mahlzeiten und gleichmässiger Kaffeekonsum helfen vielen Menschen. Nicht jeder vermutete Auslöser ist echt: Heisshunger auf Schokolade oder Lichtempfindlichkeit kann bereits Teil der Vorbotenphase sein. Ein Tagebuch über acht bis zwölf Wochen hilft, echte Auslöser von Zufällen zu unterscheiden. Ein vollständiges Meiden aller möglichen Auslöser wird nicht mehr empfohlen, weil es den Alltag stark einschränkt und die Empfindlichkeit eher erhöhen kann. Bei Schnarchen und Atemaussetzern sollte eine Schlafapnoe abgeklärt werden, sie verstärkt Kopfschmerzen am Morgen.

Nahrungsergänzung. Magnesium (etwa 600 mg pro Tag), Riboflavin (Vitamin B2, 400 mg pro Tag) und Coenzym Q10 (300 mg pro Tag) haben in kleinen Studien eine moderate Wirkung gezeigt. Die Leitlinie 2022 nennt sie als Möglichkeit bei Menschen, die keine klassischen Prophylaktika wünschen, oder ergänzend. Magnesium kann Durchfall verursachen, Riboflavin färbt den Urin gelb.

Neuromodulation. Für Menschen, die Tabletten nicht vertragen oder zusätzlich etwas tun wollen, gibt es Geräte, die über die Haut Nerven elektrisch stimulieren:

  • Die externe Trigeminusnervstimulation (eTNS, Cefaly) wird mit einer Klebeelektrode auf der Stirn angewendet. Sie stimuliert die Äste des Trigeminusnervs über den Augenbrauen, täglich 20 Minuten zur Prophylaxe oder 60 Minuten in der Attacke. In Studien reduzierte sie die Migränetage moderat. Manche empfinden das Kribbeln auf der Stirn als unangenehm.
  • Die Fernstimulation am Oberarm (Remote Electrical Neuromodulation, Nerivio) ist ein Armband, das per Smartphone-App gesteuert wird. Die Stimulation über 45 Minuten zu Beginn der Attacke aktiviert absteigende schmerzhemmende Bahnen. In der Zulassungsstudie waren nach zwei Stunden etwa 37 von 100 schmerzfrei gegenüber etwa 18 von 100 unter Scheinstimulation. Das Gerät ist für die Akuttherapie und inzwischen auch zur Prophylaxe zugelassen.
  • Die nicht-invasive Vagusnervstimulation (gammaCore) am Hals ist vor allem für Clusterkopfschmerz untersucht.

Die Geräte sind CE-zertifiziert, werden aber in der Schweiz und in Österreich in der Regel nicht von der Grundversicherung bzw. ÖGK übernommen. In Deutschland übernehmen einzelne Krankenkassen die Kosten auf Antrag. Als digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) auf Rezept ist in Deutschland die App M-sense Migräne dauerhaft im Verzeichnis des BfArM gelistet. Sie verbindet Kopfschmerztagebuch und Auslöseranalyse mit Übungen.

Migräne bei Frauen: Zyklus, Pille, Schwangerschaft, Menopause

Vor der Pubertät sind Mädchen und Jungen etwa gleich häufig betroffen. Danach bekommen Frauen etwa zwei- bis dreimal häufiger Migräne als Männer. Der Grund ist vor allem das Sexualhormon Östrogen, genauer der Abfall des Östrogenspiegels.

Zyklus. Etwa die Hälfte der Frauen mit Migräne bemerkt einen Zusammenhang mit der Menstruation. Bei der menstruellen Migräne treten Attacken bevorzugt in einem Zeitfenster von zwei Tagen vor bis drei Tagen nach Beginn der Blutung auf. Diese Attacken sind oft länger, stärker und sprechen schlechter auf Akutmittel an. Bei regelmässigem Zyklus kann eine Kurzzeitprophylaxe helfen: Naproxen 2-mal 500 mg oder ein lang wirkendes Triptan (Frovatriptan 2-mal 2,5 mg oder Naratriptan 2-mal 2,5 mg) über etwa fünf bis sechs Tage rund um die Menstruation. Wichtig ist ein Tagebuch über mindestens drei Zyklen, damit der Zusammenhang belegt ist.

Pille und Verhütung. Kombinierte hormonelle Verhütungsmittel (Pille, Vaginalring, Pflaster mit Östrogen) erhöhen das Schlaganfallrisiko leicht, und bei Migräne mit Aura ist dieses Risiko zusätzlich erhöht. Fachgesellschaften und die WHO raten deshalb Frauen mit Migräne mit Aura von östrogenhaltigen Verhütungsmitteln ab, vor allem wenn sie rauchen oder weitere Risikofaktoren haben. Bei Migräne ohne Aura sind sie meist möglich, die Migräne kann sich aber in der hormonfreien Pause verschlechtern. Dann hilft oft ein Langzyklus ohne Pause. Gestagen-Monopräparate wie die Pille mit Desogestrel, die Hormonspirale oder das Hormonimplantat erhöhen das Schlaganfallrisiko nicht und bessern bei manchen Frauen die Migräne, weil der zyklische Östrogenabfall wegfällt. Neu auftretende Auren unter der Pille sollten rasch ärztlich besprochen werden.

Schwangerschaft und Stillzeit. Bei etwa 50 bis 80 Prozent der Frauen mit Migräne ohne Aura bessert sich die Migräne in der Schwangerschaft deutlich, vor allem ab dem zweiten Drittel. Migräne mit Aura bleibt häufiger bestehen, und manchmal tritt eine Aura in der Schwangerschaft zum ersten Mal auf. Erste Wahl für die Akuttherapie ist Paracetamol (1000 mg). Ibuprofen ist im ersten und zweiten Drittel nach ärztlicher Rücksprache möglich, ab der 28. Schwangerschaftswoche aber kontraindiziert, weil es den Ductus arteriosus des Kindes vorzeitig verschliessen kann. Für Sumatriptan gibt es aus grossen Schwangerschaftsregistern mit mehreren tausend Schwangerschaften keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko. Es kann deshalb nach Abwägung eingesetzt werden. Zur Prophylaxe kommen in der Schwangerschaft Metoprolol oder Propranolol, Magnesium und nicht-medikamentöse Verfahren infrage. Topiramat, Valproat und Flunarizin sind ausgeschlossen, für CGRP-Antikörper, Gepante und Candesartan fehlen Sicherheitsdaten bzw. es gibt Hinweise auf Schäden (Candesartan). In der Stillzeit sind Ibuprofen, Paracetamol und Sumatriptan gut untersucht und vertretbar. Plötzliche, sehr starke oder neuartige Kopfschmerzen in der Schwangerschaft und im Wochenbett, besonders mit Bluthochdruck, Sehstörungen oder Schwellungen, müssen sofort abgeklärt werden (Präeklampsie, Hirnvenenthrombose).

Wechseljahre. In der Perimenopause mit stark schwankenden Hormonspiegeln nimmt die Migräne bei vielen Frauen zunächst zu. Nach der letzten Periode bessert sie sich bei etwa zwei Dritteln. Wenn eine Hormonersatztherapie infrage kommt, sind transdermale Östrogene (Pflaster, Gel) mit gleichmässigem Spiegel günstiger als Tabletten, weil sie weniger Schwankungen verursachen und das Thromboserisiko nicht erhöhen. Bei Migräne mit Aura ist eine Hormonersatztherapie nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sollte aber mit niedrigen transdermalen Dosen erfolgen. Nach den Wechseljahren nehmen Herz-Kreislauf-Risiken zu. Das ist bei der Wahl von Triptanen zu berücksichtigen, deren Verordnung ab etwa 65 Jahren besonders sorgfältig geprüft wird.

Erfahrungsberichte

Was Patienten erzählen

Die Erfahrungsberichte sind redaktionell verfasste, anonymisierte Beispiele auf Basis typischer Therapieverläufe. Sie ersetzen keine medizinische Beratung.

Bericht 1

Erfolg

"Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass der halbe Monat einfach weg ist."

Claudia M., 44, Basel (CH)

Therapiedauer
10 Monate
Therapie
Erenumab (Aimovig) 70 mg, ab Monat 4 140 mg, einmal monatlich subkutan

Migräne habe ich seit der Lehre. Mit zwanzig waren es zwei, drei Attacken im Monat, mit vierzig fast jeden zweiten Tag irgendetwas. Ich arbeite als Treuhänderin, und in der Abschlusszeit im Frühling war es am schlimmsten. Mein Kalender bestand aus zwei Farben: Tage, an denen ich funktioniert habe, und Tage, an denen ich im abgedunkelten Büro sass und gehofft habe, dass es niemand merkt.

Prophylaxen hatte ich drei hinter mir. Metoprolol hat meinen Puls so weit gedrückt, dass ich beim Treppensteigen schnaufte wie eine Achtzigjährige, und an der Migräne hat sich wenig geändert. Amitriptylin hat mich zwar schlafen lassen, aber ich war morgens wie in Watte und habe in vier Monaten sieben Kilo zugenommen. Topiramat habe ich nach sechs Wochen abgebrochen, weil ich mitten im Kundengespräch nicht mehr auf einfache Wörter kam. Danach war ich ehrlich gesagt ziemlich zynisch, was Medikamente angeht.

Bericht 2

Erfolg

"Ich hab immer gewartet, ob es wirklich Migräne wird. Das war genau falsch."

Jonas W., 14, Freiburg im Breisgau (DE)

Therapiedauer
7 Monate
Therapie
Sumatriptan-Nasenspray 10 mg bei Attacken, vorher Ibuprofen

Bei mir fing das mit elf an. Erst dachte meine Mutter, ich will mich vor der Schule drücken, weil es oft montags kam. Dann habe ich mal im Bus gekotzt, und dann war klar, dass da was ist. Meine Mutter hat auch Migräne, mein Opa hatte das angeblich auch, also hat sie es ziemlich schnell gecheckt.

