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Angst- und
Panikstörungen

Angst- und Panikstörungen: Wirkstoffe, Psychotherapie mit Exposition, Erfahrungsberichte, Versorgung in der Schweiz, Deutschland und Österreich, GAD-7-Selbsttest und Druckvorlagen.

Stand Oktober 2026

Wirkstoffe

Wirkstoffe im Überblick

Angststörungen sind die häufigsten psychischen Erkrankungen im deutschsprachigen Raum. In Deutschland erfüllen innerhalb eines Jahres etwa 15 Prozent der Erwachsenen die Kriterien einer Angststörung (Studie DEGS1-MH des Robert Koch-Instituts), für die Schweiz und Österreich liegen die Schätzungen in einer ähnlichen Grössenordnung. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Viele Menschen warten Jahre, bis sie Hilfe suchen, oft nach mehreren Notfallbesuchen wegen Herzrasen, bei denen "nichts gefunden" wurde. Dabei sprechen Angststörungen gut auf Behandlung an.

Unter dem Begriff fasst die Medizin mehrere Formen zusammen, die sich im Alltag sehr unterschiedlich anfühlen:

  • Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie: wiederkehrende, unerwartete Panikattacken mit Herzrasen, Atemnot, Schwindel und Todesangst, die nach etwa 10 bis 30 Minuten abklingen. Aus der Angst vor der nächsten Attacke entsteht häufig die Agoraphobie: Betroffene meiden Orte, an denen Flucht oder Hilfe schwierig wäre, etwa Zug, Supermarkt, Menschenmengen oder Brücken.
  • Generalisierte Angststörung (GAS): anhaltende, schwer kontrollierbare Sorgen über Gesundheit, Familie, Arbeit oder Geld, an den meisten Tagen über mindestens sechs Monate, begleitet von Anspannung, Schlafstörungen, Reizbarkeit und Konzentrationsproblemen.
  • Soziale Phobie (soziale Angststörung): ausgeprägte Angst, von anderen negativ bewertet zu werden, etwa beim Sprechen in Sitzungen, beim Essen vor anderen oder beim Telefonieren. Sie beginnt oft im Jugendalter.
  • Spezifische Phobien: Angst vor klar umrissenen Situationen oder Objekten wie Höhe, Spinnen, Spritzen, Blut, Fliegen oder Zahnbehandlung.

Die Kernfakten zur Behandlung:

  • Mittel der ersten Wahl ist laut S3-Leitlinie "Behandlung von Angststörungen" (AWMF, Version 2021) die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), bei Panikstörung, Agoraphobie und spezifischer Phobie mit Exposition. Bei spezifischen Phobien reicht Psychotherapie in aller Regel allein, Medikamente werden dort nicht empfohlen.
  • Medikamente sind eine gleichwertige Alternative, wenn Betroffene sie bevorzugen oder Psychotherapie nicht verfügbar ist, und eine Ergänzung bei schwerer Ausprägung, Begleitdepression oder ungenügendem Ansprechen. Erste Wahl sind selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und die Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) Venlafaxin und Duloxetin.
  • Anwendungsform: Tabletten oder Kapseln, meist einmal täglich. Die Wirkung setzt nach etwa zwei bis sechs Wochen ein, die volle Wirkung oft erst nach acht bis zwölf Wochen. Nach Besserung empfiehlt die Leitlinie, die Medikation noch sechs bis zwölf Monate weiterzuführen und dann langsam auszuschleichen.
  • Erwarteter Effekt: In Studien sprechen etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Behandelten auf ein SSRI oder SNRI an, das heisst, die Angstsymptome nehmen um mindestens die Hälfte ab. Unter Placebo sind es etwa 30 bis 40 Prozent. Vollständige Beschwerdefreiheit erreicht ein kleinerer Teil. Wie gut jemand auf ein bestimmtes Medikament anspricht, lässt sich vorher nicht sagen.
  • Häufigste Nebenwirkungen: Übelkeit, Unruhe und vorübergehend mehr Angst in den ersten ein bis zwei Wochen, Schlafstörungen, Schwitzen, sexuelle Funktionsstörungen (verminderte Lust, verzögerter Orgasmus) bei SSRI und SNRI, Benommenheit und Gewichtszunahme bei Pregabalin, Müdigkeit und Abhängigkeitsrisiko bei Benzodiazepinen.

Wirkstoffe im Vergleich

Medikament
Escitalopram (z. B. Cipralex, Generika)
Wirkstoff
SSRI
Indikation
Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie, GAS, soziale Phobie, Depression, Zwangsstörung
Dosierung
Start 5 mg (bei Panik) bis 10 mg, Ziel 10 bis 20 mg einmal täglich; ab 65 Jahren höchstens 10 mg
Status
Erste Wahl, S3 2021 Empfehlungsgrad A für Panikstörung, GAS und soziale Phobie
Nebenwirkungen
Übelkeit, anfängliche Unruhe, Schlafstörungen, Schwitzen, sexuelle Funktionsstörungen, dosisabhängige QT-Verlängerung
Medikament
Sertralin (z. B. Zoloft, Gladem, Generika)
Wirkstoff
SSRI
Indikation
Panikstörung, soziale Phobie, posttraumatische Belastungsstörung, Depression, Zwangsstörung
Dosierung
Start 25 mg, nach einer Woche 50 mg, Ziel 50 bis 200 mg einmal täglich
Status
Erste Wahl, S3 2021 Empfehlungsgrad A für Panikstörung und soziale Phobie; bei GAS je nach Land nicht zugelassen
Nebenwirkungen
Durchfall und Übelkeit, Unruhe zu Beginn, Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, wenig Wechselwirkungen
Medikament
Paroxetin (z. B. Deroxat, Seroxat, Generika)
Wirkstoff
SSRI
Indikation
Panikstörung, GAS, soziale Phobie, PTBS, Depression, Zwangsstörung
Dosierung
Start 10 mg, Ziel 20 bis 40 mg, bei Panik bis 60 mg einmal täglich
Status
S3 2021 Empfehlungsgrad A für Panikstörung, GAS und soziale Phobie; wegen Nebenwirkungsprofil oft nicht erste Wahl
Nebenwirkungen
Ausgeprägtes Absetzsyndrom, Gewichtszunahme, Mundtrockenheit, Müdigkeit, sexuelle Funktionsstörungen, viele Wechselwirkungen (CYP2D6)
Medikament
Venlafaxin (z. B. Efexor, Trevilor, Generika)
Wirkstoff
SNRI
Indikation
Panikstörung, GAS, soziale Phobie, Depression
Dosierung
Retardform, Start 37,5 mg, Ziel 75 bis 225 mg einmal täglich
Status
Erste Wahl, S3 2021 Empfehlungsgrad A für Panikstörung, GAS und soziale Phobie
Nebenwirkungen
Übelkeit, Schwitzen, Blutdruckanstieg bei höheren Dosen, Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, starkes Absetzsyndrom
Medikament
Duloxetin (z. B. Cymbalta, Generika)
Wirkstoff
SNRI
Indikation
GAS, Depression, diabetische Neuropathie
Dosierung
Start 30 mg, Ziel 60 bis 120 mg einmal täglich
Status
Erste Wahl bei GAS, S3 2021 Empfehlungsgrad A; für Panikstörung nicht zugelassen
Nebenwirkungen
Übelkeit, Mundtrockenheit, Verstopfung, Schwitzen, Müdigkeit, Blutdruckanstieg, Leberwerte kontrollieren
Medikament
Pregabalin (z. B. Lyrica, Generika)
Wirkstoff
Gabapentinoid (Kalziumkanal-Modulator)
Indikation
Nur GAS, ausserdem neuropathische Schmerzen und Epilepsie
Dosierung
150 bis 600 mg pro Tag, verteilt auf zwei bis drei Gaben, langsam steigern
Status
S3 2021 Empfehlungsgrad B für GAS, wenn SSRI oder SNRI nicht wirken oder nicht vertragen werden
Nebenwirkungen
Benommenheit, Schwindel, Gewichtszunahme, Ödeme, Sehstörungen, Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial, Atemdepression in Kombination mit Opioiden
Medikament
Opipramol (z. B. Insidon, Generika)
Wirkstoff
Trizyklische Struktur, Sigma-Rezeptor-Ligand, keine Wiederaufnahmehemmung
Indikation
GAS, somatoforme Störungen (Zulassung je nach Land)
Dosierung
50 bis 300 mg pro Tag, häufig 50 mg morgens und mittags, 100 mg abends
Status
S3 2021 nachrangige Option bei GAS mit offener Empfehlung (Empfehlungsgrad 0), Evidenz schwächer als für SSRI und SNRI
Nebenwirkungen
Müdigkeit, Mundtrockenheit, Schwindel beim Aufstehen, Gewichtszunahme, Vorsicht bei Herzrhythmusstörungen und Prostatavergrösserung
Medikament
Lorazepam (z. B. Temesta, Tavor, Generika)
Wirkstoff
Benzodiazepin
Indikation
Akute, schwere Angst- und Spannungszustände, Krisenintervention
Dosierung
0,5 bis 2,5 mg pro Tag, nur kurzfristig (in der Regel höchstens zwei bis vier Wochen)
Status
Keine Empfehlung zur Dauertherapie in der S3-Leitlinie 2021; nur in begründeten Ausnahmefällen kurzfristig
Nebenwirkungen
Müdigkeit, verlangsamte Reaktion, Gedächtnislücken, Sturzgefahr, Toleranz und Abhängigkeit, Entzugssymptome beim Absetzen

Die Zulassungen unterscheiden sich zwischen der Schweiz, Deutschland und Österreich in Details. Ob ein Wirkstoff für eine bestimmte Angststörung zugelassen ist, steht in der jeweiligen Fachinformation (CH: Arzneimittelinformation von Swissmedic, DE und AT: Fachinformation). Eine Verschreibung ausserhalb der Zulassung (Off-Label) ist möglich, die Kostenübernahme muss dann aber geklärt werden.

SSRI (Escitalopram, Sertralin, Paroxetin). SSRI blockieren den Rücktransport von Serotonin in die Nervenzelle, sodass mehr Serotonin im synaptischen Spalt verfügbar bleibt. Für die Angstlinderung ist allerdings weniger der schnelle Serotoninanstieg verantwortlich als die Anpassung von Rezeptoren und Netzwerken in Amygdala und präfrontalem Kortex über mehrere Wochen. Das erklärt, warum die Wirkung verzögert einsetzt. In den ersten ein bis zwei Wochen können Unruhe, Zittern und sogar mehr Panik auftreten. Deshalb beginnen Ärztinnen und Ärzte bei Panikstörung mit der halben Startdosis, etwa 5 mg Escitalopram oder 25 mg Sertralin, und steigern langsam. Die S3-Leitlinie empfiehlt Citalopram, Escitalopram, Paroxetin und Sertralin bei Panikstörung mit Empfehlungsgrad A, bei GAS Escitalopram und Paroxetin, bei sozialer Phobie Escitalopram, Paroxetin und Sertralin. Für Escitalopram und Citalopram gilt wegen einer möglichen QT-Verlängerung eine Höchstdosis, für Menschen ab 65 Jahren liegt sie niedriger. Paroxetin wirkt gut, verursacht aber häufiger Gewichtszunahme, Müdigkeit und ein unangenehmes Absetzsyndrom, deshalb wählen viele Fachpersonen zuerst Escitalopram oder Sertralin.

SNRI (Venlafaxin, Duloxetin). SNRI hemmen zusätzlich zur Serotonin- auch die Noradrenalin-Wiederaufnahme. Venlafaxin wirkt in niedriger Dosis vor allem serotonerg, ab etwa 150 mg kommt der noradrenerge Effekt stärker dazu. Venlafaxin ist in der S3-Leitlinie bei Panikstörung, GAS und sozialer Phobie mit Empfehlungsgrad A eingestuft, Duloxetin bei GAS. Bei höheren Dosen kann der Blutdruck steigen, er sollte daher zu Beginn und nach Dosiserhöhungen gemessen werden. Beide Wirkstoffe haben ein ausgeprägtes Absetzsyndrom mit Schwindel, "Stromschlag"-Gefühlen im Kopf, Reizbarkeit und grippeähnlichen Beschwerden, wenn sie abrupt abgesetzt werden. Das Ausschleichen über mehrere Wochen ist daher Pflicht. Duloxetin kann sinnvoll sein, wenn neben der GAS chronische Schmerzen bestehen.