Die Kinderärztin hat mir Ibuprofen gegeben, 400 mg. Das hat manchmal geholfen und manchmal überhaupt nicht. Ich hatte so vier bis fünf Attacken im Monat, und jede dauerte bei mir einen halben Tag oder länger. Ich lag dann im dunklen Zimmer, mir war schlecht, und Licht ging gar nicht. Im letzten Schuljahr habe ich zwei Mathearbeiten verpasst und musste nachschreiben, was echt nervig war.

Bericht 3

Erfolg

"Ich habe die Tabletten genommen, damit die Kopfschmerzen weggehen. Dass sie die Kopfschmerzen machen, wollte ich lange nicht hören."

Sabine L., 49, Dortmund (DE)

Therapiedauer
5 Monate
Therapie
ambulante Medikamentenpause (Entzug von Kombinationsschmerzmitteln), danach Amitriptylin 25 mg zur Nacht

Angefangen hat es harmlos. Eine Kopfschmerztablette mit Koffein, zwei, wenn es schlimm war, aus der Apotheke, ohne Rezept. Ich bin Pflegefachfrau im Schichtdienst, da fällt man nicht einfach aus. Irgendwann hatte ich die Packung in der Kitteltasche, im Handschuhfach und im Nachttisch. Als meine Hausärztin mich gefragt hat, an wie vielen Tagen ich etwas nehme, habe ich gesagt: vielleicht zehn. Dann hat sie mich einen Monat Tagebuch schreiben lassen. Es waren 22 Tage.

Ich hatte fast jeden Tag Kopfschmerzen. Morgens schon beim Aufwachen ein dumpfer Druck, und dazu an drei bis vier Tagen pro Woche eine richtige Migräne mit Übelkeit. Die Neurologin hat das dann beim Namen genannt: Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch, zusätzlich zu meiner Migräne. Bei Kombinationspräparaten gilt die Grenze bei zehn Tagen im Monat. Ich lag mehr als doppelt so hoch.

Bericht 4

Erfolg

"Noch eine Tablette jeden Tag wollte ich nicht. Also hat die Ärztin gesagt: Dann bewegen Sie sich halt."

Gerhard P., 58, Graz (AT)

Therapiedauer
9 Monate
Therapie
Ausdauertraining dreimal pro Woche, fester Schlafrhythmus, kein Prophylaxe-Medikament, Ibuprofen 600 mg oder Rizatriptan bei Attacken

Ich nehme schon einen Blutdrucksenker und einen Cholesterinsenker, und als mir die Neurologin eine Migräneprophylaxe vorgeschlagen hat, habe ich abgewunken. Die Migräne hab ich seit dreissig Jahren, mal mehr, mal weniger. Seit ich 55 bin, eher mehr. Acht Tage im Monat, in schlechten Monaten zehn. Meistens am Samstag, was meine Frau besonders freut.

Die Neurologin hat nicht diskutiert, sondern gefragt: Wie viel bewegen Sie sich, wann gehen Sie schlafen, wann stehen Sie auf? Die ehrliche Antwort war: kaum, unterschiedlich, und unter der Woche um sechs, am Wochenende um neun. Sie hat mir dann erklärt, dass Migränegehirne Unregelmässigkeit schlecht vertragen, und dass das Ausschlafen am Wochenende ein klassischer Auslöser sein kann. Das hat mir eingeleuchtet. Samstag, ausgeschlafen, Migräne. Seit Jahren.

Bericht 5

In Anpassung

"Die Migräne war besser. Aber ich bin mir manchmal selbst fremd geworden."

Katharina S., 29, Wien (AT)

Therapiedauer
14 Monate Topiramat, seit 6 Wochen Propranolol
Therapie
Topiramat bis 100 mg täglich, Wechsel auf Propranolol 40 mg, langsam steigernd

Topiramat hat bei mir gewirkt, das muss ich fairerweise sagen. Ich hatte vorher elf Migränetage im Monat, nach einem halben Jahr waren es fünf. Ich bin Volksschullehrerin, und in der Klasse vor 24 Kindern mit Migräne zu stehen, das hat mich jahrelang zermürbt.

Aber dann waren da die Wörter. Ich stehe vor der Tafel und will "Rechteck" sagen, und es kommt nicht. Ich weiss, wie das Ding aussieht, ich sehe es vor mir, nur das Wort ist weg. Die Kinder haben das natürlich bemerkt und es lustig gefunden. Ich fand es nicht lustig. Dazu das Kribbeln in den Fingern und um den Mund, vor allem nach dem Abendessen. Limonade hat plötzlich grauslich geschmeckt, wie abgestanden. Und ich habe ohne irgendetwas zu tun vier Kilo abgenommen, was die Leute mir als Kompliment hingeworfen haben, obwohl es sich gar nicht gut angefühlt hat.

Bericht 6

In Anpassung

"Ich kann den Termin meiner Migräne mit dem Kalender vorhersagen. Bisher hat mir das nur nichts genützt."

Nadine B., 36, Bern (CH)

Therapiedauer
4 Monate
Therapie
Kurzzeitprophylaxe mit Naratriptan (Naramig) 2,5 mg zweimal täglich über 5 Tage rund um die Periode, Umstellung der Verhütung in Abklärung

Meine Migräne ist pünktlicher als die SBB. Zwei Tage vor der Periode bis zum zweiten oder dritten Tag, das ist meine Zone. Fast jeden Monat, und es sind die schlimmsten Attacken. Drei Tage, manchmal mit Erbrechen, und das Triptan wirkt dann schlechter als bei den anderen Attacken, die ich so zwischendurch habe. Ich bin Physiotherapeutin und kann nicht einfach im Homeoffice verschwinden, das geht in meinem Beruf nicht.

Meine Gynäkologin hat mich gefragt, ob die Attacken mit Aura kommen. Nein, nie. Das war wichtig, weil ich die kombinierte Pille nehme, mit Östrogen. Bei Migräne mit Aura ist das wegen des Schlaganfallrisikos ein Problem. Ohne Aura ist es grundsätzlich möglich. Die Frage war eher: Löst bei mir der Östrogenabfall in der Pillenpause die Migräne aus? Mein Tagebuch sagte ziemlich klar ja. Die Attacken lagen fast immer in der Pause.

Bericht 7

Frühe Phase

"Ich habe mit der rechten Hand nicht mehr richtig tippen können und war sicher: Das ist ein Schlaganfall."

Mattia R., 31, St. Gallen (CH)

Therapiedauer
4 Wochen
Therapie
neurologische Abklärung inklusive MRI, Kopfschmerztagebuch, Ibuprofen 600 mg bei Bedarf, Rauchstopp

Es war ein Dienstag im Büro. Ich bin Softwareentwickler und schaue den ganzen Tag auf Bildschirme, darum habe ich das Flimmern zuerst auf den Monitor geschoben. Ein kleiner glitzernder Fleck links im Blickfeld, der langsam grösser wurde, mit gezackten Rändern, so wie zerbrochenes Glas. Nach etwa zwanzig Minuten fing es an, in den Fingern der rechten Hand zu kribbeln. Das Kribbeln ist dann langsam den Arm hoch bis in die Lippe gewandert. Und als ich meinem Kollegen sagen wollte, dass etwas nicht stimmt, kamen die Wörter durcheinander.

Mein Kollege hat sofort den Notruf gewählt. Im Spital ging alles sehr schnell, Untersuchung, Blutdruck, ein Bild vom Kopf. In der Zwischenzeit hatte das Flimmern aufgehört und es kam ein pochender Kopfschmerz, der mich fünf Stunden flachgelegt hat. Die Assistenzärztin hat mir erklärt, dass das sehr nach einer Migräne mit Aura aussieht, dass man das beim ersten Mal aber nie einfach annehmen darf. Ich wurde über Nacht beobachtet, am nächsten Tag folgte ein MRI. Alles unauffällig.

Bericht 8

Abgesetzt

"Am Berg hat mir mein eigener Puls nicht mehr gehorcht"

Johanna W., 31, Innsbruck (AT)

Therapiedauer
5 Monate Metoprolol, seit 4 Monaten Candesartan
Therapie
Metoprolol (Beloc), abgesetzt, danach Candesartan (Atacand) off-label

Ich laufe Bergläufe, seit ich zwanzig bin. Im Sommer drei, vier Rennen, dazwischen Training am Patscherkofel, fünf bis sechs Mal pro Woche. Die Migräne habe ich seit der Pubertät, meistens mit Aura, Flimmern im linken Gesichtsfeld, danach der Schmerz hinter dem Auge. Lange waren das zwei, drei Attacken im Monat. Mit Ende zwanzig wurden es mehr, im Herbst vor zwei Jahren zählte ich im Tagebuch sieben Migränetage pro Monat, und Sumatriptan hat zwar geholfen, aber ich hatte Angst, dass ich zu oft dazu greife.

Meine Neurologin hat mir eine Prophylaxe vorgeschlagen und Metoprolol empfohlen, weil es in den Leitlinien zu den Mitteln der ersten Wahl gehört und gut untersucht ist. Ich habe sie gefragt, was das mit meinem Sport macht. Sie war ehrlich: Betablocker senken die Herzfrequenz, auch unter Belastung, und manche Ausdauersportler merken das deutlich. Wir haben mit 47,5 mg begonnen und nach drei Wochen auf 95 mg erhöht.

Bericht 9

Abgesetzt

"Die Pause war vernünftig gedacht. Mein Kopf hat das anders gesehen."