Pregabalin. Pregabalin bindet an eine Untereinheit spannungsabhängiger Kalziumkanäle und reduziert dadurch die Freisetzung erregender Botenstoffe wie Glutamat und Noradrenalin. Es wirkt schneller als SSRI, oft schon innerhalb der ersten Woche, und verursacht keine sexuellen Funktionsstörungen. Zugelassen ist es nur für die GAS. Die S3-Leitlinie gibt Empfehlungsgrad B, also eine Option, wenn SSRI und SNRI nicht wirken oder nicht vertragen werden. Der Haken ist das Missbrauchspotenzial: Pregabalin wird in der Drogenszene konsumiert, und Behörden in allen drei Ländern haben vor dem Risiko bei Menschen mit Suchterkrankung in der Vorgeschichte gewarnt. In Kombination mit Opioiden steigt das Risiko einer gefährlichen Atemdepression. Beim Absetzen muss die Dosis über mindestens eine Woche reduziert werden.

Opipramol. Opipramol sieht chemisch aus wie ein trizyklisches Antidepressivum, hemmt aber die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin praktisch nicht. Es bindet an Sigma-Rezeptoren und Histaminrezeptoren und wirkt beruhigend und schlaffördernd. In Deutschland wird es häufig in Hausarztpraxen verschrieben. Die Studienlage ist dünner als für SSRI und SNRI, die S3-Leitlinie nennt es als nachrangige Option bei GAS mit offener Empfehlung. Ein Vorteil: Es macht nicht abhängig. Wer Herzrhythmusstörungen, ein Engwinkelglaukom oder eine vergrösserte Prostata hat, sollte die Einnahme vorher ärztlich besprechen.

Benzodiazepine (Lorazepam und andere). Benzodiazepine verstärken die Wirkung des hemmenden Botenstoffs GABA am GABA-A-Rezeptor. Sie lösen Angst innerhalb von 15 bis 60 Minuten, und genau das macht sie in akuten Situationen wertvoll und langfristig problematisch. Die Leitlinie empfiehlt sie nicht zur regulären Behandlung von Angststörungen. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Neben diesen Wirkstoffen nennt die Leitlinie weitere Optionen mit schwächerer Evidenz oder eingeschränkter Zulassung, darunter das trizyklische Antidepressivum Clomipramin bei Panikstörung, Moclobemid bei sozialer Phobie sowie Buspiron und Quetiapin (Off-Label) bei GAS. Sie kommen meist erst in fachärztlicher Behandlung ins Spiel. Betablocker wie Propranolol dämpfen Herzklopfen und Zittern, etwa vor einem Vortrag, sind aber zur Behandlung einer Angststörung nicht wirksam belegt.

Benzodiazepine: Nutzen und Abhängigkeit

Lorazepam (Temesta in der Schweiz und Österreich, Tavor in Deutschland), Alprazolam (Xanax), Diazepam (Valium, Psychopax) und Bromazepam (Lexotanil) gehören zu den bekanntesten Benzodiazepinen. Wer schon einmal eine schwere Panikattacke in der Notaufnahme hatte, kennt die Wirkung: Nach einer halben Stunde ist der Sturm vorbei. Viele Betroffene beschreiben das als erste Erleichterung seit Wochen.

Der Nutzen ist real, aber begrenzt. Sinnvoll sind Benzodiazepine laut Leitlinie in Ausnahmesituationen: bei einer akuten, nicht anders beherrschbaren Angstkrise, kurzzeitig zur Überbrückung, bis ein SSRI oder SNRI wirkt, oder wenn andere Medikamente wegen schwerer Begleiterkrankungen nicht in Frage kommen. Die übliche Grenze liegt bei zwei bis vier Wochen.

Das Problem ist die Gewöhnung. Schon nach wenigen Wochen täglicher Einnahme lässt die Wirkung bei gleicher Dosis nach (Toleranz), und der Körper reagiert auf das Absetzen mit Entzugssymptomen: Schlaflosigkeit, Zittern, Schwitzen, Lichtempfindlichkeit, innere Unruhe und Angst, die oft stärker ist als vorher (Rebound). Viele halten diese Entzugsangst für einen Rückfall und nehmen weiter ein. So entsteht auch die sogenannte Niedrigdosisabhängigkeit, bei der jemand jahrelang "nur" eine halbe Tablette täglich braucht, ohne die Dosis je zu steigern. In Deutschland schätzt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen die Zahl der Menschen mit Abhängigkeit von Beruhigungs- und Schlafmitteln auf über eine Million, ein grosser Teil davon betrifft Benzodiazepine und verwandte Wirkstoffe. Ältere Frauen sind überdurchschnittlich häufig betroffen.

Weitere Risiken:

  • Stürze und Hüftfrakturen bei älteren Menschen, Verkehrsunfälle durch verlangsamte Reaktion
  • Gedächtnislücken und Konzentrationsprobleme
  • Gefährliche Atemdämpfung zusammen mit Alkohol, Opioiden oder Pregabalin
  • Behinderung des Lernens in der Expositionstherapie: Wer die Angst in der Übung chemisch dämpft, macht die korrigierende Erfahrung ("Ich halte das aus, es passiert nichts") nicht vollständig

Wer Benzodiazepine länger als einige Wochen eingenommen hat, sollte nie abrupt aufhören. Bei hohen Dosen kann ein plötzlicher Stopp Krampfanfälle auslösen. Üblich ist ein schrittweises Ausschleichen, häufig um etwa 10 bis 25 Prozent der Dosis alle ein bis zwei Wochen, nach langer Einnahme auch deutlich langsamer über Monate. Manchmal wird vorher auf ein länger wirksames Benzodiazepin wie Diazepam umgestellt. Begleitende KVT erhöht die Chance, dauerhaft ohne Tabletten auszukommen. Spezialisierte Suchtsprechstunden und Hausarztpraxen begleiten den Ausstieg auch ambulant.

Ein "Notfallmedikament für die Handtasche" ist für manche Menschen eine echte Stütze, besonders am Anfang. Fachpersonen raten, es mit klaren Regeln zu verbinden: festgelegte Höchstzahl pro Monat, Notiz im Tagebuch bei jeder Einnahme, Besprechung beim nächsten Termin. Oft reicht das Wissen, dass es da ist, und die Tablette bleibt ungenutzt.

Lavendelöl (Silexan), Johanniskraut, Hydroxyzin: Evidenz

Viele Menschen möchten zuerst etwas "Sanftes" ausprobieren. Das ist verständlich, und für einige pflanzliche und ältere Wirkstoffe gibt es tatsächlich Daten. Die Unterschiede in der Evidenz sind aber gross.

Lavendelöl (Silexan, im Handel als Lasea). Silexan ist ein standardisierter Extrakt aus Lavendelblüten in Kapselform, 80 mg einmal täglich. In mehreren randomisierten, doppelblinden Studien über etwa zehn Wochen, die überwiegend vom Hersteller finanziert wurden, war Silexan bei subsyndromaler Angst und bei GAS wirksamer als Placebo. In einer Vergleichsstudie bei GAS schnitt es ähnlich ab wie niedrig dosiertes Paroxetin (20 mg). Der Effekt ist eher moderat. Die häufigste Nebenwirkung ist Aufstossen mit Lavendelgeschmack, selten treten Magen-Darm-Beschwerden oder allergische Hautreaktionen auf. Es macht nicht abhängig und beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit nicht. Die S3-Leitlinie 2021 diskutiert Lavendelöl bei der GAS, beurteilt die Datenlage aber als begrenzt und stellt es nicht auf eine Stufe mit SSRI und SNRI. Für Panikstörung und soziale Phobie fehlen überzeugende Daten. Silexan ist in der Regel Selbstzahlung.

Johanniskraut. Johanniskrautextrakte sind bei leichter bis mittelschwerer Depression gut untersucht. Für Angststörungen ist die Datenlage dagegen schwach, die wenigen Studien bei GAS und sozialer Phobie zeigen keinen überzeugenden Vorteil gegenüber Placebo. Die S3-Leitlinie Angststörungen empfiehlt Johanniskraut deshalb nicht. Johanniskraut ist zudem keineswegs harmlos: Es beschleunigt den Abbau vieler Medikamente über das Enzym CYP3A4 und kann so die Wirkung der Antibabypille, von Blutverdünnern, Immunsuppressiva und HIV-Medikamenten abschwächen. Zusammen mit SSRI oder SNRI droht ein Serotoninsyndrom. Wer es einnimmt, sollte das bei jedem Arzt- und Apothekenbesuch erwähnen.

Hydroxyzin (z. B. Atarax). Hydroxyzin ist ein älteres Antihistaminikum mit beruhigender Wirkung. In Deutschland und Österreich ist es für Angst- und Spannungszustände zugelassen, in der Schweiz liegt der Schwerpunkt der Zulassung auf Juckreiz und Unruhezuständen. Kleinere Studien bei GAS zeigten eine Überlegenheit gegenüber Placebo, die Evidenz ist aber deutlich schwächer als für die Erstlinien-Medikamente, und die S3-Leitlinie spricht keine Standardempfehlung aus. Hydroxyzin macht nicht abhängig wie Benzodiazepine, verursacht aber Müdigkeit, Mundtrockenheit und kann die QT-Zeit im EKG verlängern. Die europäische Arzneimittelagentur EMA hat 2015 deshalb die Höchstdosis gesenkt (für Erwachsene höchstens 100 mg pro Tag, bei älteren Menschen 50 mg) und von der Anwendung bei bekannten Herzrhythmusstörungen abgeraten. Für ältere Menschen ist es wegen der anticholinergen Wirkung (Verwirrtheit, Harnverhalt, Sturzgefahr) wenig geeignet.

Lavendelöl ist für Menschen mit milder bis mittlerer generalisierter Angst eine vertretbare Option, wenn sie keine Antidepressiva möchten, ersetzt bei ausgeprägter Störung aber weder Psychotherapie noch Erstlinien-Medikamente. Johanniskraut gehört nicht in die Angstbehandlung. Hydroxyzin ist eine Bedarfs- oder Überbrückungsoption mit Herzcheck.

Psychotherapie: KVT mit Exposition, Atemtechnik, Apps und DiGA (z. B. Invirto, Mindable)

Die kognitive Verhaltenstherapie ist bei allen Angststörungen am besten untersucht. Die S3-Leitlinie gibt ihr bei Panikstörung, Agoraphobie, GAS und sozialer Phobie den höchsten Empfehlungsgrad A. Bei spezifischen Phobien ist die Expositionstherapie die Behandlung der Wahl, oft genügen wenige Sitzungen, bei Spinnen- oder Höhenangst manchmal eine einzige längere Sitzung von zwei bis drei Stunden. Etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Menschen mit Panikstörung erreichen durch KVT eine deutliche Besserung, und der Effekt hält nach Therapieende in der Regel besser an als nach dem Absetzen von Medikamenten. Ist KVT nicht wirksam oder nicht verfügbar, empfiehlt die Leitlinie psychodynamische Psychotherapie als Alternative (Empfehlungsgrad B).

Typische Bausteine einer KVT bei Panikstörung:

  1. Psychoedukation: Was passiert im Körper bei einer Panikattacke, warum Herzrasen nicht zum Herzinfarkt führt und wie der Teufelskreis aus Körpersignal, katastrophisierender Bewertung und noch mehr Angst funktioniert.
  2. Interozeptive Exposition: Körpersymptome werden gezielt ausgelöst, etwa durch Hyperventilieren, Treppensteigen, Drehen auf einem Bürostuhl oder Atmen durch einen Strohhalm. Ziel ist die Erfahrung, dass Schwindel und Herzklopfen unangenehm, aber ungefährlich sind.
  3. Exposition in vivo: Gemiedene Situationen werden aufgesucht, Tram, Kaufhaus, Autobahn, und so lange ausgehalten, bis die Angst von selbst nachlässt oder die befürchtete Katastrophe ausbleibt. Sicherheitsverhalten wie das Wasserfläschchen, die Begleitperson oder der Sitz am Gang wird schrittweise abgebaut.
  4. Kognitive Umstrukturierung: Katastrophengedanken werden geprüft und durch realistischere Einschätzungen ersetzt.
  5. Rückfallprophylaxe: Ein Plan für Rückschläge, die normal sind und keine Niederlage bedeuten.