Thomas R., 46, Bielefeld (DE)

Therapiedauer
12 Monate Erenumab, Pause 4 Monate, seit 7 Monaten Fremanezumab
Therapie
Erenumab (Aimovig), abgesetzt, danach Fremanezumab (Ajovy)

Ich bin Steuerberater, und Migräne ist in meinem Beruf ungefähr so praktisch wie ein Wasserrohrbruch in der Abgabewoche. Bevor ich den Antikörper bekam, hatte ich im Schnitt vierzehn Migränetage im Monat. Ich hatte drei Prophylaxen durch: Metoprolol, das ich gar nicht vertragen habe, Topiramat, bei dem ich mitten im Mandantengespräch die einfachsten Worte nicht gefunden habe, und Amitriptylin, das schlicht nichts gebracht hat ausser zehn Kilo.

Erenumab war dann ein anderes Leben. Eine Spritze alle vier Wochen in den Oberschenkel, mache ich selbst. Nach drei Monaten lag ich bei fünf Migränetagen, nach sechs Monaten bei vier. Ich habe zum ersten Mal seit Jahren einen Urlaub ohne Triptane im Handgepäck geplant. Na gut, sie waren dann doch dabei, aber ich habe sie nicht gebraucht.

Bericht 10

Erfolg

"Sieben Jahre lang hat mir niemand gesagt, wie das Ding heisst"

Daniel F., 38, Biel (CH)

Therapiedauer
2 Jahre
Therapie
Sauerstoff 100 Prozent bei Attacken, Sumatriptan (Imigran) subkutan, Verapamil (Isoptin) als Prophylaxe in den Episoden

Das erste Mal war mit 29. Ich bin um zwei Uhr nachts aufgewacht, als hätte mir jemand ein glühendes Messer hinter das rechte Auge gesteckt. Das Auge hat getränt, die Nase lief, und ich bin in der Wohnung hin und her gelaufen, weil ich nicht liegen konnte. Nach einer Stunde war es weg. In der nächsten Nacht kam es wieder, zur fast gleichen Zeit. Sechs Wochen lang, dann war Ruhe, bis zum nächsten Frühling.

Was danach kam, ist eigentlich das, was mich heute noch wütend macht. Mein damaliger Hausarzt hat an eine Nebenhöhlenentzündung gedacht, Antibiotika, Nasenspray. Ein Zahnarzt hat mir einen Weisheitszahn oben rechts gezogen, weil er dort eine kleine Entzündung sah. Ein anderer Arzt meinte Migräne, ich bekam Tabletten, die viel zu spät wirkten. Ich habe sogar eine Weile gedacht, ich bilde mir das ein, weil es ja immer wieder wochenlang verschwand.

Bericht 11

Erfolg

"Ich habe mir die Termine in den Kalender eingetragen wie Geburtstage"

Brigitte H., 52, Graz (AT)

Therapiedauer
15 Monate
Therapie
Onabotulinumtoxin A (Botox) 155 Einheiten alle 12 Wochen

Ich habe mein halbes Leben Migräne, aber die schlimmen Jahre fingen mit 45 an, mitten in den Wechseljahren. Irgendwann war der Kopfschmerz nicht mehr der Gast, sondern der Mitbewohner. Zwanzig Kopfschmerztage im Monat, viele davon mit richtiger Migräne, Übelkeit, Lichtscheu. Ich arbeite halbtags in einer Apotheke, und das Absurde war, dass ich den Kundinnen Ratschläge gegeben habe, die ich selbst nicht befolgt habe. Ich habe an fünfzehn Tagen im Monat Schmerzmittel genommen.

In der Kopfschmerzambulanz haben sie mir zuerst etwas gesagt, das ich nicht hören wollte: Ein Teil des Problems sei wahrscheinlich der Medikamentenübergebrauch. Wir haben eine Medikamentenpause gemacht, zu Hause, mit Naproxen als Notfallmittel und viel Begleitung am Telefon. Die ersten zwei Wochen waren grausam. Danach war es etwas besser, aber immer noch chronische Migräne.

Bericht 12

In Anpassung

"Bei jeder Tablette habe ich das Kind im Bauch mitgedacht"

Mira K., 33, Leipzig (DE)

Therapiedauer
7 Monate Schwangerschaft
Therapie
Paracetamol, Sumatriptan (Imigran) nach Rücksprache, Magnesium, Entspannungstraining

Den Kinderwunsch hatten wir lange, und ich wusste, dass meine Migräne dabei mitreden würde. Vor der Schwangerschaft hatte ich sechs bis sieben Migränetage im Monat, meistens zyklusabhängig, rund um die Periode. Ich habe dagegen Rizatriptan genommen und als Prophylaxe Metoprolol. Ein halbes Jahr vor dem geplanten Absetzen der Verhütung haben meine Neurologin und ich besprochen, wie wir vorgehen.

Ihre Haltung war klar: Möglichst wenig Medikamente, aber keine Panik vor allen. Sie hat mir die Seite von Embryotox gezeigt, dem Pharmakovigilanzzentrum der Charité, und gesagt, dass ich dort zu jedem Wirkstoff nachlesen kann, wie gut er in der Schwangerschaft untersucht ist. Das hat mir enorm geholfen, weil im Beipackzettel bei fast allem steht, man solle es nicht nehmen.

Bericht 13

Frühe Phase

"Meine Lehrerin dachte zuerst, ich schwänze"

Noah S., 14, Winterthur (CH)

Therapiedauer
6 Wochen
Therapie
Kopfschmerztagebuch, Ibuprofen früh in der Attacke, Schlaf- und Essensroutine, Entspannungstraining, Abklärung in der Kinderneurologie

Meine Mutter hat gesagt, ich soll das selbst schreiben, weil es ja um mich geht. Sie hat nur ein bisschen geholfen.

Ich habe seit etwa zwei Jahren Kopfweh, aber in der ersten Sek ist es richtig schlimm geworden. Es fängt meistens am Nachmittag an, auf beiden Seiten der Stirn, es pocht, mir wird schlecht und das Licht im Schulzimmer tut weh. Zweimal habe ich in der Schule erbrochen. Im letzten Semester habe ich neun ganze Tage gefehlt und bin noch ein paar Mal früher nach Hause. Im Mathe bin ich deshalb hinterher.

Bericht 14

Frühe Phase

"Eine Tablette am Morgen. Klingt banal, war für mich der Punkt."

Sabine L., 41, Freiburg im Breisgau (DE)

Therapiedauer
5 Wochen
Therapie
Atogepant (Aquipta) 60 mg täglich als Prophylaxe

Ich bin Grundschullehrerin und habe seit über zwanzig Jahren Migräne ohne Aura. In den letzten Jahren lag ich bei zehn bis elf Migränetagen im Monat. Prophylaxen hatte ich mehrere: Metoprolol hat meinen Blutdruck so gesenkt, dass ich im Unterricht Sternchen gesehen habe. Topiramat hat mir die Lust aufs Essen und auf Sprache gleichzeitig genommen, und das als Lehrerin. Amitriptylin habe ich acht Monate genommen, ohne grossen Effekt.

Meine Neurologin hätte mir einen CGRP-Antikörper gegeben. Ich habe aber eine echte Spritzenangst, seit ich als Kind im Spital lag. Allein der Gedanke an einen Autoinjektor im Kühlschrank hat mir den Puls hochgetrieben. Darum hat sie Atogepant vorgeschlagen. Das ist ein sogenanntes Gepant, ein kleines Molekül, das den CGRP-Rezeptor blockiert, aber als Tablette. Sie hat auch Rimegepant erwähnt, das man jeden zweiten Tag zur Vorbeugung nehmen kann. Wir haben uns für Atogepant entschieden, weil ich mit einer täglichen Routine besser klarkomme als mit einem Zweitagesrhythmus. Ich vergesse sonst garantiert, welcher Tag dran ist.

Versorgung & Kosten

Vom ersten Gespräch zur Begleitung

1

Kopfschmerz einordnen und Warnzeichen ausschliessen

Die Diagnose einer primären Kopfschmerzerkrankung stellt die Hausärztin oder der Hausarzt im Gespräch und mit einer neurologischen Untersuchung. Bildgebung ist bei typischer Migräne ohne Warnzeichen nicht nötig. Notfallmässig abgeklärt werden müssen: plötzlich einsetzender, stärkster Kopfschmerz innerhalb von Sekunden bis einer Minute (Donnerschlagkopfschmerz), Kopfschmerz mit Fieber und Nackensteifigkeit, mit neuen Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen, Verwirrtheit oder Krampfanfall, nach einem Sturz oder Schlag auf den Kopf, erstmals starke Kopfschmerzen nach dem 50. Lebensjahr, eine deutliche Veränderung des bekannten Kopfschmerzmusters, eine Aura von über einer Stunde Dauer oder mit Lähmung, Kopfschmerz in Schwangerschaft und Wochenbett mit hohem Blutdruck sowie Kopfschmerz bei Krebserkrankung oder Immunschwäche. Hier gilt in der Schweiz und in Österreich der Notruf 144, in Deutschland 112.

2

Tagebuch führen und Akuttherapie festlegen

Ein Kopfschmerztagebuch über vier bis acht Wochen zeigt Häufigkeit, Dauer, Stärke, Begleitsymptome, eingenommene Medikamente und mögliche Auslöser. Daraus ergibt sich, ob ein Übergebrauch droht und ob eine Prophylaxe sinnvoll ist. Für die Attacken wird ein Stufenplan vereinbart: einfache Schmerzmittel bei leichten Attacken, ein Triptan bei mittelstarken bis starken Attacken, bei Bedarf kombiniert mit einem Mittel gegen Übelkeit.