Eine Kurzzeittherapie umfasst meist 12 bis 25 Sitzungen. Bei GAS stehen Sorgenexposition, der Umgang mit Unsicherheit und das Hinterfragen von "Was wäre, wenn"-Ketten im Vordergrund, bei sozialer Phobie Verhaltensexperimente, Videofeedback und das Abbauen von Selbstbeobachtung.

Atemtechnik. Langsames Atmen mit verlängerter Ausatmung, etwa vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus, also rund sechs Atemzüge pro Minute, kann Herzrasen und Kribbeln bei Hyperventilation dämpfen. Als alleinige Behandlung ist Atemtraining schwächer belegt als Exposition. Fachpersonen setzen es deshalb als Werkzeug ein, nicht als Fluchtweg: Wer bei jeder Attacke sofort "richtig atmen muss", hat ein neues Sicherheitsverhalten. Vom Atmen in eine Papiertüte raten die meisten Fachleute heute ab. Progressive Muskelentspannung nach Jacobson ist bei GAS als ergänzende Methode verbreitet. Regelmässiges Ausdauertraining, etwa dreimal pro Woche 30 Minuten, empfiehlt die Leitlinie bei Panikstörung als Ergänzung zur Standardbehandlung.

Apps und Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA). In Deutschland können Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeutinnen bestimmte Apps auf Rezept verordnen, die das BfArM nach Prüfung in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen hat. Für Angststörungen gehören dazu unter anderem:

  • Invirto: KVT-Programm bei Panikstörung, Agoraphobie und sozialer Phobie mit Videos, Übungen und Exposition mit einer Virtual-Reality-Brille, die mitgeliefert wird.
  • Mindable: Programm bei Panikstörung und Agoraphobie mit Psychoedukation, interozeptiven Übungen und Expositionsaufgaben im Alltag.
  • Velibra: Online-Programm bei Panikstörung, Agoraphobie, GAS und sozialer Phobie.

Eine DiGA läuft in der Regel über 90 Tage und kann bei Bedarf erneut verordnet werden. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten vollständig, Versicherte zahlen nichts. Alternativ kann man die DiGA direkt bei der Krankenkasse beantragen, wenn eine passende Diagnose belegt ist. DiGA eignen sich als Einstieg und zur Überbrückung von Wartezeiten, bei leichter bis mittelschwerer Ausprägung auch als eigenständiges Angebot. Bei schwerer Angststörung, Begleitdepression, Substanzproblemen oder Suizidgedanken ersetzen sie keine persönliche Behandlung. In der Schweiz und in Österreich gibt es kein vergleichbares Erstattungsverfahren für Gesundheits-Apps. Einige Programme sind dort als Selbstzahlerangebot verfügbar, manche Zusatzversicherungen beteiligen sich. Bei frei verfügbaren Apps lohnt ein Blick darauf, wer sie entwickelt hat, ob Studien vorliegen und was mit den Gesundheitsdaten geschieht.

Erfahrungsberichte

Was Patienten erzählen

Die Erfahrungsberichte sind redaktionell verfasste, anonymisierte Beispiele auf Basis typischer Therapieverläufe. Sie ersetzen keine medizinische Beratung.

Bericht 1

Erfolg

"Dreimal Notaufnahme, dreimal ein gesundes Herz. Beim dritten Mal habe ich mich geschämt."

Reto B., 38, Bern (CH)

Therapiedauer
5 Monate KVT, seither Auffrischungssitzungen
Therapie
Kognitive Verhaltenstherapie mit interozeptiver Exposition

Das erste Mal passierte es an einem Sonntagabend auf dem Sofa. Herzrasen aus dem Nichts, ein Druck auf der Brust, die linke Hand kribbelte. Ich war 36, mein Vater hatte mit 54 einen Herzinfarkt gehabt, ich war mir sicher: jetzt ich. Meine Frau hat die 144 angerufen. Im Inselspital haben sie ein EKG gemacht, Blut genommen, Troponin zweimal bestimmt. Alles normal. Der Assistenzarzt sagte, es sei "wahrscheinlich Stress", und schickte mich um zwei Uhr morgens heim.

Sechs Wochen später das Gleiche im Zug nach Thun. Wieder Notfall, wieder alles sauber. Beim dritten Mal, im Büro, bin ich selber hingefahren und habe mich im Wartezimmer geschämt, weil ich schon ahnte, was rauskommt. Eine Kardiologin hat dann noch ein Belastungs-EKG und einen Herzultraschall gemacht. Unauffällig. Sie war die Erste, die das Wort Panikstörung ausgesprochen hat, und zwar so, dass ich es nicht als Abwimmeln empfunden habe. Sie sagte: "Ihr Herz ist gesund. Ihre Alarmanlage ist zu empfindlich eingestellt."

Bericht 2

Erfolg

"Zwei Jahre lang hat mich meine Mama jeden Tag in die Schule gefahren."

Lena H., 17, Wien (AT)

Therapiedauer
9 Monate
Therapie
Verhaltenstherapie mit Expositionstraining, begleitende Elternsitzungen

Angefangen hat es mit 15, in der U6 zwischen Westbahnhof und Burggasse. Der Zug ist im Tunnel stehen geblieben, keine Ahnung warum, vielleicht fünf Minuten. Es war voll, heiss, und plötzlich habe ich keine Luft mehr bekommen. Ich dachte, ich kipp um und keiner kann raus. Bei der nächsten Station bin ich ausgestiegen und hab geweint, mitten am Bahnsteig.

Danach bin ich keine U-Bahn mehr gefahren. Dann auch keine Bim, weil die auch voll sein kann. Dann keinen Bus. Meine Mama hat mich jeden Tag mit dem Auto in die Schule gebracht, sie ist dafür früher aufgestanden und später in die Arbeit gekommen. Am Anfang dachten alle, das geht wieder weg. Es ist nicht weggegangen. Nach einem Jahr bin ich auch nicht mehr auf Konzerte gegangen und nicht mehr in die Mariahilfer Strasse am Samstag. Meine Freundinnen haben irgendwann aufgehört zu fragen.

Bericht 3

Erfolg

"Ich habe mir dreissig Jahre lang Sorgen gemacht und dachte, das sei mein Charakter."

Sabine K., 51, Freiburg im Breisgau (DE)

Therapiedauer
14 Monate
Therapie
Escitalopram 10 mg (Cipralex, Generikum) plus kognitive Verhaltenstherapie

Meine Mutter war eine Sorgerin, ich bin eine Sorgerin. So habe ich das immer gesehen. Wenn mein Mann eine Stunde später als angekündigt nach Hause kam, hatte ich im Kopf schon den Unfall, die Polizei an der Tür, die Beerdigung. Wenn die Chefin "Kommen Sie mal kurz?" schrieb, habe ich den ganzen Vormittag an meiner Kündigung gearbeitet. Gedanklich. Ich bin Buchhalterin, ich kann gut Szenarien durchrechnen. Das ist im Job praktisch und im Leben die Hölle.

Mit Ende vierzig wurde es schlimmer. Ich schlief schlecht, wachte um vier auf und fing sofort an zu grübeln. Der Nacken war ständig hart, ich hatte Spannungskopfschmerzen fast jeden Tag. Meine Gynäkologin dachte zuerst an die Wechseljahre, und ein Teil davon war das wohl auch. Aber die Sorgen waren schon vorher da.

Bericht 4

Erfolg

"Ich habe fünf Jahre lang in jedem Meeting die Kamera ausgehabt."

Jonas W., 29, Leipzig (DE)

Therapiedauer
6 Monate Gruppentherapie, danach 8 Einzelsitzungen
Therapie
Kognitive Verhaltenstherapie in der Gruppe

Ich bin Softwareentwickler. Das ist ein Beruf, in dem man sich gut verstecken kann, dachte ich jedenfalls. Im Studium habe ich jede mündliche Prüfung so lange geschoben, bis es nicht mehr ging, und vor der Bachelor-Verteidigung habe ich mich zweimal übergeben. Im Job lief es lange über Chat. Dann wurde ich Teamlead, und auf einmal sollte ich Sprint-Reviews moderieren und vor dem Kunden präsentieren.

Was ich vor so einer Situation erlebt habe: Tage vorher schon Bauchweh. Im Meeting selbst ein knallroter Kopf, eine Stimme, die wegbricht, und der Gedanke, dass alle sehen, wie ich schwitze, und denken, ich bin inkompetent. Danach stundenlang jedes Wort nachspielen. In der Kantine habe ich nie gegessen, wenn Kollegen am Tisch sassen. Ich habe Ausreden erfunden, die komplizierter waren als das Mittagessen.

Bericht 5

In Anpassung

"In der zweiten Woche wollte ich die Tabletten in den Vierwaldstättersee werfen."

Noemi F., 24, Luzern (CH)

Therapiedauer
7 Wochen
Therapie
Escitalopram, aktuell 10 mg (Cipralex, Generikum), Psychotherapie auf Warteliste

Ich studiere Pflege an der Fachhochschule und habe seit zwei Jahren Panikattacken, dazu dieses dauernde Gefühl, dass gleich etwas Schlimmes passiert. Letzten Winter wurde es so viel, dass ich im Praktikum zweimal aus dem Patientenzimmer rausmusste, weil ich nicht mehr atmen konnte. Meine Hausärztin hat mir Escitalopram vorgeschlagen und mich parallel für eine Psychotherapie angemeldet. Wartezeit: vier bis sechs Monate. In Luzern gibt es zu wenige Plätze, hat sie gesagt, sie hat sich fast dafür entschuldigt.

Sie hat mich vorgewarnt, dass es am Anfang schlechter werden kann. Ich habe genickt und es nicht ernst genommen. Ich bin ja in der Pflege, ich kenne Beipackzettel.

Bericht 6

In Anpassung

"Die Angst war weniger, dafür bin ich im Bad gegen die Tür gegangen."

Herbert M., 62, Linz (AT)

Therapiedauer
11 Monate, davon 3 Monate mit reduzierter Dosis
Therapie
Pregabalin (Lyrica, Generikum), zuerst 300 mg, jetzt 150 mg täglich, plus Gespräche bei einer klinischen Psychologin

Ich war bis zu meiner Pension Werkmeister bei einem Stahlbetrieb. Dass ich mir viele Sorgen mache, hat meine Frau schon vor der Hochzeit gewusst. Schlimm wurde es, als ich in Pension gegangen bin. Auf einmal war kein Tagesplan mehr da, und der Kopf hat sich die Arbeit selber gesucht. Die Pension reicht nicht, die Enkelin fährt zu schnell, der Blutdruck, das Haus, das Dach. Ich hab nicht mehr gut geschlafen, war gereizt, und meine Frau hat gesagt, mit mir hält man es nicht aus.

Mein Hausarzt hat mich zu einem Psychiater geschickt. Generalisierte Angststörung. Er hat mir zuerst ein SSRI gegeben, das habe ich wegen Magenproblemen und Übelkeit nach drei Wochen abgebrochen. Dann hat er Pregabalin vorgeschlagen. Er hat dazugesagt, dass das bei Angst gut und schnell wirkt, dass es aber müde und schwindlig machen kann und dass man bei manchen Menschen aufpassen muss, weil es abhängig machen kann. Ich trinke kaum Alkohol und habe nie Tabletten missbraucht, deshalb hat er es mit mir probiert.

Bericht 7

Frühe Phase

"Ich stand an der Supermarktkasse und dachte, ich sterbe zwischen den Kaugummis."

Miriam S., 34, Hamburg (DE)

Therapiedauer
5 Wochen seit der ersten Attacke
Therapie
Hausärztliche Abklärung, Atemübungen, DiGA bei Panikstörung, Psychotherapie-Sprechstunde vereinbart

Es ist jetzt fünf Wochen her. Ein Dienstag, nach der Arbeit, Edeka, ich hatte nur Milch und Brot in der Hand. Auf einmal ein Stich in der Brust, Herzrasen, meine Hände wurden taub, und ich hatte so ein unwirkliches Gefühl, als würde ich mich selbst von aussen sehen. Ich habe die Sachen fallen lassen und mich auf den Boden gesetzt. Eine Frau hinter mir hat gefragt, ob sie einen Krankenwagen rufen soll. Ich habe ja gesagt.