3

Prophylaxe beginnen und überprüfen

Bei drei oder mehr Attacken pro Monat, bei langen oder schwer behandelbaren Attacken oder bei drohendem Übergebrauch wird eine Prophylaxe ausgewählt, passend zu Begleiterkrankungen, Kinderwunsch und Lebenssituation. Sie wird langsam aufdosiert und nach etwa drei Monaten anhand des Tagebuchs bewertet. Wirkt das erste Mittel nicht oder wird es nicht vertragen, folgt das nächste. Nach zwei bis drei erfolglosen Versuchen ist eine Überweisung in die Neurologie oder ein Kopfschmerzzentrum sinnvoll, wo auch über CGRP-Medikamente oder Botulinumtoxin entschieden wird.

4

Langfristig begleiten

Bei guter Wirkung wird die Prophylaxe meist 6 bis 12 Monate, bei chronischer Migräne 12 bis 24 Monate fortgeführt und dann ein Auslassversuch unternommen. Bei CGRP-Antikörpern verlangen die Erstattungsregeln regelmässige Wirksamkeitskontrollen und teils Therapiepausen. Das Tagebuch bleibt das wichtigste Werkzeug, um Rückfälle und einen schleichenden Übergebrauch früh zu erkennen. Kontrollen erfolgen anfangs alle drei Monate, später halbjährlich bis jährlich.

Die Hausärztin oder der Hausarzt behandelt in allen drei Ländern den Grossteil der Menschen mit Migräne und Spannungskopfschmerz, und das genügt bei den meisten. Eine Überweisung in die Neurologie oder in eine spezialisierte Kopfschmerzsprechstunde ist sinnvoll bei unklarer Diagnose, bei Clusterkopfschmerz oder anderen seltenen Kopfschmerzformen, bei chronischer Migräne, bei Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch mit Opioiden oder Barbituraten, nach Versagen von zwei bis drei Prophylaktika, bei Migräne mit atypischer oder verlängerter Aura sowie bei Kinderwunsch und Schwangerschaft mit schwer behandelbarer Migräne.

Wer verschreibt
CH
Hausärztin/Hausarzt für Akutmittel und klassische Prophylaxe; CGRP-Antikörper und Botulinumtoxin bei Migräne laut Limitatio nur durch Fachärztinnen und Fachärzte für Neurologie; Kopfwehsprechstunden an Universitäts- und Kantonsspitälern
DE
Hausärztin/Hausarzt für Akutmittel und klassische Prophylaxe; Neurologie, Schmerzmedizin und Kopfschmerzzentren für CGRP-Antikörper und Botulinumtoxin; formal darf jede Ärztin und jeder Arzt verordnen, die Wirtschaftlichkeitsprüfung führt in der Praxis zur fachärztlichen Verordnung
AT
Hausärztin/Hausarzt für Akutmittel und klassische Prophylaxe; Erstverordnung von CGRP-Antikörpern und Botulinumtoxin durch Neurologie oder Kopfschmerzambulanzen, Folgeverordnung teils hausärztlich nach Vorgabe
Kostenübernahme Grundversicherung/GKV/ÖGK
CH
OKP übernimmt Akutmittel und Prophylaktika der Spezialitätenliste (SL). CGRP-Antikörper sind mit Limitatio gelistet: Vorbehandlung mit mindestens zwei Prophylaktika ohne ausreichende Wirkung oder mit Unverträglichkeit, Mindestzahl an Migränetagen pro Monat, Kostengutsprache des Krankenversicherers nach Konsultation des Vertrauensarztes, Verordnung durch die Neurologie, Wirksamkeitsprüfung nach drei Monaten (Fortsetzung nur bei deutlicher Reduktion der Migränetage, in der Regel um mindestens 50 Prozent bei episodischer Migräne), regelmässige Neubeurteilung und Therapiepausen nach Vorgabe der aktuellen Limitatio
DE
GKV übernimmt Akutmittel und Prophylaktika; CGRP-Antikörper nach Versagen, Unverträglichkeit oder Kontraindikation der Standardprophylaxe (Betablocker, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin, bei chronischer Migräne auch Onabotulinumtoxin A), entsprechend der Nutzenbewertung des G-BA; Dokumentation von Vortherapien, Tagebuch und Wirksamkeit ist wegen der Wirtschaftlichkeitsprüfung zwingend; Gepante und Lasmiditan nur eingeschränkt erstattet
AT
ÖGK übernimmt Mittel des Erstattungskodex (grüne Box ohne Bewilligung); CGRP-Antikörper in der gelben Box mit chefärztlicher Bewilligung (Chefarztpflicht, elektronisches Bewilligungsverfahren), Voraussetzungen sind dokumentierte Vortherapien mit mehreren Standardprophylaktika, ein Kopfschmerztagebuch und fachärztliche Indikationsstellung; Verlängerung nur bei belegter Wirkung
Selbstbehalt und typische Monatskosten
CH
Franchise (300 bis 2500 Franken pro Jahr) plus 10 Prozent Selbstbehalt, bis 700 Franken pro Jahr; 40 Prozent bei Originalpräparaten, wenn ein günstigeres Generikum existiert. Triptan-Generika etwa 2 bis 8 Franken pro Tablette, bei 4 bis 8 Attacken also etwa 10 bis 60 Franken pro Monat; klassische Prophylaktika etwa 10 bis 40 Franken pro Monat; CGRP-Antikörper Listenpreis etwa 450 bis 600 Franken pro Monat, Botulinumtoxin pro Behandlung (alle 12 Wochen) etwa 500 bis 900 Franken inklusive Injektion
DE
Zuzahlung 10 Prozent der Packung, mindestens 5, höchstens 10 Euro, viele Generika durch Rabattverträge zuzahlungsfrei; Belastungsgrenze 2 Prozent des Bruttoeinkommens (1 Prozent bei chronischer Krankheit). Kassenkosten: Triptan-Generika etwa 1 bis 5 Euro pro Tablette, klassische Prophylaktika etwa 10 bis 30 Euro pro Monat, CGRP-Antikörper etwa 450 bis 700 Euro pro Monat, für Versicherte nur die Zuzahlung. Einzelne Triptane (zum Beispiel Naratriptan, Almotriptan) sind in Kleinpackungen ohne Rezept in der Apotheke erhältlich, dann Selbstzahlung
AT
Rezeptgebühr pro Packung (2025: 7,55 Euro), Befreiung bei geringem Einkommen oder ab 2 Prozent des Jahresnettoeinkommens über die Rezeptgebührenobergrenze; viele Triptan- und Prophylaktika-Generika kosten weniger als die Rezeptgebühr; CGRP-Antikörper Kassenkosten etwa 400 bis 600 Euro pro Monat, für Versicherte nach Bewilligung nur die Rezeptgebühr
Programme
CH
Kein nationales Chronic-Care-Programm für Migräne; Patientenschulungen und Informationsangebote der Schweizerischen Kopfwehgesellschaft (SKG) und der Patientenorganisation Migraine Action; einzelne Spitäler bieten interdisziplinäre Kopfschmerzprogramme an
DE
Kein DMP Migräne; integrierte Versorgungsverträge einzelner Kassen mit Kopfschmerzzentren (multimodale Programme), Präventionskurse zu Entspannung und Bewegung mit Kassenzuschuss (Paragraf 20 SGB V); DiGA M-sense Migräne auf Rezept; Selbsthilfe über die MigräneLiga Deutschland
AT
Kein eigenes Disease-Management-Programm für Migräne; Kopfschmerzambulanzen mit Schulungsangeboten, Gesundheitskurse der ÖGK zu Stressbewältigung und Bewegung; Selbsthilfegruppen über die Österreichische Kopfschmerzgesellschaft und regionale Selbsthilfeverbände
Reha und Hilfsmittel
CH
Stationäre multimodale Schmerztherapie oder Medikamentenpause in Kliniken mit Kostengutsprache; Neuromodulationsgeräte (Cefaly, Nerivio) meist Selbstzahlung, etwa 300 bis 500 Franken bzw. laufende Kosten für Nerivio; Sauerstoff bei Clusterkopfschmerz über die Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL)
DE
Multimodale Schmerztherapie teilstationär oder stationär in Kopfschmerzzentren, medizinische Reha über Renten- oder Krankenversicherung; Neuromodulationsgeräte Kostenübernahme im Einzelfall auf Antrag; Sauerstoff bei Clusterkopfschmerz als Hilfsmittel auf Verordnung
AT
Stationäre Medikamentenpause und multimodale Schmerztherapie in neurologischen Abteilungen; Rehabilitation über die Pensionsversicherung nach Antrag; Neuromodulationsgeräte in der Regel Selbstzahlung; Sauerstoff bei Clusterkopfschmerz nach Bewilligung
Regulierungsbehörde
CH
Swissmedic (Zulassung, Sicherheitsinformationen etwa zu Topiramat und Valproat), BAG (Spezialitätenliste, Limitatio, Preise)
DE
BfArM (Zulassung, Rote-Hand-Briefe, DiGA-Verzeichnis), G-BA (Nutzenbewertung neuer Wirkstoffe, Arzneimittel-Richtlinie), GKV-Spitzenverband (Erstattungsbeträge); EMA für EU-weite Zulassung und Risikobewertung
AT
BASG mit AGES Medizinmarktaufsicht (Zulassung, Sicherheitsinformationen), Dachverband der Sozialversicherungsträger (Erstattungskodex, Bewilligungsregeln); EMA für EU-weite Zulassung

Bei den CGRP-Antikörpern lohnt sich ein genauer Blick auf die Bedingungen, denn hier entstehen die meisten Missverständnisse. In allen drei Ländern sind die Antikörper zugelassen, die Kassen bezahlen sie aber erst, wenn klassische Prophylaktika ausprobiert wurden. Wer die Vortherapien mit Namen, Dosis, Dauer und Grund des Abbruchs dokumentiert und ein Kopfschmerztagebuch über mindestens drei Monate vorlegen kann, beschleunigt die Kostengutsprache in der Schweiz und die chefärztliche Bewilligung in Österreich erheblich. In Deutschland braucht es keine Vorab-Genehmigung der Kasse, die verordnende Praxis muss aber im Fall einer Wirtschaftlichkeitsprüfung belegen können, dass die Voraussetzungen erfüllt waren. Deshalb verlangen Praxen dieselben Unterlagen. Ein zu kurzer Versuch mit einem Betablocker (zum Beispiel vier Wochen in niedriger Dosis) zählt in der Regel nicht als Versagen. Als ausreichend gilt meist eine Behandlung über mindestens zwei bis drei Monate in angemessener Dosis, sofern keine Unverträglichkeit vorher zum Abbruch zwang. Die genauen Vorgaben ändern sich regelmässig. In der Schweiz ist der aktuelle Wortlaut der Limitatio in der Spezialitätenliste des BAG massgeblich, in Deutschland die Arzneimittel-Richtlinie des G-BA und in Österreich der Erstattungskodex.

Die Kosten der Akuttherapie werden oft unterschätzt. Wer an acht Tagen im Monat ein Triptan braucht, liegt bereits nahe an der Grenze zum Übergebrauch. Dann bringt eine Prophylaxe vermutlich mehr als zusätzliche Tabletten. Viele Krankenkassen begrenzen die Packungsgrösse oder die Anzahl Triptan-Tabletten pro Verordnung, und manche Schweizer Kassen fragen bei hohem Verbrauch nach. Das ist ein Anlass für ein Gespräch über die Behandlungsstrategie.

Spezialisten finden

Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Für die weitere Abklärung und für spezielle Therapien ist die Neurologie zuständig, idealerweise eine Praxis oder Klinik mit Schwerpunkt Kopfschmerz. Kopfschmerzzentren arbeiten interdisziplinär mit Neurologie, Schmerzmedizin, Psychologie, Physiotherapie und teils Gynäkologie. Sie bieten multimodale Programme, stationäre oder tagesklinische Medikamentenpausen sowie Studien zu neuen Therapien an.

In der Schweiz führt die Schweizerische Kopfwehgesellschaft (SKG, headache.ch) eine Liste von Kopfwehsprechstunden und Fachärztinnen und Fachärzten mit Kopfschmerzschwerpunkt. Spezialisierte Sprechstunden gibt es unter anderem am Universitätsspital Zürich, am Inselspital Bern, am Universitätsspital Basel, an den Universitätsspitälern Genf und Lausanne sowie an mehreren Kantonsspitälern. Ob eine Überweisung nötig ist, hängt vom Versicherungsmodell ab: Im Hausarzt-, HMO- oder Telmed-Modell muss die Überweisung über die erste Anlaufstelle erfolgen, bei freier Arztwahl ist der direkte Zugang zur Neurologie möglich.

In Deutschland zertifiziert die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG, dmkg.de) Kopfschmerzzentren in drei Stufen, von der spezialisierten Praxis bis zum überregionalen Zentrum, und stellt eine Suchfunktion bereit. Bekannte überregionale Zentren befinden sich unter anderem in Kiel, Essen, Berlin (Charité), München und Rostock. Für Neurologinnen und Neurologen ist in Deutschland keine Überweisung zwingend, die Wartezeiten sind aber oft lang. Die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen (Telefon 116 117) vermitteln mit Überweisung und Dringlichkeitscode einen Facharzttermin innerhalb von vier Wochen.

In Österreich listet die Österreichische Kopfschmerzgesellschaft (ÖKSG, oeksg.at) Kopfschmerzambulanzen und Spezialistinnen und Spezialisten. Kopfschmerzambulanzen bestehen an den Universitätskliniken in Wien, Graz und Innsbruck sowie an mehreren Landeskliniken. Für Spitalsambulanzen ist meist eine Zuweisung durch die Hausärztin oder den Hausarzt oder durch eine niedergelassene Neurologin oder einen niedergelassenen Neurologen nötig.

Bei Clusterkopfschmerz, chronischer Migräne und Übergebrauch von Opioiden empfiehlt sich direkt ein Kopfschmerzzentrum, weil dort Sauerstofftherapie, Botulinumtoxin, CGRP-Medikamente und stationäre Medikamentenpausen aus einer Hand angeboten werden. Für Kinder und Jugendliche mit Migräne sind neuropädiatrische Sprechstunden an Kinderspitälern zuständig.

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Studien & Updates

Aktuelle Evidenz

Aktuelle Evidenz

Seit 2017 hat sich die Migränebehandlung stärker verändert als in den zwanzig Jahren davor. Mit den CGRP-Antikörpern und den Gepanten gibt es erstmals Medikamente, die gezielt für die Migräne entwickelt wurden, statt aus der Herz-, Epilepsie- oder Depressionsbehandlung übernommen zu werden. Die Einträge unten fassen die Zulassungsstudien, die deutsche Leitlinie und die globalen Krankheitslastdaten zusammen. Die Zahlen stammen aus den Originalpublikationen. Sie beschreiben Durchschnitte: Manche Menschen haben unter einem Antikörper fast keine Attacken mehr, andere merken keinen Unterschied zum Placebo.

StudieNEJM, 2017-11

STRIVE: Erenumab bei episodischer Migräne

955 Erwachsene mit vier bis 14 Migränetagen pro Monat (im Mittel etwa acht) erhielten sechs Monate lang einmal monatlich Erenumab (Aimovig) 70 mg, 140 mg oder Placebo als Spritze unter die Haut. In den Monaten vier bis sechs sank die Zahl der Migränetage um 3,2 (70 mg) beziehungsweise 3,7 Tage (140 mg), unter Placebo um 1,8 Tage. Eine Halbierung der Migränetage erreichten 43 und 50 Prozent der Behandelten gegenüber 27 Prozent unter Placebo. Nebenwirkungen traten in der Studie nicht häufiger auf als unter Placebo; nach der Zulassung kamen Verstopfung und Blutdruckanstieg als bekannte Nebenwirkungen in die Produktinformation.

StudieNEJM, 2017-11

HALO: Fremanezumab bei chronischer Migräne

1130 Personen mit chronischer Migräne bekamen über zwölf Wochen Fremanezumab (Ajovy) entweder vierteljährlich (einmal 675 mg) oder monatlich (675 mg zum Start, danach 225 mg) oder Placebo. Die Zahl der Tage mit mindestens mittelstarkem Kopfschmerz ging um 4,3 (vierteljährlich) und 4,6 Tage (monatlich) zurück, unter Placebo um 2,5 Tage. Mindestens halbiert hatten sich die Kopfschmerztage bei 38 und 41 Prozent gegenüber 18 Prozent unter Placebo. Häufigste Nebenwirkung waren Rötung und Schmerz an der Einstichstelle. Die Möglichkeit, nur alle drei Monate zu spritzen, ist für manche Betroffene im Alltag der entscheidende Punkt.

StudieJAMA Neurol, 2018-09

EVOLVE-1: Galcanezumab bei episodischer Migräne

858 Erwachsene mit vier bis 14 Migränetagen pro Monat (im Mittel etwa neun) erhielten sechs Monate lang monatlich Galcanezumab (Emgality) 120 mg nach einer Startdosis von 240 mg, durchgehend 240 mg oder Placebo. Die Migränetage nahmen um 4,7 und 4,6 Tage ab, unter Placebo um 2,8 Tage. Eine mindestens 50-prozentige Reduktion erreichten etwa 62 und 61 Prozent gegenüber 39 Prozent unter Placebo. Die hohe Placeborate ist typisch für Migränestudien und erklärt, warum ein Teil der Besserung im Alltag nicht dem Medikament allein zuzuschreiben ist. Die Parallelstudie EVOLVE-2 (Cephalalgia 2018) bestätigte das Ergebnis.

StudieNEJM, 2019-07 und Lancet, 2021-01

Rimegepant: ein Wirkstoff für Attacke und Vorbeugung

In der Akutstudie (NEJM 2019) nahmen 1186 Erwachsene bei einer mittelstarken bis starken Attacke einmalig 75 mg Rimegepant (Vydura) oder Placebo. Nach zwei Stunden waren 19,6 Prozent schmerzfrei gegenüber 12,0 Prozent unter Placebo, das am stärksten belastende Begleitsymptom (Übelkeit, Licht- oder Lärmempfindlichkeit) war bei 37,6 gegenüber 25,2 Prozent verschwunden. In der Prophylaxestudie (Lancet 2021) nahmen 747 Personen mit vier bis 18 Attacken pro Monat zwölf Wochen lang jeden zweiten Tag 75 mg Rimegepant oder Placebo. In den Wochen neun bis zwölf sanken die Migränetage um 4,3 gegenüber 3,5 Tagen, ein Unterschied von knapp einem Tag; 49 gegenüber 41 Prozent erreichten eine Halbierung. Rimegepant verengt keine Gefässe und ist deshalb auch für Menschen eine Option, die wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen keine Triptane nehmen dürfen.