Die Sanitäter haben ein EKG gemacht, im Rettungswagen, und mir gesagt, dass es unauffällig ist. Ich bin trotzdem mit ins Krankenhaus. Dort Blutwerte, wieder alles normal. Eine Ärztin sagte, das klinge nach einer Panikattacke, ich solle das beim Hausarzt abklären lassen. Ich war erleichtert und gleichzeitig ziemlich durcheinander. Ich bin nicht der ängstliche Typ, dachte ich.

Bericht 8

Abgesetzt

"Die Tablette hat mir drei Jahre lang Ruhe verkauft, und die Rechnung kam beim Absetzen."

Beat S., 58, Winterthur (CH)

Therapiedauer
3 Jahre Lorazepam, danach 5 Monate Entzug
Therapie
Lorazepam (Temesta), Umstellung auf Diazepam (Valium) und schrittweise Reduktion, begleitende Psychotherapie

Angefangen hat es nach einer Restrukturierung in der Firma. Ich war Gruppenleiter in der Logistik, plötzlich sollte ich zwölf Leute entlassen, und nachts lag ich wach mit Herzrasen. Der Hausarzt hat mir Lorazepam verschrieben, 1 mg bei Bedarf. Bei Bedarf war am Anfang zweimal pro Woche. Nach einem halben Jahr war es jeden Abend, nach einem Jahr auch am Mittag, wenn ein schwieriges Gespräch anstand. Am Schluss waren es 2,5 mg am Tag, verteilt auf drei Einnahmen.

Ich habe mir lange eingeredet, das sei kein Problem. Ich habe ja nicht getrunken, ich bin nicht an Partys gegangen. Ich habe einfach meine Temesta genommen wie andere ihr Blutdruckmittel. Gemerkt habe ich es an zwei Dingen. Erstens wurde ich zwischen den Dosen unruhiger als je zuvor, so eine zittrige Gereiztheit am späten Nachmittag. Zweitens hat mich meine Frau gefragt, ob ich mich an ein Gespräch vom Vorabend erinnere. Ich wusste nichts mehr davon.

Bericht 9

Abgesetzt

"Ich hatte keine Panik mehr, aber ich konnte auch bei der Hochzeit meiner Schwester nicht weinen."

Janine K., 34, Leipzig (DE)

Therapiedauer
14 Monate SSRI, danach 8 Monate nur Therapie
Therapie
Escitalopram (Cipralex) 10 mg, später ausgeschlichen, Verhaltenstherapie fortgeführt

Die Panikattacken kamen mit 32, im Supermarkt an der Kasse. Kribbeln in den Händen, Brustenge, ich dachte, das ist ein Herzinfarkt. Notaufnahme, EKG unauffällig, nach Hause geschickt. Danach ging es los: drei, vier Attacken die Woche, irgendwann bin ich nicht mehr allein einkaufen gegangen. Meine Hausärztin hat mir Escitalopram verschrieben und mich auf die Warteliste für eine Verhaltenstherapie gesetzt. Fünf Monate Wartezeit, das ist in Leipzig leider normal.

Die ersten zwei Wochen mit dem Medikament waren unangenehm. Mir war übel, ich war noch nervöser als vorher, und nachts habe ich wild geträumt. Meine Ärztin hatte mich vorgewarnt, sonst hätte ich nach drei Tagen aufgehört. Nach etwa sechs Wochen wurden die Attacken seltener, nach drei Monaten hatte ich fast keine mehr. Ich war ehrlich dankbar.

Bericht 10

Erfolg

"Elf Jahre lang bin ich mit dem Auto nach Kroatien gefahren und hab allen erzählt, ich fahr halt gern."

Florian W., 41, Wien (AT)

Therapiedauer
6 Wochen
Therapie
Kompakte kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition (zwei Vorbereitungstermine, ein ganztägiges Seminar inklusive Simulator und Kurzflug)

Das letzte Mal geflogen bin ich mit 30, Wien nach London, beruflich. Über Frankfurt sind wir in Turbulenzen gekommen, das Flugzeug ist gesackt, eine Frau hinter mir hat geschrien. Ich hab den Rest des Flugs die Armlehne so fest gehalten, dass mir am Abend die Finger weh getan haben. Den Rückweg hab ich mit dem Zug gemacht, vierzehn Stunden. Danach bin ich nie wieder eingestiegen.

Lange hat das niemanden gestört. Kroatien, Italien, Gardasee, alles mit dem Auto erreichbar. Dann wurde unsere Tochter zehn und wollte unbedingt nach Mallorca, weil ihre beste Freundin jedes Jahr dort ist. Meine Frau hat gesagt: Entweder du machst was dagegen, oder ich flieg mit ihr allein. Das hat gesessen.

Bericht 11

Erfolg

"Mein Handy wusste mehr über Hirntumore als jede Neurologin, und ich hab ihm mehr geglaubt."

Nadia R., 29, Lausanne (CH)

Therapiedauer
7 Monate
Therapie
Kognitive Verhaltenstherapie bei Krankheitsangst, 20 Sitzungen

Ich arbeite als Grafikerin, zweisprachig aufgewachsen, Mutter aus dem Wallis, Vater aus Marokko. Angefangen hat es nach dem Tod meiner Tante, die mit 52 an einem Glioblastom gestorben ist. Ein paar Monate später hatte ich Kopfschmerzen, ganz normale, vom Bildschirm. Ich habe gegoogelt. Dann noch einmal. Am Ende des Abends hatte ich drei Foren gelesen, eine Liste mit Frühsymptomen gespeichert und konnte nicht schlafen.

Daraus wurde eine Spirale, die über ein Jahr ging. Jedes Zucken im Augenlid, jedes Kribbeln im Fuss: googeln, Forum lesen, Panik, Arzttermin. Ich war in diesem Jahr elf Mal bei meiner Hausärztin, zweimal auf dem Notfall, hatte ein MRI vom Kopf, Blutbild, ein Neurologe hat mich untersucht. Alles normal. Die Erleichterung hielt jeweils zwei, drei Tage. Dann dachte ich: Vielleicht haben sie etwas übersehen. MRI können ja auch kleine Sachen verpassen, das stand auch irgendwo.

Bericht 12

In Anpassung

"Ich dachte, ich werde verrückt. Meine Gynäkologin hat zuerst nach dem Zyklus gefragt."

Claudia M., 49, Zug (CH)

Therapiedauer
4 Monate
Therapie
Transdermales Estradiol (Gel) plus mikronisiertes Progesteron, kognitive Verhaltenstherapie

Mit 47 fing es an. Ich bin Treuhänderin, seit zwanzig Jahren im selben Büro, ich kenne meinen Job im Schlaf. Und plötzlich bin ich nachts um drei aufgewacht mit Herzklopfen und dem sicheren Gefühl, dass etwas Schlimmes passiert. Tagsüber hatte ich eine Grundnervosität, die ich nicht kannte. Vor Kundengesprächen, die ich seit Jahren mache, wurde mir übel. Ich habe zweimal eine Sitzung abgesagt, weil ich das Gefühl hatte, ich kippe um.

Mein Hausarzt hat Blut genommen, Schilddrüse, Eisen, Blutzucker, alles normal. Er hat mir ein Antidepressivum vorgeschlagen. Ich war skeptisch, weil ich mich nicht depressiv fühlte. Eher wie unter Strom. Eine Freundin hat mich gefragt, ob mein Zyklus noch regelmässig sei. War er nicht, seit einem Jahr kamen die Blutungen mal nach drei, mal nach sieben Wochen. Daran hatte ich überhaupt nicht gedacht.

Bericht 13

Frühe Phase

"Jeden Montag um halb sieben Bauchweh. Ich hab drei Monate gebraucht, um zu verstehen, dass es nicht der Bauch ist."

Sabine H., 44, Linz (AT), berichtet über ihren Sohn Leon, 12

Therapiedauer
8 Wochen
Therapie
Kinder- und jugendpsychiatrische Abklärung, kognitive Verhaltenstherapie mit Elternarbeit, schrittweise Rückkehr in die Schule

Leon ist im Herbst ins Gymnasium gewechselt, erste Klasse Unterstufe heisst das bei uns. Neue Schule, neuer Schulweg mit dem Bus, keiner aus der alten Klasse dabei. Im Oktober fing es an. Morgens Bauchweh, manchmal Erbrechen, Kopfweh. Am Wochenende nichts. Wir waren beim Kinderarzt, zweimal, Ultraschall vom Bauch, Blut, Laktose getestet. Alles normal.

Ich hab ihn trotzdem oft daheim gelassen. Was sollst du machen, wenn dein Kind weinend auf dem Klo sitzt und sagt, es muss kotzen. Mein Mann war strenger, er hat gesagt, der muss da durch. Wir haben deswegen viel gestritten. Im Dezember hatte Leon an manchen Wochen nur zwei Schultage. Die Klassenvorständin hat angerufen und vorsichtig gefragt, ob es zu Hause Probleme gibt. Das hat mich getroffen.

Bericht 14

Frühe Phase

"Ich hab gekifft, um runterzukommen, und bin seit dem Abend im März nie wieder richtig runtergekommen."

Tobias L., 23, Freiburg im Breisgau (DE)

Therapiedauer
5 Wochen
Therapie
Cannabis-Abstinenz, Verhaltenstherapie (erste Sitzungen), Beratung in der Suchtberatungsstelle

Ich studiere Maschinenbau, sechstes Semester. Gekifft hab ich seit ich 16 war, am Anfang auf Partys, im Studium dann fast jeden Abend. Für mich war das wie für andere das Feierabendbier. Seit es in Deutschland legal ist, hat man auch weniger drüber nachgedacht. In der WG wurde einfach geraucht.

Im März hatte ich an einem Abend Gras von jemand Neuem, deutlich stärker als sonst. Nach einer halben Stunde ging es los. Herzrasen, ich hab gedacht, mein Herz bleibt stehen. Alles war unwirklich, als würde ich mich von aussen sehen. Mein Mitbewohner hat den Notarzt gerufen. Im Krankenhaus haben sie mir gesagt, dass es eine Panikattacke unter Cannabis war, Herz in Ordnung. Ich bin um vier Uhr morgens heimgelaufen und war sicher, dass etwas in meinem Kopf kaputt ist.

Versorgung & Kosten

Vom ersten Gespräch zur Begleitung

1

Beschwerden ernst nehmen und körperlich abklären

Erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis, manchmal nach einem Besuch in der Notaufnahme. Bevor eine Angststörung diagnostiziert wird, müssen körperliche Ursachen ausgeschlossen werden: Blutbild, Elektrolyte, Blutzucker und die Schilddrüsenwerte (TSH), weil eine Überfunktion Herzrasen, Zittern und Unruhe verursacht, dazu ein Ruhe-EKG und je nach Befund Langzeit-EKG, Herzultraschall oder Lungenfunktion. Gefragt wird auch nach Koffein, Alkohol, Cannabis und anderen Substanzen sowie nach Medikamenten wie Schilddrüsenhormonen, Asthmasprays oder Kortison.

2

Diagnose stellen und Schweregrad einordnen

Ist der Körper unauffällig, folgt ein strukturiertes Gespräch, oft ergänzt durch Fragebögen wie den GAD-7 (generalisierte Angst) oder die Panik- und Agoraphobie-Skala. Dabei wird geklärt, welche Form vorliegt, wie stark der Alltag eingeschränkt ist und ob eine Depression, eine Suchtproblematik oder Suizidgedanken dazukommen. Leichtere Fälle kann die Hausarztpraxis selbst begleiten, bei mittlerer bis schwerer Ausprägung folgt die Überweisung oder Anordnung zur Psychotherapie und, wenn nötig, zur Psychiatrie.