StudieNEJM, 2021-08

ADVANCE: Atogepant als tägliche Tablette zur Vorbeugung

910 Erwachsene mit vier bis 14 Migränetagen pro Monat erhielten zwölf Wochen lang täglich Atogepant (Aquipta) 10, 30 oder 60 mg oder Placebo. Die Migränetage sanken um 3,7, 3,9 und 4,2 Tage, unter Placebo um 2,5 Tage. Eine Halbierung erreichten 56 bis 61 Prozent der Behandelten gegenüber 29 Prozent unter Placebo. Häufigste Nebenwirkungen waren Verstopfung und Übelkeit, jeweils bei etwa 4 bis 8 Prozent. ADVANCE war die erste grosse Studie, die zeigte, dass ein Gepant als Tablette ähnlich vorbeugend wirken kann wie die Antikörper als Spritze; ein direkter Vergleich beider Ansätze fehlt allerdings.

StudieCephalalgia, 2010

PREEMPT 1 und 2: Botulinumtoxin bei chronischer Migräne

In zwei Studien mit zusammen 1384 Erwachsenen mit chronischer Migräne wurde Onabotulinumtoxin A (Botox) alle zwölf Wochen an 31 bis 39 festgelegten Punkten in Stirn-, Schläfen-, Hinterkopf-, Nacken- und Schultermuskulatur gespritzt (155 bis 195 Einheiten). Nach 24 Wochen hatten die Behandelten in der gepoolten Auswertung im Mittel 8,4 Kopfschmerztage pro Monat weniger, unter Placebo-Spritzen 6,6 Tage weniger, ausgehend von etwa 20 Kopfschmerztagen. Der Unterschied ist bescheiden, für die Zulassung bei chronischer Migräne aber ausreichend. Nebenwirkungen waren Nackenschmerzen, Muskelschwäche im Nacken und gelegentlich ein hängendes Augenlid. Bei episodischer Migräne wirkt Botulinumtoxin nicht.

StudieDGN/DMKG, 2022

S1-Leitlinie "Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne"

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie hat die Leitlinie 2022 gemeinsam mit der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft neu gefasst; sie wird auch in der Schweiz und in Österreich als Referenz genutzt. Eine Prophylaxe ist angezeigt, wenn die Attacken die Lebensqualität deutlich einschränken, etwa bei drei oder mehr belastenden Attacken pro Monat, bei Attacken über 72 Stunden, bei ungenügender Wirkung der Akutmittel oder bei drohendem Medikamentenübergebrauch. Mittel der ersten Wahl bleiben Betablocker (Propranolol, Metoprolol), Flunarizin, Amitriptylin und Topiramat, bei chronischer Migräne auch Onabotulinumtoxin A; die CGRP-Antikörper kommen vor allem dann zum Zug, wenn diese Substanzen nicht wirken, nicht vertragen werden oder nicht eingesetzt werden dürfen. Valproinsäure soll bei Frauen im gebärfähigen Alter nicht verwendet werden. Als Erfolg gilt eine Reduktion der Migränetage um etwa 50 Prozent bei episodischer und um etwa 30 Prozent bei chronischer Migräne. Ausdauersport, Entspannungsverfahren und Verhaltenstherapie sind gleichwertiger Teil der Prophylaxe und werden mit Medikamenten kombiniert.

StudieLancet Neurol, 2018-11

Global Burden of Disease: Migräne als zweithäufigste Ursache für Lebensjahre mit Behinderung

Die GBD-Auswertung für 2016 schätzte, dass weltweit etwa 1,04 Milliarden Menschen an Migräne leiden. Die altersstandardisierte Häufigkeit lag bei 14,4 Prozent, bei Frauen bei 18,9 und bei Männern bei 9,8 Prozent. Migräne verursachte rund 45 Millionen Lebensjahre mit Behinderung und lag damit unter allen Erkrankungen weltweit auf Rang zwei. In einer Folgeauswertung derselben Daten (J Headache Pain, 2020) stand Migräne bei Frauen zwischen 15 und 49 Jahren an erster Stelle. Die Zahlen erklären, warum Migräne trotz fehlender Sterblichkeit gesundheitspolitisch ernst genommen wird: Sie trifft Menschen im Ausbildungs-, Berufs- und Familienalter.

Behörden-Update

UpdateEMA/PRAC, 2023

Topiramat: Schwangerschaftsverhütungsprogramm

Der Pharmakovigilanzausschuss PRAC der Europäischen Arzneimittelagentur hat 2023 neue Massnahmen für Topiramat empfohlen. Grundlage waren Beobachtungsstudien, die bei Kindern von Müttern mit Topiramat in der Schwangerschaft neben dem bekannten Risiko für Fehlbildungen und vermindertes Wachstum auch ein möglicherweise erhöhtes Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen wie Autismus-Spektrum-Störungen und geistige Behinderung zeigten. Für die Migräneprophylaxe gilt seither: Topiramat ist in der Schwangerschaft kontraindiziert und darf bei Frauen im gebärfähigen Alter nur mit hochwirksamer Verhütung eingesetzt werden; vor Beginn ist ein Schwangerschaftstest vorgesehen, dazu eine jährliche Überprüfung der Behandlung und schriftliches Informationsmaterial für Patientinnen. Wer Topiramat einnimmt und schwanger werden möchte, soll das vorher mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen und das Medikament nicht abrupt absetzen.

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FAQ, Glossar & Downloads

Häufige Fragen

Ist Migräne gefährlich?+

Für die allermeisten Betroffenen nicht im Sinne bleibender Schäden. Eine Attacke kann sich anfühlen, als sei im Kopf etwas Schlimmes passiert, aber das Gehirn nimmt dabei keinen Schaden. Belastend ist Migräne vor allem durch die verlorenen Tage, die Angst vor der nächsten Attacke und das Risiko, zu viele Schmerzmittel zu nehmen. Eine Ausnahme betrifft die Migräne mit Aura: Sie ist in grossen Auswertungen mit einem etwa doppelt so hohen Risiko für einen Hirninfarkt verbunden. Das absolute Risiko bleibt bei jungen Menschen klein, steigt aber durch Rauchen und östrogenhaltige Verhütungsmittel deutlich. Wer Aura hat und raucht oder die Pille nimmt, sollte das ärztlich besprechen. Eine Attacke über 72 Stunden (Status migraenosus) braucht ärztliche Hilfe.

Wann sind Kopfschmerzen ein Notfall?+

Rufen Sie sofort den Notruf (CH 144, DE 112, AT 144) bei einem Kopfschmerz, der wie ein Donnerschlag innert Sekunden bis einer Minute seine volle Stärke erreicht, bei dem "schlimmsten Kopfschmerz meines Lebens", bei Lähmungen, Sprachstörungen, Verwirrtheit, Krampfanfall oder Bewusstseinstrübung. Ebenso dringend sind Kopfschmerzen mit Fieber und Nackensteifigkeit, nach einem Sturz oder Schlag auf den Kopf und unter blutverdünnenden Medikamenten. Rasch ärztlich abklären lassen sollten Sie neue Kopfschmerzen ab etwa 50 Jahren, einen deutlich veränderten Verlauf bekannter Kopfschmerzen, neue Kopfschmerzen in Schwangerschaft oder Wochenbett, eine Aura, die länger als eine Stunde dauert, und Kopfschmerzen, die beim Pressen, Husten oder im Liegen zunehmen. Wer seine Migräne kennt und eine typische Attacke hat, braucht keinen Notfall.

Wie oft darf ich Schmerzmittel nehmen?+

Als Faustregel gilt die 10-20-Regel: an höchstens zehn Tagen pro Monat Akutmittel, an mindestens 20 Tagen keine, und nicht an mehr als drei Tagen hintereinander. Der Hintergrund ist der Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch (MOH). Nach der internationalen Klassifikation ICHD-3 liegt das Risiko bei Triptanen, Kombinationspräparaten, Mutterkornalkaloiden und Opioiden ab zehn Einnahmetagen pro Monat, bei einfachen Schmerzmitteln wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure ab 15 Tagen, jeweils über mehr als drei Monate. Gezählt werden Tage, nicht Tabletten: Zwei Tabletten am selben Tag sind ein Einnahmetag. Wer regelmässig an diese Grenzen kommt, braucht keine strengere Selbstdisziplin, sondern eine Prophylaxe. Der Schmerzmittel-Zähler unten hilft beim Überblick.

Helfen Magnesium und Riboflavin?+

Ein wenig, bei manchen. Beide gelten in der deutschen Leitlinie als mögliche Ergänzung mit schwacher Studienlage, nicht als Ersatz für eine wirksame Prophylaxe. Für Riboflavin (Vitamin B2) in einer Dosis von 400 mg täglich zeigte eine kleine Placebo-kontrollierte Studie von 1998 mit 55 Teilnehmenden einen Rückgang der Attackenhäufigkeit; grössere Studien fehlen. Magnesium wird meist in Dosen von etwa 400 bis 600 mg pro Tag eingesetzt, die Ergebnisse der Studien sind uneinheitlich. Häufigste Nebenwirkung von Magnesium ist Durchfall, Riboflavin färbt den Urin intensiv gelb, was harmlos ist. Beide brauchen etwa drei Monate, bis sich eine Wirkung beurteilen lässt. Bei Nierenerkrankungen Magnesium nur nach Rücksprache. In der Schwangerschaft gehört Magnesium zu den wenigen verträglichen Optionen.

Welche Trigger gibt es wirklich?+

Am besten belegt sind unregelmässiger Schlaf (zu wenig, aber auch Ausschlafen am Wochenende), ausgelassene Mahlzeiten, der Abfall des Östrogenspiegels vor der Menstruation, Stress und vor allem die Entspannung danach, dazu bei manchen Menschen Alkohol. Wetterumschwünge werden oft genannt, in Studien ist der Zusammenhang schwächer als erlebt. Schokolade ist in kontrollierten Versuchen kein Auslöser: Der Heisshunger auf Süsses gehört oft zur Vorbotenphase, die Attacke war also schon unterwegs. Viele angebliche Trigger lösen nur zusammen mit anderen Faktoren oder an manchen Tagen eine Attacke aus. Strikte Vermeidungslisten führen deshalb selten zum Ziel und machen den Alltag eng. Sinnvoller ist ein Tagebuch über zwei bis drei Monate und danach ein regelmässiger Tagesrhythmus.