3

Behandlung beginnen

Gemeinsam wird entschieden, ob zuerst Psychotherapie, ein Medikament oder beides zum Einsatz kommt. Bei Medikamenten folgt nach zwei und nach vier bis sechs Wochen eine Kontrolle zu Wirkung und Nebenwirkungen, bei Venlafaxin mit Blutdruckmessung, bei Escitalopram in höherer Dosis oder bei Herzerkrankung mit EKG. Wenn nach etwa vier bis sechs Wochen in ausreichender Dosis keine Besserung eintritt, wird die Dosis angepasst oder der Wirkstoff gewechselt.

4

Stabilisieren und langfristig begleiten

Nach Besserung empfiehlt die Leitlinie, Medikamente noch sechs bis zwölf Monate weiterzuführen und dann über mehrere Wochen auszuschleichen. Die Psychotherapie endet mit einem Plan zur Rückfallvorbeugung, viele Therapeutinnen bieten Auffrischungssitzungen an. Rückfälle sind häufig, vor allem in Belastungsphasen, und lassen sich meist schneller behandeln als die erste Episode.

Die Hausarztpraxis ist in allen drei Ländern die wichtigste Drehscheibe. Ein grosser Teil der Antidepressiva gegen Angst wird dort verschrieben, und das ist bei unkomplizierten Verläufen auch richtig. Der Engpass liegt bei der Psychotherapie. Wartezeiten von mehreren Wochen bis Monaten sind in allen drei Ländern verbreitet, auf dem Land stärker als in Städten. Wer wartet, kann mit Selbsthilfebüchern auf KVT-Basis, in Deutschland mit einer DiGA, und mit regelmässiger hausärztlicher Begleitung überbrücken.

Schweiz: das Anordnungsmodell. Seit dem 1. Juli 2022 können psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit eidgenössischer Anerkennung direkt über die Grundversicherung abrechnen, wenn eine ärztliche Anordnung vorliegt. Anordnen dürfen Ärztinnen und Ärzte mit Facharzttitel in Allgemeiner Innerer Medizin (Hausarztmedizin), Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kinder- und Jugendmedizin sowie mit Fähigkeitsausweis psychosomatische und psychosoziale Medizin. Eine Anordnung gilt für 15 Sitzungen, eine zweite Anordnung ist möglich. Soll die Therapie nach 30 Sitzungen weitergehen, braucht es eine Beurteilung durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für Psychiatrie und eine Kostengutsprache der Krankenkasse. Bei schweren Erkrankungen kann zur Krisenintervention oder Kurztherapie jede Ärztin und jeder Arzt eine kurze Serie von bis zu zehn Sitzungen anordnen. Wie bei allen OKP-Leistungen gelten Franchise und 10 Prozent Selbstbehalt bis höchstens 700 Franken pro Jahr. Ärztliche Psychotherapie bei Psychiaterinnen und Psychiatern war schon vorher OKP-Leistung und läuft weiter ohne Anordnung.

Deutschland: Sprechstunde und 116117. Seit 2017 bieten Kassenpsychotherapeutinnen und Kassenpsychotherapeuten die psychotherapeutische Sprechstunde an. Dafür braucht es keine Überweisung. Wer keinen Termin findet, wendet sich an die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung über die Telefonnummer 116117 oder online unter 116117.de. Sie vermittelt einen Sprechstundentermin innerhalb von vier Wochen, nach festgestelltem Bedarf auch eine Akutbehandlung (bis zu 12 Einheiten à 50 Minuten). Danach folgen probatorische Sitzungen, eine Kurzzeittherapie mit bis zu 24 Stunden in zwei Abschnitten oder eine Langzeittherapie, in der Verhaltenstherapie bis zu 60, in Ausnahmen 80 Stunden. Psychotherapie ist für gesetzlich Versicherte zuzahlungsfrei. Findet sich nachweislich kein Kassenplatz in zumutbarer Zeit, kann bei der Krankenkasse eine Kostenerstattung für eine Therapie in einer Privatpraxis beantragt werden (Paragraf 13 Absatz 3 SGB V). Die Bewilligung ist nicht garantiert und sollte vor Beginn schriftlich vorliegen.

Österreich: Kassenplätze und Kostenzuschuss. Psychotherapie ist Pflichtleistung der Krankenversicherung, die Zahl der vollfinanzierten Kassenplätze ist aber begrenzt. Sie werden über Versorgungsvereine, Ambulatorien und Vertragstherapeutinnen vergeben, die Clearingstellen der ÖGK helfen bei der Vermittlung. Wer bei einer Wahltherapeutin ohne Kassenvertrag in Behandlung ist, bekommt einen Kostenzuschuss pro Sitzung, der bei der ÖGK zuletzt rund 33 Euro betrug, bei Sitzungskosten von meist 80 bis 150 Euro. Voraussetzung ist eine ärztliche Untersuchung vor oder spätestens nach der zweiten Sitzung, ab der elften Sitzung ein Antrag auf Weitergewährung. Seit 2024 ist auch die klinisch-psychologische Behandlung im Gesetz als Kassenleistung verankert, die Umsetzung über Verträge und Zuschüsse läuft schrittweise. Für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gibt es mit "Gesund aus der Krise" ein kostenloses Programm mit klinischen Psychologinnen und Psychotherapeuten.

Wer verschreibt
CH
Hausärztin/Hausarzt, Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik; Psychotherapie durch psychologische Psychotherapeutinnen auf ärztliche Anordnung oder ärztlich durch Psychiaterinnen
DE
Hausärztin/Hausarzt, Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin, Nervenheilkunde; Psychotherapie direkt über die Sprechstunde bei Kassenpsychotherapeutinnen, ohne Überweisung; DiGA durch Ärztinnen und Psychotherapeutinnen
AT
Hausärztin/Hausarzt, Psychiatrie, Fachärztinnen für psychosomatische Medizin; Psychotherapie durch eingetragene Psychotherapeutinnen, ärztliche Untersuchung als Voraussetzung für Kassenleistung
Kostenübernahme Grundversicherung/GKV/ÖGK
CH
OKP übernimmt SSRI, SNRI, Pregabalin, Opipramol und Benzodiazepine der Spezialitätenliste sowie Psychotherapie im Anordnungsmodell (15 plus 15 Sitzungen, danach Kostengutsprache)
DE
GKV übernimmt verschreibungspflichtige Medikamente, Psychotherapie (Sprechstunde, Akutbehandlung, Kurz- und Langzeittherapie) und DiGA wie Invirto, Mindable und Velibra vollständig
AT
ÖGK und andere Kassen übernehmen Medikamente des Erstattungskodex; Psychotherapie auf Kassenplatz voll finanziert, sonst Kostenzuschuss pro Sitzung (bei der ÖGK rund 33 Euro); keine Erstattung von Gesundheits-Apps
Selbstbehalt und typische Monatskosten
CH
Franchise (300 bis 2500 Franken pro Jahr) plus 10 Prozent Selbstbehalt bis 700 Franken, 40 Prozent auf Originale bei verfügbarem Generikum; SSRI- und SNRI-Generika etwa 15 bis 40 Franken pro Monat, Pregabalin-Generika etwa 20 bis 50 Franken; Silexan Selbstzahlung, etwa 30 bis 45 Franken
DE
Zuzahlung 10 Prozent des Preises, mindestens 5, höchstens 10 Euro pro Packung, viele Generika unterhalb des Festbetrags zuzahlungsfrei; Psychotherapie und DiGA ohne Zuzahlung; Silexan Selbstzahlung, etwa 25 bis 40 Euro pro Monat; Belastungsgrenze 2 Prozent des Bruttoeinkommens, bei chronischer Erkrankung 1 Prozent
AT
Rezeptgebühr pro Packung (2025 rund 7,55 Euro), viele SSRI-Generika kosten weniger als die Rezeptgebühr und werden dann voll selbst bezahlt; Rezeptgebührenobergrenze 2 Prozent des Nettoeinkommens; Wahltherapie nach Abzug des Zuschusses etwa 50 bis 120 Euro pro Sitzung
Programme
CH
Kein nationales Programm für Angststörungen; Hausarzt- und Telmed-Modelle der Krankenkassen, Angebote der Pro Mente Sana, Selbsthilfe Schweiz, kantonale Kampagnen wie "Wie geht's dir?"
DE
Terminservicestelle 116117, DiGA, psychosomatische Institutsambulanzen, Selbsthilfegruppen über NAKOS, Deutsche Angst-Hilfe (DASH)
AT
Clearingstellen der Kassen, "Gesund aus der Krise" für unter 21-Jährige, Psychosoziale Dienste der Bundesländer, Selbsthilfegruppen über die Selbsthilfe-Dachverbände
Reha und Hilfsmittel
CH
Stationäre Behandlung in psychiatrischen Kliniken und Psychosomatik-Abteilungen mit Kostengutsprache; Tageskliniken; Apps meist Selbstzahlung
DE
Psychosomatische Reha über die Deutsche Rentenversicherung (bei Gefährdung der Erwerbsfähigkeit) oder GKV, meist fünf Wochen; Tageskliniken; DiGA auf Rezept
AT
Psychiatrische und psychosomatische Rehabilitation über Pensionsversicherung (PVA) oder Krankenkasse, meist sechs Wochen; ambulante Reha-Angebote in Ballungsräumen
Regulierungsbehörde
CH
Swissmedic (Zulassung, Arzneimittelinformation, Sicherheitsmeldungen), BAG (Spezialitätenliste, Preise, Anordnungsmodell)
DE
BfArM (Zulassung, Rote-Hand-Briefe, DiGA-Verzeichnis), G-BA (Psychotherapie-Richtlinie), Kassenärztliche Vereinigungen (Terminservice)
AT
BASG mit AGES Medizinmarktaufsicht (Zulassung, Sicherheit), Dachverband der Sozialversicherungsträger (Erstattungskodex), Gesundheitsministerium (Psychotherapeutenliste)

Bei den Medikamentenkosten sind Angststörungen vergleichsweise günstig. Escitalopram, Sertralin, Venlafaxin, Duloxetin und Pregabalin gibt es in allen drei Ländern als Generika, die oft nur einen Bruchteil des Originals kosten. In der Schweiz sollten Versicherte gezielt nach dem Generikum fragen, weil seit 2024 auf teurere Originalpräparate ein Selbstbehalt von 40 statt 10 Prozent anfällt, wenn ein günstigeres gleichwertiges Präparat existiert. Wer eine hohe Franchise gewählt hat, zahlt Medikamente und Psychotherapie bis zum Erreichen der Franchise voll selbst. Bei einer Psychotherapie mit wöchentlichen Sitzungen ist die Franchise oft im ersten Quartal aufgebraucht. In Österreich ist die Rezeptgebühr der grössere Faktor als der Medikamentenpreis. Für Menschen mit geringem Einkommen gibt es dort und in Deutschland eine Befreiung von Rezeptgebühr beziehungsweise Zuzahlungen.

Bei der Psychotherapie hängt viel vom Land und vom Wohnort ab. In Deutschland ist sie kostenlos, aber Plätze sind knapp. In Österreich ist der Kassenplatz kostenlos, die Wahltherapie mit Zuschuss für viele eine finanzielle Belastung. In der Schweiz hat das Anordnungsmodell den Zugang deutlich verbessert, die Wartelisten in vielen Praxen sind trotzdem lang. Die genannten Zuschussbeträge und Gebühren werden regelmässig angepasst. Aktuelle Werte stehen auf den Websites der Krankenkassen und Behörden.

Spezialisten finden. Für die Diagnose und den Start einer Behandlung ist die Hausarztpraxis eine gute erste Adresse. Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie sind zuständig bei schwerer Ausprägung, bei ungenügendem Ansprechen auf zwei Medikamente, bei Begleiterkrankungen wie Depression, Sucht oder bipolarer Störung, beim Ausschleichen von Benzodiazepinen und in der Schwangerschaft. Fachärztinnen für Psychosomatische Medizin (in Deutschland und Österreich) sind eine Option, wenn körperliche Beschwerden im Vordergrund stehen. Für die Psychotherapie selbst sind psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit KVT-Schwerpunkt die wichtigste Anlaufstelle, bei Bedarf auch mit Erfahrung in Expositionstherapie oder Virtual Reality.