Bekomme ich die Antikörper-Spritze bezahlt?+

In allen drei Ländern ja, aber nicht von Anfang an. In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung die CGRP-Antikörper nur mit Kostengutsprache der Krankenkasse nach Prüfung durch den Vertrauensarzt. Verschreiben dürfen Fachärztinnen und Fachärzte für Neurologie, vorausgesetzt werden unter anderem eine Mindestzahl an Migränetagen und eine ungenügende Wirkung oder Unverträglichkeit mehrerer klassischer Prophylaktika; nach einigen Monaten wird überprüft, ob die Migränetage deutlich zurückgegangen sind. In Deutschland verordnen meist Neurologinnen und Neurologen zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung, in der Regel wenn die klassischen Prophylaktika nicht gewirkt haben, nicht vertragen wurden oder nicht infrage kommen. In Österreich ist eine chefärztliche Bewilligung der Krankenkasse nötig. Ohne Kostenübernahme kostet die Behandlung mehrere hundert Franken oder Euro pro Monat.

Hört Migräne in den Wechseljahren auf?+

Oft wird sie danach besser, vorher aber häufig schlimmer. In der Perimenopause schwankt der Östrogenspiegel stark, und genau diese Schwankungen lösen bei vielen Frauen Attacken aus; manche erleben in diesen Jahren die schwierigste Phase ihrer Migräne. Ist die letzte Menstruation ein bis zwei Jahre vorbei, bessert sich die Migräne bei einem grossen Teil der Frauen, besonders wenn die Attacken früher an den Zyklus gebunden waren. Nach einer operativen Entfernung der Eierstöcke ist eine Besserung seltener. Eine Hormonersatztherapie ist bei Migräne möglich, bevorzugt mit Östrogen über die Haut (Pflaster oder Gel) in niedriger, gleichmässiger Dosis, auch bei Migräne mit Aura. Wer neu eine Aura bekommt, sollte das abklären lassen.

Ist das Migräne oder Spannungskopfschmerz?+

Migräne ist meist einseitig, pochend oder pulsierend, mittelstark bis stark, wird bei körperlicher Aktivität wie Treppensteigen schlimmer und kommt mit Übelkeit oder Licht- und Lärmempfindlichkeit. Eine Attacke dauert unbehandelt vier bis 72 Stunden. Spannungskopfschmerz ist beidseitig, drückend oder ziehend wie ein Band um den Kopf, leicht bis mittelstark, Bewegung macht ihn nicht schlimmer, Übelkeit gehört nicht dazu. Viele Menschen haben beides, und die Grenzen verschwimmen, besonders bei leichteren Migräneattacken. Die Unterscheidung ist wichtig, weil Triptane bei Spannungskopfschmerz nicht wirken. Ein Kopfschmerztagebuch über einige Wochen zeigt der Ärztin oder dem Arzt meist schneller, worum es geht, als jede Beschreibung aus dem Gedächtnis.

Wie schnell wirken die Antikörper, und wie lange brauche ich sie?+

Viele Menschen merken bereits im ersten Monat eine Veränderung, bei anderen setzt die Wirkung erst nach zwei bis drei Monaten ein. Deshalb wird der Erfolg in der Regel nach drei Monaten beurteilt, bei chronischer Migräne teils später. Etwa ein Drittel bis die Hälfte der Behandelten erreicht in den Studien eine Halbierung der Migränetage, ein Teil spricht kaum an. Wer auf einen Antikörper nicht anspricht, kann manchmal von einem anderen profitieren, etwa vom Wechsel von einem Rezeptor- zu einem Ligand-Antikörper. Die Leitlinie empfiehlt, nach einer Behandlungszeit von in der Regel sechs bis zwölf Monaten eine Pause zu prüfen, um zu sehen, ob die Prophylaxe noch nötig ist. Bei manchen bleibt die Besserung, andere brauchen die Spritze wieder.

Was darf ich in der Schwangerschaft nehmen?+

Viele Frauen erleben eine Besserung ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, vor allem bei Migräne ohne Aura. Für Attacken gilt Paracetamol als erste Wahl; Ibuprofen ist im ersten und zweiten Drittel nach Rücksprache möglich, ab der 28. Woche aber verboten. Zu Sumatriptan gibt es grosse Schwangerschaftsregister ohne Hinweis auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko, es kann nach ärztlicher Abwägung eingesetzt werden. Für die Vorbeugung kommen Magnesium, Entspannungsverfahren und in ausgewählten Fällen Propranolol oder Metoprolol infrage. Topiramat und Valproinsäure sind tabu, CGRP-Antikörper und Gepante werden mangels Daten nicht empfohlen und sollten bei Kinderwunsch rechtzeitig abgesetzt werden. Planen Sie die Umstellung vor der Schwangerschaft gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Glossar

Aura
Vorübergehende neurologische Störung vor oder zu Beginn einer Migräneattacke, bei etwa einem Viertel bis einem Drittel der Betroffenen. Am häufigsten sind Sehstörungen wie flimmernde Zickzacklinien oder Gesichtsfeldausfälle, seltener Kribbeln, Taubheit oder Sprachstörungen; die Symptome breiten sich langsam aus und dauern je fünf bis 60 Minuten.
Migräne ohne Aura
Die häufigste Form. Nach ICHD-3 mindestens fünf Attacken von vier bis 72 Stunden, mit mindestens zwei der Merkmale einseitig, pulsierend, mittelstark bis stark, Verstärkung durch Bewegung, dazu Übelkeit oder Licht- und Lärmempfindlichkeit.
Chronische Migräne
Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen pro Monat über mehr als drei Monate, davon an mindestens acht Tagen mit Migränemerkmalen oder mit Ansprechen auf ein Migränemittel. Etwa 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung sind betroffen, oft zusammen mit einem Medikamentenübergebrauch.
Triptan
Migränespezifisches Akutmittel, das an Serotoninrezeptoren (5-HT1B/1D) wirkt, etwa Sumatriptan, Rizatriptan, Zolmitriptan, Eletriptan, Naratriptan, Almotriptan und Frovatriptan. Triptane verengen Gefässe leicht und sind deshalb bei koronarer Herzkrankheit, nach Schlaganfall und bei unkontrolliertem Bluthochdruck nicht erlaubt.
Gepant
Tablette, die den CGRP-Rezeptor blockiert, ohne Gefässe zu verengen. Rimegepant wird zur Akutbehandlung und zur Vorbeugung eingesetzt, Atogepant zur Vorbeugung.
Ditan
Akutmittel, das am Serotoninrezeptor 5-HT1F ansetzt und keine Gefässverengung auslöst. Einziger Vertreter ist Lasmiditan (Rayvow); wegen Schwindel und Müdigkeit darf man nach der Einnahme mindestens acht Stunden nicht Auto fahren.
CGRP
Calcitonin Gene-Related Peptide, ein Botenstoff des Trigeminusnervs, der während einer Attacke vermehrt ausgeschüttet wird und Entzündung und Schmerz an den Hirnhautgefässen fördert. Erenumab blockiert seinen Rezeptor, Fremanezumab, Galcanezumab und Eptinezumab fangen den Botenstoff selbst ab.
MOH
Medication Overuse Headache, Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch. Entsteht bei Menschen mit vorbestehenden Kopfschmerzen, die über mehr als drei Monate an zehn (Triptane, Kombinationspräparate, Opioide) oder 15 Tagen (einfache Schmerzmittel) pro Monat Akutmittel nehmen; Behandlung ist die Pause oder Reduktion der Akutmittel zusammen mit einer Prophylaxe.
Prophylaxe
Vorbeugende Dauerbehandlung, die Häufigkeit, Dauer und Stärke der Attacken senken soll. Dazu gehören Medikamente wie Betablocker, Amitriptylin, Topiramat, Flunarizin, Botulinumtoxin und CGRP-Antikörper sowie Ausdauersport, Entspannungsverfahren und Verhaltenstherapie.
Clusterkopfschmerz
Seltene, eigenständige Kopfschmerzform mit streng einseitigen, sehr starken Attacken um Auge oder Schläfe von 15 bis 180 Minuten, oft mehrmals täglich in wochenlangen Episoden. Typisch sind tränendes, gerötetes Auge, laufende Nase und starke Unruhe; Akutbehandlung mit reinem Sauerstoff oder Sumatriptan als Spritze, nicht mit Migränetabletten.
Spannungskopfschmerz
Häufigste Kopfschmerzform überhaupt: beidseitig, drückend, leicht bis mittelstark, ohne Verstärkung durch Bewegung und ohne Übelkeit. Gelegentlicher Spannungskopfschmerz spricht auf einfache Schmerzmittel an, die chronische Form wird vorbeugend behandelt, etwa mit Amitriptylin.
Migränetag
Kalendertag mit Migränekopfschmerz. In Studien und bei Kostengutsprachen wird er genau definiert, meist ab einer Mindestdauer von 30 Minuten bis vier Stunden oder wenn ein migränespezifisches Akutmittel genommen wurde. Die Zahl der Migränetage pro Monat ist das wichtigste Mass für den Erfolg einer Prophylaxe.

Downloads & Tools

Rechner 1: MIDAS-Fragebogen

Rechner 1

Migräne-Beeinträchtigung nach MIDAS (Migraine Disability Assessment, nach Stewart und Lipton)

Fünf Fragen, jeweils als Anzahl Tage in den letzten drei Monaten (Zahlenfeld 0 bis 90).