In der Schweiz helfen der Psychotherapeuten-Suchdienst der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP, psychologie.ch), das Verzeichnis der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP) sowie der Schweizer Psychotherapeuten-Verband (ASP). In Deutschland vermittelt die 116117 Termine, dazu kommen die Arztsuche der Kassenärztlichen Vereinigungen und die Therapeutensuche der Landespsychotherapeutenkammern. In Österreich führt das Gesundheitsministerium die öffentliche Psychotherapeutenliste mit Suchfunktion nach Methode und Region, der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) und der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP) vermitteln ebenfalls. Universitätskliniken in Zürich, Basel, Bern, München, Berlin, Wien und Graz haben Spezialambulanzen für Angststörungen, oft mit Studienangeboten.

Bei akuter Krise oder Suizidgedanken ist sofort Hilfe wichtig: in der Schweiz Die Dargebotene Hand (143) oder Notruf 144, in Deutschland die TelefonSeelsorge (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222) oder Notruf 112, in Österreich die TelefonSeelsorge (142) oder Notruf 144.

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Studien & Updates

Aktuelle Evidenz

Aktuelle Evidenz

Zu Angststörungen gibt es eine ungewöhnlich breite Studienlage: Hunderte kontrollierte Studien zu Medikamenten und zur kognitiven Verhaltenstherapie, dazu Daten zur Häufigkeit in der Bevölkerung, zu internetbasierten Programmen und zu den Risiken von Beruhigungsmitteln. Die folgenden acht Einträge fassen Leitlinie, Metaanalysen, eine pflanzliche Option und eine Sicherheitswarnung zusammen. Die Zahlen stammen aus den Originalpublikationen. Mittelwerte aus Studien sagen wenig darüber, wie eine einzelne Person auf eine Behandlung anspricht: Manche profitieren schnell, andere brauchen einen zweiten oder dritten Anlauf.

StudieAWMF, 2021

S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen (Version 2)

Die deutsche S3-Leitlinie (AWMF-Register 051-028), getragen von über zwanzig Fachgesellschaften und Patientenvertretungen, deckt Panikstörung, Agoraphobie, generalisierte Angststörung, soziale Angststörung und spezifische Phobien ab. Für Panikstörung, generalisierte und soziale Angststörung empfiehlt sie kognitive Verhaltenstherapie und Medikamente als gleichwertige erste Wahl; die Entscheidung soll sich nach Präferenz, Vorerfahrung und Verfügbarkeit richten. Bei den Medikamenten stehen selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI, etwa Escitalopram, Sertralin, Paroxetin) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI, Venlafaxin, Duloxetin) an erster Stelle, bei generalisierter Angststörung zusätzlich Pregabalin. Nach Ansprechen soll die Medikation noch 6 bis 12 Monate weitergeführt werden. Benzodiazepine empfiehlt die Leitlinie wegen des Abhängigkeitsrisikos nicht für die Regelbehandlung, sondern nur in begründeten Ausnahmefällen und kurzzeitig. Bei spezifischen Phobien ist die Expositionstherapie die Behandlung der Wahl, Medikamente spielen dort kaum eine Rolle. In der Schweiz und in Österreich gibt es keine eigene gleichrangige Leitlinie; die deutsche S3-Leitlinie wird in der Praxis breit als Referenz verwendet.

StudieInt Clin Psychopharmacol, 2015-07

Bandelow et al.: Metaanalyse aller Behandlungen bei Angststörungen

Die Arbeitsgruppe um Borwin Bandelow (Göttingen) wertete 234 Studien mit insgesamt 37'333 Patientinnen und Patienten mit Panikstörung, generalisierter oder sozialer Angststörung aus. Gemessen wurde der Effekt vom Beginn bis zum Ende der Behandlung (Prä-Post-Effektstärke). Medikamente erreichten im Mittel 2,02, Psychotherapien 1,22, Placebotabletten 1,29, Wartelisten 0,20. Am stärksten schnitten SNRI, SSRI, Pregabalin, Benzodiazepine, Quetiapin und trizyklische Antidepressiva ab; unter den Psychotherapien war die kognitive Verhaltenstherapie am besten untersucht. Die Autoren weisen selbst auf die Grenzen hin: Prä-Post-Werte vergleichen keine Behandlungen direkt miteinander, und Psychotherapiestudien sind methodisch schwer mit Medikamentenstudien vergleichbar (keine Verblindung, andere Kontrollgruppen). Die Analyse ist deshalb kein Beleg dafür, dass Tabletten der Therapie überlegen sind. Sie zeigt aber, dass beide Wege deutlich wirken und dass der Placeboeffekt bei Angst gross ist.

StudieDepress Anxiety, 2018-06

Carpenter et al.: Kognitive Verhaltenstherapie im Vergleich mit Placebo

Diese Metaanalyse beschränkte sich auf 41 randomisierte Studien mit 2843 Teilnehmenden, in denen die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gegen eine Placebobedingung getestet wurde, also gegen eine Scheinbehandlung mit Gesprächskontakt oder eine Placebotablette. Damit ist der Vergleich strenger als gegen eine Warteliste. Über alle Angst- und verwandten Störungen lag der Effekt auf die Kernsymptome im mittleren Bereich (Hedges' g 0,56). Gross war er bei generalisierter Angststörung (g 1,01), Zwangsstörung und akuter Belastungsstörung, eher klein bis mittel bei sozialer Angststörung (0,41) und Panikstörung (0,39). Die KVT verbesserte zusätzlich depressive Symptome und die Lebensqualität. Einschränkung: Viele Einzelstudien waren klein, und in Panikstudien schneidet auch die Placebobedingung oft gut ab, was den Unterschied kleiner erscheinen lässt.

StudieLancet, 2019-02

Slee et al.: Netzwerk-Metaanalyse der Medikamente bei generalisierter Angststörung

Ausgewertet wurden 89 randomisierte Studien mit 25'441 Personen und 22 verschiedenen Wirkstoffen. Gegenüber Placebo senkten Duloxetin, Pregabalin, Venlafaxin und Escitalopram die Angstwerte auf der Hamilton-Skala (HAM-A) deutlich und wurden gleichzeitig vergleichsweise gut vertragen, gemessen an der Zahl der Therapieabbrüche. Quetiapin wirkte auf der Skala am stärksten, wurde aber häufig wegen Nebenwirkungen (Müdigkeit, Gewichtszunahme) abgesetzt. Sertralin zeigte günstige Ergebnisse, beruhte aber auf wenigen Studien. Für Benzodiazepine fanden die Autoren zwar eine Wirkung, raten wegen Abhängigkeit und Sturzgefahr aber von der Langzeitanwendung ab. Die Unterschiede zwischen den gut untersuchten Wirkstoffen sind klein, und die Auswahl hängt in der Praxis stärker von Begleiterkrankungen, Nebenwirkungsprofil und Wechselwirkungen ab als von der Rangliste.

StudieInt J Neuropsychopharmacol, 2014

Kasper et al.: Lavendelöl Silexan bei generalisierter Angststörung

In dieser doppelblinden Studie erhielten 539 Erwachsene mit generalisierter Angststörung zehn Wochen lang Silexan 160 mg, Silexan 80 mg, Paroxetin 20 mg oder Placebo. Der HAM-A-Wert sank im Mittel um 14,1 Punkte (160 mg), 12,8 Punkte (80 mg), 11,3 Punkte (Paroxetin) und 9,5 Punkte (Placebo). Silexan ist ein standardisierter Lavendelöl-Extrakt in Kapselform (Lasea); bereits 2010 hatte eine Studie derselben Arbeitsgruppe mit 221 Personen mit unterschwelliger Angst einen Vorteil gegenüber Placebo gezeigt. Die häufigste Nebenwirkung ist Aufstossen mit Lavendelgeschmack, Abhängigkeit oder Müdigkeit wurden nicht beobachtet. Einordnung: Die Studien wurden vom Hersteller finanziert, und der Erstautor hat entsprechende Interessenkonflikte offengelegt. Unabhängige Bestätigungen in grösserem Umfang fehlen. Für leichte bis mittlere Beschwerden kann Silexan eine Option sein, bei schwerer Angst oder Panikstörung ersetzt es die leitliniengerechte Behandlung nicht.

StudieFDA, 2020-09

Benzodiazepine: Erweiterte Boxed Warning zu Missbrauch, Abhängigkeit und Entzug

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat im September 2020 für alle Benzodiazepine (etwa Alprazolam, Lorazepam, Diazepam, Clonazepam) die schärfste Warnstufe in der Fachinformation erweitert. Die Warnung nennt nun ausdrücklich Missbrauch, Fehlgebrauch, Sucht, körperliche Abhängigkeit und Entzugsreaktionen. Körperliche Abhängigkeit kann bereits nach einigen Tagen bis Wochen regelmässiger Einnahme auch in verordneter Dosis entstehen; abruptes Absetzen oder zu schnelles Reduzieren kann schwere Entzugsreaktionen bis zu Krampfanfällen auslösen. Die FDA begründete den Schritt unter anderem mit etwa 92 Millionen abgegebenen Benzodiazepin-Verordnungen in US-Apotheken im Jahr 2019 und mit dem häufigen Mischkonsum mit Opioiden und Alkohol. Swissmedic, BfArM und BASG haben keine wortgleiche Warnung erlassen; die Fachinformationen in der Schweiz, Deutschland und Österreich weisen aber seit Langem auf Abhängigkeit hin und begrenzen die empfohlene Anwendungsdauer in der Regel auf wenige Wochen.

StudieJ Anxiety Disord, 2018

Andrews et al.: Aktualisierte Metaanalyse zur internetbasierten Therapie

Die Gruppe um Gavin Andrews (Sydney) fasste 64 randomisierte Studien zu computer- und internetbasierter kognitiver Verhaltenstherapie bei Angst und Depression zusammen, darunter Programme für Panikstörung, soziale und generalisierte Angststörung. Gegenüber Wartelisten und anderen Kontrollbedingungen zeigten die Programme Effekte im mittleren bis grossen Bereich. In den Studien, die internetbasierte und herkömmliche Therapie direkt verglichen, fanden die Autoren keinen relevanten Unterschied. Am besten wirkten Programme mit regelmässiger Begleitung durch eine Fachperson, etwa per Nachricht oder kurzem Telefonat; völlig unbegleitete Programme hatten höhere Abbruchraten. In Deutschland sind solche Programme teilweise als digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) auf Rezept erhältlich. Sie eignen sich als Überbrückung bis zum Therapieplatz oder als Ergänzung, bei schwerer Ausprägung oder Suizidgedanken reichen sie allein nicht.

StudieNervenarzt, 2014-01

Jacobi et al.: Häufigkeit psychischer Störungen in Deutschland (DEGS1-MH)

Im Zusatzmodul Psychische Gesundheit der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland wurden 5317 Personen zwischen 18 und 79 Jahren mit einem standardisierten klinischen Interview untersucht. Angststörungen waren die häufigste Gruppe: 15,3 Prozent erfüllten innerhalb von zwölf Monaten die Kriterien, Frauen mit 21,3 Prozent mehr als doppelt so oft wie Männer mit 9,3 Prozent. Am häufigsten waren spezifische Phobien (10,3 Prozent), gefolgt von Agoraphobie (4,0 Prozent), sozialer Phobie (2,7 Prozent), generalisierter Angststörung (2,2 Prozent) und Panikstörung (2,0 Prozent). Viele Betroffene hatten gleichzeitig eine Depression oder eine weitere Störung. Für die Schweiz und Österreich gibt es keine methodisch gleichwertige Erhebung; Fachleute gehen von ähnlichen Grössenordnungen aus.

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Häufige Fragen

Kann man an einer Panikattacke sterben?+

Nein. Eine Panikattacke fühlt sich oft wie Sterben an, mit Herzrasen, Engegefühl, Atemnot, Schwindel und dem Gedanken, gleich umzufallen oder verrückt zu werden. Diese Symptome entstehen durch eine massive Alarmreaktion des Körpers: Adrenalin steigt, der Puls beschleunigt sich, die Atmung wird schneller. Für ein gesundes Herz ist das so belastend wie ein kurzer Sprint, nicht gefährlicher. Ohnmachten sind während einer Panikattacke selten, weil der Blutdruck eher steigt als fällt. Die Attacke erreicht ihren Höhepunkt meist innert Minuten und klingt danach von selbst ab, auch ohne Gegenmassnahme. Wichtig ist eine einmalige ärztliche Abklärung, damit eine Herzrhythmusstörung, eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine andere körperliche Ursache ausgeschlossen ist.

Wie unterscheide ich Panikattacke und Herzinfarkt?+

Sicher unterscheiden lässt sich das zu Hause nicht, deshalb gilt: Beim ersten Mal und bei jedem Zweifel den Notruf wählen (CH und AT 144, DE 112). Hinweise auf einen Herzinfarkt sind ein drückender oder brennender Schmerz hinter dem Brustbein, der in Arm, Kiefer, Rücken oder Oberbauch ausstrahlt, länger als etwa 15 Minuten anhält, unter Belastung zunimmt, mit kaltem Schweiss und Übelkeit einhergeht und bei Menschen mit Risikofaktoren auftritt. Frauen und Menschen mit Diabetes haben öfter untypische Beschwerden wie Atemnot oder Erschöpfung. Für eine Panikattacke sprechen ein schneller Anstieg innert Minuten, Kribbeln in Händen und Lippen, Angst vor Kontrollverlust und ein Abklingen nach 10 bis 30 Minuten. Wer seine Attacken kennt und abgeklärt ist, erkennt das Muster mit der Zeit.

Was tun in einer akuten Attacke?+

Benennen Sie, was passiert: "Das ist eine Panikattacke, sie ist unangenehm, aber nicht gefährlich." Bleiben Sie, wenn die Situation sicher ist, und flüchten Sie nicht; Flucht bestätigt dem Gehirn, dass Gefahr bestand. Atmen Sie langsam, etwa vier Sekunden ein und sechs Sekunden aus, durch die Nase und in den Bauch. Lenken Sie die Aufmerksamkeit nach aussen: fünf Dinge, die Sie sehen, vier, die Sie hören, drei, die Sie berühren. Kämpfen Sie nicht gegen die Symptome, lassen Sie die Welle steigen und fallen. Notieren Sie nach dem Abklingen Situation, Dauer und Höchstwert im Tagebuch. Mit der Zeit zeigt sich, dass jede Attacke endet, auch ohne Tablette, Wasserflasche oder Begleitperson. Diese Erfahrung ist der Kern der Verhaltenstherapie.

Hilft Atmen in eine Tüte?+

Davon raten Fachleute heute ab. Die Idee dahinter: Bei Hyperventilation atmet man zu viel Kohlendioxid ab, und das Rückatmen aus einer Tüte soll den Wert wieder anheben. Tatsächlich kann das Rückatmen den Sauerstoffgehalt im Blut senken. Gefährlich wird das, wenn hinter der Atemnot keine Panik steckt, sondern ein Asthmaanfall, eine Lungenembolie oder ein Herzinfarkt; in der Notfallmedizin sind solche Verwechslungen beschrieben. Ausserdem wird die Tüte schnell zum Sicherheitsverhalten, ohne das man sich nicht mehr aus dem Haus traut. Wirksamer und sicher ist langsames Atmen mit verlängerter Ausatmung, etwa sechs Atemzüge pro Minute. Wer häufig hyperventiliert, kann diese Technik in ruhigen Momenten üben, damit sie im Ernstfall abrufbar ist.

Machen Beruhigungsmittel abhängig?+

Benzodiazepine wie Lorazepam (Temesta, Tavor), Alprazolam (Xanax) oder Diazepam (Valium) können bereits nach wenigen Wochen regelmässiger Einnahme körperlich abhängig machen, auch in der verordneten Dosis. Sie wirken schnell und zuverlässig, deshalb sind sie für eine akute Ausnahmesituation geeignet, nicht für die Dauerbehandlung. Beim Absetzen können Unruhe, Schlaflosigkeit und verstärkte Angst zurückkehren (Rebound), nach längerer Einnahme drohen auch Krampfanfälle. Deshalb nie abrupt absetzen, sondern mit der Ärztin oder dem Arzt über Wochen bis Monate ausschleichen. Die Antidepressiva, die bei Angststörungen erste Wahl sind (SSRI, SNRI), machen nicht süchtig, können aber beim schnellen Absetzen ebenfalls Absetzbeschwerden wie Schwindel verursachen. Pregabalin hat ein eigenes Missbrauchspotenzial, besonders bei früherer Suchterkrankung.

Medikamente oder Psychotherapie: Was hilft besser?+

Beides wirkt, und die S3-Leitlinie stellt beide Wege bei Panikstörung, generalisierter und sozialer Angststörung gleichberechtigt nebeneinander. Medikamente wirken nach etwa zwei bis vier Wochen und sind sofort verfügbar, wenn der Hausarzt sie verschreibt; nach dem Absetzen kommen die Symptome bei einem Teil der Betroffenen zurück. Kognitive Verhaltenstherapie braucht Zeit, Mitarbeit und meist 12 bis 25 Sitzungen, die Effekte halten nach Therapieende aber oft länger an, weil man Werkzeuge gelernt hat. Bei spezifischen Phobien ist die Expositionstherapie klar die erste Wahl. Eine Kombination kann bei schwerer Ausprägung sinnvoll sein. Entscheidend sind Ihre Präferenz, frühere Erfahrungen, Begleiterkrankungen und wie schnell ein Therapieplatz verfügbar ist.

Wird die Angst je ganz weggehen?+

Angst als Gefühl bleibt, und das ist gut so: Sie schützt vor echten Gefahren und gehört zum Leben. Was weggehen kann, ist die Angststörung, also Angst, die zu oft, zu stark und in harmlosen Situationen auftritt und das Leben einschränkt. Viele Menschen erreichen mit Behandlung einen Zustand, in dem Attacken selten werden oder ganz ausbleiben und sie wieder Tram fahren, einkaufen oder vor Leuten sprechen können. Rückfälle in belastenden Lebensphasen sind häufig und kein Versagen. Wer gelernt hat, wie Exposition funktioniert, kann früh reagieren und braucht oft nur wenige Auffrischungssitzungen. Der Verlauf ist individuell: Manche sind nach Monaten beschwerdefrei, andere leben mit einer leichten Restangst, die sie kaum noch einschränkt.

Angst bei Kindern: Wann zum Arzt?+

Ängste gehören zur Entwicklung: Trennungsangst im Kleinkindalter, Angst vor Dunkelheit, Monstern oder Hunden im Vorschulalter. Abklären lassen sollten Sie, wenn die Angst deutlich stärker ist als bei Gleichaltrigen, über mehrere Wochen anhält und den Alltag einschränkt, etwa durch Schulvermeidung, häufige Bauch- oder Kopfschmerzen ohne körperliche Ursache, Schlafprobleme, Rückzug von Freunden oder Wutausbrüche bei angstauslösenden Situationen. Erste Anlaufstelle ist die Kinderärztin oder der Kinderarzt, danach Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Kognitive Verhaltenstherapie mit Einbezug der Eltern ist die Behandlung der ersten Wahl. In der CAMS-Studie (NEJM 2008, 488 Kinder) sprachen 81 Prozent auf die Kombination aus KVT und Sertralin an, 60 Prozent auf KVT allein, 55 Prozent auf Sertralin allein und 24 Prozent auf Placebo.

Wie komme ich zu einer Psychotherapie, und was hilft in der Wartezeit?+

In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung seit Juli 2022 Psychotherapie bei psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, wenn eine Ärztin oder ein Arzt sie anordnet (zunächst bis 15 Sitzungen, verlängerbar). In Deutschland führt der Weg über die psychotherapeutische Sprechstunde; die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung (Telefon 116117) vermittelt Termine. In Österreich gibt es Kassenplätze und Kostenzuschüsse für Psychotherapie, seit 2024 ist zudem die klinisch-psychologische Behandlung eine Kassenleistung. Wartezeiten von mehreren Monaten sind in allen drei Ländern verbreitet. Zur Überbrückung helfen begleitete Online-Programme, Selbsthilfebücher mit verhaltenstherapeutischem Ansatz, Selbsthilfegruppen und regelmässige Bewegung. Melden Sie sich auf mehreren Wartelisten an.

Was tun, wenn zur Angst Hoffnungslosigkeit oder Suizidgedanken kommen?+

Lange anhaltende Angst erschöpft. Gedanken wie "Ich halte das nicht mehr aus" oder "Es wäre besser, nicht mehr da zu sein" sind ein Warnsignal, das ernst genommen werden muss. Sprechen Sie sofort mit einer vertrauten Person, Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Rund um die Uhr erreichbar sind in der Schweiz Die Dargebotene Hand (143), für Jugendliche Pro Juventute (147) und der Notruf (144); in Deutschland die TelefonSeelsorge (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222) und der Notruf (112); in Österreich die TelefonSeelsorge (142), Rat auf Draht (147) und der Notruf (144). Bei akuter Gefahr gehen Sie in die nächste Notfallstation. Hilfe zu holen ist richtig, auch wenn Sie unsicher sind, ob es "schlimm genug" ist.

Glossar

Panikattacke
Plötzlich einsetzende, intensive Angst mit starken Körpersymptomen wie Herzrasen, Atemnot, Schwitzen, Zittern oder Schwindel, die innert Minuten ihren Höhepunkt erreicht. Treten Attacken wiederholt und unerwartet auf und entsteht daraus eine anhaltende Angst vor der nächsten Attacke, spricht man von einer Panikstörung.
Agoraphobie
Angst vor Situationen, aus denen eine Flucht schwierig wäre oder in denen im Notfall keine Hilfe verfügbar ist, etwa Menschenmengen, öffentliche Verkehrsmittel, Schlangen an der Kasse oder das Alleinsein ausser Haus. Sie tritt oft zusammen mit einer Panikstörung auf und führt zu ausgeprägtem Vermeidungsverhalten.
Generalisierte Angststörung (GAD)
Anhaltende, schwer kontrollierbare Sorgen über viele Lebensbereiche (Gesundheit, Familie, Arbeit, Geld) an den meisten Tagen über mindestens sechs Monate, verbunden mit Anspannung, Unruhe, Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen. Die Abkürzung GAD stammt vom englischen "generalized anxiety disorder", auf Deutsch auch GAS.
Soziale Phobie
Ausgeprägte Angst, in sozialen Situationen von anderen negativ bewertet zu werden oder sich zu blamieren, etwa beim Sprechen vor Gruppen, beim Essen in der Öffentlichkeit oder beim Telefonieren. Heute meist als soziale Angststörung bezeichnet; sie beginnt häufig schon in der Jugend.
Exposition
Kernmethode der Verhaltenstherapie: Man setzt sich schrittweise und geplant genau den Situationen oder Körperempfindungen aus, die Angst auslösen, und bleibt so lange, bis man erlebt, dass die befürchtete Katastrophe nicht eintritt. Die Konfrontation kann real (in vivo), in der Vorstellung oder über körperliche Übungen erfolgen.
Vermeidungsverhalten
Das Ausweichen vor angstauslösenden Situationen, etwa nicht mehr Auto fahren oder Einladungen absagen. Kurzfristig sinkt die Angst, langfristig hält Vermeidung die Störung aufrecht, weil man nie die Erfahrung macht, dass die Situation bewältigbar ist.
Sicherheitsverhalten
Kleine Handlungen, mit denen man eine befürchtete Katastrophe verhindern will, ohne die Situation ganz zu meiden: immer eine Wasserflasche oder Notfalltablette dabeihaben, nur mit Begleitung einkaufen, am Gangplatz sitzen. Sicherheitsverhalten wirkt wie verdeckte Vermeidung und wird in der Therapie schrittweise abgebaut.
Hyperventilation
Zu schnelle oder zu tiefe Atmung, bei der mehr Kohlendioxid abgeatmet wird als nötig. Folgen sind Kribbeln in Händen und um den Mund, Schwindel, Benommenheit und manchmal verkrampfte Hände. Hyperventilation ist bei Panikattacken häufig, aber nicht gefährlich, und lässt sich durch langsames Atmen mit langer Ausatmung beruhigen.
Benzodiazepin
Wirkstoffgruppe mit schnell angstlösender, beruhigender und schlaffördernder Wirkung, etwa Lorazepam, Alprazolam, Diazepam oder Clonazepam. Wegen des Risikos von Abhängigkeit, Toleranz, Stürzen und Gedächtnisstörungen sind Benzodiazepine nur für kurze Zeit und in Ausnahmesituationen empfohlen.
GAD-7
Kurzer Fragebogen mit sieben Fragen zur Schwere von Angstsymptomen in den letzten zwei Wochen, entwickelt von Spitzer und Kollegen (2006) und auf Deutsch validiert. Er dient der Einschätzung und Verlaufskontrolle, ersetzt aber keine Diagnose (siehe Rechner 1).
KVT (kognitive Verhaltenstherapie)
Psychotherapieform, die angstauslösende Gedanken überprüft, Vermeidung und Sicherheitsverhalten abbaut und mit Exposition neue Erfahrungen ermöglicht. Sie ist die am besten untersuchte Psychotherapie bei Angststörungen und umfasst typischerweise 12 bis 25 Sitzungen, auch in Gruppen oder internetbasiert.
Anfangsverschlechterung
Vorübergehende Zunahme von Unruhe, Nervosität oder Angst in den ersten ein bis zwei Wochen nach Beginn eines SSRI oder SNRI. Sie ist bei Panikstörung besonders häufig und der Grund, warum man mit einer tiefen Dosis beginnt und langsam steigert. Die Beschwerden klingen meist ab, bevor die eigentliche Wirkung nach zwei bis vier Wochen einsetzt.