Zusatzfragen ohne Einfluss auf den Punktwert

Auswertung

Beantworten Sie alle fünf Fragen, um Ihren MIDAS-Punktwert zu sehen.

0 von 5 Fragen beantwortet

MIDAS misst die Beeinträchtigung im Alltag, nicht die Diagnose und nicht die Schmerzstärke. Wer nicht berufstätig ist, erreicht bei den Fragen 1 und 2 systematisch tiefere Werte, obwohl die Belastung gleich hoch sein kann. Die Angaben aus dem Gedächtnis sind über drei Monate ungenau; ein Kopfschmerztagebuch verbessert die Schätzung. Der Fragebogen ist für Erwachsene entwickelt, für Kinder gibt es eine eigene Version (PedMIDAS), die der Rechner nicht abbildet.

Eingaben, Formeln, Interpretationsgrenzen

Name: Migräne-Beeinträchtigung nach MIDAS (Migraine Disability Assessment, nach Stewart und Lipton)

Eingaben: Fünf Fragen, jeweils als Anzahl Tage in den letzten drei Monaten (Zahlenfeld 0 bis 90).

  1. An wie vielen Tagen haben Sie wegen Kopfschmerzen bei der Arbeit oder in der Ausbildung gefehlt?
  2. An wie vielen Tagen war Ihre Leistungsfähigkeit bei der Arbeit oder in der Ausbildung wegen Kopfschmerzen um die Hälfte oder mehr eingeschränkt? (Tage aus Frage 1 nicht mitzählen)
  3. An wie vielen Tagen konnten Sie wegen Kopfschmerzen keine Hausarbeit verrichten?
  4. An wie vielen Tagen war Ihre Leistungsfähigkeit bei der Hausarbeit um die Hälfte oder mehr eingeschränkt? (Tage aus Frage 3 nicht mitzählen)
  5. An wie vielen Tagen haben Sie wegen Kopfschmerzen auf Aktivitäten in Familie, Freizeit oder mit Freunden verzichtet?

Zusatzfragen ohne Einfluss auf den Punktwert: A) An wie vielen Tagen hatten Sie in den letzten drei Monaten Kopfschmerzen? B) Wie stark waren die Kopfschmerzen im Durchschnitt auf einer Skala von 0 bis 10?

Formel: MIDAS-Punktwert = Summe der Tage aus den Fragen 1 bis 5. Plausibilitätsprüfung: Liegt die Summe von Frage 1 und 2 oder von Frage 3 und 4 über 90, zeigt der Rechner einen Hinweis an.

Ausgabe: Punktwert und Grad.

  • Grad I (0 bis 5 Punkte): keine oder geringe Beeinträchtigung
  • Grad II (6 bis 10 Punkte): leichte Beeinträchtigung
  • Grad III (11 bis 20 Punkte): mittlere Beeinträchtigung
  • Grad IV (ab 21 Punkte): schwere Beeinträchtigung

Dazu eine Einordnung: Ab Grad III ist eine Prophylaxe in der Regel ein Thema für das nächste Arztgespräch; bei Grad I und II mit gut wirksamen Akutmitteln reicht oft die Optimierung der Akutbehandlung. Die Antworten A und B erscheinen neben dem Ergebnis, weil sie für die Ärztin oder den Arzt wichtig sind. Der Rechner speichert auf Wunsch frühere Ergebnisse, damit sich der Verlauf vor und unter einer Prophylaxe vergleichen lässt.

Interpretationsgrenzen: MIDAS misst die Beeinträchtigung im Alltag, nicht die Diagnose und nicht die Schmerzstärke. Wer nicht berufstätig ist, erreicht bei den Fragen 1 und 2 systematisch tiefere Werte, obwohl die Belastung gleich hoch sein kann. Die Angaben aus dem Gedächtnis sind über drei Monate ungenau; ein Kopfschmerztagebuch verbessert die Schätzung. Der Fragebogen ist für Erwachsene entwickelt, für Kinder gibt es eine eigene Version (PedMIDAS), die der Rechner nicht abbildet.

Rechner 2: Schmerzmittel-Zähler mit MOH-Warnung

Rechner 2

Einnahmetage-Zähler

Tippen Sie für jeden Tag an, aus welcher Gruppe Sie ein Akutmittel genommen haben. Mehrere Tabletten derselben Gruppe am selben Tag zählen als ein Einnahmetag.

TagEinfache SchmerzmittelTriptaneKombinationspräparateOpioide und MutterkornalkaloideGepante und Ditane
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30
31
Kopfschmerzen an 15 oder mehr Tagen pro Monat?
Wird nur angezeigt, nicht geprüft.

Auswertung

Tippen Sie im Kalender die Tage mit Akutmitteln an. Die Ampel und die Balken für die letzten vier Monate erscheinen hier.

Der Zähler zeigt ein Risiko, er stellt keine Diagnose. Ein MOH setzt nach ICHD-3 zusätzlich Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen pro Monat bei vorbestehender Kopfschmerzerkrankung voraus, was der Rechner nur abfragt, nicht prüft. Akutmittel, die wegen anderer Beschwerden wie Rückenschmerzen oder Regelschmerzen genommen werden, zählen für das Gehirn mit und gehören deshalb ebenfalls in den Kalender. Opioide und Barbiturate können schon bei weniger Einnahmetagen problematisch sein. Ein Entzug von Opioiden, Schlaf- oder Beruhigungsmitteln gehört immer in ärztliche Begleitung.

Eingaben, Formeln, Interpretationsgrenzen

Name: Einnahmetage-Zähler

Eingaben: Ein Monatskalender, in dem Nutzende für jeden Tag die eingenommenen Akutmittel antippen, getrennt nach Gruppe:

  • Einfache Schmerzmittel: Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac, Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Metamizol
  • Triptane
  • Kombinationspräparate (etwa Acetylsalicylsäure plus Paracetamol plus Coffein)
  • Opioide und Mutterkornalkaloide
  • Gepante und Ditane, separat erfasst

Mehrere Tabletten derselben Gruppe am selben Tag zählen als ein Einnahmetag. Die Daten können aus dem Kopfschmerztagebuch übernommen werden.

Formel und Logik:

  • Pro Kalendermonat zählt der Rechner die Einnahmetage je Gruppe.
  • Gruppe A: Triptane, Kombinationspräparate, Opioide, Mutterkornalkaloide; Schwelle 10 Tage pro Monat.
  • Gruppe B: einfache Schmerzmittel; Schwelle 15 Tage pro Monat.
  • Zusätzlich zählt er die Tage mit irgendeinem Akutmittel aus mehreren Gruppen zusammen; nach ICHD-3 gilt auch eine Kombination verschiedener Gruppen ab zehn Tagen pro Monat als Übergebrauch, wenn keine einzelne Gruppe ihre Schwelle erreicht.
  • Die Ampel richtet sich nach dem ungünstigsten Wert:
  • Grün: Gruppe A unter 8 Tagen, Gruppe B unter 12 Tagen und alle Akutmittel zusammen unter 8 Tagen.
  • Gelb: Gruppe A 8 oder 9 Tage, Gruppe B 12 bis 14 Tage oder alle zusammen 8 oder 9 Tage. Die gelbe Zone ist eine redaktionelle Vorwarnung, keine Grenze der Klassifikation.
  • Rot: Gruppe A ab 10 Tagen, Gruppe B ab 15 Tagen oder alle zusammen ab 10 Tagen.
  • Ein zweiter Zähler markiert, wenn an mehr als drei aufeinanderfolgenden Tagen Akutmittel genommen wurden.
  • Gepante und Ditane zeigt der Rechner separat ohne Ampel an, weil die Schwellen der ICHD-3 für sie nicht festgelegt sind.

Ausgabe: Die Einnahmetage je Gruppe für den laufenden Monat und die letzten drei Monate als Balken, dazu die Ampelfarbe. Bei Gelb erscheint der Hinweis, dass die Grenze bald erreicht ist und eine Prophylaxe besprochen werden sollte. Bei Rot in einem Monat erscheint der Hinweis, das Tagebuch zur nächsten Konsultation mitzunehmen. Bei Rot in drei aufeinanderfolgenden Monaten zeigt der Rechner den Hinweis, dass die Kriterien für einen Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch erfüllt sein könnten, und empfiehlt ein zeitnahes ärztliches Gespräch, ausdrücklich ohne Aufforderung, die Mittel eigenmächtig abzusetzen.

Interpretationsgrenzen: Der Zähler zeigt ein Risiko, er stellt keine Diagnose. Ein MOH setzt nach ICHD-3 zusätzlich Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen pro Monat bei vorbestehender Kopfschmerzerkrankung voraus, was der Rechner nur abfragt, nicht prüft. Akutmittel, die wegen anderer Beschwerden wie Rückenschmerzen oder Regelschmerzen genommen werden, zählen für das Gehirn mit und gehören deshalb ebenfalls in den Kalender. Opioide und Barbiturate können schon bei weniger Einnahmetagen problematisch sein. Ein Entzug von Opioiden, Schlaf- oder Beruhigungsmitteln gehört immer in ärztliche Begleitung.

Newsletter

Einmal im Monat fassen wir zusammen, was sich bei Migränestudien, Leitlinien, Zulassungen und Kostengutsprachen in der Schweiz, Deutschland und Österreich getan hat, ohne Werbung. Dazu bekommen Sie das Kopfschmerztagebuch und die Fragenliste als Druckvorlage und einen Hinweis, wenn wir einen der Rechner anpassen.

Diese Inhalte ersetzen keine medizinische Beratung.

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