Downloads & Tools

Rechner 1: GAD-7-Selbsttest

Rechner 1

GAD-7, Angst-Selbsteinschätzung der letzten zwei Wochen

Wie oft fühlten Sie sich im Verlauf der letzten 2 Wochen durch die folgenden Beschwerden beeinträchtigt?

1. Nervosität, Ängstlichkeit oder Anspannung
2. Nicht in der Lage sein, Sorgen zu stoppen oder zu kontrollieren
3. Übermässige Sorgen bezüglich verschiedener Angelegenheiten
4. Schwierigkeiten zu entspannen
5. Rastlosigkeit, so dass Stillsitzen schwerfällt
6. Schnelle Verärgerung oder Gereiztheit
7. Gefühl der Angst, so als würde etwas Schlimmes passieren

Auswertung

Beantworten Sie alle sieben Fragen, um Ihren Summenwert zu sehen.

0 von 7 Fragen beantwortet

Der GAD-7 ist ein Screening- und Verlaufsinstrument, kein Diagnoseverfahren. In der Validierungsstudie in Hausarztpraxen (2740 Personen) erkannte ein Grenzwert von 10 Punkten eine generalisierte Angststörung mit einer Sensitivität von 89 Prozent und einer Spezifität von 82 Prozent; Panikstörung, soziale Angststörung und posttraumatische Belastungsstörung werden ebenfalls angezeigt, aber weniger zuverlässig. Ein tiefer Wert schliesst eine Angststörung nicht aus, besonders nicht eine spezifische Phobie oder eine Agoraphobie mit starkem Vermeiden. Körperliche Ursachen erfasst der Test nicht. Der Rechner gilt für Erwachsene. Unabhängig von der Punktzahl blendet er bei jedem Ergebnis den Krisenhinweis mit den Nummern für CH, DE und AT ein.

Eingaben, Formeln, Interpretationsgrenzen

Name: GAD-7, Angst-Selbsteinschätzung der letzten zwei Wochen

Eingaben: Die sieben Fragen der deutschen Version (Löwe et al. 2008) mit der Einleitung "Wie oft fühlten Sie sich im Verlauf der letzten 2 Wochen durch die folgenden Beschwerden beeinträchtigt?" Zu jeder Frage eine von vier Antworten: Überhaupt nicht (0 Punkte), An einzelnen Tagen (1 Punkt), An mehr als der Hälfte der Tage (2 Punkte), Beinahe jeden Tag (3 Punkte).

  1. Nervosität, Ängstlichkeit oder Anspannung
  2. Nicht in der Lage sein, Sorgen zu stoppen oder zu kontrollieren
  3. Übermässige Sorgen bezüglich verschiedener Angelegenheiten
  4. Schwierigkeiten zu entspannen
  5. Rastlosigkeit, so dass Stillsitzen schwerfällt
  6. Schnelle Verärgerung oder Gereiztheit
  7. Gefühl der Angst, so als würde etwas Schlimmes passieren

Formel: Summe der sieben Itemwerte, Bereich 0 bis 21 Punkte. Der Rechner gibt erst ein Ergebnis aus, wenn alle sieben Fragen beantwortet sind.

Ausgabe und Auswertung (Grenzwerte nach Spitzer et al. 2006):

Punkte
0 bis 4
Einordnung
Minimale Angstsymptome
Hinweis im Rechner
Kein Hinweis auf eine behandlungsbedürftige Angst. Bei anhaltenden Beschwerden trotzdem ärztlich besprechen.
Punkte
5 bis 9
Einordnung
Leichte Angstsymptome
Hinweis im Rechner
Beobachten, Tagebuch führen, Test in zwei bis vier Wochen wiederholen. Bei Einschränkungen im Alltag ärztlich besprechen.
Punkte
10 bis 14
Einordnung
Mittelgradige Angstsymptome
Hinweis im Rechner
Ärztliche Abklärung empfohlen. Ab 10 Punkten ist eine Angststörung wahrscheinlich genug, um sie gezielt zu untersuchen.
Punkte
15 bis 21
Einordnung
Schwere Angstsymptome
Hinweis im Rechner
Zeitnahe ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung empfohlen, innert Tagen bis weniger Wochen.

Zusätzlich zeigt der Rechner den Verlauf, wenn frühere Ergebnisse gespeichert wurden (Datum und Punktzahl als Liste), und weist darauf hin, dass eine Abnahme um etwa 4 bis 5 Punkte als spürbare Veränderung gilt.

Interpretationsgrenzen: Der GAD-7 ist ein Screening- und Verlaufsinstrument, kein Diagnoseverfahren. In der Validierungsstudie in Hausarztpraxen (2740 Personen) erkannte ein Grenzwert von 10 Punkten eine generalisierte Angststörung mit einer Sensitivität von 89 Prozent und einer Spezifität von 82 Prozent; Panikstörung, soziale Angststörung und posttraumatische Belastungsstörung werden ebenfalls angezeigt, aber weniger zuverlässig. Ein tiefer Wert schliesst eine Angststörung nicht aus, besonders nicht eine spezifische Phobie oder eine Agoraphobie mit starkem Vermeiden. Körperliche Ursachen erfasst der Test nicht. Der Rechner gilt für Erwachsene. Unabhängig von der Punktzahl blendet er bei jedem Ergebnis den Krisenhinweis mit den Nummern für CH, DE und AT ein.

Rechner 2: Expositions-Hierarchie-Planer

Rechner 2

Meine Angststufen, Planer für schrittweise Exposition

Beschreiben Sie 5 bis 20 Situationen so konkret wie möglich, zum Beispiel «zwei Stationen Tram allein, Stosszeit» statt «Tram fahren».

Sicherheitsverhalten, das ich dabei üblicherweise einsetze (optional)
Sicherheitsverhalten, das ich dabei üblicherweise einsetze (optional)
Sicherheitsverhalten, das ich dabei üblicherweise einsetze (optional)
Sicherheitsverhalten, das ich dabei üblicherweise einsetze (optional)
Sicherheitsverhalten, das ich dabei üblicherweise einsetze (optional)

Auswertung

Mindestens 5 Situationen

0 von 5 Situationen beschrieben.

Der Planer ersetzt keine Therapie. Ungeeignet ist er für Situationen, die tatsächlich gefährlich sind, für traumabezogene Erinnerungen (Exposition bei posttraumatischer Belastungsstörung gehört in therapeutische Begleitung), bei unbehandelten Herz- oder Lungenerkrankungen ohne ärztliche Freigabe für körperbezogene Übungen sowie in einer akuten Krise. Wer bei Übungen wiederholt Werte über 90 erreicht oder nicht weiterkommt, sollte die Hierarchie mit einer Fachperson überarbeiten. Bei Suizidgedanken blendet der Planer den Krisenhinweis ein: CH 143, 147 oder 144, DE 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 112, AT 142, 147 oder 144.

Eingaben, Formeln, Interpretationsgrenzen

Name: Meine Angststufen, Planer für schrittweise Exposition

Zweck: Der Planer hilft, angstauslösende Situationen zu sammeln, nach Schwierigkeit zu ordnen und Übungen zu protokollieren. Er ist als Begleitwerkzeug für eine Verhaltenstherapie gedacht oder für die Selbsthilfe bei leichter Ausprägung, nach Rücksprache mit einer Fachperson.

Eingaben:

  • Situationen: freie Texteingabe, 5 bis 20 Einträge, jeder so konkret wie möglich (statt "Tram fahren" lieber "zwei Stationen Tram allein, Stosszeit")
  • Erwartete Angst 0 bis 100 je Situation, per Schieberegler (0 = keine Angst, 100 = schlimmste vorstellbare Angst)
  • Optional je Situation: Sicherheitsverhalten, das ich dabei üblicherweise einsetze (Auswahl plus Freitext: Begleitperson, Wasserflasche, Notfalltablette, Handy in der Hand, Sitzplatz am Ausgang, Ablenkung)
  • Optional je Situation: Befürchtung in einem Satz ("Ich bekomme eine Attacke und kippe um")

Logik: Der Planer sortiert alle Situationen aufsteigend nach erwarteter Angst und teilt sie in Stufen ein: Einstieg (unter 40), mittlere Stufe (40 bis 69), hohe Stufe (70 bis 100). Haben zwei Situationen denselben Wert, bleibt die Reihenfolge der Eingabe erhalten. Als erste Übung schlägt er die Situation mit dem tiefsten Wert ab 30 vor, weil Übungen unter 30 meist zu wenig Lernerfahrung bieten. Liegen zwischen zwei benachbarten Situationen mehr als 25 Punkte, weist der Planer darauf hin, eine Zwischenstufe zu ergänzen (etwa dieselbe Situation mit Begleitung oder kürzer). Situationen mit Sicherheitsverhalten erscheinen zusätzlich als Variante "ohne Sicherheitsverhalten" eine Stufe höher.

Ausgabe: Eine nummerierte Stufenliste (Stufe 1 bis N) mit Situation, erwarteter Angst und Befürchtung, druckbar als PDF. Dazu ein Protokollblatt pro Übung mit folgenden Feldern:

  • Datum, Uhrzeit, Stufe und Situation
  • Befürchtung vorher und wie wahrscheinlich ich sie halte (0 bis 100 Prozent)
  • Angst zu Beginn, Höchstwert und Angst am Ende (je 0 bis 100)
  • Dauer der Übung in Minuten
  • Sicherheitsverhalten weggelassen: ja, teilweise, nein
  • Ist die Befürchtung eingetreten? Was ist tatsächlich passiert?
  • Was ich daraus lerne, in einem Satz
  • Nächster Schritt: Übung wiederholen oder nächste Stufe

Fortschrittsanzeige: Der Planer stellt für jede Stufe die Höchstwerte der Wiederholungen als Verlauf dar und schlägt die nächste Stufe vor, wenn eine Übung dreimal durchgeführt wurde und die Befürchtung jeweils nicht eingetreten ist. Er setzt dabei bewusst nicht voraus, dass die Angst stark gesunken ist: Nach dem heute verbreiteten Modell des inhibitorischen Lernens (Craske und Kollegen) ist entscheidend, dass die Erwartung widerlegt wird, nicht dass die Angst vollständig abklingt.

Interpretationsgrenzen: Der Planer ersetzt keine Therapie. Ungeeignet ist er für Situationen, die tatsächlich gefährlich sind, für traumabezogene Erinnerungen (Exposition bei posttraumatischer Belastungsstörung gehört in therapeutische Begleitung), bei unbehandelten Herz- oder Lungenerkrankungen ohne ärztliche Freigabe für körperbezogene Übungen sowie in einer akuten Krise. Wer bei Übungen wiederholt Werte über 90 erreicht oder nicht weiterkommt, sollte die Hierarchie mit einer Fachperson überarbeiten. Bei Suizidgedanken blendet der Planer den Krisenhinweis ein: CH 143, 147 oder 144, DE 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 112, AT 142, 147 oder 144.

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